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Full text of "Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften."

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Zeitschrift 


für die 


GWesammten Naturwissenschaften. 


Herausgegeben 


von dem 


Naturw. Vereine für Sachsen und Thüringen in Halle, 


redigirt von 


ST -ssiegr.s® 


€. Giebel und M. Siewert. 


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783 BOADERSS 

Jahrgang 1863, IlıerAR Y, 

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Mit drei Tafeln. 


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Berlin, 
Wiegandt u, Hempel. 
1863. 


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Inhalt. 


Original - Aufsätze. 


C. @. Giebel, Limulus Decheni Zk im Braunkohlensandsteine bei 


Teuchern (TE. sa: 64 
— —, zur Anatomie von Vultur fulvus aus Chr. L. Nitzsch’ "hand. 
schriftlichem Nachlass mitgetheilt . . . ote (bie narsananiN 
— —, zur Osteologie der Gattung Ocypterus 2 140 
— —, drei und zwanzig neue und einige bekannte Spinnen der 
hallischen Sammlung 306 
W. Heintz, über die Daseleliäng und Basicität der Diglycolamid- 
säure. . 121 


H. Hornemann, "die Bildung der Weinsäure "und "Traubensäure 
durch Einwirkung von Salpetersäure auf verschiedene Kohle- 


Bolesie ,u..69 2nonokte] Ina lnanöhah. der oe ala er 
Th. Irmisch, einige Bemerkungen über Scilla autumnalis und 

Sc. bifolia u 433 
R. A. Philippi, Verzeichniss der im Museum von St. Jago befind- 

lichen chilenischen Orthopteren . . 217 
— — , Beschreibung einer neuen Acridioide aus der argentini- 

schen Republik . . . 444 
M.Siewert, über Farbenveränderungen der Chromoxydsalzlösungen 501 
—_—-—, über Salpetersäurebestimmung . . . .- RER ...516 
— —, über das Quecksilberoxyd . . BR ENTE RR) 
Bd. Söchting, zur Paragenesis des Glimmers . 30 
B. L. Taschenberg, Bemerkungen zu den Arten’ der“ Gattung 

Pimpla bei Durchsicht der Gravenhorst’schen Dypeniara » 50 
— — , die Schlupfwespenfamilie Pimplariae der deutschen Fauna 
- mit besonderer Rücksicht auf die Umgegend von Halle. . . 245 
Vasquez und Bassols, Analyse einer dem Erdpech ähnlichen Sub- 

stanz gefunden in einer Höhle bei Catemu in Chile. . . . 447 
I. Witte, die Vertheilung der Wärme auf der Erdoberfläche . . 401 

Mittheilungen. 


C. Giebel, Hypoderas Nitz —= Hypodectes Filippi 79; Caridina 
siamensis n sp. 329; über Borsteneichkätzchen 452; der lithographirte 
lithographische Vogelsaurier 526. — H. Kenngott, Analcim mit Des- 
min und Stilbit bei Andreasberg 452. — Z. Möller, der Erdfall bei 
Dachrieden unweit Mühlhausen 450. — H. Richter, naturgeschicht- 
liche Beobachtungen bei Saalfeld 531. — Z. Richter, Analyse einer 
Hornblende von Brackendorf in Ungarn und einer Scheidungsmethode 
der Magnesia von Natron 68. — M. Siewert, Analyse einer "Amnions- 
flüssigkeit 146; über reines Zinkoxyd und über das Atomgewicht des 
Zinks 150; Untersuchung einer hydropischen Flüssigkeit; über das 
Oxalium; Analyse eines Stassfurter Kalisalzes 77. — G. Suckow, über 
Metallreduktion 328. — C. Zincken, das Braunkohlenlager von Latdorf 
bei Bernburg. (Tf. III) 330. 


Literatur. 


Allgemeines. E. Hallier, Nordseestudien (Hamburg 1863) 
533. — (C. Hullmann, das Grundgesetz der Materie (Oldenburg 1863) 
533. — Öfversigt kgl. Vetensk. Akad. Forhdl. XVIII. (1861) 330. — 
Oversigt over det kgl. danske Vid. Selskp. Forhdl. (1861) 80. — Kgl. 
svenska Vet. Acad. Handlgar III (1860) 331. — KH. Pompper, die 
wichtigsten Formen des Thierreiches (Leipzig 1863) 533. — G. Ra- 
mann, die Erdbildung oder die Entstehung und Zusammensetzung 


IV 


der Erdrinde (Erfurt 1863) 81. — 6. Suckow, zur Naturwissenschaft 
(Berlin 1863) 532. 

Astronomie u. Meteorologie. Cornelius, Meteorologie 
(Halle 1863) 151. — Feuerkugel in NDeutschland am 7. Januar 82. — 
@. Kratzsch, meteorologische Beobachtungen von Gera 455, — @. von 
Möllendorf, die Regenverhältnisse Deutschlands 455. — 4A. Mühry, 
klimatographische Uebersicht der Erde (Leipzig 1862) 81. — Nomack, 
über die Gewitter 454. — Schneider, merkwürdige Erscheinungen bei 
dem Gewitter am 26. April 1862 153. — Schönfeld, Beobachtungen von 
Nebelflecken und Sternhaufen 454. — Simmler,, Beobachtung des Zo- 
diakallichtes bei Chur 83. — Simonett, meteorologische Beobachtun- 
gen in Splügen, auf dem Bernhardin und Julier 81. — sSimony, 
Wärmeverhältnisse Wiens 82. 

Physik. Angström, das Wärmeleitungsvermögen des Kupfers 
und Eisens bei verschiedener Temperatur 436. — Aubert, die Sinnes- 
thätigkeit der Netzhaut 155. — Berger, über Grundeisbildung 332; 
über Nebel 534. — Dammer, Fluorescenz der Wärme 83. — Dove, 
das Hörbarmachen von Beitönen durch Interferenz 83. — Keddersen, 
die elecetrische Funkenentladung 155. — Fizeau, das Licht des in der 
Luft verbrennenden Natriums 332. — Gassiot, die Wärmeentwickelung 
an den Polen einer voltaischen Batterie 536. — Haerlin, das Verhal- 
ten einiger Farbstoffe im Sonnenspektrum 332. — Kravogl, Quecksil- 
berluftpumpe 333. — Zamy, das Thallium 333. — Zeroux, anomale 
Dispersion des Joddampfes 334. — Mascart, Wellenlänge der Linie 
A 458. — Merz, das Farbenspectrum 334. — Mitscherlich, zur Spec- 
tralanalyse 334. — Mohr, die Endigungen der Blitzableiter 85; über 
Flecks Beziehungen zwischen Atomgewicht und specifischem Ge- 
wichte 335. — J. Müller, Bestimmung der Wellenlänge einiger hellen 
Spectrallinien 457. — Paalzom, über die Glüherscheinung am positi- 
ven und negativen Pole bei der Entladung einer Leydener Batterie 
453. — Plücker, über recurrente Ströme und deren Gasspectra 86. — 
$. Ringer, über die Aenderung der Tonhöhe bei Leitung von Tönen 
durch verschiedene Medien 458. — ARood, das Studium des electrischen 
Funkens mittelst Photographie 335. — H. Rose, Zusammensetzung 
eines fossilen Eies 336. — ARüdorff, das Gefrieren des Wassers aus 
Lösungen 85. — Sauber, Brechungs- und Zerstreuungsverhältnisse ei- 
niger organischer und unorganischer Substanzen 337. — Schaffgotsch, 
specifische Gewichtsbestimmung fester Körper beim Schweben 157. 
— Schneider, Erzeugung von Tönen durch Wärme 337. — Schrauf, 
Abhängigkeit der Lichtfortpflanzung von der Körperdichte 158. — 
Tyndall, Strahlung und Absorption der Wärme durch Gase 160. — 
Vogel, einfaches Verfahren mikroskopische Ansichten zu photographi- 
ren 337. — Weiss, Spectralbeobachtungen 162. — Wiederhold, einige 
Zersetzungen des chlorsauren Kalis durch katalytische Wirkung 162. 
— Zehfuss, eine mechanische Wirkung des elektrischen Funkens 163. 
— Zöllner, neue Art anorthoskopischer Zerrbilder 163. 

Chemie. 4Arppe, die Azelainsäure 537. — Bachmann, eine 
Lederschmiere 175. — Barth u. Hlasiwetz, neue Säure aus dem Milch- 
zucker 338. — Baudrimont, Darstellung des Phosphorsulfochlorids 
339. — Bauer, Reaktionen des Bromamylens 164. — Beilstein, Syn- 
these des Amylen und Porpylen 542; Einwirkung des Jodphosphors 
auf Glycerinsäure 87. — Bereitung des Knochenmebles 463. — (. Bischoff, 
relative Schmelzbarkeit verschiedener Silikate 462. — C. Bödeker, 
Darstellung der Wismutbsäure 458. — Fr. Briegleb u. Geuther, über 
Stickstoffverbindungen 458. — Calvertu. Johnson, Wirkung der Schwe- 
felsäure auf Blei 353. — Cannizaro u. Rossi, die Radikale der aroma- 
tischen Alkohole, des Benzoe-, Cumin- und Anisalkohols 339.— Carius, 
Entstehung der Schwefelessigsäure; Einwirkung des Selenphosphor 
auf Alkohol 538. — Chevreul, Nachweis kleiner Mengen oxalsauren 
Kalkes durch salpetersaures Silberoxyd 88. — Cloez, Wirkung des 
Chlors und Broms auf Holzgeist 340. — Davanne u. Giraud, über 


V 


Sulfoeyanammonium 463. — Davidson, Einwirkung des Bromäthylens 
auf Pyridin 340. — Delanue, Anwendung des Baryts bei der Melas- 
senreinigung 463. — Diehl, Atomgewieht des Lithiums 165. — Du- 
four, das spec. Gewicht des Eises 538. — Bliot u. Storer, chromsau- 
res Chromoxyd und analoge Chromate 165. — Erdmann, Erkennung 
der Bluttiecke in forensischen Fällen 341; zum Nachtheil organischer 
Alkaloide 88. — Eylerts, chemische Untersuchung der Runkelrübe in 
verschiedenen Wachsthumsperioden 340. — Fleury, Umwandlung des 
Harnstoffs in Rhodanammonium 459. — Frankland, neue Borenthal- 
tende organische Verbindungen; die Entzündungstemperatur des Stein- 
kohlenleuchtgases 539. — Freund, zur phenylschwefeligen Säure und 
der Phenylschwefelsäure 341. — Friedel u. Machura, Brombuttersäure 
86. — Geuther u. Forsberg, über krystallisirte wolframsaure Salze 
insbesondere künstlichen Wolfram 89. — Geuther, Einwirkung von 
Phosphorchlorid auf einbasische organische Säuren; Zersetzung des 
Chloroforms durch alkoholische Kalilösung 459. — Graham, Transpi- 
ration von Flüssigkeiten 459. — Gilmer, Identität von Melampyrin 
und Duleit 438. — Günsberg, die im Wasser löslichen Bestandtheile 
des Weizenklebers 350. — Haneberg, Stohmann u. Rautenberg, Unter- 
suchung des Harns der Pflanzenfresser 540. — Harbord, über Amido- 
benzoesäure und über das Rautenöl 540. — Hague, der Guano von 
den Inseln des stillen Oceans 95. — Hirsch, Reinigung des Fuselöles 
175. — Hlasiwetz, einige Xanthinsäureverbindungen 342. — A. Huse- 
mann, über Rhodanammonium und einige Harnstoffe 495; über Ae- 
thylsulfocarbonat 460. — Kemper, Analysen einiger kampfersauren 
Salze 165. — Kolbe, chemische Constitution des Asparagins und der 
Asparaginsäure 342. — Korovaef, der Kischtim-Parasit, neues Mine- 
ral 343. — Kraute, die Aether der Mellithsäure 166. — Kromayer, 
über das Syringin 343; das Enzianbitter 344. — Zandolt, Stibmethyl]- 
verbindungen 90. — Lenssen, chemische Verbindungen 176; eine Dif- 
fusionserscheinung 345. — Lerch, die aus Kohlenoxyd darstellbaren 
Säuren 541. — v. Liebig, Darstellung von Jodlithium, Jodcaleium, Jod- 
kalium, Jodnatrium 345. — Zinnemann, Bildung des Mannits aus 
Zucker 460. — Zoemwenthal u. Lenssen, chemische Untersuchungen 344. 
— von Lourengo, die Polyäthylenalkohole 345. — Zuchs, über Collo- 
diumbereitung 464. — Zucknomw, die Cochenilletinktur und ihre An- 
wendung in der Alkali und Acedimetrie 91. — Ludwig, Chemisches 
der Pilze 166; aus dem Laboratorium des chemischpharmaceutischen 
Institutes 345. — Martius, rothe Tinte früherer Jahrhunderte 166. — 
Matthiesen u. v. Rose, einige Goldzinnlegirungen; die Bleizink- und 
Wismuthzinklegirungen 91. — Mayer, genaue Bestimmung der Alka- 
loide mittelst einer Massflüssigkeit aus Quecksilber 353. — Mehla, 
Berberin in Hydrastis canadensis 166. —- Mendius, neue Umwandlung 
der Nitrite 166. — Menetries, die bei der Einwirkung von Bromäthy- 
len auf Strychnin entstehenden Verbindungen 346. — Meynier, schwe- 
felsaures Eisenoxydulammoniak 354, — Moitissier, das Camphorylchlo- 
rid 167. — Zd. Müller, zur Kenntniss der Untersalpetersäure 347, — 
Millon u. Commaille, gänzliche Reinigung des Silbers 354. — Neubauer, 


über Kreatinin 168. — Niepce, Wirkungen der Electrieität und des 
Lichtes 92, — O’Neil, Anwendung des Kampfers 354. — Oppenheim, 
über Münzenkampfer 168. — Overbeck, dreizehn Fragen über Merkur 


168. — Parmelee, Vulkanisirung des Cautchoucs 354. — Peckoldt, der 
Bitterstoff der Samen von Feullea cordifolia 349. — Pettenkofer, Dar- 
stellung des Jodkaliums mittelst schwefelsauren Kalis 349. — Petzold, 
zur Naturgeschichte der Torfmoore 349. —- Pleischl, Auflöslichkeit des 
Bleies aus Bleizinnlegirungen 176. — Riche, Phensäure und Benzin 
349. — Eieth u Beilsten, Darstellung von Zinkäthyl 461. Synthese 
des Amylen und Porpylen 542. — Ritthausen, die Bestandtheile des 
Weizenklebers 350.— Rochleder, über Saponin und Cainein und deren 
Spaltungsprodukte 350. — Roscoe, über den Ueberchlorsäureäther 
42. — Kommieu, der grüne Farbstoff französischer Kreuzdornar- 


vI 


ten 92. — Rubel, krystallisirbarer mannitähnlicher Stoff aus Evony- 
mus europaeus 169, — de la Rue u. H. Müller, über Terephtalsäure 
und deren Derivate 169. — Salm-Horstmar, die Nothwendigkeit des 
Lithions und Fluorkaliums zur Fruchtbildung der Gerste 351. — Sauer- 
wein, Methode der Unterscheidung des künstlichen Kampfers vom na- 
türlichen 178. — Schi, Chromsuperoxyd in Chromsäure ‘92; Löslich- 
keit der Salze 542. — R. Schmidt, über Sulfanilidsäure und Amido- 
phenylschwefelsäure 169; die Reproduktionsprodukte des Nitroazoxy- 
benzids 351. — sSchoenbein, Verhalten des Chlors, Jods und Broms 
zum wässerigen Ammoniak und den alkalischen Oxyden 92; Vermö- 
gen des Jodkaliums freies Jod gegen die Einwirkung freien Kalkes 
zu schützen 93; Verhalten der Superoxyde des Wasserstoffs und Bar- 
yums zum Jod und Jodstickstoff; Verhalten des Jods zum Stärkeklei- 
ster und reinem Wasser bei höherer Temperatur; Verhalten des Al- 
dehyds zum Sauerstoff 94; einige durch die Haarröhrchen Anziehung 
des Papiers hervorgebrachte Trennungswirkungen 95; Erzeugung sal- 
petersauren Ammoniaks 542. — Schröder, die höhern Oxydationsstu- 
fen des Wismuths 172. — Schur, Fabrikation von Milchglas 464. — 
Schwanert, über Camphren 544. — sSeekamp, Zersetzung der Oxal- 
säure durch Sonnenlicht 351. — Simpson, Synthese der Bernstein- 
säure und Pyronweinsäure 173. — Stein, das Pflanzengelb und ver- 
wandte Körper 174. — Stenhouse, Larixinsäure 461 — Strecker, Be- 
standtheile der Schweinegalle; Zersetzung des Caffeins und Alloxans 
543; eine dem Chinin isomere Basis aus Cinchonin 544. — Thiel, die 
Musenarinde 175. — Troost, Aequivalentgewicht des Lithiums 544. — 
Vogel, Mittheilungen aus dem Laboratorium 177. — Ze Voir, Ammo- 
niakgehalt des destillirten Wassers und Eisenoxyd im statu nascenti 
95. — MWildenstein, Analyse der heissesten Mineralquelle zu Burt- 
scheid 352. — Weil, das Petroleum von Pennsylvanien 354; Erdpeche 
von Cuba 355. — Wertheim, über Coniin 461. — MWittstein, die Farbe 
der Briefoblaten 178. — Wood, neue Eigenschaften des Cadmiums 178. 
— Wurtz, Bildung des Alkohols aus Aldehyd 462; die Oxäthylenba- 
sen 352. — Zinin, das Hydrobenzoin 353; 462. 

Geologie. Auerbach, der Kalkstein von Malöwka 362. — 
v. Benningsen-Förder, das nordeuropäische und besonders das vater- 
ländische Schwemmland (Berlin 1863) 544. — Coguand, neue Etage 
in der untern Kreide 361. — v. Dechen, vulkanische Hügelgruppe bei 
Ochtendung; Lagerung zweier Lavaströme über einander bei Nieder- 
mendig 188. — Feistmantel, untersilurischer Kalkstein in Böhmen 362. 
— Fuchs, der Granit des Harzes und seine Nebengesteine 179. — 
Gesner, Steinölquellen in NAmerika 361. — v. Hauer u. Stache, zur 
Geognosie Dalmatiens 360. — Heymann, geschlossene Hohlräume in 
den Felsen 466. — Jokely, Quader und Pläner im Bunzlauer Kreise 
Böhmens 99. — KÄarrer, Lagerung der Tertiärschichten am Rande des 
Wiener Beckens 546. — Zipold, Paralelle des Barrandeschen Silursy- 
stems und des englischen 182.— Möhl, das Auftreten des Basaltes bei 
Marburg (Halle 1863) 549. — Oppel, jurassische Posidonomyengesteine 
in den Alpen 359. — Paul, Kreide des Königgrätzer und Chrudimer 
Kreises in Böhmen 359. — Pichler, zur Geognosie Tyrols 183. — Pis- 
sis, Geologie der Cordilleren zwischen dem Copiapo und Chompaios. 
— Fr. Roemer, geognostische Verhältnisse bei Constantinopel 465. — 
Rammelsberg, über den letzten Ausbruch des Vesuvs 97. — Aöthe, 
krystallinisehe Gesteine im Riess 357. — Schloenbach, Schichtenfolge 
des untern und mittlen Lias in NDeutschland 356. — v. Strombeck, 
Kreide am Zellberge bei Lüneburg 358. — Suess, der Boden der Stadt 
Wien (Wien 1862) 102; die einstige Verbindung NAfrikas mit SEuropa 
345. — Tschermak, die Diabase und Porphyre am Harz 469. — Ver- 
sunkener Wald 363. — Vogelsang, Kugelporphyr und Kugeldiorit von 
Corsika 188. — Wenkenbach, die Ergänge an der untern Lahn und 
Bei Rhein 185. — Zittel, die obere Numulitenformation in Ungarn 
184. — 


vi 


Oryctognosie. AR. Blum, neues Zwillingsgesetz vom Or- 
thoklas 472; dritter Nachtrag zu den Pseudomorphosen (Erlangen 1863) 
549. — Böttger, vanadinhaltiges Bobnerz von Salzgitter 368. — Da- 
mour , Tscheffkinit von Coromandel 368; Lherzolith 471. — v. De- 
chen, Mineralien am Laacher See 193. — Goebel, das Erdessen in 
Persien und Analysen solcher Substanzen 102; Analyse der Zinkblühte 
von Tafl. 103. — Haidinger, Pseudomorphosen von Glimmer und Cor- 
dierit 190. — Heymann, Pseudomorphosen von Glimmer und Andalu- 
sit 191; Grengesit im Melaphyr bei Herrstein; Mineralien aus dem 
Golddistrikt Australiens 191. — Holmberg, Analyse des Bonsdorffit 
472. — Metaxoit und Pikrofluit 367. — v. Hornberg, mineralogische 
Notizen 104. — Kenngott, über Staurolith, Disthen, Argentit, Rutil, 
Scheelit 369. — v. Kokscharomw, Alexandrit 105. — Meteorsteinfall bei 
Manow 365 — Mitscherlich, Zusammensetzung des Turmalins, Glim- 
mers, der Hornblende und des Staurolith 370. — Pisani, Spinell von 
Migiandone bei Ornavasso 472. — Pusyrewski, russische Apatite 470. 
— Rammelsberg, Analyse des Scolopsit 369. — Reichardt, neues Vor- 
kommen von Polyhalit 371. — v. Rath, Epidotkrystalle aus dem Zil- 
lerthale; Granat am Gotthardt 192; Turnerit im Tavetsch 193. — 
@. Rose, Asterismus der Krystalle 364. — H. Rose, Zusammensetzung 
der Niobhaltigen Mineralien 366. — Sartorius, Berechnung der quan- 
titativen mineralogischen Zusammensetzung der krystallinischen Ge- 
steine (Göttingen 1862) 105. — Schmidt, der Fichtelit 104. — Schrauf, 
zur Charakteristik des Anhydrits 364; der Meteorit von Alessandria 
365. — v. Shaffschenskow, der Paligorskit 397. — Tamnau, thoniger 
Sphärosiderit von Ponoschau 103 — Tschermak, Grundriss der Mine- 
ralogie (Wien 1863) 548. — Ulrich, Kalkspath im Granit des Oker- 
thales 105. — O. Weber, über Moosachate 193. — Zirkel, Monographie 
des Bournonit 194. 

Palaeontologie. Biedermann, Cheloniens tertiaires des en- 
virons de Winterthur (Winterthur 1863) 556. — Davidson, Brachiopo- 
den der untern Kohlenformatian von Neuschottland 556. — Gaudry, 
der fossile Affe von Pikermi 108. 376. — Goeppert, über Stigmaria 
ficoides 105. — Goldenberg, Pflanzenversteinerungen des Steinkohlen- 
gebirges von Saarbrücken III Heft (Saarbrücken 1862) 194. — Güm- 
bel, die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten 196. — Hell- 
mann, die Petrefakten Thüringens Heft 2. 3 (Cassel 1862) 199. — 
Huxley, neuer Pygocephalus 374; neue Labyrinthodonten des Kohlen- 
gebirges 375. — Äner u. Steindachner, neue Beiträge zur Kenntniss 
der fossilen Fische Oesterreichs (Wien 1863) 374. — Kirby, über per- 
mische Arten 107; neue Chitonen im Bergkalk 374. — LZesquereux, 
Pflanzen der nordamerikanischen Steinkohlenformation 372. — Zud- 
wig, zur Paläontologie des Ural (Cassel 1862) 199. — v. d. Mark, fos- 
sile Fische, Krebse und Pflanzen aus der Kreide Westphalens 555. — 
Mayer, systematische Uebersicht der jurassischen Belemniten 372. — 
Oppel, paläontologische Mittheilungen (Stuttgart 1862) 177. — Omen, 
Reptilien des Koblengebirges 375. — Schafhäutl, Südbayerns Lethaea 
geognostica (Leipzig 1863) 472. — Schenk, Pflanzen des lithographi- 
schen Schiefers und des Keupers 195. — Stolizka, oligocäne Bryozoen 
von Latdorf 106. — A. Wagner, Monographie der fossilen Fische aus 
dem lithographischen Schiefer Bayerns (München 1863) 552. — 0. We- 
ber, Pflanzen im vulkanischen Tuff der Vordereifel 196. — Würtem- 
berger, Tertiärpflanzen aus dem Klettgau 106. — v. Zittel, zur Paläon- 
tologie von Neuseeland 397. 

Botanik. Ascherson, Vegetationslinie der Mark 380; frei- 
willig eingewanderte Pflanzen in die deutsche Flora 377. — E. de Berg, 
Additamenta ad Thesaurum Literaturae botanicae altera 206. — Brandis, 
Baumyegetation in Indien 378. — Bolle, neue Umbelliferengattung 
418. — Caspary, die Gefässbündel der Pflanzen 200; Bastard von Di- 
gitalis purpurea und lutea 205. — Chatel, nouvelles observations sur 
la maladie dela pomme de terre (Caen 1860) 557. — Garcke, die Ver- 


vIu 


wandtschaft von Carex spicata 478; Flora von Nord- und Mittel- 
deutschland 6. Aufl. (Berlin 1863) 384; zur hallischen Flora 478. — 
Grantzom, Aster salieifolius 477. — Hoffmann, mykologische Berichte; 
Sylloge der hessischen Pilze 380. — Jodin, Oxydation durch Schim- 
melpilze 380. — Irmisch, über Trifolium lupinaster 381; zur verglei- 
chenden Morphologie 558. — Jese, zur Flora des Oderbruchs 475. — 
Kabsch, Haare des Samenschopfs von Asclepias syriaca 378. — Kanitz, 
Pflanzen Pannoniens etc. 378. — Karsten, Entwickelungserscheinungen 


der organischen Zelle 558. — ZLasch, Bastarde von Dianthus carthu- 
sianorum und arenarius 475; über Verbascumarten 382. — Liebe, geo- 
graphische Verbreitung der Schmarotzerpflanzen 378. — Lindenberg, 


die Torfmoore 377. — Miers, über Ephedra 108. — Möhl, morpholo- 
gische Untersuchungen über die Eiche (Cassel 1862) 201. — Nobbe, 
Verästelung der Pflanzenwurzel 379. — Nylander, Diatomeen 379. — 
Regel, blühende Palmen 204. — H. @. Reichenbach, neue Orchideen 
557. — Sanio, Gerbstoff in Holzflanzen 377; die Elementarorgane des 
Holzkörpers 480. — v. Schlechtendal, über Beschorneria 379. — 
Schultz -Schultzenstein, seltene Pflanzen der Mark 380; Analyse des 
Bodens der Salzlacke bei Nauen in botanischer Beziehung 477. — 
Schumann, preusische Diatomeen 199. — Seemann, Flora der Fidji- 
inseln 377. — Seidekultur auf Java 379. — Treviranus, unvollkommene 
Befruchtung 202; ungewöhnliches Blühen der Agave americana 203; 
Auffassung der Dichogamie 377. — v. Uechtritz, neue Beiträge zur 
Flora v. Halle 478. — Wimmer, salicologische Beiträge 109. 

Zoologie. Adams, neue Genera Conchylien 385; japanische 
Brachiopoden 387. — Allmann, über Hydroiden 385. — Altum, die 
Nahrung unserer Eulen 394. — Benson, neue Landschnecken von Cey- 
lon und Indien. 387. — Blackwell, Spinnen von Rio Janeiro 389. — 
Blanford, indische Helix und Nanina 386. — Boeck, Spinnen der No- 
vara-Expedition 389. — Brunner, Orthopteren der Novara-Expedition 
389. — Boll, Rennthiergeweihe in Meklenburg 212. — Bucholz, Ana- 
tomie des Enchytraeus und die bei Königsberg vorkommenden Arten 
207. — Canestrini, neuer Ophicephalus 112.— Clark, neue mexikanische 
Hydroporen 112. — Cornelius, Libellenzug bei Elberfeld 208. — Costa, 
neue Mittelmeerfische; Bursinia neuer Fulgoride; Nephrosia neuer 
Dyetiophore 112. — #berth, Myoryctes Weissmanni 111. — Filippi, 
Lebister neuer Cyprinodont 112. — Finsch, Turdus pallidus und T. 
obseurus 393. — v. Frauenfeld, Bithynia und Nematura 387; neue 
österreichische Trypeta 390; das Lebendiggebären des Olm 482; Höh- 
lercarychien und neue fossile Paludinen 386. — Gould, Chlamydera 
guttata n. sp. 395. — Gray, neue Paragorgia 110; neues System der 
Crokodilier 113. — Grube, Anceus und Praniza 388. — Günther, neue 
Fische von Victoria; neue Fische und Amphibien des britischen Mu- 
seums; neue australische Batrachier; neue Schlange 390. — v. Heug- 
lin, zur Ornithologie NOAfrikas 393. — Hinks, neue britische Hydroi- 
den 385. — Jeiteles, die Süsswasserarten von Cottus 211. — Johnson, 
neue Fische von Madeira 390. — Mousson, Binnenconchylien im Orient 
386. — Peters, über Cercosaura (Berlin 1862) 390; Schomburgks Am- 
phibien von Adelaide 392. — Reeve, über Crania und Orbicula 110. 
— Schödler, die Lynceiden und Polyphemiden um Berlin 208. — 
M. Schultze, das Protoplasma der Rhizopoden und die Pflanzenzelle 
(Leipzig 1863) 480. — Steindachner, ichthyologische Mittheilungen 
210; 2 neue Batrachier 211. — Strauch, chelenologische Studien (Pe- 
tersburg 1862) 560. — Struck, Amphibien bei Dargun in Meklenburg 
211. — Theobald, über einige Alpenmäuse 212. — Wallace, neue Vö- 
gel von Neu Guinea 393. — Weissmann, Entstehung des vollendeten 
Insekts in Larve und Puppe (Frankfurt 1863) 559. — Wicke, ist der 
Sperling schädlich ? 394, 

Correspondenzblatt für Januar 115—120. — Für Februar 
213—216. — Für März, April 395—400. — Für Mai 483—500. — Für 
Juni 562—564. 


“ 


Jeitschrift 


für die 


Gesammten Naturwissenschaften. 


1865. Januar. Ne l 


Ueber die Bildung der Weinsäure und Traubensäure 
durch Einwirkung von Salpetersäure auf verschiedene 
Kohlehydrate 


von 


H. Hornemann. 


“ Bereits im Jahre 1837 hatte Erdmann!) durch Ein- 
wirkung von Salpetersäure auf Rohrzucker und Gummi eine 
Säure erhalten, die er mit der kurz vorher von Guerin 
Varry?) entdeckten Hydroxalsäure identisch erklärte und 
über deren Bildung er die Angabe machte, dass die zur 
Hälfte mit Kali gesättigte Lösung, die er durch Oxydation 
von Zucker und Gummi erhalten, bei längerem Stehen sau- 
res weinsaures Kali fallen lasse und dass demnach die 
Zuckersäure nach und nach in Weinsäure übergehe. In 
Folge einer Untersuchung, die Hess und Thaulow °) mit dem 
durch Oxydation von Zucker erhaltenem sauren Kalisalze 
angestellt hatten, wonach sie dasselbe als saures zucker- 
saures Kali constatirten, nahm späterhin Erdmann seine 
früher ausgesprochene Ansicht über die Bildung der Wein- 
säure insofern zurück, als erin einer Nachschrift®) zuden Ver- 
suchen von Hess und Thaulow erklärte, dass er der irrigen 
Meinung gewesen sei, dass jenes Salz, aus dem er die mit 
der Hydroxalsäure identische und von ihm für Weinsäure 


') Annalen der Chemie und Pharmacie Band 21 pag. ı. 

2) Dieselben Band 8 pag. 24. 

») Dieselben Band 27 pag. 113 u. Band 30 pag. 302. 

*) Erdmanns Journal für praktische Chemie Band 15 pag. 480. 
XXI. 1863, l 


2 


gehaltene Säure gewonnen habe, wohl saures zuckersaures 
Kali gewesen sei. 

Es wurde damit die erste Angabe Erdmann’s allgemein 
für einen Irrthum gehalten, bis Liebig!) später diesen Ge- 
genstand wieder aufnahm. Er behandelte Milchzucker, 
Gummi, Rohrzucker und Traubenzucker mit Salpetersäure 
und erhielt wenigstens aus den beiden ersten wirklich 
Weinstein, in Folge dessen er sich über jene von Erdmann 
gemachte Angabe dahin aussprach, dass das von demselben 
abgeschiedene saure Kalisalz ganz gewiss, da er jetzt wenn 
auch nicht aus Rohrzucker, so doch aus Milchzucker und 
Gummi Weinsäure erhalten habe, Weinstein gewesen sei. 
Nachdem Liebig somit die Bildung des Weinsteins aus Zucker 
constatirt hatte, warf er zugleich die Frage auf, ob die 
Weinsäure und Zuckersäure gleichzeitig aus dem Milchzucker 
oder ob zuerst Zuckersäure und aus dieser dann Weinsäure 
gebildet werde. Da er selbst verhindert war, darüber Ver- 
suche anzustellen, so sprach er nur die Vermuthung aus, 
dass Letzteres wahrscheinlich statt habe, weil mit Zunahme 
der Zuckersäure desto weniger Weinsteinsäure und umge- 
kehrt mit Zunahme der Weinsteinsäure desto weniger Zucker- 
säure entstehe. 

Dieser Ansicht trat auch Heintz?) in seiner „Unter- 
suchung über die Konstitution der Zuckersäure und Wein- 
steinsäure“ bei, modificirte sie jedoch insoweit, als er sagte, 
dass allerdings nicht zu bezweifeln sei, da aus dem Milch- 
zucker neben Schleimsäure auch Zuckersäure gebildet werde, 
dass aus dieser dann Weinsteinsäure entstehen könne, dass 
jedoch, wie er durch den Versuch nachgewiesen habe, auch 
Schleimsäure in Weinsteinsäure übergehe, und dass, da bei 
der Einwirkung von Salpetersäure auf Milchzucker viel 
mehr Schleimsäure als Zuckersäure entstehe, wohl anzuneh- 
men sei, dass die grösste Menge der von Liebig gefundenen 
Weinsteinsäure aus der Schleimsäure entstanden sei, womit 
zugleich der Umstand in Einklang zu bringen sei, dass bei 
Anwendung von Rohrzucker, der doch reichlich Zuckersäure 


!) Annalen der Chemie u. Pharmacie Band 113 pag. 1. 
2) Bericht der Academie der Wissenschaften zu Berlin 1860 
pag. 283 — 291. 


3 


bilde, Liebig keine Weinsteinsäure hatte bemerken können. 
Er erklärt dann die Bildung der verschiedenen Producte 
der Salpetersäure auf Milchzucker in der Weise, dass zu- 
nächst durch Einwirkung der Salpetersäure Schleimsäure, und 
aus dieser durch fernere Einwirkung der Salpetersäure Wein- 
steinsäure entstehe, dass dann der übrige Theil des Miich- 
zuckers durch die Salpetersäure, die hier zugleich als soge- 
nannte Contactsubstanz wirke, in Traubenzucker umgewan- 
delt, darauf durch Oxydation in Zuckersäure und weiter 
dann in Weinsteinsäure umgesetzt werde. 

Gegen diese Ansicht trat Carlet!) auf. Derselbe hatte 
Schleimsäure und zwar ausschliesslich die durch Oxydation 
des Milchzuckers gewonnene der Behandlung mit Salpeter- 
säure unterworfen und unter den Oxydationsproducten nur 
Traubensäure ohne jede Beimengung von Rechtsweinsäure 
erhalten. Da nun durch die Oxydation des Milchzuckers 
Rechtsweinsäure mit ganz geringen Mengen Traubensäure 
entsteht, die nach Carlet im Anfange der Operation aus der 
Schleimsäure gebildet wird und in der Mutterlauge von der 
auskrystallisirten Weinsäure zu suchen ist, so glaubte Carlet 
damit bewiesen zu haben, dass die bei dem Versuche Lie- 
bigs auftretende Weinsäure nicht aus der vorher entstande- 
nen Schleimsäure gebildet sein könne. 

Ausser der Schleimsäure hatte Carlet?) darauf auch 
Duleit und Mannit der Oxydation mit Salpetersäure unter- 
worfen und aus beiden wie aus der Schleimsäure nur Trau- 
bensäure erhalten. Da nun Duleit und Mannit und wie 
Carlet in seiner Arbeit angiebt auch die Schleimsäure sich 
vollkommen inactiv gegen die Polarisationsebene verhalten, 
so glaubte Carlet daraus, dass das aus denselben erhaltene 
Product wiederum optisch inactiv sei, die Folgerung ziehen 
zu dürfen, dass überhaupt die optische Eigenschaft eines 
Körpers in direceter Beziehung zu der rein chemischen Ei- 
genschaft stehen müsse. 

Man hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass 
optisch wirksame Körper die betreffende Eigenschaft nicht 
nur in ihren Verbindungen, sondern auch durch ganze 

ı) Journal de pharmacie et de chimie 40, 292. 


2) Compt. rend. Tom. 51 pag. 137. h 
1 


4 


Reihen ihrer chemischen Umsetzungsproducte beibehal- 
ten. Es wäre dafür als Beispiel anzuführen, dass die 
verschiedenen optisch wirksamen Zuckerarten dieselbe Ei- 
genschaft in ihren Verbindungen mit Kochsalz zeigen, 
ferner, dass die beiden optisch verschiedenen Campher die 
betreffende Eigenschaftnichtnurinihren Oxydationsproducten, 
den Camphersäuren, sondern auch in deren Derivaten den 
Methyl- und Aethylcamphersäuren beibehalten. Wenn nun 
auch diese im Ganzen doch vereinzelten Thatsachen zu 
zeigen scheinen, dass öfter eine gewisse Beziehung zwischen 
den optischen und chemischen Eigenschaften besteht, so 
berechtigen dieselben doch keineswegs dazu, ein bestimm- 
tes Gesetz. darüber auszusprechen. Namentlich gilt dies für 
die von Carlet gemachte Hypothese, nach der zwischen den 
verschiedenen Zuckerarten, Weinsäuren und deren Zwischen- 
gliedern die Gesetzmässigkeit herrschen soll, dass die Links 
und Rechts drehenden Zucker in Links- und Rechtsweinsäure, 
die inactiven in die inactive Modification der Weinsäure die 
Traubensäure übergehen müssten, eine Annahme, die zu 
widerlegen ich unter Berücksichtigung der von Liebig und 
Heintz erhaltenen Resultate die folgenden Versuche ge- 
macht habe. 


Versuch mit Milchzucker. 


Es wurde nach den Angaben Liebigs 1 Theil Milch- 
zucker mit 2, Theilen Salpetersäure von 1,32 spec. Gew. 
nnd 21/, Theilen Wasser so weit erwärmt, bis eine lebhafte 
Entwicklung von Kohlensäure und den Zersetzungsprodueten 
der Salpetersäure eintrat. Wenn man mit grösseren Men- 
gen arbeitet, so wird durch die bedeutendere Erhitzung der 
Masse schon gleich im Anfang der Operation viel Oxalsäure 
gebildet. Man thut deshalb gut, die erste heftige Einwir- 
kungin kleineren Quantitäten vor sich gehen zu lassen. Ich 
habe bei Verarbeitung von 1 Pfund Milchzucker denselben 
in Quantitäten von je 4 Unzen in mehreren Kochflaschen 
so weit erwärmt, bis die heftige Reaction eintrat und dann 
dieselben sofort in kaltes Wasser gestellt. Es dauerte dann 
gar nicht lange, bis die stürmische Gasentwicklung aufhörte, 
worauf dann die einzelnen Quantitäten zusammengegossen 


5 


und nun gemeinsam in einem Glaskolben bei einer Tem- 
peratur von 60 bis 80°C. erwärmt wurden. Man wählt dazu 
einen Glaskolben mit langem Halse, dessen Oeffnung man 
mit einem Trichter verschliesst, es entweicht dann bei der 
angegebenen Temperatur so wenig Wasser, dass man bis 
zu Ende der Operation keinen Zusatz von Wasser zu machen 
hat. Wenn man sehr vorsichtig arbeitet, so kann man, was 
schon Heintz bei der Oxydation des Rohrzuckers durch $Sal- 
petersäure beobachtet hat, die Bildung der Oxalsäure fast 
ganz vermeiden, wenigstens habe ich einmal aufdiese Weise 
eine Flüssigkeit erhalten, die ganz frei von Oxalsäure war. 
Dass ich auf die Verhütung der Bildung der Oxalsäure 
so grosses Gewicht lege, hat darin seinen Grund, weil, wie 
wir nachher sehen werden, sich neben der Weinsäure ganz 
bedeutende Mengen Traubensäure bilden, die wegen ihrer 
grossen Aehnlichkeit in Bezug auf ihre Reactionen mit der 
Oxalsäure sehr leicht zu Irrungen Anlass giebt und deren 
Abscheidung auch mancherlei Schwierigkeiten zur Folge 
hat. Ganz besonders muss man vorsichtig sein, die Tem- 
peratur nicht zu hoch werden zu lassen, wenn auch der 
Process dann bedeutend verlangsamt wird. 

Liebig lässt, nachdem sich der grösste Theil der Schleim- 
säure abgeschieden hat, noch ein Viertel der angewendeten 
Salpetersäure zusetzen, man kann ebenso gut von vornherein 
die ganze Menge Salpetersäure anwenden, es wird, wenn 
man nur die Temperatur mässigt, auch dann nicht mehr 
Oxalsäure gebildet. 

Die nach und nach sich euere Schleimsäure 
kann man entweder abfiltriren oder auch in der Flüssigkeit 
lassen, da dieselbe von einer Salpetersäure von der Stärke, 
wie sie zu dem Versuch angewendet wird, nur wenig ange- 
griffen wird. 

Sobald die Flüssigkeit sich zu bräunen anfängt, setzt 
man kleine Mengen Salpetersäure hinzu, wodurch dieselbe, 
wenn damit nicht zu lange gezögert wird, sehr bald wieder 
hell wird. Hat man jedoch den richtigen Zeitpunkt 'ver- 
säumt, so hält es sehr schwer die Flüssigkeit vollständig 
wieder zu entfärben, auch wenn man grössere Mengen Sal- 
petersäure zusetzt. Gewöhnlich bildet sich dann viel Oxal- 


6 


säure, sowie es in diesem Falle schwer hält einen farblosen 
Weinstein zu erhalten. 


Man prüft nach Liebigs Angabe öfters die Flüssigkeit 
mit Kalilauge, die zu Anfang der Operation eine dunkle 
Färbung hervorbringt, bis dieselbe am Ende fast vollständig 
aufhört; ich habe bis zum Eintreten dieser Reaction durch- 
schnittlich drei bis vier Tage gebraucht. 


Nach Liebigs Angabe soll man nun die Flüssigkeit in 
zwei Theile theilen, den einen mit kohlensaurem Kali sätti- 
gen und dann den anderen zugiessen, worauf die Flüssig- 
keit nach längerem Stehen Krystalle von saurem weinstein- 
sauren Kali absetzen soll. Dies geschieht jedoch nur sehr 
selten, je nach dem Gehalte der Flüssigkeit an freier Sal- 
petersäure. Gewöhnlich ist davon noch so viel in der Flüssig- 
keit vorhanden, dass der gebildete Weinstein davon in Lö- 
sung gehalten wird. Versucht man denselben durch Zusatz 
von Alkohol abzuscheiden, so scheidet sich gewöhnlich 
salpetersaures Kali aus, ehe nur ein geringer Niederschlag 
von Weinstein erfolgt. 


Ich schlug deshalb zur Abscheidung der Weinstein- 
säure einen andern Weg ein. Es wurde die saure Flüssig- 
keit nach dem Verdünnen mit der 4- bis 5 fachen Menge 
Wasser mit neutralem essigsauren Bleioxyd so lange ver- 
setzt, als darin noch ein weisser Niederschlag gebildet wurde. 
Es wurden dadurch die Bleisalze der Oxalsäure, Zuckersäure 
und Weinsteinsäure gefällt. Dieser gemengte Niederschlag 
wurde gut ausgewaschen, was sehr leicht zu bewerkstelli- 
gen ist, wenn man dazu Wasser verwendet, das man bis 
auf 50° C. erwärmt hat, so wie sich auch der Niederschlag 
besser abscheidet, wenn man die Flüssigkeit vor der Fällung 
bis auf diese Temperatur erwärmt hat; von diesem Nieder- 
schlag wurden ungefähr ?/;, durch Schwefelsäure und darauf 
das erhaltene Filtrat ‘mit dem zurückbehaltenen Bleisalz 
durch Schwefelwasserstoff zerlegt. Man erreicht durch diese 
Manipulation dasselbe, als wenn man den ganzen Nieder- 
schlag durch Schwefelwasserstoff zersetzt hätte, indem man 
nun die Säuren fast ganz frei von Farbstoff erhält, der durch 
das zuletzt entstandene Schwefellei mit niedergerissen wird, 


7 


Die Zersetzung durch blosse Schwefelsäure ist aus zweierlei 
Gründen nicht anzurathen, weil man erstens eine sehr stark- 
braun gefärbte Flüssigkeit erhält, die sich nur äusserst 
schwierig mit Knochenkohle entfärben lässt, und weil man 
zweitens dann Gefahr läuft, freie Schwefelsäure in die 
Flüssigkeit zu bekommen, die nachher. beim Eindunsten 
leicht eine Zersetzung der Weinsäure herbeiführen könnte. 


Nachdem man durch Kochen den Schwefelwasserstoff 
entfernt hat, engt man das Filtrat bis auf ungefähr 6 Unzen 
ein und sättigt es dann zur Hälfte mit kohlensaurem Kali; 
lässt man nun die Flüssigkeit ruhig stehen, so dauert es 
immer noch lange, ehe sich Weinstein abscheidet. Man be- 
fördert dies dadurch, dass man die Flüssigkeit mehre 
Stunden erwärmt und sie öfters durchschüttelt; hat 
einmal die Ausscheidung begonnen, so schreitet sie sehr 
schnell fort. 


Der gebildete Niederschlag enthält saures oxalsaures, 
saures zuckersaures, saures weinsaures und wie wir sehen 
werden auch ganz bedeutende Mengen saures traubensau- 
res Kali. Um ihn von der Oxalsäure zu befreien. schlug 
ich zunächst den Weg ein, den Liebig angegeben, wonach 
man nämlich den Niederschlag in der geringsten Menge 
heissen Wassers löst, filtrirt und dann erkalten lässt. Da 
der entstandene Niederschlag jedoch mit verdünnter Chlor- 
ealciumlösung einen reichlichen Niederschlag gab, den ich 
für oxalsauren Kalk hielt, so versuchte ich durch Auswaschen 
das etwa noch vorhandene oxalsaure Kali zu entfernen. 
Auch dieser Versuch misslang, indem das Waschwasser 
so lange, his endlich der ganze Niederschlag gelöst war, 
eine reichliche Fällung mit verdünnter Chlorcalciumlösung 
gab. Ein dritter Versuch in der Weise angestellt, dass ich 
den Niederschlag in heissem Wasser löste, Chlorcaleium und 
dann essigsaures Natron zusetzte, gab allerdings insofern 
ein günstigeres Resultat, als nun der erhaltene Weinstein 
keine Fällung mit Chlorcalcium gab, jedoch wurde damit auch 
die Traubensäure entfernt, die ich desshalb auch das erste 
Mal übersah. Als ich später die Gegenwart der Traubensäure 
fand, behandelte ich das so abgeschiedene Kalksalz mit con- 


8 


centrirter Kalilauge und erhielt durch Kochen des Filtrats 
eine reichliche Ausscheidung von traubensaurer Kalkerde. 


Als den geeignetsten Weg, um die Oxalsäure zu ent- 
fernen, habe ich den folgenden gefunden. Wenn man die 
Oxydation des Milchzuckers vollendet und die Schleimsäure 
durch Filtriren abgeschieden hat, versetzt man die noch Sal- 
petersäure haltende Flüssigkeit mit so viel kohlensaurem 
Kalk, bis eine davon abfiltrirte Probe keinen Niederschlag 
mit Chlorcaleium giebt. Die Lösung hält gewöhnlich noch 
so viel freie Salpetersäure, dass wohl oxalsaurer Kalk aber 
kein traubensaurer Kalk darin gefällt wird. Zur Sicherheit 
untersucht man den gebildeten oxalsauren Kalk noch durch 
Behandeln mitKalilauge auf Traubensäure, jedoch ist selten 
etwas davon gefällt. Hat man die Oxalsäure auf diese Weise 
ausgefällt, so behandelt man dasFiltrat auf die oben genannte 
Weise durch successives Fällen mit Bleizucker, Zersetzen 
des Niederschlages durch Schwefelsäure und Schwefelwas- 
serstoff und Sättigung der so erhaltenen Säuren zur Hälfte 
mit Kali weiter. Vom zuckersauren Kali befreit man den 
erhaltenen Weinstein in der Weise, dass man ihn in der 
kleinsten Menge kochenden Wassers löst und das Filtrat 
langsam erkalten lässt, wo sich dann das saure weinsaure 
und saure traubensaure Kali in harten Krusten abscheidet. 
Gewöhnlich ist es noch etwas gelb gefärbt, durch Behan- 
deln mit Knochenkohle erhält man es aber fast vollkommen 
farblos. 


Von diesem Salze wurde eine Quantität im Platintiegel 
durch gelindes Glühen in kohlensaures Kali verwandelt: 


0,2295 Grm. geben 0,0823 Grm. kohlensaures Kali, die 
entsprechen 0,0561 Grm. Kali, 


artına 
Erhalten Nach der Formel . ee berechnet 
24,44 Kali 25,0 Kali 
75,56 Weinsäure 75,0 Weinsäure 
100,00 100,0. 


Zur Prüfung auf das optische Verhalten der in dem 
Weinstein enthaltenen Säure wurde derselbe wiederum mit 


9 


neutralem essigsauren Blei gefällt und der erhaltene Nieder- 
schlag mittelst Schwefelwasserstoff zersetzt. Als darauf das 
Filtrat auf ungefähr eine halbe Unze eingedunstet ruhig 
zum Erkalten hingestellt war, war eine grosse Menge von 
Krystallen ausgeschieden. Anfänglich lag die Vermuthung 
nahe, dass diese Krystalle ein in Folge unvollkommenen 
Auswaschens des Bleiniederschlages oder durch Aufnahme 
von Ammoniak aus der Luft sehr saures Kali- oder Ammo- 
niaksalz sein könnte. Da jedoch einestheils die Krystalle 
ohne jeden Rückstand auf dem Platinblech verbrannten, 
und anderntheils durch Kali kein Ammoniak nachzuweisen 
war, da ferner die Weinsteinsäure sehr schwer krystallisirt, 
so war zu vermuthen, dass die entstandenen Krystalle reine 
Traubensäure waren, um so mehr als die ursprüngliche Lö- 
sung, mittelst des Mitscherlichschen Polarisationsapparats un- 
tersucht, eine viel geringere Drehung der Polarisationsebene, 
als die gewöhnliche Weinsäure zeigte, und nach dem Ver- 
dünnen mit Wasser sowohl durch Chlorcalcium als auch 
nach längerem Stehen durch Gypssolution gefällt wurde. 

Da Liebig die Bildung der Traubensäure nicht beobach- 
tet hat und dessen Weinsäure nach Bohns!) Angaben ganz 
das gleiche Drehungsvermögen wie die gewöhnliche Wein- 
steinsäure haben soll, so scheint derselbe wirklich nur 
Rechtsweinsteinsäure gehabt zu haben. Ich habe desshalb 
den Versuch mehrere Male auch mit verschiedenen Ver- 
hältnissen von Milchzucker und Salpetersäure wiederholt 
und stets das Gemenge von Weinsteinsäure und Traubensäure 
erhalten, so dass die Bildung von Traubensäure wohl als 
constant zu betrachten ist. Auch hatte Carlet schon bei der 
Oxydation des Milchzuckers durch Salpetersäure die Bildung 
der Traubensäure beobachtet, wenn er auch nur Spuren 
davon erhalten hatte. Da sich bei meinen Versuchen nun 
stets eine ganz bedeutende Menge Traubensäure ausschied, 
so war es von Interesse, das Verhältniss der Traubensäure 
zur Weinsteinsäure zu bestimmen: 

Zu dem Ende wurden mehrere Vorversuche gemacht, 
um. die beiden Säuren von einander zu scheiden. Als bestes 


!) Annalen der Chemie und Pharmacie Band 113 pag. 19. 


10 


Unterscheidungsmittel wird gewöhnlich angegeben, dass der 
durch überschüssiges Kalkwasser in freier Weinsäure her- 
vorgebrachte Niederschlag von weinsteinsaurer Kalkerde in 
Salmiak löslich, der traubensaure Kalk dagegen unlöslich 
sei. Lässt man jedoch eine solche salmiakhaltige Lösung 
längere Zeit stehen, so scheidet sich weinsteinsaurer Kalk 
in harten durchsichtigen Krystallen aus. Versetzt man fer- 
..ner die Lösung der Weinsteinsäure mit Chlorcaleium und 
essigsaurem Natron, so entsteht wohl im Anfange kein Nie- 
derschlag, jedoch nach tagelangem Stehen, hat sich gleich- 
falls eine ganz bedeutende Menge von weinsaurem Kalk 
abgeschieden; dasselbe findet auch dann statt, wenn man 
diese Lösung noch mit Salmiak versetzt hat. 

Versucht man aus einem Gemenge beider Säuren die 
Traubensäure mittelst Gypssolution zn fällen, so wird wohl 
der grösste Theil der Traubensäure abgeschieden, jedoch 
bleibt auch nach mehreren Tagen noch ein Theil der Trau- 
bensäure in Lösung; sättigt man das Gemenge der beiden 
Säuren zur Hälfte mit Kali und fügt dann Gypssolution 
hinzu, so erhält man den traubensauren Kalk bis auf we- 
nige Procente wieder. Um auch diese Differenz auf ein 
Minimum zu reduciren, liess ich zunächst die Traubensäure 
zum grössten Theil auskrystallisiren. Die Krystalle wurden 
auf einem Trichter ausgewaschen und dann auf dickem 
Filtrirpapier durch Liegen an der Luft getrocknet und ge- 
wogen. Das Papier wurde mit Wasser ausgewässert, die 
erhaltene Flüssigkeit mit dem Waschwasser und der Mutter- 
lauge vereinigt; daraus die noch vorhandene Traubensäure, 
nachdem die Lösung zur Hälfte mit Kali abgesättigt wor- 
den, durch Gypssolution ausgefällt und in dem Filtrat nach 
Entfernung der Schwefelsäure durch salpetersauren Baryt 
und nach Absättigen mit Kali bis zur schwach sauren Re- 
action die Weinsäure mittelst Bleizucker gefällt. Der gut 
ausgewaschene Niederschlag wurde dann mit Schwefelwasser- 
stoff zersetzt und das erhaltene Filtrat mit Normalnatron- 
lauge titrirt. 

Vor der Scheidung wurde die Gesammtmenge der bei- 
den Säuren mit !/, Normalnatronlauge bestimmt. Zu 10 CC. 
der auf 100 CC. gebrachten Lösung wurden verbraucht 


‚on 


7,7 CC. Natronlauge, die entsprechen 0,5775 Grm. des Säure- 
hydrats. Angewendet wurden die andern 90 CC., worin somit 
9,197 Grm. des Gemisches enthalten waren. 

Auskrystallisirt waren 1,806 Grm. Traubensäure von 
der Formel C®H°O!? — 2 HO die entsprechen 1,612 Grm. 
Traubensäure von der Formel C®H°O!?, Die Menge des durch 
Gypswasser abgeschiedenen und im Exsiceator getrockneten 
Niederschlags von traubensaurem Kalk betrug 0,93 Grm. 
die entsprechen 0,537 Grm. Krystallwasserfreiem Trauben- 
säurehydrat. 

Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. aufgefüll- 
ten Weinsäurelösung wurden gebraucht 3,9 CC. Normalna- 
tronlauge die entsprechen: 0,2925 Grm. Weinsäure; 

dies auf 100 CC. berechnet giebt 2,925 Grm. Weinsäure. 


Auskrystallisirte Traubensäure 1,612 
Traubensäure vom Kalksalz 0,537 


Traubensäure | 2,149 
Weinsäure 2,925 


5,074. 
Erhalten in 100 Berechnet auf 100 
Angewendet 5,197 Weinsäure 56,9 Weinsäure 57,6 
Erhalten 5,074 Traubensäure 41,4 Traubensäure 42,4 
Verlust 0,123. alu 100,0, 


100,0. 


Daneben wurde das Polarisationsvermögen Jes Ge- 
misches und der darauf abgeschiedenen Weinsäure mit Hülfe 
des Mitscherlichschen Polarisationsapparates bestimmt. Das 
Drehungsvermögen des Gemisches betrug bei einer Länge 
des Beobachtungsrohrs von 2 Decimeter, bei einem spec. 
Gewicht von 1,108 und einem Gehalte von 21,6 Procent 


8 Grad nach Rechts, 
woraus sich das Molecularrotationsvermögen 


berechnet zu @« = —ı lin 


1,108. 2. 0,216 
Nach der Trennung beider Säuren betrug das Drehungs- 
vermögen der Weinsäure 


12 


bei einem spec. Gewicht von 1,057 
bei einem Gehalt von 12,4 Procent 


3 Grad nach Rechts, 


woraus das Molecularrotationsvermögen sich berechnet zu 

an 

01.057. 2,,0,124 
Bei dieser Gelegenheit wurde das Molecularrotations- 

vermögen der gewöhnlichen Weinsäure bestimmt. Bei einer 

Temperatur von 22° C. betrug die Ablenkung 

bei einem spec. Gewicht von 1,094 

bei einem Gehalt von 20 Procent 


5,2 Grad nach Rechts, 


woraus das Molecularrotationsvermögen der Weinsäure sich 


32 
berechnet zu & = 1.098. 2. 02 —= 11,9. 


& — a3: 


Die Lösung der abgeschiedenen Traubensäure zeigte 
gar keine Ablenkung. 

Wenn nach der letzten Beobachtung eine Ablenkung 
von 5,2 Grad einen Gehalt der Lösung von 20 Procent 
Weinsteinsäure angiebt, so würde man bei einer Drehung 
von 3 Grad 11,5 Procent annehmen müssen, die in den 
obengenannten 21,6 Procent der Lösung enthalten waren. Da 
sich daraus das Verhältniss der Weinsäure zur Trauben- 
säure für 100 Theile wie 53,2 zu 46,8 berechnen würde, wäh- 
rend der Wägungsversuch das Verhältniss von 57,6 zu 42,4 
ergiebt, so muss man annehmen, dass in der abgeschie- 
denen Weinsäure noch Traubensäure enthalten war, wodurch 
dann auch das Molecularrotationsvermögen derabgeschiedenen 
Weinsäure dem der gewöhnlichen näher kommt. Da jedoch 
diese Differenz ebensogut durch einen Beobachtungsfehler 
herbeigeführt sein kann, der um so leichter eintreten kann, 
als es schwer hält, bei so kleinen Mengen farblose Lösungen 
zu bekommen, so werde ich hier so wie bei den folgenden 
Versuchen immer das Mittel aus dem auf optischen Wege 
und dem durch die Gewichtsbestimmung erhaltenem Resul- 
tate als das richtigere Verhältniss annehmen. 


® 13 


Bestimmung: 
durch Polarisation durch Wägung Mittel 
Weinsäure 53,2 57,6 55,4 
Traubensäure 46,8 42,4 | 44,6 
100,0 100,0 100,0. 


Versuch mit Gummi. 


1 Pfund Gummi arabicum wurde ganz ebenso wie der 
Milchzucker der Oxydation mit Salpetersäure unterworfen, 
Man löst zuerst das Gummi in dem angegebenen Quantum 
Wasser und erwärmt es dann mit der angegebenen Menge 
Salpetersäure in kleinen Quantitäten in einer geräumigen 
Porzellanschale, da bei der ersten Einwirkung die Masse 
sehr stark schäumt. Wenn diese stattgefunden hat, so ver- 
schwindet auch sehr bald der Schaum, so dass man dann 
die einzelnen Portionen wieder wie beim Milchzucker zu- 
sammen in einem Kolben weiter erhitzen kann. Der Pro- 
cess verläuft wie beim Milchzucker, nur bildet sich bei 
weitem weniger Schleimsäure, die sich nicht wie bei jenem 
pulverförmig, sondern meist auf der Oberfläche als schaumige 
Masse abscheidet. Ebenso ist die Ausbeute an Weinsäure 
und Traubensäure bei weitem geringer als,beim Milchzucker. 
Nach drei bis vier Tagen ist der Process vollendet, man ent- 
fernt mit kohlensaurem Kalk die gebildete Oxalsäure, fällt 
mit Bleizucker und zersetzt das Bleisalz durch Schwefel- 
säure und Schwefelwasserstoff. Hat man das so erhaltene 
Gemenge der entstandenen Säuren Zur Hälfte mit kohlen- 
saurem Kali abgesättigt, so hält es hier besonders schwer, 
Weinstein daraus abzuscheiden, es dauert zuweilen Tage 
lang, ehe eine Ausscheidung beginnt, man beschleunigt die- 
selbe durch längeres Erwärmen im Dampfbade und öfteres 
Schütteln. Das erhaltene Krystallmehl wird auf die oben 
beim Milchzucker angegebene Weise vom zuckersauren 
Kali getrennt; der erhaltene Weinstein besteht ebenfalls 


- aus saurem weinsteinsauren und saurem traubensauren 


Kali, da sowohl schwefelsaure Kalkerdelösung in der freien 
. Säure einen reichlichen Niederschlag von traubensaurem Kalk 
hervorbringt, als auch die Polarisationsebene durch die Lö- 


14 


sung nach Rechts bedeutend abgelenkt wird. Die Säuren 
wurden auf die oben erwähnte Weise getrennt und dabei 
folgende Resultate erhalten. 

Vor der Trennung wurden wieder 10 CC, der auf 
100 CC. gebrachten Lösung mit !/;, Normalnatronlauge ge- 
sättigt, von der 5,3 CC. gebraucht wurden, so dass die 
Menge der zur Trennung angewendeten @nantität in den 
übrigen 90 CC. der Lösung 3,5775 Grm. Säure betrug. 

Auskrystallisirt waren 0,893 Grm. Traubensäure die 
entsprechen 0,798 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäure- 
hydrat. Die Menge des abgeschiedenenen traubensauren 
Kalks betrug 0,757 Grm. die ehtsprechen 0,437 Grm. krystall- 
wasserfreiem Traubensäurehydrat. 

Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. gebrachten 
Weinsäurelösung waren 2,9 CC. !/, Normalnatronlauge er- 
forderlich, die entsprechen 0,2175 Grm. Weinsteinsäure. 
Wenn man dies auf 100 CC. berechnet, so waren also vor- 
handen 2,175 Grm. Weinsäure. 


Auskrystallisirte Traubensäure 0,798 
Traubensäure von Kalksalz 0,437 


Traubensäure 1,235 
Weinsäure 2,175 


3,41. 


Erhalten in 100. Berechnetauf100. 
Angewendet 3,5775 Weinsäure 60,8 Weinsäure 63,8 


. Erhalten 3,41 Traubens. 34,5 Traubens. 36,2 
Verlust 0,1675 Verlust #1 100,0. 
100,0. 


Bei der Untersuchung im Polarisationsapparat betrug 
die Ablenkung vor der Trennung 
bei einem spec. Gewicht der Lösung von 1,076 
bei einem Gehalt von 16,5 Procent 


2,3 Grad nach Rechts, 


woraus sich berechnet das Molecularrotationsvermögen 
2,3 


= 6.7 511,0768)62%0;165u0m ar 


15 


Nach Abscheidung der Traubensäure betrug die Ab- 
lenkung 
bei einem spec. Gewicht von 1,051 
bei einem Gehalt von 10,1 Procent 
2,2 Grad rechts, 

woraus sich ergiebt das Molecularrotationsvermögen 
bi; 22 
5 1,05%. 2:.:0,101 

Berechnet man nach der oben beim Milchzucker an- 
gegebenen Weise das Verhältniss der beiden Säuren, so 
würden wir in 100 Theilen des Gemenges 62,3 Theile 
Weinsäure und 37,7 Theile Traubensäure anzunehmen haben. 


& — 1,04, 


Bestimmung 
durch Polarisation durch Wägung Mittel, 
Weinsäure 62,3 63,8 63,0 
Traubensäure 37,7 _ 36,2 37,0 
100,0 100,0 100,0 


Da die Differenz zwischen dem Molecularrotationsver- 
mögen der hier abgeschiedenen und dem der gewöhnlichen 
Weinsäure ziemlich bedeutend ist, ohne dass in der abge- 
schiedenen Weinsäure Traubensäure nachzuweisen war, SO 
könnte man diese Differenz vielleicht dadurch deuten, dass 
der Weinsäure die sogenannte inactive Weinsäure beige- 
mengt gewesen wäre, die Pasteur gelegentlich bei der Um- 
wandlung der gewöhnlichen Rechtsweinsäure in Trauben- 
säure beobachtet hat. 


Versuch mit Rohrzucker. 


Wenn man den Rohrzucker nach demselben Verhält- 
niss, das man zur Oxydation des Milchzuckers angewendet 
hat, mit Salpetersäure oxydiren will, so tritt gleich nach 
der heftigen Einwirkung schon eine starke Bräunung der 
Masse ein. Es wurde desshalb gleich von vornherein eine 
stärkere Säure angewendet und dabei das Verhältniss genom- 
° men, das Heintz zur vortheilhaftesten Darstellung der Zucker- 
säure angiebt. Man nimmt danach auf 1 Theil Rohrzucker 
3 Theile Salpetersäure von 1,3 spec. Gew. lässt die erste 
heftige Einwirkung in kleineren Quantitäten vor sich gehen 


16 


und verfährt im Uebrigen ganz wie beim Milchzucker; nur 
muss man viel öfter Salpetersäure nachgiessen, um eine 
Färbung ‘der Flüssigkeit zu verhüten; auf eine Quantität von 
1 Pfd. Zucker braucht man gewöhnlich noch 12 Unzen der 
oben angegebnen Salpetersäure. Diese Färbung der Flüs- 
sigkeit kommt, wie wir nachher sehen werden, ganz beson- 
ders dem Linksfruchtzucker zu, der durch die Salpetersäure 
gebildet worden ist, während Rechtstraubenzucker kaum ein- 
mal und dann sehr spät braun wird, so dass man aus der 
frühern oder spätern Bräunung der Flüssigkeit auf das Vor- 
handensein von Linksfruchtzucker schliessen könnte. Auch 
hier ist die Oxydation in 3—4 Tagen vollendet; man ent- 
fernt die etwa gebildete Oxalsäure auf die früher ange- 
gebne Weise und verfährt überhaupt ganz wie bei der Ab- 
scheidung der Weinsäure aus dem Milchzucker. 

Die Ausbeute an Weinstein ist, wenn nicht bedeuten- 
der, so doch der aus dem Milchzucker aequivalent; die aus 
dem Weinstein abgeschiedene reine Säure gab die Reactio- 
nen der Traubensäure und liess beim Verdunsten bis zum 
Eintreten einer Krystallhaut und langsamen Erkalten eine 
ganz bedeutende Quantität Traubensäure herauscerystallisi- 
ren. Da die Menge derselben mehrere Gramme betrug, so 
wurden sie, nachdem sie nochmals umkrystallisirt und die 
entstandenen Krystalle durch längeres Liegen auf dickem 
Filtrirpapier vollkommen abgetrocknet waren, der Elemen- 
taranalyse unterworfen, die folgende Resultate ergab. 

I 0,3653 Grm. gaben 0,3825 Grm. Kohlensäure die 
entsprechen 0,1043 Grm. Kohlenstoff oder 28,56 Procent. 

Ferner 0,1557 Grm. Wasser, die entsprechen 0,0173 
Grm. Wasserstoff oder 4,74 Procent. 

II 0,325 Grm. gaben 0,347 Grm. Kohlensäure, die ent- 
sprechen 0,0946 Grm. Kohlenstoff oder 29,12 Procent. 

Ferner 0,1403 Grm. Wasser, die entsprechen 0,01559 
Grm. Wasserstoff oder 4,30 Procent. 

III 0,3124 Grm. gaben 0,3296 Grm. Kohlensäure, die 
entsprechen 0,0899 Grm. Kohlenstoff oder 28,78 Procent. 

Ferner 0,1322 Grm. Wasser, die entsprechen 0,01469 
Grm. Wasserstoff oder 4,69 Procent. 


17 


I uU AR Mittel Berechnet 
C —= 28,56 29,12 28,78 28,82 28,57 
H= 474 4,80 4,70 4,75 4,76 
OO — 66,70 66,08 66,52 66,43 66,67 


100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 


Im Platinschiffehen blieb nicht der geringste Rück- 
stand zum Beweis, dass die verwendeten Krystalle frei von 
Kali waren. Bei 100 Grad so lange erhitzt, bis mehrere Wä- 
gungen nicht mehr differirten, verloren die Krystalle die 
beiden Aequivalente Wasser. Es liessen 0,345 Grm. der 
erhaltenen Krystalle 0,307 Grm. zurück, so dass sie dem- 
nach 0,038 Grm. oder 11,01 Procent verloren hatten, nach 
der Rechnung müssten sie 10,71 Procent Wasser verlieren. 


Ausserdem wurde, um die Identität der erhaltenen Kry- 
stalle mit der gewöhnlichen Traubensäure noch genauer 
festzustellen, das Löslichkeitsverhältniss bestimmt. Die zu 
einem feinen Pulver zerriebenen Krystalle wurden mehrere 
Tage bei einer Temperatur von 20 bis 25° C. mit einer zur 
Lösung unzureichenden Quantität Wasser öfters geschüttelt. 
Von der so erhaltenen Lösung wurde eine gewogene Quan- 
tität imPlatintiegel so lange im Wasserbade erhitzt, bis die- 
selbe bei mehreren Wägungen ein constantes Gewicht behielt. 

1,345 Grm. der Lösung liessen 0,2155 Grm. Rückstand, 
der entspricht 0,2414 Grm. krystallisirter Traubensäure, 
Es löste sich somit die erhaltene Traubensäure in 4,57 Thei- 
len Wasser von 20°C. Da Walchner nach Gmelin’s Hand- 
buch ') das Löslichkeitsverhältniss der gewöhnlichen Trau- 
bensäure zum Wasser zu 5,7 angegeben hat, so habe ich 
den Versuch mit der natürlichen Traubensäure wiederholt 
und dabei die Zahlen 4,73 und 4,95 erhalten, so dass man 
als Mittel die Zahl 4,84 anzunehmen hätte. Mösglicher- 
weise hat Walchner die Bestimmung bei einer niedrigeren 
Temperatur als die von mir angegebene vorgenommen oder 
seine Zahl 5,7 giebt nicht die Menge Wasser an, welche 
einen Theil Traubensäure löst, sondern die Menge Lösung, 
welche einen Theil derselben enthält. Nach meinen Ver- 


») Gmelin’s Handbuch der Chemie. Bd. V, pag. 447. 
XXI 1863. 2 


18 


suchen ist im Mittel aller drei Versuche in 5,75 Theilen der 
Lösung ein Theil der Säure enthalten. 
Die Mutterlauge von den erhaltenen Krystallen gab 
im Polarisationsapparat untersucht‘ eine bedeutende Ablen- 
kung nach Rechts, es war somit neben der Traubensäure 
auch Rechtsweinsäure gebildet, eine Thatsache, die insofern 
von Interesse ist, als Liebig bei Behandlung des Rohr- 
zuckers mit Salpetersäure die Bildung der Weinsäure nicht 
beobachtet hat, Das Verhältniss der beiden Säuren zu ein- 
ander wurde in derselben Weise wie beim Milchzucker und 
Gummi bestimmt. 
Zur Sättigung von 10 CC. des auf 100 CC. gebrach- 
ten Gemisches wurden 8,8 CC. !/, Normalnatronlauge ge- 
braucht, die entsprechen 0,66 Grm. Weinsäure. Angewendet 
wurden zur Trennung die übrigen 90 CC., die somit ent- 
sprechen 5,94 Grm. 
Auskrystallisirt waren 2,222 Grm. die entsprechen 
1,984 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäurehydrat. Das 
Gewicht des abgeschiedenen traubensauren Kalkes betrug 
0,819 Gramme, die entsprechen 0,4725 Grm. krystallwasser 
freiem Traubensäurehydrat. Zur Sättigung von 10 CC. 
der auf 100 CC. gebrachten Rechtsweinsäure wurden ver- 
braucht 4,6 CC. Normalnatronlauge, die entsprechen 0,345 
Grm. Weinsäure, so dass das Quantum der gesammten 
Weinsäure betrug 3,45 Grm. 
Auskrystallisirte Traubensäure 1,954 
Traubensäure vom Kalksalz 0,4725 
Traubensäure 2,4565 
Weinsäure 3,45 
5,9065 
Angewend. 5,94 Erhalten in 100 Berechn. auf 100 
Erhalten 5,9065 Weinsäure 58,08 Weinsäure 58,41 
Verlust 0,0335 Traubens. 41,34 Traubens. 4#1,59 
Verlust 0,58 100,00 
100,00 
Vor der Trennung betrug die Ablenkung der Polari- 
sationsebene bei einem spec. Gew. von 1,082 und bei ei- 
nem Gehalt der Lösung von 17,7 Procent 
2,50 nach Rechts, 


19 


woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet zu 
2,8 
022. 
Nach der Trennung betrug die Ablenkung der Rechts- 
weinsäure bei einem Gehalte von 10,6 Proc. und einem spec. 
Gew. von 1,044 
2,6 nach Rechts, 
woraus das Molecularrotationsvermögen sich ergiebt zu 
2,6 
© 7 7,044.2.0,106 
Berechnet man danach wie oben das Verhältniss der 
beiden Säuren, so würden in 100 Theilen 60,84 Theile Wein- 
säure und 39,16 Theile Traubensäure anzunehmen sein. 


— SIT: 


Bestimmung 
durch Polarisation durch Wägung Mittel 
Weinsäure 60,84 58,41 59,7 
. Traubens. 39,16 41,59 40,3 
100,00 - 100,00 100,09 


Versuch mit Linksfruchtzucker. 


Wenn nach Dubrunfaut’s*) Ansicht Rohrzucker durch 
Erwärmen mit verdünnten Säuren: in Rechtstraubenzucker 
und Linksfruchtzucker zerfällt und des Letzteren Polarisa- 
tionsvermögen so bedeutend ist, dass die Ablenkung nach 
der Inversion von Rechts nach Links übergeht, so konnte 
das Auftreten der Traubensäure in den Oxydationsproduk- 
ten des Rohrzuckers in der Weise gedeutet werden, dass 
aus dem Gemeng von Rechts und Links drehendem Zucker 
auch die beiden Weinsäuren entstanden wären, die sich 
nachher zu Traubensäure vereinigt hätten. Zur Beantwor- 
tung der Frage, ob der Vorgang wirklich der angedeuteten. 
Art sei, war es nöthig, die beiden Zuckerarten getrennt mit 
Salpetersäure zu behandeln, möglicher Weise konnte man 
durch Oxydation von reinem Linksfruchtzucker auch reine 
Linksweinsäure erhalten. 

Zunächst wurde ein Versuch gemacht, den durch In- 
version des Rohrzuckers entstehenden Linksfruchtzucker 


!) Compt. rend. 23, 38. 


2” 


20 


zu isoliren und dazu das von Dubrunfaut angegebne Verfah- 
ren angewendet. Es wurde danach Rohrzucker mit ver- 
dünnter Schwefelsäure so lange erwärmt, bis die Drehung 
der Polarisationsebene nach Links übergegangen war, dar- 
auf der durch Kalkerdehydrat hervorgebrachten Nieder- 
schlag von Linksfruchtzuckerkalk vom löslichen Rechtstrau- 
benzuckerkalk abgepresst und durch Schwefelsäure zer- 
setzt. Da eines Theils eine zur Oxydation mit Salpeter- 
säure zu geringe Menge Linksfruchtzucker erhalten wurde 
und andern Theils dieser Zucker auch nach mehrmaligen 
Behandeln mit Knochenkohle nicht so weit entfärbt werden 
konnte, dass man sein Polarisationsvermögen hätte beob- 
achten können, so wurde versucht, durch Kochen des Inu- 
lins mit Säuren Linksfruchtzucker zu erhalten, der nach 
Dubrunfaut mit dem aus Rohrzucker gewonnenen identisch 
sein soll. Es wurde demnach Inulin durch längeres Kochen 
mit verdünnter Salpetersäure in Linksfruchtzucker überge- 
führt; der erhaltene Zucker war zwar auch stark braun, liess 
sich aber durch Knochenkohle so weit entfärben, dass man 
ihn sehr -gut im Polarisationsapparate untersuchen konnte, 
wo er eine -bedeutende Drehung nach Links zeigte. Die 
erhaltene Lösung wurde dann so weit eingedunstet, dass 
sie gegen 50 Procent Zucker enthielt, dessen Menge man 
am leichtesten auf massanalytischem Wege mittelst einer 
titrirten Kupferlösung ermittelt, und darauf mit dem glei- 
chen Gewicht einer Salpetersäure von 1,40 spec. Gew. er- 
wärmt, so dass annähernd dasselbe Verhältniss von Zucker 
und Säure wie beim Rohrzucker entstand. Ausser der oft 
eintretenden Braunfärbung dieses Zuckers, eine Erschei- 
nung, die, wie ich schon oben bemerkt habe, beim Rohr- 
zucker durch Auftreten dieses Zuckers becingt ist und die 
man hier nur durch sehr reichlichen, und Öfteren Zusatz 
von Salpetersäure vermeiden kann, bietet der Process nichts 
Neues; ebenso wurde das bei den anderen Zuckerarten an- 
gegebene Verfahren zur Reindarstellung der betreffenden 
Säure befolgt. Beim Eindunsten der reinen Säure war die- 
selbe zu einer ganz trockenen krystallinischen Masse er- 
starrt, so dass man Schon daraus auf die Abwesenheit der 
Weinsäure hatte schliessen können. Sie zeigte die Re- 


21 


actionen der Traubensäure, und da im Polarisationsapparate 
gar keine Ablenkung beobachtet werden konnte, so war So- 
mit nur reine Traubensäure gebildet. 

Wir begegnen hier der allerdings merkwürdigen und 
in gewisser Hinsicht abnormen Erscheinung, dass wir aus 
einer so stark nach Links drehenden Substanz ein völlig 
inactives Product erhalten, bekommen jedoch zugleich darüber 
Aufschluss, wodurch das Auftreten der Traubensäure un- 
ter den Oxydationsproducten des Rohrzuckers bedingt ist, 
während die folgenden Versuche zeigen werden, dass die 
Bildung der Rechtsweinsäure von der vorherigen Bildung 
von Rechtstraubenzucker herzuleiten ist. 


Versuch mit Stärke. 


Zunächst wurde Stärke der Oxydation mit Salpetersäure 
unterworfen und dabei dasselbe Verhältniss wie beim Inu- 
linzucker angewendet. Man rührt die Stärke mit dem glei- 
chen Gewicht Wasser an und setzt das doppelte Gewicht 
von einer Salpetersäure von 1,40 spec. Gewicht hinzu und 
erwärmt. Dabei quillt die Stärke zuerst zu einer gleich- 
mässig dicken durchscheinenden Masse auf, wird dann dün- 
ner, bis die heftige Reaction der Salpetersäure stattfindet, 
wonach man dann eine vollständig klare Flüssigkeit erhält; 
ein späterer Zusatz von Salpetersäure ist kaum mehr nö- 
thig, wenigstens stellt sich eine Bräunung der Masse erst 
am dritten oder vierten Tage ein. Ausser der Bildung ei- 
ner geringen Menge einer wachsartigen Masse, die sich auf 
der Oberfläche abscheidet, bleibt im übrigen der Process 
derselbe wie bei den andern Zuckerarten, so wie man auch 
nach der früher angegebnen Methode die betreffende Säure 
daraus abscheidet. Sie erwies sich als reine Rechtswein- 
säure, da eines Theils Gypssolution gar keine Fällung her- 
vorbrachte, und anderntheils die beobachtete Ablenkung der 
Polarisationsebene der der gewöhnlichen Rechtsweinsäure 
gleichkam. 

Die Ablenkung der erhaltenen Säure betrug bei einem 
spec. Gewicht von 1,076 
bei einem Gehalt der Lösung von 17,1 Procent 

4,4 Grad nach Rechts, 


22 


woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet 
Ei 4,4 

2 1:0767220)771 
das der gewöhnlichen Rechtsweinsäure ist gleichfalls 11,9. 


a — 11,9 


Versuch mit Rechtstraubenzucker. 


Da man den Einwand machen könnte, dass die Stärke 
möglicher Weise schon vor der Umsetzung in Rechstrauben- 
zucker von der Salpetersäure oxydirt worden sei und man 
es eben nur mit Stärke und nicht mit Traubenzucker zu 
thun gehabt hätte, so wurde derselbe Versuch mit reinem 
krystallisirteem Traubenzucker wiederholt. Da die erhaltene 
Weinsäure auch nach mehrtägigem Stehen mit Gypssolu- 
tion auch nicht den geringsten Niederschlag absetzte, da 
ferner die Ablenkung der Polarisationsebene der der ge- 
wöhnlichen nahezu gleichkam, so war demnach gleichfalls 
nur Rechtsweinsäure entstanden. 

Es betrug die Ablenkung der Polarisationsebene bei 
einem Gehalte der Lösung von 22,8 Procent und einem 
spec. Gew. von 1,1125 

5,9 Grad nach Rechts, 
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet zu 
5,9 
Gr Dos 
während das der gewöhnlichen Weinsäure 11,9 ist, eine 
Differenz, die wohl als ein Beobachtungsfehler anzuse- 
hen ist. 

Nachdem die gemachten Versuche gezeigt haben, dass 
wir aus den verschiedensten Kohlehydraten Weinsäure oder 
Traubensäure erhalten können, wonach man wohl mit ei- 
niger Sicherheit die Annahme machen kann, dass sämmt- 
liche eigentliche Kohlehydrate ein gleiches Product bei der 
Oxydation mit der Salpetersäure liefern können, würde es 
zun darauf ankommen, die Frage zu entscheiden, ob die 
Weinsäure direct aus dem Zucker gebildet wird oder ob 
zunächst ein Mittelglied entsteht, aus dem dann durch wei- 
tere Oxydation die Weinsäure gebildet wird. Ist letzteres 
der Fall, so muss Schleimsäure und Zuckersäure, die beide 
vor der Bildung der Weinsäure entstehen, durch weitere 


23 


Oxydation mit Salpetersäure in Weinsäure oder Trauben- 
säure übergetührt werden können, was wir auch durch die 
folgenden Versuche wenigstens zum Theil bestätigt finden. 


Versuch mit Schleimsäure. 


Die bei der Oxydation des Milchzuckers gewonnene 
Schleimsäure wurde mit dem 4fachen Gewicht einer Sal- 
petersäure von 1,2 spec. Gewicht mehrere Tage in schwa- 
chem Sieden erhalten. Nachdem die noch nicht zersetzte 
Schleimsäure sich abgesetzt hatte, wurde die klare Flüssig- 
keit abgegossen und der Rückstand immer wieder mit neuen 
Mengen Salpetersäure gekocht, Aus den so erhaltenen 
Flüssigkeiten wurde nach Absättigen mit kohlensaurem 
Natron bis zur schwach sauren Reaction mit essigsaurem 
Blei die betreffenden Säuren als Bleisalze ausgefällt. Nach- 
dem der Versuch sechs Wochen lang fortgesetzt war, ohne 
dass eine bedeutendere Menge der Bleiverbindungen ent- 
standen war, wurde derselbe abgebrochen. Die aus der 
ganzen Quantität des abgeschiedenen sauren Kalisalzes ge- 
wonnene Säure liess keine Ablenkung der Polarisations- 
ebene erkennen, jedoch war die dazu verwendete Menge zu 
gering, um mit Sicherheit entscheiden zu können, ob die 
erhaltene Säure reine Traubensäure, deren Bildung nach 
den erhaltenen Reactionen mit Gypswasser nicht zu be- 
zweifeln ist, oder ein Gemeng der Traubensäure und Rechts- 
weinsäure war. 


Versuch mit Zuckersäure. 


Zur Oxydation der Zuckersäure wurde das saure 
zuckersaure Kali verwendet, das als Nebenprodukt von sämmt- 
lichen Zuckerarten gewonnen war. Auf eine Unze dieses 
Salzes wurden 4 Unzen einer Salpetersäure von 1,2 spec. 
Gewicht verwendet und die Oxydation mehrere Tage im 
Dampfbade fortgesetzt. 

Die bei dieser Concentration nur in geringer Menge 
entstandene Oxalsäure wurde auf die bekannte Weise ent- 
fernt, so wie zur Abscheidung der betreffenden Säure auch 
das oben erwähnte Verfahren befolgt wurde, wobei eine 
reichliche Menge Weinsäure erhalten wurde. Da sowohl 
eine Ablenkung der Polarisationsebene beobachtet wurde, 


24 


als auch Gypssolution eine Fällung von traubensaurem Kalk 
hervorbrachte, so war ein Gemenge von Weinsäure und Trau- 
bensäure erhalten, deren Mengen sich wie folgt berechneten: 

Vor der Trennung wurden 10 CC. des auf 100 CC. 
aufgefüllten Gemisches mit !/; Normalnatronlage gesättigt, 
von der 1,1 CC. gebraucht wurden die entsprechen 0,0825 Grm. 
Zur Trennung wurden die übrigen 90 CC. verwendet, die 
somit entsprechen 0,7425 Grm. 

Auskrystallisirt waren 0,135 Grm. Traubensäure, die 
entsprechen 0.1205 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäure- 
hydrat. Die Menge des abgeschiedenen traubensauren 
Kalkes betrug 0,115 Grm., die entsprechen 0,0663 Grm. 
krystallwasserfreien Traubensäurehydrat. Zur Sättigung 
der abgeschiedenen Weinsäure waren nöthig 7 CC. Normal- 
natronlauge, die entsprechen 0,525 Grm. Weinsäure. 


Auskrystallisirte Traubensäure 0,1205 
Traubensäure vom Kalksalz 0,0663 


Traubensäure 0,1868 
Weinsäure 0,525 


0,7118. 


Erhalten in 100. Berechnet auf 100. 
Angewendet 0,7425 Weinsäure 70,7 Weinsäure 73,8 
Erhalten 0,7118 Traubens. 25,2 Traubens. 26,2 


Verlust 0,0307 Verlust #1 100,0, 
100,0. 


Vor der Trennung betrug die Ablenkung der Polari- 
sationsebene 
bei einem spec. Gewicht von 1,025 und 
bei einem Gehalt der Lösung von 5,4 Procent 


1 Grad nach Rechts, 


woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet 
Fra 0,0. 

Nach der Trennung betrug die Ablenkung 
bei einem Gehalte von 4,1 Procent 


bei einem spec, Gewicht von 1,019 


- 


25 
1 Grad nach Rechts, 


wodurch das Molecularrotationsvermögen sich ergiebt 
1 \ 4 
70197 0,047. Aal 


Danach berechnet sich das Verhältniss der Weinsäure 
zur Traubensäure für 100 Theile wie 71,3 zu 28,7. 


Bestiiamung 
durch Polarisation durch Wägung Mittel. 
Weinsäure 71,3 73,8 72,6 
Traubens. 28,7 26,2 27,4 
100,0. 100,0. 100,0. 


Die beiden letzten Versuche bestätigen die Annahme 
von Liebig und Heintz, dass das Auftreten der Weinsäure 
und Traubensäure auf die vorherige Bildung von Zucker- 
säure oder Schleimsäure zurückzuführen sei. 


Wahrscheinlich bildet sich jedoch zwischen der Zucker- 
säure und Weinsäure noch ein zweites Mittelglied, indem 
der durch essigsaures Blei in den durch Oxydation mit Sal- 
petersäure erhaltenen Flüssigkeiten entstandene Nieder- 
schlag von zuckersaurem, weinsaurem und oxalsaurem Blei 
noch das Bleisalz einer Säure enthält, die in ihren Reactio- 
nen der Weinsäure und Zuckersäure sehr nahe kommt und 
sich nur dadurch von denselben unterscheidet, dass sie keine 
krystallisirbaren Salze giebt; vielleicht ist sie mit der von 
Siewert!) aus den Mutterlaugen von der Zuckersäuredar- 
stellung erhaltenen Cassonsäure identisch. Da dieselbe 
auch bei der Oxydation der Zuckersäure gebildet wird und 
an Kohlenstoff und Wasserstoff reicher als die Weinsäure 
und ärmer als die Zuckersäure ist, so könnte man vielleicht 
die Annahme machen, dass die Zuckersäure und Schleim- 
säure vor ihrer Umsetzung in Weinsäure oder Traubensäure 
erst in diese Säure übergehen. Was die zweite Frage an- 
betrifft, ob die bei der Oxydation des Milchzuckers durch 
Salpetersäure erzeugte Weinsäure aus der vorhergebildeten 
Zuckersäure oder aus der Schleimsäure ihren Ursprung 


!) Diese Zeitschrift 14, 337. 


26 


nimmt, so habe ich schon in der Einleitung angegeben, 
wie Liebig die Vermuthung ausgesprochen hatte, dass die 
Weinsäure aus der Zuckersäure gebildet werde, während 
Heintz sich für die Bildung der Weinsäure aus der Schleim- 
säure entschieden hatte, nachdem er durch Oxydation der 
Schleimsäure saures weinsaures Kali erhalten haben wollte. 
Da jedoch nach den von Carlet und mir angestellten Ver- 
suchen bei Anwendung von Schleimsäure nur die Bildung 
von Traubensäure beobachtet werden konnte, so muss die 
von Heintz gemachte Notiz wohl auf einem Irrthum beruhen, 
der dadurch veranlasst war, dass einerseits die Menge des 
aus der Schleimsäure erhaltenen Kalisalzes zu gering war, 
um mitSicherheit zu entscheiden, ob darin Weinsäure neben 
Traubensäure vorhanden war, und dass man andrerseits da- 
mals noch nicht auf die Möglichkeit der Bildung von Trau- 
bensäure aufmerksam war. 

Da man nun ausserdem aus allen Zuckerarten,, die 
ausschliesslich Zuckersäure und gar keine Schleimsäure 
bilden und auch aus der Zuckersäure selbst, die in grosser 
Menge auch aus dem Milchzucker gebildet wird, Weinsäure 
erhält, so muss die Zuckersäure und nicht die Schleimsäure 
als das Zwischenglied zwischen dem Milchzucker und der 
Weinsäure angesehen werden, während die Schleimsäure 
die Bildung der Traubensäure bedingt. 

Zur Erledigung der dritten Frage, ob man in Beziehung 
auf das Rotationsvermögen wie Carlet meint, einen Schluss 
aus den erhaltenen Producten auf die angewendeten Sub- 
stanzen machen könne, halte ich es für zweckmässig, die 
durch meine Versuche erhaltenen jResultate noch einmal 
kurz anzuführen. 


Es gaben in 100 Theilen 
Milchzucker 55,4 Weins. u. 44,6 Traubens. 
Gummi 63,0 Weins. u. 37,0 Traubens. 
Rohrzucker 59,7 Weins. u. 40,3 Traubens. 
Stärke nur Weins. 
Rechtstraubenzucker nur Weins. 

- Linksfruchtzucker nur Traubens. 
Zuckersäure 72,6 Weins. u. 27,4 Traubens. 


Schleimsäure (Weins.?) u. Traubens. 


27 


Die gänzliche Abwesenheit der Weinsäure konnte nicht 
nachgewiesen werden. 

Aus dem wenigstens in frisch bereiteter Lösung am 
bedeutendsten nach Rechts drehenden Traubenzucker ha- 
ben wir somit reine Rechtsweinsäure erhalten, mit der Ab- 
nahme der Drehung nach Rechts findet man bei den an- 
dern Zuckerarten Gemienge von Rechtsweinsäure und Trau- 
bensäure, ohne dass jedoch ein bestimmtes Verhältniss 
zwischen dem Rotationsvermögen der angewendeten Sub- 
stanz und dem grössern oder geringeren Auftreten von 
Traubensäure oder Weinsäure beobachtet werden könnte, 
bis wir schliesslich aus dem am bedeutensten nach links 
drehenden Zucker nur reine Traubensäure erhalten. Auch 
aus der Zuckersäure, deren Rotationsvermögen ich, wie auch 
Carlet angiebt, über das doppelte so hoch als das der 
Rechtsweinsäure fand, wurde neben der Rechtsweinsäure 
auch Traubensäure gebildet. Was ferner die Schleimsäure 
anbetrifft, so giebt Carlet allerdings an, dass dieselbe op- 
tisch inactiv sei und in Folge dessen auch nur die inactive 
Traubensäure gebildet habe; einestheils kann man jedoch 
deren Inactivität wegen der geringen Löslichkeit in Wasser 
noch in Frage ziehen und anderntheils wurden von mir 
die betreffenden Oxydationsproducte nur in so geringer 
Menge erhalten, dass nicht mit Sicherheit zu entscheiden 
war, ob in der That auch bloss reine Traubensäure gebil- 
det worden war. 

Wir haben somit ausser dem durch Oxydation des 
Traubenzuckers erhaltenen! Resultate, wonach dieser Zucker 
allerdings seine rechtsdrehende Eigenschaft in seinem Oxy- 
dationsproducte beibehält, kein Beispiel, was die von Car- 
let gemachte Hypothese stützen könnte, dass zwischen der 
Weinsäure und Traubensäure einerseits und den verschie- 
denen Zuckerarten, aus denen sie gebildet werden, und den 
dazu gehörigen Zwischengliedern andrerseits die Gesetz- 
. mässigkeit stattfindet, dass die betreffende optische Eigen- 
schaft sich jedesmal in den erhaltenen Umsetzungspro- 
ducten wiederfindet. Im graden Gegensatz dazu sehen wir 
durch die mit Rohrzucker, Rechtstraubenzucker und Links- 
fruchtzucker angestellten Versuchen zur Thatsache werden, 


28 


dass der so bedeutend nach Links drehende Linksfrucht- 
zucker durch Oxydation mit Salpetersäure in die inactive 
Traubensäure, der Rechtstraubenzucker in Weinsäure über- 
geht, so dass man aus dem Auftreten der Traubensäure 
eher einen Rückschluss auf die vorherige Bildung von Links- 
fruchtzucker machen könnte, 

Es erklärt sich dann das Auftreten eines Gemisches 
von Weinsäure und Traubensäure bei der Oxydation des ° 
Milchznckers und Gummi’s in der Weise, dass beide, wie 
Dubrunfaut beim Rohrzucker annimmt, durch die Salpeter- 
säure zunächst eine Spaltung erleiden, wo dann der ent- 
standene Rechtstraubenzucker die Bildung der Weinsäure, 
der Linksfruchtzucker die Bildung der Traubensäure bedingt. 
Da nun Milchzucker und Gummi nach der Behandlung mit 
verdünnten Säuren eine Drehung nach Rechts zeigen, so 
würde das Auftreten eines Plus von Weinsäure aus dem in 
grösserer Menge entstandenen Rechtstraubenzucker herzu- 
leiten sein, wenn nicht bei Anwendung von Rohrzucker, der 
nach der Inversion durch Säuren eine Drehung nach Links 
zeigt, ebenfalls ein Plus von Weinsäure erhalten würde, eine 
Erscheinung, .die einfach darin ihren Grund hät, dass der 
Rechtstraubenzucker, wie wir bei den einzelnen Versuchen 
gesehen haben, bei weitem leichter von der Salpetersäure 
angegriffen wird, als der Linksfruchtzucker. 

Versucht man die von mir erhaltenen Resultate mit 
der Carlet’schen Hypothese in Einklang zu bringen, so 
könnte man vielleicht die Bildung der Weinsäure und Trau- 
bensäure aus dem Milchzucker und Gummi so erklären, dass 
beide zunächst durch die Salpetersäure in einen rechts und 
einen linksdrehenden Zucker gespalten würden, und dass 
dann die Weinsäure aus dem rechtsdrehenden, die Trau- 
bensäure aus dem Gemisch von rechts und linksdrehenden 
Zucker gebildet wäre. 

Schwieriger würde die Bildung der Weinsäure und 
Traubensäure aus dem Rohrzucker zu erklären sein, weil 
derselbe nach der Einwirkung von verdünnten Säuren eine 
Drehung nach links zeigt, so dass man nach Carlet’s Theo- 
rie daraus ein Gemenge von Linksweinsäure und Trauben- 
säure hätte erhalten müssen. Vielleicht liesse sich diese 


29 


Anomalie in der Weise deuten, dass zunächst der in Folge 
der Spaltung durch Säuren entstandene Rechtstraubenzucker 
von der Salpetersäure zu Rechtsweinsäure umgesetzt würde, 
und darauf der Linksfruchtzucker mit dem noch übrigen 
Rechtstraubenzucker die Bildung von Traubensäure veran- 
lasste. 


Wollte man auch noch die Bildung der Traubensäure 

aus dem Linksfruchtzucker in ähnlicher Weise erklären, so 

würde man die allerdings gewagte Annahme machen müs- 

sen, dass sich der so bedeutend nach Links drehende Links- 

fruchtzucker noch einmal erst wieder in einen rechts und 
linksdrehenden Zucker spalten liesse. 


Wenn man demnach in Erwägung zieht, welche Schwie- 
rigkeit es macht, die von mir erhaltenen Resultate mit der 
von Carlet aufgestellten Theorie, dass die optischen Eigen- 
schaften der einzelnen Zuckerarten auch in deren Um- 
setzungsproducten wieder auftreten müssten, in Einklang 
zu bringen, so wird man nicht umhin können, jenes Ge- 
setz als nicht existirend zu betrachten. Im Gegentheil 
glaube ich vielmehr die Annahme machen zu müssen, 
dass der linksdrehende Linksfruchtzucker die Bildung der 
Traubensäure, der rechtsdrehende Traubenzucker die Bildung 
der Rechtsweinsäure bedinge, eine Annahme die auch in 
Bezug auf die Bildung der Traubensäure aus dem Duleit 
und Mannit eine gewisse Geltung dadurch erhält, dass Ber- 
thelot!) bei der Gährung des Männits mit thierischen Te- 
stikeln die Bildung eines Zuckers beobachtete, der die Po- 
larisationsebene nach Links ablenkte. 


Bevor ich diese Arbeit schliesse, glaube ich noch darauf 
aufmerksam machen zu dürfen, wie durch die von mir mit 
dem Rohrzucker, Rechtstraubenzucker und Linksfrucht- 
zucker angestellten Versuche vielleicht die von Dubrunfaut 
gemachte Hypothese der Spaltung des Rohrzuckers durch 
Säuren an Wahrscheinlichkeit gewinnt, insofern man aus 
dem Rohrzucker die beiden Säuren, die Traubensäure und 
_ Weinsäure gemengt erhält, die man einzeln durch Behand- 


ı) Comptes rend. 'T. 44, p. 1002. 


s0 


lung der Spaltungsproducte für sich allein darstellen 
kann. 

Schliesslich kann ich nicht unterlassen, dem Herrn 
Professor Dr. Heintz für die mannichfachen Rathschläge, die 
derselbe mir im Verlauf der Arbeit gegeben hat, hiermit 
meinen Dank auszusprechen. 

Halle a. d. S. im November 1862. 


Zur Paragenesis des Glimmers 
von 
E, Söchting. 


(Aus den Verhandlungen der kaiserlichen Gesellschaft für die gesammte 
Mineralogie zu St. Petersburg. Jahrg.,1862. Mitgetheilt vom Verfasser. *) 


In der unlängst von mir veröffentlichten Arbeit über 
die Einschlüsse von Mineralien in krystallisirten Mineralien 
habe ich auch den Glimmer aufgeführt als von verschie- 
denen Mineralien umhüllt, z. B. von Albit, Chrysoberyll, 
Eisenkies, Feldspath, Flussspath, Granat, Hornblende, Ido- 
kras, Quarz, Topas, Turmalin, Wernerit u. S. w. 


Unzweifelhaft ist der Glimmer in vielen Fällen nur 
im Einschluss, unabhängig von dem Bestande des ihn um- 
gebenden Minerals, während er anderwärts von diesem ab- 
hängt, indem er nachträglich durch irgend welche Einflüsse 
aus diesem entstanden, in denselben hineingerathen ist. 


Dahin gehört es unterandern, wenn Blum (Natuurkund. 
Verhand. van de Hollandsche Staatsschappij der Wetensch. 
te Haarlem [2], IX, 13.) solchen aufführt in Apatitkrystal- 
len aus Drusenräumen des Granits von Penig, von den 
Zinnerzlagerstätten zu Ehrenfriedersdorf in Sachsen, auch 


!) Es war mir um so mehr werth, diesen Aufsatz nochmals ab- 
gedruckt zu sehen, da er so, wie er in den „Verhandlungen“ selbst 
steht, mehrfache Druckfehler erhalten hat, welche ich nicht zu entfer- 
nen im Stande war, da ich die Correctur nicht besorgen konnte. S8. 


3l 


in Apatit von Katharinenburg in Sibirien. Dahin gehört 
der Glimmer im Eisenkies von Warwick, Orange Co., New- 
york, nach Beck (Nat. Hist. of New York; Mineralogy, 
283). Volger gedenkt (N. Jahrb. f. Min. u. s. w., 1854, 
283) Glimmers als Einschluss in Kalkspathkryställchen ei- 
nes metamorphischen Gesteines von der Sella, wo die Tafel- 
ebene der Glimmerblättchen stets in der Ebene der Spalt- 
barkeitslage des Spathes liegt, zuweilen aber auch ihr Um- 
riss durch die beiden andern Spaltungsrichtungen bestimmt 
ist, so dass rautenförmige Blätter erscheinen. Der Ein- 
schluss des Glimmers in Quarz ist — wenngleich nach 
Kenngott (Sitzungsber. d. K. Akad. d. Wissensch. zu 
Wien. Mathem, naturw. CI, IX, 407) immerhin ein selte- 
ner — doch mehrfach von mir und von Andern beobachtet. 

Für manche dieser Vorkommnisse des Glimmers je- 
doch ist es schon eher zweifelhaft, ob man es nicht, statt 
nur mit einem einfachen Einschlusse, mit einem Umwand- 
lungserzeugnisse des umgebenden Minerales selbst zu 
thun habe. 

Hier ist vornehmlich schon der Fall zu nennen, wenn 
eine Abart des Glimmers von einer andern umschlossen 
wird. Es ist bekannt, dass — während viele Gesteine nur 
oder wesentlich nur eine einzige Art enthalten — in man- 
chen zweierlei Arten vorkommen. Ich will nur anführen, 
dass de la Beche (Report on the geol. of Cornwall, Devon 
and West Somerset, 157) lichten und dunkeln Glimmer zu- 
sammen im Granite von Dartmoor in Devonshire angiebt, 
dass Haughton (Journ. of the Geol. Soc. of Dublin, VII, 
198.) unter den von M’Clintock mitgebrachten Gesteinen 
einen Glimmerschiefer von Wolstonholme in Grönland, 77° 
nördl. Br., bemerkte, welcher aus einem innigen Gemenge 
schwarzen und weissen Glimmers in grossen Blättern be- 
stand, wobei die Glimmerplatten durch Bänder reinen Feld- 
spathes geschieden seien. 

Ein ganz besonderer Fall des Nebeneinandervorkom- 
. menslichten und dunkeln Glimmers ist der von G. Rose 
(Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., I, 356) hervorge- 
hobene, in welchem nämlich der schwarze Glimmer in re- 
gelmässiger Verwachsung mit weissem in der Art erscheint, 


32 


dass die Spaltbarkeit aus dem einen in den andern fort- 
setzt, der weisse Glimmer aber an den Rändern den brau- 
nen umgiebt, so dass letzterer der später gebildete sein 
müsse, eine Verwachsung, welche fast jeder Granit zeigt, 
in dem nämlich beide Glimmer vorkommen. Ehrenberg 
habe bei mikroskopischer Untersuchung in den weissen Blät- 
tern häufig kleine, dunkelbraune, scharf begrenzte, sechsseitige 
Tafeln, oft nur von der Grösse einer halben Linie und dar- 
unter, beobachtet. R 

Diese Einlagerung ist dann mehrseitig angeführt wor- 
den. So von G. Leonhard (Geogn. min. Besehreih. d. 
bad. Bergstrasse, 10) aus gewissen Granitgängen dieses 
Gebirges, so von Hochstetter (Jahrb. d. K. k. geolog. 
Reichsanst., VI, 13) im Plöckensteingranite des Böhmer- 
waldes. Zu erwähnen ist auch aus dem Granite von Pres- 
burg nach Kenngott (ebend. U, 3, 42) ein dunkellauch- 
grünes, ins Braune geneigtes Mineral, dessen Blättchen ent- 
weder für sich liegen, oder in weissen Glimmer einge- 
schlossen sind. Später (Uebers. d. Result. min. Forsch. im 
Jahre 1853, 58) erklärte Kenngott dasselbe nach C. v. 
Hauer’s Analyse (Sitzungsber. d. k, Akad. d. Wissensch. 
in Wien. Mathem. naturw. Classe, VI, 609) als nicht zum 
Glimmer, sondern zum Chlorite gehörig, und nannte es 
Eukamptit. Nach Rammelsberg (Handb. d. Mineralch. 
671) lässt es sich doch als ein wasserhaltiger, alkalifreier 
Magnesiaglimmer ansehen. Auch Haughton hat (Quart. 
journ. of the Geol. Soc., XII, 175 und XV, 129) Beobach- 
tungen über derartige Vorkommnisse in irischen Graniten 
mitgetheilt, wobei er Bestimmungen über die Lage der 
optischen Axen mittheilt. In dem Granite von Ballyeltin, 
Carlow Co., sind grosse Tafeln lepidomelanartigen Glim- 
mers nicht nur vergesellschaftet mit solchen weissen Mar- 
garodits, sondern auch diesem physikalisch eingelagert. 
Aber auch das Umgekehrte findet Statt. Die Winkel an 
den Tafeln des optisch einachsigen, schwarzen Glimmers 
sind alle = 120°. Die Untersuchung der Platten weissen 
Glimmers, welchen schwarzer ohne Unterbrechung eingela- 
gert ist, ergab, dass die Ebene der optischen Achsen des 
ersteren senkrecht stand auf der gemeinschaftlichen Ober- 


33 


fläche der beiden Glimmerarten und stets die Grenzlinie 
beider in sich schloss. 

Hermann erklärt (Journ. f£. prakt. Chem. LXXIV, 
259) die Möglichkeit dieser Gruppirung durch Annahme ei- 
ner Heteromerie der beiden Mineralien, indem die Flächen- 
verbindung © P. © P». oP des zweiachsigen Glimmers 
dieselbe sei, wie die © R. oR des einachsigen, da o P 
==1209. y 

Dagegen giebt Reuss eine andere Ursache. Der- 
selbe beschreibt (Abhandl. d. k. k. geol. Reichsanst., I, 19) 
die Granite des Egerer Bezirkes in Böhmen und in der von 
ihm unterschiedenen, ersten Abänderung auch das gewöhn- 
liche Einschlussverhältniss, ausser welchem jedoch auch das 
entgegengesetzte vorkomme, wie dergleichen oben nach 
Haughton auch aus irischem Granite angeführt wurde. 
Beide Glimmerarten bilden aber auch noch eine Art von 
Verbindung. Wo nämlich mehrere, über einander liegende 
Glimmerblättchen in dünnen Tafeln vereinigt sind, gehören 
die mittleren gewöhnlich dem braunschwarzen, die periphe- 
rischen dagegen dem silberweissen an. Oft finde man je- 
doch auch zwischen den Blättchen des Magnesiaglimmers 
dünnere Blättchen und kleine Schuppen des Kaliglimmers 
eingeschoben. Hält man, folgert Reuss, diese Erschei- 
nung mit dem Umstande zusammen, das da, wo der Gra- 
nit der Verwitterung zu unterliegen beginnt, der im fri- 
schen Gesteine häufigere, dunkelfarbige Glimmer immer 
mehr zurücktritt, der silberweisse dagegen immer mehr vor- 
herrscht, bis man endlich gar keinen braunen Glimmer 
mehr entdeckt: bedenkt man, dass an grösseren Granit- 
blöcken im Innern frischer Kerne fast nur schwarzbrauner, 
an der verwitterten Peripherie zuletzt aber nur silberweis- 
ser Glimmer vorhanden ist: so scheint die Vermuthung gar 
nicht unbegründet zu sein, dass der schwarzbraune Glim- 
mer durch eine noch unbekannte Metamorphose während 
der Zersetzung des Granits in silberweissen übergehe, dass 
der letztere daher das Product einer eigenthümlichen Art 
von Pseudomorphose des ersteren sei. Dieser Granit sei 
übrigens der Verwitterung sehr unterworfen. 

Bischof giebt (Lehrb. d. chem. u. phys. Geol, II 

XXI, 1863. 3 


34' 


1448) die Möglichkeit zu, dass sich Kaliglimmer, bestän- 
digerer Natur als der Magnesiaglimmer, aus diesem durch 
Ausscheidung von Magnesia und Eisenoxydul bilden könne. 
Umgekehrt aber auch (ebend., 1389) möge es geschehen, dass 
sich Magnesiaglimmer neu bilde. Aus der ganzen Erschei- 
nungsweise des Magnesiaglimmers, gegenüber derjenigen 
des Kaliglimmers, scheine hervorzugehen, dass jener einer 
krystallinischen Ausbildung bei Weitem fähiger sei, als die- 
ser. In diesem Falle sei zu begreifen, wie da, wo das 
Material zur Bildung beider Glimmerarten gegeben war, 
der Magnesiaglimmer sich in bestimmten, der Kaliglimmer 
in unbestimmten Formen ausschied. Die kleinen, schwar- 
zen, Sechsseitigen Glimmertäfelchen im weissen Glimmer 
erscheinen daher als krystallinische Ausscheidungen aus 
einer Masse, welche vorzugsweise Material zur Bildung von 
Kaliglimmer und nur wenig zu der von Magnesiaglimmer 
enthielt. Dies kann auf dem Wege geschehen, dass aus 
bereits vorhandenem Kaliglimmer Magnesia und Eisenoxy- 
dul ausgezogen und an andern Stellen der Tafel wieder 
abgesetzt werden. Durch diese Aufnahme, vielleicht auch 
durch Austausch, gehe Kaliglimmer in Magnesiaglimmer 
über. — Auch Delesse (Ann. des mines [ö], XVI, 15) 
fand in Granit aus Cornwall den weissen Glimmer von dun- 
kelm umhüllt. 

Diese Möglichkeit der Ausscheidung wird wohl min- 
destens für das Eisenoxydul bestätigt durch das Vorkom- 
men von Eisenoxydhydrat zwischen Glimmerlagen, wie 
dergleichen z. B. Freiesleben (Oryktogn. Arbeit., V, 24) 
von Schwarzenberg in Sachsen, Bischof (a. a. O., 1346) 
von Aschaffenburg in Baiern anführen. Vielleicht rühren 
daher auch die blutrothen Flecke von (?) Eisenoxyd, welche 
man nach' v. Fritsch (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Ge- 
sellsch., XII, 103) im Magnesiaglimmer des Granitits von 
Ilmenau in Thüringen bei durchfallendem Lichte erblickt. 
Vielleicht stammt auch mindestens ein Theil der rothen 
Färbung, welche sich an Quarzporphyren zeigt, wie z. B. 
den von Ilmenau, nach v. Fritsch (ebend., 113), selten 
gänzlich frei von Magnesiaglimmer sind, von dem ausge- 
zogenen Kisengehalte dieses Glimmers her. 


35 


Wenn nach dem Vorhergehenden auch stellenweise 
die fragliche Vergesellschaftung den dunkeln Glimmer mit 
lichten eine ursprüngliche nicht zu sein braucht, so dürfte, 
da sogar gerade auch das entgegengesetzte Verhältniss so- 
wohl in der Lagerung beider Mineralien gegen einander 
als in der Ursache ihrer Bildung zu den Möglichkeiten ge- 
hört, auch beide im Ganzen gleichzeitiger Entstehung sein 
können, eine Entscheidung jedes Mal nur im gegebenen 
Falle sich treffen lassen. 

Vielleicht gilt Aehnliches für eine Umwachsung von 
Lepidolith mit Glimmer, wie dergleichen nach G. Rose 
(Min.-geognost. Reise nach d. Ural, I, 4658) in der Gegend 
von Schaitansk vorkommt, wo der Lepidolith den Glimmer 
am Rande umfasst in Gestalt eines dünnen Streifens, und 
wo seine Spaltungsflächen in die des Glimmers vollkom- 
men fortsetzen. Diese Umfassungserscheinungen erinnern 
an die auch in andern Mineralien beobachteten, an die 
Uralitbildung, an das Vorkommen von Diallag, von Hyper- 
sthen, in denen man ebenfalls Umwandlungserscheinungen 
vor sich hat. 

Bei der Anführung von Glimmereinschlüssen in an- 
deren Silicaten bin ich Blum’s Vorgange gefolgt, so für 
dergleichen in Haüyn, Mejonit, Sanidin, Topas. 

Eben so ist es bei andern geschehen, wie beim Beryll, 
Strahlstein, Idokras, Nephelin, Turmalin, für welche Blum 
Glimmer als Einschluss genannt hat, da er sonst auch als 
Umwandlungserzeugiss derselben angesehen wird. Desglei- 
chen beim Feldspathe. 

Die Mineralien des Granits haben sich nicht überall 
in derselben Reihenfolge ausgeschieden, so dass der Feld- 
spath selbst sich erst nach dem Quarze ausgebildet haben 
kann. Es ist daher nichts Auffälliges, Glimmer als Ein- 
schluss in Feldspath zu finden. Ich will daher nur einige 
Beispiele anführen. Breithaupt (Paragen. d. Min., 19) 
berichtet, dass in den Pegmatolithzwillingen von Elnbogen 
in Böhmen nicht allein einzelne Schuppen von Glimmer 
und Körner von Quarz, sondern auch wirkliche Kerne von 
Granit vorkommen, welcher dasselbe Aussehen besitzt, als 
der, welcher die Zwillinge umschliesst, — Blum, der 

3% 


36 


ausgezeichnete Kenner der Pseudomorphosen, welchem wir 
auch eine ‚vortreffliche Arbeit über die Einschlüsse in Kry- 
stallen verdanken (a. a. O.), führt in. derselben ebenfalls 
Glimmer als Einschluss auf. — Die Orthoklase der Grani- 
tite von Ilmenau zeigen nach v. Fritsch (a. a. O., 105) 
auf ihren Spaltflächen zuweilen unregelmässige Faltungen 
und Knickungen der Lamellen, welche: an die ein- und 
ausspringenden Winkel der triklinoedrischen Feldspathe er- 
innern, aber von den Verunreinigungen der Krystalle durch 
Quarz, Glimmer und‘ Hornblende herzurühren scheinen. 
Auch in allen Feldspatharten der Porphyre dortiger Gegend 
sind (ebd., 112) Krystalleinschlüsse von: Magnesiaglimmer 
und von Quarz nicht selten, während: derartige Beimen- 
gungen in den 'Quarzkrystallen der Porphyre‘ nicht bemerkt 
werden. 

Häufig dagegen ist der Glimmer durch Umwandlung 
des Feldspathes entstanden. So in ausgezeichneter "Weise 
zu Lomnitz bei Hirschberg in:Schlesien. 'G. Rose 'legtc 
dies von Brücke gefundene Vorkommen: der Deutschen 
geologischen Gesellschaft vor (Zeitschrift derselben’ 1, 9), 
fand aber bei Weiss und L. v. Buch lebhaften‘ Wider- 
spruch gegen diese Deutung der Erscheinung. Dass’ aber 
doch eine Umwandlung vorliegt, beweisen die chemischen 
Untersuchungen Kjerulf’s (Nyt magaz. for naturvidensk. 
VIII, 2, 175) und G. vom Rath’”s (Ann..d. Phys.'u. Chem., 
XCVIII,: 280).: ‘Wenn gleich dieser Glimmer nach EG. vom 
Rath eine von der gewöhnlichen abweichende Zusammen- 
setzung besitzt, so ist es gerade wohl interessant zu'se- 
hen: dass er sich an den anschliesst, welehen G. vom Rath 
als Umwandlungserzeugniss des Wernerits von Arendal 
fand. — Mit dieser Pseudomorphose aus’ Schlesien’ 'ver- 
gleicht Kenngott (Uebers..d. Result. 'min. 'Forsch."i.'d. 
Jahren 1856 und 1857, 191)'eine des Orthoklases im’ Gra- 
nite von Rio de Janeiro in Brasilien. ‘Der Orthoklasi’des 
lockerkörnigen Gesteines — dessen ' Gemengtheile' ausser 
jenem grauer Quarz, Muscovit, ein’ grüner chloritischer 
Glimmer, Ankerit, sehr wenig Apatit und netzförmiger, grü- 
ner Rutil —’erscheint theilweise deutlich krystallisirt, zeigt 
aber oft eine Umwandlung in Glimmer,; wie die des’ schle- . 


37 


sischen ‘Minerals, dass er grünlich wird’und Glimmerschüpp- 
chen enthält. In einem Quarzstücke fand sich ein Ortho- 
klaskrystall, ganz in grünen Glimmer umgewandelt, so dass 
er’ die Orthoklasgestalt wie eine dichte Masse ausfüllt, beim 
Herausschlagen zerbrach und dabei zwei Stücke bildete, 
deren Theilung wie durch eine gebogene, grosse Spaltungs- 
fläche bewirkt wurde. 

Es dürfte überflüssig sein, noch mehrere Beispiele für 
die Epigenie des Glimmers aus Feldspath anzuführen, einen 
Vorgang, welchen Bischof in seinem reichhaltigen Werke 
genugsam besprochen hat. Wenn ich' auch weit davon 
entfernt sein muss, das Vorkommen von Glimmer als ur- 
sprünglicher Bildung in Feldspathkrystallen zu vernachläs- 
sigen — v. Fritsch giebt (a. a. O., 103) gelegentlich 
auch an, dass die Blättehen des Magnesiaglimmers im Gra- 
nitite von Ilmenau nach allen Richtungen nicht nur von 
mikroskopischen, wasserhellen, nadelförmigen Quarzprismen 
durchzogen werden, sondern, wie es scheine, hier und da 
in ähnlicher Weise auch von Feldspathkrystallen — so 
schien es mir doch nothwendig, meine Ansicht für die 
Häufigkeit der Zersetzung auszusprechen, nachdem ich 
(Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Ges., XII, 277) auf Wunsch 
des Herrn Delesse einen Auszug aus einer Arbeit des- 
selben (Ann. des mines [ö], XVI, 1) über die Pseudomor- 
phosen geliefert habe, einer Arbeit, in welcher der Ver- 
fasser einen grossen Theil dessen, was namentlich von 
deutschen Mineralogen für pseudomorphische Bildung er- 
klärt wird, für ursprüngliche, lediglich für Einschluss anse- 
hen zu müssen sich ausspricht. Dahin zählt er besonders 
auch die Verbindungen des Glimmers mit Feldspath, Au- 
git, Hornblende, Cordierit, Andalusit, Chiastolith, Disthen, 
Staurolith u. s. w. 

Delesse erklärt (a. a. O., 19): „Lorsqu’un mineral 
se pr&sente sous une forme qui ne lui appartient pas, il 
y a ce que j’appellerai pseudomorphisme* — und (24): 
„Je suis port@ & croire qu'il y avait lieu de faire des 
suppressions assez nombreuses parmi les mineraux qui sont 
regard&s comme pseudomorphiques, et surtout parmi les 
silicates. Les seuls mindraux pseudomorphiques qui deyraient 


38 


ätre conserves sont ceux qui prennent la forme d’un autre 
et qui de plus sont susceptibles de les remplacer com- 
pletement.“ Auch (z. B. Bull. de la Soc. ge£olog. de France 
[2]; XV, 741) weist Delesse darauf hin, dass Andalusit 
mitunter ganz von Glimmer erfüllt sei, wobei die Blätter 
des letztern wohl noch bestimmte Lagen annehmen. Um 
indessen hier das Vorhandensein einer Pseudomorphose 
anerkannt werden zu lassen, müsse man erst nachweisen, 
dass ganz in Glimmer umgewandelter Andalusit vorkomme, 

Ein Mineral soll pseudomorph sein, wenn es sich 
unter der Gestalt eines andern darstellt. Es giebt eine be- 
deutende Zahl von Pseudomorphosen, welche als solche 
anerkannt sind, selbt wenn der Vorgang noch nicht so 
weit gediehen ist, dass das stellvertretende Mineral den 
Raum des ursprünglichen stets bereits vollständig erfüllt, 
wie die angegebene Forderung lautet, und damit ganz und 
gar die Gestalt des letzteren nachahme. Im Reiche der 
Mineralien begegnen wir fortwährenden Wandlungen, und 
es ist daher wohl mehr als wahrscheinlich, dass man un- 
endlich häufiger auf solche Gebilde stosse, welche noch in 
der Umgestaltung begriffen sind. Wenn aber die Bedin- 
gung gestellt wird, dass überhaupt Fälle bekannt seien, in 
denen eine vollständige Umwandlung in das neue Mineral 
Statt gefunden habe, so vermag man deren auch für den 
Glimmer aufzuweisen. 

Für den Glimmer gerade ist es schwer, die Gestalt 
eines Minerals vollständig anzunehmen, während er bei 
seinem dünnblättrigen, schmiegsamen Baue viel leichter die 
Fähigkeit besitzt, sich nur auf Spaltungsflächen, auf feinen 
Klüften einzuschieben, oder bei verhältnissmässig gleich- 
zeitiger Ausbildung sich durch die krystallrichtende Kraft 
einer sich kräftiger zusammenschliessenden Verbindung in 
bestimmte Lagen zwingen zu lassen. Und dennoch se- 
hen wir ihn mit kleinblättrigen Massen Räume erfüllen, 
welche einst von andern Mineralien eingenommen waren, 

So ist nur eben angeführt worden, dass nach Kenn- . 
gott dergleichen im Granite von Rio de Janeiro: vorge- 
kommen sei. Blum führt (Nachtr. zu d. Pseudomorph. d. 
Mineralr., 26) Umwandlungserscheinungen des Feldspathes 


s 39 


aus dem Granite der Gegend von Warrensteinach im Fich- 
telgebirge an, deren Ergebniss ein ganz reines, sehr fein- 
schuppiges Gemenge weisslichgrünen Glimmers ist, wäh- 
rend sonst das Gestein nur wenig Glimmer enthält. Der 
Feldspath besitzt im Allgemeinen nicht mehr seine gewöhn- 
liche Frische, sondern zeigt sich mehr matt oder doch nur 
“wenig glänzend und ist dabei bröcklich. Fast überall ist 
er mit höchst feinen Glimmerschüppchen gemengt, die sich 
durch ihren Glanz und grünlichweisse Farbe zu erkennen 
geben. Dieser Glimmer hat sich nun an vielen Stellen so 
gehäuft, dass der frühere Feldspath an solchen ganz ver- 
schwunden ist, und jener theils die krystallinische, theils 
die Krystallform von diesem zeigt. „Letztere ist scharf 
und wohl erhalten.“ Die Veränderung beginnt aussen und 
schreitet von hier nach innen hin vor, so dass rnanchmal 
noch ein Kern vorhanden, der aus Feldspath besteht, wäh- 
rend das Aeussere zu Glimmer geworden. Dieser fein- 
schuppige Zustand des letzteren scheint übrigens nur der 
des Ueberganges zu dem blättrigen zu sein, denn nicht 
selten sind solche Massen oder Pseudomorphosen mit Glim- 
merblättehen bedeckt, die ohne regelmässige Lage noch 
in jene eindringen, ja selbst mitten in denselben gefunden 
werden und sich in den schuppigen Glimmer verlaufen. 
Hat man auch Pseudomorphosen von Glimmer nach 
Oligklas noch nicht, wenigstens so weit als mir bekannt 
geworden, aufgeführt, so dürfte doch wohl hin und wieder 
Glimmer auch durch Umwandlungen im Oligoklase ent- 
stehen können. Ich will es vorläufig dahin gestellt sein 
lassen, wie es sich mit einem Vorkommen verhalte, wel- 
ches ich ebenfalls wieder aus der Beschreibung der ilme- 
nauer Granitite durch v. Fritsch (a. a. O., 116) entnehme. 
Es treten darunter zuweilen Lagermassen untergeordnet auf, 
welche Cotta (N. Jahrb. £. Min., 1848, 131) für; Bruch- 
stücke älteren Gesteins erklärt. Sie bestehen aus einem 
kleinkörnigen Gemenge, in dem Magnesiaglimmer, zuweilen 
auch Hornblende, vorwaltet, und einer Feldspathart, meist 
Oligoklas. Dieser bildet oft gewissermassen das Bindemit- 
tel für die Glimmerschüppchen, und wie bei manchen Sand- 
steinen mit krystallinischem Bindemittel bemerkt man 


40 


manchmal ganz von Glimmer durchschwärmte, in gewissen 
Lagen gleichzeitig Licht reflektirende Feldspathflächen. Oft 
aber sind minder verunreinigte Oligoklaskrystalle porphyr- 
artig in der schwarzen Masse eingebettet. In der That mag 
hier am Ende wohl nur ein Einschluss vorliegen, wie wir 
den Glimmer auch als solchen in Albit kennen, indem der- 
gleichen z. B. von G. Rose (Min.-geognost. Reise nach d. 
Ural, I. 449) und von Blum (a. a. O., 36) angegeben wird, 
dort aus dem Granite von Mursinsk, hier in Zwillingskry- 
stallen des Albits aus Gängen im Gneisse des Zillerthals 
in Tyrol. Ich möchte aber noch daran erinnern, dass bei 
der Beschreibung des Protogingranits der Alpen Delesse 
(Bull. de la Soc. geolog. de France [2], VI, 240) bemerkt, 
dass, während der Orthoklas fast immer unverändert seine 
graulichweisse Farbe bewahre, der Oligoklas bald milch- 
weiss, bald smaragdgrün, bald graugrün erscheine. Es sei 
leicht zu erkennen, dass diese grünen Färbungen von ein- 
geschalteten Talkblättchen herrühren, welche die Krystalle 
innigst durchdringen. Diese Blättchen liegen der Zwillings- 
ebene und somit den von der Zwillingsbildung herrühren- 
den Reifen parallel. Auch im Feldspathe des Euphotids 
vom Mont Genevre und dem damit verbundenen Diallage 
beobachtete Delesse Aehnliches. 

Was den Idokras anbelangt, so führt ihn Blum 
(Nachtr. zu d. Pseudomorph. des Mineralr., 29) unter den- 
jenigen Mineralien auf, aus denen Glimmer durch Umwand- 
lungen hervorgehen könne, wenngleich er auch nicht wirk- 
liche Pseudomorphosen danach bilde Wenn aber that- 
sächlich ein Mineral in einem andern eingeschlossen er- 
scheint, aus dessen Bestandtheilen es erzeugt werden 
konnte, warum ist es denn nicht pseudomorph, mag es 
auch in seinen, gegen das Ganze kleinen Individuen die ihm 
eigene Gestalt zeigen. Führt doch Blum von der Beschrei- 
bung der in Rede stehenden Idokrase, um ein Beispiel an- 
zuführen, Pseudomorphosen von Gypsspath nach Kalkspath 
vom Schafbreiter Grubenreviere bei Eisleben auf, Rhom- 
boeder, welche ihrer ganzen Masse nach aus einem höchst 
feinen Aggregate von Gypspath bestehen. Auch der be- 
kannte Schaumkalk von Oberwiederstädt bei Hettstädt ge- 


ai 


hört hierher. Dass in dergleichen Massen eine vollstän- 
dige Ersetzung der ursprünglich den Raum ausfüllenden 
Massen durch ein Aggregat ganz kleiner Krystalle anderer 
Mineralien Statt gefunden habe und nicht nur eine theil- 
weise, ist eine rein zufällige Erscheinung. Uebrigens 'sol- 
len die betreffenden Idokraskrystalle sich nicht am Mon- 
zoni finden, wie Blum angegeben, sondern, nach Liebener 
und Vorhauser (D. Mineral. Tirols, 142) in dem Canza- 
coli bei Predazzo. 

Während so Glimmer als Umwandlungsproduet aus 
Idokras auftritt, scheint er zum Granat nicht in dieser Ver- 
wandtschaft zu stehen, obwohl dieser zu Chlorit werden 
kann. ‘Wohl hat man Glimmer im Granat eingeschlossen 
gefunden, wie mehrfache Angaben beweisen, z. B. von 
Trolle-Wachtmeister (Ann. d. Phys. u. Chem,, II, 9), 
v. Kobell, (Schweigger, Journ. f. Chem., LXIV, 289), 
Bischof (a. a O., U. 1393), Blum (Naturkund. Verhand,, 
41), Seyfert und Söchting (ebend. 223); aber es ist 
dabei nirgends gesagt, dass andere, dabei vorkommende 
Erscheinungen ein weiteres Angegriffensein des Granats 
bekunden. Diese Nichtumwandlung des Granats in Glimmer, 
selbst in Glimmerschiefer, verdient wohl beachtet zu werden. 

Im Gegentheil finden sich auch Granaten als Ein- 
schluss in Glimmer. Tyson berichtete (American journ. 
of sc., XVIII, 79), dass unweit Baltimore im Granit keilför- 
mige Massen von Glimmer vorkommen, welche grosse 
Mengen schöner Granaten einschliessen, von denen die 
meisten zwischen den Glimmernblättern zu dünnen Täfel- 
chen zusammengedrückt scheinen, manche nicht stärker 
als gutes Schreibpapier. Bekannt sind die grossen Glim- 
merblätter aus New-Hampshire, welche bis zu äusserster 
Dünne zusammengedrückte Granaten enthalten, und über 
welche unter andern Bischof (a. a. O., 1392) schreibt, 
indem er aus diesem Verhalten einen Schluss gegen die 
pyrogene Natur des Glimmers zieht. Der Granat zeigt 
übrigens jeden Falls eine bedeutende Schmiegsamkeit, sich 
in dieser Weise dem Glimmer einzufügen. Eine hier min- 
destens in Erinnerung zu bringende Erscheinung ist von 
Chapman (London, Edinb. and Dublin philos. magaz. and 


42 


journ. of sec. [4], III, 141) berichtet, nämlich ein kleiner Gra- 
natkrystall aus dem Zillerthale mit falschem Blätter- 
durchgange, entsprechend den Theilungsflächen des umge- 
benden Glimmerschiefers, ähnlich wie Breithaupt (Paragen. 
d. Min., 11) ein grosses in Chlorit gehülltes Dodekaeder 
von Fahlun anführt, welches beim Schiefrigwerden der als 
Grundmasse gedient habenden Bergart zum Theile verscho- 
ben und doch wieder fest verwachsen ist. — Um aber 
nochmals auf das paragenetische Verhalten zwischen Glim- 
mer und Granat zurückzukommen, so hebt Scheerer 
(Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., IV, 39) es als 
einen beachtenswerthen Umstand hervor, dass in den von 
ihm daselbst geschilderten, metamorphischen Gebilden Nor- 
wegens, welche Granat führen, doch weder im veränderten 
Thonschiefer, noch im Marmor sich eine Spur von Glim- 
mer zeigt. Wolle man diesen als Contactproduct finden, 
so dürfe man ihn nicht in derjenigen Abtheilung des me- 
tamorphosischen Thonschiefergebietes suchen, welche durch 
ihren Kalkgehalt zur Granatbildung Veranlassung gegeben 
habe, Granat und Glimmer schienen einander zu hassen. 

In G@limmer von Haddam in Connecticut, der Berliner 
Sammlung angehörig, sah ich (Zeitschr. f. d. gesammt. Na- 
turwiss., IV, 13) Granat und Turmalin zugleich eingewach- 
sen, stark plattgedrückt, aber doch noch körnig, während 
sie in einer Tafel Glimmers von unbekanntem Fundorte, 
welche die Freiberger Sammlung aufbewahrt, zu der Dünne 
der Glimmerblätter zurückgebracht waren 

Was das Vorkommen von Turmalin allein in Glimmer 
betrifft, so hat sich solcher, nach Seyfert und Söch- 
ting (a. a. O., 206), weiss und grün oder grün mit weis- 
sem Kerne nach den sechsseitigen Tafeln grossblättrigen 
Glimmers gefunden. Am Bekanntesten ist das Vorkommen 
ganz dünn gestreckten Turmalins in Glimmer von Haddam 
in Connecticut; man sehe unter andern Bischof (a.a. O., 
1393). Die interessantesten, eingehendsten, mikroskopi- 
schen Untersuchungen aber verdankt man Brewster 
(Transact. of the Royal Soc. of Edinb., XX, 547 ff.). Da- 
nach liegt der Turmalin zwar zwischen den Glimmerblättern, 
ist aber aus dem Inhalte unzähliger, kleiner Höhlungen 


43 


entstanden, welche jetzt leer im Glimmer zu sehen sind. 
Bischof bemerkt (ebend., 1395): „Wie im Glimmer mit 
Granaten, zeigen sich auch im Glimmer mit Turmalin graue, 
wolkige und büschelartige Zeichnungen mit den feinsten Li- 
nien, welche nicht von Salzsäure angegriffen werden; nur 
die Ueberzüge von Eisenoxydhydrat werden aufgelöst. Soll- 
ten diese Zeichnungen aus Turmalinsubstanz bestehen, 
welche nach der Bildung des Glimmers von Gewässern ab- 
gesetzt worden ist?“ 

Weit häufiger findet man Glimmer auf und in Turma- 
lin, und ist da jener sehr häufig aus diesem entstanden, 
wie z. B. auch von Rammelsberg anerkannt worden ist. 
Man hat auch Vorkommnisse entdeckt, welche der von De- 
lesse beim Andalusite gestellten Forderung genügen; ich 
verweise daher auf das, was Blum (D. Pseudomorph. d. Mi- 
neralr. 94) darüber zusammengestellt hat, ferner auf Bi- 
schof (a. a. O., U, 437 und 1428). 

Was aber von der gegenseitigen Ausschliessung zwi- 
schen Glimmer und Granat gesagt war, findet sich in ge- 
wisser Weise auch zwischen Glimmer und Turmalin. Im 
Schörlgranite vertritt letzterer erstern. Dies Gestein scheint 
im Allgemeinen nur an den Rändern der Granitmassive 
vorzukommen. So auch an den Grenzen des Dartmoorgra- 
nits gegen die Schiefer. Wenn nun aber auch im Innern 
desselben sich Schörlgranit gefunden hat, so sucht de la 
Beche (a. a. O., 157) dies durch die Annahme zu erklä- 
ren, dass die einst darüber liegenden Schiefer hier wegge- 
führt worden seien. Man könne einen vollständigen Ueber- 
gang erkennen zwischen dem Gemenge von Schörl und 
Quarz, gewöhnlich Schörlfels genannt, und dem gewöhn- 
lichen Granite. Der Glimmer verschwindet gewöhnlich, 
wie der Schörl zunimmt; zuweilen jedoch, wenn auch nicht 
sehr gewöhnlich über enge Grenzen hinaus, sei der Granit 
ein fast gleichmässiges Gemenge von Glimmer, Schörl, Feld- 
spath und Quarz. 

Auch vom Augit sagt Delesse, dass er zwar häu- 
fig vom Glimmer durchdrungen, aber nicht in solchen pseu- 
domorphosirt sei, In der That führt auch Blum (Pseu- 
domorph. d. Mineralr,, Nachtr., 30) unter Vorkommnissen, 


- 


bei denen nicht von wirklichen Pseudomorphosen die Rede 
sei, sondern nur von Erscheinungen, die darauf hinweisen, 
dass aus Mineralien Glimmer nachträglich gebildet werden 
könne, Augit in''der Varietät des Fassaits an. Die Umwand- 
lung ist stellenweise so weit gegangen, dass wahre Ge- 
menge der augitischen Masse mit dem Glimmer 'erschei- 
nen, in denen letzterer mitunter so die Oberhand gewinnt, 
dass er jene fast ganz verdrängt. Ich kann aber hiernach 
eben keinen Unterschied sehen zwischen diesem Vorkom- 
men und den von Blum selbst‘ beschriebenen Pseudomor- 
phosen von Glimmer nach Andalusit, nach Wernerit u. s.w.— 
Bischof leitet (a. a. O., II, 1413) in den Basaltblöcken 
mit Glimmer im Laacher See den Glimmer von einer Um- 
wandlung des Augits her, wie in vielen andern augitischen 
Gesteinen, wenngleich, wie er schreibt (ebend., 1422), Blum 
darin eigentliche Pseudomorphosen aufzufinden meint.» Je- 
denfalls aber liegt den Verbindungen von Glimmer; mit 
Augit der Grundbegriff der Pseudomorphose  ausserordent- 
lich nahe. — Kjerulf (Nyt magaz. f. naturvidensk., VII], 
2, 173) analysirte Glimmer aus einem Lavablocke der Eifel, 
in welchem er in schlecht. krystallisirte Augite gemengt 
war und wohl als Zersetzungsproduct derselben erschien. 
Kjerulf fügt bei, die Glimmerkrystalle hätten einen sechs- 
seitigen Kern enthalten, dessen Begrenzungen denen des 
Krystalläussern entsprachen, und in deren Mitte man sehr 
kleine, farblose, durchsichtige Körner von Quarz oder dun- 
kelgefärbte erblickt habe, welche letztere Augit zu sein 
schienen; der Augit habe ja auch bei dieser Umwandlung 
Kieselsäure abgeben müssen. Eine solehe Vermuthung hält 
indessen Kenngott (Uebers. d. Result. min. Forsch. im 
Jahre 1855, 46) für gewagt, da eine Umwandlung des Au- 
gits in Glimmer, wobei der Glimmer eine andere Gestalt 
annimmt, unmöglich ausgeschiedene Quarzkörner und ‘un- 
veränderten Augit in der Mitte enthalten könne, da‘ be. 
kanntlich die Krystallbildung allgemein vonder Mitte ‚aus- 
gehe, und dergleichen Ausscheidungen sich gewiss nicht in 
die Mitte zurückziehen werden. 

Aehnlich verhält es sich mit dem Glimmer, der Horn- 
blende gegenüber. Er bedeckt zunächst oft nur, deren 


s 


45 


‚Oberfläche. ; Am .Grünsteinfelsen bei Boston sah Fergus 
(Amer. journ.: of sc. [2]; VI, 425) die seit langer Zeit dem 
Wetter: ausgesetzt gewesene Oberfläche der Hornblende- 
krystalle mit Glimmerschüppchen bedeckt, während das In- 
nere nur aus Hornblende bestand, — Bischof sagt (a.a. 
O., II, 870) zwar, man \habe' eigentliche Pseudomorphosen 
von Glimmer nach Hornblende noch nicht gefunden, aber 
er führt nicht nur von: Weibye,. sondern auch von ihm 
selbst beobachtete Vorkommnisse an, welche die Umwand- 
lung’ der Hornblende in Glimmer beweisen. Blum be- 
schreibt‘ (Pseudomorph. d. Mineralr.,  Nachtr. Il, 32) ‚von 
dem: Thonschiefer vieler Gegenden des: sächsischen Erzge- 
birges und Voigtlandes, den: sogenannten: Fleck-, Knoten-, 
Garben- oder Fruchtschiefern, ‚die darin enthaltenen Con- 
‚eretionen als ‚aus Hornblende entstandenen Glimmer.ı — 
‚Ueber die Hornblendei des Granitits von Ilmenau schreibt 
v.Fritsch (a. a. 0.,'104), sie: sei in manchem sehr häufig, 
lasse sich oft als Stellvertreter des Magnesiaglimmers be- 
trachten,, ‘da glimmerreiche Granitite arm an: Hornblende 
seien, und umgekehrt. Kleine Titanit-Krystalle — viel- 
leicht beruht der Titansäuregehalt mancher Hornblende nur 
auf solchem Einschluss‘von Titanit oder auch von Titan- 
eisen, wie auch letzteren bereits Kudernatsch (Annal.d. 
Phys.:u: Chem., XXXVII, 587) als Ursache vermuthet hat 
gleichwie ihr Magnetismus auf die Beimengung von Malnet- 
eisen’ — auch wohl  Glimmerblättchen, würden zuweilen 
wohl’vöon der Hornblende eingeschlossen. Der Magnesia- 
glimmer schien! aber als Zersetzungsprodukt derselben be- 
trachtet ‘werden zu müssen, indem’ er in frischer Horn- 
blende unbekannt. sei, während in zersetzten zwischen La- 
mellen und Nadeln: von verwittertem’ ' Amphibol zahllose 
Schüppchen dieses Glimmers auftreten. 

Es ist bereits oben ‚beigebracht ,' welche Forderung 
Delesse früher gestellt habe, um eine Pseudomorphose 
von Glimmer naeh Andalusit anerkennen zu können. In 
der neuern Arbeit führt er als Einschluss in Glimmer An- 
dalusit auf, daneben Pyroxen, Amphibol, Epidot, Jolit, 
Feldspathe, Staurolith, Disthen, Turmalin. Mir sind, abgese- 
hen von den erwähnten Vorkommnissen von Granat, Turmalin, 


46 


Feldspath, keine derartigen Einschlüsse bekannt geworden, und 
ich kann doch kaum glauben, dass Delesse etwas derart 
meine, dass da, wo Glimmer fremde Krystallgestalten, z.B. 
des Andalusits, bis auf geringe Ueberbleibsel dieser Mineralien 
erfüllt hat, diese Ueberbleibsel Einschlüsse in Glimmer seien. 
Gerade bei Andalusit hat Blum (Pseudomorph. d. Mi- 
neralr., 91 und Nachtr., 24) Beispiele beschrieben, in denen 
der Glimmer das Grundminera! bis zum völligen Verschwin- 
den verdrängt hat. Aehnliche Erscheinungen zeigen sich 
mehr oder minder stark an vielen Andalusiten. Der Glim- 
mer zeigt sich, wenn nicht tiefer eindringend, doch auf der 
Oberfläche, zumal an zersetzten Stellen. Ein entscheiden- 
des Beispiel für eine weit spätere Geburt des Glimmers 
dürfte wohl das sein, welches die Andalusite des Dillen- 
berges, im Egerer Kreise Böhmens, darbieten, indem sie 
nach Joke&ly (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., VII, 483) in 
Quarzausscheidungen des granatenreichen Glimmerschiefers 
bei bedeutender Grösse, sechs bis sieben Zoll lang, oft ge- 
bogen und zerbrochen ‚und mit weissem Glimmer bekleidet 
sind. Die Verkittung der Bruchstücke ist durch Quarz er- 
folgt. Fragmente und ganze Krystalle bilden oft wahre 
Brececien, in denen als Cäment auch Glimmer erscheint. 
Ausserdem finden sich daselbst auch Pseudomorphosen ei- 
nes steatitischen Minerals nach Andalusit. Kann man nun 
wohl hier etwas anderes annehmen: als dass die Andalu- 
site bereits vorhanden gewesen seien, bevor das umge- 
bende Gestein zu dem wurde, was es jetzt ist, dass der 
Glimmerüberzug, hier wie anderwärts, ein nachträglicher 
seit Roth*), welcher dergleichen Andalusite von Lisens 
ebenfalls untersuchte (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., 
VII, 15) fand auf seiner Oberfläche und im Innern grosse 
Blätter weissen Glimmers und übrigens eine völlige Um- 
wandlung in grauen Cyanit. Der Alkaligehalt betrug fast 


*) Blum schreibt, die Pseudomorphosen von Lisens finden sich 
grobkörnig im Granite, dagegen geben Liebener und Vorhauser 
(a. a. O., 9) starke Quarzadern des Glimmerschiefers als Fundstelle an, 
in denen die Umwandlungen des Minerals in Cyanit, Glimmer und Stea- 
tit sehr zahlreich seien, so dass sie, besonders aber letztere, öfter auf- 
treten als der ächte Andalusit. 


’ 47 


neun Procent. Die Spaltbarkeit, und somit die Lagenbil- 
dnng, des Andalusits ist zu wenig entwickelt, als dass er 
grosse Neigung haben sollte,. fremde Körper regelmässig 
geordnet in sich aufzunehmen, oder fremden Stoffen den Ein- 
tritt auf Spaltöffnungen leicht zu machen. Auch ist seine 
chemische Zusammensetzung eine zu einfache, als dass 
man alle basische Bestandtheile, ausser Thonerde für un- 
zugehörig erhlären sollte. Ich kann überhaupt der Annahme 
„zufälliger Bestandtheile“ nur eine beschränkte Giltigkeit 
zugestehen, indem es mir vielmehr scheint, als habe man 
bei einmal bestimmter Zusammensetzung mit Einreihung 
einiger „isomorpher“* Stoffe es sonst nur mit ganzen, frem- 
den, eingemengten Mineralien, oder mit später eingeführten 
Umwandlungsmitteln zu thun. — Roth gedenkt (ebend., 
297) auch umgewandelten Andalusits aus dem Glimmer- 
schiefer von Goldenstein in Mähren, woselbst auch gebro- 
chene Staurolithe vorkämen. — Gebrochene Andalusite 
sollen nach Hugo Müller (Correspondenzbl. d. Zool.-mi- 
neral. Ver. in Regensburg, VI, 45) in einem Gneissglim- 
merschiefer in der Gegend von Tirschenreuth in Baiern 
vorkommen. 

Delesse spricht sich (in der mehrgenannten Ab- 
handlung, 37) dahin aus, dass bei nahezu gleicher Zu- 
sammensetzung die Entwickelung und der gegenseitige Ein- 
schluss zweier Mineralien sich durch gleichzeitige Krystal- 
lisation erkläre. So sei es mit Andalusit und Glimmer, 
denn, sei ihre Zusammensetzung auch verschieden, so ent- 
hielten sie doch Kieselsäure und Thonerde in nahezu dem- 
selben Verhältnisse. Dies gelte auch für die hauptsächlich- 
sten Mineralien, welche man häufig von Glimmer durch- 
drungen finde. Diese Erklärung dürfte indessen kaum 
zureichen, dieser Erscheinung zu genügen. Es giebt genug 
Fälle, in denen das verlangte Merkmal vollständiger Aus- 
füllung der fremden Gestalt durch Glimmer vorhanden ist, 
wie es, um nur ein Beispiel anzuführen, bereits vor langer 
Zeit (v. Leonhard’s Zeitschr. f. Min., 1828, 685) von Blum 
für Pinit nachgewiesen worden ist, Die Umwandlungsfä- 
higkeit des Cordierits und der aus ihm abgeleiteten Mine- 
ralien ist eine zu allgemein anerkannte, und äusserte sich 


48 


G. Rose (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., I, 357) 
dahin, dass er nie frischen Cordierit in den Gesteinen der 
Granitgruppe gesehen habe. Ein Näheres behalte ich mir 
für eine ausführlichere Arbeit über die Pseudomorphosen 
vor, mit welcher ich beschäftigt bin. 

Eines Umstandes indessen will ich nicht versäumen 
zu gedenken, dem man noch nicht die rechte Aufmerksam- 
keit geschenkt zu haben scheint. Es ist der, dass sich eine 
nicht geringe Zahl der Mineralien, welchen man Glimmer 
auf- oder auch einliegend beobachtet hat, sich nicht als 
ausgebildete Krystalle, sondern jetzt an deren Stelle als 
Bruchstücke im Gesteine finden. Sie müssen demnach frü- 
her fest geworden sein als dieses. Die Skapolithe von 
Arendal sind, wie auch G. vom Rath (a. a: O., XC, 96) 
hervorhebt, an den Enden meist zerbrochen, oft auch ge- 
bogen. Derselbe beschreibt (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. 
Gesellsch., IX, 220) ein eigenthümliches Gneissgestein aus 
dem Berninägebirge, in welchem, parallel den Glimmerbän- 
dern, kleine, nadeldicke Turmalinkrystalle liegen, sämmtlich 
gebrochen, die Stücke in der Richtung der Streckung aus- 
einandergerückt. Breithaupt bespricht (Paragen. .d. Min., 
56) die in Quarz eingewachsenen und häufig zerbrochenen 
Turmalinkrystalle. Auch in einem ungewöhnlich stark wel- 
lenförmig gebogenen Glimmerschiefer habe er zerknickte 
Turmalinkrystalle wahrgenommen. Im British Museum be- 
merkte ich (Zeitschr. f. d. ges. Naturwiss., VI, 366) seinen 
langen und starken Turmalinkrystall, eingewachsen im grü- 
nen Chloritschiefer mit Granaten von Salzburg, aber gebro- 
chen, die Sprünge durch Chloritschiefermasse wieder ver- 
kittet. Aehnliches führen an Liebner und Vorhauser 
(a. a. O., 280) aus dem Chloritschiefer des Pfitschthales und 
(ebend., 281) aus einem Hornblendegesteine von Sterzing. 
Dieselben berichten ferner (ebend., 172), dass im Glimmer- 
schiefer des Langtaufererthales der Cyanit oft in gekrümm- 
ten Massen auftrete. Auch der Disthen von Boharm in 
Schottland, wo er in Quarz liegt, zeigt nach Mac Culloch 
(Transact. of the Geolog. Soc. I, 431) mitunter gebogene 
und. wellenförmige Krystalle. In Glimmerschiefer' aus der 
Gruppe des sulzbacher Venedigers in Tirol vorkommende, 


49 


bis zwei Zoll lange Zoisitkrystalle zeigen, wieF.v. Hauer 
(Haidinger’s Bericht über Mittheil. v. Freunden d. Naturwiss. 
in Wien, II, 194) angiebt, an allen Stücken die Seitenstücken 
abgebrochen. Mohs meldet (Min. Kabinet d. Herrn v.d. 
Null, I, 495) von schwärzlichgrünen Krystallen gemeiner 
Hornblende von Horn bei Wien, welche, ein wenig krumm 
gebogen, büschelförmig zusammengehäuft in Glimmerschie- 
fer eingewachsen sind. Delesse schreibt (Annal. des min., 
[5], VII, 762) von gneissartigen, hornblendeführendem Pro- 
togin von der Südseite des St. Gotthards, dassin gewissen 
Fällen die zum Aktinote gehörigen Krystalle, welche der 
Schieferung parallel zu liegen pflegen, nach der letztern 
in Stücke gerissen seien. Nach v. Zepharovich (Min. 
Lex. f. d. Kaiserthum Oesterr., 114) finden sich am Schin- 
derhügel bei Mariendorf in Mähren tafelartige, jedoch ge- 
wöhnlich zertrümmerte Chrysoberylikrystalle. Selbst des 
Glimmers ist hier zu gedenken, indem Scharff (Abhandl., 
herausgeg. v. d. Senckenberg. naturf. Gesellsch., I, 293) 
Glimmer von Kainsbuch im Odenwalde als durch Quarz zer- 
rissen anführt. 

Ich könnte noch eine ganze Reihe von Beispielen bei- 
bringen, aus denen hervorgeht, dass dies Schicksal der Bie- 
gung oder der Brechung viele Krystalle betroffen hat, wel- 
‚che abnormen Gesteinen, metamorphischen Schiefergebilden 
und Kalken und Gangformationen angehören. Ein nicht un- 
beträchtlicher Theil dieser Mineralien zeigt, wie gesagt, 
Glimmer auf- oder eingelagert. Letzterer wird demnach 
wohl nur als ein jüngeres Gebilde angesehen werden können, 
zumal da, wo er sich in schiefrigen Gesteinen eingefunden 
hat, in Gesteinen, bei deren Neugestaltung, die nun wohl, 
mindestens theilweise, für älter anzusehende Mineralien ge- 
dehnt, gebogen, zerrissen wurden, wie man Aehnliches auch 
an Versteinerungen sieht, so dass sogar Haughton (Lond., 
Edinb. and Dublin philos. magaz. and journ- of sc., [4], VII, 
403) versuchen konnte, die Gesetze der Verdrückungen der 
‘ Versteinerungen durch die Ausbildung der Schieferung mathe- 
matisch zu entwickeln. Hätte man danach jene Mineralien für 
älter zu halten, als die Glimmer- und Chloritbildung der Schie- 
fer und anderer krystallinischer Gesteine, so würde daraus fol- 

XXI. 1863, 4 


650 


gen, dass .Glimmer, :Chlorit, Talk und Aehnliches nach und 
in ihnen nur Umwandlungserzeugnisse sein, z. B. durch 
neue Zersetzungen, als wie die in diesen Gesteinen erst 
‚selbst zur Ausbildung gelangt gewesenen Krystallmassen. 

Sonach gewinnt es den sicheren Anschein, als ob der 
Glimmer, welcher sich in der mehrbesprochenen Weise auf 
oder in den fraglichen Mineralien findet, nur durch Um- 
wandlung der letzteren entstanden sei, und bliebe es nur 
übrig, zu entscheiden, ob man dieser Verbindung den Na- 
men Pseudomorphose geben wolle, oder nicht. Es dünkt 
mich aber, dass man kein Recht habe, ihr demselben vor- 
zuenthalten, sobald man denselben andern Vorkommnissen 
beilegt, in welchen der Raum, den ein, nenne man es im- 
merhin so, ursprüngliches Mineral eingenommen hatte, jetzt, 
sei es selbst nicht völlig, von einemiandern Minerale erfüllt 
ist, möge dieses nun unmittelbar aus jenem hervorgegan- 
gen, oder aus ganz fremden Stoffen an Stelle des auf ir- 
send eine Weise entfernten Urwohners abgelagert worden 
sein. Das Recht der Einschlüsse verletzen zu wollen, bin 
ich natürlich, nachdem ich ihnen so lange meine Aufmerk- 
samkeit gezollt habe, weit entfernt. 


Bemerkungen 
zu den 
Arten der Gattung Pimpla bei Durchsicht der 
Gravenhorst’schen Typen 
von 


E., 1, Taschenberg. 


Welche Schwierigkeiten damit verknüpft sind, bei Be- 
stimmung der Schlupfwespen nach dem bisher noch immer 
einzigen Werke von Gravenhorst „Ichneumonologia euro- 
paea Vratisl. 1829“ durchzukommen, ist den Hymenoptero- 
logen hinreichend bekannt. Der Grund hiervon liegt einmal 
darin, dass die immer allgemeiner in neueren entomologi- 
schen Werken eingeführte, das Auffinden eines Insekts un- 
gemein erleichternde analytische Methode dort gänzlich 
vermisst wird, und sodann in dem zweiten Uebelstande, 
dass Gravenhorst, dessen Arbeit eine ganz enorme war, 


51 


das Haüptgewicht bei der Unterscheidung der Arten auf 
die Farben legt, die Farben, welche sehr veränderlich bei 
ein und derselben Species und umgekehrt wieder so über- 
einstimmend bei verschiedenen Arten sind, dass Irrthümer 
und Unsicherheit unvermeidlich werden. Wesmael hat 
dies in seiner Bearbeitung der Gattung Ichneumon und der 
nächsten Verwandten in den Bulletins der königl. Belgischen 
Akademie zur Genüge nachgewiesen. 

In der Absicht, die Familie der Pimplariae einmal gründ- 
lich vorzunehmen, schien es mir von grosser Wichtigkeit, 
die Typen der Gravenhorst'schen Sammlung, welche der 
Breslauer Universität geschenkt wurde, durch Autopsie ver- 
gleichen zu können. Durch die dankenswerthe Zuvorkom- 
menheit des Herrn Professor Grube wurde mir die Gele- 
genheit dazu geboten. Ich habe eine Suite der genannten 
Sammlung vor mir, dessen Hauptinhalt in der 'Gattung 
Pimpla besteht. Leider haben Schimmel und in noch ge- 
fährlicherer Weise Anthrenenlarven manches Stück in einen 
unbrauchbaren Zustand versetzt, und darum dürfte es um 
so gerechtfertigter erscheinen, wenn vor dem weiteren Un- 
tergange die Thiere auf andere Merkmale angesehen wür- 
den, als Gravenhorst in seinem unsterblichen Werke an- 
giebt. 

Im Nachstehenden sollen die einzelnen Arten nach 
den Merkmalen besprochen und angeordnet werden, auf 
welche Holmgren in seiner neuesten Arbeit !) Rücksicht 
nimmt, und die mir glücklich gewählt zu sein scheinen. 
Sie werden sich aus den folgenden Mittheilungen von selbst 
ergeben, zu denen wir nun übergehen mit Angabe der 
Stückzahl in der Sammlung Gravenhorsts. Bemerkt sei 
noch, dass bei der Längenangabe des Bohrers immer nur 
das über die Leibesspitze hinausragende Ende 
gemessen wurde, weil sich dieses Stück in allen Fällen 
an getrockneten Exemplaren sicherer messen lässt als die 
noch übrige im Hinterleibe verborgene Basis. Die Bezeich- 
nung: Bohrerlänge, die somit nicht richtig ist, mag trotz- 

!) Försök till uppställning:och beskrifning af sveriges Ichneumoni- 
der 3. Serien. Fam. Pimplariae af Aug. Emil Holmgren, in Kong- 
liga Svenska Vetenskaps -Akademiens Handlingar. Ny följd III. 2. 1860. 

4” 


52 


dem der Kürze wegen eingeführt werden, und kann jetzt 
zu weiteren Missverständnissen keinen Anlass geben. 

I. Luftlöcher des Hinterrückens länglich oder eiförmig 
und deshalb leicht kenntlich. Innerer Quernerv (nerv. 
transversus analis) der Hinterflügel über seiner Mitte 
gebrochen. 

1. Die Klauen @ am Grunde nicht lappig erweitert. 
Fühler, ausser bei der ersten Art, schlank, ihre Glie- 
der in der ersten Hälfte der Geisel am Ende schwach 
geschwollen. 

P. flavicans no 749. Eine wegen des durchaus glän- 
zenden, nicht punktirten, lehmgelben Körpers kaum zu ver- 
kennende Art. Die 3 vordern Felder des Hinterrückens 
deutlich, das mittelste quadratisch. Erstes Segment des 
Hinterleibes scharf gekielt, zwischen den Kielen fast bis zur 
Spitze ausgehöhlt. Glieder der Fühlergeisel vollkommen 
cylindrisch. Beine kräftig, vorletztes Glied der Hintertar- 
sen kaum halb so lang als das letzte. Lg. 12, 5==, Hin- 
terleib 7, 5, Bohrer 3, 75m, 

P. instigator no 103 /’Q Hinterrücken ohne Felder, rauh, 
im vordern Theile deutlich querrissig. Brustseiten stark 
punktirt; Stirn ausgehöhlt mit Mittelfurche und (2) quer na- 
delrissig bis zur Fühlerwurzel. Hinterende des ersten Hin- 
terleibssegments ungekielt. Vorletztes Glied der Hintertar- 
sen fast nur!/, des letzten Gliedes. Lg. 17==, Hinterl. 9,75, 
Bohrer 4um (seine wahre Länge 8um), | 

P. illecebrator no 104 59. Ganz wie vorige Art, das 
Q aber noch kräftiger, sein Hinterrücken lederartig, mit kei- 
ner Spur von Querrunzeln, die Stirn nur in ihrem obern 2); 
quer nadelrissig, vor den Fühlern polirt. Beim J die Ta- 
ster schwarz und das Flügelschüppchen bleich hornbraun, 
während beide Theile bei dem „' der vorigen Art gelb aus- 
sehen. Lg. 18m, Hinterl. 11, Bohrer über 8%®2 (seine wirk- 
liche Lg. fast 12, 5). 

P. examinator no 99. Ausser der Färbung wie P. in- 
stigator, aber die Punktirung ‚des Körpers weniger grob, 
das ganze Thier minder robust. Vorletztes Hintertarsen- 
glied beinahe nur °/; von der Länge des letzten. Lg. fast 
11, 5”®, ‘Hinterl. 7, Bohrer 3””, 


53 


Var. 1. 59 gehört schwerlich dazu: Stirn ohne 
Längsfurche und Querrisse, vollkommen polirt, Brustsei- 
ten sehr glänzend, ohne Punktirung; bei der Vergrösse- 
rung, die überall angewandt wurde, erscheint der Hinter- 
rücken vorn sehr fein punctirt, sein abschüssiger Theil po- 
lirt. Erstes Segment, von der Seite gesehen, in der Mitte 
nicht höckerig erhaben, sondern flach gerundet, nur an der 
Wurzel ausgehöhlt. Bloss Fühlerbildung und Färbung der 
Hinterschienen stimmen mit der Stammart. Beim 9 Hin- 
terhüften und die vordersten an den Spitzen, so wie alle 
Schenkelringe roth. Lg. 6"", Hinterl. 3, 75, Bohrer 1, 33", 
Beim 5 alle Hüften schwarz, alle Schenkelringe roth, sonst 
der Stammart näher stehend. 

Var. 2. 0 ist auf ein Glimmerplättchen aufgeklebt 
und so, dass sich nicht viel sehen lässt, vor Allem bleiben 
die Luftlöcher des Hinterrückens unkenntlich. Ich enthalte 
mich daher jedes Urtheils darüber. 

P. spuria no 88. @ :Ich kann keinen Unterschied zwi- 
schen dieser und der folgenden Art wahrnehmen, selbst 
nicht in der Färbung, es sei denn, dass hier der helle Ring 
vor der Hinterschienenbasis verwischter ist, als dort, wie 
in var. 2. der folgenden Art. Das Exemplar ist etwas klei- 
ner. Meiner Ansicht nach muss dieser Name also wegfal- 
len und die Art mit P. turionellae vereinigt werden. 

P. turionellae no. 93 52. Stirn ausgehöhlt, verwischt 
querrissig. Fühler wie bei P. instigator, aber an der Spitze 
etwas feiner. Mittelrücken sehr fein, aber doch deutlich 
punktirt, Seiten der Brust polirt, dabei verwischt punktirt. 
Hinterrücken gröber punktirt, aber doch glänzend, 2 un- 
vollkommene Längsleisten deuten ein mittleres Feld an, 
und eine mehr oder weniger scharfe Bogenlinie grenzt den 
abschüssigen vom vordern Theile ab; jener ist in der Mitte 
polirt, nur an den Seitenrändern matter und rauher. Hin- 
terleib deutlicher punktirt als alle übrigen Theile, mit glän- 
zenden, nicht erhabenen Hinterrändern der Segmente. Seg- 
‘ ment 1 vorn schwach gehöhlt, in der Hinterhälfte gerundet 
und kiellos. Vorletztes Hintertarsenglied in der Länge et- 
was unter !/, des letzten. Lg. 10, 5mm, Hinterl. kaum 6, 5, 
Bohrer 2, 75”®, Beim f Segment 1 gestreckt, flach, fast 
rechteckig, ganz vorn tief ausgehöhlt. 


54 


var. 19, var: 2 9, var. 3 d'Q geben zu keiner weitern 
Bemerkung Anlass. 

2. Klauen Q@ am Grunde: in einen, zipfelartigen Lappen 

erweitert,, Fühlerglieder vollkommen cylindrisch. 

P. rufata no. 82 2. Hinterrücken. glänzend, mit ein-. 
zelnen groben Punkteindrücken und 2 nach hinten diver- 
girenden Mittelleisten als; einzige Andeutung von Feldern, 
Erstes, Segment. mit 2 Leisten, zwischen denen sich, aber 
an der hintern Hälfte keine Aushöhlung findet, 
so dass: diese auf. dem Rücken flach: erscheint. Brustseiten 
polirt. Die gelben Zeichnungen am Thorax, besonders die- 
beiden Längslinien des: Rückens, zu hakenartigen Zeichnun- 
gen mit den Linien am Vorderrande verbunden, herrschen. 
hier vor. Bei dem 9, welches: als: var. 1 bezeichnet ist, 
fehlen sie; es steckt auf der Puppenhülse von Zerene gros- 
sulariata.. Das Q der Stammart ist besonders klein: 6", 
Hinterl. kaum 4", Bohrer 1,25, dagegen Jd’ 11"; ihm feh-. 
len, die beiden gelben Rückenlinien. \ 

P. varicornisi no. 83 d' (mit zwei undeutlich gelben 
Rückenlinien), © (ohne Hinterleib) und var. 1} € mit: ganz, 
schwarzem Thorax. Diese, Art unterscheidet sich von. der; 
vorigen. durch das, erste Segment des Hinterleibes, welches; 
bis zur Spitze zwischen den Kielen muldenartig- 
ausgehöhltist. Die gelbe. Zeichnung am; Thorax weni- 
ger ausgebreitet, das. gelbe Gesicht beim d* mit schwarzer 
Mittellinie, die, weissen, Ringe. der Hinterschienen: wenig: 
ausgeprägt. 

Ich. muss: hierbei eine Namenverwechselung in Hio)lm-' 
gren’s oben erwähnter Arbeit berichtigen. Der genannte: 
Autor führt auf: P. flavonotata, mit welchem neuen Namem 
er P. rufata var. 1 Gr. belegt, und P. rufata Gmel. Gr:, die 
er mit P. varicornis. identificirt. Er giebt die: Unterschiede: 
beider Arten scharf und richtig an. Da aber Gravenhorst: 
ausdrücklich, bemerkt, dass seine var: 1. eigentlich auf die: 
Gmelin’sche rufata passe und: ich. dazu: ein of besitze,. . 
welches die gelben Zeichnungen vollständig aufweist, so‘ 
muss für die Art mit ebenem Hinterende des ersten. Seg-' 
ments. der Name: rufata bleiben und: darf sie nicht: mit 
varicornis: vereinigt: werden, wo das ganze erste Segment! 


55 


bis zum Ende ausgehöhlt ist. Die Nomenelatur'bei Gra- 

venhorst ist demnach unverändert beizubehalten. 

P. roborator no84£J'Q. Der ganze Körper gleichmässig 
grob punktirt. Scheitel: breit auf Kosten der Stirn. Mit- 
telrücken schwach dreilappig, Hinterrücken kurz und ge- 
rundet, durchaus grob punktirt mit Ausschluss eines vier- 
eckigen, glänzenden Fleckchens an Stelle des vordern Mit- 
telfeldes. Erstes Segment gleichfalls gedrungen und in sei- 
ner Hinterhälfte mit gerundeter Oberfläche, die Vorderhälfte 
schräg nach vorn abgestutzt. Alle Segmente braun mit glän- 
zenden Hinterrändern, die beim 0’ schwarz sind. Vorletz- 
tes: Hintertarsenglied kaum halb so lang, als das letzte. 
Lg. 14, 5mm, Hinterl. reichlich 9, 5, Böhrer reichlich 11, s"m, 

P. viduata no 101 %. DBrustseiten glänzend, an der 
vordern Hälfte punktirt, in der Furche vor der hintern Naht 
deutlich punktirt. Hinterrücken' glänzend, an den Rändern 
einzeln, im Felde der Luftlöcher dichter punktirt, darunter 
polirt, keine Spur von Feldern. Hinterleib grob punktirt, 
die Punkte theilweise der Länge’ nach zusammenfliessend, 
Segmente vom zweiten an mit einem Quereindrucke, wo- 
durch die Hinterränder stark leistenartig hervortreten, ohne 
besonders zu glänzen. Segment 1 vorn schräg gestutzt, 
in der Hinterhälfte oben: gerundet, von der Seite gesehen 
mit tiefer Längsfurche, in deren grubenartigem Ende die 
Luftlöcher sitzen. -Lg. 9, 5%%, Hinterl. 6°”, Die kräftigen 
Fühler kaum länger als’ der Hinterleib und dicker, als bei 
voriger Art, ebenso‘ die Hinterschenkel dicker, genau von 
der Gestalt wie bei P. examinator. — Obwohl: das & fehlt 
und mithin’ der Anhaltepunkt für die Unterbringung der Art, 
so passt sie doch dem Habitus nach eher unter diese, als 
die erste Abtheilung. 

II. Luftlöcher des Hinterrückens kreisförmig und klein, 
darum und: weil der Aussenrand bisweilen etwas 
wallartig emporsteht, ziemlich undeutlich. Fühler- 
glieder vollkommen cylindrisch, darum nur durch die 
Färbung von einander abgesetzt. 

1. Die wvordernı Felder des’ Hinterrückens höchstens 
durch 2-Längsleisten angedeutet, also unvollständig. 

a. Letztes Hintertarsenglied' vier Mal so lang, als das 
vorletzte. 


56 


P. melanocephala no 759. Klauen am Grunde nicht 
erweitert, innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner 
Mitte gebrochen. Brustseiten glänzend mit punktirter Hin- 
ternaht, Hinterrücken schwach punktirt, mit 2 parallelen 
Leisten. Hinterleib sehr grob punktirt und sehr uneben, 
sein erstes Segment fast bis zur Spitze flach eingedrückt, 
das ?2., 3. und 4. mit seichter Längsfurche in der Mitte. 
Der ganze Körper rothgelb, schwarz sind: Kopf, die Wur- 
zel der Fühler und die Enden der Geiselglieder, der Tho- 
rax mit Ausschluss des grössten Theiles vom Metathorax, 
der Bohrer mit seiner Schneide, die Krallen und die äusser- 
ste Spitze ihres Tarsengliedes. Lg. fast 8, 75°®, Hinterl. 
5, 5, Bohrer kaum 2%, 

b. Letztes Hintertarsenglied kaum drei Mal so lang als 
das vorletzte. 
a. Klauen 9 nicht lappig erweitert. 

P. alternans no 97 529. Eine sehr fragliche Art, die 
von Holmgren mit der folgenden verbunden wird. Das 
einzige @ hat ovale Luftlöcher und durchaus rothe Hüften. 
Brustseiten wie bei P. viduata. Hinterrücken ziemlich glän- 
zend, vorn und an den Seiten deutlich punktirt. Segment 
1 nur ganz vorn ausgehöhlt, sonst gerundet, die übrigen 
grob, wenig zusammenfliessend punktirt, durchaus eben und 
mit fein hellen Hinterrändern. Innerer Quernerv der Hin- 
terflügel über der Mitte gebrochen. Lg. 11“, Hinterl. 6,5, 
Bohrer 2, 5mm, Ich würde dieses Exemplar seinem sonsti- 
gen Habitus nach mit P. viduata verbinden und an Stelle 
von P. flavicans treten lassen, die so besser als besondere 
Gattung abgeschieden werden muss, wenn nicht die Fär- 
bung dem widerspräche. P. viduata hat durchaus schwarze 
Hüften und einfarbig rothgelbe Hinterschienen, während 
unser Stück, dessen Hinterschenkel mit jener Art sehr 
übereinstimmen, einen lebhaft weissen, dunkel eingefassten 
Fleck vor der Basis der Hinterschienen zeigt, ausserdem 
ein gelbes Fleckchen vor den Flügelschüppchen; erfah- 
rungsmässig sind aber die Farben der Yo in Vergleich zu 
ihren 22, wenn Unterschiede statt haben, lichter, und nicht 
umgekehrt, wie es dann hier der Fall sein würde. Das / 
hat schwarze Hinterhüften und ich weiss es so wenig von 


57 


der folgenden Art zu unterscheiden, wie das kleinere, als 
var. 1 noch dabei steckende 2. Der Artname dürfte am 
besten zu cassiren sein. 

P. scanica no. 98 22. Innerer Quernerv der Hinter- 
flügel über der Mitte gebrochen. Q am Gesicht, dem gan- 
zen Thorax mit Ausschluss des glänzenden, abschüssigen 
Theiles am Hinterrücken und an den Beinen anliegend weiss- 
haarig, und zwar auffälliger als bei andern Arten. Hinter- 
rücken mit kurzen Längsleistehen. Stirn eingedrückt, sehr 
fein quer nadelrissig. Hinterleib sehr fein punktirt, kaum 
uneben, alle Hinter- und Seitenränder rothgelb; Segment 1 
schwach gekielt, an der vordern Hälfte nicht eingedrückt, 
an der hintern verhältnissmässig platt, nur sein Hinterrand 
schmal rothgelb. Lg. 9mm, Hinterl. kaum 6””, Bohrer 2,25". 
Männchen schwächer behaart, daher glänzender, besonders 
an den kaum punktirten Brustseiten. Hinterleib mit schmal 
hellen Hinterrändern der Segmente. Lg. 6”=, Hinterleib 
reichlich 4,5”, 

var. dQ@. Hinterschenkel unten mit dunklerem Längs- 
streifen, 2 kleiner als das eben beschriebene, in der Be- 
haarung dem cd entsprechend. 

P. ruficollis no. 78 2. Innere Querader der Hinterflü- 
ge! gerade in der Mitte gebrochen. Scheitel breit, auf 
Kosten der Stirn. Brustseiten glänzend, einzeln schwach 
punktirt. Hinterrücken gröber punktirt, gerundet, ohne Spur 
von Längsleisten. Segment 1 in der vordern Hälfte stark 
gehöhlt, in der hintern ziemlich flach, die übrigen grob und 
dicht, aber nicht zusammenfliessend punktirt, gelb- 
roth, auf der Rückenmitte dunkler, an den Hinterrändern 
glänzend schwarz. Beine bis auf die bräunlichen Schienen 
und Tarsen von derselben gelbrothen Farbe. Mesothorax 
roth, Pro- und Metathorax, Kopf mit den Fühlern und er- 
stes Hinterleibssegment schwarz. Lg. 8,25”®, Hinterleib 
fast 5, Bohrer 8,75 mm, 


ß. Klauen an der Basis lappig erweitert. 

* Innere Augenränder nicht gelb. Innerer Quernerv 
der Hinterfügel unter seiner Mitte gebrochen sel- 
ten, in dieser selbst, bei arundinator darüber. 

>< Bohrer mindestens von der Länge des Hinterleibes. 


58 


P. calobata: no. 85 2. Scheitel ziemlich: breit, von’ der 
vertieften Stirm durch 2 Einbuchtungen getrennt. Brust- 
seiten glänzend, undeutlich punktirt, vor der hintern Leiste‘ 
mit tiefer, ganz: glatter Furche. Hinterrücken: deutlicher 
punktirt, mit zwei’ Längskielen und glänzendem abschüssi- 
gen: Theile. Segment: 1 des Hinterleibes mit 2 deutlichen: 
Kielen, die fast bis zum Ende reichen, die Fläche zwischen) 
ihnen aber an der hintern Segmenthälfte platt, die übrigen! 
Segmente sehr grob, nicht zusammenfliessend punktirt, durch: 
die Beulen und wulstigen Hinterränder sehr uneben. Lg: 
10,75», Hinterleib 7, Bohrer fast 8m, 

P. didyma no. 87 2.. Scheitel und: Stirn wie bei vorir 
ger‘ Art. Brustseiten polirt, in der vordern Hälfte: seicht,: 
aber deutlich punktirt, vor der hintersten Leiste mit tiefer, 
ganz glatter Furche: Hinterrücken vorn einzeln grob punk 
tirt, mit’ 2: kurzen Längsleisten, dabei etwas; glänzend; all- 
mählig‘ ganz ‘glatt werdend am abschüssigen: Theile. Der! 
Hinterleib sehr uneben, grob, mehr oder weniger zusam- 
menfliessend: punktirt, in‘ seiner Mitte breiter, als bei allen 
übrigen Arten: Segment 1 an seiner hintern; Hälfte platt 
und kiellos, daselbst auf der Mittelfläche weniger dicht punk- 
tirt. Lg. 10,25”, Hinterl. reichlich 6”, Bohrer desgl. 

P. stercorator. no. 92 dQ. Das d gehört nicht, hier- 
her, sondern zu P. graminellae,, wie dort‘ gezeigt’ werden:soll, 
Holmgren verbindet das:Q dieser Art mit P. flavipes; Gr. 
und ich kann dem’ nur beipflichten, weil ich: ein: Pärchen. 
in Copula fing, von dem: das d'! genau dem! einzigen Exem- 
‘plare in der Gravenhorst’schen Sammlung entspricht, das: 9 
dagegen dem Exemplare, welches unter var: 3° bei-P. ster- 
corator steckt. Somit wäre: also die Nomenclatur dahin zu 
berichtigen: P. stercorator 2 = P. flavipes d. Beim 2'Stirn 
und Scheitel wie bei beiden vorigen Arten. Gesicht und 
Brustseiten polirt, letztere verwischt punktirt; in der Fürche, 
vor der hintersten Leiste bemerkt man bei günstiger Be- 
leuchtung feine Querstriche. Hinterrücken mit zwei langen 
Längskielen, am: abschüssigen Theile lederartig gerunzelt. 
Hinterleib uneben,: Hinterränder. der Segmente vom zweiten 
an breit,. glänzend,, vor. ihnen grobe,. kaum: zusammenflies- 
sende Punktirung. Segment 1 hinten flach, die Kiele mehr 


59 


oder weniger deutlich: Lg. 11,25, teichlich, Hinterl. 7,9"=, 
Bohrer desgl. Das: ? ist bedeutend kleiner "m, Hinterleib 
5em, in der Skulptur nicht verschieden. — var. 1—3, von 
jeder 1 9 geben: zw weiteren Bemerkungen keinen An-. 
lass, als dass bei allen die Skulptur des Hinterrückens 
glätter erscheint, und die Fühler kürzer sind, alsı bei der 
Stammart. Var. 4 2: ist ein ganz bleiches, kleines Exem- 
plar, anı welchem sich gar nichts: sehen lässt. 

><>< Bohrer unter: Hinterleibslänge. 

P. graminellae no 91 2 var. 1 2, var. 42 Scheitel, 
Stirn: und Brustseite wie: bei: der vorigen Art, Hinterrücken 
glatt und: glänzend mit; 2 langen Leisten und 2 tiefen Gru- 
ben beiderseits der Einlenkungsstelle des Hinterleibes:, 
Segment k bis zur Mitte: oder’ darüber gekielt,, aber an 
seiner hintern Hälfte, oben flach, etwas flacher als bei vo- 
riger, Art. Die glänzenden Hinterränder der Segmente hier 
etwas weniger ausgeprägt als dort, Punktirung und Uneben- 
heit sonst ebenso. Fühler so; lang, wie bei dei var, der vo- 
rigen Art, Bohrer: merklich kürzer. Lg. 10, 75"®, Hinter- 
leib fast: 7,5, Bohrer, 2,5mm, Bei: var. 1 sind die Hinter- 
beine scharf gezeichnet: die Schienen vor der Wurzel mit 
dunklem Fleck, die Tarsen hell und dunkel geringelt. Die: 
Hinterhüften unten granulirt, d. h. durch feine 
Wärzchen etwas uneben: und‘ die innere Querader der Hin- 
terflügel über ihrer Mitte gebrochen. Dieselben Merk- 
male- zeigt das /', welches bei: P. stercorator steckt und dies 
bestimmt! mich, mit: Holmgren. die eben angegebnen Merk- 
male: für die charakteristischen der P. graminellae. fest zu 
halten. Die Stammart: müsste‘ allerdings einen andern Na- 
men bekommen. — Var. 4, ein sehr kleines, blondes 2 ge- 
Hört schwerlich hierher; der Hinterleib‘ erscheint mir zu 
glatt, und’ an den Seiten weniger erweitert. 

P. arundinator no. 86: 2 Scheitel, Stirn und Brustseiten 
wie: bei P; calobata.: Der: stark gerundete Hinterrücken mit 
2 langen Kielen und lederartig gerunzelt. Hinterleib grob, 
aber nicht: tief punktirt, uneben, Segment 1 am Hinterrande, 
5. am Vorderrande: und: die dazwischen liegenden ganz roth 
bis auf die schmal schwarzen Hinterränder. Segment 
1,: von: den Seite; gesehen, stumpfwinkelig, anı der schräg 


60 


abgeschnittenen Vorderhälfte gekielt, zwischen den Kielen 
flach ausgehöhlt und die Höhlung bis zur hintern Hälfte 
fortgesetzt, so dass sie von oben sichtbar ist, ohne jedoch 
den Hinterrand zu erreichen. Beine ganz rothgelb. Lg. 
10,5", Hinterl. 6,75, Bohrer 3,75", 

P. melanopyga no 76 2 Brustseiten polirt, ohne Punk- 
tirung. Hinterrrücken glänzend, einzeln punktirt, seine 
Längsleisten, die nach hinten etwas divergiren, erreichen 
den abschüssigen Theil. Hinterleib uneben, grob und dicht, 
aber flach punktirt, auf dem zweiten Segmente am dichte- 
sten. Segment 1 gedrungen, kiellos, die hintere Hälfte ge- 
rundet. Lg. kaum 10m, Hinterl. kaum 6, Bohrer 1,5"m 
(seine wahre Länge 3®”), 

P. brevicornis no 100 d' 2. Das kleine 2 ziemlich glän- 
zend. Scheitel und Stirn wie bei P. calobata, Flügel irisi- 
rend, ihr Mal verhältnissmässig gross. DBrustseite polirt, 
in ihrer hintern Furche vollkommen glatt (bei andern, et- 
was grössern Ex. meiner Sammlung lassen sich einzelne 
feine Punkteindrücke unterscheiden). Hinterrücken ge- 
rundet, mit einzelnen verwischten Pünktchen und kaum be- 
merkbaren Leisten. Hinterleib fein und dicht punktirt, die 
Hinterränder der Segmente wenig augenfällig. Segment 1 
mit etwas erhabener Mittelplatte der hintern Hälfte. Die 
Hinterhüften sind übrigens rothbraun. Lg. reichlich 5°, 
Hinterl. 3, Bohrer 2,75"®, Das ' hat alle Hüften schwarz, 
eben so irisirende Flügel und, wie es scheint, dieselbe 
Skulptur; es befindet sich in einem Zustande, der nicht 
viel erkennen lässt — var. 1 mit rothen Hinterfüssen ist 
etwas kräftiger, als das eben beschriebene ?, entspricht: 
ihm senst vollständig. Var. 2 & ist entschieden nichts 
weiter als P. roborator' mit etwas dunkleren Mittel- und 
Hinterfüssen und ganz schwarzem Hinterleibe. Merkwür- 
diger Weise steckt es auf einer eben so kurzen Nadel, wie 
die eben genannte Art, während die Nadeln aller übrigen 
länger sind. \ 

** Wenigstens die innern Augenränder bis zum Schei- 
tel gelb. Innere Querader der Hinterflügel ein We- 
nig über der Mitte gebrochen. 

P. angens no 81 Brustseiten polirt, Hinterrücken glän- 


61 


zend, einzeln flach punktirt, mit kaum einer Spur von Mit- 
telleisten. Hinterleib knotig, grob punktirt, auf dem 2 
Gliede @ jedoch so, dass die Zwischenräume grösser als 
die Punkte sind, dieser ausserdem mit 2 tiefen Seitengruben 
an seiner Basis; beim „’ unterscheidet es sich nicht in der 
angegebnen Weise von den übrigen. Segment 1 oben plat- 
ter beim @ als beim X. Lg. 10mm, Hinterl. 6,75, Bohrer 
2,90; 

P. ornata no 80 9 Brustseiten glänzend, sehr fein ein- 
zeln punktirt, auch die Furche vor der hintern Naht punk- 
tirt. Hinterrücken kurz, gewölbt, steil abschüssig, dicht 
und ziemlich grob punktirt, auch theilweise an der abschüs- 
sigen Stelle, mit einer kaum angedeuteten Mittelfurche, 
aber ohne Leisten. Hinterleib gedrungen, seine Segmente 
deutlich breiter als lang, uneben, grob und theilweise zu- 
sammenfliessend .punktirt, das erste kurz und gerundet an 
seiner reichlichen hinteren Hälfte, nach vorn schräg abge- 
stutzt und glänzend. Lg. 10,75%®, Hinterl. 7,5%=, Bohrer 
22: | 

Var. 1 Q Thorax auf dem Rücken unvollkommen, an 
den Brustseiten gar nicht roth. 

P. oculatoria no 79 X2 die rothe Brustseite polirt, 
Punktirung nicht bemerkbar. Hinterrücken gewölbt, ein- 
zeln punktirt mit schwacher Andeutung der Mittelkiele. 
Hinterleib gestreckt, seine Glieder so lang als breit, beim 
noch länger, Segment 1 an der .hintern Hälfte etwas ge- 
wölbt, auf der Mitte derselben etwas platt. Lg. Yun, 
Hinterl. 6%®, Bohrer kaum 2unm, das 5 kaum $=nm, Hinterl. 
50mm, var. 1 Q und var. 2 Q geben zu keiner weitern Be- 
merkung Anlass. 

2. Hinterrücken wenigstens mit deutlichem, mittleren 
Felde vorn. Innere Querader der Hinterflügel unter 
der Mitte gebrochen. Klauen 2 an der Wurzel nicht 
lappig erweitert. 

P. laevis no 89 Q Brustseiten glänzend, verwischt punk- 
tirt; Hinterrücken lederartig, sein Mittelfeld vorn *halb ellip- 
tisch, etwas glätter und in der Mitte schwach eingedrückt. 
Hinterleib sehr fein und dicht punktirt, nur das erste Seg- 
ment lederartig, in der platten Mittelläche der grössern 


62 

Hinterhälfte etwas glätter. Wegen seiner Länge und der 
vollkommen ebenen übrigen Segmente, deren zweites 
nur je einen seitlichen schrägen Eindruck hat, müsste diese 
Art nicht zu Pimpla, sondern zu Lissonota gestellt werden, 
"wenn nicht die Bauchspalte, aus dem der Bohrer kommt, 
dagegen spräche. Lg. 10,25”=®, Hinterleib 5,75”m, Bohrer 
35mm, 

P. mandibularis no 90 9 Brustseite glänzend, verwischt 
punktirt. Hinterrücken vorn mit je 2 geschlossenen Seiten- 
feldern, deren hinteres mit seiner Spitze am abschüssigen 
Theile etwas herabreicht, Mittelfeld schwach vertieft, Hin- 
terleib wie bei voriger Art sehr fein und dicht punktirt und 
glatt; die Quereindrücke der ‘Glieder schwach angedeutet. 
Das erste mit stumpfen Leisten, zwischen denen die Hin- 
terhälfte fast bis zum Ende flach ausgehöhlt ist. Bohrer 
breiter, als bei den meisten andern Arten. Lg. 12”=, Hin- 
terl. 7em, Bohrer reichlich 4,5®m, 

P. abdominalis. no 77 © Kopf, Thorax und Hinterleib 
gleichmässig grob punktirt, die glänzenden Brustseiten et- 
was einzelner. Hinterrücken vorn mit 5 geschlossenen, 
hoch umrandeten Feldern, sein abschüssiger Theil jäh und 
runzelig, wie am vordern Theile. Segment 1 wenig ge- 
wölbt, mit 2 Kielen, welche auf der hintern, sonst platten 
Hälfte noch etwas sichtbar sind. Keine Bauchspalte, 
die letzte Bauchschuppe überragt sogar die des Rückens 
etwas; das Schildchen ist ausserdem etwas erhaben, mit 
einem Rande umgeben und hinten sehr stumpf, fast abge- 
stutzt; die Art gehört also nicht zu Pimpla. Lg. 6,25 wm, 
Hinterl. 3,5”, Bohrer fast 2m, 


Es bieiben nun noch 3 Arten übrig, welche sich den 
obigen Abtheilungen nicht unterordnen lassen: 

P. aterrima no 102 die beiden Q, welche unter diesem 
Namen vorhanden sind, von denen das zweite als var. 1 
bezeichnet ist, ohne irgend wie vom ersten unterschieden 
werden zu können, müssen durch ein Versehen dahin ge- 
langt sein. Der Bohrer von P. aterrima soll nach Graven- 
horst fast von halber Hinterleibslänge sein und die Grössen- 
verhältnisse des ganzen Thieres denen von P. examinator 


63 


entsprechen. Jene Weibchen haben einen Bohrer, welcher die 
Körperlänge übertrifft, einen gestreckten Körperbau und 
gehören entschieden zur Gattung Ephialtes, ich möchte sie 
für E. tuberculatus erklären. 

P. pictipes no 95 Q An diesem kleinen Thier lässt sich 
nicht viel sehen. Flügel irisirend, die innere Querader der 
hintern ‚unter der Mitte gebrochen. Brustseite polirt, Hin- 
terrücken ohne Felder, weniger glänzend, seine Luftlöcher 
kreisrund. Hinterleib gestreckt, Segmente länger als breit, 
sehr grob punktirt und .weisshaarig, Segment 1 buckelig, 
oben san der hintern Hälfte nicht gekielt. Fühlerwurzel 
unten, Kopfschild, Wurzel der Kinnbacken, Flügelmal und 
Beine bleichgelb, letztere zum Theil weiss, Hinterschienen 
an der Spitze und vor ‚der Wurzel und Hintertarsenglieder 
an ihren Spitzen dunkel, Vorderschenkel nicht ausgefressen. 

P. vetula no 96 X, Kann ich nicht für eine Pimpla 
halten. Der Kopf verengt sich nach unten schnauzenartig. 
Ein Kopfschild ist nicht zu erkennen; die grossen gelben 
Kinnbacken mit 2 gleich grossen, schwarzen Zähnen an der 
Spitze stehen frei heraus, die Augen quellen stark "hervor 
und sind sehr deutlich facettirt, Scheitel breit, Stirn nicht 
eingedrückt. Gesicht eben, dieht mit weissen anliegenden 
Härchen besetzt, Thorax etwas buckelig, dicht fein punk- 
tirt. Schildehen stumpf dreieckig, wenig erhaben, Hinter- 
schildehen eine breite Stufe bildend. Hinterrücken grob 
runzelig und dadurch die Felder begrenzenden Leisten un- 
deutlich, aber vorhanden. Luftlöcher kreisrund. Hinter- 
teib dicht und grob, aber kaum zusammenfliessend punk- 
tirt, Rücken der Segmente eben, auch des ersten, welches 
vor seiner Spitze die Andeutung eines Quereindruckes hat. 
Der ganze Umriss gedrungener, als bei irgend einer andern 
Art. Beine zart, letztes und vorletztes Tarsenglied der 
hintersten gleich lang und dick, Klauen einfach, sehr klein. 
Flügelmal gross, innerer Quernerv der Hinterflügel unter 
seiner Mitte gebrochen. Lg. 4,75%®, Hinterl. 2,5u», Scheint 
mir zu Phytodietus zu gehören, wovon Gravenhorst nur 
Weibchen beschreibt. 


64 
Limulus Decheni Znk Taf. 1. 


im Braunkohlensandstein bei Teuchern 


von 


0, Giebel, 


Der Moluckenkrebs hat eine so absonderliche und 
abenteurliche Gestalt, dass man seine lebenden Arten für 
Ueberbleibsel einer in phantastischen Gestalten sich gefal- 
lenden Urschöpfung halten möchte. Und in der That sind 
auch schon längst vorweltliche Limulusarten:. bekannt, so 
ganz ähnlich den lebenden, dass noch kein Systematiker 
daran denken konnte, sie von diesen generisch zu trennen, 
zugleich aber meist viel kleiner und jener haltlosen Theorie 
entschieden widersprechend, nach welcher die vorwelt- 
lichen Repräsentanten lebender Typen grösser sein sollen 
als ihre heutigen Arten. Die bis jetzt bekannt geworde- 
nen fossilen Limulusarten gehören den permischen Gebil- 
den, dem Muschelkalk und dem lithographischen Schiefer 
an und es liess sich erwarten, dass die Existenz dieses 
ausgezeichneten Typus auch während der Kreide- und der 
tertiären Epochen nachgewiesen werden würde, um die un- 
unterbrochene Fortdauer seit dem ersten Auftreten bis in 
die gegenwärtigen Meere ausser Zweifel zu setzen. 

Für die Existenz während der tertiären Zeit hat nun 
Hr. Zinken in dem Limulus Decheni von Teuchern den 
Beleg; beigebracht, in unserer Zeitschrift Bd. XIX S. 329. 
Er führte denselben nur mit einer allgemeinen von der er- 
sten Beobachtung an Ort und Stelle entlehnten Charakte- 
ristik ein und war so freundlich, das Exemplar der hiesigen 
Universitätssammlung zu verschaffen, so dass ich nun Ab- 
bildung und specielle Beschreibung davon vorlegen kann. 

Es fällt zunächst sehr auf, dass der Limulus Decheni, 
der doch wie alle andern Arten seiner Gattung ein ganz ent- 
schiedener Meeresbewohner gewesen sein wird, im Braun- 
kohlensandstein, also einer Süsswasserbildung lagert. Da auf 
jenem Gebiete triasische Schichten das herrschende Grund- 
gebirge constituiren: so könnte man eine irrige Deutung 
des Alters der Lagerstätte vermuthen und an eine Verwechs- 


65 


lung mit buntem Sandstein denken. Mir sind die Einzeln- 
heiten der dortigen Lagerungsverhältnisse nicht aus eigener 
Anschauung bekannt, um ein Urtheil über das Alter dieses 
Sandsteins zu begründen, Hr. Zinken dagegen hat sich 
so eingehend und lange mit den geognostischen Verhält- 
nissen unserer Braunkohlenformation beschäftigt, dass wir 
Seiner a. a. OÖ. gegebenen Darstellung und Deutung dieses 
Sandsteins Glauben beizumessen keinen Anstand nehmen 
dürfen. Der Sandstein führt überdies Dicotylenblätter, 
welche dem bunten Sandsteine entschieden fremd sind. 
Unsere Limulusarten leben sämmtlich an seichten Küsten- 
stellen mit sandigem Boden, verlassen auch bisweilen das 
seichte Wasser und kriechen auf dem feuchten Strande eine 
kurze Strecke vorwärts sehr langsam und unbeholfen. Wir 
dürfen also nicht annehmen, dass der Dechensche Limulus 
aus. einem ferner gelegenen Tertiärmeere in das Braunkoh- 
lenbecken von Teuchern gekrochen sei, und wo sollte ein 
solches Meer gewesen sein. Lassen wir also das Vorkom- 
men dieses Meeresbewohners in einem Süsswassergebilde 
unerklärt in der Hoffnung, dass fortgesetzte Beobachtungen 
an Ort und Stelle neue unzweideutige Aufschlüsse bringen 
werden. 

Das Exemplar liegt in einem sehr festen und feinkör- 
nigen Sandsteine, dessen rundliche und eckige Körnchen 
kaum Bindemittel zwischen sich erkennen lassen, und ist 
in Ab- und Gegendruck vorhanden. Es ist im aufgelösten 
Zustande zur Ablagerung gekommen, nur mit dem Schilde 
des Cephalothorax und des Hinterleibes, beide noch normal 
hinter einander liegend, aber um 6°‘ par. von einander ab- 
gerückt, was im Leben des Thieres nicht der Fall gewesen 
sein kann. Von der Schalensubstanz selbst ist keine Spur 
erhalten worden. Die beweglichen Randstacheln des Abdo- 
minalschildes fehlen sämmtlich, "ebenso. der beweglich ein- 
gelenkte Schwanzstachel‘ und wie aus. der stellenweisen 
Bloslegung der Unterseite ersichtlich ist, auch die. Glied- 
massen. Die Beschreibung muss sich also auf die; ober- 
flächlichsten Verhältnisse der beiden Schilder beschränken, 
welche aber hinlänglichen Anhalt. gewähren, um die Selb- 
ständigkeit der Art darzuthun, 

XXL 1863. 5 


66 


Das parabolische Schild des Cephalothorax ist hoch- ' 
gewölbt und steigt wie bei allen Arten von dem Stirnrande 
steiler als von den Seitenrändern zur Scheitel- oder Rücken- 
fläche auf. Der Mittelkiel liegt in senkrechter Linie 2 2 
über dem Seitenrande. Die Länge beträgt in gerader Mit- 
tellinie vom Stirn- bis zum Hinterrande 4 2“, die grösste 
Breite etwas hinter der Mitte 7“ 4“, zwischen den äusser- 
sten Hinterecken nur 6°. Unter den bekannten vorwelt- 
lichen Arten liegen bei keiner einzigen die Seitenränder ge- 
gen die Hinterecken so stark gegen einander geneigt, unter 
den lebenden nur bei dem jungen Limulus polyphemus. Der 
Umfang gleicht bis auf den etwas gedrückten Stirnrand 
ziemlich einem Halbkreise, dem die ausgezogenen Hinter- 
ecken angesetzt sind. Der Rand ist ringsum eine Linie 
breit horizontal scharf abgesetzt. Die Beschaffenheit des 
umgeschlagenen Randes aber lässt sich nicht erkennen. 

Auf der Oberseite zunächst über dem Stirnrande be- 
ginnt der mittlere Kiel mit einem breiten stumpfen Höcker, 
welcher die beiden einfachen Augen trägt. Dieser Kiel 
läuft niedrig und breit gerundet ohne Höcker und Stachelen 
bis nahe zum Hinterrande, verflacht sich unmittelbar vor 
demselben gänzlich, aber tritt auf dem Rande selbst wieder 
mit einem schwachen Höcker hervor. Die beiden Rinnen, 
welche in der hintern Hälfte diesen Kiel ziemlich parallel 
begleiten, lassen nichts von den lebenden Arten abweichen- 
des erkennen. Dagegen heben sich die: Seitenränder dieser 
breiten Scheitelfläche als starke abgerundete Leisten: heraus, 
enden jedoch vor dem einspringenden Winkel des Hinter- 
randes ohne Höcker wie bei dem lebenden Limulus rotun- 
dicus da. Zehn Linien vor dieser Endigung liegt das sechs 
Linien lange zusammengesetzte Auge jederseits. Von.dem- 
selben ist aber nur der äussere Umriss markirt, da das 
Sandsteinmaterial einen feinern Abdruck nicht; gestattete.; 
Der gerade Mitteltheil ‘des Hinterrandes: misst»3° 4, dann 
läuft der Rand’ unter 120° abbiegend geradlinig zur Hinter- 
ecke, stark aufgeworfen.. Bei allen lebenden und fossilen 
Arten erscheint dieser Rand mehr: oder! minder. geschwun# 
gen, bei keiner einzigen so 'starkkaniig erhöht. Ebenso ist 
bei allen lebenden Arten neben dem obern Winkel: dieses: 


67 


Randes ein markirter Eindruck, der nur bis zu einem Drit- 
tel; meist weniger die Länge des Rändes begleitet, bei un- 
serer Art dagegen sehr breit ist und bis zur Hinterecke 
fortsetzt. Die Hinterecke bildet, den äussern gebogenen 
Rand gerade gedacht, einen Winkel von etwa 60 Grad. 

Das Hinterleibsschild hat eine ungleichseitig hexago- 
nale Gestalt mit abgerundeten Seitenecken, in der Mittelli- 
nie 2° 10° lang, in der grössten Breite 4 6°, am geraden 
Vorderrande 3‘ 4‘ dem Hinterrande des Cephalothorax 
entsprechend. Die Seitenränder sind schwach bogig und 
der Hinterrand für die Einlenkung des Schwanzstachels tief 
ausgebuchtet. In seiner Wölbung gleicht dieses Schild 
ganz dem des lebenden Limulus longispina, aber die Mit- 
tellinie hebt sich der ganzen Länge nach als abgerundeter 
Kiel: stark hervor und zeigt nirgends Höcker oder Stächeln. 
Bei. EL: polyphemus ist dieser Kielin der Jugend sehr scharf 
und mit drei Stacheln bewehrt, bei L, rotundicauda fehlen 
die Stacheln, aber der Kiei ist sehr flach, kaum kantig her- 
vortretend: Die diesen Kiel begleitenden Kerben- oder 
Grübchenreihen verhalten sich ganz wie-bei den zur Ver- 
gleichung vorliegenden lebenden Arten, in jeder Reihe sechs 
längliche Einstiche und die Reihen nach hinten etwas con- 
vergirend. ; 

An den hintern Seitenrändern finden sich sechs all- 
mählig an Breite und Grösse zunehmende glatte Stacheln, 
welche horizontal abstehen. Zwar sehr unvollständig er- 
halten, erkennt:man doch noch, dass sie mit denen von 
L. polyphemus die meiste Aehnlichkeit haben. Von den 
zwischen ihnen eingelenkten beweglichen Stacheln ist leider 
nirgends eine! Spur ‘erhalten, nur vermuthen lässt sich, dass 
auch sie denen der eben genannten lebenden Art gleichen, 
nämlich sehr schmal und schlank, waren. | j 

. Nach. dieser Beschreibung weicht also der' L.>Decheni 
von. allen: lebenden: Arten - sicher und auffällig ab. Nach 
den! Formverhältnissen des Hinterleibsschildes müssen wir. 
den an den Hhordärnerikaniscken Küsten lebenden L. poly- 
phemus für seinen. nächsten Verwandten halten, ‘von’ wel- 
chem er sich aber alsogleich durch den Mangel der Sta- 
chelhöcker auf dem Rückenkiel unterscheidet, Die vorwelt- 


5* 


68 


lichen Arten befinden sich leider in einem andern Erhal- 
tungszustande, welcher nur eine Vergleichung der allge- 
meinsten Formverhältnisse beider Schilder gestattet und 
nach diesen würde L. Walchi Desm. aus dem lithographi- 
schen Schiefer in nähere Beziehung zu dem unsrigen zu 
stellen sein. An den Arten des lithographischen Schiefers 
_ sind meist die Randstacheln vollständig erhalten und sie 
bieten daher einen Anhalt zur gemeinsamen Gruppirung mit 
den lebenden, indem man sie in solche theilen kann, bei 
welchen die Spitzen der Randstacheln in die Fortsetzung 
des Cephalothoraxrandes fallen (Z. moluccanus, brevicauda, 
ornatus), in solche bei denen die Spitzen über jene Rand- 
fortsetzung hinausragen (L. longisspina, Walchi), und end- 
lich in solche, wo die Spitzen der Randstacheln jene fort- 
gesetzte Randlinie gar nicht erreichen (L. rotundicauda, 
Polyphemus und intermedius). Zu letztern würden wir un- 
sere Art bringen müssen und zwar zwischen L. rotundicauda 
und Poiyphemus, da L. intermedius durch die Form der 
Endspitzen seines Abdominalschildes wieder mehr unter- 
unterschieden ist. 


Unsere Abbildung Taf. I. den Cephalothorax im hohlen Abdruck, das 
Abdominalschild im convexen Abdruck der Oberseite dar. 


Mittheilungen 


aus dem chemischen Universitätslaboratorium zu Halle. 


Analyse einer Hornblende aus Brackendorf. in Ungarn, 
und eine Scheidungsmeihode der Magnesia vom Natron. 


In einem Handstück’ von der strahligen Hornblende Aus 
Brackendorf: in der’ Sammlung des’ Herrm Prof: Dr. Heintz be- 
findet; sich) ‚eine gangartige, etwa, !/, Zoll/starke Schicht,’ die sich 
durch ihre dunkelgrüne, fast schwarze Farbe, und ‚durch: ihre, 
blättrig Krystallinische Structur ganz deutlich. von der grünen 
Hauptmasse des Gesteins rtrengdbratiken lässt. 

Diese letztere war von Herrn lan >” analysirt worden, 


1). Diese Zeitschrift Bd." XIX. S. 152. ° 


69 


der darin merkliche Mengen Alkali fand. Es war von Interesse, 
zu untersuchen, in wie weit die den Gang ausfüllende dunklere, 
krystallinischere Substanz in ihrer Zusammensetzung von jener 
Hauptmasse abweicht. Zu diesem Zwecke wurden von dieser 
dunkleren Masse einige Stückchen sorgfältig ausgewählt und im 
fein gepulverten Zustande der Analyse unterworfen. 

Die qualitative Untersuchung ergab die Zusammensetzung 
dieses Minerals aus Eisenoxydul, Manganoxydul, Thonerde, Kalk, 
Masgnesia, Spuren von Kali, Natron und Kieselsäure. 

Bei der quantitativen Bestimmung habe ich im Allgemei- 
nen denselben Gang befolgt, den Herr Lüthe bereits angeführt 
hat, deshalb will ich uur da, wo derselbe von jenem abweicht, 
desselben ausführlicher Erwähnung thun. Meine Arbeit zerfällt 
ebenfalls in zwei Theile. Bei der ersten Untersuchung wurde 
das Mineral durch Schmelzen mit wasserfreiem kohlensauren 
Natron aufgeschlossen, dieser diente zur Bestimmung der Kiesel- 
säure, des Eisens, Mangans, der Thonerde, des Kalks und der 
Magnesia. In der zweiten, wo die Aufschliessung der Substanz 
durch Flussäure bewirkt wurde, wurden sämmtliche Basen, Kali 
und Natron mit eingeschlossen bestimmt. 


I. Von der zuerst im Luftbade bei 100° C. getrockneten 
Substanz wurden 0,8165 Grm. angewendet, die durch starkes 
Glühen 0,0135 Grm. an Gewicht verloren oder 1,65 Procent. 
Die wasserfreie Substanz wurde mit kohlensaurem Natron zu- 
sammengeschmolzen und ganz nach der von Herrn Lüthe ange- 
gebenen Methode weiter behandelt. Auf diese Weise wurden 
0,369 Grm. Kieselsäure erhalten, die 45,19 Procent entspre- 
chen. — Die Kieselsäure war vollständig rein, denn eine Probe 
derselben löste sich in einer concentrirten Lösung von reinem 
kohlensauren Natron, die in einer Platinschale zum Kochen er- 
hitzt war, vollständig klar auf. — In der von der Kieselsäure 
abfiltrirten Flüssigkeit wurden Eisen, Mangan und Thonerde 
ebenfalls nach der Methode von H. Rose?) durch Ammoniak und 
Erwärmen der Mischung, bis der Ammongeruch verschwunden 
war, abgeschieden. Der Niederschlag wurde in verdünnter Salz- 
säure gelöst, auf ein geringeres Volumen eiugedampft, in einer 
Platinschale mit einer concentrirten Lösung von kohlensaurem 
Natron nahezu neutralisirt, bis zum Kochen erhitzt und mit rei- 
nem Kalihydrat im Ueberschuss versetzt, um den entstandenen 
Thhonerde - Niederschlag wieder aufzulösen; während Eisenoxyd- 
hydrat verbunden mit kleinen Mengen Mangans ausgeschieden 
bleibt. Der Niederschlag wurde wieder in heisser Salzsäure und 
heissem Wasser gelöst, nochmals mit kohlensaurem Natron na- 
hezu neutralisirt und mit Kalilauge gekocht. Dies Filtrat wurde 


2) Poggendorf’s Annalen Bd. 110. $S. 292. 


70 


dem ersten beigefügt, weil es noch Thonerde enthielt, die sich 
nicht durch einmaliges Kochen mit Kalihydrat vollständig vom 
Eisen trennen lässt. Diese Flüssigkeit wurde mit Salzsäure 
sauer gemacht, mit chlorsaurem Kali gekocht und dann die Thon- 
erde durch Ammoniak gefällt. Die im Gasgebläse geglühte Thon- 
erde wog 0,0458 Grm., die 5,61 Procent entsprechen. — Der 
Niederschlag, bestehend aus Eisen und Spuren von Mangan 
wurde wieder gelöst und die Lösung vorsichtig mit Ammoniak 
neutralisirt. Nachdem sich der Niederschlag abgesetzt hat, muss 
die überstehende Flüssigkeit noch etwas gelblich erscheinen, denn 
es kommt darauf an, dass der grössere Theil des Eisens gefällt 
ist, ein kleinerer suspendirt bleibt, damit die vollständige Fällung 
des Eisens als bernsteinsaures Eisenoxyd gelingt. Nachdem 
dies erreicht war, wurde durch bernsteinsaures Natron gefällt 
und das entstandene bernsteinsaure Eisenoxyd durch starkes 
Glühen in Eisenoxyd übergeführt und gewogen. 0,235 Grm. 
Eisenoxyd entsprechen 0,2115 Grm. Eisenoxydul und diese 
25,90 Procent. — Die Flüssigkeit wurde mit kohlensaurem 
Natron gekocht, um die Ammoniaksalze zu zerstören und damit 
so lange fortgefahren „ bis nach erneuertem Zusatz von kohlen- 
saurem Natron die heisse Flüssigzeit keinen Ammoniakgeruch 
mehr erkennen liess. Der entstandene Niederschlag enthielt koh- 
lensaures Manganoxydul, das beim Glühen in Manganoxydoxy- 
dul übergeht. 0,0073 Grm. Manganoxydoxydul entsprechen 
0,0068 Grm. Manganoxydul und diese 0,53 Procent. — Im 
ersten Filtrat nach Abscheidung des Eisens, Mangans und der 
Thonerde durch Ammoniak wurden Kalk und Magnesia bestimmt. 
Der Kalk wurde aus derselben durch saures oxalsaures Kali als 
oxalsaurer Kalk gefällt und durch Glühen im Gasgebläse in 
Aetzkalk übergeführt. Gefunden wurden 0,1085 Grm., die 
12,96 Procent entsprechen. — Das Filtrat wurde mit Ammo- 
niak im Ueberschuss und mit einigen Tropfen Chlorammonium 
versetzt. Da durch Ammoniak eine Trübung entstanden war, so 
tröpfelte ich solange Chlorammonium hinzu, bis dieselbe ver- 
schwand und fällte die Magnesia durch phosphorsaures Natron 
als phosphorsaure Ammoniak - Magnesia. Gefunden wurden 
0,1325 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, die 0,0476 Grm. rei- 
ner Magnesia entsprechen und diese geben 5,83 Procent. 
Das Resultat der Analyse ist also: 


0,0135 Grm. HO 1,65 
0,3690  - Si O2 45,19 
0,0485 - Al2O3 5,61 
Darlo 0 FeO 25,90 
0,0068 - MnO© 0,83 
0,1058 - CaO 12,96 
0,0476 - MgO 5,83 


0,8000 Grm. 97,97 


71 


Es fehlen 0,0165 Grm., die 2,0% Procent entsprechen. 
Dieser Verlust ist wahrscheinlich durch das vorhandene Alkali 
bedingt, das in der zweiten Analyse bestimmt werden soll. 


II. Eine neue Probe der ursprünglichen Substanz wurde 
mit Flusssäure aufgeschlossen, die zu diesem Zwecke aus Fluss- 
spath und Schwefelsäure frisch dargestellt war. Die voraufge- 
gangene Wasserbestimmung ergab bei Anwendung von 1,503 Grm. 
bei 100° C. trockner Substanz einen Gewichtsverlust von 
0,026 Grm., die 1,73 Procent entsprechen. — Auch hier habe 
ich dasselbe Verfahren wie Herr Lüthe befolgt. In der Lösung, 
welche die Basen als schwefelsaure Substanzen enthielt, schied 
ich durch Ammoniak zunächst wieder Eisen, Mangan und Thon- 
erde ab. Die beschränkte Zeit gestattete mir nicht, diesen Nie- 
derschlag in seine einzelnen Theile zu zerlegen, das Gesammtge- 
wicht desselben war nach dem Glühen 0,535 Grm. Eisen ist 
darın als Eisenoxyd, Mangan als Manganoxydoxydul gewogen, 
muss aber als Eisenoxydul und Manganoxydul berechnet werden; 
dies ist unmöglich. Die Kenntniss des Gesammtgewichts kann 
nur insofern zur Kontrolle der ersten Analyse dienen, als ich 
darin das Gewicht kenne ir 


des Eisenoxyds — 0,2350 Grm. 
des Manganoxydoxyduls —= 0,0073 - 
und der Thonerde — 0,0458 - 


Gesammmtgewicht — 0,2881 Grm., 


die für die zweite Analyse ein Gewicht von 0,530 Grm. for- 
dern; es sind also 0,005 Grm. zu viel gefunden, die etwa 
0,2 Procent entnprechen. — Der Kalk wurde diesmal durch 
reine Oxalsäure gefällt; gefunden wurden 0,196 Grm. Kalk oder 
13,04 Procent. — In der vom oxalsauren Kalk abfiltrirten Flüs- 
sigkeit waren schliesslich noch Magnesia, Kali und Natron zu 
bestimmen. — Da die vorhandenen Methoden zur Trennung der 
Magnesia von den Alkalien stets mit Schwierigkeiten und Feh- 
lerquellen verknüpft sind, so habe ich auf Herrn Prof. Heintz 
Rath einige Versuche gemacht, um eine möglichst einfache Tren- 
nungsmethode aufzufinden. Wenn auch das Resultat derselben 
nicht ganz das Erwünschte ist, so will ich dieselben dennoch 
mittheilen, da ich sie bei vorliegender Arbeit zur Trennung der 
Magnesia von Kali und Natron benutzt habe. Diesen Versuchen 
lag der Gedanke zu Grunde, diese Basen, nachdem sie an Schwe- 
felsäure gebunden, durch blosses Glühen im Gasgebläse, unter 
Zusatz von trocknem kohlensauren Ammoniak zu trennen, d. h. 
die schwefelsaure Magnesia sollte dadurch zersetzt und in un- 
lösliche reine Magnesia übergeführt werden, während die Alka- 
lien an Schwefelsäure gebunden bleiben sollten, welche denn 
durch ihre Löslichkeit in Wasser leicht von der Magnesia zu 


72 


trennen waren. Es entstand zunächst die Frage, ob schwefel- 
saure Magnesia in der Hitze des Gasgebläses die Schwefelsäure 
vollständig verliert. Ich befreite dieselbe deshalb von ihrem 
Wassergehalte und wandte von dieser trocknen Substanz 0,546 Grm. 
an. Diese Menge wurde nun in einem Platintiegel im Gasge- 
bläse längere Zeit unter Zusatz von kohlensaurem Ammoniak 
geglüht und zwar so, dass ich den Tiegel jedesmal erkalten liess, 
bevor ich neue Portionen von kohlensaurem Ammoniak hinzu- 
fügte. Diese Glühungen setzte ich fort, bis ich ein constantes 
Gewicht erzielt hatte. Die Substanz hatte verloren 0,364 Grm., 
ihre Lösung zeigte bei Zusatz von Chlorbaryum weder durch 
Erwärmen, noch nach längerem Stehen eine Trübung. _Schwe- 
felsaure Magnesia lässt sich also durch einfaches Glühen im Gas- 
gebläse unter stetem Zusatz von kohlensaurem Ammoniak voll- 
ständig zersetzen und in reine Magnesia überführen. — Es fragt 
sich zweitens, ob schwefelsaures Natron, wenn es in ganz der- 
selben Weise behandelt wird, seine Schwefelsäure behält. Ich 
befreite schwefelsaures Natron zunächst durch Glühen in der 
Gasflamme des Bunsenschen Brenners von seinem Krystallwasser 
und verwandte von diesem wasserfreien Salze 0,5225 Grm. Ich 
glühte den Tiegel nun unter Zusatz von kohlensaurem Ammo- 
niak im Gasgebläse, wog stets erst nach mehrmaligem Glühen 
und beobachtete einen Verlust von 0,0065 Grm. Es war also, 
obgleich der Tiegel während des Glühens stets sorgfältig ver- 
schlossen gehalten wurde, etwas von der Substanz verflüchtigt 
worden. 

Es entstand nun die Frage, ob beide Bestandtheile des 
Salzes oder nur die Schwefelsäure verflüchtigt worden sei. Um 
das zu ermitteln, löste ich einen Theil der Substanz und prüfte 
seine Reaktion. Die Lösung reagirte alkalisch, es war also 
Schwefelsäure entwichen. Um zu erfahren, ob nicht auch Na- 
tron mit verflüchtigt sei, fügte ich zu der Lösung einen Tropfen 
reiner Schwefelsäure und glühte, nachdem das gelöste Salz bis 
zur Trockne abgedampft war, wieder unter Zusatz von. kohlen- 
saurem Ammoniak in der Flamme mit doppeltem Luftzuge. Die 
Wägung ergab das ursprüngliche Gewicht, vermindert um 
0.0005 Grm., ein Verlust, der leicht durch die Prüfung auf al- 
kalische Reaktion entstanden sein kann. Schwefelsaures Natron 
verliert also in der Glühhitze des Gasgebläses unter Zusatz von 
kohlensaurem Ammoniak einen geringen Theil seiner Schwefel- 
säure, die sich indess wieder ersetzen lässt. — Bei der Analyse 
eines Doppelsalzes brachte ich diese Methode zur Trennung der 
Magnesia vom Natron zur Anwendung und erhielt sehr befrie- 
digende Resultate. Ich übergoss nämlich einfach die so lange mit 
kohlensaurem Ammoniak geglühte Masse, bis sie nur noch sehr 
unbedeutend an Gewicht verlor, mit Wasser, schwefelsaures Na- 
tron löste sich auf, während Magnesia ungelöst zurückblieb. — 


73 


Bei mehreren Versuchen, die ich mit schwefelsaurem Kali 
in’ganz derselben Weise anstellte, erzielte ich weniger befriedi- 
gende Resultate! Es schien mit der Schwefelsäure sich auch 
freies Kali zu verflüchtisen. Nur bei ganz geringen Mengen 
waren die Resultate annähernd genau. — Bei dem ersten Ver- 
suche verloren 0,945 Grm. durch mehrfaches Glühen mit koh- 
lensaurem Ammoniak im Gasgebläse 0,023 Grm. Die Lösung 
des geglühten Salzes reagirte alkalisch. Nach Zusatz von Schwe- 
felsäure dampfte ich zur Trockne ab und glühte wieder in der 
Flamme des Bunsenschen Brenners unter Zusatz von kohlen- 
saurem Ammoniak. Ich erhielt 0,933 Grm., es waren also von 
den verloren gegangenen 0,023 Grm. nur 0,011 Grm. ersetzt, 
folglich ein Verlust von 0,012 Grm. entstanden. Da ich nun 
wusste, dass das Salz theilweise zersetzt wurde und nach 
dem Glühen alkalisch reagirte, so prüfte ich bei den weiteren 
Versuchen seine Reaktion nicht, um Verlust zu vermeiden. 
Angewandt wurden von wasserfreiem schwefelsauren Kali 
0,5415 Grm. Nach dem Glühen im Gasgebläse ergab die Wä- 
gung 0,528 Grm., nach Zusatz von Schwefelsäure 0,534 Grm., 
es waren also 0,0075 Grm. verloren gegangen. Bei einem an- 
dern Versuche wandte icb nur 0,161 Grm. schwefelsaures Kali 
an. Diese verloren beim Glühen im Gasgebläse 0,006 Grm.; 
nach Zusatz von Schwefelsäure erhielt ich das ursprüngliche 
Gewicht vermindert um 0,002 Grm., also 0,159 Grm. wieder. — 
Ein anderer Uebelstand dieser Methode ist der, dass wenn die 
Menge der bei den Alkalien bleibenden Magnesia bedeutend ist, 
das Glühen zur vollständigen Zersetzung ihres schwefelsauren 
Salzes ausserordentlich oft wiederholt werden muss. Ausserdem 
zieht die geschmolzene Masse, indem sie sich beim Erkalten stark 
zusammenzieht, häufig das Platin des Tiegels mit sich, in Folge 
dessen seine innere Höhlung buckelförmige Erhöhungen zeigt. — 
Bequem kann also nach dieser Methode nur Natron von der 
Magnesia getrennt werden und zwar dann am Besten, wenn von 
letzterer nicht zu viel vorhanden ist. 

Da nun in der zu analysirenden Hornblende nur Spuren 
von Kali vorhanden waren und die Menge der Magnesia auch 
nicht bedeutend, so habe ich diese Methode zur Trennung der 
Magnesia von den Alkalien benutzt. Um diese Basen in schwe- 
felsaure Salze zu verwandeln, dampfte ich bis zur Trockne ab, 
verflüchtigte durch Glühen die Ammoniaksalze, löste in Wasser 
und fügte zu dieser Lösung reine Schwefelsäure. Diese Lösung 
wurde nun bis zur Trockne abgedampft und der Rückstand un- 
ter Zusatz von trocknem kohlensaurem Ammoniak in der bei den 
Versuchen angegebenen Weise geglüht. Um das schwefelsaure 
Alkali ohne Verlust in Lösung zu bekommen, übergoss ich die 
geglühte Masse mit möglichst wenig Wasser und filtrirte. Das 
Filtrat nebst Waschwasser dampfte ich auf ein geringes Volu- 


74 


men ein und goss diese Flüssigkeit durch ein zweites Filter, um 
die darin möglicherweise abgeschiedene Magnesia auf dem Filter 
zu behalten und mit der zuerst erhaltenen gleichzeitig zu bestim- 
men, und zwar so, dass das Filtrat direct im Platintiegel aufge- 
fangen wurde, Beide Portionen Magnesia wogen 0,0863 Grm., 
die 5,74 Procent entsprechen. — Zu dem Filtrat fügte ich ei- 
nen Tropfen Schwefelsäure, um die von dem schwefelsauren Al- 
kali etwa fortgegangene Schwefelsäure wieder zu ersetzen und 
dampfte bis zur Trockne ab; der geglühte Rückstand wog 
0,0977 Grm. Da in demselben Spuren von Kali vorhanden wa- 
ren, so sollten diese nach Angabe von H. Rose durch Platin- 
chlorid als Kaliumplatinchlorid gefällt und darin das Platin be- 
stimmt werden. Die Substanz wurde deshalb in möglichst we- 
nig Wasser gelöst und zu dieser Lösung eine Auflösung von 
Platinchlorid und Alkohol im Ueberschuss hinzugefügt. Der ent- 
standene Niederschlag, welcher etwas schwefelsaures Natron zu 
enthalten schien, wurde mit Alkohol ausgewaschen, getrocknet und 
nun mit Vorsicht, weil sonst leicht mit den Dämpfen dss Chlors 
etwas unzersetztes Salz und selbst etwas metallisches Platin ent- 
weichen können, geglüht. Ich legte den Niederschlag in’s Fil- 
trum eingewickelt in den Platintiegel und erhitzte denselben mit 
ganz aufgelegtem Deckel so lange, bis das Filter sich langsam 
verkohlt und das Salz sich zersetzt hatte. Hierauf verbrannte ich 
bei stärkerer Hitze unter Zutritt.der Luft die Kohle des Filters 
zu Asche und übergoss nach dem Erkalten den Rückstand mit 
saurem Wasser, um das Chlorkalium aufzulösen. Das gewa- 
schene metallische Platin wog 0,0027 Grm.; diese entsprechen 
0,00129 Grm. Kali oder 0,09 Procent. Aus der Summe der 
schwefelsauren Alkalien und dieser Quantität Kali berechnet sich 
die Menge des Natrons zu 0,0417 Grm., die 2,77 Procent geben. 


Die Resultate beider Analysen sind folgende: 


I. ul, 
Mit CO? NaO Mit FIH aufgeschlossen. 
SiO? 45,19 — 
A203 5,61 Ba 
FeO 25.90 — 
MnO 0,33 —_ 
CaO 12,96 13,04 
MgO 5,83 5,74 
KO = 0,09 
NaO ae 2,77 
HO 1,65 1,73 


und aus beiden Analysen das Mittel: 


75 


Sauerstoffgehalt 
Si O2 45,19 23,47 
A1203 5,61 350, 27,06 
FeO 2590 5,75 
MnO 0,83 0,18 
CaO 13,00 u: 
MsO 5,78 2,3119 
KO 0,09 0,02 14,18 
Na0 "re 2,77 0,71) 
HO 1,69 1,50 


100,86 
Der Sauerstoff der Basen verhält sich zu dem der Säuren: 
12,68 :27,06—=1:: 2,13 
und bei Hinzuziehung des Wassers: 
14,18 :27,06—1:1,91. / 
Zur Bestätigung meiner Analysen dienen die von Herrn 
Schroecker mit demselben Material in dem hiesigen Laboratorium 
ausgeführten, bei denen ähnliche Methoden zur Anwendung ka- 
men. In einer derselben fehlt die Bestimmung der Alkalien und 
in beiden die des Mangans. 


Die Resultate derselben sind folgende: 


E. II. Mittel: 

SiO2 45,37 BL 45,37 
A1203 5,81 6,06 5,94 
FeO 27,02 26,41 26,76 
CeO 12,42 11,95 12,19 
Mg0 6,15 6,37 6,21 
HO 1,42 1,41 1,41 
97,88 


Aus diesen Analysen ergiebt sich dieselbe Formel, welche 
auch die Grundmasse des analysirten Handstücks besitzt, wie 
aus der im Eingange erwähnten Analyse derselben von Herrn 
Lüthe hervorgeht, nämlich SO?--RO. 

Dessen ungeachtet weichen die Resultate der letzteren von 
denen der von Herrn Schroecker und mir ausgeführten Analysen 
wesentlich ab. Herr Lüthe fand im Mittel; 


Si 0? 48,80 
A120? 3,18 
FeO 19,73 
MnO 0,10 
CaO 18,96 
MsO 3,22 
NaO 5,41 
HO 1,15 


76 


Man ersieht hieraus, dass die dem Ansehen nach verschie- 
denen Hornblenden desselben Stücks wirklich ‘verschiedene Zu- 
sammensetzung besitzen. Während das Sauerstoffverhältniss der 
Basen und Säuren in beiden gleich ist, enthält die krystallinische, 
dunklere, den Gang bildende Hornblende viel mehr Eisenoxydul, 
Thonerde und Magnesia, dagegen bedeutend weniger Kalkerde 
und Alkalien, als die Hauptmasse des Handstücks. 


'L. Richter. 


Mittheilungen aus dem Laboratorium des Dr, Siewert, 


1. Untersuchung einer hydropischen Flüssigkeit. 

Von Herrn Prof. Dr. Olshausen wurde mir eine bei der 
zweiten Punktion aus dem Hydrovarium einer Frau abgelassene 
Flüssigkeit zur Untersuchung übergeben. Die erste Punction hatte 
im Februar 1862 stattgefunden, die zweite erfolgte am 7. Dee. 
desselben Jahres, und lieferte 5!/, Quart Flüssigkeit von 1,033 
spec. Gew. Dieselbe war ziemlich zähflüssig und setzte nach 
einigen Stunden eine geringe Menge eines weissen, flockigen Bo- 
densatzes ab, welcher sich nach Befreiung von der durchtränken- 
den Flüssigkeit durch Filtration und darauf folgendes Auswaschen 
weder in Essigsäure noch in Kalihydrat in irgend bedeutender 
Weise löslich zeigte, also entweder als Cysten-Membranen oder als 
coagulirtes Fibrin betrachtet werden musste. Nachdem dieser 
feste Bestandtheil zuerst mit Wasser, dann mit verdünnter Essig- 
säure ausgewaschen war, bis Kaliumeiseneyanür nur eine ganz 
geringe Reaction auf Eiweiss gab, wurde nach dem Trocknen 
bei 120°C. dessen Gewicht bestimmt. Dasselbe betrug 1,5 Grm. 
also 0,018 Proc. der ganzen Flüssigkeitsmasse. 

Die von den weissen Flocken befreite gelblich gefärbte 
Flüssigkeit, welche keine Spur von Blutkörperchen enthielt, zeigte 
deutlich alkalische Reaction und coagulirte beim Erhitzen zu ei- 
nem fast völlig festen Coagulum, wie es bei reinem Albumin der 
Fall ist. Nachdem die Flüssigkeit mit dem vierfachen Volum 
Wasser verdünnt war, erfolgte beim Erhitzen noch eine ziemlich 
beträchtliche Coagulation, so dass auf einen sehr hohen Albumin- 
gehalt der Flüssigkeit geschlossen werden konnte. 

Zur Bestimmung der festen organischen und unorganischen 
Bestandtheile wurde eine grössere Menge der Flüssigkeit, 1394,5 
Grm. im Wasserbade zur Trockne verdampft, und schliesslich 
bei 120°C. im Luftbade völlig vom Wasser befreit. Das Ge- 
wicht betrug 104,82 Grm. oder 7,517 Proc. Hierauf wurde 
mit absolutem Aether das etwa vorhandene Fett kalt extrahirt, 
und die Operation noch zweimal wiederholt; von den vereinigten 
ätherischen Flüssigkeiten der Aether zum grossen Theil’ abdestil- 
lirt und der Flüssigkeitsrest der freiwilligen Verdunstung über- 


77 


lassen, und die. gewonnene kleine und Fettmenge noch einige 
Zeit bei 100°C. erhalten. Das Gewicht betrug 0,219 Grm. oder 
0,016 Proc. 


Zur Bestimmung des vorhandenen Harnstofis wurden die 
mit Aether erschöpften Rückstände mehrmals mit Alkohol absol. 
in der Wärme extrahirt. ‚Da hiebei auch etwas Salze und eine 
braune leimartige Substanz ausgezogen worden war, wurde der 
im Wasserbade völlig zur Trockne gebrachte Auszug nochmals 
mit absolutem Alkohol aufgenommen, und der zurückbleibende 
Salzbestand zur weitern Untersuchung aufgehoben. Die alkoho- 
lische Harnstofflösung wurde zur Trockne gebracht und gewogen. 
Das Gewicht betrug 2,625 Grm. Da die Masse aber ziemlich 
stark mit Extractivstoff verunreinist war, wurde sie in Wasser 
gelöst und mit salpetersaurer Quecksilberoxydlösung titrirt; wobei 
sich ergab, dass in der gewogenen Menge nur 2,15 Grm. Harn- 
stoff, gleich 0,1542 Proc. Der Rest von 0,475 Grm. muss da- 
her als Extractivstoff gleich 0,034 Proc. in Rechnung gebracht 
werden. 


Der mit Aether und Alkohol extrahirte Eiweissrückstand 
wurde nun wiederholt mit heissem Wasser ausgezogen, um die 
ganze Menge der unorganischen Salze zu gewinnen. Zu der er- 
haltenen Flüssigkeit wurde die kleine oben erhaltene Menge hinzu 
gethan, auf ein bestimmtes Volum verdünnt, und in einzelnen 
aliquoten Theilen theils maass- theils gewichtsanalytisch die Menge 
unorganischer Bestandtheile bestimmt. 


Da Kali in der Flüssigkeit nicht nachgewiesen werden 
konnte, so muss die geringe Menge Phosphorsäure (es wurden 
gefunden 0,0875 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia) als an Na- 
tron gebunden angenommen werden. , Das gefundene Magnesia- 
phosphat entspricht 0,10304 Grm. wasserfreiem Natronphosphat, 
mithin 0,074 Proc. ., Die, Schwefelsäure wurde als schwefelsaurer 
Baryt bestimmt, und erhalten 0,12.Grm.-entsprechend 0,0731 Grm. 
oder 0,005 Proc. Na0.S03. Der Kochsalzgehalt wurde schliess- 
lich dureh titrirte Silberlösung ‚bestimmt ‚und erhalten 6,189 Grm, 
entaprechend 0,444 Proc, NaCl. wir 


er Zuckergehalt wurde in einer besondern Mense en 
hydropischen Flüssigkeit ermittelt, indem zuerst aus über schön, 
ger\Fehling’scher Lösung das Kupferoxyd zu Oxydul reducirt, 
und dann dessen Menge mit Chamäleonlösung bestimmt wurde. 
76 Grm. Flüssigkeib /önthielten’'0,02443 Grm! eos Pechend 0,032 
Proc, ; Zucker, ‚Somit ‘wurden ermittelte. pt: 


\s1lor  Fibrin: wisol (OLE ER SArEn 
lot arobunäkkmine ie) gu) 85 | 
jt9%| ilaPetwino: lol ib) 0,016 Ins ib: „sill,, 20) 
Js Extractivstoff : 0,034 5 


Harnstoff | molırıog 05164 lud orsulem 


[3 


Zucker 0,032 ©, 
Schwefelsaures Natron 0,005 hs 
Phosphorsaures Natron 0,074 a 


Kochsalz 0,444 ,„ 
Wasser 92,465 4 
100,000 


2. Ueber das Oxalium. 


Das im Handel käufliche zweifach oxalsaure Kali scheint 
häufig nicht nur mit dem vierfach sauren Salz ganz allein zu 
bestehen. Die Analysen, welche von den Herren stud. phil. 
Mayer und stud. pharm. Feige mit käuflichem Oxalium an- 
gestellt wurden, führten zu folgenden Resultaten. 

1.) 1,053 Grm. des Salzes wurden in schwefelsaures Salz 
umgewandelt und gaben 0,355 Grm. KO.SO3 entsprechend 0,1918 
Grm. oder 18,21 Proc. KO. 

2.) 0,964 Grm. gaben in derselben Weise behandelt 0,333 
Grm. KO.SO?, entsprechend 0,1800 Grm. oder 18,60 Proe. KO. 

3.) 0,798 Grm. gaben in derselben Weise 0,267 Grm. 
KO.SO3, entsprechend 0,1442 Grm. oder 18,07 Proc. KO. 

4.) 0,546 Grm. gaben 0,185. Grm. KO.SO®, entsprechend 
0,09994 Grm. oder 18,30 Proc. KO. 

5.) 0,702 Grm. wurden zur Oxalsäurebestimmung mit 
Chlorcaleium versetzt, mit Ammoniak alkalisch gemacht und ‚so- 
dann wieder mit Essigsäure angesäuert. Der gefällte oxalsaure 
Kalk sodann nach dem Auswaschen und Trocknen in kohlen- 
sauren Kalk übergeführt, und aus dem Gewicht desselben der 
Gehalt des Oxaliums und Oxalsäure berechnet. Es wurden er- 
halten 0,5423 Grm. Ca0.CO?, entsprechend 0,3904 Grm. oder 
55,62 Prod, C?0%. 

6.) 0,938 Grm. gaben in derselben Weise 0,7368 Grm. 
Ca0.CO?, entsprechend 0,5305 Grm. oder 56,55 Proc. 0203 | 


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3... Analyse. eines sul Kalisalzes.! 

Das reiche Stassfurter' Steinsalzlagerbietet’ in sehen‘ Sinzer) 
nen Teufen dem. Chemiker fortwährend Gelegenheit Schichten 
von besonderer Zusammensetzung zu analysiren:ı« Besonders wich- 
tig für die Industrie sind; die mehr oder weniger"kalihaltigen 
Salzschichten, deren Auffindung schon in der Nähe von Stassfurt 
mehrere Fabriken ins Leben; gerufen hat, welche ..das!in den Salz- 


79 


gemengen enthaltene Chlorkalium nach verschiedenen Methoden 
von den übrigen Salzen trennen, hauptsächlich deshalb, um das zum 
Schiesspulver in grossen Mengen verbrauchte salpetersaure Kali 
auf billigere Weise als bisher darzustellen. Ein solches für den 
Salpeterfabrikanten ausserordenlich brauchbares Salzgemisch wurde 
von dem Bergexpectanten Herrn Hörnecke analysirt und ge- 
funden im Mittel: ; 


HO — 6,92 Procent. 
K0.503 =. 3,54” ,„ 
KCl — 8010 ,„ 
NaCl —— 1545.00, 
MÜl —= 442 „ s 
Ca0.Ss0? — . (0,06 ,„, 
100,04 Procent. 


M. Siewerti. 


Hypoderas Nitzsch — Hypodectes Filippi. 

Im Jahrgange 1861 Bd. XVII, S. 438—444 theilte ich 
aus Chr. L. Nitzsch’s handschriftlichem Nachlasse die Cha- 
rakteristik von zwölf unter der Haut verschiedener Vögel leben- 
der Milbenarten mit, für welche Nitzsch den Gattungsnamen 
Hypoderas angenommen hatte. Ich vermuthete damals, dass diese 
Gattung mit Koch’s Dermaleichus identisch sein könnte, finde 
aber jetzt bei Einsicht in Koch’s Werk diese Vermuthung nicht 
bestätigt, Dermaleichus gehört einer ganz andern Familie an und 
Koch kannte keine Hypoderasart. 

Dagegen erhalte ich erst jetzt das erste Heft der neuen ita- 
lienischen Zeitschrift Archivio per la Zoologia l’Anatomia e la 
Fisiologia Giugno 1861, in welchem de Filippi p. 53— 60; 
tb. 5. eine neue Milbengattung Hypodectes auf eine Art von 
Ardea nycticorax begründet und zu derselben noch Arten von 
Ardea garzetta, von Alcedo und Strix flammea hinzufügt, in 
Allem fünf Arten. Dieser Hypodectes nun: ist identisch mit un- 
serem 'Eiypoderas und die abgebildete Art des Nachtreihers mit 
dem H,. lineatus. Die abermalige Prüfung unserer Spiritusexem- 
plare’ zur Vergleichung mit de Filippi’s Angaben’ zeigt aller-' 
dings’ Unterschiede, die jedoch nieht als artliche Differenzen auf- 
gefasst werden’ können. ‘So habe ich’ die Augenpunkte auf den 
Vorderhüften' durchaus nicht finden können und es wäre möglich; 
dass die 'dreissig Jahre lange Einwirkung des Spiritus dieselben 
beseitigt hat. Vorn auf den braunen Linien‘, ‘welche Nitzsch 
als! die Grenzlinien der Fussglieder deutet; sitzt rechts und links‘ 
ei brauner Bogen auf, dessen gegem einander gekehrte Schenkel 
zweispitzig' enden. Man’ erkennt dieselben‘schon unter einer star- 
ken Loupe deutlich, aber in den de Filippi’schen Abbildungen 
ist nichts davon angegeben, 


80 


De Filippi benennt die Arten nach ‘den Wohnthieren, 
wogegen sich Nitzsch mit Recht entschieden ausgesprochen hat, 
da von den Schmarotzern sowohl ein und dieselbe Art auf ver- 
verschiedenen Thieren vorkömmt, als auch ein und dasselbe Wohn- 
thier verschiedene Arten derselben Gattung nährt. Ardea nycti- 
corax beherbergt ausser H. lineatus noch H. brevis, ferner Co- 
lumba nicobarica den H. gonogrammicus und H. exilis. In un- 
serem Verzeichniss der nach den Wohnthieren geordneten Epizoen 
in dieser Zeitschrift Bd. XVIIL, S.-289—318 sind Beispiele an- 
derer Art zu finden. C. Giebel. 


Literatur 


Allgemeines. Oversigt over det Kongel. danske Vi- 
denskab.-Selskabs Forhandl. etc. i Aaret 1861. No. 1—6. Jan. 
bis Jun. Naturwissenschaftlicher Inhalt. — S.69—86. Prof. 
Steenstrup’s Mittheilung eines Ueberblicks über die in den Kopen- 
hagener Museen vorhandenen Dintenfische aus dem offnen Meere 
(1860—61). Darunter, 1..S. 70—72, über die Cranchia-Familie und 
„Gattung, 2. S. 72—76, Cranchia scabra Leach, 3. S. 76—77, Cr. Rein- 
hardtii (Stp.) 4. 77-80. Cr. megalops Prosch. 5. 8. 80-83. Lea- 
chia ellipsoptera (Adams und Low. Reeve.) 6. 8.83—85. Taonius 
hyperboreus (Stp.) S. 85—86. — 8. 87—93. Prof. Holten’s Mitthei- 
lung der Resultate seiner Untersuchungen über die Regenverhältnisse 
in:Nordamerika. — S. 100-134. Doc. Thomsen, über die allge- 
meinen Charactere der chemischen Processe und eine auf diese ge- 
gründete Affinitätslehre. — 8. 135—154. Prof. Reinhardt, Beiträge 
zur Kenntniss des grossen an den Quellen des weissen Nils entdeck- 
ten Watvogels, Balaeniceps Rex, und namentlich über seine Verwandt- 
schaften. — 8. 159 -162. Staatsingenieur Colding’s Mittheilung der 
durch’ eine Untersuchung’ der Wässerspiegelformen, welche sich in 
prismatischen und cylindrischen Wasserleitungen bilden, wenn, die 
Wasserleitung durch die ganze Länge. der. Leitung constant ist, ‚ge- 
wonnenen! »Resultate. — : 8. 163-164. |,Prof. Steenstrup zeigte, ei- 
nen ungewöhnlich grossen Kopf. vom Ursus Arctos L..,vor,: welcher, 
aus''einem 'Torfmoor auf Fünen ausgegraben worden! war, und theilte 
geolögisch -zoologische; Bemerküngen über ‚den; Fund mit.,-—.18.213 
—224..Vaupell, Beitrag zur Morphologie’ des Oedogonium. regulare, 
sibi.: Dazu eine Taf. „Prof. Kröyer, welcher. .sich in. ‚der; letzten 
Zeit'mit einer erneuerten Bearbeitung der grönländischen Amphipo- 
den nach: dem ihm zu, Gebote. stehenden Materiale beschäftigt hat, 
legte: alsı Probe dieser, Arbeit, ‚eine, monographische Behandlung der 
Gattungen Oedicerus und Ampelisca. vor. Die erste derselben: tritt 
mit bedeutendem Formreichthum in dem. nordischen ‚Meer auf; ‚der 


& 


237. beschreibt 10 grönländische Arten, welche ihm alle von den im 
skandinavischen Meere bisher gefundenen Arten verschieden zu sein 
scheinen. Unter der Gatt. Ampelisca, von welcher man bis jetzt nur 
2 grönländische Repräsentanten kannte, handelt der Verf. auch von 
den ihm bekannten dänischen Arten. In den detaillirten Beschrei- 
bungen wird beständig Rücksicht auf die Mundtheile in allen Ein- 
zelnheiten des Baues genommen, und lateinische Diagnosen, Ausmes- 
sungen und die nothwendigen Zeichnungen begleiten dieselben.“ — 
S. 225-229. Prof, Forchhammer, Verzeichniss der in den Samm- 
lungen‘ der Universität vorhandenen Meteoriten. Meteorologische Ta- 
bellen von Januar bis Juli 1861 inclus. Creplin. 


G. Ramann, die Erdbildung oder die Entstehung und 
Zusammensetzung der Erdrinde. Allgemein fassliche Darstel- 
lung der unorganischen Chemie in ihrer Beziehung zur Geologie so- 
wie der Mineralogie und Geognosie, 3. gänzlich umgearbeitete Aufl. 
Erfurt 1863. 8°. — Der allgemeine Titel scheint nur von den frü- 
hern viel enger begrenzten Auflagen auf diese herübergenommen zu 
sein und passt hier in sofern weniger, als die Mineralogie und Pe- 
trographie nunmehr den überwiegenden Theil des Buches ausmachen. 
Dasselbe ist in dieser Bearbeitung ein recht zweckmässig eingerich- 
teter Leitfaden, welcher in leicht fasslicher Darstellung so viel bie- 
tet als nur irgend der Schulunterricht bewältigen kann und wir wün- 
schen, dass er auch in dieser neuen Gestalt den verdienten Beifall ° 
der Lehrer und Lernenden finden möge. 


Astronomie und Meteorologie. A. Mühry, klima- 
tographische Uebersicht der Erde in einer Sammlung. authen- 
tischer Berichte mit hinzugefügten Anmerkungen zu wissenschattli- 
chem und zu praktischem Gebrauch. Mit einem Appendix und drei 
Kartenskizzen, Leipzig und Heidelberg 1862. 8°. — Verf. stellt die 
Witterungsberichte aller Länder in der Reihenfolge der Zonen von 
der heissen zur polaren und innerhalb dieser nach den natürlichen 
Gebieten aus den authentischen Berichten zusammen ‘und. webt all- 
gemeine Betrachtungen hie und da ein. Im Appendix behandelt er 
die nördliche Polarzone, die beiden Passate in Europa, die südliche 
Polarzone, ein neues Atmometer und ein System der; grossen Meeres- 
strömungen. Das Buch füllt eine sehr wesentliche und empfindliche 
Lücke in unsrer Literatur aus und wird jedem Manne von Fach, Je- 
dem,, der es ernstlich mit dem Studium der Naturwissenschaft über- 
haupt meint ein höchst willkommenes Nachschlagebuch sein. Die 
Quellen, aus welchen Verf. schöpfte sind überall angeführt und ge- 
wissenhaft benutzt. Die Angaben natürlich nur die mittlen Beobach- 
tungen und das Gesammtgebiet der Klimatologie betreffend. 

Simonmett, meteorologische Beobachtungen in Splügen 
4833‘ Meereshöhe, auf dem Bernhardiner Passe 6887‘ und Albertini 
auf dem Julier 7473‘ wäbrend 1860 und 1861. Sp., B. und J. bezeich- 
nen die Orte für die nachfolgenden Spalten, welche nur die Monats- 

XXL 1863, 6 


82 


mittel angeben, das Thermometer ist R, die Niederschläge sind all- 
gemein nach Anzahl der Tage angegeben: 


Temperatur. Niederschläge. 

Sp. B. J. Sp. ’IBIDWII 
Januar —6,10 —415 — 5,8 5 1 7 
Februar 0,58 —2,31 —10,7 11°%,10 7 
März —0,69 —3,43 — 74 "20: 12 4 
April 2,23 —0,90 — 2,6 14 5 ? 
Mai 5,92 2,38 2,8 155 12 7 
Juni 9,36 7,36 5,3 2177113 78116 
Juli 9,73 7,08 4,8 16-1012 schl 
August 11,74 9,33 5,8 6 Dil! 
September 7,67 4,97 4,7 13 9,5 
October 5,21 3,39 1,1 5 3 8 
November 0,36 —2,35 — 3,9 11 8 9 
December —3,88 —5,01 — 7,8 4 1 9 
Jahresmittel 3,41 1,362. 61 141 _91 104 


Die niedrigste Temperatur war in Splügen im Januar und December 
—17,8, auf dem Bernhardin im März —13, auf dem Julier —22,5, 
die höchste in derselben Reihenfolge der Orte im August 23, im Au- 
gust 17, im Juni 16%. — (Graubündener Jahresbericht VIl. 121—124.) 

Fr. Simony, Wärmeverhältnisse Wiens. — Nach den 
Beobachtungen auf der Sternwarte von 1775—1850 liegt die Mittel- 
temperatur zwischen Januar — 1,4 und Juli 16,70, doch kommen 
Jahre mit geringern Extremen vor. Das mittle Minimum ist —11° 
und das Maximum 27°. Am 14. Juli 1832 stand das Thermometer im 
Schatten auf 31° am 22. Januar 1850 sank es auf — 20,4% herab, das 
sind die beiden beobachteten äussersten Extreme. Die mittle Jahres- 
temperatur stellt sich auf 8,10, die von London auf 8,4, Brüssel 8,1, 
Paris 8,6, Mailand 9,7, Nizza 12,5, Gibraltar 14,3, Kopenhagen 6,4, 
Berlin 7,0, Petersburg 3,4, Konstantinopel 11,8, Ragusa 13,00. In Wien 
schwankt das Mittel um 1,5 höher und tiefer. — (Mittheilungen de 
geogr. Gesellsch. V. 37). Y 

Feuerkugel in Norddeutschland am 7. Januar 1863. 
— Dieselbe wurde laut Zeitungsnachrichten an den verschiedensten 
Orten (Stettin, Halle u. a.) beobachtet und berichtet ein Beobachter 
in der Magdeburger Zeitung darüber also: Mitwoch Abend, etwa 38 
Minuten vor 7 Uhr übergoss eine plötzliche Helle den östlichen Him- 
mel in der Richtung von Norden her; es war ein starkes, intensiv 
rothes Licht, so dass die Sterne, welche kurz zuvor in hellem Glanze 
am östlichen Himmel funkelten, unsichtbar gemacht wurden. Auf 
der Erde verbreitete sich ein heller Lichtschein, als wenn plötzlich 
eine Feuersbrunst in der Nähe aufginge. Die ganze Erscheinung 
währte vielleicht drei Sekunden, war am stärksten im Norden, etwa 
in der Höhe des Polarsternes, doch etwas östlich. davon, und zog 
mit grosser Schnelle über den ganzen östlichen Horizont. "Einige 
Augenzeugen wollen einen Feuerball in der Grösse der halben Mond - 


83 


fläche geseher haben, der schnell senkrecht herniederfiel und in ei- 
nem Feuerregen, sternschuppenartig endigend, ihren Blicken ent- 
schwand. Letzteres habe ich nicht gesehen, da mein Auge zuerst 
nach Osten gerichtet war, ein Steueraufseher an der Hohenpforte, 
den wir nach seiner Wahrnehmung fragten, hat die Feuerkugel ge- 
sehen, und von jemand, der sich um die Zeit auf dem Fort Scharn- 
horst befand, habe ich diese Wahrnehmung bestätigen hören. 
Simmler, Beobachtung des Zodiakallichtes bei Chur. 
— Am 19. September 1861 war es bereits um 6 Uhr so dunkel, dass 
alle Sterne 5. Grösse deutlich erschienen, auch die Milchstrasse. Nach 
W. zeigte sich ein verwaschener heller Schimmer, am westlichen Ende 
des Calanda breit aufsetzend und schief am Himmel aufsteigend und 
bis gegen die Plejaden sich zuspitzend. Die Intensität des Scheines 
war etwas geringer wie die der Milchstrasse in der Gegend des 
Schwanes. Diese kosmische Helligkeit war gegen den Horizont zu 
von dem Sternbilde des Wallfisches, gegen den Zenith hin vom Pe- 
gasus und Widder eingeschlossen. Hie und da liess sich ein Zucken 
erkennen. In mondfreien Nächten des Februar wurde dieser Schein 
wiederholt beobachtet. —  (Graubündener Jahresber. VII. 126). 
Physik. O. Dammer, Fluorescenz der Wärme — 
Auf einer Pfütze schwammen Eichenblätter, die bei eintretendem Froste 
eingefroren. Nach und nach hatte sich alles Wasser in Eis verwan- 
delt. Als nun im Februar die Eisfläche von der Sonne warm be- 
schienen wurde, fand D. unter jedem Blatte eine die ganze Eismasse 
durchsetzende ein getreues Bild von dem Blatte gebende Höhlung. 
Als ferner vom Neuen der Frost eintrat, durch den die Blätter fest- 
froren, dann aber das Wasser stieg und endlich noch zu Eis gefror, 
fand D. bei später eintretender Wärme, dass die über den Blättern 
liegende etwa einen Zoll dicke klare Eisschicht von den Sonnenstrah- 
len nicht aufgethaut wurde, während sich unter den Blättern die 
oben beschriebenen Höhlungen zeigten. D. glaubt, dass hier ein 
ganz ähnlicher Fall vorliegt, wie der von Melloni entdeckte und von 
Salm-Horstmar erwähnte [Zeitschr. f. die ges. Naturwissensch. Bd. 18, 
8. 414]. — (Pogg. Ann. Bd. 115; 1862. S. 658.) Hhnm. 
Dove, über das Hörbarmachen von Beitönen durch 
Interferenz. — Von gleichzeitig erregten Tönen ungleicher Stärke 
können die schwächeren entweder dadurch, dass man sie durch Mit- 
tönen anderer Körper verstärkt oder dadurch, dass man die Inten- 
sität der stärkeren vermindert, hörbar gemacht werden. Das Mit- 
tönen ist der Grund, dass unter dem Einflusse des Tagesgeräusches 
an das Ohr gehaltene Muscheln, ebenso Röhren von einer bestimmten 
Länge und Weite einen Ton von bestimmbarer Höhe hören lassen, 
weil von den das Geräusch zusammensetzenden Tönen eben nur die 
von bestimmter Höhe verstärkt werden. Des Mittels der Schwächung 
des stärkern Tones hat sich Savart bedient, indem er bemerkt, dass 
wenn man sich während eines Geräusches einem Gegenstande nähert, 
der wie z. B. eine Mauer dasselbe zurückzuwerfen im Stande ist, 


6* 


84 


aus diesem Geräusche ein Ton hervortritt, dessen Höhe mit zuneh- 
mendem Abstande des Ohres von dem refleetirenden Körper allmäh- 
lig tiefer wird, bei abnehmendem dagegen höher. Die bei gemessenen 
Abständen wahrgenommenen Töne entsprechen der Annahme einer 
Interferenz der vom tönenden Körper ausgehenden und der von der 
Mauer reflectirten Wellen einer aus der Tonhöhe folgenden Wellen- 
länge. Um dies Princip für musikalische Töne anzuwenden, schraubte 
D. auf einen mittönenden Kasten 2 Stimmgabeln, von denen die eine 
das tiefere A der Scheibler’schen Scala gab, die andre mit jenen 
Schwebungen von 3!/, Secunden Dauer machte. Wenn jede für sich 
den Grundton gab, so hörte man von der mittönenden höhern Octave 
nichts; sie trat aber vollkommen deutlich hervor, in den Momenten, 
wo die Schwebungen den Grundton unhörbar machten. D. stellte 
noch folgenden Versuch an. Er nahm zwei Kasten für Marlay’sche 
Stimmgabeln bestimmt, die so neben einander gestellt wurden, dass 
ihre Längenaxen in eine gerade Linie fielen, ihre einander zugekehr- 
ten Oeffnungen aber so weit von einander abstanden, dass die ab- 
geschraubte horizontal‘ gehaltene Stimmgabel von oben so in die 
Oeffnung hineinbewegt werden konnte, dass die über einander ste- 
henden Zinken in eine lothrechte Ebene fielen. Bei Annäherung der 
Gabel tönten der Kasten zuerst mit der die Zinken äusserlich be- 
rührenden Luft, dann durch die zwischen den Zinken befindliche. 
Da nun diese sich verdichtet, wenn jene sich verdünnt und umge- 
kehrt, so tritt bei dem Herabbewegen der Stimmgabel ein Punkt ein, 
wo der erregte Thon verschwindet. Dieser Gegensatz der innern 
und äussern Luft findet in gleicher Weise für den Grundton und seine 
Beitöne statt. Schlägt man daher die Stimmgabel so an, dass mit 
dem Grundtone einer oder mehrere Grundtöne laut mitklingen, so 
verschwinden sämmtliche an der Stelle, wo der Grundton unhörbar 
wird. — Ueberhaupt ist die Anwendung der Interferenz ein geeigne- 
tes Mittel um manche Eigenthümlichkeiten des Tones bemerkbar: zu 
machen. Nach W. Weber giebt ein und dieselbe Saite ausser ‚den 
Flageolettönen zwei und vielleicht mehrere direct nicht bemerkbare 
Grundtöne; nach Seebeck liegt der Grund vielleicht darin, dass der 
Querschnitt der Saite nicht kreisförmig ist. ‘Der Querschnitt. der 
Stimmgabeln ist in der Regel nicht quadratisch. Schraubt man da- 
her eine Stimmgabel auf einen Resonanzboden und erregt durch Aen- 
derung der 'Streichungsebene zwei etwas verschiedene Schwingungs- 
systeme, erzeugt man ferner durch eine andere ihr in der Höhe nahe 
stehende Schwebungen, so erhält man zwei Intervalle der Hörbarkeit, 
die sich in ihrer Dauer ‚etwas unterscheiden. In einem solchen Falle 
kann dann die im Moment der Stille sanft hervortretende höhere Oc- 
tave vollständig verschwinden gegen den stärkern vom ‚Grundton 
etwas verschiedener tiefen Ton. Man hört dann die Schwebung im 
Maximum der Stärke als eine doppelte. —(Pogg. Ann. Bd. 115,5: 1862. 
$. 650.) Hhnm. 


85 

Mohr, die Endigungen der Blitzableiter. — Da die 
Bodenableitungen der Blitzableiter auf die Dauer keinen Schutz ge- 
währen, weil kein Metall dem nagenden Einfluss des Wassers und der 
Kohlensäure widersteht, das Anlegen von Brunnen und die Anwen- 
dung’'edlerer Metalle als Eisen zu kostspielig ist, ausserdem an den 
Löthstellen des Eisens mit edleren Metallen sobald sie benetzt wer- 
den galvanische Ströme entstehen, welche der Ableitung entgegen- 
wirken, und auch die Anwendung von feuchten Kohlengruben das 
Rosten des Eisens nicht verhindert, schlägt M. vor. die Blitzableiter 
mit eisernen Wasserleitungsröhren oder Abzugskanälen in Verbindung 
zu setzen, da es vor dem Gewitter gewöhnlich zu regnen pflegt, und 
dadurch die nöthige Wassermenge ohne menschliches Zuthun zur Ab- 
leitung vorhanden sei. Auch könnte man die Enden der Blitzableiter 
mit zolldicken Eisenplatten, die gleichzeitig als Trottoirs dienen in 
Verbindung setzen. — (Pogg. Ann. CXVI, 181.) St. 

Rüdorff, das Gefrieren des Wassers aus Lösungen. 
— R. beobachtete früher dass die Erniedrigung des Gefrierpunktes des 
Wassers proportional dem Salzgehalt der Lösung sei, dass man aber 
nur bei einigen Salzen namentlich den Chloriden die Beziehung nach- 
zuweisen, annehmen müsse, dass diese mit einer bestimmten Menge 
Wasser verbunden sich in der Lösung befände. Dufour in Lausanne 
trat darauf mit der Beobachtung auf, dass das aus Lösungen ausfrie- 
rende Eis nie Salzfrei sei, sondern feine Salzkrystalle umschliesse, 
welche er allerdings selbst mit dem Mikroscop nicht habe entdecken 
können. R. weist diese Ansicht damit ab, dass er sagt, wenn ein 
Salzkrystall mit Eis zusammenkommt, wird beides flüssig unter Tem- 
peräturerniedrigung, es wird sich also auch wahrscheinlich kein Salz- 
krystall unter Umständen bilden, unter denen er nicht bestehen kann. 
Versuche mit den Lösungen des dichroitischen Magnesiumplatiney- 
anür unterstützten den Beweis. Ferner wenn man eine übersättigte 
Lösung von Glaubersalz unter den Gefrierpunkt abkühlt, so scheidet 
sich nur Eis aus, wenn man ein Eisstück, nur Salz, wenn man ein 
Stück Glaubersalz hineinwirft. Das spec. Gew. beider Ausscheidungen 
lässt sie sehr gut von einander unterscheiden; würde aber im ersten 
Falle neben Eis auch nur eine geringe Menge Salz ausgeschieden, 80 
hätte, da es eine übersättigte Lösung, alles Salz auf einmal ausge- 
schieden worden sein müssen. Bei den Abkühlungen unter den Ge- 
frierpunkt muss man die Erniedrigung nur allmälig unter Umrühren 
stattfinden lassen. Aus dem Quotienten = (worin T = den Gefrier- 
punkt, M die in 100 Grm. Wasser gelöste Salzmenge bezeichnet) fand 
R., dass erstens die Erniedrigung des Gefrierpunktes in einfacher Pro- 


m j 
portion stände, die Zahl m; eine constante Zahl sei, und schwefelsau- 


res Kali, schwefelsaures Natron, Bromkalium und Jodkalium als Was- 
serfreie Salze auf die Erniedrigung des Gefrierpunktes wirkten. Bei 
andern mit Krystallwasser krystallisirenden Salzen fand er den Quo- 


86 


üienten 7, eine zunehmende Reihe darstellend. Er wurde dadurch zu 


der Annahme geführt, dass sich diese Salze bei ihrer Lösung in Was- 
ser mit einer andern Atomzahl Wasser verbänden, als bei ihrer Ab- 
scheidung in festem Zustande. Er fand nach den von ihm anfgestell- 
ten Formeln, dass Manganchlorür, welches mit 4 At. Wasser krystalli- 
sirt, sich in Auflösung-mit 12 At. HO verbunden befindet, dass Brom- 
natrium und Jodnatrium sich nicht als wasserfreie Salze sondern mit 
8 At. HO, Kupferchlorid mit 12 At. HO, Ammoniumkupferchlorid nicht 
mit 2 sondern 4 At. HO verbunden in Lösung befinde; und das un- 
ter diesen Atomen der Coeffizient der Erniedrigung des Gefrierpunk- 


T 
tes nach der Formel M eine constante Zahl sei. Auch bei den ver- 


dünnten Lösungen freier Säuren und Alkalien fand er die Erniedri- 
gung des Gefrierpunktes nicht abhängig vom Gehalt an wasserfreier 
Substanz, sondern des damit verbundenen Hydratwassers. Salzsäure 
soll mit 12 At. HO, Jodwasserstoffsäure mit 8 At. HO, Schwefelsäure 
und Salpetersäure mit 10 At. HO, Natron mit 4 At. HO, Kali mit 5 
At. HO, Ammoniumoxyd mit 2 At. HO verbunden sein. Es folgt so- 
mit aus den Versuchen, dass in den meisten Fällen ein Salz erst bei 
seiner Abscheidung aus der Lösung eine bestimmte Menge Wasser 
aufnimmt, mag es als wasserfreies oder wasserhaltiges Salz gelöst 
gewesen sein. In den meisten Fällen ist der Wassergehalt der Kry- 
stalle und des gelösten Salzes übereinstimmend, in andern der des 
letztern ein Multiplum von dem des erstern. Bekanntlich geht die 
blaue Farbe einer Kupferchloridlösung bei zunehmender Concentra- 
tion plötzlich in Grün über, woraus man schon früher auf eine Ver- 
änderung in der Constitution des Salzes schloss. Die Gefrierversuche 
beweisen diese Ausnahme. In den blauen Lösungen ist CuCl + 12 HO 
in den grünen Lösungen CuCl + 4HO enthalten, welche Verbin- 
dung dann aus der grünen Lösung krystallisirt. — (Pogg. Ann. CXVI. 


55.) Swt. 
Plücker, über recurrente Ströme und deren Gasspec- 
tra. (Fortsetzung). — RBecurrente Ströme geben wie gewöhnlich 


Entladungen, ihre Existenz durch Wärmeerregung kund, die oft bis 
zur Lichterscheinung gesteigert ist. Sie wirken nicht auf die Gal- 
vanometernadel. In weiten Röhren ist die Erscheinung am Effectvoll- 
sten, aber ist noch bedeutend genug, wenn der Strom durch ein fei- 
nes Capillarrohr geht. Alsein recurrenter Strom in äquatorialer Rich- 
tung auf die einander genäherten Halbanker eines grossen Elektro- 
magneten ging, trennte sich die Lichtlinie in ihrem Innern in zwei 
fast mathematische Lichtlinien die über einander liegend durch eine 
schwarze Linie getrennt waren. Viel intensiver werden die fragli- 
chen recurrenten Ströme und die sie begleitenden Lichterscheinungen 
wenn eine evacuirte Glasröhre, die in ihrer Mitte eine dünne isoli- 
rende Scheidewand an ihren Enden eingeschmolzene Electroden hat, 
hergestellt wird und gleichzeitig die beiden Electroden mit den bei- 


87 


den Drahtenden. der Inductionsrolle in Verbindung gesetzt werden. 
Die Lichterscheinung ist in beiden Hälften der Röhre gleich intensiv, 
indem jede Electrode die Erscheinung des eintretenden und des aus- 
tretenden Stromes darbietet. Auch hier war bei aequatorialer Stel- 
lung eine Trennung des Stromes bemerkbar. In der Nähe der Scheide- 
wand zeigt der recurrente Strom eine dunkle Stelle. Bei dem elec- 
trolytischen Strome ist die Inductionswirkung in jedem Theilchen von 
einer chemischen Zersetzung desselben begleitet. Ein Wassertheil- 
chen zerfällt in Sauerstoff, den Träger der negativen, und in Was- 
serstoff, den Träger der positiven Electricität. Mit der Wiederaus- 
gleichung der positiven Electrieität des vorhergehenden mit der ne- 
gativen des nachfolgenden Theiles ist immer die chemische Wieder- 
vereinigung der Träger dieser Electrieitäten zu einem neuen Wasser- 
theilchen verbunden. Bei metallischen Leitern findet die Ausgleichung 
durch blosse Entladung, Blitz, statt, zwischen zwei aufeinander fol- 
genden Körpertheilchen. In Isolatoren findet sie ebenfalls successive 
in den auf einander folgenden Theilchen statt, in welchen die Ver- 
theilung erfolgte. Hiefür spricht der Versuch, dass trockner Quarz- 
sand von geriebenem Glas oder Siegellackstangen angezogen wird. 
Das Vorhandensein eines solchen Stromes scheint ferner bewiesen 
durch die Molecularthätigkeit, die wir im Glase beobachten, das vom 
Inductionsfunken durchbohrt ist. Das reinste Beispiel recurrenter 
Ströme bieten die electrischen Lichtausstrahlungen dar, die in gas- 
verdünnten Räumen von den einzelnen Punkten der negativen Elec- 
trode divergirend nach den umgebenden Glaswandungen hingehen, 
und von diesen wieder zur Electrode zurückkehren. Jedes divergi- 
rende Büschel concentrirt sich unter der Einwirkung des Electromag- 
neten zu einer hellen Lichtlinie.e Wenn recurrente Ströme das ver- 
dünnte Gas der Capillarröhre glühend machen, so kommt dies von 
keiner chemischen Wirkung her, sondern muss der Wärme des Stro- 
mes zugeschrieben werden, der auf seinem Wege zurückkehrend, zwei- 
mal die gleiche Wärme entwickelt. — (Pogg. Ann. CXVI. 27). St. 
Chemie. a. Theoretische. F. Beilstein, über die Einwir- 
kung des Jodphosphors auf Glycerinsäure. — Da Propion-, 
Milch- und Glycerinsäure in einer einfachen Reihe stehen, so liess sich 
vermuthen, dass Glycerinsäure aus der Milchsäure sich ebenso würde 
erhalten lassen, wie diese aus der Propionsäure. Wenn man Brom in 
zugeschmolzenen Röhren auf 1000 erhitzt auf Milchsäure wirken lässt, 
so entsteht eine syrupdicke Masse und beim Oeffnen entweicht Koh- 
lensäure, ohne dass jedoch das gewünschte Resultat erhalten war. 
Jetzt wurde versucht umgekehrt aus Glycerinsäure Propionsäure oder 
Milchsäure zu erhalten. Die Glycerinsäure wurde nach Debus’ Me- 
thode dargestellt, indem Glycerin mit Salpetersäure behandelt wurde, 
aus dieser Flüssigkeit wurde dann das Kalksalz und durch Zersetzen 
desselben mit Oxalsäure Glycerinsäure erhalten; besser ist es wenn 
man das Bleisalz darstellt und dieses durch Schwefelwasserstoff zer- 
setzt. Bei Einwirkung von Jodphosphor auf diese Säure entweicht 


88 
Jödwasserstoff nebst knoblauchartig riecheiden entzündlichen Däm- 
pfen, während im Kolben eine krystallinisch erstarrende weisse Masse 
zurückbleibt. Löst man diese in heissem "Wasser, so erhält man 
beim Erkalten Jodpropionsäüure €3H; Js. Sie krystallisirt klino- 
rhombisch, ist löslich in Alkohol und Aether und ihre Salze sind 
dürch Kochen mit Wässer leicht zersetzbar. Wird eine Lösung von 
Jodpropionsäure in Alkohol mit Salzsäufegas gesättigt, so scheidet 
sich ein öliger Körper ab, der einen Aether der Jodpropionsäure dar- 
stellt. Die Entstehung der Jodpropionsäure aus Glycerinsäure findet 
in folgender Formulirung ihren Ausdruck: 
£&; HH 04 1 PJa = C3H;J&3 + HJ + Ps», 
wo denn die Gruppe P®, unter Wasseraufnahme zu Phosphorsäure 
und Phosphorwässerstoff zerfällt. Milchsäure konnte aus der Jod- 
propionsäure durch Kochen mit Alkalien nicht erhalten werden. Beim 
Versetzen der Jodpropionsäure mit Silberoxyd wird Jodsilber gefällt 
und in der Flüssigkeit befindet sich das Silbersalz einer Säure, die 
mit der Milchsäure isomer zu sein scheint, deren Salze aber von de- 
nen der Milchsäure total verschiedene Eigenschaften haben. — (Ann. 
d. Chem. u. Pharm. CXX. 226.) B. Si 
E. Chevreul, über Nachweisung kleiner Mengen oxal- 
sauren Kalks durch salpetersäures Silberoxyd. — Vermöge 
einer umständlicheren Methode hatte Verf. früher in dem Schweisse 
der Schaf- nnd Alpacawolle oxalsauren Kalk nachgewiesen. Er fand 
jetzt, dass sich der oxalsaure Kalk leicht durch salpetersaures Silber- 
oxyd in salpetersauren Kalk und oxalsaures Silberoxyd umsetzt. Däs 
letztere giebt bei der Behandlung mit verdünnter Salzsäure Chlor- 
silber und zu krystallisirende Oxalsäure. Ausser kohlensaurem Kalk, 
phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia, Silicat und oxalsaurem Kalk fand 
Verf. in dem Schweisse noch einen Körper, welcher bei der Destil- 
lation Ammoniak entwickelte und doch nur oxalsäurer Kalk war. Er 
untersuchte daher einige Eigenschaften des oxalsauren Kalkes, und 
fand, dass die Schwefelsäure den oxalsauren Kalk bei einer 100°. 
nahe liegenden Temperatur vollständig zersetzt, ohne dabei die Oxal- 
säure zu zerlegen. Dann, dass der oxalsaure Kalk nach dem Lösen 
in Salzsäure und Fällen mit Ammoniak eine Verbindung giebt, die 
bei der Destillation Ammoniak entwickelt. Endlich, dass auch nicht 
concentrirte Salzäure aus dem neutralen Oxalat ein saures bildet. — 
(Journ. f. prakt. Chem. Bd. 84, p. 453.) 0. K. 
J. Erdmann, zum Nachweis organischer Alkaloide. 
— E. stellt folgende Reactionsreihen in Bezug auf Morphium, Nar- 
cotin, Strychnin, Brucin und Veratrin auf: 
I. Concentrirte Schwefelsäure mit etwa 6 Tropfen Salpetersäure von 
1,25 specifischem Gewicht zu 100 CC. verdünnt: 
1. Morphium: violettroth nach Zusatz von 2—3 Tropfen Wässer 
stark violettblau. 
2. Narcotin: zwiebelroth, durch Zusatz von Wasser schneller her- 
beigeführt. 


89 


3. Stryekhin: unverändert. 

4. Brucin: zuerst roth, dann gelb. 

5. Veratrin: gelb, nach Zusatz von Wasser blutroth. 
II. Concentrirte Schwefelsäure und Braunstein: 

1. Morphium: mahagonibraun. 

2. Narcotin: gelbroth bis blutroth. 

3. Strychnin: violettpurpurn bis dunkel zwiebelroth. 

4. Bruein: zuerst roth, dann gelb. 

5. Veratrin: dunkelschmutzig kirschroth. 
Werden diese Lösungen mit Wasser verdünnt und mit Ammoniak dem 
Neütralisationspunkte nahe gebracht, so zeigen sie folgende Reaction: 

1. Morphium: schmutzig gelb. 

2. Narcotin: unverändert roth. 

3. Strychnin: unverändert. 

4. Brucin: goldgelb. 

5. Veratrin: matt braun. 
Nach Uebersättigung mit Ammoniak giebt die Lösung von 1. eine 
braunrothe Färbung, ohne Niederschlag, 2. dunkelbraunen Niederschlag, 
3. gelbgrünen, 4. gelben, 5. grünlichbraunen Niederschlag. Alle auf- 
tretenden Farben werden durch verdünnte Schwefelsäure haltbarer. 
— (Ann, d. Chem. u. Pharm. 0XX. 188.) B. 8. 

C. Friedel und V. Machuca, über Brombuttersäure. 
—Brombuttersäure kann man in ziemlicher Menge erhalten, indem 
man 1 Aequivalent Buttersäure auf 2 Aequivalente Brom in zuge* 
schmolzenen Röhren bei 1300 wirken lässt; bei höherer Temperatur 
entsteht nur eine schwarze Masse, die hauptsächlich Kohle und Bern- 
steinsäure enthielt. Die Auf jene Weise erhaltene Brombuttersäure 
wurde mit Silberoxyd behandelt, worauf die vom Bromsilber abfiltrirte 
Flüssigkeit nach dem Sättigen mit Zinkoxyd ein Salz ergab, das die 
Zusammensetzung des butylmilchsauren Zinks hatte: €4H-Zn®3, sich 
jedoch dadurch von ihm unterschied, .dass es immer nur beim Kry- 
stallisiren in wärzenförmigen Massen und nie in Schuppen erhalten 
worden. Man kann dieser neuen Säure passend den Namen Oxybutter- 
säure beilegen. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CAX, 279.) B. 8. 

A. Geuther und E. Forsberg, über krystallisirte wol- 

framsaure Salze, insbesondere künstlichen Wolfram. — 
Aethnlich wie Manross durch Zusammenschmelzen von wolframsaurem 
Natron mit einem Ueberschuss von Chlorcaleium und Chlorblei Schee- 
lit und Scheelbleierz darstellte, so gelingt es auch, namentlich wenn 
man noch Kochsalz anwendet, fast alle natürlichen Wolframverbindun- 
gen kryställisirt zu erhalten. So wurden erhalten: wolframsaurer 
Bäryt BaO W000, in grossen farblosen Oktaödern, wolframsaure Mag- 
nesia MgOWo0O; ebenfalls oktaödrisch, wolframsaures Zinkoxyd in 
quadratischen Säulen wnd wolframsaures Manganoxydul MnO Wo 0: 
und wolframsaures Eisenoxydul FeO W00; in orthorhombischen Kry* 
stallen. Man erhält Doppelsalze der beiden letztern, indem man wol- 
fratsaures Natron, Chlormangan, Eisenchlorür und Kochsalz in einem 


90 


Tiegel zusammenschmilzt. Sie entsprechen mehr oder weniger na- 
türlich vorkommenden Verbindungen. So wurde erhalten: 
7(MaOWo00;) + FeOWo0;, 2(MnOWo0;) + FeOWoQO,, 
2(MnO Wo0;) + 3(FeOWo00;), MnOWo0; +4(FeOWoO;), 
MnO Wo0; + 7(FeO WoO;), je nach den angewandten Mengen 
der einzelnen Theile. Von den verschiedenartigen krystallisirenden 
Salzen, Kalk- und Magnesiasalz einerseits, Mangan- und Eisensalz 
anderseits liessen sich keine Doppelsalze erhalten. Durch Zusammen- 
schmelzen von wolframsaurem Natron, Chromchlorid und Chlornatrium 
lässt sich kein krystallisirtes wolframsaures Chromoxyd darstellen; 
auch krystallisirtes wolframsaures Silber konnte nicht erhalten wer- 
den. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXX, 270.) BES: 
H. Landolt, über Stibmethyl-Verbindungen. — Bei 
der Einwirkung von Jodmethyl auf Antimonnatrium erhält man leicht 
bei der Destillation einen krystallinischen Körper, welcher eine Ver- 
bindung von Jodmethyl mit Stibmethyl (Stibmethyliumjodid) (Sb(€2H3)sJ) 
ist. Durch Wasser von überschüssigem Jodmethyl getrennt und von 
neuem mit Antimonkalium erhitzt, erhält man reines Stibmethyl, es 
ist eine wasserhelle, leicht bewegliche Flüssigkeit von unangenehmem 
zwiebelartigen Geruche, spec. Gew. 1,523 bei 15°C. und Siedepunkt 
80,6°C. bei 760 Mm. Bar., es ist äusserst leicht entzündbar. Es ist 
wie das Stibäthyl ein zweiatomiges Radical, und vereinigt sich direct 
mit 2 Atomen Sauerstoff, Schwefel, Chlor ete. Das Oxyd (Sb(€,H32)303 
wird am besten durch Zersetzung des schwefelsauren Salzes mittelst 
Baryt erhalten, die wässrige Lösung desselben giebt mit Chlorwasser- 
stoffsäure einen krystallinischen Niederschlag von Stibmethylehlorid 
Sh(€H;); Cl. Die wässrige Lösung des Oxydes giebt mit einigen 
Metallsalzen Niederschläge mit andern nicht. Bei der langsamen 
Oxydation des Stibmethyls an der Luft entsteht kein reines Oxyd, 
es tritt zugleich eine Zersetzung ein. Das Sulfid kann direct durch 
Erwärmen einer ätherischen Lösung des Radicals mit Schwefel, oder 
durch Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf eine verdünnte wäss- 
rige Lösung des Oxyds erhalten werden, es bildet kleine glänzende 
Schuppen. Das Chlorid Sb(&H3;);Clz entsteht als weisser Körper beim 
Einleiten von Chlor in eine Lösung von Stibmethyl in Schwefelkoh- 
lenstoff. In Chlorgas getropft entzündet sich das Stibmethyl. Das 
Bromid und Jodid sind ebenfalls krystallinische Verbindungen. Die 
Oxyhaloidverbindungen des Stibmethyls können nach dem von Stre- 
cker zur Gewinnung der entsprechenden Aethylkörper angegebenen 
Verfahren erhalten werden. Versuche, Haloidverbindungen einatomi- 
ger Säureradicale an Stibtrimethyl zu binden, führten zu keinem Re- 
sultate. — 2. Ueber die Titrirung des Eisens mittelst un- 
terschwefligsaurem Natron. Die Methode, das Eisen als Chlo- 
rid in Lösung durch unterschwefligsaures Natron zu bestimmen, wurde 
von Mohr verworfen, da man stets zuviel des letzteren Salzes braucht, 
weil es durch die in der Eisenchloridlösung stets überschüssig vor- 
handene Salzsäure sofort zersetzt wird. Verf. berichtet, dass Essig- 


91 


säure dagegen das unterschwefligsaure Natron erst nach mehreren 
Stunden zersetzt, und man daher bei Beachtung einiger Vorsichts- 
massregeln folgende Methode anwenden könne. Die zu prüfende 
Eisenverbindung wird in Salzsäure gelöst, essigsaures Natron zuge- 
setzt bis sich die rothe Farbe des essigsauren Eisenoxydes zeigt, dann 
wieder bis zum Verschwinden derselben Salzsäure zu getröpfelt, dann 
unterschwefligsaures Natron zugesetzt bis die dunkle Farbe wieder 
eintritt. der Ueberschuss des letztern wird nach Zusatz von Stärke- 
kleister durch Titriren mit Jodlösung bestimmt. 3. L. Lamers, No- 
tiz über Jodschwefel. Es ist bekannt, dass man Jod und Schwe- 
fel in allen möglichen Verhältnissen zusammenschmelzen kann, man 
"erhält aber nach H. Rose bei Sublimation eines Gemenges von Jod 
und Schwefel kein Produkt von constanter Zusammensetzung. Nur 
Guthrie hat die Bildung von Jodbisulfid bei Einwirkung von Jodäthyl 
auf Halbchlorschwefel beobachtet. Verf. fand, dass bei langsamer 
Verdunstung verschiedener Gemenge von Jod und Schwefel, gelöst 
in Schwefelkohlenstoff, Krystalle resultiren, welche ziemlich constant 
auf 96 pC. Jod ApC. Schwefel enthalten, die man daher als Dreifach- 
Jodschwefel ansehen kann. Sie verlieren aber schon beim längern 
Liegen an der Luft sämmtliches Jod und der Schwefel bleibt als Ge- 
rippe des Jodschwefelkrystalles zurück. Beim Einleiten von Schwe- 
felwasserstoff in eine verdünnte wässrige Lösung von Dreifach-Chlor- 
jod-Chlorkalium entsteht ein intensiv orangerother Niederschlag, des- 
sen Zusammensetzung Verf. zu S3J, Drittel-Jodschwefel gefunden hat. 
Frisch dargestellt ist derselbe weich, nach dem Trocknen eine feste 
amorphe Masse von schwarzbrauner Farbe. Aus fünffach Chlorjod 
erhält man durch Schwefelwasserstoff einen röthlichen Jodschwefel, 


der aber nur geringe Spuren von Jod enthält. — (Journal f. prakt. 

Chem. Bd. 84, p. 328.) O0. K. 
C. Lucknow, die Cochenilletincetur und ihre Anwen- 

dung in der Alkali- und Acedimetrie. — Die Vortheile der 


Anwendung der Cochenilletinetur gegenüber der Lackmustinctur lie. 
gen darin, dass sie bedeutend empfindlicher als letztere ist und auch 
zur Erkennung der Thonerde und der Metalloxyde angewendet wer- 
den kann. Dann, da die Carminsäure eine stärkere Säure als die Koh- 
lensäure ist, kann sie selbst zur Entdeckung des kohlensauren Kal- 
kes und bei Bestimmung der kohlensauren Alkalien angewendet wer- 


den. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 424.) 0. K. 
A. Matthiessen und M. v. Bose, über einige Gold- 
Zinn-Legirungen. — Verff. fanden ebenso wie Cooke von den 


Zinn-Antimonlegirungen, dass Zinn und Gold sich verbinden und be- 
stimmte krystallinische Formen hervorbringen können in andern Ver- 
hältnissen, als ihren chemischen Aeguivalenten entspricht. Die Kry- 
stalle, die Verff. darstellten, enthielten von 27,4 pC. bis 43 pC. Gold. 
— (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 319). 0. K. 
A. Matthiessen und M. v. Bose, über die Blei-Zink 
und Wismuth-Zinklegirungen. — Es ist bekannt, dass Blei 


92 


und Zink, sowie Wismuth ünd Zink nicht in allen’ Verhältnissen Le 
girungen mit einander bilden. WVerff. fanden, dass Blei nur 1,6 pC. 
Zink, und Zink 1,2 pC. Blei auflöst; und dass Zink nur 2,4 pC. Wis- 
muth, sowie Wismuth 8,6—14,3 pC. Zink auflöst. — (Ebda Bd. 84, 
». 323.) 0. K. 
Niepce de Saint-Victor, über Wirkungen der Elec- 
trieität und des Lichtes. — Salpetersaures Uranoxyd, Weinsäure 
und Citronensäure erhalten unter dem Einfluss der Eleectrieität die Ei- 
genschaft Gold- und Silbersalze zu reduciren. Rother Wein wird ver- 
ändert, und wird, ebenso auch weisser, alkoholreicher. Beim Stehen 
an der Luft verschwinden diese Einwirkungen der Electrieität allmä- 
lich wieder. Unter Einwirkung der Electrieität und des Sonnenlichtes 
setzt das salpetersaure Uranoxyd einen wvioletten Niederschlag ab, 
welcher durch Kali grün wird, und sich in Säuren mit seiner ur- 
sprünglichen Farbe löst. Die Elemente einer einfachen Kette entwi- 
ckeln in einer Auflösung von Oxalsäure und salpetersaurem Uranoxyd 
schon in der Dunkelheit Electricität, in der Sonne verstärkt sich diese 
Entwicklung bedeutend unter Abscheiden von Kohlenoxyd und oxal- 
saurem Zinkoxyd. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 422.) O0. K. 
Rommien, über den grünen Farbstoff französischer 
Kreuzdornarten. — Der Farbstoff der Rinde von Rhamnus ca- 
tharticus scheint nach des Verf. Untersuchungen mit dem chinesischen 
Lo-Rao identisch zu sein, nur scheint er etwas haltbarer und das 
daraus erzeugte Gelb nicht so brillant zu sein. — (Journ. f. pract 
Chem. Bd. 84. p. 432.) 0. K. 
H. Schiff, über Chromsuperoxyd und Chromsäure = 
Am besten stellt man braunes Chromoxyd (Chromsuperoxyd) dar, in- 
dem man chromsaures Kali mit Oxalsäure mengt, concentrirte Salpe- 
tersäure hinzusetzt und erwärmt; durch Ausfällen mit Ammoniak 
erhält man hieraus das braune Oxyd, aus dem durch Auswaschen 
nur sehr wenig Chromsäure ausgezogen werden kann, während aus 
dem durch Einwirkung von Chlorkalk auf Chromoxydhydrat darge- 
stellten braunen Oxyde, noch bedeutende Mengen von Chromsäure 
getrennt werden können. Chromsäure wird auch in den geringsten 
Spuren nachgewiesen, wenn mnn die Lösung mit Schwefelsäure und 
Guajak versetzt, indem bei Gegenwart derselben eine intensive Bläu- 
ung eintritt. Die Reaktion liess auch erkennen, dass die Chromate 
von Blei und Baryt etwas Weniges löslich sind. Wenn man Wein- 
stein mit neutralem chromsauren Kali zusammenbringt, so entsteht 
saures chromsaures Kali und neutrales weinsaures Kali. Eine Lö- 
sung von Brechweinstein mit neutralem chromsaurem Kali versetzt 
giebt eine blattgrüne Färbung; Natronsalze erzeugen dann einen weis- 
sen Niederschlag. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXA, 207.) B.8. 
C. F. Schönbein: 1. über das Verhalten des Chlors, 
Broms und Jods zum wässrigen Ammoniak und den.alka- 
lischen Oxyden. Man nimmt bis jetzt an, dass Chlor der wäss- 
rigen Ammoniaklösung Wasserstoff "entziehe, und unter Bildung von 


93 


Chlorammonium den Stickstoff frei mache. Wenn man aber, in Chlor- 
wasser Ammoniak bis zur alkalischen Reaction giesst, so hat die Flüs- 
sigkeit noch die Eigenschaft Indigosolution zu zerstören, den Jod- 
kaliumkleister auf’s Tiefste zu bläuen, und im Uebersehuss wieder zu 
entfärben, die frische Guajaktinetur zu bläuen, überhaupt alle Re- 
actionen der Hyperchlorite wie auch deren Geruch und Geschmack 
zu zeigen, dann auch beiZusatz von Wasserstoffsuperoxyd eine merk- 
liehe Entwicklung von Sauerstoffgas zu erzeugen. In der Kälte all- 
mälich, schnell in der Wärme verliert die Flüssigkeit obige Eigen- 
schaften. Verf. betrachtet daher den Vorgang bei der Einwirkung 
des Chlors auf Ammoniak so, dass sich zuerst unterchlorigsaures Am- 
moniak. bilde,-dieses sich aber nach der gewohnten Gleichung 
3NH,0.C0 = 2N + NH,Cl + 2HCl + 6HO 

zerlege. Bei der Einwirkung des Jodwassers und Bromwassers auf 
Ammoniak lassen sich dieselben Erscheinungen beobachten, bedin- 
gen daher: dieselbe Erklärung. Die Erscheinungen, welche bei Ein- 
wirkung des Jodwassers auf Kalilösung stattfinden, gleichen ebenfalls 
den vorhin angeführten. Die Aehnlichkeit, welche das Jod aber auch 
sonst mit dem Chlor hat, lassen daher: hier umsomehr auf die Exi- 
stenz einer unterjodigen Säure schliessen, wie dieselbe Sauerstoffver- 
bindung vom Chlor längst bekannt ist. Es wird sich demnach beim 
Zusammentreffen von Jod und Kali zuerst Jodkalium und Kalihypo- 
jodit, aus letzterem dann sehr bald Jodmetall und Jodat bilden, da 
die Hypojodite noch viel weniger Beständigkeit als die Hypochlorite 
zu. besitzen scheinen. Das Auftreten des Jodstickstoff erklärt sich 
nach Verf. ebenfalls aus der Umsetzung des unterjodigsauren Salzes. 
U, Ueber das Vermögen des Jodkaliums, freies Jod gegen 
die Einwirkung freien Kalis zu schützen. Wenn concentrir- 
tes Jodwasser eine bestimmte Quantität einer Kalilösung zu seiner 
Entfärbung braucht, so braucht eine gleiche Quantität desselben Jod- 
wassers, 'wenn es vorher mit Stärkenkleister versetzt wird, eine grö$- 
sere Quantität derselben Kalilösung zur Entfärbung; ganz unverhält- 
nissmässig steigt aber die Quantität der zu verwendenden Kalilösung, 
wenn das Jodwasser mit Jodkalium versetzt worden ist. Umgekehrt 
bläut sich ein aus Jodwasser und Stärkekleister bestehendes Gemisch, 
welches durch eine hinreichende Menge Kalilösung entfärbt ist, wie- 
derum tief bei Zusatz von Jodkalium. Es schützt also der Stärke- 
kleister, bedeutend mehr aber noch das Jodkalium bis zu einem ge: 
wissen Grade das Jod gegen die Einwirkung des freien Alkalis, Da 
die Hypochlorite freies Jod mit grosser Leichtigkeit zu Jodsäure oxy+ 
diren, so war anzunehmen, dass sie auch alkalische Jodmetalle sofort 
in Jodate verwandeln würden, Tröpfelt man nun aber ein Hypochlo- 
rit zu Jodkaliumlösung, so bräunt sich die Flüssigkeit und bläute sich 
bei Anwesenheit von Stärkekleister. Da die Ausscheidung von Jod 
nur’unter Freiwerden von Alkali möglich ist, so ist hier wieder die 
Erscheinung wahrzunehmen, dass freies Jod neben freien Kali bei An- 
wesenheit von Jodkalium in einer Flüssigkeit existiren kann. Jeden- 


94 


falls stehen diese Erscheinungen mit der Erscheinung, dass ozonisir- 
ter Sauerstoff Jod aus Jodkalium ausscheidet, in Zusammenhang. 
III. Ueber das Verhalten der Superoxyde des Wasserstoffs 
und Baryums zum Jod und Jodstickstoff stellte Verf. eine 
Reihe von Versuchen an, in denen er seine Ansicht, dass Jod eine 
posit. activ. O Wasserstoff- und Baryumsuperoxyd eine negat. activ, O- 
haltige Verbindungen seien, bestätigt findet. Wässrige Jodlösung 
und Wasserstoffsuperoxyd wirken, der bisherigen Meinung entgegen, 
kräftig auf einander; dass Gemisch entfärbt sich sofort, und röthet 
nach dem Abdampfen Lackmuspapier, bläut allein nicht, doch mit 
Hilfe von Chlorwasser den Stärkekleister, kurz zeigt die Reactionen 
der Jodwasserstoffsäure, obgleich sich Jodwasserstoffsäure und Was- 
serstoflsuperoxyd zersetzen. Führt man in alkalihaltiges Wasserstoff- 
superoxyd fein zertheiltes Jod ein, so erfolgt eine stürmische Ent- 
wicklung von gewöhnlichem Sauerstoffgas, und wird sofort eine farb- 
lose und geschmacklose Flüssigkeit erhalten. Es lässt sich hiebei 
also nicht die Bildung eines Hypojodites beobachten, aber ebensowe- 
nig auch die eines Jodates. Verf. erklärt daher den Vorgang: das 
posit. activ. O des Jod und negat. activ. © des Wasserstoffsuperoxydes 
vereinen sich zu gewöhnlichem Sauerstoff, wodurch das Jod zu einem 
Oxyde reducirt wird und sich mit dem Kali zu Jodkalium vereint. 
Baryumsuperoxyd und Jod verbinden sich zu Jodbaryum und gewöhn- 
lichem Sauerstoff ohne Entstehung von Jodat. Verf. macht darauf 
aufmerksam, dass nach seiner Anschauung es natürlich ist, dass Jod 
mit Baryumoxyd nicht Jodbaryum und Sauerstoff bildet. Ausgewa- 
schener Jodstickstoff mit wässrigem Wasserstoffsuperoxyd in Berüh- 
rung gesetzt entwickelt Sauerstoffgas mit etwas Stickstoff gemengt 
daneben entsteht Jodwasserstoffsäure, Jodammonium und eine Spur 
Jodsäure, so dass die Constitution des Jodstickstoffs als einer Ver- 
bindung von eigentlichem Jodstickstoff mit Ammoniak wahrscheinlich 
wird. IV. Ueber das Verhalten des Jods zum Stärkeklei- 
ster und reinen Wasser bei höherer Temperatur. Durch 
Jodwasser gebläuter Stärkekleister wird bei der Temperatur des sie- 
denden Wassers entfärbt, beim Erkalten tritt die blaue Färbung wie- 
der hervor. Unterhält man aber die Siedehitze genügende Zeit in 
einem verschlossenen Gefässe, so tritt beim Erkalten keine Färbung 
ein. Es rührt dies nicht vom Verflüchtigen des Jod sondern von der 
Bildung von Jodwasserstoffsäure her, denn die Flüssigkeit reagirt 
sauer, und erhält ihre blaue Farbe wieder, wenn man verdünnte Schwe- 
felsäure und wenige Tropfen einer alkalischen Nitritlösung hinzusetzt. 
Auch wässrige Jodlösung allein, einige Stunden in engen Röhren der 
Hitze kochenden Wassers ausgesetzt, verliert die Fähigkeit Kleister 
zu bläuen. Es bildet sich hier aber zugleich neben Jodwasserstoff- 
säure auch etwas Jodsäure, welche beiden Säuren in stark verdünn- 
ten Lösungen sich nicht zur Wasser und Jod umsetzen, wie in con- 
centrirtern. V. Ueber das Verhalten desAldehyds zum Sauer- 
stoff. Nicht der gewöhnliche Sauerstoff ist es, welcher den Aldehyd 


9 

ebenso wie das Bittermandelöl oxydirt, sondern es muss zunächst die 
Bildung des Ozons hiebei eingeleitet werden. Setzt man in einem 
Gefässe Sauerstoff und Aldehyd’ dem Sonnenlichte oder selbst zer- 
streuten Tageslichte aus, so weisen alle Reactionen neben dem Auf- 
treten der Essigsäure, das des Sauerstoffs nach. Im Dunkeln tritt 
die Bildung von Ozon nicht ein, es wird daher hier auch nicht der 
Aldehyd von Sauerstoff oxydirt. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. 
p. 385.) 0. E. 

€. F. Schönbein, über einige durch die Haarröhr- 
chenanziehung des Papiers hervorgebrachte Trennungs- 
wirkungen. — Taucht man einen Papierstreifen mit dem einen Ende 
in, ‚eine verdünnte wässrige Lösung von Alkalien, Säuren, Salzen oder 
Farbstoffen, so steigt dieselbe vermöge der Capillarität in: die ‚Höhe. 
Jedoch bewirkt das Papier hierbei eine Trennung sowohl des Was- 
sers als der verschiedenen darin gelösten Stoffe von einander, in- 
dem dieselben mit verschiedener Schnelligkeit der Capillarattraction 
des Papiers folgen, und daher beim Unterbrechen des Aufsaugens 
durch das Papier bis zu verschiedenen Stellen in demselben vorge- 
rückt sind. Es lässt sich hieraus vielleieht für die qualitative Analyse 
ein Vortheil ziehen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84, p.410.) 0.K, 

L. €. Le Voir, Notiz über Ammoniakgehalt des de- 
stillirten Wassers und Eisenoxyd in statu nascenti. — 
Das Eisenoxyd ist in statu nascenti im Stande die Alkalien aus ihren 
Salzen abzuscheiden. Eisen an Messing gelöthet und in Kochsalzlö- 
sung rostend giebt Krystalle von kohlensaurem Natron auf der Ober- 
fläche des Messings; ist Salmiak zugegen, so bemerkt man Ammoniak- 
entwicklung. Man hat bemerkt, dass Eisentheile in destillirtem Was- 
ser rostend, darüber hängendes Lackmuspapier bläuen. Dies rührt 
davon her, dass das destillirte Wasser meist eine Spur Ammoniak- 
salze enthält, mit denen durch das entstehende Eisenoxyd Ammoniak 
frei gemacht wird. (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84, 326.) O.K. 
> b. Angewandte Hague, über den Guano von den Inseln 
des stillen Oceans. — Seit einigen Jahren erscheint ein an phos- 
phorsauerm Kalk reicher Guano im Handel unter dem Namen Amerikani- 
scher Guano, der auf einigen Inseln des stillen Oceans, besonders Baker, 
Howland und Jarvis gefunden wird. Charakteristisch für ihn ist seine 
Armuth an Ammoniak und löslichen Salzen. Der Verfasser hat nun 
1) den Baker Guano der Untersuchung unterworfen und nennt den 
von dem nördlichen Theile der Insel Nr. I, von dem südlichen Theile 
Nr. II, der von der Oberfläche der Schichten Nr. III. 


das Ergebniss war Nr. I. 10%, IIL 
Feuchtigkeit 1,82 2,92 11.15 
Glühverlust 8,50 8,32 “rl 
Kalk 42,34 42,74 40,93 
Magnesia 2,75 2,54 0,74 
Schwefelsäure 1,24 1,30 5,66 
Phosphorsäure 40,14 39,70 40,47 


Kohlensäure, Chlor und Alkalien 3,21 2,48 0,45 
100,00 100,00 100,00 


96 


Nr. L ist trocken, dunkelbraun, grobkörnig und schliesst Wur- 
zeln und Fasern ein, sowie kleine weisse Körperchen, die Liebig als 
Krystalle von Phosphorsaurer Ammoniaktalkerde erkannt hat, 

Nr. U. ist feuchter, leichter, mehr roth und enthält wenig 
Pfianzentheile. 

Nr, III. hat ein krustenartiges Ansehen und ist jedenfalls den 
auslaugenden Wirkungen des Wassers am meisten ausgesetzt ge- 
wegen. \ & 
Der Guanolagerplatz in Schichten, die von 15 .‚Centimeter bis 
zu 1 Meter von dem Rand nach, der Mitte stärker werden, ist ‚von 
Sand, Korallen und Muscheln umgeben. 


Der Guano von der Insel Howland kommt ‚gewöhnlich in 2 


Sorten vor. 
Nr: üL\sto,. H+82 


Feuchtigkeit 1,83 4,12 
Glühverlust 8,65 22,63 
Unlöslich in Salzsäure 

(unverbrannte org. Subst.) 1,95 2,00 
Kalk 42,00 36,90 
Magnesia 2,65 1,24 
Schwefelsäure 1,33 0,58 
Phosphorsäure 39,65 30,80 
Kohlensaure Chlore Alkalien 1,94 1,67 


100,00 10,000 
Nr. I ist heller kommt aus tieferen Schichten und enthält we- 
nig Pflanzeneinschlüsse, Nr. II dagegen dunkler und schliesst viele 
kleine Wurzeln und Fäserchen ein. 


Beide Sorten enthalten Korallenstückchen, in denen die Kohlen- 
säure des Kalkes durch Phosphorsäure ersetzt ist. Viele dieser Ko- 
rallen enthielten bis zu 70 °/, phosphorsauren Kalkes. Oft fand man 
einen festen Kern von kohlensaurem Kalk, umhüllt von einer zerreib- 
lichen Hülle von phosphorsaurem. Der Guanoplatz liegt in .der 
Mitte der Insel. — 

Der Guano von Jarvis endlich kommt nur in einer Sorte in den 
Handel und zwar ergab die Analyse 


Feuchtigkeit 0,12 
Glühverlust 9,62 
Kalk 38,22 
Schwefelsäure 1,93 
Phosphorsäure 50,04 


Nicht bestimmte Stoffe 0,27 
Dieser Guano ist sehr hell, fast weiss und da die Insel Jarvis 
auf dem Korallengrund noch eine oft 60 Centimeter starke'Gypsdecke 
hat, so kam es oft, vor, dass man den Gyps für Guano hielt und so 
ohne es: zu wollen..die Güte dieses Handelsartikels mit Unrecht in 
Misskredit brachte. (Sillim. Amerie. Journ. ZXXIV. Sept.) 2. D. 


97 


Geologie; Rammelsberg berichtet über den letzten 
Ausbruch des Vesuvs am 8. December 1861 nach den Mitthei- 
lungen von Guiscardi, Palmieri und Deville. — Am genannten Tage 
zeigten sich starke und dauernde Erdstösse, welche man Mittags in 
Neapel verspürte und um 4 Uhr Nachmittags begann die vulcanische 
Thätigkeit oberhalb Torre del Greco mit einer Reihe von Dampfsäu- 
len, welche sich bald in eine lange das Haus des Dedonne verschlin- 
gende Spalte verwandelten. An vielen Stellen dieser Spalte schleu- 
derten Dämpfe Lapilli und Asche empor, während in der Mitte ge- 
krümmte Blitze mit Donner sich zeigten. Zugleich flogen Stücke 
glühender Lava empor und es brach ein Strom von Lava hervor, der 
sofort in erkaltende Schlacken sich zertheilte, gegen Torre del Greco 
sich-wendend, aber schon Abends 11 Uhr zu fliessen aufhörte. Gleich- 
zeitig. verstärkte der obere Krater seinen Dampf durch Auswürfe vul- 
eanischer Asche. Andern Morgens beim Besuch des Berges fanden 
PB. und G. schon in Portiei vulcanische Asche, die Gebäude in Torre 
del-Greco: von oben bis unten zerrissen, gleich wie die Lava von 1794 
von :Spalten durchsetzt von Asche und frischer Lava. bedeckt war. 
Die Eruptionsmündungen‘ der letztern liegen in einer NO-SW-Reihe, 
Schlacken und Asche bildeten schon einen länglichen Hügel, aus der 
entferntesten Oeffnung: drangen Fumarolen hervor, in denen Wasser- 
dampf und schweflige Säure sich bemerkbar machten. Aus den tiefer ge- 
legenen Oeffnungen wurden die pulverigen Materien mit glühenden 
Lavastücken unter brüllendem Getöse ausgeworfen, in das der obre 
Krater einstimmte. Erstre Thätigkeit hörte in der folgenden Nacht 
auf,. der grosse Krater beschränkte seine Auswürfe auf einen Tag, 
aber am 14.:December stürzte die Punta von 1850 zusammen. Mit 
der, Eruption begann eine Bodenhebung zu Torre del Greco 2 Tage 
lang, ‚wobei der auf der Lava von 1794 liegende Stadttheil stark litt. 
Die , Wassermenge: der Brunnen erschien vermehrt, am Meeresufer 
brachen Quellen, hervor , ja der grosse Stadtbrunnen überschwemmte 
seine; Umgebung. Ueberall drang Wasser mit Kohlensäure hervor, 
selbst im; Meere, wo viele Fische starben.‘ Die Bodenerhebung  be- 
trägt 1,12 M., bei Torre'di Basano 0,3 M. Unter den Sublimaten der 
Fumarolen war Schwefel häufig’ und Schwefelwasserstoff, hie und da 
aueb Alkalichlorüre‘ durch Eisenchlorid gefärbt. ‘Deville traf am 17. 
December in. Neapel ein, fand die submarinen Mofetten nur theilweis 
aus! Kohlensäure bestehend, ohne Sauerstoff, aber mit Stickstoff und 
Kohlenwasserstoff. Die Gase aus den Spalten der alten Lava am 
Lande enthielten. 96532 C, und nur: 3,68 N und Kohlenwasserstoff, die 
aus! dem! Meere. nahe‘ am Lande 88,60 C, ‚fern. von der: Küste 11,54 
noch! am, 1.. Januar; ihre Temperatur 20° bei der alten Lava, und das 
Meerwasser 32°... Die/ jetzige ‚Spalte ‚entspricht ganz der, vom Juni 
1794, deren. Strom Torre, del; Greco zerstörte,. Sie liegt‘ z. Th, im 
Tuff, und die Auswürflinge kleiner Oeffnungen zeigen diesen, körni- 
gen dolomitischen Kalkstein, Aggregate‘ von Glimmer, Vesuvian, Ne- 
phelin;, . Von 10: Vertiefungen der obern Spalte haben nur 2. Lava ger 


XXL 1863, 7 


98 


liefert, welche sich gegen S dann SW verbreiteten, die übrigen war- 
fen Asche und glühende Blöcke aus. Der stumpfwinklig folgende 
untre Theil der Spalte mit 3 Oeffnungen in der Lava von 1794 lie- 
gend lieferte keine festen oder flüssigen Produkte. Noch am 26. Ja- 
nuar war die Umgebung beider Lavakrater und die sie trennende ge- 
zackte Schlackenmauer glühend in Folge der massenhaften Entwick- 
lung von Chlorwasserstoff- und schwefliger Säure, von Chlorkalien, 
Oxyden, Chloriden von Eisen und Kupfer. Gegen S. waren kältere 
Lavastellen mit Flocken von Salmiak bedeckt, gegen N. mit Subli- 
maten von Chlornatrium und Eisenchlorid. Später erschienen 'Was- 
serdampffumarolen reich an Chlorwasserstoffsäure. Auch die Bildung 
der Chlorkalien hörte auf und die Temperatur sank allmählig. Trotz 
der häufigen Chlorverbindungen fand sich auch Schwefel theils in 
Klümpchen an der Oberfläche geflossen theils in kleinen scharfen 
Rhombenoctaedern fadenförmig gereiht. Ueberraschend schnell wech- 
selt die chemische Beschaffenheit der Fumarolen. Am 4. Tage nach 
der Operation brannte Kohlenwasserstoff an Spalten und am grossen 
Brunnen von Torre del Greco, der aber von Kohlensäure verdrängt 
wurde, welche im Steinbruch von Scarpi 5 Arbeiter betäubte und. am 
9. Januar noch den Zugang verwehrte. Auch der grosse Strom von 
1831 entwickelte aus seinen Spalten viel Kohlensäure, welche zu St. 
Maria di Pugliano die Keller erfüllte, auf der Strasse kleine Haus- 
thiere tödtete und die Kinder zu hüten nöthigte. Das dauerte bis 
Ende Januar. Allmählig verminderten sich die Gasausströmungen, 
wobei aber ihre Temperatur stieg, denn das Gas aus einer Spalte 
hatte am 23. December 12%, dann längere Zeit 20°, am 5. Februar 
47%. Deville schliesst, dass im Anfang sich vielleicht reines Kohlen- 
wasserstoffgas entwickelt habe, darauf Kohlensäure und später noch 
Schwefelwasserstoff und heisse Wasserdämpfe gefolgt seien, und’ meint 
ferner, dass nur ein kleiner Theil der Lava ausgeflossen, der grössere 
in die Höhlungen des alten Stromes von 1794 eingedrungen sei, wel- 
ches zugleich die Verwüstungen Torre del Grecos am untern Ende 
dieses Stromes erklärt. Der ergossene Lavastrom hat einen Lauf von 
1860 M. und bedurfte dazu 7 Stunden (nahe 0,75 M. in der Secunde). 
Charakteristisch ist ihre Discontinuität, ihre schlackige Beschaffenheit 
und selbst bei 8-10 M. Mächtigkeit sind es nur Anhäufungen schar- 
fer Blöcke, in der bizarresten Weise gehäuft... Den Grund davon bil- 
det die Neigung des Bodens, welche durchschnittlich 5° beträgt. Die 
Blöcke zeigen schon eine röthliche oxydirte Oberfläche, während die 
ältern compakte Stöme noch ein frisches Ansehn haben und während 
diese noch heisse Dämpfe entwickeln, sind die einzelnen Blöcke schon 
ganz kalt und ohne alle Thätigkeit: Am interessantesten an der Lava 
von 1858, welche durch zahlreiche successive Ausbrüche einen 'gros- 
sen Raum bedeckt, ist die Art, wie sie auf horizontaler oder kaum 
geneigter Basis sich vorwärts bewegt hat. Anstatt die Unebenheiten 
auszufüllen und eine ebene Oberfläche herzustellen, hat sie auch d& 
wo sie compackt erscheint unzählige Höhlungen gebildet und ihre! 


99 


Kruste reisst und berstet überall sehr leicht. Die Lava von 1861 
ist wenig krystallinisch, in der schwarzen Masse liegen jedoch viele 
Leucitkörner. Die Augitkrystalle sind zahlreich, selten Olivinkörner, 
Glimmer’in kleinen braunen sechsseitigen Tafeln. Es lassen sich zwei 
Lavaabänderungen unterscheiden, eine von krystallinischer oder dich- 
ter Masse stark magnetisch, die andere glasig oder harzartig nicht 
oder kaum magnetisch. Bei der schnellen Erkaltung des Stromes 
wär auch dessen chemische Thätigkeit nur kurz. An seinem untern 
Ende schloss er ein Haus fast ein und liess eine schöne Palme ver- 
schont. 'Hier waren am 21. December zwei Arten von Furmarolen 
in den Lavaspalten: die einen bildeten schwache Absätze von Chlorna- 
trium und’hatten sehr hohe Temperatur, die andern entwickelten stark 
weisse Dämpfe; jene waren anfänglich trockne Furmarolen, jetzt ent- 
hielten sie schon etwas Wasserdampf, schweflige und Chlorwasser- 
stoffsäure, die andern‘ bestanden aus Wasserdämpfen und Chloram- 
monium.' Schon im Laufe des Januar verschwanden diese Erschei- 
nungen. Dagegen hatten im obern Laufe des Lavastromes die Fu- 
marolen anfangs Alkalichlorüre und darüber Salmiak abgesetzt. Die 
Temperatur war hier am 18. December sehr hoch und noch am 15. 
Februar schmolz Zink. Zu dieser Zeit aber waren sie sauer und setz- 
ten Schwefel ab, wie denn der Schwefelwasserstoff das letzte Glied 
in’ der Reihe der-successiv auftretenden Gasbestandtheile der Fuma- 
rolen zu sein scheint. — (Geol. Zeitschr. XIV. 367-374.) 

J. Jokely, @uader und Pläner im Bunzlauer Kreise 
Böhmens. —- ‘Nach’ einer kurzen Skizzirung der topographischen 
Verhältnisse 'hebt Verf. die fast ungestörte Lagerung der Quaderge- 
bilde 'einerseits und ‘die bedeutenden Schichtenstörungen andrerseits 
hervor. In'S des Bunzlauer und SO des Leitmeritzer Kreises meist 
ein'flaches S-Einfallen von 15 bis 200°. Gegen das Leitmeritzer vul- 
eanische Mittelgebirge zu wird die Neigung steiler, um einzelne Pho- 
nolith-‘oder Basaltkerne schon erhebliche Störungen, die grössten aber 
zeigen sich in der merkwürdigen Aufrichtungszone der Quadersand- 
steinbänke und z. Th. des Rothliegenden, welche am S-Rände des 
Oberlausitzer- , Jeschken- und Riesengebirgs von Sachsen herein auf 
weite Erstreckung steil aufgerichtete und umgekippte Schichten wahr- 
nehmen lässt. Der isolirte rothe Gneiss bei Maschwitz inmitten des 
Quadersandsteines scheint‘ wenn jener auch mit dem letzteren und 
den darin in unmittelbarer Nähe nördlich blos liegenden Quadermer- 
gel durch den Phonolith des Maschewitzberges in etwas dislocirt wor- 
den, doch eine schon während der Ablagerung des Quadersandstei- 
nies höher emporragende Felseninsel gewesen zu sein. Stratigraphisch 
hat daher das Quadergebiet wenig auffallendes und seine Störungen 
sind leicht‘ zu erklären.’ Mehr Interesse ' bietet seine Gliederung. 
Das Verhalten des Quadersandsteines und Quadermergels liegt meist 
deutlich vor. In N des Kreises, wo theilweis eine mächtige Quader- 
sandsteindecke vorhanden, findet sich der Quadermergel blos in sei- 
ner obersten Bank vereinzelt im Quadersandstein, in dem tiefen Thal- 


1 


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einschnitte hat, man, bereits drei solcher; Bänke, die unterste über. 10 
Klafter mächtig. Noch südlicher im ganzen Iserthale und dessen Ne- 
benthälern bietet jede höhere Lehne wenigstens 2 mächtigere Qua- 
dermergelbänke im Quadersandstein, dazwischen noch eine schwä- 
chere. Ebenso an den Gehängen der östlichen Zuflüsse der Elbe. 
An den rechten Elbgehängen von Melnik über Wegstädt bis Ruscho- 
wan bildet Quadermergel ununterbrochen die steilen Lehnen und tritt 
unter dem Pläner, noch weiter abwärts hervor... Bei Lobositz beginnt 
das ausgedehnte Plänergebiet des Leitmeritzer. Kreises. InS schnei- 
det dasselbe scharf an der Egerspalte ab, nimmt aber. rechts;der Eger 
die durch diese und die Elbe gebildete N-Landspitze um. Doxan ein, 
um dann bei Duschnik wieder dem Quadermergel zu weichen, der in 
S des Kreises herrscht. Von Auscha bis Dauba wieder mächtige 
Quadermergel im Quadersandstein, die Bänke bei den häufigen Schich- 
tenstörungen nicht, mehr ununterbrochen zu; verfolgen. ‚Die dünnen 
Schichten pflegen ein viel. gröberes, Korn zu haben und. kein mergli- 
ges Bindemittel sondern krystallinischer ‚Kalkspath. An: Glaukonit 
sind sie höchst arm.  Bisweilen scheidet den Quadermergel vom Qua- 
dersandsteine eine Letten- und Lettenschieferlage hin und wieder, von 
limnischem Charakter. . Dabei finden sich oft vollkommen plastische 
Thone neben andern eisenschüssigen Lagen.. Meist gehen, jedoch 
beide Glieder: durch Vermehrung oder Veränderung. des, Kalkgehal- 
tes ganz allmählig in einander über und der Absatz. beider, war. ein, 
völlig, ununterbrochener.. ‚Für diesen, innigen Zusammenhang spricht 
auch ihre Fauna. Die, charakteristischen . Arten, kommen in beiden 
zugleich ‚vor. Immerhin können, einzelne Localitäten leicht zu einer 
falschen Deutung, verleiten. , So namentlich: indem südlichen Theile 
des Leitmeritzer. und Bunzlauer Kreises bildet der Quadermergel.die 
oberste Schicht und wird dann unmittelbar von Pläner, überlagertiund 
mit diesem eng, verbunden, und, daher die Annahme, eines ’nachturo-, 
nen Quaders. scheinbar gerechtfertigt. Unzweifelhaft; aber ist es, (dass: 
vor, Ablagerung, des Pläners höchst bedeutende Veränderungen in. der 
Oberflächengestaltung der Quadermasse statt.hatten. Die,höhern Schich-. 
ten, wie sich die Sandsteine, in,.der sächsischböhmischen Schweiz .dar- 
stellen wurden theilweise fortgeführt, theils gänzlich zerstört bis, auf 
die tiefer gelegenen Quadermergelbänke und, so kommt es, dass,der, 
Pläner. theils ‚auf. Quadermergel theils, auf, Quadersandstein ruht. | Die, 
grosse Verschiedenheit in den Niveaus, . welche sich zwischen., den, 
Schichten des Quaders und Pläners. kund. gibt, ‚beruht, offenbar, auf 
jenen Verwerfungen während ‚der vulcanischen Beriode, — Das Plä- 
nergebiet des Saatz-Leitmeritzer Kreises. ist das. ausgedehnteste in: 
Böhmen. ‚Es, nimmt vorzugsweise die,W-Gegenden, von der Elbe 'zwi- 
schen .der Eger; und. Birla ein.. Südlich, vom,.Leitmeritzer; Mittelge-, 
birge, erstreckt. .es sich ununterbrochen; über. die, dortigen: hochflächi-: 
gen. Ebenen, aber im Bereich, ‚der, Kegelberge..von: Basalttuffen und) 
Conglomeraten ‚bedeckt liegt es nur.in tiefen T'hälern. ‚bloss. .Aehnlich:- 


nördlich.der Birla bis. Bodenbach, dann östlich der,Elbe, ‚Nur, bei, 


101 

Leitmeritz liegt ein breiter Plänerstreifen am S-Rände des Basaltge- 
birges entblösst. Von da nördlich und östlich der Elbe bis zur Iser 
weicht der Pläner fast ganz dem Quader. Dieser einförmigen Ge- 
gend stellt sich an der O-Seite der Iser ein vielfach gegliedertes Wel- 
lenland entgegen, ein zweites Plänergebiet. Ausserdem tritt hier di- 
luvialer Schotter und Sand auf und ausgedehnte Alluvien. Petrogra- 
phisch und paläontologisch ist dieser Pläner hinlänglich bekännt. 
Seine höhern Schichten pflegen milde, bisweilen lettenschieferartig 
zu sein. Die mergligen Schieferthone von Altlenzl und Obertenzel 
gehören ihm an wie alle im Leitmeritzer Mittelgebirge unter vulca- 
nischen Sedimenten zu Tage tretenden ähnlichen Schichten. Derselbe 
thonige Mergel bildet in isolirten Partien die dem Quadermergel oder 
Sandstein aufgesetzten hügelförmigen Kuppen rechts der Iser, von 
Basalt durchsetzt an mehren Orten. Auch auf der linken Iserseite 
erscheint er nördlich noch in solchen Lappen, ferner in schmalen 
Streifen längs dem N-Abfälle des Musky-Gross-Skaler Quadersand- 
steinmässivs. Hier aber fehlt Plänerkalk gänzlich, die ganze Ablage- 
rung ist eine geologisch völlig ungegliederte. Aber interessant ist 
das Auftreten von Sandstein immitten des Pläners. Es ist ein gelb- 
Hichweisser, feinkörniger bisweilen kalkiger Quarzsandstein in Bän- 
ken und Lagen, mit denselben Petrefakten wie die Mergel. Dieser 
Plänersandstein ist also wesentlich verschieden vom Quadermergel. 
Verf. bespricht noch einige untergeordnete Verhältnisse. — (Jahrb. 
Geol. Reichsanst. XII. 367-378.) 

Pissis, Geologie der Cordilleren zwischen dem Co- 
piapo und Choapa. — Eine syenitische Achse erstreckt sich durch 
diesen ganzen Raum parallel der Kammlinie des Gebirges etwas west- 
lich von derselben. Zu ihren beiden Seiten erscheinen zuerst trachy- 
tische Gesteine und dann die ganze Flötzgebirgsreihe vom Gneiss 
bis zum Lias. Letztrer tritt jedoch nur in Osten der Syenitachse 
auf, beschränkt sich auf kleine Stellen auf den höchsten Gipfeln und 
führt allein Versteinerungen (vergl. Burmeister und Giebel, Liasver- 
steinerungen im Thal der Junta). Die Spalten, durch welche die sye- 
nitischen und trachytischen Gesteine hervorbrachen, sind einander 
vollkommen parallel. Ebenso wiederholt sich die Hebungsrichtung 
der Haupt-Andeskette in den westlichen Cordilleren Chilis. Einer 
dieser Gebirgsrücken lässt sich ununterbrochen acht Grade weit vom 
Vulcane von Tuiguirivica bis in die Wüste von Atakama verfolgen 
und überall begleiten die Trachyte die Syenite. Selbst die geringe 
Abweichung von 6°, welche P. anfangs zwischen den beiden Kreisen 
der Hebungssysteme gefunden, scheint davon herzurühren, dass in 
S-Chili die Syenitmassen keine zusammenhängende Linie mehr bilden 
und die Örientirung der Kreise daher nur annähernd möglich war. 
Die zum Systeme der Ostanden gehörenden und vom Verf. schon in 
der Wüste von Atacama nachgewiesenen Rücken setzen auch in die 
Provinz Coquimbo fort, wie sie im Thale von Choapa ihr Ende zu 
erreichen scheinen. — (Cömptes rendüs LIl. 1147.) 


102 


Ed. Suess, der Boden der Stadt Wien nach. seiner Bil- 
dungsweise, Beschaffenheit und seinen Beziehungen zum bürgerlichen 
Leben. Eine geologische Studie. Mit 21 Holzschnitten und einer 
Karte. Wien 1862. 8°. — Der erste Abschnitt bespricht nach Dar- 
legung der betreffenden Literatur die-Lage Wiens, die Oberfläche und 
Gewässer, der zweite die tertiären, diluvialen und alluvialen Bildun- 
gen, der dritte das Auftreten der einzelnen Schichten in Wien der 
vierte endlich ist den. Beziehungen des Bodens zum bürgerlichen Le- 
ben jedoch nicht allseitig genug gewidmet. Die Schrift ist, nicht blos 
für Fachgeologen bestimmt, sondern beansprucht ein allgemeines In- 
teresse und wird Jedem, der mit der Geognosie auch nur ganz allge- 
mein betraut ist, verständlich sein, und reiche Belehrung gewähren. 


@l. 
Orycetognosie. Goebel, Ad., das Erdeessen in Per- 
sien und Analysen solcher Substanzen. — Das Essen mine- 


ralogischer Stoffe ist nirgends so verbreitet wie in Persien, wo diese 
Substanzen sogar einen bedeutenden Handelsartikel bilden, doch nur 
bei dem niedern Volke und ganz besonders den Frauen. Schon Ed- 
drisi (F 1159) gedenkt eines blendend weissen Thones der weit ver- 
führt wird um gegessen zu werden, ebenso andere ältere Reisende, 
während neuere nichts davon erwähnen, weil sie eben nicht darauf 
achteten und doch ist es z. B. in Kaschan und Kum ganz leiden- 
schaftlich. G. traf die essbaren Erdarten in vielen Bazaren. Beson- 
ders sind es zwei Erdarten, Ghel i Giveh von Kirman, und Ghel 
Mahallat von Kum in den Handel gebracht. Letztere ist ein blen- 
dend weisser fettiger Thon stark an der Zunge klebend und findet 
sich im Gebirge Mahallat massenhaft. Er saugt begierig Wasser auf 
bis 5l pC. seines Gewichtes, ohne zu zergehen. Bei 250-maliger 
Vergrösserung zeigt er keine Spuren von Organismen. Im Kolben 
erhitzt, gibt er alkalisch reagirendes Wasser, ist vor dem Löthrohr 
unschmelzbar, färbt sich mit Cobaltsolution schön blau. Er besteht 
aus 43,115 Kieselerde, 0,052 Kali und 19,398 Wasser und hat die 
Formel Al,0;, 2SiO2 + 3HO. Er steht dem Steinmark und Halloy- 
sit am nächsten, von beiden durch seinen Wassergehalt verschieden. 
G. nennt ihn Mahallatin und reiht ihn dem Porzellanthone unmit- 
telbar an, von welchem er eine der reinsten Varietäten repräsentirt. 
Die andre Art Ghel i Giveh, Thon von Giveh kömmt SO. von Kir- 
man im Gebirge Häsar vor und zwar in reinweissen harten Knollen 
mit Flecken organischer Materie auf ihren Kluftflächen, feinerdig, 
nicht fettig, schwach an der Zunge haftend, von salzigem Geschmack. 
Gibt im Kolben etwas Wasser und besteht aus einem Gemenge von 
vorwiegend Magnesiacarbonat mit etwas Magnesiahydrat und kohlen- 
saurem Kalk. Das Microskop zeigte weder Organisches noch Kry- 

stallinisches darin. Die Analyse ergab bei zwei Proben: 

1. II. 
kohlensaurer Kalk 14,680 23,500 
 kohlensaure Magnesia 78,162 68,757 


103 


I II. 


Magnesiahydrat 1,385 2,985 
Chlornatrium 1,773 1.946 
schwefelsaures Natron 0,314 f 

Wasser 3,308 2,812 


Das Mineral reiht sich hienach dem Hydromagnocaleit an. Beide 
Substanzen enthalten weder etwas Nährendes noch etwas auf das 
Nervensystem wirkendes. .Die trockene Hitze in den meisten persi- 
schen Ebenen und das unthätige Leben vieler Orientalen, zumal der 
Frauen hat ein vermindertes Nahrungsbedürfniss zur Folge und jene 
Substanzen werden daher genossen nur um den Magen mit völlig in- 
differenten Stoffen zu füllen, das Gefühl einer vermeintlichen Sättigung 
zu gewähren. — (Bulletin Acad. St. Petersbg. V. 397—407.) 

Derselbe, Analyse der Zinkblühte von Tafl in Per- 
sien. — Das Dorf Tafl liegt auf dem Wege von Jesd nach Teheran 
zwischen Dolomitvorbergen des Schirkuhgebirges.. Eine Höhle im 
Dolomit führt reiche Mangan-, Eisen- und Bleierze. Zinkspath, Ku- 
fergrün und Bleispath treten in Drusenräumen und fein eingesprengt 
auf und am Eingange der Höhle Sinterkrusten von Zinkblühte. Die 
Analyse dieser ergab folgende Bestandtheile: 


kohlensaures Zinkoxyd 42,256 
> Bleioxyd 0,513 

5 Kupferoxyd 0,749 

in Manganoxydul Spur 
kieselsaures Zinkoxyd 0,523 
Zinkoxydhydrat 55,361 
99,402 


woraus G. die Formel 5(ZnO,CO;2) + 8(ZnO,HO) -+ HO berechnet. 
Das Mineral schliesst sich hienach derjenigen Zinkverbindung an, 
welche auf künstlichem Wege als Niederschläge von Zinksalzen aus 
wässeriger Lösung durch kohlensaure Alkalien erhalten werden. Die 
Art des Auftretens in traubigen Massen oder concentrisch schaligen 
Krusten lässt über die secundäre Entstehung keinen Zweifel. Diese 
Zinkblühte kann als Umwandlungsprodukt des im Gestein enthaltenen 
Zinkspathes angesehen werden. G. geht noch weiter auf diesen Bil- 
dungsprocess ein, worüber wir auf das Original verweisen. — (Ebda. 
407-415.) 

Tamnau, thoniger Sphärisoderit von Ponoschau in 
Oberschlesien. — Derselbe findet sich in einem mächtigen Lager 
grauen Thons in losen Knollen und unförmlichen Massen so häufig, 
dass er bergmännisch gewonnen und bei 40 pC. vorheilhaft verschmol- 
zen wird. Merkwürdig ist die Bildung eines offenbar jüngern Spath- 
eisensteins, der in kleinen rhombo&edrischen Krystallen die Sprünge, 
Klüfte und Drusen des Sphärosiderits bedeckt und nicht selten als 
dünner Ueberzug in der Gestalt grosser jetzt hohler Rhomboöder er- 
scheint. Diese pseudomorphen Krystalle lassen bestimmt erkennen, 
dass sie nur dem primitiven Rhomboöder des Kalkspathes, des Do- 


104 


lomites oder Eisenspathes angehören konnte und höchst wahrschein- 
lich dem Dolomite, der doch auch sonst häufig den Spatheisenstein 
begleitet. — (Geol. Zeitschrift XIV. 539.) 


v. Hornberg, kleine mineralogische Notizen. — Zu 
den Bodenmaiser Mineralien: Stilpnomelan vom Giesshübelhaupttrum 
des Silberberges derb mit Pyrit; Fahlunit auf der Barbaragrube derb 
und krystallisirt; Caleit sonst sehr selten jetzt auf dem Wolfgangstol- 
len; Pseudomorphosen von Brauneisenerz nach Kalkspathskalenoedern 
ebenda; Antholit auf der Grube Barbara. — Krystalle von Lead- 
hillit auf König David bei Schneeberg. — Karbonbleispath auf dem 
Bleibergwerk in Höllenthal — Olivenit am Kogel bei Brixleck — Gö- 
thit am rothen Hahn zu Langenberg in spiessigen Lamellen — Pyro- 
morphit — Pyromorphit haarförmig und büschelförmig bei Schlotten- 
hof — Zinkvitriol krystallisirt bei Schemnitz — Realgar auf der An- 
timonkluft zu Kremnitz einmal in langen Säulen — Schalenblende 
theils nierenförmig, theils traubig mit Weissgültig und Fluss im Mün- 
sterthal in Baden — Andalusit mehrfach in verschiedenen Vorkomm- 
nissen — Eisenkiesel pseudomorph nach Kalkspath, Quarz, Amphibol 
und Sahlit. — Silber ganz rein meist in der Kernform, auch moos- 
artig, gestrickt vom Lake superior — Kupfergrün von Leistenberg 
in Verdrängungspseudomorphosen nach Bleicarbonat mit Quarz und 
Brauneisenerz — Fasriges Brauneisenerz in Verdrängungspseudomor- 
phosen nach Quarz bei Aue in Sachsen, nach Eisenspath in Lichten- 
berg, dichtes in solchen nach Bitterspath bei Kaulsdorf, Umwand- 
lungspseudomorphosen nach Kammkies zu Schlaggenwald, nach Am- 
phibol am Graul bei Schwarzenberg — Stilpnosiderit theils pseudo- 
morph theils nierenförmig bei Lichtenberg — Malachit säulenförmig, 
in Zwillingen, drusig auf zelligem Quarz bei Zellerfeld, noch, schö- 
ner auf dem Schmidthof bei Aachen, pseudomorph bei Kupferberg 
mit Krystallen der Kupferlasur auf Baryt, nach Bleicarbonat bei Lich- 
tenberg — Eisenvitriol krystallisirt auf blauem Quarz bei Badenwei- 
ler — Kaliglimmer in grossen Tafeln im Schriftgranit zu Zwiesel in 
Begleit von Columbitkrystallen. — (Regensburger Correspondenzblatt 
AVI. 13. 37. 139.) 


Schmidt, der Fichtelit in den Torfmooren des Fichtelge- 
birges. — Diese Holzmoore führen ungemein viel Holz zumal Cöni- 
ferenstöcke, untergeordnet Birke, Haselnuss, Weiden und: Erlen. Bei 
Redwitz und Zeitelmoos findet sich zwischen den Holzspalten des 
Tichten- und Föhrenholzes ein verdichteter Kohlenwasserstoff, der 
Fiebtelit in glänzenden Schuppen, auch in monoklinometrischen Pris- 
men und in ganzen. Schichten das Holz bedeckend, wie ein sublimir- 
ter Anflug. Er lässt sich in einen in Alkohol löslichen,und unlöslichen 
Theil trennen, Clark gibt 87 Kohlenstoff und 11,86. Wasserstoff an. 
Neben ihm findet sich noch. eine andere Kohlenwasserstoffverbindung, 
das Reten, schuppenartig angeflogen und die sämmtlichen Holztheile 
durchdringend. Mit Pikrinsäure bildet es gelbe Nadeln, mit Schwe- 


105 


felsäurehydrat löst es sich mit dunkelbrauner Farbe, nach Fritzsche 
36 0,18 H. —: (Zbenda 180.) 

‘5 F. Ulrich;'Kalkspath im Granit des Okerthales. — 
Tief. im Innern: einer Klippe wurden Kalkspath mit Flussspath ent- 
deekt , welche 'nicht späterer Entstehung sein dürften. In einer klei- 
nen etwa einen Fuss grossen Ausscheidung grobkörnigen Granites, 
welche‘ nach aussen in gewöhnlichen‘ Granit verläuft, liessen sich 
Quarzkrystalle und Andeutungen von Feldspathkrystallen unterschei- 
den; während die Mitte vorzugsweise aus Kalkspath und Flussspath 
bestand.  Letztrer' bildete einen einzigen Krystall von 3/4‘ Achsen- 
länge. Söchting’hebt bei dieser Mittheilung die Seltenheit des Kalk- 
spathes im Granit 'hervor, das Vorkommen bei Baveno für sicher 
secundärer Entstehung und meint auch hier nur Erfüllung eines Dru- 
senraumes zulässig. — (Geol. Zeitschrift XIV. 534.) 

Nik. v. Kokscharow, Beschreibung des Alexandrits 
(Petersburg 1862. 40. 3 Tff.). — Dies Mineral findet sich in den 
Smaragdgruben der Tokowaia O. von Katharinenburg und wurde an- 
fangs dem Chrysoberyll zugewiesen. Seine schönen grossen Krystalle 
sind meist Drillinge, oft auch unregelmässig gruppirt im Glimmer- 
schiefer eingewachsen, dunkelgrasgrün in smaragdgrün ziehend, auch 
blass gelblichgrün, besitzen einen sehr starken Pleochroismus. Verf. 
gibt nun genaue Messungen der Krystallformen, wegen der wir auf 
das Original verweisen müssen. Die grössten Krystalle messen 9 
Centimeter. Das spec. Gew. bestimmte G. Rose auf 3,689, Verf. auf 
3,666 und 3,577 also beträgt es im Mittel 3,444. Vor dem Löthrohre 
vollkommen unschmelzbar, schmilzt mit Borax zu einer reinen hell- 
grünen Glasperle, in Boraxsäure kaum bemerkbar auflöslich, mit Phos- 
phorsalz sehr schwer schmelzbar zu einer blassgrünen Glasperle, 
mit kohlensaurer Soda und schwefelsaurem Kali beinah unveränder- 
lich, mit Flussspath schmilzt er ziemlich leicht zu einer blassgrünen 
undurchsichtigen Kugel. Die chemische Analyse ergab 78,92 Thon- 
erde, 18,02 Beryllerde, 3,48 Eisenoxyd, 0,36 Chromoxyd, 0,29 Kupfer- 
und Bleioxyd. Die optischen Eigenschaften hat Haidinger ausführlich 
dargelegt. 

W. Sartorius v. Waltershausen, über die Berechnung 
der quantitativen mineralogischen Zusammensetzung der 
krystallinischen Gesteine vornehmlich der Laven. (Göttingen 1862. 4°.) 
— Verf. berechnet Gleichungen, aus denen die mineralogische Zu- 
sammensetzung krystallinischer Gesteine schneller als nach der 
bisherigen Methode ermittelt wird, soweit es nämlich nicht auf äus- 
serste Genauigkeit ankömmt. Der Inhalt gestattet leider einen kur- 
zen Auszug nicht und empfehlen wir die schätzenswerthe Abhandlung 


der Aufmerkamkeit der Fachgenossen. G. 
Pihlacontologie,. H. R. Goeppert, neuere Untersu- 
chungen über Stigmaria fiecoides. — Die Akten über die 


Deutung dieser weit verbreiteten Kohlenpflanze sind noch immer 
mcht geschlossen. "Verf, wirft einen Blick auf dieselben und legt 


106 


dann seine neuesten Untersuchungen vor, aus welchen er nun folgende 
zweifellose Resultate zieht. 1. Die Stigmarien sind nur Wurzeläste 
der Sigillarien, deren 3 Arten S. reniformis, elongata, alternans er in 
Stigmaria übergehen sah, ohne diese Wurzelstöcke specifisch unter- 
scheiden zu können. Deren Modifikationen beziehen sich nur auf die 
Form der Oberfläche, welche geglättet, gestrichelt, gerunzelt vor- 
kommt, kaum eine auf die Form der Narbe. 2. Die grossen mächti- 
gen Stämme der Sigillarien entbehrten also jeder Spur einer Pfahl- 
wurzel und befestigten sich nur durch von allen Seiten ausgehende 
Dichotomie, schon bis 30° lang verfolgte Wurzeläste, welche eben 
Stigmaria ficoides heissen. Von diesen ausstrahlenden oft 60° langen 
Nebenwurzeln, deren ein Stamm von 2‘ Durchmesser mindestens 20 
bis 30 besass, gingen nun wieder 1‘ dicke, 6‘ lange an der Spitze 
gabelig getheilte Fasern rechtwinklig aus,, wodurch ein sehr dichtes 
und verworrenes Gewebe gebildet ward. 3. Niveauveränderungen 
führten meist auf der zu Torf oder Kohle gewordenen Unterlage neue 
Vegetation herhei, neue Kohlenflötze bildeten sich über den alten so 
in Neuschottland in den 1400° mächtigen Kohlenführenden Schichten 
68 verschiedne Niveaus von Stigmarien. Jene Unterlage von soweit 
reichenden mächtigen Wurzeln im thonig-schlammigen Boden konnte 
auch einbrechenden Wasserströmen um so eher widerstehen, während 
andre Pflanzen leicht fortgeschlemmt oder in höhere Niveau der Schie- 
ferthon- und Sandsteinschichten eingeschlossen wurden. Daher die auf- 
fallende Erscheinung der Stigmaria im Liegenden der Flötze. Die 
Verwandtschaft der Sigillarien zu andern Pflanzen ist eine vielseitige, 
aber keine innige. — (Geol. Zeitschr. XIV. 555— 566.) 

Würtemberger, Fr. und Th., fossile Pflanzen aus den 
Tertiärgebilden des Klettgaus. — Die miocänen Tertiärgebilde 
S-Bayerns sind sehr arm an Pflanzenresten, um so erfreulicher ist 
die Auffindung zweier Localitäten, welche reich daran sind. Die 
eine liegt bei Baltersweil in einem grobkörnigen glimmerreichen Sand- 
steine auf dem Weissen Jura, welcher der aquitanischen Stufe ange- 
hören wird. Sie wird bei Dettighofen von der Austernagelfluh über- 
lagert und die Decke dieses marinen Conglomerates bildet eine mäch- 
tige Sandschicht, in deren Knauern sich Conchylien und Pflanzen finden. 
Selbige ist eine Brakwasserbildung und reiht sich der Mainzer Stufe 
an. Die Bestimmungen der 49 Arten von Baltersweil und der 29 von 
Dettighofen gab O. Heer und Verff. zählen dieselben namentlich auf 
eine ausführliche Abhandlung über die Tertiärgebilde im Klettgau in 
Aussicht stellend. — (Neues Jahrb. f. Mineral..1862. $. 719-722.) 

F. Stoliezka, oligocäne Bryozoen von Latdorf bei 
Bernburg. — Nachdem Verf. die von ihm bestimmten Foramini- 
feren und Anthozoen blos namentlich aufgezählt hat, wendet er sich 
zu den Bryozoen, beleuchtet deren Vorkommen in den marinen Schich- 
ten des Wiener Tertiärbeckens und charactersirt dann die 47 Arten 
von Latdorf, welche mit denen der Leithakalkbildungen in eine Reihe 
zu bringen sind. Indem wir die Arten hier namentlich aufführen, 


107 


lassen. wir wie gewöhnlich: bei. den neuen den Autornamen weg und 
bezeichnen die Arten von Reuss nur mit. R. 


Pustulopora ‚attenuata 


Idmonea Hoernesi 


Eschara ornatissima 


pulchella R Domopora prolifera R crenatula 
retifera Pavotubigera anhaltina subovata 
Hornera hyppolyta Dfr | Heteropora similis pulchra 
 reteporacea M |Cellaria Michelini R moniliferaMEdw 
Edw Beyrichi proteus R 
verrucosa R Lepralia Grotriani Reussi 
porosa pedieularis coscinophora R 
‚gracilis Phil macropora porulosa 
‚ subannulata Phil | Membranipora robusta |Bidiastopora tubulife- 


|. «TaR. 
Cellepora globularis Br 
Retepora Rubetschi R 


9 seriatopora R R 
Fitisparsa tenella anhaltina 
Idmonea foraminosa R | Alveolaria Buski 


. Giebeli Biflustra elathrata Phil fasciata 
delicatula Buck glabra Phii Lunulites subplana R 
tenuisulca R Eschara mortisaga latdorfensis 


und zwei neue Gattungen mit je einer Art, deren Diagnosen wir wört- 
lich mittheilen. ' 

Orbitulipora: Die Zellenkolonie bildet einen scheibenförmigen, 
beiderseits flachen oder nur wenig vertieften Körper, an dem. die 
blasigen Zellen beiderseits münden; ander Oberfläche sind sie ganz 
unregelmässig vertheilt und erscheinen am Querschnitte in 2 in ein- 
ander greifende Reihen gesondert, ohne dass sich eigene Scheide- 
wände ausbilden möchten. Unter einander anastomosiren die Zellen 
durch Sprossenkanäle. Erinnert auffallend an Orbitulites. Art, Orb. 
Haidingeri. — Stichoporina: Die kalkige Zellenkolonie ist frei, napf- 
bis ‚scheibenförmig; die Zellen haben die gewöhnliche Form einer 
Blase, münden nur ‚an der. Oberseite und beginnen ihr Wachsthum 
von einer im Centrum liegenden Mutterzelle gleichmässig nach allen 
Richtungen, ohne jedoch in einzelne Radial- oder concentrische Rei- 
hen geordnet zu sein;;an der Unterseite sind die Begrenzungen der 
einzelnen Zellen durch Furchen angezeigt; unter einander communi- 
ciren sie durch Sprossenkanäle, während ausserdem ein zweites Ka- 
nalsystem sich in den Zwischenräumen der Zellen verzweigt und an 
beiden Seiten mittelst feiner Poren mündet. Die Art heisst St. Reussi.*) 
— (Wiener Sitzungsberichte ALV. 71—94. 3 Taf.) 

Kirby beschreibt als permische Arten Cythere plebeja Rss, 
C. Schaurothana und Fenestella retiformis und gibt alsdann ein Ver- 
zeichniss von 20 Arten, ‚welche in Steinkohlen- und in permischen 
Schichten vorkommen, z. Th. aber, besondere Namen für jede Forma- 
tion ‚erhalten haben, So Terebratula sacculus Mart = T. elongata 


*) Eine ausführliche Monographie der Latdorfer Fauna erscheint 
demnächst in den Abhandlungen der Hallischen naturforschenden Ge- 
sellschaft. Giebel. 


. 


108 


Schl, 'Spirifera Urii Fl = Sp. Clannyana Kg, Spiriferina öctöplieata 
Swb = Sp. cristata Schl, Camarophoria erumena Mart = 0. Schlot- 
heimi Buch, C. rhomboidea Phill = C. globulina Phill, Athyris Royssi 
Lev = A. pectinifera Krb, Lingula mytiloides Swb = L. Credneri 
Gein, Discina nitida Phill = D. Konincki Gein, u. a. — (Am. mag. 
nat. hist. X. 202—215. tb. 4.) 

A. Gaudry, die fossilen Affen von Pikermi. — Meso- 
pithecus pentelieus liegt nun vollständig vor undestimmt im Schädel 
und Gebiss fast gänzlich mit Semnopithecus überein, aber der übrige 
Skeletbau weicht ab, die Gliedmassen zeigen ein viel weniger schlan- 
kes Thier, dessen hintere Extremitäten nur wenig länger als die vor- 
deren waren ähnlich wie bei Macacus. Von Hylobates weicht er im 
Schädel- und Gliederbau ab. Alle Affenreste von Pikermi, welche G. 
sah, gehören dieser einen Art an, deren Kiefer und Zähne nach Al- 
ter und Geschlecht erhebliche Unterschiede zeigen. Die Länge des 
Thieres vom Kopfe bis zum Beckenrande mag !/, Meter betragen, und 
die Höhe beim Gange auf alle Vieren 0,30. Der Schwanz hatte das 
Verhältniss wie bei Semnopithecus, etwas über !/, Meter. So bei 
dem Weibchen, das Männchen scheint um !/; grösser gewesen zu sein, 
Das Thier muss mehr auf dem Boden als auf Bäumen und gesellig 
gelebt haben. Der Gesichtswinkel beträgt 57°. Die Zähne sind auf 
Kraut und selbst holzartige Pflanzentheile (Früchte) eingerichtet. Das 
Ischium weist auf Gesässschwielen. Der Daumen ist den Mittelfin- 
gern gegenüber schlanker und zum festen Greifen nicht eben geeig- 
net. Die schlanken Zehen der Hinterfüsse waren unbequem für den 
Gang. Wie üblich schliesst Verf. auf ein wärmeres Klima als ge- 
genwärtig für Griechenland, wozu dieser Affe doch auch nicht den 
geringsten Anhalt bietet. Wie lange wird es ‘dauern, dass man eine 
so gänzlich unbegründete Hypothese wie die vom wärmern Klima 
bei jeder Gelegenheit auftischt! — (Compft. rend. LIV. 1113—1114.) @l. 

Botanik. Miers setzt seine Untersuchungen der Ephe- 
dra fort und gibt nach den ihm bekannten südamerikanischen Arten 
folgende specielle Characteristik der Gattung: Flores unisexuales; sed 
dubitandum est, si sexus singuli in diversis plantis, vel in diversis 
ramis vel in eadem spica orti sint; certissime 5! in axillis spicarum 
enati, mox deciduis, 2 semper terminales et forsan in eadem spica 
tardius oriundi. Flores J'! in spica amentiformi imbricatoinvolucrata 
plurimi; involucellum singulum bracteiforme imo cum opposito in va- 
ginam brevem coalitum ovatum erectum; involucella hoc modo per 
paria nexa, decussatim imbricata et quadrifaria, singula uniflora. Pe- 
rigonium intra quodque involucellum unicum, e basi ortum, petaloi- 
deum, coloratum, turbinatotubulosum, compressum, limbo bilabiato, 
labiis rotundatis, aestivatione imbricatus, posteriore exteriore mox de- 
ciduum, Stamina monodelpha, cum perigonio decadentia; filamenta 
in columnam fistulosam compressam apice dentatam aut breviter fis- 
sam perigonio aequilongam vel longiorem connata; antheräe 3—12, 
tubi dentibus vel filis brevissimis crebriter basifixae ovatae vel oblon- 


109 


v4 


gae erectae, ‚bilobae bilocellatae, poris 2 apicalibus rarissime trans- 
versim connexis dehiscentes. Pollen globosum vel ellipticum 8 sul- 
eatum. Ovarii vestigium nullum. Florum 2 partes ignotae. Achenia 
2 distincta, rarius solitaria, summo spicae amentiformis affıxa, involu- 
cellis omnino vel semiinelusa oblonga subcompressa, planoconvexa, 
eollateralia, erecta. Pericarpium siccum, coriaceum glaberrimum, in- 
dehiscens, apice glandulaeformae pro tubilli transitu pervium, unilo- 
culare. Semen unicum, basi affıxum, loculo paulo brevius, apice acu- 
tum; integumenta 2, simplicia, ab imo usque ad medium coalita et 
membranacea, dehine superne libera et distineta; testa tegmine valde 
brevior, ore lato aperta; tegmen superne opacius, erassius, saepe cor- 
rugatum, apice glandulae carnosa majuscula clausum; tubillus e cen- 
tro glandulae productus, erectus, elongatus, per foramen pericarpii 
prolatus, et saepe longe exsertus, filiformis, teres, fistulosomembra- 
naceus, persistens, apice irregulariter laceratus aut breviter bilabia- 
tus, labiis aut brevibus concavig et subaequalibus, aut inconstanter 
inaequalibus; hilum cum chalaza basali confusum, substipitatum; ra- 
phe/ nulla;. albumen oblongum, compressum, obpyriforme, carnosulum, 
apice ad glandulam adhaerens, embryone paulo longius; cotyledones 
oblongae, ‚compressae, ‚subfoliaceae, radicula teres, süpera, 'hilo con- 
traria,, cotylis, aequilonga. wel dimidio; brevior et earum sexta parte 
latitudinis. — Suffrutices cosmopolitani, e basi ramosissimi, erecti, 
humifusi/vel alte scandentes; ramulis teneribus, saepius virgatis, op- 
positis, ternis aut faseiculatis, in-axillis nodosis; folia rudimentaria 
2, opposita; velplura, primum in vaginam brevem amplexicaulem apice 
2 %-4 fissam coalita, demum saepe disjuncta; flores parvi, spicati; 
spicae parvulae, in axillis sessiles, solitariae, binae aut plures glo- 
meratae, veliin ramulum. brevem terminantes,, involucellis viridibus, 
perigonio. saepius, aurantiaco, columna staminali viridescente, en 
laete.flavis, —. (Ann. mag. nat. hist. X. 133—140.) 

Fr. Wimmer, salicologische Beiträge. — 1. Salix pyre-) 
naica, tephrocarpa. und longifolia Host. Die erste Art: gehört zu den 
seltenen, wurde von Seringe als S. ovata, von Fries als S. pyrenaica 
nprvegica , von Blytt alsıS. norvegica, von Anderson als’ S. alpestris 
aufgeführt. Es ist, eine gute Art, den obern Alpengegenden eigen! 
W.ichanakterisirt'sie vergleichend mit ihren Verwandten\und verfolgt 
ihne geographische, Verbreitung. ' Die zweite erhielt er aus dem Ber- 
liner Garten,‘ Sie: ist\S. eineres sehr ähnlich, aber wohl’ ein Bastard 
von, dieser. und: $. laurina, dennoch gibt’ er ihr einen Artnamen S$. 
tephrocarpa, und! beschreibt: sie näher. Die dritte Art! stammt aus 
Schlesien. und, ist: von W, in Breslau  angepflanzt' worden. — 2, Er- 
läuterung: den Synonymie der Salixarten. Mit einer'Monographie über 
die europäischen Weiden beschäftigt theilt Verf. hier als Vorläufer: 
denselben. deren Synonymie. unter specieller Darlegung‘ mit, Es sind 
folgende Synonyme: + 

1.)8i aeuminata, Hoffm Wild — $. einerea. L; $. acuminatal'Sm 


110 


— 8. calodendron Wien, S. acuminata Koch = mollissima Sm, Smi- 
thana Wild und lanceolata Fries. / 

2. S. mollissima Ehrh Willd' Koch Comm = triandraviminalis 
Wim und pubera:Koch, $. mollissima Sm = viminalis-caprea angu- 
stifolia Koch, ferner = Smithana Willd Koch Forb und einereovimi- 
nalis, endlich S. mollissima Wahlb = viminalis-purpurea und ru- 
bra Huds. 

3. S. holosericea Willd f' —= triandra-cineres Meyer und eine- 
rea-longifolia Wim und velutina Schrad., S. holosericea Koch — ci- 
nerea-viminalis Wim, $S. holoserices Ser = incana-caprea Wim und 
Seringeana Gaud, endlich S. holosericea Gaud —= $. viminalis-caprea. 

4. S. lanceolata Sm ein Bastard von alba und triandra,: bei Ehr- 
hard undulata. 

5. 8. rosmarinifolia steht S 'repens auffallend nah und fällt mit 
dieser zusammen. Bei ihrer: grossen Manichfaltigkeit sollte sie S. pö- 
lymorpha heissen wie Ehrhart vorgeschlagen hat. Die Linnei’sche 
Art ist $. repens-viminalis, wie auch die Smith’sche und: Willdenow’- 
sche. Für diesen Bastard wählte Koch und Fries mit Unrecht Wul- 
fens Namen S. angustifolia. 18 

6. S. oleifolia Sm nach Koch eine’ schmalblättrige S. cinerea L. 
Seringes oleifolia ist aurita-incana = Flüggeana Willd und pallida 
Forb und salviaefolia Koch. 

7. 8, bicolor. Ehrh vom Brocken: ist genau Weigeliana Willd' von 
Riesengebirge und dieselbe, welche Fries für phylieifolia L. erklärt. 
Eine / Weide in den Gärten unter dem Namen bicolor ist bestimmt 
verschieden davon und die $. discolor Schrad und Schraderana Willd 
und phyticifolia var. violacea Hartig, wahrscheinlich ein Bastard. 

8. S. phylieifoia L wird von Einigen auf bicolor Ehrh von An- 
dern auf nigricans Sm gedeutet und letztres hat viel für sich. W. 
hält es für besser diesen nieht sicher zu deutenden-Namen ganz fal- 
len zu lassen. Wulfen verstand unter: phylieifolia die S. glabra Scop. 

9... cinerea L ist allgemein anerkannt, bei Hoffmann und Will- 
denow als acuminata aufgeführt. »Smiths cinerea ist eine andere nicht 
deutbare, Gost nennt die ächte cinerea $. polymorpha und seine ci- 
nerea ist daphnoides, ‘die W. nicht .enträthseln kann. 

10. 8. finmarchia. Willd ist S. repens-myrtilloides, bei Fries bi 
zieht sie sich auf einen Bastard von myrtilloides und aurita, den Hart- 
mann $. paludosa nennt. — (Schlesische Abhdl. II. 125—137). —e 

Zoologie. J.'E. Gray führt eine neue Art der Gattung 
Paragorgia als P. Johnsoni von Madeira auf, welche der norwe- 
gischen sehr nah steht, doch in ‘der stärkern Verästelung und zahl“ 
reicheren Zellen davon verschieden ist. — (Ann. mag. Ks "hist, 
A. 125.) ib 

L. Reeve, Revision der Geschichte, PER und 
geographischen Verbreitung der lebenden Crania und Or- 
bieula. — 1. Orania Retz zählt 4 lebende Arten,sinämlich Cr. ano- 
mala Müll (= Patella distorta Montg, Orbicula norvegica Lmk, Cr. 


111 


personata Lk, norvegiea Swb, Criopus anomalus Flem) im nördlichen 
atlantischen Ocean von‘ Spitzbergen: bis Vigo Bai. — Cr. turbinata 
Poli (= ringens Hoeningh) im Mittel- und Aegeischen Meere in 40 
bis ’150 Faden Tiefe. — Cr. rostrata Hoeningh an der W-afrikanischen 
Küste. — Cr. Suessi n. sp. bei Sydney. — 2. Orbicula Swb in 7 le- 
benden Arten bekannt: O. ostreoides Lk (= O.norvegica Swb, striata 
Swb, Crania radiosa Gould, Orb. Evansi' Davd) NW-Afrika. — Orb. 


stella Gould China, Singapore und Philippinen. — Orb. antillarum 
d’Orb Cuba und Martinique. — ©. Cumingi'Brodp Centralamerika. 
— 0. laevis Swb Chili. — ‘©. tenuis Swb Chili, S-Australien. — 


O.lamellosa Brodp Peru. R. spricht sich über. diese einzelnen Arten 
besonders aus und verspricht deren Abbildungen im 13. Bde. seiner 
Conchol. icon. zu geben. — (Ann. mag. nat. hist. X. 126 —133.) 

H. Clark beschreibt folgende neue mexikanische Hydro- 
pori: A. thorace haud striolato; 1. rotundati: H. Portmanni, Lecontei, 
Bryanstoni; 2. breviter ovati: H. Roffi, decemsignatus; 3. oblongi: 
H. Wardi, Kingi, aequinoctialis, infaustus, infacetus; B. thorax striola 
utrinque basali. a. in elytris continuata. 1: breviter ovatus, sat con- 
vexus: H. Fryii; 2. oblongi: H. magensis, Charlotti, Emilianus, adum- 
brätus; b. thoracis striola in elytris haud continuata: H. apicatus. 
— (Ann. mag. nat. hist. X. 173-184.) 

C. 3. Eberth, über Myoryctes Weismanni neuer Parn- 
sit im Froschmuskel. — Dieser Wurm ist mit blossem Auge nicht 
zu erkennen und wurde zuerst im Hautmuskel der Brust bei Rana 
temporariain drei Exemplaren von Kölliker aufgefunden. Zwei Exem- 
plare lagen im Innern der Primitivfasern,: und einer frei im Perimy- 
sium, erstere von einem walzigen Schlauch umschlossen; welcher in 
eine Oeffnung der Faser mündet und aus einer zähflüssigen oder schlei- 
migen Substanz besteht. Die Länge des Wurmes beträgt 0,162 —0,216 
Millim., die Breite 0,0135-- 0,0162, der cylindrische grade Leib' endet 
beiderseits mit einer knopfförmigen Anschwellung. Im Munde findet 
sich ein horniges, vorn in ein feines Knöpfchen geendigtes Stäbchen; 
vielleicht‘ ein Bohrapparat für die Wandung. Unter der glatten Haut 
folgt eine schmale Längsmuskelschicht. Der Oesophagus ist walzig 
mit 'innerer fester structurloser Membran, der walzige Darm mit Plat- 
tenepithel ausgekleidet, das Rektum ohne solches, der After kurz. vor 
der knopfförmigen Anschwellung gelegen. Die weibliche Geschlechts- 
röhre ist doppelt, ihre Oeffnung im Anfang des hintern Körpervier- 
tels gelegen. Die Hoden ein kurzer cylindrischer Schlauch, ‚welcher 
mit dem Darm mündet; zwei kleine paarige Spicula.' E. fand diese 
Würmer ausser im Brustmuskel auch in den Muskeln ‘der Zunge, des 
Herzens, in der Serosa der Leber, der Submucosa der Zunge. Im 
März fand E. sie am häufigsten, minder ‚häufig im Juni.‘ Sie neh- 
men mit vorschreitender Jahreszeit an Grösse zu und werden ge- 
schlechtsreif, im’ März nur 0,162 Millim. lang, im Juni 0,594 Millim. 
und dann mit reifen Eiern. Männchen wurden nach April nie mehr 
aufgefunden. Ihre Verschiedenheit von Trichina spiralis bedarf kei- 


112 


ner weitern Auseinändersetzung und auf diese schlägt; E. obigen neuen 
Namen: vor.— (Zeitschr. f. wiss. Zoologie XII. 530—535 Tf.,37.): 

Fil. de Filippi, Lebistes nov. gen. Cyprinidontum: ‚Habi- 
tus Poeeiliae. ' Dentes supra et’ subtus in serie ‚externa majusculi, 
compressi, ineuryi;.\in serie interna rari distantes,. minimi conici. 
Pinnae ventrales anali‘valde approximatae, radio secundo; longiore, 
in ‘feminis: protracto,, ungulifero. ‘Pinna analis radiis secundo et 
tertio in utroque sexu valde incrassatis et elongatis.. Die Art L. poe- 
cilioides. hat in) den Brustflossen 14, den Bauchfl. 6, der'Afterflosse ı7, 
der Rückenflosse I. 8 Strahlen. Insel Barbados. — (Archi. Zool. Anat. 
Fisiol. 1861. Giugno. 1. 69-70, tb. 4. fig.:6. | 

G. Canestrini, Ophicephalus apus nov. sp.: sine 'pinnis 
ventralibus.- Altitudo.\corporis; longitudini —= 1:71/a— Tl/a.  Longi: 
tudo capitis: ‚longitudini eorperis = 1:4. Caput, diametro oculi se- 
ries. eirciter longius. In maxilla inferiori et vomere. dentes, aliquot 
majores, inter alios parvos. 'Macula nigra in posterioribus  pinnae 
dorsalis radiis.‘ Rad. br. 5, D. 33, A. 23, P. 14, V. 0, ©. 14, Giava 
— (Ibidem 77. tb.:4., fig. 7.) ? 

A. Costa, meue. Mittelmeerfische. — 1. ‚Plagusia pieta: 
elongata,, latere' ‚sinistro; seu..oculifero, saturate, griseolutescente, irre- 
gulariter nigro signato, pinnis sordide, luteis,.;radiis omnibus. nigro 
notatis:: latere dexteno s./eaeco; albido lutescente immaculato; oper- 
eulo: postice profunde sinuato.. Long. JO mm. —. 2. Grammäiconotus: 
nov. gen. Esoein : corpus-elongatum, valde,compressum, dorso angusto 
lineari, planato; caput, acutiusculum; ore, parvo, ‚maxilla inferiore, su- 
periorem  paullo superante; ‚pinnae:‚dorsalis. ‚et, analis ‚similes atque 
oppositae,, in«corporis, parte, postica,sitae, radiis anticis a membrana 
conjunctis, simplieibus; posticis; diseretis, ramosis, pinnulas, forman- 
tibus; pinnae; ventrales. minutae, in, medio'abdominis insertae; cutis 
pigmento, argenteo vestita, squamis hand conspieuis., ‚Die. Art Gram: 
bicolor. ist. silbenfarben;| längs. der Oberseite schwarzblau. — Cannon 
rio Mus. Z0olog. Napoli. I. 51.55. tb. 1.), 

Derselbe, Bursinia.nov./gen. Fulgoridarum:, Sa yalde 
produetum,, productione ‚tetrandra,; lateribus: parallelis;, fronte 'tricari- 
nata, carinulaque altera in quavis, faeie. laterali,. pronotum .transver- 
sum, mesonoto. brevius;; elytra abbreyiata,. postice truncata, omnino 
coriacea,. obsoletisssime; reticulatovenosa; . tegula, elytrorum alaeque 
nulla.. Die Art: B. hemiptera.,mit ‚drei Kielen; auf dem Pro- und. Me-, 
sonotum, einem auf dem Hinterleibe,, mit schwarzspitzigen Dornen an 
den Schiener@und| Tarsen, lebt im, südlichen Italien. 

Nephrosia,novw, gen. Dictyophorum:, caput antice breviter 
pyramidatoproductum; vertice frontequeitricarinatis, carinis frontalibus 
in.elypeum continuatis; oculi, reniformes,. infra ‚sinuosi; ‘jantennae, im 
oculorum: sinu: insertae, minus ‚breves validae;;. pronotum transversum, 
mesonoto multo: brevius; mesonotum-fere aeque longum alatum, sub- 
triangulare;; ‚elytra, coriaceohyalina, ‚venis/discoidalibus longitudinalibus 
tribug-apice conjunctus,: venulasque ad.marginem posticum mittentibus;; 


113 


areolis nullis; tibiae posticae calcare mobili valido compresso lato, 
oblique truncato praeditae. Die Art N. elegans im südlichen Italien. 
. = (Annuürio Mus. Zoolog. Napoli I. 72. tb. 2.) 

J. E. Gray gibt eine neue Gruppierung der Crocodile 
mit Charakteristik der neuen Gattungen, die wir nur namentlich auf- 
führen können: I. typische Crocodile. A. 1. Oopholis mit ©. poro- 
sus (= Cr. biporeatus Cuv, biporcatus raninus M Schl) Asien und 
Australien; ©. pondicerianus n. sp. Pondichery. B. Flusscrocodile. 
2. Bombifrons mit B. trigonops (= Cr. biporcatus Cautl, trigonops 
und palustris Gray, marginatus Fale) Ganges, Ceylon; B. siamensis 
(= Cr. galeatus Cuv, palustris Less, vulgaris DB) Siam. 3. Palinia 
mit P. rhombifer (= Cr. rhombifer Cuv) Cuba; P. Moreleti (DB) Yu- 
catan. 4. Crocodilus mit Cr. vulgaris Cuv (= Cr. lacunosus Geoffr, 
suchus und marginatus Geoffr) Afrika. 5. Molinia mit M. americana 
(= Cr. acutus Geoffr) tropisches Amerika; Mol. intermedia (Grav) 
Amerika. 6. Halcrosia mit H. frontata (= Cr. palpebrosus var. Cuv) 
W-Afrika. 7. Mecistops mit M. cataphractus (Cuy) Afrika. — (Ann. 
mag. nat. hist. X. 265—274.) 
und eine solche der Alligatoren: 1. Jacare mit J. nigra (— Crocodi- 
lus.selerops autor, niger Spix), J. latirostris (= C. fissipes Spix, Al- 
ligatör cynocephalus DB) Brasilien, J. longiscutata tropisches Ame- 


rika, J. ocellata Santa Cruz, J. punctulata (Spix) S-Amerika. — 2. 
Caiman mit C. trigonatus (Schn. Natt) tropisches Amerika, C. palpe- 
brosus aut ebda. — 3. Alligator mit A. mississippiensis (= Cr. lueius 
Cuv, All. lucius DB). — (Ibidem 327-331.) 
Sommer, Bastardbildungen bei Vögeln. — S. kennt 


deren zwei Fälle zwischen Enten und Hühnern, einen zwischen Enten 
und Gänsen und einen zwischen Perlhuhn und Pfau oder Truthahn. 
Den ersten beobachtete er in den 20 ger Jahren in der Oeblitzmühle 
zwischen Naumburg und Weissenfels. Aus einem Entenei schlüpfte 
der dunkelfarbige Bastard äus, im Körper mehr Ente, am Kopfe und 
Schnabel mehr Huhn, mit: vollständigen Hühnerfüssen, aber mit hal- 
ben Schwimmhäuten. Das Thier hielt sich zur Entenbrut, schwamm 
auch gut, ging aber nur behufs Badens ins Wasser. S. versuchte nun 
einen Enterich und eine Henne zur Begattung zusammen zu bringen 
und erhielt aus den Eiern der letztern zwei Monstra: ein in allem 
Uebrigen vollständiges Hühnchen nur mit förmlichen Entenbeinen, 
das gleich in der ersten Nacht von der Alten erdrückt wurde, und 
ein mehr entenartiges Geschöpf mit Hühnerfüssen und einem Mittel- 
ding zwischen Enten- und Hühnerschnabel. Das Thierchen befiederte 
sich ganz nach Entenart, verunglückte aber leider nach sechs Wochen. 
Der dritte constatirte Bastard befand sich in Gotha, hatte überwiegend 
die Körperform des Pfau, der Kopf ohne Krone, ohne Horn und 
Backenläppchen blos mit graubraunen kurzen Haaren bewachsen, das 
Gefieder an Hals und Brust dunkel, nur am Rücken und den Schul- 
terdecken wirklich geperlt wie beim Perlhuhn. Der vierte Fall in 
Wellenborn bei Saalfeld, wo der Pfarrer einen wüthend auf die Gänse 


XXI. 1863. 8 


114 B 


gehenden Enterich besass und dann im Herbst mehre gut beleibte 
Mitteldinge zwischen Gans und Ente erhielt, die recht wohlschmek- 
kend waren. Verf. behauptet, es gehe etwas von dem Wesen des 
brütenden Vogels auf die ihm unterlegten Eier über und bei männ- 
licher Brut äussert sich dies später in der Neigung sich mit der Art 
ihrer Pflegemutter zu begatten. Ein Hähnchen von Tauben gebrütet 
ist stets bösartig gegen Menschen und Vieh. Erst kürzlich musste 
S. einen von Cochinchinesen ausgebrüteten Perlhahn wegschaffen, weil 
er sich durchaus nicht mit seines Gleichen paarte, sondern sich stets 
an Cochinchinas anschloss. *) — (Journal für Ornithol. X. 209—212.) 
GL. 


Abnorme Witterung. Der bisher ungewöhnlich milde, für 
unsere Gegenden schneearme Winter hat eine Menge von abnormen Na- 
turerscheinungen in seinem Gefolge. So berichten die Zeitungen von 
grossen Schneemassen im Süden Europa’s, besonders Italien und den 
Alpen, von Ueberfluthungen im Norden, in Haag. Im südlichen Ba- 
den wurden am 16, Jan., in Breslau am 19. Erderschütterungen 
wahrgenommen. Vor allem zeichnete sich der 20. Jan. für den grössten 
Theil von Deutschland durch seinen orkanartigen Sturm aus, derin 
vielen Gegenden mit Regen, Schlossen und heftigen Gewitterschlä- 
gen verbunden war. Zwischen 2 und 3 Uhr des Nachmittags wü- 
theten die Elemente in Eckartsberga, Naumburg, Löbejün — in Halle 
wurde der Donner nur aus weiter Ferne vernommen — Wittenberg, 
Leipzig, Werdau. Ueberall richtete der Orkan bedeutenden Schaden 
an und an 3 Orten (Buttstädt, Löbejün und Werdau) schlug der Blitz 
in den Kirchthurm ein. 

Wiederum am 30. d. M. zog ein Gewitter von SW. nach NO. 
bei ziemlicher Windstille und wurde das Rollen des Donners zweimal 
in der Nähe von Halle deutlich vernommen. 


*) Der Bd. V, S. 444 von mir erwähnte Bastard von Schwan 
und Gans in Langenbogen ist verunglückt und leider vom Hofknecht 
beseitigt worden, so dass die in Aussicht genommene anatomische 
Untersuchung nicht angestellt werden kann. . Giebel. _ 


Correspondenzblatt 


des 


Naturwissenschaftlichen Vereines 


für die 


Provinz Sachsen und Thüringen 


Halle. 
1863. Januar. IR 1. 


Sitzung am 7. Januar. 


Eingegangene Schriften: 

1. Memoires de la societe de physique de Geneve. Tom. XVI. Ge- 
neve 1862. 4°, 

2. Quarterly Journal of the Geological Society. London 1862. Vol. 
XVIII, no. 72. 8°, 

3. Mittheilungen der kk. geographischen Gesellschaft in Wien. Fünf- 
ter Jahrg. Wien 1861. gr. 8°. 

4. Sitzungsberichte der kön. bayerschen Akademie der Wissenschaf- 
ten zu München. München 1862. I,4. II, 1. 8°. 

5. Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau. 
16. Heft. , Wiesbaden 1861. 8°. 

6. Dr. F. Buchenau, die botanischen Produkte der Londoner inter- 
nationalen Industrie- Ausstellung. Bremen 1863. 8%. (Geschenk 
des Herrn Verfassers.) 


Hr. Giebel eröffnet die Sitzung mit einem kurzen Rückblick 
auf das eben vollendete funfzehnte Jahr des Vereines und mit der 
betrübenden Nachricht, dass Hr. Heintz wegen überhäufter amtli- 
cher Geschäfte sich genöthigt sehe die Theilnahme an der Redaktion 
der Zeitschrift sowie die damit verbundene Stellung im Vorstande 
niederzulegen. Hr. Heintz hat sich durch eine zwölfjährige Theil- 
nahme an den Redaktionsarbeiten und Vorstandsgeschäften, nicht 
minder durch seine werthvollen wissenschaftlichen Beiträge ein blei- 
bendes Verdienst um das Gedeihen des Vereins erworben, wofür 
wir ihm bei dieser Gelegenheit unsere dankbarste Anerkennung aus- 
sprechen. Seine fernere Betheiligung an unserer wissenschaftlichen 
Thätigkeit entzieht er mit dieser Amtsniederlegung dem Vereine nicht. 

Durch die hierauf erfolgte statutenmässige Neuwahl des Vor- 
standes für das laufende Jahr fungiren: 

als Vorsitzende: die Herren Giebel und Siewert. 


8*+ 


116 


als Schriftführer: die Herren Taschenberg, v. Land- 
wüst, Weitzell. 
als Cassirer: Herr Grünhagen. 
als Bibliothekar: Herr Hahnemann. 
und im wissenschaftlichen Ausschusse, wie früher: die 
Herren Volkmann, Girard, Schrader, Schaller, Knoblauch, 
Francke, Kleemann, Krause. 

Mit Uebernahme des Vorsitzes zeigt Hr. Giebel an, dass die 
Redaktion des physikalisch -chemischen Theiles der Zeitschrift von 
jetzt ab Hr. Siewert übernommen habe und mit dem Beginn des 
21. Bandes einige kleine mehr formelle als sachliche Aenderungen 
zur Ausführung kommen werden, so die Aussonderung der techno- 
logischen Berichte aus der Physik und Chemie in eine eigene Ab- 
theilung, etwas ausführlichere Berichte über die Vorträge im Copre- 
spondenzblatte u. dgl. Das Verlagsgeschäft hat Herr G. Bossel- 
mann wegen leidender Gesundheit an den frühern Besitzer Herrn 
Karl Wiegandt abgetreten, der nunmehr mit Hrn. Hempel ge- 
meinschaftlich den Verlag der Zeitschrift fortführt. Hr. Bosselmann 
hat mit grosser Liberalität die Publikationen unsers Vereines geför- 
dert und wir sprechen ihm dafür unsern wärmsten Dank aus. Dass 
die Herrn Wiegandt & Hempel der Veröffentlichung unserer Ar- 
beiten bereitwillig dieselbe Theilnahme schenken werden, dafür bür- 
gen ausser der freundlichen Zusicherung die bereits in frühern Jah- 
ren unsern Berichten gebrachten Opfer. Es sind Vorkehrungen ge- 
troffen, die Hefte schneller als in den letzten Jahren erscheinen zu 
lassen und bitten wir unsre Herrn Mitarbeiter durch fleissige Zusen- 
dungen von Aufsätzen, Mittheilungen und Referaten uns in Stand zu 
setzen die pünktliche Ausgabe der Hefte auch auf die Dauer. aufrecht 
zu erhalten. 

Das Doppelheft für Aubst u. September liegt zur Vertheilung vor. 

Zu den wissenschaftlichen Mittheilungen übergehend, spricht 
Hr. Giebel zunächst über die Identität der Milbengattung Hypode- 
ras Nitzsch und Hypodectes Filippi (vergl. Seite 79). ; 

Hr. Zineken macht auf einen in der cölnischen Zeitung pub- 
lieirten, höchst interessanten Aufsatz von Plücker und Hittorf 
über Speetralanalysen aufmerksam. Nach diesem Berichte haben die 
genannten Physiker in Anschluss an die im J. 1858 und 1859 ausge- 
führten Versuche Hittorfs mit Geissler’schen Röhren, welche mit ver- 
dünnten Gasen als Wirkung des eletrischen, mittelst eines kleinen 
Ruhmkorffschen Apparates hervorgebrachten Stromes ausgesetzt wur- 
den, Versuche mit solchen Röhren unter Benutzung von Leidener Fla- 
schen behufs schrittweiser Erwärmung der nicht mehr verdünnten 
Gase angestellt. Das Wasserstoffgasspectrum verwandelte sich bei 
steigender Erwärmung in ein continuirliches, aus welchem nun noch 
ein breiter, stärker glänzender Streifen, hervortrat. Die hellen, schar- 
fen Linien der Spectra des Sauerstoffs, Chlors, Broms, Jods, Queck- 
silbers erhalten eine immer grössere Helligkeit und neue, früher nicht 


117 , 


beobachtete Linien treten auf. Wasser im leeren Raume einer neuen 
Spectralröhre zeigt eine Ueberlagerung der Spectra seiner beiden 
Elemente. Kohlensäure wurde so leicht zersetzt, dass auch der schwä- 
chere Strom immer nur das Spectrum des Kohlenoxydgases gab. Im 
stärkern Strome geben beide Gase, ganz übereinstimmend, das blen- 
dende Spectrum des Sauerstoffs mit Andeutungen von Kohle. Chlor- 
metalle: Chlorzink, Chlorcadmium geben im absolut leeren Raume 
erst dann Spectra, wenn die Röhre eine Zeit lang erwärmt wurde und 
zwar zuerst die linienreichen des Chlors, welche allmälig verschwan- 
den, um den Spectren der resp. Metalle Platz zu machen. 

Jeder zusammengesetzte, gasförmige Körper scheint in der 
Gluht des concentrirten electrischen Stromes in seine Bestandtheile 
sich zu zerlegen, bei Abnahme der Temperatur aber wieder sich zu 
componiren. — Stickstoff, Schwefel, Selen, Phosphor, die als einfache 
Körper gelten, geben im schwächeren Strome ein „erstes characteri- 
stisehes Spectrum“ und ähnlich wie es bei den eben angeführten zu- 
sammengesetzten Körpern der Fall war, ein „zweites, absolut davon 
verschiedenes“, im stärkern Strome, Der Uebergang aus einem Spec- 
trum in den andern war ein ganz discontinuirlicher. Sollten Stick- 
stoff, Schwefel etc. vierfacher Körper nicht sein oder sollte bei der 
hohen Temperatur eine Allotropie eintreten? Am Schlusse des Be- 
richtes werden interessante Erörterungen angestellt über das Vor- 
kommen von Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Kohle in der Atmo- 
sphäre der Sonne, nachdem darin bereits Metall von Kirchhoff und 
Bunsen nachgewiesen worden sind. Durch die treffliichen Arbeiten 
dieser genialen Forscher ist das Auffinden einer Substanz in der Son- 
nenatmosphäre einfach darauf zurückgeführt worden, zu ermitteln, ob 
die hellen Linien in dem Spectrum des Körpers dunkeln Linien des 
Sonnenspectrums entsprechen. 

Hr. Siewert spricht über die Wärmeentwicklung bei der Ver- 
brennung, gedenkt des Wasserstoffes, welcher die höchste Temperatur 
erzeugt, aber in dieser Eigenschaft darum keine technische Verwen- 
dung finden kann, weil er sich nicht rein in der Natur findet, ferner 
des reinen Kohlenstoffs als Diamant und geht zu unsern gewöhnlich- 
sten Heizmaterialien über. Nachdem er auf die Schwierigkeiten auf- 
merksam macht, welche mit der Feststellung des Wärmeeffects der 
einzelnen verknüpft sind, bespricht er ausführlich die Versuche, welche 
er in dieser Beziehung mit unsern gewöhnlichen Braunkohlensteinen 
und den neuerdings mehr in Aufnahme gekommenen Presssteinen an- 
gestellt hat und die im Allgemeinen zu Gunsten der letztern spre- 
chen. 1000 Kohlensteine zu 5 Thlr. sind dem Gewichte und Preise 
nach gleich 2500 Presssteinen. Wenn von beiden dem Gewichte nach 
gleiche Quantitäten angewendet werden, erhöhen letztere in gleichen 
Zeiten die Temperatur des Zimmers etwas mehr, verdunsten etwas 
mehr Wasser, halten länger wieder und bewähren sich, wie von ih- 
nen zu erwarten stand als ein mehr concentrirter Brennstoff, wie die 
auf gewöhnliche Weise geformten Steine. 


118 


Hr. Giebel widerlegte schliesslich die in dem neuesten Hefte 
der Nassauer Jahrbücher von H. v. Hayden ausgesprochene Ansicht, 
dass die einzeln bei Schlangenbad vorkommende Coluber flavescens 
von den alten Römern, bei denen diese Schlange heilig war, dort hin 
verpflanzt worden sein soll dadurch, dass sich dies Thier auch ein- 
zeln im Harze finde, wohin es schwerlich von den Römern gebracht 
sei, diese Schlangenart, welche mehr im Süden Europas lebt, komme 
einzeln weiter nach Norden hin an wärmeren, geschützten Stellen 
vor, wie diese Erfahrungen lehren. Uebrigens machte Derselbe 
noch auf die Art, wie dergleichen Thiere verschleppt werden können 
aufmerksam, in dem er meint, das der bei Halle nicht vorkommende 
Feuersalamander vor einiger Zeit in 2 Exemplaren in einem hiesigen 
Keller gefunden worden sei und höchst wahrscheinlich mit einer La- 
dung Bretter aus dem Harze mit gekommen wäre. 


Sitzung am 14. Januar. 

Eingegangene Schriften: 

1. Karsten, Florae Columbiae specimina selecta tom.I, fasc. 5 (1861) 
tom. II, fasc. 1. Berol. 1862. Fol. — Geschenk vom hohen Kul- 
tusministerium mittelst Rescript vom 8. h. 

2. Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in 
den königl. preuss. Staaten. Berlin 1862 No. 48—52, 1863 No.1. 40, 

3. Der zoologische Garten III. Jahrg. No. 12. IV. Jahrg. No 1. 
Frankfurt a./M. 89°. 

Zur Aufnahme angemeldet werden 

Hr. Feige stud. pharmac. hier und 
Hr. Carl Reinh. Teuchert stud. math. hier 

durch die Herren: Siewert, Giebel, Taschenberg. 

Hr. Siewert spricht über den Sauerstoff, erzählt die Geschichte 
seiner Entdeckung und erläutert seine Eigenschaften an verschiede- 
nen Experimenten, unter denen die Verbrennungsversuche den ersten 
Platz einnehmen. 

Hr. Marschner zeigt eine Rose von Jericho vor, Anastatica 
hierochuntica C. eine kleine Crucifere, an welcher sich, nach Aufwei- 
chung in warmem Wasser, einzelne Blühtentheile und Schötchen deut- 
lich unterscheiden liessen. 

Hr. Giebel legte die den Tropengegenden eigenthümliche Spin- 
nen-Gattung Thelyphonus vor und wies auf die Analogie ihrer Kör- 
performen mit den Skorpionen hin. Sodann verbreitet sich Der- 


selbe ausführlich über Reicherts neueste Untersuchungen (cf. Bd. 
XX, 373) über die Natur der Sarkode. 


Sitzung am 21. Januar. 


Eingegangene Schriften: 
Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft zu Berlin XIV. 
3. Berlin 1862. 8°. 
Als neue Mitglieder werden proclamirt die Herren 
Feige stud. pharm. hier 
Carl Reinh. Teuchert stud. math. hier. 


Hr. Zinken legt ein Stück verbleites Eisenblech vor, aus einer 
Fabrik in Neudeck bei Karlsbad, welcher es auf eine Weise, die sie 
geheim hält, gelungen ist, den Ueberzug gleichmässig, ohne Blasen- 
bildung herzustellen und so ein Problem zu lösen, das man sich im 
Interesse technischer Verwerthung neuerdings mehrfach zur Aufgabe 


119 


gestellt hatten. Ferner zeigt Derselbe der Versammlung ein Exem- 
plar des Scirpus mucronatus Poll., welche Art neuerdings von Würz- 
ler und Preusing östlich von Bernburg aufgefunden worden ist. 


Hr. Giebel legt ein Stück aus dem Harze eingesandtes Holz 
vor, aus dem Stamme einer Rothbuche, an welchem die Narbe eines 
eingeschnittenen Buchstabens sowohl auf der Rinde, als auf der In- 
nenseite des mehr als 2 Zoll dicken Stückes wahrnehmbar war. Diese 
schon öfter gemachte Beobachtung liefert den unzweideutigen Beweis, 
wie das Wachsthum vom Splint aus nach innen und aussen zugleich 
vor sich geht. Bei dieser Gelegenheit gedachte Herr Marschner 
einer Methode, die lebenden Holzstämme etwa ein halbes Jahr vor 
ihrer Fällung mit Stoffen zu imprägniren, die sie später vor der Ver- 
wesung auf lange Zeit sicher stellen. Nach Angabe des Vortragen- 
den wurde eine etwa 11/, Fuss Stammdurchmesser haltende Eller durch 
ein Bohrloch mittelst eines Schlauches aus einem Gefässe mit Eisen- 
vitriol genährt, von dem sie täglich 4—5 Quart aufnahm. Man speiste 
einen andern Baum nur von aussen dadurch, dass man ihm einen Gurt 
von einem beliebigem Gewebe umlegte und dessen eines Ende mit 
jener Flüssigkeit in Verbindung setzte. Er nahm auch davon auf, 
aber in geringerern Mengen und zeigte, als er später gefällt wurde, 
die Imprägnation nicht so tief in das Innere eingedrungen, wie der 
andere. 


Hr. Siewert besprach eine neue, sehr einfache und wenig 
Zeit erfordernde Methode Vergiftung durch Alkaloide nachzuweisen. 
Der Inhalt des Magens wird mit Ammoniak und heissem Fuselöl tüch- 
tig geschüttelt, letzteres dann abgehoben, das abgehobene Fuselöl 
mit verdünnter Salzsäure geschüttelt und aus der sauren Lösung 
durch Ammoniak und neuen Amylalkohol wieder abgeschieden. Diese 
Procedur kann man nach Umständen ein zweites oder drittes Mal 
wiederholen, bis man das reine Alkaloid erhält, das man durch Reagen- 
tien auf seine weitere Natur zu prüfen hat. Der Vortragende hatte 
bei einer hier vorkommenden Vergiftung durch Belladonna 36 Stun- 
den alten Urin auf diese Weise geprüft und das genannte Alkaloid 
gefunden, zugleich den Beweis geliefert, dass dergleichen Gifte auch 
in den Harn übergehen. Bei dieser Gelegenheit gedachte Herr 
v. Landwüst einer Vergiftung, welche in der Nähe von Halle vor 
Kurzem durch Fahrlässigkeit vorgekommen ist. Fliegenwasser, in 
einer Flasche aufbewahrt, war für Wein gehalten und in kleiner Quan- 
tität an eine Speise gethan worden, welche allen denen Erbrechen 
verursachte die davon genossen hatten. 


Hr.Siewert machte schliesslich noch auf die Versuche aufmerk- 
sam, welche Rüdorf in Berlin angestellt hat, um die Behauptung von 
Dufour in Lausanne zu widerlegen, dass beim Ausfrieren von Flüssig- 
keiten, die im Wasser gelösten Körper: (Salze, Alkohol etc.) mit, aus- 
krystallisirten. Rüdorf legte durch seine Versuche zur Genüge dar, 
dass. :nur« Wasser, und nichts weiter ausgeschieden werde, denn bei- 
spielsweise zeigte das Eis einer mit Magnesiumplatincyanyr gefärbten 
Lösung keine Spur von Farbe. 


Sitzung am 29. Januar. 


Hr. Giebel legt einen Stein aus dem Dickdarm eines Pferdes 
vor, welchen Hr. stud. Rupp ihm für das hiesige zoologische Museum 
übergeben hatte. Derselbe ist kugelrund mit warziger Oberfläche 
und wiegt 2 Pfd. 8 Lth. altes Gew.: er rührt von einem Pferde her, 
das von noch 3 andern ähnlichen beschwert worden war. Sodann 
zeigt er die Abbildung des Limulus Decheni s. S. 64 und characterisirt 
denselben vergleichend mit vorgezeigten lebenden Arten. Beiläufig 


120 


bemerkte er, dass man neuerdings im londoner zoologischen Garten 
einen lebenden Limulus polyphemus uuterhalte. 

Hr. Siewert verbreitet sich in einem längern Vortrage über 
die Geschichte der Alchemie, hermetischen Kunst d. h., die Kunst 
aus unedlen Metallen Silber oder Gold zu fertigen. Die Alchemisten, 
auch Adepten genannt geben vor, dies durch einen geheimen Zusatz 
bewirken zu können, den sie den Steim der Weisen, das grosse Elixir, 
am häufigsten die rothe Tinktur nannten; das Experiment selbst hiess 
die Projection. Der Erfolg war nicht immer derselbe, weil die Mei- 
ster auf verschiedenen Stufen der Kunst standen, oder richtiger ge- 
sagt, weil einer das Betrügen besser verstand, als der Andere. Der 
Araber Geber wird im 8. Jahrh. als der erste Alchemist genannt. 
In der Zeit von 1600—1750 lebten die berühmtesten Adepten, die 
man aber nur den Namen nach kennt, denn sie zogen im Lande um- 
her, unstät und flüchtig und hielten sich überall möglichst verborgen, 
zumal dann und wann Fürsten ihnen nachstellten, damit sie die Be- 
cepte der rothen Mixtur verrathen sollten. Als Gefangener auf dem 
Königssteine erfand bekanntlich Bötticher das Porzellan (1701). Vor 
Allen werden genannt Setonius, Philasetha 1640—58, Lasharis 1701—20 
und Lehfeld 1746—50. Von ersterem weiss man, dasser 1604 in Kra- 
kau starb, nachdem er zweimal auf Befehl Christians II. von Sachsen 
gefoltert worden und dann entflohen war. Späterhin zeigten sich keine 
mehr, es bestand aber noch längere Zeit eine hermetische Gesell- 
schaft, deren Sitz in Thüringen gewesen sein soll und welche Apostel 
aussandte, um die Kunst zn treiben. Ein solcher kam 1750 auch nach 
Halle, wo er den Apotheker des Waisenhauses für sich einnahm. Ja 
selbst Semmler Prof. der Theologie gewann Interesse an der Sache 
und liess den Chemiker Klaproth seine Fabrikate untersuchen. Manche 
gelehrte Männer jener Zeiten liessen sich bethören, selbst ein Skepti- 
ker wie Spinoza schenkte dem Unfuge Glauben. 


Weiter berichtet Herr Giebel die Beobachtung Sommer’s 
über Bastarderzeugung des Hausgeflügels (cf. S.113), und Eberth’s 
Entdeckungen des Myoryctes n. gen. in. den Muskeln des Frosches 
(ef. S. 112). 


Die XX. Generalversammlung 
unseres Vereines wird am 26. und 27. Mai hier, in Halle ge- 
halten werden. Indem wir schon jetzt zu einer möglichst allsei- 
tigen Theilnahme an derselben einladen;,. verweisen wir Wegen 
des Näheren auf das demnächst erscheinende Programm. 
Halle im Januar. 1863. | Der Vorstand. 


Druck von W. Plötz in Halle. 


FAeitsechrift 


für die 


Gesammten Naturwissenschaften. 


1863. Februar. N II. 


— 


Ueber die Darstellung und die Basicität der 
Diglycolamidsäure 
von 


W. Heintz 


Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. 122. S. 297. mitge- 
theilt vom Verfasser. 


In meiner Arbeit „über dem Ammoniaktypus angehö- 
rige Säuren“ !) gab ich an, eine dieser Säuren, die Diglyco- 
lamidsäure, sei zweibasisch. Ich stützte diese Angabe dar- 
auf, dass das Kupfersalz derselben, welches seiner Schwer- 
löslichkeit wegen dazu benutzt werden kann, diese Säure 
rein darzustellen, in einem Atom zwei Atome Kupfer ent- 
hält. Andere Verbindungen hatte ich wegen Muse an 
Material nicht untersucht. 

Wenn es auch nach dem erwähnten Versuchsresultate 
nicht zweifelhaft ist, dass die Diglycolamidsäure mindestens 
zweibasisch ist, so könnte doch der Zweifel entstehen, ob 
sie nicht noch ein drittes durch Metall vertretbares Wasser- 
stoffatom enthalten möchte. Nach Darstellung einer grösse- 
ren Menge Diglycolamidsäure habe ich daher die Unter- 
suchung einiger Metallderivate derselben wieder aufgenom- 
men, um ihre Bibasicität vollkommen festzustellen. 

Ehe ich jedoch zur Beschreibung derselben übergehe, 
will ich der Beobachtungen Erwähnung thun, welche ich 
bei der Darstellung des zu diesen Versuchen dienenden 
Materials gemacht habe. 


!) Diese Annalen CXXIL, 257* 
ÄXI, 1863, 9 


122 


In der oben eitirten Abhandlung habe ich angegeben, 
dass bei der Einwirkung von wässerigem Ammoniak auf 
Monochloressigsäure hauptsächlich vier Körper entstehen, 
nämlich Glycolsäure, Glycocoll, Diglycolamidsäure und Tri- 
glycolamidsäure. 

In Betreff der Glycolsäure bemerkte ich schön früher, 
dass sie in um so geringerer Menge zu entstehen scheine, 
je längere Zeit die Monochloressigsäure mit der ammoniaka- 
lischen Flüssigkeit gekocht werde. Der neuerdings ange- 
führte Versuch lehrt, dass in der That, wenn das Kochen 
nur hinreichend lange geschieht, gar keine Glycolsäure ge- 
bildet wird. Nach 48stündigem Kochen fand sich in den 
Producten der Umsetzung keine Spur Glycolsäure. 

Hieraus folgt, das wirklich, wie ich es an der citirten 
Stelle schon als Vermuthung aussprach, die früher beobach- 
tete Glycolsäure nicht durch die Einwirkung des Ammoniaks 
auf Monochloressigsäure entstanden war, sondern erst spä- 
ter durch die Behandlung mit Kalk aus einem Rest von 
Monochloressigsäure, welcher der Zersetzung durch jenes 
Alkali noch entgangen war. 

Als Producte der Einwirkung des Ammoniaks auf Mo- 
nochloressigsäure sind also nur das Glykocoll, die Di- und 
die Triglycolamidsäure zu betrachten. 

Nach Abscheidung der letzteren Säure als Kalk- und 
Baryt- und der Diglycolamidsäure als Kupfersalz in der 
Weise, wie es in meiner früheren Abhandlung beschrieben 
ist, bleibt ein Rückstand, in welchem sich, wie ich schon 
dort nachgewiesen habe, Glycocoll vorfindet, der aber noch 
organische Säure zu enthalten schien. Ich habe jetzt eine 
grössere Menge Glycocoll daraus N und zwar»in 
folgender Weise. 

Das Kupfer ward aus der Lösung düreh Schwegsihiäh- 
serstoff gefällt. ’ Die vom: Schwefelkupfer abältrirte Flüssig- 
keit kochte ich, nach Verdunstung des Schwefelwasserstoffs 
durch gelinde Wärme, mit überschüssigem ‚Bleioxydhydrat, 
filtrirte den Niederschlag: von der Flüssigkeit ab und wusch 
ihn aus. 

Die Lösung enthielt Blei in Heiler nie: Menge, ‚das 
durch Schwefelwasserstoff entfernt wurde. Beim Verdampfen 


123 


setzte die Lösung eine beträchtliche Menge Krystalle ab, 
die, nachdem sie mehrfach aus schwach ammoniakalischem 
und Alkohol enthaltendem Wasser umkrystallisirt worden 
waren, als reines Glycocoll erkannt wurden. 

Aus den Mutterlaugen, die beim Verdunsten einen sauer 
reagirenden Syrup hinterliessen, ward durch Kochen mit 
Barythydrat ein ebenfalls syrupartiges Barytsalz gebildet, 
das mit schwefelsaurem Kupferoxyd zersetzt noch eine 
reichliche Menge diglycolamidsauren Kupferoxyds lieferte. 
Die letzten Krystallisationen dieses Körpers waren durch 
die zarten Nadeln des Glycocollkupferoxyds verunreinigt. 
Desshalb.kochte ich diese mit der Mutterlauge mit Wasser 
und Kupferoxydhydrat, um auch das Glycocoll vollkommen 
in die Kupferverbindung umzuwandeln, filtrirte und liess 
wieder Krystallisiren, nachdem das Filtrat auf ein kleines 
Volum gebracht war. Die Flüssigkeit erstarrte vollkommen. 
Die beiden Kupferverbindungen liessen sich dadurch leicht 
trennen, dass das Glycocollkupferoxyd sich schon bei ge- 
linder Wärme wieder auflöst, während das diglycolamidsaure 
Kupferoxyd ungelöst bleibt. 

Der Bleiniederschlag wurde ebenfalls durch Schwefel- 
wasserstoff zersetzt und das gebildete Schwefelblei mit Was- 
ser ausgekocht. Erst nach dem Verdunsten und Erkalten 
der Lösung schieden sich daraus einige Krystalle von Tri- 
glycolamidsäure ab. Die Mutterlauge davon verdunstete 
ich bei einer Temperatur von circa 60°, bis fast alle noch 
vorhandene Salzsäure verflüchtigt war. Der Rückstand gab 
in wenig kochenden Wassers gelöst nochmals Krystalle 
von Triglycolamidsäure. 

Die Mutterlauge endlich von diesen Krystallen wurde 
in’ Barytsalz verwandelt und dieses durch  schwefelsaures 
Kupferoxyd möglichst ‘genau zersetzt. Das heisse Filtrat 
lieferte beim Verdunsten einige Krystalle der Kupferverbin- 
dungen der Diglycolamidsäure und des Glycocolls, deren 
Gegenwart sicher allein durch unvollkommenes Auswaschen 
des Bleiniederschlags bedingt war. Zuletzt blieb eine nur 
‚geringe Menge grüner Mutterlauge, die nicht weiter unter- 
sucht werden konnte. - 

Aus diesen Versuchen folgt, dass die zur Scheidung 

9*r 


124 


der drei bei Einwirkung von wässerigem Ammoniak auf 
Monochloressigsäure entstehenden Körper bis dahin ange- 
wendete Methode unvollkommen ist. Sie kann durch fol- 
gende ersetzt werden: 


Das Product der Einwirkung des Ammoniaks auf Mo- 
nochloressigsäure wird zunächst möglichst von dem gebil- 
deten Salmiak befreit und darauf sofort anhaltend mit über- 
schüssigem Bleioxydhydrat gekocht, bis alles Ammoniak 
verjagt ist. Den Niederschlag wäscht man vollkommen aus. 
Er enthält basisches Chlorblei und triglycolamidsaures Blei. 
Er wird durch Schwefelwasserstoff in der Wärme vollkom- 
men zersetzt und das gebildete Schwefelblei mit kochen- 
dem Wasser gewaschen. Die kochenden Lösungen liefern 
beim Verdunsten die Triglycoladmidsäure. 


Wird die von dem Bleiniederschlag getrennte Flüssig- 
keit ebenfalls durch Schwefelwasserstoff zersetzt, so ist dar- 
in Diglycolaimidsäure und Glycocoll enthalten. Diese bei- 
den Körper können zwar, wie ich weiter oben erwähnt 
habe, in Form der Kupfersalze von einander getrennt wer- 
den; allein einmal ist die Trennung nie vollkommen, und 
dann ist es schwierig, die ganze Menge der Diglycolamid- 
säure in der von mir angewendeten Weise in das schwer- 
lösliche Kupfersalz zu verwandeln, weil, wie ich weiter un- 
ten zeigen werde, das durch überschüssiges Barythydrat 
und Kohlensäure gebildete Barytsalz derselben nur wenig 
mehr als ein Atom Baryt enthält, während in dem Kupfer- 
salz zwei Atome Metall enthalten sind. 


Nach Versuchen, welche weiter unten beschrieben 
sind, entsteht aber durch Kochen der Diglycolamidsäure mit 
auf nassem Wege gefälltem basisch-kohlensauren Zinkoxyd 
ein selbst in kochendem Wasser ausserordentlich schwer 
lösliches Zinksalz, während die gleichzeitig entstehende Gly- 
cocollverbindung darin leicht löslich ist. Kocht man:also 
jene durch Schwefelwasserstoff vom Blei: befreite Flüssig- 
keit mit dieser Zinkverbindung, so müssen die beiden ge- 
bildeten Zinksalze durch Wasser‘ leicht‘ geschieden werden 
können. .Aus dem Glycocollzinkoxyd kann ohne Zweifel 
durch Schwefelwasserstoff, aus dem diglycolsauren Zinkoxyd 


125 


durch Salzsäure und Alkohol die organische Substanz ab- 
( geschieden werden. 

Ueber die Anwendbarkeit dieser Methode der Darstel- 
lung der drei Glycolamidsäuren hoffe ich bald Versuche an- 
stellen zu können. 

Die Metallderivate der Diglycolamidsäure, welche ich 
neuerdings einer Untersuchung unterworfen habe, sind das 
Ammoniak-, das Baryt-, das Zink- und das Silbersalz. 


Diglycolamidsaures Ammoniak. — Uebersättigt man eine 
Lösung der Diglycolamidsäure mit Ammoniak und verdun- 
stet die Mischung im Wasserbade, so bleibt ein syruparti- 
ger Rückstand, der in der Kälte zu einer weissen krystalli- 
nischen Masse gesteht, die sehr leicht in Wasser löslich 
ist und deren Lösung sauer reagirt. Lässt man eine wässe- 
rige Lösung dieses Salzes an der Luft verdunsten, so bil- 
den sich grosse tafelförmige Krystalle, die bei Darstellung 
grösserer Mengen gewiss messbar sein werden. Bei der 
kleinen Menge mir zu Gebote stehender Substanz konnte 
ich nur nachweisen, dass sie aus rhombischen Prismen mit 
grader Endfläche bestehen. Durch das Mikrogoniometer er- 
gab sich der Winkel des rhombischen Prisma’s im Mittel 
vieler nahe übereinstimmender Messungen gleich 95°42‘, 
Häufig fand sich an den Krystallen die grade Abstumpfung 
der scharfen, zuweilen auch der stumpfen Seitenkanten. 
Letztere Abstumpfung beobachtete ich besonders häufig an 
solchen Krystallen, die in der Richtung der Hauptaxe stär- 
ker ausgedehnt waren. Gewöhnlich aber erschienen die 
Krystalle eben desshalb tafelförmig, weil sie in dieser Rich- 
tung nur geringe Ausdehnung besassen. 

Im Wasser ist dieses Salz, wie schon erwähnt. sehr 
leicht löslich. Alkohol und Aether lösen es nicht auf. Sein 
Geschmack ist eigenthümlich salzig, nicht sauer. 

In der Hitze schmilzt es zu einer farblosen Flüssig- 
keit, die bei etwas stärkerem Erkitzen in’s Kochen kommt, 
braun und schwarz wird, dann sich, indem Verkohlung ein- 
tritt, stark aufbläht, eine voluminöse Kohle zurücklassend. 
Das Destillat ist flüssig, stark ammoniakalisch. 

Die Analyse lehrte, wie auch wegen der sauren Reac- 


126 


tion erwartet werden durfte, dass das Salz nur Ein Atom 
Ammonium enthält. 

Die Formel £?H$(NH*)N®* verlangt 12,00 pC. Ammo- 
nium, der Versuch ergab 11,67 pC. 

Dieses Salz ist mit dem Glycocoll polymer. 

Diglycolamidsaure Baryierde. — Uebersättigt man reine 
Diglycolamidsäure mit Barythydrat und leitet man Kohlen- 
säure durch die Mischuug, so hört die Lösung nicht auf, 
alkalisch zu reagiren. Wenn dieselbe dann gekocht und 
der gefällte kohlensaure Baryt abfiltrirt wird, so erhält man 
eine farblose Flüssigkeit und durch deren Verdunstung ei- 
nen farblosen Syrup, der endlich zu einer durchsichtigen, 
gummiartigen Masse eintrocknet. Mischt man die wässerige 
Lösung dieser Substanz mit Alkohol, so entsteht eine weisse 
Trübung, die sich als dickflüssige Masse unter dem Alko- 
hol ansammelt. und endlich in eine feste opake Masse über- 
geht. Es gelang in keiner Weise, dieselbe in krystallirte 
Form zu bringen. 

Obgleich dieser Körper in seiner wässerigen Lösung 
alkalisch reagirte, so bestand er doch nicht aus dem zwei- 
basischen Barytsalz, wie die Analyse lehrte, die ergab 


I. u. berechnet 
Kohlenstoff _ 23,36 23,94 46 
Wasserstoff En 3,03 2,99. 6H 
Baryum 85,07 35,06 84,16 1 Ba 
Sauerstoff a 31,92 42 


100,00 100,00. 

Die Rechnung stimmt nicht ganz vollkommen mit den 
Resultaten der Analyse. Es findet dies jedoch darin sei- 
nen Grund, dass durch Kohlensäure die ganze Barytmenge 
auszuscheiden nicht gelingt, welche zur Bildung des reinen 
einbasischen Barytsalzes ausgeschieden werden muss. Der 
folgende Versuch lehrt, dass die alkalische Reaction der 
Verbindung durch die Gegenwart einer kleinen Menge des 
zweibasischen Salzes bedingt ist. 

Fällt man so viel Baryt aus der Lösung des alkalisch 
reagirenden Salzes durch Schwefelsäure, dass dieselbe ge- 
nau neutral reagirt, und dampft man die Lösung nun über - 
Schwefelsäure bis zu einem geringen Volum ein, so fällt 


‚127 


daraus durch Alkohol ein Syrup: nieder, der aus dem rei- 
nen einbasischen Barytsalz besteht. Den Beweis hierfür 
liefert eine Barytbestimmung, wobei 0,2319 Grm., der be 
130° C. getrockneten Substanz 0,1137 Grm. kohlensaures 
Baryt hinterliessen, entsprechend 34,10 pC. Baryum. Das- 
selbe Salz wird durch Sättigen mit Essigsäure und Fällung 
durch Alkohol erhalten. ® = 

Das einbasische Barytsalz der Diglycolamidsäure ist 
nicht krystallisirbar, leicht löslich in Wasser, nicht löslich 
in Alkohol und Aether. Seine wässerige Lösung wirkt 
nicht auf Lackmuspapier ein, In der Hitze schmilzt es ei- 
gentlich nicht, bläht sich aber stark auf, ohne dass die 
weisse Farbe wesentlich verändert würde und schwärzt sich 
erst bei schwacher Glühhitze. Endlich bleibt weisser koh- 
lensaurer Baryt zurück. Der Geschmack dieses Körpers 
ist schwach, fade, nicht salzig. 

Der Versuch, ein zweibasisches Barytsalz der Digly- 
colamidsäure rein darzustellen, gelang nicht. Zu dem Zweck 
löste ich 1,26 Grm. der einbasischen Verbindung in mög- 
lichst wenig Wasser, und filtrirte dazu die klare, kochend 
concentrirte Lösung von 0,99 Grm. Barythydrat. Es fand 
keine Ausscheidung statt. Die Lösung ward unter der Luft- 
pumpe neben Schwefelsäure verdunstet, wobei eine farb- 
lose, durchsichtige, extractartige Masse zurückblieb, in der 
keine Spur von herauskrystallisirtem Barythydrat zu bemer- 
ken war, und die zuletzt wie das einbasische Salz zu einer 
gummiartigen Masse eintrocknete. In kaltem Wasser löst 
sie sich leicht wieder auf. 

Hieraus folgt, dass die zweibasische Barytverbindung 
der Diglycolamidsäure zwar existirt, aber wie die einba- 
sische in Wasser sehr leicht löslich ist und nicht in Kry- 
stalle übergeführt werden kann. 

Diglycolamidsaures Zinkoxyd. — Dieses Salz suchte ich 
dadurch darzustellen, dass ich Diglycolamidsäurelösung mit 
frisch gefälltem, noch feuchtem, basisch-kohlensaurem Zink- 
oxyd im Ueberschuss kochte.. Eine Probe der filtrirten 
Flüssigkeit enthielt sowohl Zink, als organische Substanz, 
beide jedoch nur in sehr geringer Menge; ein Beweis, dass 
die Verbindung in Wasser nur wenig löslich ist. Sehr ver- 


128 


dünnte Essigsäure löst sie wenig und dadurch war das 
Mittel gegeben, das überschüssige basisch-kohlensaure Zink- 
oxyd zu entfernen. Um jedoch Verlust an Substanz mög- 
lichst zu vermeiden, muss die Quantität Essigsäure so ab- 
gemessen werden, dass die Flüssigkeit nur schwach sauer 
reagirt, weil Essigsäure enthaltendes Wasser doch mehr da- 
von löst, als reines Wasser. 

Um die Substanz zu reinigen, kochte ich sie mit ei- 
ner ausserordentlich grossen Menge Wasser, worin sie sich 
endlich löste. Beim Erkalten krystallisirt jedoch nichts ber- 
aus. Lässt man aber die Lösung im Wasserbade verdun- 
sten, So setzen sich in dem Masse, als die Flüssigkeits- 
menge sich vermindert, farblose, äuserst kleine, mikrosco- 
pische quadratische Täfelchen ab, die aus dem zweiatomi- 
gen Zinksalz der Diglycolamidsäure bestehen. 

‘Die Analyse derselben ergab folgende Resultate: 


I. II. berechnet 
Kohlenstoff — 24,60 24,48 48 
Waserstoff — 2,75 2,55 : SH 
Zink 33,14 33,33 33,18 2 Zn 
Sauerstoff = Ken 132,65 409 
100,00 100,00. 


Hiernach ist die empirische Formel dieses Körpers 
8°H°Zn?NQ* 

Dieses Salz ist in kaltem und kochendem Wasser 
äusserst schwer löslich, hat daher auch nur einen sehr 
schwachen, etwas metallischen Geschmack. Doch reagirt 
seine Lösung schwach sauer. In Alkohol und Aether löst 
es sich nicht. Es ist farblos, schmilzt nicht in der Hitze, 
bläht sich auch nicht auf, schwärzt sich aber und verbrennt 
endlich unter Zurücklassung von weissem Zinkoxyd. 

Diglycolamidsaures Silberoxyd, — In meiner früheren 
Abhandlung!) habe ich schon angegeben, dass dieses Salz 
entsteht, wenn diglycolamidsaures Ammoniak in wässeriger 
Lösung mit salpetersaurem Silberoxyd versetzt wird. Ich 
beobachtete aber schon damals, dass die über dem entstan- 
denen Niederschlage stehende Flüssigkeit stark sauer rea- 
girt. Zur Darstellung des reinen Silbersalzes wendete ich 


!) Diese Zeitschrift Bd. 20. 5. 15. * 


129 


daher die Methode an, nach welcher es mir gelungen war, 
ein reines dreibasisches triglycolamidsaures Silber zu ge- 
winnen ?). Ich sorgte nämlich dafür, dass nach beendeter 
Fällung die Reaction noch schwach alkalisch war, indem ich, 
sobald sie sauer geworden war, sofort einige Tropfen Am- 
moniak hinzufügte. Der gebildete Niederschlag lässt sich 
leicht auswaschen. 

Er besteht aus einem sandartigen, schweren Pulver, 
das sich auch unter dem Mikroscop aus Krystallkörnchen 
zusammengesetzt zeigt, an denen eine bestimmte Form 
meist nicht erkennbar ist. Hier und da sieht man einige 
kurze prismatische Krystalle von geringer Ausdehnung mit, 
wie es scheint, grader Abstumpfungsfläche. Zuweilen er- 
scheinen auch kleine Täfelchen von kahnartiger Form, welche 
an beiden Enden grade abgestuzt sind. 

Das diglycolamidsaure Silber ist farblos, färbt sich aber 
am Licht, wenn auch nur langsam, bräunlich. In Wasser, 
selbst kochendem, ist es nicht löslich, kann daher nicht 
umkrystallisirt werden. Auch in Alkohol und Aether ist es 
unlöslich. Wird es mit Wasser benetzt, so röthet es Lack- 
muspapier schwach. In der Wärme verändert es seine 
Farbe. Schon bei 100 bis 150° C. färbt es sich gelb, ohne 
dass wesentliche Gewichtsveränderung einträte. Es ist also 
wasserfrei. Erhitzt man es stärker, so tritt eine schwache 
Verpuffung ein. Diese Verpuffung ist schwächer, als die 
des triglycolamidsauren Silberoxyds unter gleichen Umstän- 
den. Daher kann der Silbergehalt desselben genauer durch 
blosses Glühen bestimmt werden, als der des letzteren. 
Sonst sind die Erscheinungen beim Glühen denen ganz gleich, 
welche bei letzterem Salze eintreten. 

Die Analyse führte zu folgenden Zahlen: 


I. I. berechnet 
Kohlenstoff — 13,91 13,83 46€ 
Wasserstoff — 1,67 1,44 5H 
Silber 62,01 — 62,25 2 Ag 
Stickstoff — a 404 IN 
Sauerstoff — _ 1844 40 
100,00, 


Seine empirische Formel ist €*H°Ag?N9* 
I) Diese Zeitschrift Bd. 20. S. 12° * 


130 


Aus den Resultaten namentlich der Untersuchung des 
letzteren Salzes, welches in schwach alkalischer Flüssig- 
keit entstanden war, ergiebt sich, dass die Diglycolamid- 
säure in der That eine zweibasische Säure ist, dass sie nur 
zwei durch Metall ersetzbare Wasserstoffatome enthält. 
Eine Bestätigung dessen durch Darstellung eines basischen 
Bleisalzes und dessen Analyse zu liefern gelang nicht, da, 
wie ich übrigens schon in meinem früheren Aufsatz!) er- 
wähnt habe, durch Zusatz von basisch-essigsaurem Bleioxyd 
zu der Lösung eines diglycolamidsauren Salzes weder im 
Kochen noch in der Kälte ein Niederschlag entsteht. Die 
geringe Trübung, welche sich zeigt, ist ohne Zweifel nur 
durch die Bildung von kohlensaurem Bleioxyd veranlasst. 


nn 


Vergleiche man die Diglycolamidsäure mit anderen 
'mehrbasischen Säuren in ihrem Verhalten zu Basen, so 
zeigt sich, dass sie sich an einige derselben eng anschliesst, 
nämlich an diejenigen, welche nur einen Theil der Basis, 
durch welche sie in ein Salz übergeführt werden, energisch 
gebunden halten, den anderen Theil aber wenigstens dann 
nicht, wenn die zweibasische Verbindung nicht unlöslich 
oder doch mindestens nicht schwer löslich ist. Zu diesen 
Säuren gehört z. B. die Phosphorsäure, deren lösliche drei- 
basische Salze schon durch Kotlensäure zersetzt werden 
können und desshalb auch alkalisch reagiren. So verhält 
sich grade die Diglycolamidsäure. Werden dagegen die 
löslichen einbasischen Salze dieser Säure durch solche Salze 
zersetzt, deren Basis eine unlösliche zweibasische Verbindung 
mit derselben bilden kann, so fällt dieselbe wirklich nieder 
und die Flüssigkeit wird sauer. So verhält sich bekannt- 
lich die Phosphorsäure ebenfalls. 

Stellt man aber die drei Glycolamidsäuren selbst in 
Vergleich mit einander, so sieht man in der Glycolamid- 
säure (Glycocoll) das einzige durch Metall vertretbare Was- 
serstoffatom zwar leicht dadurch vertreten werden, allein 
das eingetretene Metall ist nicht sehr fest gebunden. Die 
Glycolamidsäure ist eine schwache Säure. Das Aeiglycolyl 


!) Diese Zeitschrift Bd. 20. 8. 14. 


131 


€H? 
€£O | Bi wird in seinen stark electronegativen Eigenschaften 
H 


dadurch wesentlich beeinträchtigt, dass es in den Ammo- 
niaktypus getreten ist. Der Einfluss des letzteren hält der 
Electronegativität des ersteren so ziemlich das Gleichge- 
wicht. Daher ist das Glycocoll gegen Basen eine schwache 
Säure, gegen Säuren eine schwache Base. 

In der Diglycolamidsäure ist nur das eine Atom Aci- 
glycolyl durch die ammoniakartige Form der Verbindung 
seiner electronegativen Eigenschaften fast ganz beraubt, 
das zweite wandelt dieses Ammoniak in eine starke Säure 
um, es macht die Bildung von den Ammoniumverbindungen 
ähnlichen Verbindungen mit Säuren, worin diese Substanz 
die Rolle des Ammoniaks spielte, unmöglich, Körper, die 
mittelst der Glycolamidsäure noch darstellbar sind. Ganz 
so verhält sich die Triglycolamidsäure, nur ist sie eine noch 
stärkere Säure, weil darin zwei Atome Aciglycolyl enthal- 
ten sind, deren negative Natur durch die ammoniakartige 
Form der Verbindung nicht beeinträchtigt wird. Das dritte 
Atom Aciglycolyl in dieser Säure verhält sich aber genau 
so, wie das eine in dem Glycocoll und wie eins der beiden 
in der Diglycolamidsäure. Die einbasischen Salze dieser und 
die zweibasischen der Triglycolamidsäure enthalten zwar 
noch ein durch Metall vertretbares Wasserstoffatom, allein 
sie haben wie das Glycocoll nicht merklich saure Eigen- 
schaften und das an Stelle dieses Wasserstoffatoms tretende 
Metall kann wie beim Glycocoll schon durch die schwäch- 
sten zersetzenden Einflüsse wieder ausgeschieden werden. 


Zur Anatomie von Vultur fulvus 


aus Chr. L. Nitzsch’s handschriftlichem Nachlass mitgetheilt 
von 


C, Giebel, 


Das zur Untersuchung genommene Exemplar war ein 
männliches, seit einem halben Jahre hier in Halle im Käfig 
gehalten, vom Schnabel bis zur Schwanzspitze 3° par. lang 


132 


und nach mehren Hungertagen unmittelbar vor der Tödtung 
noch 161/, Pfund schwer. Die Flügelspannung betrug $. 
Die äussern Augenlider sind mit feinen schwarzen Wim- 
pern am Rande besetzt, übrigens völlig nackt, runzelig, 
das untere mit einer vollkommen. ausgebildeten rundlichen 
Knorpelplatte an der innern Fläche versehen. Die Nickhaut 
ist weissgrau, mit sehr feinen schwärzlichen Aederchen durch- 
zogen, am freien Rande ganz schmal schwärzlich, übrigens 
nur schwach durchscheinend, nicht gläsern und durchsich- 
tig. Die Augen selbst erscheinen im Verhältniss zur Grösse 
des Vogels klein, der Augapfel kaum so gross wie bei 
Falco buteo und die Cornea noch kleiner wie bei diesem. 
Thränenpunkte, Thränenkanäle wie gewöhnlich zwei. Die 
Die Thränendrüse und die Harder’sche Drüse dagegen sehr 
gross, die Ausführungsgänge beider einfach und deutlich, 
auch die vier geraden und zwei schiefen Augenmuskeln 
wie gewöhnlich bei Tagraubvögeln. Der zwischen dem un- 
tern Augenlide und der innern Knorpelplatte desselben 
liegende und in die Orbita gehende sehr dünne und breite 
Muskel verhält sich wie ein gerader Augenmuskel und 
öffnet durch Herabziehen des untern Augenlides das Auge. 

Die Retina erschien bereits etwas gefaltet, wie ge- 
wöhnlich in nicht ganz frischen Augen. Fächer und Scle- 
roticalring sind schon Bd. IX, Seite 392 u. 401, wo diese 
Theile durch die ganze Klasse der Vögel dargestellt worden 
. sind, beschrieben. Erstrer bildet auf der Innenseite zehn, auf 
der andern elf Falten und misst entfaltet noch lange nicht die 
doppelte Länge des grössten Bulbusdurchmessers. Er bleibt 
weit von der Linse entfernt. Diese ist flach, nur hinten etwas 
gewölbter als vorn. Die Choroidea strotzte von Blut, wahr- 
scheinlich weil das Thier durch Erstickung getödtet worden, 
nachdem es der Blausäure Widerstand geleistet hatte (ef. 
Bd. X, 369). Der Crampton’sche Muskel ist sehr ansehn- 
lich und von vielen Ciliarnerven durchzogen. 

Die Nasendrüse liegt in der Augenhöhle oben an den 
Stirnbeinen hinter den Thränenbeinen ganz wie bei Adlern 
und Bussarden, ist sehr dunkel braunroth und etwas ge- 
lappt, nicht besonders gross und doch floss dem Vogel so 
lange er in Gefangenschaft lebte sehr viel Feuchtigkeit aus 


133 


den Nasenlöchern, was sehr grosse Nasendrüsen vermu- 
then liess. 

Die Mundwinkeldrüse weicht nicht von der anderer 
Tagraubvögel ab; länglich kegelförmig besteht sie aus we- 
nigen zusammengeklebten Acinis, liegt dicht am Mundwin- 
kel und öffnet sich einfach am vordern dickern Ende. Von 
den gewöhnlichen Gularspeicheldrüsen findet sich allein nur 
die bei allen Raubvögeln wie auch bei Hühnern im Kinn- 
winkel gelegene breite Doppelmasse mit vielen Oeffnungen 
auf der Mundfläche, aus welchen sich viel Schleim ergoss. 
Die übrigen schmalen und kleinen bei Falconen zur Seite 
und unter der Zunge befindlichen Schleimdrüsen fehlen hier 
gänzlich. 

Die Gaumenfläche zeichnet sich aus durch einen vor- 
dern mittlen unpaaren und sehr ansehnlichen Zapfen, wel- 
cher in die Höhlung der Zunge passt, sobald diese nach 
vorn geschoben wird und durch den ganz unstreitig die 
Zunge sich reibend reinigt, wenn etwas vom Frasse in ih- 
rer Höhlung hängen bleibt.e Einen andern Zweck dürfie 
der Zapfen schwerlich haben. Weiter erstreckt sich der 
besonders lange Besatz beträchtlich nach hinten und die 
Tuba Eustachii öffnet sich in einer enorm langen, ungemein 
tiefen und breiten Grube. In dieser befinden sich viele 
schlitzartige Lücken, in welchen reichlicher Schleim abge- 
sondert wird, der eigentliche Eingang in die Tuba aber ist 
sehr eng und-schwer zu finden. Die vordere Querleiste 
des Gaumens ist deutlich gezähnt, quer und nicht so wink- 
lich wie bei den Edelfalken; die Seitenleisten fein gezähnelt 
und neigen sich hinter der vordern Querleiste einwärts, um 
ungefähr in der Richtung, wo die Choanen 'enden, ebenfalls 
aufzuhören, dann fängt aber mehr auswärts eine neue fein- 
gezähnelte Seitenleiste an, welche in der Strecke der Tuba- 
grube liegt und einen Winkel mit der hintern' gezähnten 
Gaumenleiste‘bildend endet. Auf dem hintersten Theile 
der Gaumenfläche öffnen sich zahlreiche feine Schleimdrü- 
sen. Die Choanenöffnung ist eine einzige ungetheilte, in- 
dem die weiche Scheidewand nur in der Tiefe 'bemerklich 
ist, und lange nicht bis zum Niveau der Gaumenfläche reicht. 
Der Seitenrand dieser Oeffnung wenigstens die hinter der 


134 


vordern Querleiste befindliche längere Strecke ist völlig 
glatt, ohne alle Zähne. 

Das Gehörknöchelchen ist lang und sanft gebogen. 
die auf der Fenestra ovalis aufsitzenden Platten etwas ge- 
höhlt, mit einem kurzeh spitzen, und einem langen breiten 
runden Ende, der Knorpeltheil ganz verloren. 

Die Muskulatur zeigt eine grosse Uebereinstimmung 
mit der der gemeinen Falken, bietet aber doch einige Be- 
sonderheiten, zumal in der gewaltigen Stärke der Kiefer- 
und Zungenmuskel, welche kaum von einem andern Raub- 
vogel erreicht wird. Vor Allem zeichnet sich der M. pte- 
rygoideus durch Grösse und Erstreckung aus. Sein oberer, 
die Gaumenbeine bedeckender Theil reicht vorn bis zum 
Oberkieferbein. Aber auch die Schläfenmuskeln und die 
Niederzieher des Unterkiefers sind viel voluminöser als bei 
andern Raubvögeln. Der Schläfenmuskel reicht hoch am 
Hinterkopf hinauf und bedeckt, nachdem er unter dem Zy- 
goma sehnig war, wieder fleischig werdend, fast die ganze 
äussere Fläche der Unterkieferäste, deren hintersten Theil aus- 
genommen, wo Sich bei den Papageien der M. pterygoideus 
herumschlägt. Der M. quadratomaxillaris und orbitoquadra- 
tus bieten die bei Raubvögeln gewöhnlichen Verhältnisse. 
Besonders merkwürdig und ausgezeichnet aber ist ein Mus- 
kel, welcher hinterwärts über dem vordern Ende der Flü- 
gelbeine von der Augenhöhlenscheidewand entspringt, sich 
über die Flügelbeine wegschlägt und schief nach unten und 
hinten gehend sich mit einer ziemlich schmalen Sehne an 
die innere Fläche des hintern Theiles des Unterkieferastes 
kurz vor der Gelenkfläche ansetzt. Dieser Muskel ist sehr 
verschieden von dem, welcher bei den Enten an derselben 
Stelle entspringt, aber zum Flügelbeine geht. Man könnte 
ihn M. ethmomaxillaris posterior nennen. Er zieht den Un- 
terkieferast aufwärts und nach vorn. 

Die Zungenmuskeln sind gleichfalls von bedeutender 
Stärke zumal die M. coniei ossis hyoidei, welche ‚ebenso 
weit vorn in der Nähe des Mundwinkels vom Unterkiefer 
abgehen wie bei dem Bussard. Die M. hypoglossi recti 
und der M. ceratohyoideus fehlen, der hypoglossus obliquus 
ist klein und vom vordern Theile des ceratoglossus bedeckt, 


135 


der wie die übrigen sehr stark ist, | Dieser starken Entwick- 
lung der Kiefer- und Zungenmuskeln bedurften die Geier, 
um das Fleisch der Hufthiere zu zerreissen und von den 
Knochen abzulösen, wobei ihnen noch die Zunge ganz be- 
sondere Dienste leistet. 

Von den Hautmuskeln fehlt der M. ypsilo- oder ster- 
nothyroideus und der humerocutaneus. Der M. costocuta- 
neus entspringt nur ‘von zwei Rippen. Ein besonderer 
Hautmuskel geht von der Furcula bis zur Federnkrause am 
Nacken und endet hier. Er ist stärker als der übrige Hals- 
hautmuskel, welcher hauptsächlich aus Querfasern beste- 
hend von Fasern verstärkt wird, die seitlich von den Win- 
keln der Furcula ausgehen. 

Die eigentlichen Halsmuskeln sind den Kiefermuskeln 
entsprechend von ausnehmender Stärke. Die M. recti ca- 
pitis postiei bilden nur ein Paar, sind ungetheilt. Der M- 
biventer cerviecis mit sehr kurzer Mittelsehne, sein vordrer 
Bauch viel kürzer als der hintere wie gewöhnlich bei Raub- 
vögeln. — Der M. serratus anticus minor ist vom major 
getrennt. 

Der M. latissimus dorsi theilt sich wie gewöhnlich in 
einem vordern und hintern. Die Sehne des letztern ver- 
bindet sich mit dem seitlichen Kopf des Anconaeus longus 
und inserirt sich mit diesem hinten an das Os humeri. — 
Der Deltoideus major oder primus verhält sich wie bei an- 
dern Raubvögeln, ist kräftig aber nicht weit am Humerus 
sich erstreckend und wie gewöhnlich mit einer Seitensehne 
an den hintern Rand der Scapula angeankert. Der Deltoi- 
deus secundus (Tiedemanns Levator humeri), welcher:.die 
Sehne des M. pectoralis secundus begleitet, ist sehr ansehn- 
lich, liegt unter dem Tensor patagii und ist auf der Kante 
des’ Oberarmes neben dem ‚vorigen sichtbar: Der Deltoi- 
deus tertius (Tiedemanns 'Deltoideus ‘minor),; welcher von 
dem langen Kopfe des Biceps gewöhnlich begleitet oder be- 
deckt wird, erscheint hier ungemein stark und tritt neben 
jenem langen Kopfe weit ‘hervor. — Der M. pectoralis ma- 
jor ist sehr voluminös, ‘obwohl die crista sterni, auffallend 
niedrig ist, indem er auf den -Schlüsselbeinen und Oberarm 
nit seiner grössten Masse aufliegt. Er gibt wie gewöhn- 


136 


lich ein Bündel zur Bildung der grossen Flughautsehne. 
Der M. pectoralis minor oder secundus dagegen ist unge- 
mein schmal und klein, mehr noch wie bei andern Raub- 
vögeln. Der Tensor patagii magni longus und brevis er- 
scheinen vereinigt. Der gemeinschaftliche Muskel entspringt 
hauptsächlich vom höchsten und hintersten Theile der Fur- 
cula, vielleicht aber zugleich vom obersten Theile des Schlüs- 
selbeines, auf welchem die Ursprungssehne darübergehend 
wenigstens fest aufliegt. Die zum Extensor metacarpi ra- 
dialis gehende Sehne, die des sogenannten kurzen Flug- 
hautspanners ist durchaus nur einfach, auch unten nicht 
gespalten, schmal, und geht wie gewöhnlich in den Kopf 
oder Bauch des genannten Muskels und in die Aponeurose, 
welche die Aussenfläche des Vorderarmes bekleidet. Die 
lange oder Hauptsehne des Flughautspanners hat wie ge 
wöhnlich dem Ellnbogengelenk gegenüber die von elasti- 
scher Substanz gebildete Strecke und theilt sich hierauf 
in zwei dünnere Sehnen, welche in ein sehr längliches voll- 
kommen knöchernes ansehnliches Epicarpium übergehen. 
Elastische Fasern liegen übrigens auch weiter vorwärts in 
der Flughaut unter dem Verlauf der Doppelsehne. Sehr 
deutliche und schöne strahlige Bündel elastischer Fasern 
liegen an der Schwingenseite der Ulna, welche jede Feder- 
spuhle in spitzen Winkel zur Ulna ziehen. Hinten an der 
Biegung des Carpus befindet sich ausserdem ein grosses 
strahliges Bündel von solcher elastischer Substanz, welches 
zwischen die letzte- Strecke der Ulna und den hintern Rand 
des Metacarpus ausgespannt ist und dazu dient den Hand- 
theil des Flügels, welchen dieser Geier ausserordentlich tief 
eingeschlagen und an den Vorderarmschwingen ganz ver- 
deckt trug, ohne Muskelanstrengung in der Ruhe halten 
zu können, zumal insofern keine Tragfedern da sind oder 
der Flügel in der Ruhe nicht von den Seitenfedern des Brust- 
streifs getragen wird. 

Die am Oberarm liegenden Muskeln wie auch alle übri- 
gen der Flügel bieten nichts von denen der Gemeinfalken. 
Abweichendes. Der Biceps brachii ist wie gewöhnlich un- 
getheilt, seine Sehne setzt sich mit einem kurzen Zipfel 
an den Radius, mit einem langen, wieder zweitheiligen an 


137 


die Ulna. Der Anconaeus longus Tiedemanns kommt wie 
gewöhnlich mit zwei kurzen Sehnenköpfen von der Scapula 
und setzt sich dann noch mit dem seitlichen oder Querseh- 
nenkopf an den Humerus, mit welchem seitlichen Sehnen- 
kopfe sich die Sehne des M. latissimus dorsi posticus ver- 
bindet. Die Sehne ist ohne Patella, ebenso die des Anco- 
naeus secundus. Der kleinste Ellnbogenknorrenmuskel Tie- 
demanns findet sich hier so wenig wie bei andern Vögeln 
- mit etwaiger Ausnahme von Cypselus, und seine Unter- 
scheidung ist eine blos willkürliche, indem eine Theil des 
Anconaeus secundus dafür genommen wird. Der Brachia- 
lis internus verhält sich wie bei allen Raubvögeln. Der 
Pronator primus oder brevis nimmt etwas über den vier- 
ten Theil der Speiche ein. Der stärkere Pronator secundus 
nimmt etwas über ein Drittheil der Länge der Speiche ein. 
Der Extensor metacarpi ulnaris besteht aus zwei unvoll- 
kommen getrennten dünnen Bäuchen, deren Sehnen sich 
in eine vereinigen, wie sie denn auch von demselben Punkte 
entspringen. 

Die Muskulatur der hintern Gliedmassen schliesst sich 
dem allgemeinen Falkenplane aufs engste an, namentlich 
gilt dies von den am Oberschenkel liegenden M. M. sarto- 
rius, latissimus femoris Tied. oder glutaeus magnus Meck, 
glutaeus medius und minor Meck, iliacus internus genui- 
nus, obturator externus, extensor cruris, rectus cruris in- 
ternus Tied., gracilis femoris Tied, rectus cruris Meck, wel- 
cher ziemlich ansehnlich den gewöhnlichen Ursprung hat 
und die gewöhnliche Verbindung mit dem durchbohrten 
Zehenbeuger der mittlen und äussern Zehe macht. Der Ad- 
ductores femoris sind zwei sehr leicht trennbare, aber beide 
haben denselben Ursprung und dieselbe Anfügung und sind 
ungemein stark. Der Flexor cruris fibularis N zeichnet sich 
nur durch seine ansehnliche Stärke aus, ebenso der Flexor 
eruris tibialis. Der Biceps cruris fehlt hier wie allen Raub- 
vögeln gänzlich. Der M. tibialis anticus ganz gewöhnlich. 
Der Gastrocnemius besteht wie bei Pandion halia@tos aus 
zwei Bäuchen, von welchen der äussere nur einen Kopf 
hat, während der innere Bauch mit drei Köpfen entspringt. 
Der M. plantaris fehlt gänzlich, auch ist der bei den Edel- 

XXL 1863, 10 


138 


falken vorkommende M. tibialis posticus hier so wenig wie 
bei den Gemeinfalken vorhanden. Der Peronaeus verus 
und brevis ist klein und reicht noch nicht bis zur Mitte 
der Länge des Crus hinauf. Er scheint keine wirklich knö- 
cherne Patella zu haben. Der Peronaeus longus s. com- 
municans, welchen Tiedemann als tibialis posticus beschreibt, 
ist sehr ausgebildet wie bei Gemeinfalken, entspringt ganz 
oben von der äussern Knieleiste der Tibia, zwischen dem 
Tibialis anticus und Flexor perforatus perforans der Mittel- 
zeh liegend und herablaufend, geht mit einer breiten Sehne 
zum Fersengelenk und mit einer längern hier auch verhält- 
nissmässig starken Sehne zur Sehne des durchbohrten 
Beugers der Mittelzehe nach dem gewöhnlichen Verhält- 
nisse. Vorzüglich auszeichnend erscheint das Verhältniss 
der Nagelgliedbeuger zu den durchbohrten Zehenbeugern; 
indem diese an Masse ganz und gar nicht von jenen über- 
wogen werden, was sonst bei allen Tag- und Nachtraub- 
vögeln eben mit Ausnahme der geierartigen der Fall ist, 
bei denen die Nagelgliedbeuger bisweilen die stärksten Mus- 
keln am Crus sind. Mit dem gegentheiligen Verhältniss 
bei Vultur fulvus stimmen wohl auch die Catharten, Neo- 
phron und Gypogeranus überein, weil auch sie die Klauen 
nur wenig zum Einschlagen gebrauchen. 

Von den Bauchmuskeln endlich entspringen die M. 
recti abdominis blos vom Abdominalrande des Brustbeines 
und gehen sehnig zum Schambeim. Der M. tranversus ab- 
dominis kömmt nur von den Schambeinen fleischig, Kei- 
neswegs von den Rippen wie Meckel irrthümlich angibt, 
und wird in der Nähe des Brustbeines häutig. Der M. ob- 
liquus externus bedeckt mit seinen schief querlaufenden 
Fasern alle übrigen Bauchmuskeln und namentlich auch 
die geraden völlig, indem er an der Linea alba mit seinem 
socius zusammen stösst. Er erstreckt sich übrigens über 
die vier letzten Rippen. Der M. obliquus internus füllt den 
dreieckigen Raum zwischen der letzten Rippe und dem 
Beckenrande aus und ist blos fleischig ausser einem klei- 
nen Theile am Schambeine. 

Der Verdauungsapparat verdient in mehrfacher Hin- 
sicht eine besondere Aufmerksamkeit. Im Schlunde zu- 


v 


139 


nächst, der einen grossen kropfartigen Bauch hat, liegen 
feine Drüsenöffnungen, welche im Kropfbauche spärlich 
werden, hinter demselben aber wieder zahlreich auftreten 
und gegen die Grenze des Vormagens hin am grössten 
werden. Der grosse Vormagen hat ziemlich deutliche Juga 
und zwar vier. Seine Drüsen sind nicht stark, deren Oeff- 
nungen sehr klein, aber unzählige. Der Magen erscheint 
als blosser kleiner Anhang des Vormagens und ist ganz 
häutig, doch mit sehnigem Centrum. Der Pylorus ist merk- 
würdig durch drei sehr deutliche Klappen, von welchen die 
grösste einen Zipfel bildet, die beiden andern mehr rund- 
lich sind und von erstrer umgeben werden. Der Darmka- 
nal misst sieben Fuss Länge und ist sehr eng, im Duode- 
num und Mastdarm schwach erweitert. Die fast vier Fuss 
lange Duodenalschlinge macht in der hintern Hälfte eine Spi- 
ralwindung. Das Darmdivertikel liegt wie ein dünner Fa- 
den in fast vier Fuss Entfernung vom After. Die Blind- 
därme gleichen kleinen Papillen. Am Ende des Darmes im 
After zeigen sich zwei kleine Zipfel wie Ruthen, neben je- 
der nach innen eine kleine Oeffnung. Die innere Darm- 
fläche ist zottig. Die ganzen Gedärme liegen sehr vollkom- 
men in einen Peritonealsack eingeschlossen. Die Leber 
verhält sich wie bei Adlern und Falken, mit abgerundeten 
ziemlich gleich langen Lappen, von welchen der rechte je- 
doch etwas breiter und grösser ist als der linke. Die grosse 
Gallenblase ist rundlich oval nierenförmig als quere Erwei- 
terung des rechten Gallenganges sich darstellend, indem 
sie durch einen dünnen Gang die Galle bekömmt und wie- 
- der durch einen ebenso dünnen dieselbe in den Darm er- 
giesst. Das Pankreas ist klein und einfach, nur den vor- 
dersten Theil der Darmschlinge einnehmend, umgibt den 
Lebergang mit einem Theile und sendet drei Ausführungs- 
gänge in das Duodenum zwischen den beiden Gallengängen. 
Die Milz ist kurz oval. 

Im Gefässsysteme ist zu beachten eine Vena jugula- 
ris jederseits, zwei sehr versteckte dicht neben einander 
verlaufende Carotiden. — Die Luftzellen des Rumpfes ver- 
halten sich ganz wie bei Buteo. Die Zelle zwischen bei- 
den Leberzellen, welche die Edelfalken haben, fehlt hier. 

107 


140 


— Die Lungen sind sehr niedrig. — Die vordern Nierenlap- 
pen sind rundlich oval, die mittlen sehr schmal und lang, 
die hintern ganz davon getrennt, breit und kurz. Die Ho- 
den sind länglich, der rechte etwas grösser als der linke 
bohnenförmige. — Die Bürzeldrüse ist breit herzförmig» 
ohne Zipfel und zeigt der Länge nach durchschnitten ei- 
nen eiförmigen Kessel mit vielen Oeffnungen in den Wänden. 


Zur Osteologie der Gattung Ocypterus 


C, Giebel, 


Die zu den Pirolen gehörige Gattung Ocypterus Cuv 
(Artamus Vieill und Leptopteryx Horsf) mit ihren indischen 
und neuholländischen Arten ist meines Wissens noch nicht 
osteologisch mit ihren Verwandten verglichen worden. Un- 
sere anatomische Sammlung besitzt ein Skelet mit der Eti- 
quette Ocypterus cinereus, welcher Artname keine Berechti- 
gung hat, vielmehr wird es OÖ. leucorhynchus sein. Dies 
veranlasst mich zu nachfolgender Vergleichung mit dem 
einheimischen Sturnus und Oriolus galbula und mit Icte- 
rus, von welchen Arten ich eine ganze Suite von Skeleten 
vor mir habe. 

Die sehr charakteristische Schnabelform ist schon in 
der Gattungsdiagnose gewürdigt und braucht hier nicht be- 
schrieben zu werden, wogegen das Verhalten der Nasenlö- 
cher ein so durchaus eigenthümliches, weit von den ver- 
wandten Gattungen abweichendes ist, dass es alle Aufmerk- 
samkeit verdient. Während nämlich bei Sturnus, Oriolus 
und Icterus die Nasenlöcher grosse elliptische Oeffnungen 
am Schnabelgrunde sind, finden wir bei Ocypterus gleich 
hinter der Schnabelmitte dem Kieferrande näher als der 
Schnabelfirte jederseits eine kleine birnförmige Oeffnung, 
das Nasenloch, und gleich hinter diesem, bei dem befieder- 
ten Vogel ganz unter dem Gefieder versteckt, senkt sich 
anfangs sehr seicht eine Grube am Schnabelgrunde ein, 
welche dem hintern Drittheil der Nasenöffnung bei jenen 
Gattungen entspricht. Die Nasenhöhle ist also hier in zwei 


141 


Gruben getheilt. Die Lücke zwischen Nasenloch und Au- 
genhöhle verhält sich wesentlich wie bei Icterus und Orio- 
lus, nur das sie erheblich kürzer, höher als lang, bei jenen 
lang und dreieckig ist, bei Sturnus dagegen viel länger 
nach vorn sich erstreckt und nach hinten ganz in die Au- 
genhöhle sich Öffnet. Auch der Schnabelgrund mit der Beu- 
gungsstelle und die Stirngegend gleicht im Wesentlichen 
den Verhältnissen von Icterus und Oriolus und entfernt 
sich von Sturnus mehr. Die Augenhöhlenränder sind gar 
nicht verdickt und aufgeworfen, nur hinterwärts treten sie 
schwach hervor. 

Die Hirnkapsel erscheint relativ kleiner als bei den 
verwandten Gattungen, kurz und breit, der Scheitel flach. 
Die ganze Hinterhauptsgegend stimmt auffällig mit Oriolus 
überein und zeigt keine Eigenthümlichkeit von generischer 
Bedeutung. Bei Icterus ist dieselbe merklich schmäler und 
fast wulstig umrandet, bei Sturnus hebt sie sich stark ge- 
wölbt hervor. Auch in der Grösse, Form und Berandung 
des Foramen magnum oceipitale finde ich Ocypterus gar 
nieht von Oriolus verschieden, während bei Icterus dieses 
Loch merklich kleiner ist. 

An der Seitenansicht ist die Schläfenfläche für die gros- 
sen Kiefermuskeln merklich umfangsreicher bei Ocypterus 
wie bei allen verwandten Gattungen und der hintere Rand 
der Augenhöhle ragt als starker Fortsatz tief senkrecht herab, 
so dass seine Spitze kaum eine Linie weit vom Jochbogen 
entfernt bleibt, während bei Oriolus und Icterus derselbe 
viel höher steht, kürzer ist und mehr als zwei Linien weit 
über dem Jochbogen steht, Bei diesen Gattungen ragt in 
der Mitte des Raumes dieses Fortsatzes und Jochbogens 
ein starker kantiger Fortsatz vom Schläfenbein über das 
Quadratbein nach vorn; bei Ocypterus ist dieser Fortsatz 
fadendünn, viel länger, stärker abwärts und etwas nach 
innen geneigt. Das Septum interorbitale finde ich bei Ocyp- 
terus etwas weiter durchbrochen wie bei Oriolus, bei Icte- 
rus aber noch viel mehr, eigentlich nur rudimentär. Der 
Jochbogen ist fadendünn und kantig, merklich stärker bei. 
Icterus und Oriolus, aber noch feiner bei Sturnus. 

Die untere Schädelseite stimmt wieder auffällig mit 


142 

Oriolus überein, und nur relative Unterschiede machen sich 
bemerklich. So ist bei Oriolus die Gaumenfläche merklich 
tiefer muldenförmig und die Hinterecken der Gaumenbeine 
länger nach hinten ausgezogen wie bei Ocypterus, bei die- 
sem die Rinne längs der Mittellinie schmäler u. dgl. Bei 
Icterus dagegen sind die Gaumenbeine überhaupt viel schmä- 
ler und gar nicht nach hinten verlängert. Sturnus schliesst 
sich zwar enger an Ocypterus an, doch nicht in dem Grade 
wie Oriolus. 

Das Quadratbein weicht von dem des Oriolus nur durch 
seinen ansehnlich dünnern und etwas längern Orbitalfort- 
satz ab, welcher dem Flügelbeine ganz parallel liegt, bei 
Ieterus und Oriolus nur wenig, bei Sturnus aber sehr stark 
aufwärts gerichtet ist. Bei Icterus ist unter allen dieser 
Knochen am kräftigsten. 

Die Unterkieferäste erscheinen von der Seite betrach- 
tet merklich höher als bei Oriolus, ähnlicher Iceterus, wo- 
gegen bei diesem die hintere Ecke in einen starken Fort- 
satz eine ansehnliche Strecke über das Gelenk hinaus nach 
hinten fortsetzt, der bei Sturnus zugespitzt ist, bei Ocyp- 
terus und Oriolus aber gänzlich fehlt. Bei diesen Beiden 
endet vielmehr jeder Ast gleich unterhalb des Gelenkes mit 
einer schiefen dreiseitigen Fläche und Ocypterus zeichnet 


sich von Allen besonders noch aus durch einen gegen das 


Flügelbein aufsteigenden Stachelfortsatz an der Innenseite 
gleich vor dem Gelenk, von welchem bei den andern nicht 
einmal eine schwache Andeutung zu finden ist. 

Die Wirbelsäule besteht bei Ocypterus und ÖOriolus 
aus 13 Hals-, 7 rippentragenden, dem Kreuzbein und 8 
Schwanzwirbeln bei Icterus aus nur 11 Hals- und 7 Schwanz- 
wirbeln, bei Sturnus aus 1” Hals- und 7 Schwanzwirbeln. 

Die Wirbelsäule ist in ihrer ganzen Länge bei Ocyp- 
terus auffallend schwach und zart gebaut im Verhältniss 
zu der der andern Gattungen. Die Halswirbel zeichnen 
sich besonders durch ihre Kürze und die weiten Bogenlü- 
cken aus. Der Atlas ist ein sehr feiner Ring mit dickem 
Körper und kleinem Fortsatz an dessen Unterseite, welcher 
bei Oriolus die Form einer dicken Warze hat, bei Icterus 
zweispitzig ist. Der Epistropheus stimmt in seinen Fort- 


143 


sätzen mit Oriolus überein. Der dritte und vierte Hals- 
wirbel hat auf seinem, hinten noch nicht ausgerandeten 
Bogen einen kleinen zitzenartigen Dornfortsatz, der dritte 
auch einen breiten untern Dorn, welcher dem vierten gänz- 
lieh fehlt, während er bei Oriolus und Icterus noch vorhan- 
den is, Vom fünften Wirbel an sind die Bögen tief aus- 
gerandet und bilden schmalarmige Kreuze bis zu den drei 
letzten, deren Bögen wieder breit sind. Allen diesen feh- 
len obere Dornen gänzlich, und untere Dornen haben nur 
die letzten beiden. Dagegen sind die seitlichen oder Ge- 
lenkfortsätze ziemlich kräftig und die fadendünnen Rippen- 
rudimente fast von Wirbellänge. Bei Oriolus finden wir 
dieselben Formen, aber kräftiger, massiver, in noch höhe- 
rem Grade bei Icterus. 

Von den Rückenwirbeln ist nur der erste und sechste 
frei, beweglich, die dazwischenliegenden unter einander, 
der siebente mit dem Hüftbein verwachsen. Der erste trägt 
nur einen ganz niedrigen Dornfortsatz und hat einen brei- 
tern Bogen als der letzte Halswirbel, aber einen hohen un- 
tern Dorn wie die beiden letzten Halswirbel und die beiden 
folgenden Rückenwirbel. Die verwachsenen Rückenwirbel 
haben einen starken ununterbrochenen Dornenkamm und 
breite schwach aufwärts geneigte Querfortsätze und stark 
comprimirte, unterseits kantige Körper. Der vorletzte ist 
zwar frei, doch steht sein Dornfortsatz so nah an dem des 
letzten, dass eine allmählige Verwachsung leicht eintreten 
kann. Bei Oriolus finde ich diese Wirbel kräftiger und län- 
ger, ihre starken Dornfortsätze zwar verbunden, doch selbst 
bei alten Exemplaren noch deutlich unterscheidbar und 
nicht in einen gleichmässigen Kamm verschmolzen, Ihre 
Querfortsätze sind bedeutend breiter. Bei Icterus bleiben 
die Dornfortsätze völlig isolirt, dagegen ziehen sich die 
Ecken der breiten Querfortsätze so lang aus, dass sie zu 
einer Verschmelzung gelangen. Sturnus hat wieder einen 
ununterbrochenen Dornenkamm wie Ocypterus, doch brei- 
tere Querfortsätze. 

Die Kreuzwirbel sind völlig unter einander und mit 
dem Becken verschmolzen, so dass eine weitere Verglei- 
chung kein Interesse gewährt. Die Schwanzwirbel sind bei 


dad 


Ocypterus kurz, mit sehr niedrigen und breiten Dornen 
stark abwärts geneigten breiten Querfortsätzen, die drei 
vorletzten mit untern Dornen, der letzte mit hohem trape- 
zoidalen Dorn und dreiseitiger ebener Hinterfläche. Orio- 
lus unterscheidet sich nur durch kräftigere Formen und eine 
sehr spitz dreiseitige Dornplatte des letzten Wirbels. Bei 
Icterus stehen die viel längern und breiten Querfortsätze 
fast wagrecht und der letzte Wirbel hat eine viel höhere 
spitze Dornenplatte und hinten am Körper eine ovale Fläche. 
Dem schliesst sich Sturnus enger an als erstern Gattungen. 

Die Rippen beginnen bei unserm Ocypterus also gleich 
mit einer wahren und scheint es mir, als sei eine erste 
falsche bei der Präparation verloren, für welchen Fall die 
obige Zahl der Halswirbel um einen zu hoch angegeben 
wäre. Alle Rippen sind oberhalb des Hakenfortsatzes sehr 
breit, unterhalb desselben schmal, sie haben mit Ausnahme 
der ersten und letzten den Hakenfortsatz, welcher mit sei- 
ner Spitze sich auf die nächst folgende Rippe legt. Die 
letzte mit dem Hüftbeine verwachsene Rippe ie* die einzige 
ohne Sternalfortsatz. Ganz dieselbe Rippenbildung besitzt 
Oriolus, nur sind hier die IIakenfortsätze bemerkenswerth 
länger. Bei Icterus und Sturnus sind die sämmtlichen Rip- 
pen in der obern Hälfte ansehnlich breiter und auch die 
letzte hat einen Sternalknochen. | 

Das schmal säbelförmige Schulterblatt reicht bei Ocyp- 
terus, Oriolus, und Icterus, bis auf die drittletzte, bei Stur- 
nus bis auf die vorletzte Rippe, und ist bei Ocypterus fast 
gerade mit scharfer hinterer oberer Ecke, zumal bei Icterus 
und Oriolus völlig abgerundet. Die Furcula zeigt bei allen 
die gleichen Formverhältnisse, nur sehr geringfügige Un- 
terschiede in der Krümmung. Am Processus coracoideus 
besitzen an der untern Hälfte der Hinterseite Icterus eine 
sehr hohe, Oriolus und Sturnus eine kleinere Leiste, welche 
bei Ocypterus nur ganz schwach angedeutet ist. Zugleich 
ist bei letztrer Gattung dieser Knochen ansehnlich kürzer 
wie auch die Furcula als bei den übrigen. 

Das Brustbein trägt bei Ocypterus eine ungleich höhere 
Spina wie bei den andern Gattungen, die niedrigste bei 
Icterus. Der bei allen vorkommende Gabelfortsatz in der 


652 


v9 


Mitte des Vorderrandes zwischen den Rabenschnabelbeinen 
ist bei Ocypterus am niedrigsten und dessen Aeste zugleich 
sehr sperrig, dagegen erscheint der seitliche Fortsatz, an 
dessen Rande die Sternocostalien gelenken, beträchtlich schmä- 
ler wie bei den übrigen und zugleich zugespitzt, bei den 
andern breit abgestutzt. In dem hintern Ausschnitte stim- 
men alle überein. 

Der Oberarm hat allgemein ziemlich die Länge der 
Scapula und sehr starke Knorren Eine Patella brachialis 
ist allgemein vorhanden. Die Unterarmknochen sind etwa 
um ein Drittheil länger, der kantige fadendünne Radius ganz 
gerade, die starke abgerundete Ecke nur am obern Ende 
schwach gekrümmt. In der Hand- und Fingerbildung finde 

ich gar keinen beachtenswerthen Unterschied. „ 

Auch das Becken zeigt in allen seinen Formenverhält- 
nissen eine so merkwürdige Uebereinstimmung, dass man 
nur mit geringfügigen relativen Unterschieden wie der schwä- 
chern Buchtung der obern abfallenden Seite der Hüftbeine, 
der breitern untern Oeffnung, den etwas kürzern Scham- 
beinen u. dgl. die Trennung des Ocypterus von Oriolus 
rechtfertigen kann. Nicht minder schwierig wird esin dem 
Oberschenkel und Unterschenkel Differenzen zu constatiren. 
Ieterus und Sturnus haben allerdings viel höhere Knielei- 
sten an der Tibia als Oriolus und Ocypterus, und letztere 
beiden unterscheiden sich auch etwas in der Form dieser 
Leisten von einander, doch ein erhebliches Gewicht lässt 
sich darauf nicht legen. Besser charakterisirt sich der Tar- 
sus bei Ocypterus durch seine grosse Kürze und die mar- 
kirte Rinne auf der breiten Vorderseite. Sturnus und Icte- 
rus haben im Verhältniss zu Oriolus und Ocypterus sehr 
lange Tarsen. Im Grössenverhältniss der einzelnen Zehen 
wird man zwischen letztern beiden keinen Unterschied mit 
dem Massstabe ermitteln. 

Unsere Vergleichung ergibt also, dass Ocypterus osteo- 
logisch bis auf einige Eigenthümlichkeiten im Schädelbau 
so völlig mit Oriolus übereinstimmt, dass auf ‘das Skelet 
allein beide Gattungen sehr wohl in eine vereinigt werden 
könnten. Unterschiede in der übrigen Organisation recht- 
fertigen jedoch die generische Trennung. 


146 
n Mittheilungen, 


Aus dem Laboratorium des Dr. Siewert. 
1. Analyse einer Amniosflüssigkeit. 


Während die Quantität des Fruchtwassers in normalen Fäl- 
len meist nur 2—3 Pfund beträgt, war durch Veränderungen im 
Gesundheitszustande der Schwangeren die Masse des Fruchtwas- 
sers bis auf nahezu 9 Pfund vermehrt !). Dasselbe hatte ein 
spec. Gewicht von 1,021, und war, wie es gewöhnlich der Fall 
ist, von schwacher, aber deutlich alkalischer Reaction. Es war 
ziemlich stark getrübt durch die abgestossenen Epidermiszellen 
der Fötalhaut, die sich bei längerem Stehen der Hälfte der vor- 
handenen Flüssigkeit als eine weisse, fast pulvrig scheinende 
Schicht am Boden des Gefässes ausschieden. Das Gewicht der- 
selben liess sich leider nicht gut bestimmen, da sie durch Fil- 
tration von der Flüssigkeit nicht geschieden werden konnten. 

Weder beim Kochen für sich, noch auf Zusatz von Essig- 
säure, Alkohol oder Kaliumeiseneyanür erfolgte Fällung oder 
Coagulation; es wurde jedoch beim Kochen nach vorherigem Zu- 
satz reiner Salzsäure von 1,2 spec. Gewicht beim Erkalten eine 
albuminöse Substanz in Flocken abgeschieden. Als statt reiner 
Salzsäure die rohe Salzsäure verwandt wurde, trat nach einigem 
Kochen die charakterische violette Farbe ein, welche die Anwe- 
senheit von Albumin in einer Flüssigkeit beweist. Merkwürdig 
und charakteristisch für das in diesem Fruchtwasser enthaltene 
Albuminat ist, dass ein Theil desselben in Salzsäure löslich, aber 
durch Kalihydrat fällbar ist Concentrirte Salpetersäure erzeugt 
schon in der Kälte eine starke Albuminabscheidung, die sich beim 
Erhitzen zusammenballt und gelb wird. Salpetersaures Queck- 
silberoxydul gibt einen käsigen Niederschlag, der beim Kochen 
an die Oberfläche der Flüssigkeit steigt und graugelblich erscheint. 
Salpetersaures Quecksilberoxyd gab in der Kälte ebenfalls einen 
weissen flockigen Niederschlag, der beim Kochen rosenroth wurde. 

Alle diese Reaktionen deuteten auf einen, wenn auch nur ge- 
ringen Gehalt an einer albuminösen Substanz hin, welche siehjedoch 
in mancher Beziehung vom gewöhnlichen Albumin unterscheidet. 

Zucker, Hippursäure und Harnsäure konnten nicht nach- 
gewiesen werden. * 

1.) Beim Abdampfen einer grössern Menge Flüssigkeit 
(475,1 Grm.) schied sich die albuminöse Substanz in dünnen 
Häutchen an der Oberfläche der Flüssigkeit, caseinähnlich, ab. 
Die Gesammtmenge des festen Rückstandes bei 120°C. im Luft- 


!) Diese Amniosflüssigkeit war auf dem hiesigen Entbindungsin- 
stitut von Herrn Prof. Dr. Olshausen kurz vor der Geburt des Fötus 
abgelassen und mir sogleich zur Untersuchung übergeben worden. 


147 


bade getrocknet, betrug 6,74 Grm. — 1,418 pC. Daraus wur- 
den mit Aether extrahirt 0,1252 Grm. Fett, entsprechend 0,0262 pC. 

2.) 276 Grm. Flüssigkeit in einer Platinschale zur Trockne 
verdampft, lieferten oberflächlich verkohlt, mit Wasser der Glüh- 
rückstand völlig erschöpft, die erhaltene Lösung wieder zur Trockne 
gebracht und bis zur Zerstörung aller organischen Substanz 
erhitzt, nochmals mit Wasser extrahirt und zur Trockne ge: 
bracht, einen 1,9500 Grm. betragenden Salzrückstand, entspre- 
chend 0,706 pC. 

3.) 520,8 Grm. Flüssigkeit im Wasserbade zur Trockne 
verdampft und bei 120°C. im Luftbade getrocknet, gaben 7,335 
Grm. entsprechend 1,412 pC. Darin waren enthalten mit Aether 
extrahirbares Fett 0,1445 Grm. — 0,277 pC. Die mit Aether 
extrahirte Substanz wurde mehrmals mit kochendem Alkohol ex- 
trahirt, um den etwa vorhandenen Harnstoff zu erhalten. Da 
jedoch auch unorganische Salze und etwas Eiweisssubstanz mit 
gelöst wurden, musste das alkoholische Extract mehrmals im Was- 
serbade abgedampft und von Neuem mit absolutem Alkohol auf- 
genommen werden. Nach dreimaliger Wiederholung des Verfah- 
rens wurde ein in kaltem Alkohol ganz lösliches Extract erhal- 
ten, das zwar keine unorganischen Salze, wohl aber noch andre 
organische Stoffe ausser Harnstoff enthielt. Um letztern mit sal- 
petersaurer Quecksilberoxydlösung titriren zu können, wurde der 
Alkohol nochmals im Wasserbade verdunstet und der Rückstand 
in Wasser aufgenommen, wobei eine weisse flockige Substanz zu- 
rückblieb, welche auf einem gewogenen Filter abfiltrirt wurde. Das 
Gewicht derselben wurde zu 0,1400 Grm. bestimmt. Die wässrige 
Lösung des Harnstofis wurde nun mit salpetersaurem Quecksilber- 
oxyd titrirt und davon 22 CC. verbraucht, welche (da der Titre 
12 CC. Quecksilberlösung — 0,10 Grm. Harnstoff bestimmt war) 
0,1833 Grm. entsprechen — 0,0352 pC. Die Gesammtmenge 
der in Wasser löslichen unorganischen Salze betrug 3,676 Grm., 
entsprechend 0,706 pC., dieselbe war theilweise durch Extraction 
der schon mit Alkohol und Aether behandelten Albuminsubstanz, 
theilweise aus dem alkoholischen Extract erhalten. Gleichzeitig 
war mit den Salzen auch ein beträchtlicher Theil des vorher coa- 
gulirt gewesenen Albumins wieder gelöst worden, so dass der in 
den angewandten Lösungsmitteln unlösliche Theil nur einen klei- 
nen Theil der ganzen albuminösen Stoffe ausmachte. Das Ge- 
wicht derselben betrug nach vollkommener Entwässerung nur 
1,7495 Grm. —= 0,238 pC. 

Rechnet man zu 1,7495 Grm. noch die oben angeführten 
0,1400 Grm. Albuminsubstanz hinzu, welche mit Alkohol extra- 
hirt waren, und durch Wasser vom Harnstoff abgeschieden waren, 
so wurden, da das Gesammtgewicht der Salze, des Fettes und 
Harnstoffs 3,8638 Grm. beträgt, durch Wasser noch 1,6017 Grm. 
albuminöser Substanz gelöst. Es ergibt sich hiermit, dass der 


148 


Albumingehalt des Fruchtwassers geringer war, als der der Salze 
(nämlich im Verhältniss 3,3512 Grm. : 3,676 Grm.), dass aber 
das Verhältniss der organischen Stoffe überhaupt zu den unor- 
ganischen gleich 1:1 (3,679:3,676) war. 

In Folge der Beobachtung, die ich bei der ersten Prüfung 
des Wassers gemacht hatte, dass nur ein Theil der albuminösen 
Substanzen durch Kochen mit verdünnter reiner Salzsäure abge- 
schieden würde, ein andrer, wenn auch geringerer Theil aus dem 
klar filtrirten salzsauren Filtrat durch Kalibydrat gefällt werde, 
versuchte ich, diese verschiedenen Eiweissmengen in derselben 
Weisse quantitativ zu bestimmen. Es wurden zu diesem Zwecke 
488,1 Grm. der Flüssigkeit mit verdünnter Salzsäure längere 
Zeit bei 80°C. erwärmt und dann durch mehrere gewogene Filtra 
filtrirt. Nachdem der gesammte Niederschlag auf die Filtra auf- 
gebracht war, wurde zuerst mit salzsäurehaltigem Wasser aus- 
gewaschen, und das erhaltene klare Filtrat mit Kalihydrat gefällt, 
und der Niederschlag wieder auf einem gewogenen Filter abfil- 
trirt. Während dieser Niederschlag sich ganz gut mit reinem 
Wasser auswaschen liess, ohne sich wieder zu lösen (sein Gewicht 
betrug nach dem Trocknen 0,2442 Grm. = (,05 pC.), löste 
sich der mit Salzsäure erhaltene beim Auswaschen mit reinem 
Wasser wieder vollkommen auf, und liess sich auch durch Ko- 
chen nicht wieder erzeugen, so dass ich auf die Gewichtsbestim- 
mung desselben verzichten musste. 

Die Analyse der unorganischen Salze wurde in der Weise 
ausgeführt, dass die erhaltenen 3,676 Grm. in 100 CC. Wasser 
gelöst, und zur Bestimmung der einzelnen Bestandtheile je 10 CC. 
verwandt wurden. 

1.) 10 CC. gaben 0,0451 Grm. BaO.SO?, entsprechend 
0,0155 Grm. SO3. 

2.) 10 CC. gaben nach längerem Kochen mit Salpetersäure, 
um die etwa gebildete Pyrophosphorsäure in gewöhnliche Phos- 
phorsäure überzuführen, nach Uebersättigung mit Ammoniak und 
schwefelsaurer Magnesia einen sehr geringen Niederschlag. Das 
Gewicht desselben nach dem Glühen betrug 0,0060 Grm. ent- 
sprechend 0,0038 Grm. PO®. 

3.) 10 CC. gaben mit etwas Salzsäure sauer gemacht und 
mit überschüssigem Platinchlorid auf ein ganz geringes Volumen 
eingedampft, einen 0,2530 Grm. betragenden Niederschlag von 
Kaliumplatinchlorid, entsprechend 0,0487 Grm. KO. 

4.) 10 CC. gaben mit Salpetersäure und salpetersaurem 
Silberoxyd versetzt, gaben 0,7533 Grm. AgCl, entsprechend 
0,18636 Grm. Cl. 

Angenommen, dass alle Schwefel- und Phosphorsäure an 
Kali gebunden in dem Salzgemenge vorhanden waren, so erhält 
man aus obigen Daten nach ihrer Verzehnfachung für die unor- 
ganischen Salze die Zahlen 


\ 149 

KO0.SO® — 0,3371 Grm. 

PO5.2KO — 0,088 „ 

Kcal 2294000, 

NaCl — 2,7570 
3,5824 „ 


Daher Verlust = 0,0936 ,„ 
Magnesia- und Kalksalze konnten nicht nachgewiesen werden, 
was schon daraus zu vermuthen war, dass sich das geglühte Salz 
völlig klar und leicht in Wasser löste. Möglicherweise war die 
Kalibestimmung zu niedrig angegeben, indem bei der Wäguns 
des getrockneten Salzes auf dem Filter eine geringe Menge ver- 
loren wurde. 
Somit wurden gefunden: 
Feste Bestandtheile 1,412 pC. 


Wasser 98,588 „ 
100,000 pC. 
Fett 0,0277 
Organ. Bestandtheile |! Harnstoff 0,0352 | 0,7068 
\ Albuminöse Substanzen 0,6434 
K0.SO3 0,0647 
Base Bestandtheile. 1,50%: 2K0 0,0170 
elle 0.0768| 0,7057 
'Nacı 0,5293 
Verlust 0,0179 
1.4120 


Es liegen so wenig gründlich und nach genauen Methoden 
durchgeführte Analysen von Amniosflüssigkeiten des menschlichen 
Fötus, zu verschiedenen Perioden der Entwicklung desselben vor, 
dass es wünschenswerth erscheint, diesem Gebiete der chemischen 
Untersuchung wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zieht 
man in Betracht, dass bei der vorliegenden Amniosflüssigkeit das 
Volum sehr vermehrt und trotzdem aber der Gehalt an Protein- 
stoffen gegenüber dem Gehalt an unorganischen Stoffen nicht 
sehr gering war, so gingen mit dieser Flüssigkeitsmenge eine 
weit bedeutendere Menge fester Substanzen verloren, als es sonst 
der Fall zu sein pflegt. Man nimmt bisher an, dass mit dem 
Fortschreiten der Schwangerschaft der Gehalt des Fruchtwassers 
an albuminöser Substanz abnehme, während der der nicht ver- 
brennlichen Stoffe zunehme. Dem scheinen jedoch die von Schloss- 
berger !) erhaltenen Resultate bei vergleichenden Analysen der 
Amniosflüssigkeit des Kuhfötus zu widersprechen; Schl. fand den 
Eiweissgehalt von der vierten bis zur zwanzigsten Woche zu- 
nehmend und die Menge der Salze abnehmend. Im vorliegenden 
Falle fand ich beide Arten der festen Bestandtheile gleichmässig 
vertrgten. ° 


*) Ann. d, Chem. und Pharm. XCVI, 67 und CIII, 193. 


150 


Schlossberger hatte die einzelnen Bestandtheile des unorga- 
nischen Salzgemenges nicht näher untersucht und auch keine 
Scheidung der organischen Bestandtheile versucht. Er gibt nur 
die Menge des Zuckers an, die er bei einem 7- wöchentlichen 
Kuhfötus in der Amniosflüssigkeit fand; in den übrigen wies er 
den Zuckergehalt nur qualitativ nach. Ich fand im vorliegenden 
Falle keinen Zucker, wohl aber, wie auch Schlossberger, Harnstoff. 

Die Scheidung und quantitative Bestimmung der verschie- 
denen Proteinstoffe bleibt vorläufig eine noch zu lösende Aufgabe, 
man hat sich bisher damit zu helfen gewusst, dass man alles 
Organische, dessen Natur man nicht genau kannte, unter dem 
Namen „Extractivstoff“ zusammenfasste, ohne damit irgend eine 
klare Vorstellung zu verbinden. Ich glaube annehmen zu dür- 
fen, dass solche Extractivstoffe in den zu untersuchenden thieri- 
schen Flüssigkeiten nicht präexistiren, sondern dass sie erst bei 
der chemischen Untersuchung durch die vielfachen Manipulationen 
aus dem gewöhnlichen Eiweiss entstehen. Ich habe deshalb in 
vorliegender Analyse alle andern organischen Stoffe ausser den 
bestimmt charakterisirten Fett und Harnstoff, unter dem Namen 
albuminöser Substanzen aufgeführt, obgleich ich schon oben be- 
merkte, dass selbst in dem frischen, keinen weitern Operationen 
ausgesetzt gewesenen Fruchtwasser zwei Arten albuminöser Stoffe 
vorhanden waren. 


2. Ueber reines Zinkoxydhydrat und das Atomgewicht 
des Zinks. 


Bei meinen zahlreichen Salpetersäurebestimmungen, in wel- 
chen die Salpetersäure in alkoholischer Flüssigkeit durch Einwir- 
kung von Aetzkali auf ein Gemenge von Zink- und Eisenfeile 
in Ammoniak übergeführt und als solches quantitativ mit dem 
besten Erfolge bestimmt wurde, resultirten eine grosse Menge 
Zinkoxyd und Kalihaltiger Flüssigkeiten, welche nach Filtration 
in einer grossen mit eingeriebenem Glasstöpsel versehenen Flasche 
aufbewahrt wurden. Nach längerem Stehen bemerkte ich in die- 
ser Flasche einige schön glänzende, kleine Krystalle, die sehr 
hart und im Wasser unlöslich waren. Ich überliess die Flüssig- 
keit in der Flasche bei Luftabschluss völlig sich selbst in der 
Hoffnung, dass sich allmählig zu einigen Analysen hinreichendes 
Material ausscheiden würde. Meine Erwartungen wurden nicht 
getäuscht, denn ich erhielt nach Verlauf eines halben Jahres eirca 
10 Grm. ganz kleiner, aber reiner Krystalle, welche nach Ent- 
fernung der Kali-Zinkoxyd-haltigen Mutterlauge nochmals mit 
Wasser abgespült und dann zwischen Filtrirpapier getrocknet 
wurden. Da die Krystalle aus einer sehr stark alkalischen Flüs- 
sigkeit abgeschieden waren, hielt ich sie anfangs für kohlensgures 
Zinkoxydkali. Da sie sich aber in Salzsäure ohne Gasentwick- 


151 


lung lösten,-und aus dieser Lösung mit kohlensaurem Natron ein 
sehr starker Niederschlag erhalten wurde, so mussten sie zum 
grössten Theil aus Zinkoxyd bestehen. Dass sie aber ausser 
Zinkoxyd nur Wasser und keine Spur Kali enthalten würden, 
frappirte mich so, dass ich es anfangs für unmöglich hielt. Die 
gepulverten Krystalle wurden zuerst im Exsiccator von hygros- 
kopischem Wasser befreit, und dann, da sie selbst bei 150° bis 
170°C. noch nicht alles eek verlieren, schliesslich ge- 
glüht. 


l.) 0,8383 Grm. verloren 0,1512 Grm. HO = 18,03 pCt. 
2.). 0,7561. „ 5 W180 4% N 
3.) 1,0375 , an BZ An en 
4.) 1,0194 BA el 
5.) 0,8291 „ E 0,1492 „ rer 
6.) 1,1174 ,„ 0,2017 „ SH BER 


Also im Mittel aus den 6 Analysen 18,056 pC. HO. Die Kıy- 
stalle waren daher reines ZnO.HO. Aus diesen Analysen be- 
rechnet sich ferner das Atomgewicht des Zinks in Uebereinstim- 
mung mit dem von Favre nach andern Methoden gefundenen 
Resultaten — 32,972, also nahezu — 33. 


Halle im Februar 1863. . M. Siewert. 


Literatur 


Astronomie u. Meteorologie. C. S. Cornelius, Me- 
teorologie. Mit 35 Holzschnitten und 5 Karten. Halle bei H. 
W. Schmidt 1863. 39 Bogen in 8°. — Der Verf. spricht sich in ei- 
nem längern Vorworte über das Object und die Methode der Meteo- 
rologie aus, die jetzt als Physik der Atmosphäre sich definiren lässt, 
und bezeichnet als ideales Ziel der meteorologischen Beobachtungen 
und Untersuchungen eine Dynamik der Atmosphäre. Das Buch, wel- 
ches nach einer in diesem Vorworte gemachten Mittheilung aus den 
bei den seit einer Reihe von Jahren an der Universität Halle gehalte- 
nen meteorologischen Vorlesungen des Verf.s zu Grunde gelegenen 
Heften hervorgegangen ist, soll innerhalb gewisser Grenzen eine mög- 
lichst vollständige Darstellung der heutigen Meteorologie geben und 
dazu beitragen, dass richtigere Ansichten über die atmosphärischen 
Vorgänge in weiteren Kreisen Verbreitung finden. Wir zweifeln nicht, 
dass dieser Zweck erreicht werden wird. Das Werk wird vielen will- 
kommen sein, denn es hält, wie anzuerkennen ist, im Allgemeinen die 
richtige Mitte zwischen einem dürftigen Grundrisse, welcher ohne Bei- 
hülfe eines Sachverständigen oder ohne anderweite Benutzung von 


152 

Lehrmitteln eine wirkliche Erkenntniss entweder &ar nicht oder nur 
in einem unvollkommenen Maasse verschafft, und einer allzubreiten 
Darlegung der meteorologischen Verhältnisse, welche den Leser er- 
müdet und abschreckt. Einige Kapitel hätten in Hinsicht auf die Ten- 
denz des Buches allerdings kürzer gefasst werden können, während 
andere eine ausführlichere Behandlung verdient hätten Das durch 
die Literatur gebotene ziemlich umfangreiche Material ist in systemati- 
scher übersichtlicher Weise geordnet worden, nur ist zu bedauern, 
dass bei den einzelnen Paragraphen der Inhalt nicht besonders be- 
zeichnet worden ist, wie solches in andern Werken z.B. auch in dem 
- Grundrisse der Meteorologie von Dr. E. E. Schmid zweckmässig ge- 
schieht, wodürch eine leichtere Uebersicht über das behandelte Ma- 
terial und ein schnelleres Nachschlagen ermöglicht werden würde. 
Die Darstellungsweise ist klar und wird, obschon wissenschaftlich 
gehalten, selbst‘ Laien verständlich sein. Die meteorologischen Phä- 
nomene werden mit nicht ungeschickter Benutzung der Ergebnisse der 
angestellten vielfachen Beobachtungen in ihrem Zusammenhange vor- 
geführt und aus den verschiedenen Ansichten darüber wird diejenige 
hervorgehoben und motivirt, welche der Verf. für die richtige hält. 


Das Buch zerfällt in 7 Kapitel. Das erste behandelt die At- 
mosphäre als solche, nach ihren chemischen und allgemeinern physi- 
kalischen Verhältnissen und die Bestandtheile der Atmosphäre, deren 
Elasticität, Gewicht, Höhe und Gestalt und den mittleren Luftdruck 
im Niveau des Meeres. Das zweite Kapitel bringt ausführliche Be- 
trachtungen über die Temperaturverhältnisse der Atmosphäre und 
Erde, über die Erwärmung durch die Sonne, die periodischen Aende- 
rungen der Lufttemperatur, die mittleren Temperaturen, die Isother- 
men, die Extreme der Temperatur, die Temperaturabnehmung der At- 
mosphäre nach der Höhe, die Temperaturverkältnisse der Erde so- 
wohl des Bodens als der Gewässer. Die Quellentemperatur, die Tem- 
peratur der Seen und Meere, das Gefrieren der Gewässer. Im drit- 
ten Kapitel ist die Rede von den Erscheinungen, welche mit den Tem- 
peraturverhältnissen der Atmosphäre und Erdoberfläche in nächster 
Beziehung stehen, von den Winden, den Feuchtigkeitsverhältnissen 
der Atmosphäre, von dem Verdunstungsprocess des Wassers und der 
Bestimmung des Feuchtigkeitsgehaltes der Atmosphäre, von den pe- 
riodischen Veränderungen desselben, von der Condensation des at- 
mosphärischen Wasserdampfes: Thau und Reif, Nebel, Wolken, Re- 
gen, Schnee, Graupeln und Hagel, von den Aenderungen des atmos- 
phärischen Luftdruckes oder dem Barometerstande. Im vierten Ka- 
pitel werden die electrischen Erscheinungen der Atmosphäre, im fünf- 
ten deren optische Phänomene mit Einfluss der Meteore, vorgeführt. 
Das sechste Kapitel handelt von den Wetteranzeigen und das siebente 
von den klimatischen Verhältnissen nach ihren physikalischen Ursa- 
chen, bei welcher Gelegenheit auch der Vegetationsverhältnisse in ih- 
rer Abhängigkeit von der Temperatur etc. Erwähnung geschieht. 


153 


Wir .wollen schliesslich noch anerkennend hervorheben, dass 
der Verf. die so interessanten electrischen Erscheinungen der Atmos- 
phäre mit grösserer Ausführlichkeit und Gründlichkeit behandelt, als 
dieses in vielen andern Werken über Meteorologie geschehen ist, auch 
den Versuch gemacht hat, die electrischen Vorgänge in der Atmos- 
phäre theoretisch zu erklären. 

Der Druck des Buches ist gut, das Papier aber sehr dünn, so 
dass der Druck der Rückseite nicht selten zu stark durchschlägt, die 
beigegebenen 5 lithographierten Kärtchen sind viel schlechter ausge- 
führt als bei solchen bildlichen Darstellungen in jetziger Zeit zu ge- 
schehen pflegt. Zek. 

J. Schneider, über einige merkwürdige Erscheinun. 
gen bei dem Gewitter vom 26. April 1862. — Schn. beobach- 
tete in Düsseldorf. Er fand eine auf dunkeln Hintergrunde deutlich 
wahrnehmbare Erleuchtung der Luft, ehe das Gewitter den Horizont 
überschritten hatte, in der Gegend des Himmels, wo das Gewitter 
aufstieg. Ein beinahe senkrecht herabfahrender Linienblitz verschwand 
nicht plötzlich, sondern erlosch allmählig, indem der Strahl abwech- 
selnd hellere und dunklere Partien zeigte, die nach und nach erlo- 
schen bis nur einzelne getrennte Fünkchen blieben. Nach dem sich 
das Gewitter verzogen hatte, bedeckte sich der Himmel mit sehr vie- 
len dünnen cirrusartigen Wölkchen, durch die selbst die kleinern Sterne 
gesehen werden konnten, und die deutlich mit einem weisslichen Lichte 
leuchteten. Bei Nordlichtern hat man auch solche feine leuchtenden 
Wölkchen beobachtet — (Pogg. Ann. Bd. 115; 1862, 8. 659). Ahnm. 

Physik. H. Aubert, über die Sinnesthätigkeit der 
Netzhaut. — Licht und Farbe bringen auf der Netzhaut Erregun- 
gen hervor, welche entweder von uns benutzt werden, die Objecte 
der Aussenwelt zu erkennen, oder nicht diesem Zwecke dienen, die 
erstere Thätigkeit bezeichnen wir als eigentliche Sinnesempfindungen, 
die übrigen Erregungen nennen wir „subjective Fähigkeiten.“ Im 
ersten Falle ist ein wichtiges Object unserer Empfindungen da, im 
zweiten geht die Erregung wesentlich vom Subject aus. Die letztere 
Art der Fähigkeit entgeht uns sehr häufig, und wird meist nur in 
Form von Blendungs- und Nachbildern empfunden. Da die Retina 
ein fortwährend sich wandelndes Gewebe ist, so ist es schwer die 
Veränderung in der Erregbarkeit unserer Netzhaut während des er- 
sten Momentes festzustellen. Dies gelingt jedoch, wenn man die 
durch Anschauen des elektrischen Funkens erregten Nachbilder be- 
trachtet. Da ferner die subjective Thätigkeit zum Theil unabhängig 
von dem objectiven Eindruck ist, so ist der Fall möglich, dass er- 
stere solche Höhe erreicht, dass ein Object keinen Eindruck macht. 
Es war daher zu untersuchen A., die Art und Dauer der Nachbilder 
bei verschwindend kurzer Dauer des objectiven Eindrucks. Es sind 
zuvörderst Blendungsbilder und Nachbilder zu unterscheiden, erstere 
entstehen, wenn man einen starken elektriechen Funken im dunkeln 
Zimmer betrachtet, letztere wenn man die durch den Funken beleuch- 


XXI. 1863. 11 


154 


teter Körper betrachtet, sodann sind zu unterscheiden positive und 
negative Nachbilder, wobei nur die Helligkeit abgesehen von der Farbe 
in Betracht kömmt. Positiv ist ein Nachbild, wenn in ihm das hell 
ist, was im Object hell war; negativ heisst es, wenn im Nachbild das 
hell ist, was im Object dunkel war. Drittens sind zu unterscheiden 
gleichfarbige und complementäre Nachbilder, und wofern es sich um 
Farben, abgesehen von der Helligkeit handelt. Die Versuche werden 
in einem stark verdunkelten Zimmer gemacht, in welchem man sich 
längere Zeit vorher aufgehalten hat. Der Funke springt zwischen 
2 Messingkugeln in bestimmtem Abstand über, und muss mit dem 
Centrum der Netzhaut bei möglichst accomodirtem Auge zu sehen ge- 
sucht werden. Beim direeten Anschauen des Funkens entstehen zu- 
erst positive dann negative Blendungsbilder mit Lichthöfen; sie klin- 
gen durch mehrere Farben ab und lösen sich endlich im Nebel des 
Lichthofes auf. Im ganz Dunkeln erscheint der Funken nahe an weiss 
mit röthlichgelbem Hof; gleich darauf sieht man einen bläulichen 
Streif, der im Verlauf einer halben Secunde seine tiefste Farbe zeigt, 
dann geht die Farbe in roth, demnächst in gelb über. Im Halbdun. 
kel sind die Erscheinungen mannigfacher besonders wenn man un- 
mittelbar nach dem Ueberschlagen des Funkens auf ein weisses Blatt 
Papier sieht. Sieht man statt auf weiss, auf schwarzen Sammt, so 
hat man ein Nachbild von der Bläue des Funkens; das Blau geht durch 
violet zu roth, tritt dann in eine negative Phase, indem ein schwar- 
zer Streif im gelben Hofe erscheint, dieser wird allmälig grün und 
endlich gelb sich allmälig im Hofe auflösend. Sieht man den Fun- 
ken durch rothe oder grüne Gläser an, so zeigen sich positive com- 
plementäre Nachbilder. Sieht man den Funken indirect an, so hat 
man positive Nachbilder. Zu diesem Versuche construirt Verf. einen 
besondern Apparat. Die Nachbilder von Objecten, welche durch den 
electrischen Funken beleuchtet werden, sind immer nur positiv, indess 
bald gleichfarbig, bald complementär. Dies hängt von der Farbe des 
Gegenstandes selbst, von dem umgebenden Grunde und vielleicht auch 
von der Grösse der farbigen Fläche ab. Mit der Beleuchtung einer 
farbigen Fläche durch den elektrischen Funken tritt zugleich eine 
complementäre Färbung des gleichzeitig gesehenen Weiss auf, welche 
mitunter auch ein Nachbild bleibt. Scheinbar gleichzeitig mit dem 
Ueberspringen des Funkens treten nämlich an den rothen und schwar- 
zen Quadraten auf weissem Grunde sehr helle grünliche oder weisse 
Quadrate auf, welche nur einem Moment dauern. Man kann auch 
ohne Anwendung des elektrischen Funkens bei sehr kurzer Dauer des 
objectiven Eindruckes positive Nachbilder bekommen, wenn man die 
Augen schliesst, nur einen Moment die Augen öffnet und die Objecte 
ansieht und dann wieder die Augen schliesst und bedecket. Die Ver- 
suche beweisen 1) dass die subjective Erregung der Netzhaut den 
momentanen objectiven Eindruck lange Zeit überdauert, 2) dass sie 
ihn unter gewissen Umständen sogar vollkommen gleichsinnig in Be- 
zug auf Helligkeitsverhältnisse und Färbung überdauert. 3) Dass 


155 


die Erregung gleichsinnig in Bezug auf Helligkeit, aber nicht auf Farbe 
ist, 4) dass wenn nur ein kleiner Theil der Netzhaut momentan erregt 
wird auch die übrige Netzhaut complementär afficirt wird. 

B. Das Verhalten des objectiven Eindrucks und der subjecti- 
ven Erregung zu einander bei längere Zeit dauerndem Anschauen 
des Objectes. Mit Berücksichtigung von Licht- und Farbensinn er- 
geben sich folgende Fälle: 1. Die objective Einwirkung wird durch 
die subjective verstärkt d. h. Helligkeit und Färbung werden inten- 
siver. 2. Erstere Erregung wird durch die zweite geschwächt. (Das 
Object wird dunkler, oder die Farbe des Objects schlägt in die com- 
plementäre um.) 3. Die Veränderungen sind entweder gleichmässig 
oder oscillatorisch; indem das Object bald heller bald dunkler wird, 
bald erscheint bald verschwindet, oder abwechselnd mehr oder weni- 
ger intensiv gefärbt erscheint. Der erstere Fall scheint nicht statt- 
zufinden. Wohl aber der zweite. Wenn man die Sonne einige- Se- 
eunden fixirt, so überzieht sich die glänzende Scheibe mit einem dun- 
keln Schleier, dies ist der Ausdruck der subjectiven Thätigkeit. Rit- 
ter berichtet, dass als er 20 Minuten starr in die Sonne gesehen hatte, 
er sie nicht mehr sah. Aus Moleschotts Untersuchungen ergibt sich 
a. dass im verbreiteten Tageslicht oder bei hellem Lampenlicht indi- 
rect angesehne Objecte undeutlicher, endlich unsichtbar werden, b. im 
stark verdunkelten Zimmer der fixirte Punkt nicht verschwindet, wenn 
derselbe gegen seine Umgebung stark contrastirt, c. er verschwindet 
um so früher, je weniger er contrastirt, d. dass von Objecten die 
gleich lichtschwach sind, die direct gesehenen früher verschwinden, 
als die indirect gesehenen, e. Lichtstärkere Objecte indirect gesehen 
in der Weise verschwinden, dass sie sich in einen hellen Nebel auf- 
lösen, f. dass sie wieder auftauchen, wenn sie verschwunden waren. 
Wie beim Lichtsinne tritt das gleiche beim Farbensinne auf. Schliess- 
lich bringt Verf. noch einige interessante Belege für oscillatorische 
Erregung der Netzhaut mit Hülfe des Farbenkreisels. — (Pogg. Ann. 
CAXVTI. 249.) Smt. 

W. Feddersen, die elektrische Funkenentladung. — 
Die Untersuchung schliesst sich an frühere Arbeiten des Verf. an, 
denselben zur Stütze dienend. F. hat sich hauptsächlich photogra- 
phischer Funkenzeichnungen bedient, um die von ihm aufgestellte 
Theorie näher zu begründen; er bemerkt zwar, dass schwächere Licht- 
eindrücke von kurzer Dauer vom Auge noch leichter empfunden als 
von der photographischen Platte wiedergegeben werden, dass aber 
durch den elektrischen Funken, der sehr viel chemische Lichtstrah- 
len enthält im Zeitraum von ein Milliontel Secunde noch ein kräf- 
tiger Eindruck auf sehr empfindliches photographisches Papier her- 
vorgebracht wird, und gibt in einer Tafel die vielfältigsten Varia- 
tionen der Erscheinungen. Bei ruhendem Spiegel beobachtet man 
deutlich an beiden Polen mehrere Ausströmungspunkte, welche sich 
bei Einschaltung von Widerstand im Schliessungsdrahte verringern. 
Bei sehr starkem Widerstand und ruhendem Spiegel zeigt sich an 


11* 


156 


der positiven Seite noch ein kleines Spiegelbild des ganzen Funkens. 
Sind die beiden Pole bis zu einem kleinen Punkt mit Schellack überzo- 
gen, dann zeigen sich an jedem ein kleines Lichtbüschel verbunden 
durch eine sehr helle Lichtlinie. F. glaubt beobachtet zu haben, 
dass beim Ueberspringen zwischen gleichartigen Polen meist am ne- 
gativen Pole die grössere Lichtintensität vorhanden sei. Kupferpole 
gaben eine sehr geringe, Magnesiumpole eine höhe Intensität der pho- 
tographischen Wirkung des Entladungsfunkens. Bei notirendem Spie- 
gel zeigen die Bilder ein sehr verschiedenes Ansehen, je nach dem 
sie mehr oder weniger auseinander gezogen sind. Bei langem gut 
schliessendem Leitungsbogen zeigen sich eigenthümliche Erscheinun- 
gen, je nachdem man den Funken zwischen Drahtspitzen, ganzen Ku- 
geln oder mit Schellack bis auf eine kleine freie Stelle überzogenen 
Kugeln überspringen lässt. Es zeigen sich einzelne Querabtheilun- 
gen im Bilde, die auf ein stossweises Austreten des Lichtes schlies- 
sen lassen, welches besonders bei Eisenpolen deutlich hervortritt und 
eine grössere Lichtstärke am negativen Pol im Gefolge hat. Die durch 
die Entladung fortgeschleuderten Massentheilchen der Pole beschrei- 
ben im photographischen Bilde eigenthümliche Curven, die aber keine 
Regelmässigkeit zeigen. Im Allgemeinen sieht man jedoch besonders 
bei Eisenpolen ein gewisses Alterniren in der Lichtintensität an bei- 
den Polen. Auch auf die Länge der Zeit, während welcher die ein- 
mal ins Glühen gebrachten Theilchen ihre Temperatur behielten, ist 
die Art des angewendeten Metallpoles von Einfluss. Zinn schien sie 
am schnellsten zu verlieren, ihm zunächst stand Zink, am längsten 
behielt sie Platin, und diesem sehr nahe das Silber. In Bezug auf 
die Oscillationsdauer glaubt F. annehmen zu dürfen, dass die Schlag- 
weite oder die Höhe der Ladung keinen wesentlichen Einfluss habe; 
denn bei der Summe der Abstände des Spiegels vom Funken und des 
Spiegels von der photographischen Platte von 1054mm und bei 98 
Rotationen des Spiegels in der Secunde betrug die Dauer einer Os- 
eillation für 4mm Schlagweite 0”,00000304 und für 8mm 0",00000305; 
und bei Anwendung von 16 Flaschen war die mittlere Breite einer 
Querabtheilung 4,76mm bei 8 Flaschen 4,89 mm. Veränderung der elek- 
trischen Oberfläche äussert seinen Einfluss auf das Gesetz dahin, dass 
T= ays, woa eine constante, s die Flaschenzahl bedeutet. Da der 
Spiegel zu 925 Rotationen während der Entladung von 16 Flaschen 
54,5, von 8 Flaschen 37,3, von 4 Flaschen 26, von 2 Flaschen 25,8 
Sec. gebrauchte, so ergeben sich für die Oseillationsdauer folgende 
Werthe bei 16 Flaschen 0,0000446 Sec. 

8 do 0,0000414 „ 

& » 0,0000224 „ 

2 > 0,0000156 „ 
F. glaubt, dass die Formel {= ays einer Verallgemeinerung fähig 
sei und hat zu diesem Zwecke noch weitere Versuche gemacht, in- 
dem er eine kleinere Anzahl Flaschen sich gegen eine grösse Anzahl 
entladen liess, Er fand, dass die berechnete Oscillationsdauer mit 


157 


der beobachteten völlig übereinstimmte. Indem er ferner die von Sie- 
mens zuerst angestellten Versuche mit langen weitausgespannten Te- 
legraphendrähten wiederholte, fand er, dass die Induetionswirkungen, 
welche durch Länge und Aufspannungsart der Leitung bedingt sind, 
einen bedeutenderen Einfluss auf die Oscillationsdauer haben, als die 
elektrostatischen Bindungen. Die Oscillationsdauer wächst mit zu- 
nehmender Leiterlänge, aber nicht proportional derselben. Die In- 
duction von parallelen Leitertheilen auf einander verlängert die Os- 
eillationsdauer, wenn der Strom in ihnen gleichgerichtet fliesst, ver- 
kürzt sie, wenn er entgegengesetzt gerichtet ist; und es scheint, dass 
die Oscillationsdauer in arithmetischem Verhältnisse zunimmt, wen» 
die Entfernung zweier paralleler entgegengesetzt gerichteter Leiter- 
theile in geometrischem Verhältnisse wächst. — (Pogg. Ann. CXVI, 132). 
F. Schaffgotsch, specifische Gewichtsbestimmung 
fester Körper beim Schweben. — Die Bestimmungen des spec. 
Gew. sind um so unsicherer, wenn dasselbe gross und das absolute 
Gew. des angewandten Stoffes klein ist. Für Körper von geringerem 
spec. Gew. kann man den Fehler vermeiden, wenn man die Körper 
in durchsichtiger Flüssigkeit zum Schweben bringt und dann das spee. 
Gew. der Flüssigkeit bestimmt. Die Gewichtsmenge des Körpers 
kann hiebei ganz unbekannt bleiben. Sch. fand diese Methode brauch- 
bar, selbst wenn er Körpermengen anwendete, die selbst kleiner als 
0,1 Grm. betrugen. Beryll auf gewöhnlichem Wege bestimmt bei 
161/,0C. = 2,122 spec. Gew. gefunden, wurde in salpetersaurer Queck- 
silberoxydlösung zum Schweben gebracht und nun sein spec. Gew. 
= 2,7109 gefunden. Paraffin von 46° Erstarrungspunkt nach gewöhn- 
lichen Methoden bestimmt von 0,856—0,900 spec. Gew. zeigte, in ver- 
dünntem Alkohol zum Schweben gebracht, 0,900 spec. Gew.; Kaut- 
schouk auf gewöhnlichem Wege 0,924 in verdünntem Alkohol 0,922; 
Gutta-Percha nach altem Verfahren 0,962 nach neuem in verdünntem 
Alkohol 0,969; Bernstein n. a. V. 1,080; in verdünnter Salpetersäure 
1,083; Muschlige Brunkohle n. a. V, 1,175, in Salpetersäure 1,177. 
Feiner Siegellack n. a. V. 1,77; in salpetersaurem Quecksilberoxyd 
1,768. Stangenschwefel n. a. V. 2,004, in s. @. 2,003. Hyalith.n.a. V. 
2,169, in s. @. 2,167; etc. Die Bestimmungen wurden in der Weise 
ausgeführt, dass die Schwebeflüssigkeit in einen 40 Grm. Wasser fas- 
senden Cylinder gebracht wurde, und durch Umrühren mit einem ge- 
nauen Thermometer so viel Verdünnungsflüssigkeit zugegeben wurde, 
bis die zu untersuchende Substanz grade schwebte. ' Dann wurde die 
Temperatur des Thermometers abgelesen und mittels einer tarirten 
Vollpipette das Flüssigkeitsgemisch ausgesogen, diese in ein tarirtes 
Reagensrohr geschoben und gewogen. Das Gewicht der in die Pi- 
pette eingesogenen Schwebeflüssigkeit, dividirt durch das Gewicht des 
gleichen Volums destillirten Wassers von derselben Temperatur, er- 
gibt dann das spec. Gew. der Schwebeflüssigkeit, mithin das des zu 
untersuchenden Körpers von, unbekanntem spec. Gewicht. — (Pogg. 
Ann. CXVI, 279.) St, 


158 


A. Schrauf, die Abhängigkeit der Lichtfortpflan- 
zung von der Körperdichte. — Die Emanationstheorie hatte 
den Connex zwischen den Licht- und Körpertheilchen, beide dem Ge- 
setz der Schwere unterworfen gedacht, theoretisch durch die Formel 
n?®—1 


—- C ausgedrückt; eine Formel, die durch Ausbildung der Vi- 

brationstheorie ihre Begründung verlor. Laplace hatte dafür die For- 
n2—1 4K 

mel AG idee eingeführt, woraus abzuleiten war, dass 1. die 


Funktion der Entfernung, welche den Einfluss der Körpertheilchen 
auf das Licht bestimmt, für jeden Körper eine verschiedene sei; 2. 
sie sich von einem Körper zum andern nur durch das Produckt der 
Dichte in einen constanten Coefficienten unterscheidet, welches von 
spec. Gew. des Körpers bestimmt wird. Arago hatte dann zuerst 
die Ansicht ausgesprochen, dass man die Beobachtungen am Wasser 
besser mittels der Interferenzfransen als mit dem Prisma machte, und 
Jamin hatte auf diese Weise in Uebereinstimmung mit Grassi die Zahl 
0,000504 nach dieser Methode für den Compressionscoefficienten des 
Wassers gefunden. Verf. legt bei seinen Untersuchungen folgendes 
zu Grunde a. dass durch vielfache Beobachtungen bestätigt wurde, 
dass die Aenderungen in der Dichte immer zugleich von einer Vari- 
ation des Brechungsexponenten begleitet sind, b. dass diese von der- 
selben Ordnung wie die ersten ist, c. dass die Einflussnahme auf den 
Aether einstweilen zu vernachlässigen und d. dass nach der Cauchy- 
schen Formel jeder Brechungsexponent als aus dem Refraetions- und 
Dispersionscoefficienten bestehend zu betrachten ist unter der Form 


B 
AH Da ferner die Dispersion nur durch moleculare 


Störungen höherer Ordnnng hervorgerufen wird und sie mit der 
Dichte der Körper abnimmt, so dass sie für Gase ein Minimum beträgt, 
2—1 


4 B 
so. stellt S. die Formeln Di. w M und asien N auf, worin M das 


spee. Refractionsvermögen, N das spec. Dispersionsvermögen ausdrückt. 
Aus der. letztern Formel ergibt sich das von Weiss beobachtete Ab- 
sorptionsphänomen, dass die Fraunhofer’schen Linien bei: Verdichtung 
der brechenden Substanz ihre Mitten gegen das: violette Ende hin 
verschieben. Es wurde von Schr. die Dichte der atmosphärischen 
Luft als Einheit zu Grunde gelegt. Aus dem von andern: Forschern 
- (Dale und Gladstone) gelieferten. Messungen, welche mit Berücksich- 
tigung der Dispersion bei verschiedenen Temperaturen angestelit’wur- 
den; aus den für einige Mineralspecies; (Topas, Beryll, Apatit) welche 
je nach ihrem Fundort verschiedene Dichte und Berechnung besitzen, 
neu bestimmten Messungen; aus den an C,HO,P, Ca0.CO2 beobach- 
teten Allotropien und den Beobachtungen, die für einige Elemente 
in fester und gasförmiger Gestalt festgestellt wurden, sucht Verf. nach- 
zuweisen, dass: das Brechungsvermögen bei jeder Aenderung der 
Dichte und selbst wenn sie einen allotropen Zustand herbei führt, sich 


159 


eonstant erhält; und dass ferner, wenn man'die Dispersion für einen 
und denselben Körper in Gasform und in fester Form vergleicht, 
das Brechungsvermögen der Körper in festem Zustande ein Multiplum 
von dem desselben Körpers in Gasform, d. h. durch die Formel 


A2—1 
N ( F) ) — M allgemein auszudrücken sei. Es erhellt ferner, dass 


nicht die Elasticitäts- sondern nur die Dichtigkeitsvariationen in den 
Körpern von entscheidendem Einfluss auf die Fortpflanzung des Lichts 
sind, und dass wenn auch erstere eintreten, diese Functionen der 
zweiten sein können, woraus folgt, dass die Aetherdichte der des 
Körpers gleich oder proportional gesetzt werden muss, und dass schliess- 
lich die Fortpflanzungen der Lichtvibrationen für isophane Körper 
auf eine Function der chemischen Formel zurückgeführt ist. Betrach- 
tet man nur oberflächlich die Verhältnisse der krystallisirten Körper 
und die von Seite der Vibrationshypothese bis jetzt gegebenen Auf- 
klärungen, so erheben sich viele Zweifel an der Möglichkeit eines 
Einflusses der Körperdichte. Da jedoch 1. die Beobachtungen Rud- 
bergs zeigen, dass die Variationen der Dichte von solchen der Bre- 
chungsexponenten begleitet sind, 2. alle Elasticitäts- und Dichtigkeits- 
versuche lehren, dass letztere nach den 3 Dimensionen symmetrisch 
varjiren, 3. die Dichte des Aethers mit der des Körpers proportional 
ist, so stehen die Doppelbrechung und die Dichtigkeitsvariationen in 
Connex. Die nähere Betrachtung zeigt, dass die Fortpflanzungsge- 
schwindigkeit von dem Widerstande abhängig ist, welchen die seitli- 
chen Theile dem Verschieben ausihrer Ruhelage entgegensetzen, wäh- 
rend die longitudinale Fortpflanzung des Stosses unabhängig von der 
Dichte ist. Nachdem Schr. noch die Verhältnisse von ..Flüssigkeits- 
mischungen und Krystallmischungen besprochen hat, kommt er zu 
folgenden Schlüssen: 1. Der Brechungsexponent ist bei allen Unter- 
suchungen nach Cauchy’s Vorgange in dem Refractions- und Disper- 


’ B 
sionseoefficienten zu zerlegen und unter der Form u—=4-+ „ zu 


betrachten. 2. Die Aenderungen: des Refractions und’ Dispersitions- 
coefficienten ‘sind abhängig von den Aenderungen der Körperdichte 
nach der Formel-4dA = MdD und dB =:NDdD.: 3. Die Aether- 
dichte kann: der Körperdichte proportional gesetzt:«werden. 4, Die 
Integration innerhalb der Grenzen 0 bis wo für die Dichte liefert 
2.__ 
— —= M und = —= N. 5. M und N sind für jede chemische Ver- 
bindung constante: Grössen,, bloss abhängig von den Eigenschaften 
der Stoffe, aus welchen die Verbindung zusammengesetzt ist, und da- 
her charakterisirende Merkmale der Materie. 6. Jede chemische Ver- 
bindung besitzt in den: verschiedenen Aggregatszuständen ein glei- 
ches oder ein durch einfache Multipla‘ darstellbares: Refractionsver- 
mögen. 7. Die für das Refractionsvermögen: geltenden Multiplicato- 
ren aus der Reihe der natürlichen Zahlen sind durch die für das Vor- 
kommen der Brechungsexponenten ermittelten Grenzen unzweifelhaft 


160 


bestimmt. 8. Die Constanz von M und N ist auch für krystallisirte 
Körper gültig und die Doppelbrechung daher nur eine Folge der Va- 
ziation der Dichte nach 3 Axen. 9. Die Fortpflanzung des Lichtes 
lässt sich abhängig hiedurch darstellen von der Dichte oder Cohäsion 
der Molecüle in der Richtung der Transversalvibrationen, während 
die Longitudinalvibration ungehindert von der Dichte analog mit den 
Forderungen der Vibrationstheorie vor sich gehen. 10. Da sich die 
Dichten wie die Massen, diese wie die Distanzen oder Molecüle ver- 
halten, so ist der Dispersionscoefficient dem allgemeinen Gesetze der 
Anziehung im verkehrt quadratischen Verhältniss unterworfen _ = MN. 
11. Die Formeln sub IV geben die Möglichkeit für krystallisirte Kör- 
per die Dichte nach den 3 Dimensionen zu berechnen und die Mes- 
sungen von Brechungsexponenten zu controliren. 12. Die optischen 
Eigenschaften von Mischungen ändern sich proportional den Eigen- 
schaften der Bestandtheile und den Procenten der Massen, mit wel- 
chen letztere in die Mischung eingetreten sind, unter der Form 
MP = mp + mp + ..-:- und NP =np, + Mmpı + .-... 
13. Die bei Mischungen eintretende Contraction hat keinen Einfluss 
auf das Refractions- und Dispersionsvermögen. — (Pogg. Ann. CAVI, 
193.) St. 
J. Tyndall, Strahlung und Absorption der Wärme 
durch Gase. — Der von T. benutzte Apparat war der von ihm 
schon bei frühern Arbeiten benutzte. Die die Gase aufnehmenden 
Röhren waren an beiden Enden mit zolldicken Steinsalzplatten ver- 
schlossen, welche alle Arten von Wärme, dunkle und leuchtende, durch- 
lassen. Es zeigte sich, dass die Galvanometernadel, die mit der dem 
einen Ende der Röhre gegenüber aufgestellten thermo- elektrischen 
Säule verbunden war, die gleiche Ablenkung zeigte, mochte sich in 
der Röhre trockne Luft oder ein luftverdünnter Raum, Stickstoff, 
Sauerstoff oder Wasserstoff befinden. T. untersuchte nun das Absorp- 
tionsvermögen des Chlors und Ozons und fand, dass Chlor von vie- 
len farblosen Gasen weit übertroffen wird, und Ozon eine weit grö- 
sere Absorption besitzt als gewöhnlicher Sauerstoff. Da die Feuch- 
tigkeit der Gase einen grossen Einfluss auf das Absorptionsvermögen 
der zu prüfenden Gase haben konnte, prüfte er nochmals die Ver- 
suche von Magnus, welcher gefunden hatte, dass trockne und feuchte 
Luft nahezu dasselbe Absorptionsvermögen besässen; wurde jedoch 
durch Wiederholung der Magnus’schen Versuche. auf das entgegen- 
gesetzte Resultat geführt, und glaubt, das Magnus die Luft bei sei- 
nen Versuchen nicht genügend getrocknet angewendet habe. T. fand 
das Absorptionsvermögens feuchter Luft oft 30 mal grösser als das 
der getrockneten. Ferner hatte T. früher gefunden, dass einfache 
Körper sich weniger dem Durchgang längerer Wellen widersetzten 
als zusammengesetzte Körper. Er prüfte nun das Verhalten von 
Chlorgas und Chlorwasserstoffgas, und fand dass wenn die Absorp- 
tion des Chlors durch 44 ausgedrückt wurde, die des Chlorwasser- 


161 


stoffs durch 68 zu bezeichnen war, woraus hervorgeht, dass Durch- 
siehtigkeit für Licht und Undurehsichtigkeit für Wärme denselben 
Act der chemischen Verbindung begleiten, d. h. dass die chemische 
Action, welche Chlorgas durchsichtig für Licht, es undurchsichtig für 
dunkle Wärme macht. Bei Versuchen mit Brom und Bromwasserstoff 
waren die Unterschiede noch eclatanter. Er stellt für die Absorption 
unter gewöhnlichem Luftdruck folgende Reihe auf; Luft, Sauerstoff, 
Stiekstoff, Wasserstoff 1; Chlor 39; Chlorwasserstoff 62; Kohlenoxyd 
und Kohlensäure 90; Stickoxydul 355; Schwefelwasserstoff 390; Gru- 
bengas 403; Schweflige Säure 710; Elayl 970; Ammoniak 1195. Hier- 
aus ergibt sich, dass Gase, welche sich bei ihrer Verbindung aus Ele- 
menten stark verdichten, am stärksten absorbiren. Sodann stellte T. 
Versuche mit Dämpfen an, die er durch eine besondere Abänderung 
seines Apparates aus kleinern Röhren, welche nur mit der dampfgeben- 
den Flüssigkeit und deren Dämpfen gefüllt waren, vermittelst eines 
Hahnes in die völlig luftleer gepumpte Versuchsröhre einströmen liess. 
Bei verschiedener Spannung der Dämpfe erhielt er auch verschiedene 
Absorptionen. Bei ein Zoll Spannung wurden die Absorptionen aus- 
gedrückt von Schwefelkohlenstoff durch 62; Benzol 267; Chloroform 
236; Holzgeist 590; Aether 870; Essigäther 1195 etc. Hieraus geht 
hervor, dass das Absorptionsvermögen des Essigäthers bei einer Span- 
nung, die nur !/;, von der des Ammoniakgases beträgt, diesem gleich- 
wirkend ist. Eine eigenthümliche Beobachtung T.’s ist folgende: als 
er bei Alkoholdampf von 0,5‘ Spannung eine Ablenkung der Galva- 
nometernadel von 720 beobachtet hatte, sah er nun, indem er den 
Dampf auspumpte und dafür trockne Luft einströmen liess, dass die 
Nadel nicht bloss auf 0° zurückging, sondern bis auf 25° der ent» 
gegengesetzten Seite ausschlug. Bei Stickoxydulgas wurde ein Aus- 
schlag von 28° erzielt, bei Auspumpung ein Ausschlag von 20° auf 
der entgegengesetzten Seite; bei ölbildendem Gase von 67° der durch 
Strablung, beim Auspumpen ein Ausschlag von 41°, der von Absorp- 
tion herrührte. Nachdem das Gas ausgepumpt war und trockne Luft 
zugelassen wurde, betrug ‘der Ausschlag der‘von der dynamischen 
Strahlung des zurückgebliebenen Theils (von 0,2 Zoll Spannung) her- 
rührt, 590%. Bei raschem Auspumpen gab die dynamische Absorption 
einen Ausschlag von 40°. Es gehen also ‚dynamische Strahlung und 
dynamische Absorption Hand in Hand. Da Borsäureätherdampf das 
stärkste Absorptionsvermögen gezeigt hatte, so wurde !/ıo Zoll des- 
selben in der Röhre auf seinen Effect geprüft, ‚er wurde dynamisch 
erwärmt und dann abgekühlt und gab Strahlung == 569 und Absorp- 
tion = 28% Ablenkung. Die Spannung des Dampfes in der Röhre 


ER £ 
hatte dabei zu, der Atmosphäre betragen; bei successivem Auspum- 


pen gab eine Spannung von in Atom 429; ara Atom 209; Aorsanaon 
Atom 149 Ablenkung. Bei ganz geringen Mengen aetherischer Oele fand 
er die 30 bis 109fache Ablenkung von der der trocknen Luft, und 
zwar wurde dieser Effect schon durch Mengen hervorgebracht, die 


162 


nieht zur Wägung gebracht werden konnten. Auch beim Ozon fand 
er ein sehr stark ausgeprägtes Absorptionsvermögen für eine unwäg- 
bare Masse des Körpers, und schreibt diese Wirkung des Ozons der 
sehr viel grösseren Dichte dieses modifieirten Sauerstoffes zu. — 
(Pogg. Annal. CAVI. 1 und 289). Smt. 
Weiss, Speetralbeobachtungen. — Es wird darauf auf- 
merksam gemacht, dass Griechenland und die ionischen Inseln sich 
am besten zu Spectralbeobachtungen eigneten, weil hier keine inten- 
siven Dunstschichten den Horizont verdunkeln. W. hat dort das Ver- 
dicken der Frauenhoferschen Linien des Sonnenspeetrums wiederholt 
beobachtet. Die Erscheinung war besonders eclatant bei den Linien 
in Roth und Gelb, es liess sich sogar eine Verdickung nach dem vio- 
letten Ende des Spectrums hin beobachten, wie sie bei Messungen 
für Untersalpetersäure und Chlorophyll vom Verf. bereits nachgewiesen 


sind. — (Pogg. Ann. CXVI. 191.) St. 
E. Wiederhold, über einige Zersetzung des chlorsau- 
ren Kali’s durch katalytische Wirkung. — Es wurde zuerst 


von Döbereiner entdeckt, dass wenn man chlorsaures Kali mit gepul- 
vertem Braunstein erhitzt, die Entwicklung des Sauerstoffs schon bei 
niedrigerer Temperatur erfolge, und kein überchlorsaures Kali ent- 
stehe. Da der Braunstein hiebei nicht verändert wird, schrieb man 
die Erscheinung einer katalytischen Wirkung zu. Wie Braunstein 
wirken auch Kupferoxyd und andre Oxyde so wie Platinschwarz; 
Schönbeins Ozontheorie war also hier nicht richtig. Verf. hat Ver- 
suche darüber angestellt, bei welchen Temperaturen Mischungen von 
Oxyden mit chlorsaurem Kali im Verhältniss 1:2 den Sauerstoff des 
Salzes frei werden lassen, und gefunden, dass mit schwarzem oder brau- 
nem Mangansuperoxyd bei 200—205°, mit Kupferoxyd bei 230—235°, 
mit Platinschwarz oder käuflichem Braunstein bei 260 —270°, mit Blei- 
superoxyd bei 280—285° eine gleichmässige Sauerstoffentwicklung 'er- 
zielt wird, und dass dieser Sauerstoff Jodkaliumstärkepapier bläut, 
W.:'prüfte nun mit einem Leslie’schen ‘Differentialthermometer ‘das 
Wärmeabsorptionsvermögen der katalytisch bei diesem ‚Process wir- 
kenden Körper, und fand, dass dieselben sämmtlich ein grosses Ab- 
sorptionsvermögen für Wärme haben. Hiedurch erklärt er die’Wir- 
kung. der Körper auf das chlorsaure Kali bei der: Erwärmung, indem 
er annimmt, dass die Wärmestrahlen von diesen Körpern absorbirt 
und von ihnen direct auf das chlorsaure Kali übertragen würden, 
welcher dadurch schmelze und sich bis zu seiner Zersetzungstempe- 
ratur weiter erhitze. Dass die einzelnen katalytisch wirkenden Kör- 
per die Zersetzung :bei verschiedenen Temperaturen hervorbrächten, 
erklärt W. dadurch, dass die voluminösenen mehr Oberfläche. bieten 
und .inniger mit dem feingepulverten chlorsauren Kali in Berührung 
kommen; ob die Temperatur genau propertional dem Volumen sei, 
kann nicht bestimmt werden. Um die Wärmevorgänge im Innern 
der Retorte kennen zu lernen, erhitzte er in einem Metallbade eine 
Mischung von 'chlorsaurem Kali und Braunstein schnell auf 250° und 


163 


fand dann, dass das in der Mischung befindliche Thermometer 254--550 
zeigte. Bei Kupferoxyd lag dies Freiwerden von Wärme erst bei 
290°. Bei sehr stürmischer. Sauerstoffentwickelung steigt die Tem- 
peratur der Mischung sehr schnell um 40—50°C. W. findet daher 
folgende Resultate: 1. Eine Reihe von Körpern zersetzen das chlor- 
saure Kali unter dessen Schmelztemperatur, 2. die Wirkung ist un- 
abhängig von der chemischen Constitution dieser Körper. 3. Ist aber 
abhängig von ihrem Wärmeabsorptionsvermögen. 4. Steht in Zusam- 
menhang mit ihrem Volumen. 5. Es bildet sich kein überchlorsaures 
Kali 6. Es wird Wärme dabei frei. -— (Pogg. Ann. CAVI. 171.) Smt. 
Zöllner, F., über eine neue Art anorthoscopischer 
Zerrbilder. — Nachdem Z. eine Erklärung der bekannten Zerr- 
bildererscheinung gegeben, die sich darauf gründet, dass die mit den 
Bildern versehene Tafel und der davor befindliche mit Löchern ver- 
sehene Schirm in entgegengesetzter Richtung sich bewegen, so dass 
das Auge durch die Dauer des Lichteindrucks und die Zeitfolge der 
nach einander wahrgenommenen Theile des Zerrbildes über die wahre 
Beschaffenheit dieses letzteren getäuscht wird, beschreibt Z. Versuche, 
bei denen der mit einem schmalen Spalt versehene Schirm ruht, wäh- 
rend das Zerrbild, ein schwarzer Kreis auf weissem Grunde, unter 
dem Schirme senkrecht gegen die Längsrichtung des Spaltes fort- 
bewegt wird. Je nach der Geschwindigkeit dieser Bewegung 'er- 
scheint der Kreis als eine Ellipse, deren grosser Halbmesser bei 
schneller Bewegung senkrecht, bei langsamer Bewegung parallel zur 
Längsrichtung des Spalts erscheint. ‚Zwei convergente Linien schei- 
nen nur dann bei langsamerer bezüglich schnellerer Bewegung  we- 
niger, oder mehr zu convergiren, wenn der Scheitel des Winkels oder 
das. Ende der Schenkel beim Spalt vorbeigegangen. Eine Verschie- 
bung der Augen als nothwendig zur Hervorbringung der Täuschung 
anzunehmen ist, unstatthaft, da dieselbe auch eintritt, wenn. die Augen 
auf eine feste Marke ‘gerichtet sind. — (Pogg. OXVIL, 477.) W. W. 
Zehfuss, G., über eime mechanische ‚Wirkung des 
eleetrischen Funkens. — Zur Entscheidung der Frage, warum 
beim Durchschlagen des electrischen Funkens durch ein Blatt unter 
Umständen ein oder zwei und mehr Löcher entstehen, stellt Z. eine 
Reihe Versuche an mit Stanniol, Papier in Luft mit gleichgerichte- 
ten und geneigten Drähten, mit mehren Papier- oder Stanniolblättern 
in verschiedenen Medien, im luftverdünnten Raume, mit Blättern aus 
einigen andern Substanzen in Luft. Z. stellt folgende Ansicht "über 
die Entstehung der Löcher des Stanniols in Luft auf: ehe noch die 
beiden in der Flasche gesammelten Electricitäten gänzlich in die 
Spitzen übergeströmt sind, beginnt in dem ziemlich gut leitenden 
Stanniol eine rasch wachsende Vertheilung der Art, dass unter jeder 
Polspitze die Dichte der entgegengesetzten Electricität zunimmt, bis 
endlich die Anziehungen nach den nächstgelegenen Polen +2, — P 
für beide vertheilte Electrieitäten 'stark (genug zum Durchbrechen der 
trennenden. Luftschicht ‚werden. Der momentane 'Vertheilungsstrom 


164 


bringt nun zufolge des geringen Querschnitts, also bedeutenden Lei- 
tungswiderstandes, im Stanniol unter jedem Pole eıne Erhitzung her- 
vor, deren Existenz wenigstens durch die Brandflecken und Rauch- 
wölkchen, bei Wachstaffet durch wirklich sichtbare Schmelzung, be- 
urkundet wird. Das erweichte Metall erhält alsdann durch die ge- 
genseitige Repulsivkraft der benachbarten gleichartig electrischen 
Theilchen ein Loch. Auch die im Papier entstehenden, mit beider- 
seits aufgeworfenen Rändern versehenen Löcher rühren dem entspre- 
chend von der Abstossung der gleichartig electrisirten Papierfasern 
her. — Die Entstehung der einzigen Oeffnung am negativen Pole 
bei einem Papierblatte erklärt Z. gestützt auf die von Riess beob- 
achtete Thatsache, dass im luftleeren Raume die Verschiedenheit der 
durch positive und negative Electrieität auf einem Harzkuchen her- 
vorgebrachten Lichtenbergschen Figuren wegfällt, dahin, dass das 
Papier in Berührung mit der bei der Entladung sich heftig daran 
reibenden Luft negativ electrisch wird, daher den positiven Funken 
anzieht und auf seiner Oberfläche nach dem anziehenden negativen 
Pole hinlaufen lässt, während im Gegentheil die negative Electrici- 
tät des — Poles in ihrem Bestreben zur Vereinigung mit der Elec- 
trieität des + Poles durch das — electrische Papier gehemmt wird. 
Solchergestalt ist die + Electrieität bereits am — Pole auf dem Pa- 
pier angekommen, ehe noch die Vereinigung mit der — Electrieität 
mittels Durchbrechung des Papiers vor sich gehen kann. — (Pogg. 
Ann. CXVII, 487.) W. W. 

Chemie. a. Theoretische. A. Bauer, über einige Reak- 
tionen des Bromamylens. — Essigsaures Silberoxyd oder essig- 
Kali zerlegen das Bromamylen sowohl so, dass das Radikal & Hy 
frei wird, als auch, dass Wasserstoff austritt und Brom dafür ein- 
tritt: 


2 KR url £sHıo 
SH HoBrs + Ac,m,o3°) = (emin,| 02 + 2KBr. 
: H 
HB + g,9}0 = SEBr + .m,o]9 + BrK. 


Am besten erhält man das gebromte Amylen, indem man concentrirte 
alkoholische Kalilösung mit Bromamylen behandelt. Man filtrirt vom 
Bromkalium ab und destillirt; aus dem Destillate kann man mit Was- 
ser das gebromte Amylen abscheiden. Bringt man das Bromamylen 
in einem abgekühlten Kolben mit Brom zusammen, so entsteht 

6; HsBr.Bra, was durch Umkrystallisiren aus alkoholischer oder äthe- 
rischer Lösung leicht gereinigt werden kann. In Wasser sind die 
eampherartig riechenden Krystalle unlöslich, mit alkalischer Kalilö- 
sung gekocht entsteht Bromkalium und €; H3Bra. €; HsBr bildet mit 
Chlor: &;HsBr.Cl,, was jedoch nicht rein erhalten werden konnte. 
Bei der Einwirkung von Natriumamylat auf Bromamylen entsteht we- 


der Amylamylenglycol noch eine Verbindung a } Br,. Die bei die- 


ser Einwirkung erhaltene Flüssigkeit wurde fraktionirt destillirt; das 
von 75—120°, 130—135° und 170—1909 Uebergehende wurde beson- 


165 


ders aufgefangen. Der erste Theil war gebromtes Amylen 6, H,Br, 
der zweite Amylalkohol; über die anderen wurde Nichts festgestellt. 
Wenn man Kalium cder Natrium auf Bromamylen einwirken lässt, 
so geht keine glatte Ausscheidung von Amylen vor sich, vielmehr er- 
folgen gleichzeitig die Zersetzungen: 


(&sHu)Bra + Na — Hi + 2NaBr. 
(5 Hıo) Bra + Na = &H,Br + NaBr + H. 
Nach den vorhandenen Reaktionen könnte man dem Amylen auch die 


Formel beilegen en] und dem gebromten Bromamylen en ’ 
s Cs HsBr 
dem Amylbromür el ; dem Bromamylen H). — (Am. 
Br 
d. Chem. u. Pharm. CXX, 167.) B. S. 


Diehl, das Atomgewicht des Lithiums. — Diehl stellte 
zuerst reines kohlensaures Lithion dar, das selbst im Spectralapparate 
keine Beimengungen fremder Substanzen mehr erkennen liess; dieses 
führte er dann in das schwefelsaure Salz über, fällte mit Chlorbaryum 
und fand, nach dieser Methode von Berzelius, wie dieser das Atom- 
gewicht 6,57. Im Spectralapparate fand sich jedoch, dass der Baryt- 
niederschlag noch Lithion enthielt, das in keiner Weise ganz entfernt 
werden konnte. Diehl benutzte darauf das kohlensaure Lithion zur 
Atomgewichtsbestimmung, indem er die Kohlensäure bestimmte und 
fand so das Atomgewicht 7,026. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXA], 


93.) , B. 8. 
Eliot und Storer, über chromsaures Chromoxyd und 
analoge Chromate. — In einer Lösung von chromsaurem Kali 


erzeugt schon die geringste Quantität einer Chromalaunlösung einen 
bleibenden Niederschlag, um aber in einer Chromalaunlösung einen 
bleibenden Niederschlag zu erhalten, muss man soviel der Lösung 
des chromsauren Kali’s zusetzen, dass fünf Aequivalente des letztern 
Salzes auf ein Aequivalent der Alauns kommen. Danach, glauben 
die Verff., geschehe die Zersetzung nach der Gleichung 5(KO,CrO®) 
+K0,S0? + Cr203.330? — 4(K0,S0?°) + 2(KO,2CrO2) + Cr203,CrO3, 
und der Niederschlag sei chromsaures Chromoxyd. Da sich aber der 
Niederschlag beim Auswaschen zersetzt, wovon sich auch die Verfl. 
überzeugten, ergiebt die Analyse verschiedene Resultate nach der 
Zeit des Auswaschens. Ein anderer Weg der Analyse, den Verft. 
einschlugen; Glühen bei einer Temperatur, bei der das chromsaure 
Kali noch nicht verändert wird; und Bestimmen des Sauerstoffverlu- 
stes scheint die Zusammensetzung Cr2O°,CrO® zu bestättigen. Da 
es ganz analog gelang, chromsaure Thonerde und chromsaures Eisen- 
oxyd darzustellen, glauben die Verfasser aus Gründen der Analogie 
das Mangansuperoxyd für mangansaures Manganoxyd halten zu kön- 
nen, — (Arch. der Pharm. zweite Reihe Bd, CA, p. 231.) O.K&. 


R. Kemper, Analysen einiger kampfersauren Salze. 
— Umfassen die neutralen Salze der Alkalien, alkalischen Erden, des. 


166 


Zink- und Uransalzes. Die Formel &0oHıs 04 erleidet nach des Ver- 
fassers Analysen keine Veränderung. — (Ebenda p. 146.) 0. E. 
K. Kraut, über die Aether der Mellithsäure — Die 
zusammengesetzten Aether wurden durch Zusammenbringen von mel- 
lithsaurem Silberoxyd mit Jodäthyl, Jodmethyl und Bromamyl darge- 
stellt. Der mellithsaure Methyl- und Aethyläther bildete Krystalle, 
während der Amyläther ein bei gewöhnlicher Temperatur nicht er- 
starrendes Oel bildet. Nach Limpricht krystallisirt auch der Aethyl- 
äther nicht. Auch hinsichtlich der Einwirkung von Ammoniak auf 
Mellithsäure-Aethyläther widersprechen die Angaben des Verf.’s denen 
von Limpricht und Scheibler vollständig. — (Zbenda p. 217.) O0. K. 
H. Ludwig, Chemisches der Pilze. — Die Arbeit enthält 
zunächst eine kritische Beleuchtung der Arbeiten. welche bisher über 
diesen Gegenstand veröffentlicht sind, woraus dem Verf. hauptsächlich 
hervorzugehen scheint, dass die Pilze kein Amylum enthalten; dass 
während in den essbaren Pilzen die nährenden Bestandtheile wirklich 
aus eiweissartigen Substanzen bestehen, die giftigen Pilze nur Zer- 
setzungsprodukte der Albuminate enthalten. Ferner glaubt der Verf. 
ächtes Chitin namentlich in den Sporen der Pilze annehmen zu müs- 
sen, und erwähnt schliesslich einige Versuche über das Zerfliessen 


der Pilze. — (Ebenda p. 193.) 0. K. 
Th. Martius, die rothe Tinte der frühern Jahrhun- 
derte. — Der Farbstoff, welcher sich in der rothgefärbten Initialen 


von Manuscripten aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert 
findet, besteht nach Verf. aus Zinnober, der zum Schreiben wahr- 
scheinlich mit Eiweiss angerührt war. — (Zbda. 110.) 0. K. 
Ph. F. Mehla, über das Vorkommen von Berberin in 
Hydrastis canadensis. — A.B. Durand hat aus dieser Pflanze 
ein krystallinisches Alkaloid Hydrastin und einen gelben Farbstoff 
isolirt. Nach des Verf.’s Untersuchung ist der gelbe Farbstoff wahr- 
scheinlich auch ein Alkaloid und zwar Berberin. Die Pflanze gehört 
zu den Ranunculaceen. — (N. Repert. f. Pharm. Bd.AT, p.191.) O0.K. 
O.Mendius, über eine neue Umwandlung der Nitrite. 
— Diese Umwandlung der Nitrite besteht in einer unmittelbaren Auf- 
nahme von Wasserstoff ohne Hinzutritt oder Austritt eines andern 
Elementes: €&n Hm-ıN + 4H = £n Hn+3N oder (En Hzn+1) H>N. 
Man bekommt diese Reaktionen, wenn man die Nitrite dem Wasser- 
stoff in statu nascenti also der Behandlung mit Zink und Schwefel- 
säure oder Salzsäure aussetzt. Es entsteht neben Chlorzink oder 
Zinksulfat die Salz- oder Schwefelsäureverbindung der gebildeten 
Aminbase. Den grössten Theil des Zinkvitriols kann man durch 
Krystallisation entfernen, den Rest durch Schwefelwasserstoff. Das 
hiervon Abfiltrirte wird mit Natronlauge zersetzt, destillirt und die 
übergehende Base in Salzsäure aufgefangen; hatte man das Zink als 
Chlorid, so fällt man dasselbe mit kohlensaurem Natron und Schwefel- 
wasserstoff. Der beim Destilliren bleibende Rückstand wird mit Al- 
kohol behandelt, um die noch darin befindliche salzsaure Aminbase 


167 


vom 'Salmiak zu trennen. In dieser Weise wurde zuerst Cyanäthy], 
erhalten durch Destillation von ätherschwefelsaurem Kali und Cyan- 
kalium, behandelt. Man erhält nach Entfernung des Zinks salzsaures 
Propylamin, das uuzersetzt sublimirbar ist und aus Alkohol in qua- 
dratischen Tafeln krystallisirt; mit Platinchlorid giebt es einen gold- 
gelben Niederschlag von der Zusammensetzung &;H},N.CIPtCl. Wird 
die salzsaure Verbindung mit Aetzkali destillirt, so erhält man eine 
stark lichtbrechende Flüssigkeit, Propylamin enthaltend, die bei 490,7 
siedet. Es fällt Metalloxyde, Eisenoxyd etc. aus ihren Lösungen und 
bildet mit Schwefelsäure ein krystallinisches sehr leicht zerflliessliches 
Salz. Erhitzt man diese Base in einer zugeschmolzenen Röhre mit 
Jodäthyl, so erhält man Propyltriäthylammoniumjodür &3Hz(&2H;)sNJ, 
leicht löslich in Wasser und Alkohol, unlöslich in Aether und mit 
Kalilauge nicht zersetzbar. Die Base war also nicht etwa eine Imid- 
(Aethyl-Methyl), sondern die Amidbase. Wenn man wässrige Blau- 
säure und Schwefelsäure oder alkoholische Blausäure und Salzsäure 
auf Zink wirken lässt, so erhält man eine Salzmasse, die nach wie- 
derholtem Ausziehen mit Alkohol salzsaures Methylamin giebt; mit 
Kalilauge behandelt entweicht aus derselben Methylamin, mit Gold- 
ehlorid und Platinchlorid entstehen Niederschläge, letzterer von der 
Zusammensetzung EHsNCIPtCl.. In entsprechender Weise erhält man 
aus Cyanmethyl und Schwefelsäure und Zink schwefelsaures: Aethyl- 
amin, aus dem mittelst Kali die Base abgeschieden werden kann. 
Butyleyanür, aus Valeramid und wasserfreier Phosphorsäure darge- 
gestellt, giebt mit Salzsäure und Zink die salzsaure Verbindung des 
Amylamins. Behandelt man Benzonitril, erhalten durch Einwirkung 
von Benzamid auf wasserfreie Phosphorsäure, mit Salzsäure und Zink, 
so erhält man, wenn man das Produkt mit Kalilauge behandelt, dann 
mit Aether auszieht und Chlorwasserstoffsäure hinzusetzt, einen kry- 
stallinischen Niederschlag, der mit Alkohol umkrystallisirt die Formel 
€rHnNCl giebt. Mit Goldchlorid und Platinchlorid entstehen Doppel- 
salze, mit Quecksilberchlorid nur, wenn man alkoholische Lösungen 
anwendet. Durch Behandeln mit Kalilauge erhält man die freie Ba- 
sis als ein dünnflüssiges Oel. Sie zieht schnell Kohlensäure aus der 
Luft an, ist in kaltem Wasser, Alkohol und Aether leicht löslich; beim 
Erwärmen der wässrigen Lösung jedoch wird sie milchig ausgeschie- 
den. Die Analyse ergab die Formel &;HsN; diese neue Basis ist 
mit dem Toluidin isomer. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXI, 129.) 
B. 8. 

A. Moitissier, über das Camphorylchlorid. — Man er- 
hält dasselbe. indem man Camphersäurehydrat mit Phosphorsuper- 
ehlorid auf 1000 erhitzt, wobei sich Chlorwasserstoffsäure entwickelt 
und Phosphoroxychlorid entsteht, von dem das Camphorylchlorid leicht 
durch Destillation getrennt werden kann: 

61H + 2PC, = 60H1492Cl; + 2P9Ch, + 2HCL. 

Wasserfreie Camphersäure wird nur schwierig angegriffen. Das Chlo- 
rid ist eine gelbliche Flüssigkeit, schwerer als Wasser, mit siedendem 


168 


Wasser sich zu Camphersäure und Chlorwasserstoffsäure zersetzend. 
Kohlensaures Ammoniak und trocknes Ammoniakgas bilden Camphor- 
amid CioHıs Na9a. Anilin bildet mit dem Chlorid eine in Alkohol 
und Aether lösliche Substanz, wahrscheinlich Camphoranilid. — (Ann. 
d. Chem. u. Pharm. CXX, 252.) B. 8. 
C. Neubauer, über Kreatinin. — Man erhält Aethylkre- 
atinin, wenn man zu einer concentrirten Lösung von Jodäthylkreati- 
nin Silberoxyd hinzusetzt bis keine Jodreaktion mehr entsteht, dann 
vom entstandenen Jodsilber abfiltrirt und im Vakuum verdunstet. Es 
ist in Aether nicht, in Alkohol leicht löslich, ebenso in Wasser. Die 
Lösung reagirt alkalisch, ist von bitterm Geschmacke und fällt neu- 
trale Lösungen von Eisen und Thonerde. Beim Erhitzen verlieren 
die Krystalle Wasser und eine Gelbfärbung tritt ein. Die Analyse 
ergab: C}2Hı2N; 03, HO + xaq. Die Platinverbindung des krystalli- 
sirten Aethylkreatinin ergab die Formel C.H}2N; O,2Cl + PtCh. 
Wenn man auf alkoholische Lösung von Aethylkreatinin Jodäthyl in 
zugeschmolzenen Röhren einwirken lässt, so wird kein weiteres Was- 
serstoffatom substituirt, sondern es erfolgt eine Umsetzung in Jod- 
äthylkreatinin und Alkohol. Hiernach wäre das Kreatinin eine Amin- 
base und das Aethylkreatinin eine Ammoniumbase. Wenn man eine 
wässrige Lösung von Aethylkreatininoxydhydrat mit Salzsäure versetzt 
und dann verdunstet, so bleibt eine stark glänzende, strahlige Kry- 
stallmasse von Chloräthylkreatinin zurück, leicht löslich in Wasser 
und Alkohol, unlöslich in Aether. Jodwasserstoffsaures Kreatinin 
entsteht bei der Einwirkung von Jodäthyl auf Kreatinin zugleich mit 
Jodäthylkreatinin. Ersteres ist in der von letzterm trennbaren Mut- 
terlauge enthalten und wird beim Verdunsten als bräunliche Krystall- 
masse leicht daraus gewonnen; es ist in Wasser und Weingeist sehr 
leicht löslich und ergab die Formel (;H;N50;zJH. Mit essigsaurem 
Natron und Chlorzinklösung versetzt, giebt es einen Niederschlag 
von Kreatininchlorzink, das nach sorgfältiger Reinigung die Formel 
von Heintz ergab: C3H;N30zZnCl, so dass Loebe’s Formel CHH-N;0zCIH 
+ ZnO nicht bestätigt werden konnte. Salzsaures Kreatininchlor- 
zink wurde durch Auflösen von Kreatininchlorzink in überschüssiger 
Salzsäure und durch Verdunsten erhalten. Es ergab die Formel: 
CsH7N:30;CIH -+ ZnCl. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXZ,257.) B.S. 
Oppenheim, über den Münzencampher. — Die Analysen 
und Reactionen desselben lassen ihn als einen einatomigen Alkohol aus 
der Reihe des Acrylalkohols erkennen. Die Camphorsäure scheint 
ihm zu entsprechen. Wegen seiner Aehnlichkeit mit dem Borneol 
schlägt der Verf. für ihn den Namen Menthol vor; wie er die von 
ihm daraus dargestellten Aetherarten essigsaures, bittersaures und 
Chlormenthyl nennt. — (N. Repert. f. Pharm. Bd. AI, p.21) 0.K. 
A. Overbeck, dreizehn Fragen über Mercur. — Ent- 
hält eine Zusammenstellung der Thatsachen, die bisher über die Ein- 
wirkung offieinellen Quecksilberpräparate auf den Organismus be- 
kannt gemacht sind und macht dabei auf die Erscheinungen aufmerk- 


169 


sam, welche noch nicht genügend erklärt sind. — (Arch. f. Pharm. 
zweite Reihe Bd. CIX, p. 6.) 0. K&. 
W. Rubel, krystallisirbarer mannitähnlicher Stoff 
aus Evonymus europaeus. — Aus der Cambialschicht der di- 
ckeren Zweige von Evonymus europäus wurde durch Extraction mit- 
telst Alkohol ein krystallisirbarer Körper erhalten, der in Zusammen- 
setzung und chemischen Eigenschaften dem Mannit gleicht, sich durch 
Krystallform und höheren Schmelzpunkt von ihm unterscheidet, und 
vom Verf. Evonymit genannt wird. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85. 


2p. 372.) 0. &. 
W. de la Rue und ;Hugo Müller, über Terephtal- 
säure und die Derivate derselben. — Die Terephtalsäure, 


schon früher von Caillot durch Einwirkung von verdünnter Salpeter- 
säure auf Terpentinöl erhalten, entsteht auch bei der Darstellung von 
Toluylsäure aus Cymol, oder wenn letzteres mit rauchender Salpe- 
tersäure behandelt wird. Die von Hoffmann entdeckte Insolinsäure ist 
mit der Terephtalsäure identisch, sie entsteht am leichtesten bei der 
Einwirkung von Chromsäure auf Römisches Kümmelöl oder Cuminalde- 
hyd. Die Terephtalsäure, die mit der Phtalsäure isomer ist, besitzt 
die Formel €£3H; 04, ist ein weisses krystallinisches Pulver, in Was- 
ser und Aether unlöslich, löslich in Schwefelsäure; sie ist sublimir- 
bar. Sie ist eine zweibasische Säure. Die neutralen Aether entste- 
hen durch Einwirkung von Chlorterephtalyl auf Alkohole oder durch Ein- 
wirkung der Jodverbindungen der letztern auf das Silber- oder Kalium- 
salz der Terephtalsäure. So wurde der Methyläther G3H,(EH3), 04 
in schönen Krystallen erhalten, auch der Amyl-Aethyl- und Phenyl- 
äther wurden dargestellt. Bei der zuletzt angeführten Reaktion bil- 
den sich auch die sauren Aetherarten. Die Nitroterephtalsäure 
entsteht bei der Einwirkung von Salpetersäure und rauchender Schwe- 
felsäure auf Terephtalsäure, sie ist ebenfalls zweibasisch und bildet 
gut krystallisirbare Salze. Chlorterephtalyl £;,H,0,C], entsteht 
bei der Einwirkung von Phosphorpentachlorid; durch Einwirkung 
von Ammoniak auf die Chlorverbindung erhält man das Amid €3H,N,9,, 
das mit rauchender Salpetersäure zu C3H,(N0,)N,0, wird. Durch 
Entziehen von Wasser z. B. mit wasserfreier Phosphorsäure entsteht 
das Nitril. Bei der Reduktion der Nitroterephtalsäure entsteht Oxy- 
terephtalamsäure €;H,N®,, der Glycocollgruppe angehörig und 
sich mit Basen und Säuren verbindend. Die Lösungen der ersten 
Salze zeigen sehr starke Fluorescenz. Die Aether dieser Säure ent- 
stehen durch Behandeln der Aether der Nitroterephtalsäure mit re- 
ducirenden Substanzen. Salpetrige Säure greift diese Verbindungen 
sehr leicht an und es entstehen dabei stickstofffreie Verbindungen, 
namentlich Oxyterephtalsäure: &3Hg 05. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. 
CAXAT, 86.) B. 8, 

kudolf Schmitt, Beitrag zur Kenntniss der Sulfani- 
lidsäure und Amidophenylschwefelsäure. — Entsprechend 
der Benzaminsäure und Anthranilsäure, die sich von der Kohlensäure 

XXI. 1863, 12 


170 


ableiten lassen, lassen sich von der Schwefelsäure auch die Amido- 
phenylschwefelsäure und Sulfanilidsäure ableiten, deren Verschieden- 
heit bei ihrer Thonerde auf den verschiedenen Radikalen beruht. Die 


Sulfanilidsäure HO (N) S20; + 2aq. entsteht durch Einwir- 


kung von concentrirter Schwefelsäure auf Anilin oder Anilide in der 
Wärme. Sie ist in kaltem Wasser schwer (1 Theil in 128 Theilen 
Wasser) in heissem leicht löslich, unlöslich in Alkohol und Aether. 
Sie krystallisirt mit zwei Aequivalenten Krystallwasser, die sie erst 
bei 110° ganz verliert; bei 220° tritt Zersetzung ein, wobei sich dann 
schweflige Säure entwickelt. Sieist eine starke Säure, welche Alkalien 
vollständig sättigt; ihre Salze sind leicht durch Zersetzen der be- 
treffenden kohlensauren Salze darstellbar und mit Ausnahme des Sil- 
bersalzes leicht löslich. Chlor und Jod wirken nicht auf sie ein, mit 
Brom entsteht ein weisser Niederschlag von verfilzten Nadeln, der, 
unlöslich in Wasser, in Aether und Alkohol sich leicht löst; bei 100° 
schmilzt er und sublimirt bei höherer Temperatur unzersetzt. Die 
Analyse ergab die Formel des Tribromanilins: CH4Br3 N, so dass 
die Zersetzung wäre: 
CH NS2 0; + 6Br:—— C2»H,Br; N En S2 0 + 3HBr. 

Wenn man nicht genug Brom hinzufügt, so erhält man zugleich zwei- 
fach gebromte Sulfanilidsäure. Von salpetriger Säure wird die Sul- 
fanilidsäure zersetzt unter Entwicklung von reinem Stickstoff, wäh- 
rend die Flüssigkeit sich braun färbt. Beim Verdampfen bleibt ein 
sauer reagirender Rückstand, dessen Salz stickstofffrei ist; dieses 
war eine der Salicylsäure analoge Säure Oxyphenylschwefelsäure. 
Leitet man durch Alkohol, in dem Sulfanilidsäure suspendirt ist, sal- 
petrige Säure, so nimmt die Masse des Pulvers bedeutend zu und der 
entstandene Körper ist sehr leicht explodirbar. Die Dibromsulfani- 


lidsäure HO (Ca 2) N. 80; + 3aq. wird aus der Lösung, die 
H 


zugleich Tribromanilin enthält und auf schon beschriebene Weise er- 
halten wird, durch Ausfällen mit Chlorbaryum und Zersetzen dieses 
Barytsalzes mit Schwefelsäure erhalten. Sie ist in Wasser leicht, 
in Alkohol schwer löslich. Ueber 180% zersetzt sie sich, wobei Tri- 
bromanilin und schweflige Säure auftreten. Mit Kali- oder Kalkhy- 
drat erhitzt giebt sie ebenfalls Tribromanilin. Die Salze dieser Säure 
krystallisiren leicht in nadelförmigen Krystallen und werden leicht 
durch Zerlegung der betreffenden kohlensauren Salze erhalten. Aus- 
ser dem Barytsalze wurden das Blei- und Silbersalz dargestellt durch 
Fällung der reinen wässrigen Säure mit essigsaurem Blei oder salpeter- 
saurem Silber. Die Alkali- Kalk- und Zinksalze werden in beschrie- 


bener Weise dargestellt. Die Diazophenylschwefelsäure HOCja He S203 
2 


wird erhalten, indem man durch in Alkohol suspendirte Sulfanilid- 
säure salpetrige Säure leitet. In heissem Alkohol wird die Säure 
leicht zerlegt, ebenso wie auch in heissem Wasser; trocken erhitzt 


171 


explodirt sie leicht. Wässrige Alkalien zerlegen die Säure schon in 
der Kälte unter Stickstoffentwicklung und Bräunung, ebenso wirkt 
Schwefelwasserstoff. Die Flüssigkeit reagirt sauer und durch Sätti- 
gen mit kohlensauren Salzen erhält man Salze, deren Analyse zeigte, 
dass dies Oxyphenylschwefelsäure war: 

CıaHaN38S30: + 2HO = CaHs 820; + 2N 


nach Kolbe’s Ansicht HO ( C?10,) S20;. Das Barytsalz erhält 


man durch Neutralisiren mit kohlensaurem Baryt, es ist in Wasser 
löslich und liefert mit Kalihydrat destillirt schwefelsaures Kali und 
Phenyloxydhydrat. Das Silbersalz erhält man in ähnlicher Weise, 
ebenso das Kali-Ammoniak und Bleisalz, die alle leicht löslich in Was- 
ser sind. Kocht man die Säure mit Alkohol von 90%,, so entwickelt 
sich Aldehyd und Stickstoff, und beim Eindampfen bleibt eine stark 
sauer reagirende tiefbraune Flüssigkeit zurück, aus der man durch 
Neutralisiren mit kohlensaurem Bleioxyd ein stickstofffreies Salz er- 
hält; absoluter Alkohol bewirkt nur bei höherm Drucke diese Spal- 
tung. Das Bleisalz ergab die Formel des phenylschwefelsauren Bleies, 
so dass die Säure entstände nach: 
u C2H4ıN, 5.0; + GC, Hs (OF = Ci Hs S2 Os Er C4H403 + 2N. 
Diazophenylschwefelsäure Phenylsch wefelsäure 

Das Blei- und Barytsalz erhält man durch Neutralisiren der 
wässrigen Säure mit den kohlensauren Salzen, beide sind in Wasser 
leicht löslich. Diese Säure hat mit Mitscherlichs Sulfobenzidinsäure, 
durch Behandeln von Benzol mit rauchender Schwefelsäure erhalten, 
gleiche Zusammensetzung, ist jedoch nicht krystallisirbar und ver- 
trägt keine so hohe Temperatur. Diazodibromphenylschwefelsäure 


H 
#0 ( Ca lBr, ) S,0, erhält man, wenn man salpetrige Säure auf 
eine Me akssihe Lösung von Dibromsulfanilidsäure wirken .lässt. Sie 
bildet gelbliche Schüppchen, ist’ schwer in kaltem, leicht in heissem 
Wasser löslich, wird durch kochenden ‚Alkohol zerlegt und verhält 
sich gegen Schwefelwasserstoff und Alkalien wie die nicht gebromte 
Diazoverbindung. Salze dieser Säure liessen sich nicht darstellen. 


Dibromphenylsch wefelsäure HO ( Cı2 | Ei ) S20; + 2aq. entsteht durch 


Zerlegung der vorigen mit unter höherm Drucke siedenden Alkohol, 
wobei zugleich Aldehyd und Stickstoff entweichen, Aus der braunen 
Flüssigkeit erhält man mit essigsaurem Blei, Chlorbaryum und sal- 
petersaurem Silberoxyd Niederschläge. Die Entstehung der Säure 
lässt sich darstellen durch: 

C)H2Bra N,8, 0; IF [079 5} Os == CsH,Br3 8; Os -F C,H403 -- 2N. 
Oxydibromphenylschwefelsäure bildet sich bei der Zerlegung von Dia- 
zodibromphenylschwefelsäure durch kochendes Wasser. Wenn man 
durch Wasser, worin Diazophenylschwefelsäure. suspendirt ist, Schwe- 
felwasserstoff leitet, so findet Stickstoffentwicklung Statt, und es ent- 
steht eine trübe Flüssigkeit, die hald Schwefel absetzt. Man erhält 

12” 


173 
beim Eindampfen eine krystallinische Masse, die sich nach dem Rei- 
nigen als Sulfanilidsäure ausweist: 
CıH4N,»S20; + 3HS = CR»H-NS:0; + 35 + N. 

Die dieser Säure isomere Amidophenylschwefelsäure zeigt sich in ih- 
rem Verhalten gegen Brom und in ihren Salzen von der vorigen 
Säure wesentlich verschieden. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. CAX, 
129.) B. 8. 

Schrader, über diehöhern Oxydationsstufen des Wis- 
muths. — Wenn man aus Wismuthoxydsalzen mit Kali weisses Wis- 
muthoxydhydrat fällt, so wird der Niederschlag bald in gelbes was- 
serfreies Oxyd umgewandelt und zwar in um so kürzerer Zeit, je 
concentrirter die Kalilösung war. Dasselbe Resultat erhält man, wenn 
man mit einer alkalischen Lösung von unterchlorigsaurem Alkali Wis- 
muthoxyd fällt, oder dasselbe in der Kälte auf Wismuthoxydhydrat 
wirken lässt. Wendet man verdünntere Lösungen des Alkalisalzes 
an, so erhält man einen hellgelben Niederschlag, Wismuthoxyd und 
Wismuthoxydhydrat, welches man durch Kalilauge in ersteres über- 
führen kann. Durch Auswaschen kann man diese Niederschläge chlor- 
frei erhalten, die dann nicht mehr verändert werden. War das Aus- 
waschen des unterchlorigsauren Salzes nicht vollständig, so erhält 
man beim Kochen dunklere Körper, Gemenge von Wismuthoxyd, hö- 
hern Oxyden des Wismuths und Kali. Arppe hielt diesen gelben 
Niederschlag für das Hydrat eines höhern Oxydes und wollte %ier- 
aus durch Kochen mit alkalischem unterchlorigsaurem Kali braunes 
Wismuthoxyd BiO, erhalten haben; wenn beim Auflösen in Salpeter- 
säure dieses einen Rückstand hinterliesse, so sollte derselbe von Wis- 
muthsäure herrühren. Sch. wiederholte den Versuch: er kochte mit 
unterchlorigsaurem Alkali oder leitete Chlor in nicht genug concen- 
trirter Kalilauge, welche Wismuthoxyd suspendirt enthielt; er erhielt 
dabei bald: gelbe, bald braune, bald schwarze Körper, theilweise oder 
vollständig löslich in Salpetersäure, Wismuthsuperoxyde, die je nach 
den Umständen der Reaktionen erzeugt werden. Die Verschiedenheit 
der Niederschläge hängt hauptsächlich von der grössern oder gerin- 
gern Menge Kali und der Zeit des Chlordurchleitens ab. In ihren 
äussern Eigenschaften sind sie nur durch die Farbe verschieden, wäh- 
rend sie sich gegen Reagentien ganz gleich verhalten. In Salzsäure 
lösen sie sich unter Chlorentwicklung und in Schwefelsäure unter Sauer- 
stoffentwicklung. In concentrirter Salpetersäure lösen sie sich eben- 
falls vollständig und farblos auf. Sie geben beim Glühen gelbes Oxyd 
und verlieren ihren Wassergehalt bei 120%; bei Anwendung von ver- 
dünnter Salpetersäure wird ein schwarzer dem Eisenoxyd ähnlicher 
Körper zurückgelassen Wenn man concentrirtere Kalilösung und 
Siedhitze anwendet, so werden Körper erhalten, die mit concentrir- 
ter Salpetersäure einen orangegelben Rückstand hinterlassen. Die 
Niederschläge haben sehr verschiedene Farben. Wendet man Kali 
von 1,385 spec. Gew., im Verhältniss zum Wismuthoxyd wie 1:2 an, 
so erhält man beim Durchleiten von Chlor durch die siedende Lösung 


173 


einen pechschwarzen Körper, der Wismuthoxyd, Sauerstoff, Kali und 
Wasser enthält; er scheint hauptsächlich aus krystallisirtem Wismuth- 
oxyd mit Kali zu bestehen, das durch beigemengte höhere Oxydations- 
stufen des Wismuths schwarz erscheint; behandelt man diesen Kör- 
per mit concentrirter Salpetersäure, so erhält man eine dunkelbraune 
Substanz, die ungefähr der Formel BiO, + 2aq. entspricht. Stei- 
gert man den Kaligehalt, so erhält man gelbliche Körper, die beim 
Behandeln mit concentrirter Salpetersäure das gelbe Endprodukt hin- 
terlassen. Dieses verliert bei 150% sein Wasser und wird braun, mit 
Salpetersäure behandelt erhält es seine ursprüngliche Farbe wieder; 
nach der Analyse kommt ihm die Formel BiO, + 2aq. zu. Nimmt 
man 10 Theile Kali auf 1 Theil Wismuthoxyd und leitet dann Chlor 
in die siedende Lösung, so erhält man rothe oder rothbraune Kör- 
per, die mit Salpetersäure jenen orangegelben geben, sich aber auch 
nur als Gemenge von höhern Oxydationsstufen des Wismuths mit 
Kali und Wismuthoxyd ausweisen. Arppe wollte reines Wismuthsäure- 
hydrat BiO;,HO erhalten haben, indem er durch sehr concentrirte 
Kalilauge mit suspendirtem Wismuthoxydhydrat Chlorgas leitete, 
Heintz hingegen erhielt bei dieser Reaktion auch rothe Körper, die 
von ihren Verunreinigungen nicht ganz getrennt werden konnten, 
sich aber als BiO;, berechneten. Sch. bekam eben diese rothen Nie- 
derschläge, die seinen Untersuchungen nach aus Wismuthsäure, Wis- 
muthoxyd und Kali bestanden. Bei wiederholter Behandlung dieser 
rothen Niederschläge mit Kalilauge wurde ein rother Körper erhal- 
ten, der jedoch nicht sauerstoffreicher als die frühern war. Durch 
Behandeln mit verdünnter Salpetersäure kann man hieraus nicht rei- 
nes Wismuthsäurehydrat erhalten, sondern es tritt schnell eine Zerset- 
zung ein. Beim Kochen mit verdünnter Salpetersäure erhält man einen 
hellrothen Körper von der ungefähren Zusammensetzung Bi 0;3Bi 0; 
+ 6aq. Mit Essigsäure lässt sich jene höchste Oxydationsstufe gleich- 
falls nicht isoliren. Auch bei der Einwirkung von Salpetersäure auf 
die rothen Körper entsteht zuletzt ein gelber, dem die Formel BiO, 
+ 2aq. zukommt. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXI, 204.) B. S. 


Simpson, über die Synthese der Bernsteinsäure und 
der Pyroweinsäure. — Da die Bernsteinsäure in derselben Be- 
ziehung zum Glycol steht, wie die Propionsäure zum Alkohol, so 
wurde versucht in entsprechender Weise aus Cyanglycol und Kalihy- 
drat Bernsteinsäure zu erhalten: 


' 
G4H;Cy + © | r + 2H0O = 0, } a 0, + NH; 
CHA Cya + 20) 5 +4H0O — 0,3 Ola | on. 


Das Cyanäthylen wurde durch Erhitzen von Cyankalium mit Bromä- 
thylen und Alkohol in einem verkorkten Kolben dargestellt. Es ist 
eine hellbraune krystallinische Masse, bei 370 zu einer öligen Flüssig- 
keit schmelzend, die ohne Zersetzung destillirt werden kann, im Was- 
ser und Alkohol leicht, im Aether schwer löslich, Wird nun eine al- 


174 


koholische Lösung von Cyanäthylen und Aetzkali in einem mit einem 
Kühler versehenen Kolben erhitzt, so entwickelt sich Ammoniak und - 
nach Zerstörung der Verunreinigungen mit Salpetersäure erhielt man 
beim Eindanıpfen des Rückstandes salpetersaures Kali und eine freie 
Säure, die durch Lösen in Alkohol davon getrennt werden kann. Nach 
dem Reinigen durch Umkrystallisiren ergab sie die Formel C(3H,0;, 
Bernsteinsäure, die auch in allen Eigenschaften der gewöhnlichen 
Bernsteinsäure entsprach. Wenn man Cyanäthylen mit Salpetersäure 
eindampft, so erhält man eine weisse krystallinische Masse, die sich 
als Gemenge von Bernsteinsäure und salpetersaurem Ammoniak aus- 
wies. Wird Salzsäure in einer zugeschmolzenen Röhre mit Cyanäthy- 
len auf 100° erhitzt, so erhält man ein krystallinisches Gemenge von 
Bernsteinsäure und Chlorammonium: 

C;,H;Cya + 2HCl + 8HO = GH,0; + 2NH;CI. 
Cyanäthylen mit salpetersaurem Silber und Aether zusammengerie- 
ben giebt eine Verbindung beider Körper: G4HsCya + A(ASONO,). 
Die Krystalle dieser Verbindung geben mit Salzsäure behandelt Bern- 
steinsäure. In entsprechender Weise wurde auch versucht Pyro- 
weinsäure zu erhalten. Cyanpropylen erhält man durch Erhitzen 
von Brompropylen, Cyankalium und Alkohol in einem verschlossenen 
Gefässe, es konnte nicht ganz rein erhalten werden. Wird Cyanpro- 
pylen und concentrirte Salzsäure in einer zugeschmolzenen Glasröhre 
erhitzt, so erhält man nach einiger Zeit eine Krystallmasse aus ei- 
ner Säure und einem Ammoniaksalz bestehend. Erstere wurde durch 
Alkohol und Aether von letzterem getrennt und gab nach dem Um- 
krystallisiren die Formel: CioHs03s Pyroweinsäure, die ganz die Ei- 
genschaften der gewöhnlichen Pyroweinsäure besass. Ihr Entstehen 
erklärt sich nach der Gleichung: 

C;,HsCya 2 2HCl nn sHO = CioHsOs + 2NHaCl. 

— (Annal. d. Chem. u. Pharm. CAAI. 153). 

W. Stein, über das Pflanzengelb (Melin, Phytomelin, 
Rutinsäure) und einige ihm verwandte Körper. — Nach- 
dem die Rutinsäure in vielen Körpern aufgefunden, wurde sie von 
Hlasiwetz für identisch mit dem Quereitrin erklärt und diese Mei- 
nung allgemein beibehalten. Der Verf., dessen Untersuchungen ihm 
die Identität beider Substanzen nicht wahrscheinlich machten, giebt 
eine erneute Untersuchung und Vergleichung der Eigenschaften bei- 
der Körper wieder. Er giebt der Rutinsäure den Namen Phytome- 
lin, oder einfach Melin von unAsvog quittengelb. Das Melin ist eine 
schwache Säure, welche aber noch deutlich Kohlensäure aus ihren 
Salzen austreibt. Sie unterscheidet sich von dem Quereitrin, sowohl 
durch ihr Verhalten zu den Lösungsmitteln als beim Schmelzen. Beide 
Körper sind als Kohlenhydrate anzusehen, die sich durch den Was- 
sergehalt unterscheiden. Verf. schlägt deswegen für das Quereitrin 
den Namen Quercimelin vor. Durch Säuren werden beide Körper 
in Melatin (Quereitin) Zucker, Melulmin, Ameisensäure und Kohlen- 
säure zerlegt. Der Punkt der Beendigung dieser Zersetzung ist aber 


= 


| 175 


nicht genau zu bestimmen, da die Säure auch verändernd auf die ent- 
stehenden Körper wirkt. Das Melin und Melatin, werden von Alka- 
lien und Baryt bei Zutritt der Luft unter Aufnahme von Sauerstoff 
verändert; sehr energisch wirkt in gleicher Weise Silberoxyd. Durch 
Reduction mittelst Natriumamalgam entsteht ein Körper, welcher sehr 
schöne Farbenerscheinungen zeigt, dessen nähere Beschreibung sich 
Verf. vorbehält. Das Melin und Quercimelin lassen sich als Reprä- 
sentanten einer gauzen Gruppe von Körpern betrachten, die in den 
Farbstoffen vieler Pflanzen enthalten sind. — (Journ. f. pract. Chem. 


Bd. 85. p. 351.) 0. K. 
C. Thiel, chemische Untersuchungen der Musena- 
Rinde. — Die Musenarinde, Bandwurmmittel enthält nach des Verf.’s 


vorläufiger Untersuchung als hauptsächlichen Bestandtheil einen dem 
Saponien in vieler Beziehung ähnlichen, sehr kratzend schmeckenden 
Stoff, der sich vom Saponin besonders durch seine leichtere Löslich- 
keit in Alkohol unterscheidet. Die geringe Quantität des vorliegen- 
den Materials ermöglichte eine genauere Untersuchung noch nicht. 
— (N. Repert. f. Pharm. Bd. AI. 97.) 0. K. 
b. Angewandte. H. Bachmann, über eine Lederschmiere. 
— Das Verderben des gegerbten Leders, d. h. seine Neigung nach 
längerem Gebrauch oder nach Berührung mit Regen- oder Schnee- 
wasser zu reissen, zu brechen, zu schimmeln und wasserundicht zu 
werden, beruht darauf, dass die beim Gerbprocess von den thierischen 
Geweben aufgenommene Gerbsäure allmälig zersetzt oder ausgelaugt 
wird. Durch Ersatz dieser verlornen Gerbsäure unter Vermittelung 
einer fetten Säure gelingt es, das verdorbene Leder wieder vollkom- 
men brauchbar zu machen Verf. schlägt daher vor, die verdorbenen 
Gegenstände Stiefeln, Pferdegeschirre, Lederüberzüge von Wagen etc. 
mit einer auf 6000. erwärmten Mischung zu imprägniren, die dar- 
gestellt wird aus: 8 Th. Elainsäure, 2 Th. Palmitinsäure (beide durch 
Ammoniak in Seifenleim übergeführt) 6 Th. gewöhnlicher Seife und 
1!/, Th. festen Gerbstoff, (bestehend aus 3 Th. Eichengerbsäure und 
1 Th. Katechngerbsäure.) Da das Gemenge der Gerbsäuren in 8 Th. 
Wasser gelöst werden soll, so werden bei der Bereitung der Schmiere 
zuerst die Seifen auf 60°C. erwärmt und unter Umrühren sodann 
3!/; Th. der erhaltenen Gerbstofflösung zugegossen. Die Schmiere 
lässt sich in gut verschlossenen Gefässen ziemlich lange aufbewahren. 
— (Baierisches Kunst-Gewerbeblatt 1862, 23.) Swt. 
B. Hirsch, über Reinigung des Fuselöles. — Um aus 
dem immer 20—30 pCt. Alkohol haltenden rohen Fuselöl möglichst 
die ganze Menge reinen Oeles zu erhalten, wäscht Verf. das Roh- 
product mehrere Male mit Kochsalzlösung, dann mit wenig Wasser 
und destillirt mit Wasser. Es soll hierbei anfangs nur Wasser und 
Alkohol übergehen, und sich die Grenze sehr scharf bemerken lassen, 
wo das Fuselöl nun frei von Alkohol über zu destilliren beginnt. — 
(Arch. d, Pharm. zweite Reihe Bd. CIX, p. 30.) 0. &. 


176 


E. Lenssen, chemische Mittheilungen. — 1. Ueber 
die Darstellung der essigsauren Thonerde aus schwefel- 
saurer Thonerde. — Wenn man essigsaures Bleioxyd und schwe- 


felsaure Thonerde in äquivalenten Verhältnissen mischt, so nimmt 
man an, bilde sich nur essigsaure Thonerde und unlösliches schwe- 
felsaures Bleioxyd. Dies ist aber nicht der Fall, sondern ein Theil 
des Bleioxydes bleibt gelöst, und lässt sich nur durch einen Ueber- 
schuss von schwefelsaurer Thonerde fällen. Setzt man zu schwefel- 
saurer Thonerde etwas mehr kohlensaures Natron, als nöthig ist, 
um die freie Säure der schwefelsauren Thonerde abzustumpfen, so 
bleibt beim Fälien mit der aequivalenten Menge essigsauren Bleioxy- 
des noch mehr Blei in Lösung als im vorigen Falle, da das Lösungs- 
vermögen des essigsauren Natrons für schwefelsaures Bleioxyd noch 
bedeutender ist, als das der essigsauren Thonerde. — 2. Entgla- 
sung durch gespannte Wasserdämpfe. Ein Manometerrohr, 
welches mehrere Jahre einem Druck bis zu zwei Atmosphären ausge- 
setzt gewesen war, hatte sich an der Stelle wo das Niveau des Queck- 
silbers sich befindet der Art verändert, dass es sich bedeutend verdickt 
hatte, undurchsichtig und milchweiss geworden war, und ungefähr das 
Ansehen der Stearinsäure angenommen hatte, der Analyse nach bestand 
in diesem Falle die Entglasung in einem Verlust an Alkali. — 3. Sil- 
beroxydulverbindungen in Silberschlacken enthalten. — 
H. Rose hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass das Silberoxydul 
„mit den Basen R?O? Verbindungen eingehe. Verf. erhielt beim Ein- 
schmelzen einer grössern Partie Silberrückstände ebenfalls einen 
lachsfarbenen pulverförmigen Körper nach dessen Analyse er ihm 
die Formel Fe&O0;3 + AgO + 7ZnO beilegt. Durch Glühen wird 
der Körper nicht verändert. — 4. Zusammensetzung einiger 
Legirungen. — Die Legirung der Formen in Zeugdruckereien be- 
steht aus Wismuth 10,15 pC., Zinn 57,23 pC., Blei 31,13 pC. Die 
Legirung für Compositions-Rackeln beim Rouleauxdruck aus Zinn 
4.93 pC., Zink 9,78 pC., Kupfer 85,79 pC. — (Journ. f. prakt. Chem. 


Bd. 85, p. 89.) 0. K. 
A. Pleischl, über die Auflöslichkeit des Blei aus 
Bleizinnlegirungen. — Die Behauptung von Proust, dass Blei 


aus seinen Lösungen durch Zinn gefällt, und dass aus Bleihaltigen 
Zinnlegirungen durch Essigsäure kein Blei aufgelöst werde, wurde 
durch neue Versuche nicht bestätigt gefunden; sondern im Gegen- 
theil constatirt, 1. dass Zinn aus seinen Auflösungen durch Blei ge- 
fällt werde, 2. dass aus jeder Bleizinnlegirung schon in der Kälte 
nach 12-stündiger Einwirkung einer verdünnten Essigsäure von 1,005 
spec. Gew. nicht nur Zinn, sondern auch Blei aufgelöst werde. Die 
Quantität des in Lösung übergehenden Bleies richtete sich nach dem 
Gehalt der Legirung an diesem Metalle. Es ergiebt sich daraus ein- 
mal eine ziemlich schnelle und bedeutende Abnutzung von Gefässen, 
die aus dieser Metalllegirung gefertigt und zur Bereitung saurer 
Präparate benutzt werden, sondern ein schädlicher Einfluss auf den 


177 


Organismus, wenn die in solchen Gefässen bereiteten Speisen genos- 
sen werden, da das Blei zu den sogenannten schleichenden Giften 
gehört, deren Wirkung sich erst kund gibt, wenn sie die innersten 
Wurzeln des Organismus vergiftet haben. — (Wien. Akad. Berichte 
Bd. 43, 8. 555.) Smt. 
A. Vogel, Mittheilungen aus dem Laboratorium. — 
I. Ueber den Stickstoffgehalt des Mehles und Brodes. 
Zur Entscheidung der Frage, ob der Stickstoffgehalt des Mehles durch 
das Backen verringert werde, wurden in des Verf.’s Laboratorium ei- 
nige Versuche mit der Krume von Weizen- und Roggenbrod ange- 
stellt, bei denen die Gährung durch Hefe eingeleitet war. Es zeigte 
sich im Brode nicht weniger Stickstoff als im Mehl, aus dem sie be- 
reitet waren. II. Prüfung des Bieres auf Ammoniaksalze. 
Da sich keine Ammoniaksalze im Biere nachweisen liessen, ist der 
Stickstoffgehalt desselben dem Eiweiss zuzuschreiben. III. Zur Werth- 
bestimmung der Kartoffeln. Vergleichende Versuche ergaben, 
dass wenn man den Trockengehalt der Kartoffeln durch das spec. 
Gewicht nach der Mohrschen Methode bestimmt, er für technische 
Zwecke genügend mit dem durch Trocknen und Wägen erhaltenen 
übereinstimmt. Der Stärkemehlgehalt aber, aus dem spec. Gewicht 
nach der Tabelle von Berg und Leidersdorff berechnet, wurde drei 
bis vier pC. höher als durch Auswaschen gefunden. IV. Zur Nach- 
weisung des Traubenzuckers. Die Muldersche Methode der 
Nachweisung des Traubenzuckers durch die Entfärbung des Indigo- 
carmins ist in sofern unsicher, als bei längerm Kochen auch Rohr- 
zucker den Indigo entfärbt, da er durch die freie Schwefelsäure der 
Indigolösung umgewandelt wird. Verf. benutzt daher statt der In- 
digolösung Lakmustinktur, im Uebrigen nach der Mulderschen Vor- 
schrift verfahrend. Uebrigens entfirbt Milchzucker ebenfalls sowohl 
Lakmus als Indigo. V. Ueber Schwefelwasserstoffbereitung 
zu analytischen Zwecken. Um eine gleichmässige Gasentwick- 
lung zu jeder Zeit bewerkstelligen zu können, soll man gewogene 
Mengen des Schwefeleisens und der Schwefelsäure anwenden. VI. 
Ueber die Darstellung eineshaltbaren Lakmuspräparates. 
Die Entfäürbung der Lakmustinktur rührt von einer Reduction des 
Farbstoffes her, daher dieselbe durch Schütteln mit Luft ihre Farbe 
wieder erhält. Verf. schlägt vor, um jederzeit mit Leichtigkeit eine 
Lakmuslösung von beliebiger Concentration zu haben, das fein ge- 
pulverte Lakmus mit Wasser zu übergiessen (16 Grm. mit 120 CC.) 
nach 24 Stunden, dasselbe fort zu giessen, dann noch einmal mit 
derselben Quantität kalten destillirten Wassers 24 Stunden zu behan- 
deln, und diese Lösung zur Hälfte mit Salpetersäure schwach anzu- 
säuren und mit der andern Hälfte vereint im Wasserbade zur Trockne 
zu bringen. Das Pulyer löst sich klar in kaltem Wasser. VII. Ueber 
die Darstellung arsenfreier grüner Farben. Der im Han- 
del vorkommende sogenannte grüne Zinnober soll nach Elsners Vor- 
schrift aus Lösungen von Blutlaugensalz und chromsaurem Kali ei- 


178 


nerseits und essigsaurem Eisenoxydul und essigsaurem Bleioxyd and- 
rerseits dargestellt werden. Um die Darstellung des essigsauren Ei- 
senoxyduls zu umgehen, schlägt Verf. vor, sich des durch etwas Oxal- 
säure ‚gelösten Berlinerblau’s zu bedienen. Will man auch kein Blei 
in der Farbe haben, so kann man sich der Barytverbindungen bedie- 
nen. Grün von sehr schönem Glanz wird durch salpetersaures Wis- 
muthoxyd in der Lösung von Berlinerblau und chromsaurem Kali er- 
halten. VIII. Ueber das Verhalten des Chromsuperechlori- 
des zu Schwefelwasserstoff. Leitet man Schwefelwasserstoff 
- durch die Flüssigkeit, welche durch Destillation von zweifach chrom- 
saurem Kali, Kochsalz und Schwefelsäure erhalten wird so fällt ein 
grüner Körper nieder, welcher bisjetzt für Schwefelchrom gehalten, 
nach des Verf. Untersuchung aber reines Chromoxyd ist. — (N. Repert. 
f: Pharm. Bd. AT. p. 56 u. 180.) i 0. K. 

Wittstein, über die Farben der Briefoblaten. — Verf, 
fand in den rothen Oblaten Mennige, in den gelben und grünen chrom- 
saures Bleioxyd, sogar in einigen hellblauen schwefelsaures Bleioxyd. 
In rosa-, violett-, fleischfarben-, braun-, und weissfarbigen, waren nur 
Spuren von Bleiverbindungen zu entdecken. Die erstern sind daher 
mit Vorsicht zu gebrauchen. — (Arch. d. Pharm. II. Reihe Bd. CIX, 
». 126). . 0. K. 

Sauerwein, Methode den künstlichen Kampher vom 
natürlichen zu unterscheiden. — Dumont’s Angabe den na- 
türliehen Campher vom künstlichen zu unterscheiden durch Zusatz von 
Ammoniak ‘zu den alkoholischen Lösungen, wodurch die des ersteren 
nur schwach getrübt, die des letzteren vollkommen gefällt würde, ist 
nicht ausreichend, da die alkoholische Lösung des künstlichen Kam- 
phers je nach dem Concentrationsgrade mehr oder weniger gefällt 
wird. Der Niederschlag in der stark verdünnten Lösung desselben 
löset sich beim Erwärmen vollkommen auf, in der concentrirten (be- 
stehend aus 12 Theilen Alkohol auf 1 Theil künstl. Kampher) ist er 
beständig. Ein besserer Anhalt um den künstlichen Kampher zu er- 
kennen ist die Prüfung auf Chlor, von welchein derselbe (nach sei- 
ner Darstellung aus Terpentinöl und Salzsäuregas) kaum völlig befreit 
wird. — (Polytechn. Centrb. 1862, 1102.) B. D. 

Wood, Neue Eigenschaften des Kadmium. — Der 
Verf. giebt den Schmelzpunkt des Kadmium auf 6000 F. (315—-3169 C.) 
an, also dem des Bleies sehr nahe. Bei höherer Temperatur verflüch- 
tigt sich das Metall in orangefarbenen Dämpfen, die eine süsslich 
zusammenziehende Empfindung auf den Lippen hervorrufen, sowie 
Kopfschmerz, Bruststiche und Uebelkeit. 

Man hat bisher die Legirungen des Kadmium für spröde ge- 
halten, obwohl das Metall selbst dehnbar und hämmerbar ist. Spröde 
sind denn auch wirklich die Legirungen mit dem Gold, Platina, Kupfer 
und einige mit dem Quecksilber; wie denn Berthier ein Amalgam be- 
schreibt, dass bei 750 C. schmelzbar 21,70 %, Cd. enthält, silberweiss, 
hart und spröde ist, sowie in Oktoedern krystallisirt. Dagegen sind 


179 


die Legirungen mit Blei, Zinn und in einigen Verhältnissen mit Sil- 
ber und Quecksilber sehr dehnbar. Eine Legirung von 2 Theilen 
Silber und 1 Theil Cadmium ist vollkommen hämmerbar, hart und 
fest. Gleiche Theile Silber geben schon ein spröderes Produkt und 
2 Theil Cd. und 1 Theil Silber ist so spröde, dass es nicht hämmer- 
bar ist. Gleiche Theile Cd. und Quecksilber geben ein dehn- und 
hämmerbares Amalgam, das sehr brauchbar ist, 2 Theile Quecksilber 
und 1 Theil Cd. ist auch hämmerbar, wird aber leichter rissig. Die 
Eigenthümlichkeit des ersteren Produktes ist um so interessanter als 
die meisten Amalgame sich durch Sprödigkeit und Zerbrechlichkeit 
auszeichnen. Ferner verdankt man dem Verfasser die Kenntniss von 
Legirungen, in denen das Kadmium die Schmelzbarkeit befördert. So 
schmilzt die Legirung von 2 Theilen Cd. mit 2 Theilen Blei und 4 Thei- 
len Zinn (Woodsche Legirung) leichter als die sogenannte d’Arretsche 
Legirung, die statt des Cd. Bismuth enthält. In anderen Legirungen 
mit Silber, Antimon erhöht es nicht die Schmelzbarkeit. — (Chem. 


News Sept. 1862. p. 135.) B.D. 
@esolegie. C. W. Fuchs, der Granit des Harzes und 
seine Nebengesteine. — Diese umfangreiche Abhandlung zerfällt 


in einen chemischen und einen mineralogischen Theil, aus welch letz- 
term wir zuvörderst einen Auszug geben, den ersten uns für ein späte- 
res Referat aufsparend. Der Harzer Granit zeigt eine grosse petro- 
graphische Einförmigkeit, zumal im Okerthale, veränderlich ist nur der 
am N-Rande des Brockens, im Radau- und Eckerthale. Er besteht im- 
mer aus Quarz, Orthoklas, Oligoklas und Glimmer, vorwiegend ist 
der Feldspath, demnächst der Quarz. Orthoklas und Oligoklas wech- 
seln sehr in ihrem Mengenverhältniss, meist überwiegt aber ersterer, 
nur am Meineckenberge im bunten Granit stehen sich beide gleich. 
Der Orthoklas ist am wenigsten in seiner Ausbildung gestört, um- 
schliesst auch kein andres Mineral, auch der Oligoklas kommt oft in 
Individuen vor, erscheint aber schon von ersterm gestört. Völlig selb- 
ständig ohne alle Verwachsung mit Orthoklas tritt der Oligoklas im 
bunten Granit des Meineckenberges auf. Der Glimmer in Blättchen, 
selten in langgestreckten Individuen ist zuweilen auf die Weise ein- 
gewachsen, dass die Oberfläche der Blättchen in einer Ebene liegt, 
aber bei seiner Spärlichkeit bewirkt er keine Spaltung. Meist sind 
die Blättchen regellos nach allen Richtungen zerstreut. Wo Turma- 
lin vorkommt, ist derselbe mit Glimmerblättchen überkleidet. Der 
Quarz drängt sich in ungestalteten Formen zwischen die übrigen Be- 
standtheile und ist von diesen allseitig eingedrückt, während er selbst 
in jene nicht eindrückt. Der Feldspath zeigt seine rechtwinklige Spal- 
tung sehr deutlich, die Spaltung des Oligoklas ist stets undeutlich. 
Die Färbung des ersten geht durch alle Uebergänge von rein weiss 
bis dunkelfleischroth; der Oligoklas meist ganz weiss, sogar wasser- 
hell, minder häufig matt blassgrün, auch schön hellgrün stark glän- 
zend; der Glimmer vorherrschend dunkel, weiss in grösserer Menge 
nur an der Rosstrappe, bisweilen grün, sehr selten braun; der Quarz 


180 


stets durchsichtig, aber nie rein weiss, heller oder dunkler grün, sel- 
ten gelblich. Die Struktur des Granits pflegt regelmässig zu sein, 
schwankt meist zwischen klein- und grobkörnig, bisweilen so fein- 
körnig, dass die einzelnen Individuen mit blossem Auge nicht mehr 
unterscheidbar sind z. B. im Abbestein und im drei Brode-Thal; auch 
porphyartige Struktur im Ockerthai, am Rehberg. In grössern Mas- 
sen tritt eine eigenthümliche Spaltung auf, die Risse bald nahezu 
horizontal, bald geneigt. Eine zweite Spaltung ist minder deutlich, 
sie schneidet erstere in einem spitzen Winkel. Durch beide ist der 
Granit in parallelepipedische Blöcke zerspalten. Verwitterung ist 
im Harzer Granite allgemein, am frischesten ist er noch im Ocker- 
thale, ganz unversehrt aber nur am Gläseckethale, sehr auffallend da- 
gegen die Verwitterung am Brockengranit, der nur sehr wenige fri- 
sche Stellen z. B. am Meineckenberge zeigt. Auch im Ramberger 
Granit ist die Verwitterung allgemein weit vorgeschritten und ver- 
breitet. Ueberhaupt sind die Arten am wenigsten verwittert, deren 
Feldspath am wenigsten Eisen enthält, wie das im Ockerthale auf- 
fallend ist. Das Eisenoxydul verwandelt sich in Eisenoxyd und lo- 
ckert dadurch die Masse auf und scheidet sich endlich aus der Ver- 
bindung ganz aus. Noch leichter wie der Orthoklas verwittert der 
Qligoklas wegen seines Kalkgehaltes, der gleich als zweifach kohlen- 
saurer Kalk gelöst wird. Selbst der Glimmer kann der Verwitterung 
nicht entgehen und bekundet dieselbe zuerst durch einen Kreis von 
Eisenoxyd. Durch die Verwitterung lassen sich beide Feldspathspe- 
cies leicht erkennen, selbst da wo es im frischen Zustande kaum mög- 
lich ist. Der Orthoklas ist stets röthlich und oft dunkelroth, die die 
beginnende Zersetzung anzeigende mattgrüne Färbung des Oligoklas 
führt leicht zur Verwechslung mit Pinitoid und geht endlich in weiss 
über, wobei das Mineral in mehligen Staub zerfällt. Die Verwitte- 
rung bedingt zugleich eine Aufnahme von Wasser, das jedoch auch 
in ganz frischen Graniten schon gefunden wird. Schreitet die Ver- 
witterung zur Lockerung der Bestandtheile fort: so bildet der Gra- 
nit einen eckigkörnigen Gruss. 

Eintheilungen der Harzer Granite sind mehrfach versucht wor- 
den. So unterscheidnt Jasche drei locale grosse Gruppen mit ver- 
schiedenem Alter, nämlich den Ilsesteiner Granit, den Gabbrogranit 
und den Brockengranit. Der Ilsesteiner Granit ist nur 100 Schritt 
breit und mehre Stunden lang und hat im Ilsestein seine charakteri- 
stische Ausbildung, welche auf fleischrothem Orthoklas und grünli- 
chem Oligoklas mit wenig dunkelgrünem oder braunem Glimmer und 
etwas mehr Quarz beruht. Er enthält viele kleine Höhlungen mit 
Krystallen, zumal auch Flussspath. Der Gabbrogranit zieht sich zwi- 
schen den Ilsesteiner- und Brockengranit trennend hindurch, ist sehr 
reich an Varietäten, deren Jasche 14 zählt nach Korn, Farbe und 
Mengeverhältniss. Es sind Granitgänge im Gabbro und ihnen rech- 
net Jasche auch das Ockerthal und den Rammberg zu. Den Brocken- 
granit charakterisirt grosse Einförmigkeit, heller Feldspath und Man- 


181 . 


gel des Flussspathes. Verf. ist entschiuden gegen diese Eintheilung 
und widerlegt dieselbe. Anders G. Rose’s Unterscheidung von Gra- 
nit und Granitit. Erster besteht aus ÖOrthoklas, Quarz, Kali- und 
Magnesiaglimmer und Oligoklas in geringer Menge, letztrer aus Or- 
thoklas, Quarz, dunklem Magnesiaglimmer und mehr Oligoklas. Hier- 
nach ist die ganze um den Brocken herumliegende Masse Granitit, 
Rammberg und Öckerthal aber Granit. Aber der Glimmer in Bro- 
ckengranit ist durchaus nicht Magnesiaglimmer, auch spielt der Oli- 
goklas nicht die beanspruchte hervorragende Rolle, ist oft ganz un- 
tergeordnet. Ebenso treffen die angegebenen Eigenthümlichkeiten für 
den Rammberg und das Ockerthal nicht zu. In letztrem findet sich nur 
schwarzer Glimmer, nur am Rammberge schwarzer und weisser doch 
auch nicht durchgängig, denn es gibt Stellen ganz frei von weissem 
Glimmer und wo beide zusammen liegen, verhalten sie sich anders 
als Rose behauptet. Daher trat auch Hausmann gegen diese Neue- 
rung des Granitits auf und man kann die Harzer Granite nur local 
unterscheiden, nämlich in 1. Granit des Ockerthales: stark vorwalten- 
der weisslicher Orthoklas, wenig matt hellgrüner Oligoklas und rauch- 
srauer Quarz, schwarzer Glimmer zerstreut, schwarzer Turmalin häu- 
fig und wesentlich und den Glimmer verdrängend; 2. Brockengranit: 
durchweg rother Orthoklas, weisslicher oder grüner Oligoklas, we- 
nig Quarzkörner und dunkler Glimmer; 3. Rammberggranit mit fei- 
nerm Korn und hellerem Orthoklas; 4. Granit im Gabbro: ausseror- 
dentlich manichfaltig ohne bestimmten Typus. 

Verf. beleuchtet nun die Fels- und Thalbildung des Harzer Gra- 
nites und wendet sich dann zu den Nebengesteinen. 1. Hornfels 
umgibt fast zu 2/3; den Granit als Grenze gegen Thonschiefer und 
Grauwacke, fast ganz am Rammberge, zum grossen Theile am Bro- 
cken und im Ockerthale. Der Schiefer ist theils devonisch, theils si- 
lurisch und das Hervortreten des Granites veranlasste die Bildung des 
Hornfelses. Derselbe hat sich am häufigsten entwickelt. aus einem 
schwärzlichen oder bräunlichen Thonschiefer, der stets in mächtige 
Schichten obne Schieferung auftritt. Aber auch feinkörnige Grauwacke 
erscheint als Muttergestein des Hornfelses, an einer Stelle im Ocker- 
thal sogar der Kramenzelkalk. Am besten ausgebildet ist der Horn- 
fels stets in unmittelbarer Nähe des Granits, je weiter ab verschwin- 
den seine Eigenthümlichkeiten bis er ganz in Thonschiefer übergeht 
ohne irgend eine bestimmte Grenze. Der Thonschiefer geht durch 
grössere Härte, Bleichung und Eintritt eines krystallinischen Zustan- 
des in den Hornfels schneller ‘oder langsamer, so dass der letzte 
bisweilen mehre 1000 Schritt breit, bisweilen nur wenige Fuss aus- 
macht. Die Umwandlung beruht auf chemischen Vorgängen, welche 
Verf. darlegt. Der Hornfels ist ein feinkörnig krystallinisches Ge- 
stein, sehr fest und zähe, hell, schmutziggelbgrau oder rauchgrau, 
von splittrigem Bruch. Er überzieht sich mit einer dünnen braunen 
Verwitterungsrinde und widersteht dann hartnäckig den Atmosphäri- 
‚ lien, Die Schichtung gewöhnlich sehr undeutlich, Schieferung selten, 


182 


oft zerklüftet wie der Granit. Er zeigt mehrfache Abänderungen am 
Rehberg, in Sieberthal, Achtermannshöhe, Sonnenberg mit krystallini- 
schen Ausscheidungen von Feldspath und Quarz, selbst Glimmer an 
der Treseburg, Turmalin am Ilsestein. Mit dem Hornfels eng ver- 
bunden ist oft Kieselschiefer ganz verschieden von dem in der Grau- 
wacke und deren Thonschiefer. Er ist hier ein ganz dichtes schwar- 
zes oder dunkelgrünes Gestein im Bruch flachmuschelig oder splitt- 
rig, chemisch nur wenig vom Hornfels verschieden. — 2. Quarz- 
fels. Zwischen Treseburg, Hexentanzplatz und Friedrichsbrunn fehlt 
der Hornfels an der Grenze des Granitit. Hier ist der Thonschiefer 
zertrümmert und von Quarzgängen durchsetzt. Der Quarz ist kör- 
nig bis dieht, stark hellglänzend, weiss, gelblich oder grau. Weiter 
vom Granit ab verschwindet er. Zwischen Harzburg und Wernige- 
rode begrenzt ein eigener Quarzfels den Granit, derselbe ist grau, 
feinkörnig, deutlich geschiefert, aus einem Schiefer oder Grauwacke 
entstanden. — 3. Quarzsandstein tritt zwischen der Quelle der 
Sieber bis zur steilen Wand auf am Granit, bestehend aus runden 
oder eckigen Quarzkörnern mit Quarzbindemittel und Quarzkrystal- 
len. Er gehört zur ältesten Kohlenbildung und ist fest mit dem Gra- 


nit verbunden. — 4. Gneiss im obern Theil des Radauthales, an 
der Baste und im Eckerthale ist oft verkannt, von Jasche sogar zum 
Hornfels verwiesen, weil sehr feinkörnig. — 5. Diorit nur an der 


Rosstrappe und nur wenig 1000 Schritt breit doch in einer grobkör- 
nigen und einer feinkörnigen Varietät, mit Epidot auf Kluftflächen. 
— 6. Gabbro im Radauthale und Eckerthale von Granitgängen durch- 
setzt. — 7. Diabas an nur einer Stelle im Ockerthale durch Horn- 
fels vom Granit getrennt. — 8. Chloritschiefer wenige Zoll und 
Fuss am Meineckenberge, wahrscheinlich Lager oder Stöcke bildend 
im Granit. — 9. Syenit erstreckt sich von den Hohneklippen durch 
das Dumkuhlenthal bis zum Drengethale von Quarzgängen durchsetzt. 
— (Neues Jahrb. f. Mineral. 1862. 769. 859.) 

Lipold, Parallele des Barrandeschen Silursystems 


und des englischen. — Die Schichten von 
Obersilurisch in Böhmen in England 
Hlubocep K Passagebeds 
Branik G Ober Ludlow 
„.gal: Aymestrykalk 
Konieprns Eh | Er Ludlow 
Kuhelbad E Wenlockkalk 
'Litten E Wenlockschiefer 
Untersilurisch 
Kossow und Königshof d® | 
Zahoran d 
Vinie as ) Caradoc 
Brda a2 \ 


Rokycan  ) d!ı Lilandilo 
Komorau 


183 


ı | Stiverston 
Span i | Upper Lingula Flags 
SE c \ Lingula Flags 
Pribram 
Pribram (Schiefer etc.) Cambrian System 
(Jahrb. kk, geol. Reichsanst. XII. 284.) 
Ad. Pichler, zur Geognosie Tyrols. — In dem noch 


nicht näher untersuchten Gebirgsstocke des Stanerjoches S. vom 
Achensee in NW Richtung von Jembach nach der Lamsen ziehend 
ist sehr wichtig das Auftreten der untern Trias in grosser Mächtig- 
keit zwischen den Wänden des Hallstätter Kalkes und selbst in dem- 
selben auf dem Saukopfe am Abhange gegen das Innthal bei 6000‘ 
Höhe. Höher steht in weitrer Umgebung der bunte Sandstein nicht 
an. Zugleich besitzt hier das Salzgebirge eine bedeutende Mächtig- 
keit. Am Bärenkopfe dem letzten NAusläufer gegen den Achensee 
legen sich sanfte Hügel vor, bisher für Diluvialschotter gehalten, aber 
es sind die Gesteine des Haselgebirges und darüber Muschelkalk. 
Daran lehnen sich Felsen von Mitteldolomit. Im wunderschönen Pro- 
fil des Tristenkopfes zu unterst das Haselgebirge mit Gyps und den 
bekannten Pseudomorphosen nach Steinsalz, dann Rauchwacke, darauf 
untrer Alpenkalk (Gümbels Muschelkalk), und endlich der obere lichte 
Alpenkalk. Ausbisse von Salzthon an mehreren Orten, auch auf 
der NSeite des Falzthurnthales im Sattel zwischen Bellerkor und Sonn- 
joch in 5000° Höhe. Mit dieser Ausdehnung darf sich der Salzstock 
von Hall nicht im entferntesten messen. Partnachschichten fand P. 
auf diesem Gebiete nirgends. Er untersuchte auch die Kalkalpen 
von der Martinswand bis Hall, zumal die Virgloriakalke. Mögen 
diese nun nach Richthofen zum Keuper oder nach Gümbel zum obern 
Muschelkalk gehören: so sind sie doch im Stallenthale, wo Partnach- 
schichten fehlen, dem obern Alpenkalk sehr nah gerückt, ebenso wie 
die Kalke mit Wülsten an der Frauhütt, im Stallenthale, im Kaiser- 
gebirge weit über den eigentlichen Guttensteinerkalke an der Grenze 
des obern Alpenkalkes liegen. An vielen Punkten zwischen Inns- 
bruck und Hall und andern Gegenden treten aber noch sehr eigen- 
thümliche Verhältnisse auf, So im Profil über das Thaurer Schloss 
liegt unter dem Diluvialschotter bunter Sandstein, dann Guttensteiner 
Kalk, das Schloss selbst steht auf prächligem Virgloriakalk,, darauf 
schwarze Schieferthone, dunkelgraue weissadrige Kalke, diese mit 
Schieferthonen wechselnd, in den Schieferthonen stellenweise Sand- 
steinschichten oft mit Cardita crenata, Ostraea montis caprilis und 
Pentacrinus propinguus, darauf in der Schlucht oder dem Thaurer 
Schlosse wieder Kalk mit Schieferthonen und Sandsteinen; der Kalk 
geht allmählig in Dolomit über, der von Absan bis zur Martinswand 
reicht. Der Dolomit geht wieder in jenen Kalk über, und diesem 
liegt der obere Alpenkalk unmittelbar auf ohne Spur von Partnachschich- 
ten. Achnliches zeigt das Kaisergebirge in dem Graben über Schef- 
fau. Wohin soll man diesen ganzen Schichtencomplex zwischen un- 


184 


terer Trias und obern Alpenkalk stellen? Vielleicht ist hier ein. St. 
Cassian im engern Sinne. P. gelang es ferner den Mitteldolomit, die 
Gervilliaschichten, untere und obere Lias (Adnether Kalke, Flecken- 
mergel), der obere Jura (Aptychenschichten) und stellenweise das 
Neocom von der Wanderalm bei Hall über das Gebirge über Kloster 
Ficht durch das Stallenthal bis zum Lampsenpasse zu verfolgen, wo 
diese Formationen durch Ueberschiebung verdeckt sind, und alsogleich 
bei der Bimsalm wieder auftreten. — (Jahrb. geol. Reichsanst. XI. 
531— 532.) 

K. A. Zittel, die obere Nummulitenformation in Un- 
garn. — Dieselbe hat im Gegensatz zu der ausgedehnten Masse 
des untern Nummulitenkalkes in Ungarn nur Auftreten in kleinen 
Becken, deren Zusammenhang durch jüngere Schichten verdeckt ist. 
Kohlenversuchs- und Abbaue haben neuerdings mehr Aufschluss ge- 
währt, aber immer noch nicht befriedigende. In der Gegend von 
Gran erscheint sie als Hügelreihe entlang der Donau zwischen Ba- 
jot, Piszke und Nagy-Sap. Weit davon ein andrer Aufschluss am 
SO-Abhange des Bakonyer Waldes bei Stuhlweissenburg und bei Ko- 
vacsi, wo sie auf unterm Nummulitenkalk lagern. Das Profil bei To- 
kod zeigt folgende Gliederung: a) Marinebildung: feinkörniger Num- 
mulitensandstein und 18° sandiger Nummulitenkalktegel mit Cerithium 
striatum, calcaratum etc. b) Süsswasserbildung: 3° Fürstenflötz, 1’ Kalk- 
mergel, 24° Oberflötz, 3‘ Süsswasserkalk, 15‘ Unterflötz und liegender 
Mergelschiefer. Das Profil bei Dorogh: 36° Löss, 42' Sand, 72° pla- 
stischer Thon, dann a) die marine Bildung: 92‘ Tegel mit Cerithium 
striatum und calcaratum; b) die Süsswasserbildung: Mergel mitschlech- 
ten Süsswasserschnecken, Hauptkohlenflötz, drei kleinere Kohlenflötze 
mit dünnen Mergelmitteln, liegende Mergelschicht, Dachsteinkalk. 
Die in den marinen Schichten auftretenden Nummuliten sind N. va- 
riolaria, contorta, laevigata. Es erhellet, dass die obere Nummuliten- 
formation den unteren Nummulitenkalk, dessen Petrefakte gänzlich ver- 
schieden sind, direet überlagert und dass dieselbe in Ungarn aus 
einer untern Süsswasserbildung mit Kohlenflötzen und aus einer obern 
marinen Bildung zuweilen mit grossen Massen von Nummuliten zu- 
sammengesetzt ist. Die Süsswasserschnecken sind so mangelhaft, 
dass sie sich nicht sicher bestimmen lassen. Von den 62 marinen 
Conchylien, welche Verf. hier beschreibt, stammen 41 von Grau und 
30 von Forna. Nur 9 Arten kommen an beiden Localitäten vor, da- 
runter die gemeinsten. 19 Arten sind hier eigenthümlich, mit Ronca 
23 Arten gemeinsam, mit andern gleichaltrigen Localitäten nur 13, 
welche also die eigentlichen Leitmuscheln bilden, nämlich Fusus Noae 
Lk, Cerithium striatum Defr, auriculatum Cchl, plieatum Brng, troch- 
leare Lk, Ampullaria perusta Brgt, Diastoma costellata Lk, Corbula 
semicostata Bell, Pholadomya Puschi Gf, Psammobia pudica Brest, 
Cardium gratum Dech. Mit dem Grobkalk 22 Arten gemein, aber 
nur 12 mit dem mittlern Meeressande des Pariser Beckens, 9 mit dem 
Londonthon wie auch mit der untern Nummulitenformation, nämlich 


185 


Marginella ovulata Lk, Fusus maximus Dech;, rügosus Lk, Turritella 
earinifera Dech, Corbula semicostata Dech, angulata Lk, Pholadomya 
Puschi Gf, Cardium gratum Dech, welche fast sämmtlich auch im 
Pariser Grobkalk sich finden. Die grösste Uebereinstimmung hat 
also die obere Nummulitenbildung Ungarns mit Ronca und dem Pari- 
ser Grobkalk. Dieselbe ist aber ferner keine locale Facies des un- 
tern Nummulitenkalkes, sondern eine davon verschiedene Stufe und 
überlagert jene. — (Wiener Sitzungsberichte XLVI. 353—395. 3 Tff.) 

Fr. Wenkenbach, die Erzgänge an der untern Lahn 
und dem Rhein im Nassauschen. — Der N-Theil dieses Erz- 
gebietes gehört zum Westerwalde, der südliche zum Taunus. Das- 
selbe wird vom Lahnthal und dessen Seitenthälern tief durchschnit- 
ten und seine Gebirge bilden Plateaus, die in langgezogene Rücken 
auslaufen. Die ältere rheinische Grauwacke erscheint als Hauptge- 
stein, bestehend aus quarzigen Sandsteinen, sandigen Schiefern und 
blauen Thonschiefern. Hauptstreichen des rheinischen Schiefergebirges 
h. 4-5, Schichtenfall 300°—90° meist SO, bisweilen NW. Von pluto- 
nischen Gesteinen treten Porphyre und Grünstein auf, von vulkanischen 
Trachyt nur bei Arzbach, Basalte mehrfach und Bimsteinsand. Die 
Gangzüge haben eine mehr minder parallele Lage. Der liegend- 
ste Zug ist der Emser, da andre dem Preussischen angehören 
oder im Naussauschen noch nicht genügend bekannt sind. 1. Auf 
dem Emser Gangzuge bauen die Gruben bei Dernbach, Arzbach, 
Ems, Oberlahnstein, Braubach, auf 6 Stunden Erstreckung. Das Vor- 
kommen der einzelnen Gangmittel ist an eine Schieferschicht h. 3 SO 
fallend gebunden, welche aus blauen Grauwackenschiefern mit Nestern 
fester Grauwacke besteht, über und unter sich Grauwackenschichten 
hat, durch ein liegendes Hauptbesteg und ein hangendes begleitet 
wird. Die Mächtigkeit der Schieferschicht beträgt über 80 Lachter. 
Dem hangenden Hauptbestege liegen die Erzmittel vorzugsweise im 
Liegenden, bezüglich im Liegenden dessen verlängerter Streichungs- 
linie wnd weichen in ihrem Streichen mehr minder von der Haupt- 
streichungsrichtung ab. Die einzelnen Gangmittel werden durch be- 
deutende Klüfte von einander getrennt und oft stark verworfen. Sie 
haben ein steil südliches, bisweilen auch widersinniges Fallen und 
eine Länge von 2 bis 120 Lachter, eine Mächtigkeit von 1 Fuss bis 
mehrere Lachter. Die Erzmittel setzen nur in den Bergrücken auf, 
unter den Thälern pflegen die Gänge taub zu sein. Die Gangart be- 
steht aus festem oder zerklüftetem Quarz und Grauwackenschiefer, sehr 
untergeordnet aus Kalk- und Bitterspat. Die Haupterze sind silber- 
haltiger Bleiglanz und Bleierde, ausserdem Kupfer- und Schwefelkiese, 
Fahlerz, Weissbleierz, Grün- und Braunbleierz, Braun- und Spathei- 
senstein, Kupferziegelerz, Rothkupfererz, Kupferlasur, Malachit, Ko- 
baltkies, Nickelarsenikglanz, Bournonit, Bleivitriol, gediegen Silber 
und Kupfer. Das Ausgehende der Gänge bildet meist Brauneisenstein, 
der in der Tiefe in Spatheisenstein übergeht (ganz so auch im Unter- 
harze bei Strassberg), dann folgen gesäuerte und in grösserer Tiefe 


3XI. 1863. 13 


186 


Schwefelerze. Die Eisenerze bleiben unverwerthet. Der Bleiglanz 
erscheint oft dicht als Bleischweif, meist jedoch fein- und grobspei- 
sig und auch grobblätterig; die Blende meist grobblättrig; Weissblei- 
erz meist in Begleit von Brauneisenstein, häufig in grossen schönen 
Krystallen; Grün- und Braunblauerze oft schon krystallisirt; Kupfer- 
und Schwefelkies derb und krystallisirt. Die Gangmasse hat eine 
massige Structur, bisweilen Neigung zum bandartigen, ist häufig sehr 
zerklüftet, die Gangmittel mit dem Nebengestein verwachsen, selten 
mit deutlichen Saalbändern, oft aber mit Ausläufern und Nebengestei- 
nen. Die Vertheilung der Schwefelerze ist auf allen Mitteln dieselbe, 
doch sind einzelne Mittel vorzugsweise blendig, andere beherrscht 
Bleiglanz, nur wenige Kupferkies. Die obern Weisbleierze bilden 
mit Brauneisenstein besondere Mittel. Der Nickelarsenikglanz bildet 
ein im Fahnenberger Mittel eingelagertes Nest. Wo die Gänge im 
Grauwackenschiefer aufsetzen, liefern sie die besten Erze; in Berüh- 
rung mit fester Grauwacke sind sie rauh und verdrückt. Kleine 
Klüfte theilen die Mittel oft in Trümer und sind bei einiger Stärke 
mit blauen Letten und Erzbrocken ausgefüllt. Verdrückungen sind 
häufig, ebenso Vertrümerungen. Verf. durchgeht nun die einzelnen 
Gruben und die schöne Aussicht bei Dernbach baut auf einem gros- 
sen Nest, Silberkaule bei Arzbach, Merkur bei Ems mit 7 Gangmit- 
teln, Bergmannstrost bei Nievern, Friedrichssegen bei Oberlahnstein 
mit 18 Erzmitteln, Rosenberg bei Braubach mit mehren Mitteln. — 
9, Der Mahlberger Gangzug zeigt auf der einzigen Grube nur 
kurze Erzmittel in unregelmässiger Lagerung, derben Bleiglanz und 
Blende führend. — 3. der Hömberg-Dansenauer Gangzug baut 
auf drei Gruben: Kaltebach bei Hömberg auf 3‘ Mächtigkeit im Grau- 
wackenschiefer mit Quarz und Schiefer Blende, Kupferkies und Blei- 
glanz; Oberberg bei Dansenau zwei Gänge aus Quarz und Grauwacke 
in Thonschichten und Kupferkies, ebenso auf Nonnengrube. — 4. Win- 
dener Gnadenzug mit folgenden Gruben: Gossengraben bei Ga- 
ckenbach vier Gänge mit Bleiglanz und Blende; Anna bei Winden 
fünf parallele Gänge im Grauwackenschiefer mit Kupferkies, Bleiglanz, 
Blende, silberreichen Fahlerzen, vielfach gestört; Pauline bei Scheurn 
vier Gänge ebenfalls in Grauwackenschiefer mit Blende und Bleiglanz; 
Morgenröthe bei Dahlheim ein sehr schwacher Gang mit Bleiglanz, 
Blende, Spateisenstein, Grauspiessglanz, Kupfer- und Eisenkies. — 
5. Weinährer Zug besteht aus 85 Lachter Breite. Der erste Gang 
führt Kupferkies mit Quarz, auch Blende und Bleiglanz; die beiden 
folgenden nur Kupfererze; der vierte 1° mächtig sehr edle Kupfererze, 
der letzte Blei- und Kupfererze. — Holzappeler Gangzug auf 
7 Stunden Länge bekannt, von Holzappel und Obernhof, Geisig, 
Weyer bis Wellmich und jenseit des Rheines, mit fünf Gängen. Das 
hangende Trum ist nur durch die Grube Leopoldine-Louise bekannt. 
Der zweite oder weisse Gebirgsgang besteht aus einem weissen kal« 
kigthonigen, von Quarz durchsetzten Gestein mit erzführenden Quarz- 
trümern im Hangenden und Liegenden. Der Hauptgang sehr erz- 


187 


reich. Das liegende Trum führt vorzugsweise Kupfererze. Alle vier 
werden von einem Quergange durchsetzt. Das Nebengestein ist Grau- 
wacke und Grauwackenschiefer h. 4 mit 460 SO fallen, die Gänge 
h.4,4 mit 500 SO fallen, der Quergang h. 1,2 mit 750 SO Einfall und 
nie über 2° mächtig. Klüfte verwerfen die Gänge. Auch Verdrückun- 
gen und Vertrümerungen kommen vor, und sogenannte Bänke, d.h. 
der Gang nimmt plötzlich ein schwächeres Fallen an, legt sich auch 
wohl ganz söhlig, geht ins Hangende fort und nimmt seine frühere 
Fallrichtung wieder an. Die Bänke verursachen oft Taubheit, gänzli- 
ches Verschwinden, doch auch gute Erzführung. Die gewöhnlichsten 
Erze sind: silberhaltiger Bleiglanz, Weissbleierz, Blende, Kupfer- 
und Schwefelkies, Fahlerz, Spateisenstein, selten gediegen Silber, 
Grün- und Vitriolbleierz, die Gangarten Quarz und Thonschiefer, das 
Ausgehende Quarz, in der obersten Teufe auch Brauneisenstein mit 
Weissbleierz bis zu 40 Lachter Teufe. Meist deutliche Saalbänder, 
und bisweilen Verwachsung mit dem Nebengestein. Die wichtigsten 
Gruben dieses Zuges sind Holzappel bei Dörnberg die bedeutendsten 
mit 500 Lachter Länge bauwürdiger Erzmittel, Leopoldine bei Obern- 
- hof, Kux bei Nassau, Rauschethal bei Singhofen, Basselstein bei Gei- 
sig, gute Hoffnung bei Wellmich. — Der letzte Gangzug hat nur 
die Zeche Oranien bei Obernhof im blauen Thonschiefer mit Blende 
und Bleiglanz. Die früheste sichere Nachricht über diesen Bergbau 
gibt 1158 an, im 14. und 15. Jahrhundert stand er in Blühte, wurde 
dann auflässig, im J. 1662 wieder aufgenommen und seitdem mit 
wechselndem Erfolge fortgesetzt. Der Bau auf dgm Holzappeler Zuge 
ist älter, soll schon von Tacitus erwähnt sein. Im Jahre 1860 betrug 
die Förderung auf der Grube Mercur 16738 Centner Bleierze, 4818 
Blende und 20 Kupfererze, auf Bergmannstrost dieselben Erze in 
6003, 1116, 110 Centner, auf Friedrichssegen 14190 Bleierze und 2586 
Blende, auf Rosenberg 1684 Bleierze, 250 Blende, 56 Kupfererze, auf 
Holzappel 43818 Bleierze und 42760 Blende. — (Nassauer Jahrbücher, 
AVI, 266 — 303.) 

v. Dechen, die vulkanische Hügelgruppe bei Ocht-- 
endung. — Der höchste Hügel der Gruppe der Gross Wannen misst 
302‘ Meereshöhe, 300° über Ochtendung. Die Länge der Gruppe von 
O nach W beträgt 560 Ruthen, die Breite 430 und 360 Ruthen. Auf 
der O-Seite der durchführenden Strasse liegt der grosse und kleine 
Wannen mit anreihenden Hügeln, auf der W-Seite die übrigen. Der 
Gross Wannen, Michelsberg und Rotheberg sind deutliche Krater. 
Am Gross Wannen ist der Krater gegen SO offen, der höchste Punkt 
seines scharf zulaufenden Walles liegt ziemlich in der-Mitte, vor der 
Oeffnung ein niedriger von den Schenkeln des Walles getrennter 
Rücken. Die Lager der Schlacken und Lavastreifen fallen auf der 
Aussen- und Innenseite des Kraters der Oberfläche ziemlich parallel. 
Der Krater des Michelsberges öffnet sich gegen N, sein Wall ist in 
der Mitte am niedrigsten und die Schenkel erheben sich kuppenför- 
mig gegen ihre Enden, am O-Schenkel ist die innere und äussere 


13* 


188 


Böschung 220, Von demselben ziehen mehrere niedere Kuppen nach 
dem N-Eiterkopfe. Der Kraterwall des Roiheberges ist halbkreisför- 
mig, gegen ONO geöffnet, sein höchster Punkt S von der Mittellinie, 
die Schenkel neigen sich stark nach der Oeffnung hin. An den W- 
Schenkel schliessen sich die beiden Eiterköpfe und der Taumen in 
SO-Richtung als gesonderte Kuppen an. Ganz eigenthümlich ist der 
zwischen Michelsberg und Rotheberg gelegene Langenberg, ein schma- 
ler dachförmiger Rücken mit fast horizontaler Firste im SW nach NO 
882‘ hoch. Der von vom Rath beschriebene Eisenglanz ist ungemein 
häufig im N-Eiterkopfe, in einer Schlackenpartie am Rotheberge, an 
der innern Kraterseite des Roderberges bei Rolandseck, am Wartes- 
berge bei Schutzalf. Der Eisenglanz wurde nur wenig später nach 
der Entstehung der Schlackenberge gebildet unter Einfluss von Chlor 
dessen Entwicklung bei Ausbrüchen der von Schwefel und Kohlen- 
säure vorausgeht und den Auswürfen geschmolzener und glühender 
Silikate zunächst folgt. Nicht allein auf der sanft geneigten Fläche 
um diese Hügelgruppe finden sich Bimssteinlager und Löss, sondern 
beide erheben sich auch zu ansehnlichen Höhen. — (Kheinländ. Ver- 
handlungen AIX. 45—47.) 

Derselbe, Lagerung zweier Lavaströme über einan- 
der bei Niedermendig. — Längst schon kennt man in der Mühl- 
steingrube bei Niedermendig in der Olligschlägerkaul zwei Lavaströme 
über einander durch 8‘ vulkanischen Tuff getrennt. Neuerdings ist 
nun auch in dem SO-Theile des Lavastromes ein ähnliches Verhält- 
niss aufgeschlossen gyorden, In einem Brunnen ist der Lavastrom 
mit gewöhnlichem Haustein 24‘, mit Dielstein 41/3‘ mit Schlacken 21/a‘ 
stark durchbrochen. Darunter liegt gelblich röthlicher vulkanischer 
Tuff 2‘, dann folgt der untre Lavastrom, der mit Schlaken 6° mäch- 
tig anfängt, unter diesem gewöhnliche Lava, welche wie die obre Ne- 
phelinlava ist. — (Ebenda 47—48.) 

Vogelsang, Kugelporphyr und Kugeldiorit von Cor- 
sika. — Erstrer findet sich an der unbewohnten Westküste an 
dem prächtigen Felsengolf von Porto. Von S her die interessante 
Granitpartie von la Piana verlassend und im Tiefsten des Golfes den 
Portofluss überschreitend gelangt man auf der N-Seite der Bucht in 
dunkeln Schiefer mit deutlicher Schichtung aber dicht und grünstein- 
artig und doch mit Kohlenflötzen und Steinkohlenpetrefakten. Dieses 
Kohlengebiet ist von vielen Porphyrgängen durchbrochen mit OW- 
Streichen und die Schichtung meist rechtwinklig durchsetzend zumal 
zwischen Curzo und Osani in mächtigen hohen Mauern aufsteigend. 
Die meisten bestehen nur aus dichtem Quarzporphyr mit gelblichgrü- 
ner Grundmasse und kleinen Krystallen von Quarz und rothem Feld- 
spath. Nur drei Gänge enthalten auch Kugeln. Der eine gelbliche 
Kugelporphyrgang ist 6° mächtig, der andere ist roth, der dritte wie- 
der gelb und 2 Lachter mächtig. Letztrer häuft die Kugeln an den 
Gangflächen an und ist in der Mitte fast leer. Die Kugeln sind Ya 
—2‘ dick, fallen leicht heraus und zeigen auf der Oberfläche blasige 


189 


Erhöhungen, im Innern eine strahlige Streifung. In der Mitte be- 
findet sich entweder dichte Porphyrmasse oder ein grosser Feldspath- 
krystall und um diese haben sich längliche weisse oder gelbliche Kör- 
per sternförmig gruppirt und durch Quarzmasse verbunden. Jene 
Körper sind keine Krystalle. Feldspath- und Quarzkrystalle sind auch 
in der Masse der Kugeln vertheilt, aber stehen in gar keiner Bezie- 
hung zur Kugelform, sind vielmehr unregelmässig zerstreut und oft 
von dichter durchscheinender Porphyrsubstanz umhüllt. Diese zeigt 
häufig einen ganz runden Durchschnitt, also die Kugelbildung-im Klei- 
nen; stets sind die Formen von einem hellen Hof umgeben und durch 
Quarzmasse verbunden. Dunkelmetallische Krystalle im Porphyr und 
in den Kugeln scheinen Schwefelkies zu sein. Häufig sind mehre Ku- 
geln traubig verwachsen, aber im Durchschnitt die Strahlen benach- 
barter durch feine Quarzlinien getrennt. — Der schöne Kugeldiorit 
(bei Ajaceio nicht vorkommend) tritt im S der Insel auf unweit Sar- 
tene am äussersten Vorsprung des Gebirgsrückens, welcher das Thal 
der Rizzanese von dem des Fiumicicoli trennt. Das Hauptgestein 
ist Granit und Syenit, der Rücken aber dicht bewaldet, nur stellen- 
weise der Kugeldiorit entblösst zur Gewinnung von Handstücken. Auf 
der Höhe des Berges sind ganz weisse Feldspathkugeln aus einem 
krystallinischen Gemenge derselben Substanz mit grüner Hornblende 
ausgeschieden, weiter südlich erscheinen auf dem Durchschnitte der 
Kugeln um einen Kern von krystallinischem Gemenge abwechselnd 
weisse und grüne Ringe von Feldspath und Hornblende. Die Horn- 
blendenadeln lagern nicht regelmässig zur Kugelform. Der Feldspath 
ist Anorthit. Glimmer kömmt in allen Varietäten vor, auch Quarz- 
körnchen und Magnetkies. Die Vertheilung der Kugeln in der Masse 
ist eine sehr ungleichmässige. Ob die Grünsteinmasse Gänge im 
Granit bilden, lässt sich nicht erweisen. Weiterhin bei Mela und Le- 
vie aufgeschlossen ist das Gestein fast schwarz, die Hornblende dunk- 
ler und reichlicher und die Kugeln im Innern ohne concentrische 
Kreise und strahlige Zeichnung und hornblendreicher. Dieses Ge- 
stein bildet grosse Blöcke, welche durch Granitmasse verkittet sind. 
Sind es fremdartige eingewickelte Massen oder basische Concretionen 
im Granit? Das eine nach der Art des Vorkommens, das andre nach 
der gewöhnlichen Theorie minder währscheinlich. — Die gewöhnlichen 
Kugelbildungen der Grünsteine, Basalte, Mandelsteine sind von die- 
sen völlig verschieden. Am ähnlichsten sind noch die Granitkugeln bei 
Schwarzbach im Riesengebirge, die Porphyrkugeln in den sächsischen 
Pechsteinen, die Sphärolithe in Obsidianen und Perlsteinen. Künst- 
liche erzeugt eine Glashütte in den Pyrenäen durch langsames Ab- 
kühlen eines alkalireichen Glases. Wenn ein heissflüssiges Magma 
erstarrt, so kann durch ungleichmässiges Erkalten an einzelnen Punk- 
ten stärkere Contraction der Masse und hierdurch kugelige Absonde- 
rung bewirkt werden. Tritt dieser Umstand nach Ueberschreitung 
des Erstarrungspunktes der einzelnen Mineralien ein: s0 entstehen 
nur concentrischschalige Körper wie in vielen eruptiven Gesteinen. 


190 


Tritt aber die Tendenz zur Kugelbildung ein, während auch noch 
eine Trennung des Magma in einzelne Mineralien Statt finden kann: 
so wird naturgemäss eine bestimmte Anordnung derselben nach dem 
Mittelpunkte zu bewirkt werden. Bei dem Kugeldiorit mit weissen 
Kugeln finden wir eine krystallinische Ausscheidung eines einzelnen 
Minerales; bei der zweiten Varietät ist ebenfalls nur der Feldspath 
radial krystallinisch, die grünen Ringe wahrscheinlich nur durch me- 
chanisch eingeschlossene Hornblendetheilchen entstanden beweisen 
aber eine gewisse Periodicität. Als Kern haben wir hier eine kör- 
nige Grundmasse. Bei der dritten dunkelsten Varietät sind die Ku- 
geln aber nur Verdichtungen der krystallinischen Masse. Bei dem 
Kugelporphyr hat entweder ein Krystall oder dichtere Masse das Mo- 
ment zur Kugelbildung abgegeben und zwar nachdem die Ausschei- 
dung der krystallinischen Mineralien beendet war, denn diese finden 
sich unregelmässig in den Kugeln zerstreut. Es ward aber noch hya- 
liner Quarz in die Contraktionsspalte abgesondert, welcher auch die 
kleinen Porphyrkörperchen durchdrang. Diese Ausscheidung mag 
noch wie die ganze Kugelbildung eine Folge der Erstarrung sein, 
mit Rücksicht auf die eingeschlossenen Quarzkrystalle und die fleisch- 
roihen Orihoklase ist sie jedenfalls secundär. Dass eben die ganze 
ungewöhnliche Struktur eine Folge eigenthümlicher Erkaltung sei, 
dafür spricht deutlich die Anhäufung der Concretionen nach den Gang- 


flächen hin. — (Edda 185—192.) @l. 
Oryetognosie. Haidinger, Pseudomorphosen von 
Glimmer nach Cordierit. — Dieselben wurden bei Greinburg 


im Mühlkreise von Oestreich ob der Enns gefunden und haben 2“ 
Länge bei 1° Dicke, sind in Quarz eingewachsen und auf dieser Seite 
gut ausgebildet, auf der entgegengesetzten stossen sie wie aufge- 
wachsen an ein körniges Orthoklasgestein an. Es sind gewöhnliche 
zwölfseitige Prismen mit Endfläche, ganz analog den Piniten. Im In- 
nern mehr die Struktur des Chloropbyllits, die Glimmerblättchen so- 
wohl auf den Endfiächen und parallel denselben und den Krystall- 
schalen als auch parallel allen Prismenflächen abgelagert, so dass 
eine scheinbare Spaltbarkeit in diesen Richtungen entsteht. Keine 
Spur des ursprünglichen Cordierits mehr übrig, überall die Härte 
2,5—3,0, Gewicht 2,646. Die Analyse ergab 44,94 Kieselerde, 24,90 
Eisenoxyd, 13,18 Manganoxydul, 2,64 Magnesia, 8,94 Kali, 2,06 Natron 
und 2,74 Glühverlust. Das führt auf die Formel 2Ka0.3SiQ0, + 
2Al,0;.38i0, jene Verbindung von Kalitrisilicat mit Thonerde Sin- 
gulosilicat, während der ursprüngliche Cordierit aus 2 Magnesiabisili- 
cat und 1 Thonerdesingulosilicat bestand. — (Jahrb. geol. Reichs- 
umsi. AIL 304.) 

Heymann, Pseudomorphosen von Glimmer nach An- 
dalusit. — Im Schrifigranit von der Blötze bei Bodenmais fehlt 
Glimmer als wesentlicher Gemengtheil gänzlich. Das Korn der Fels- 
art ist sehr grob und sie geht durch Aufnahme von krystallisirtem 
Kalislimmer in einen grobkörnigen Granit über. An der Grenze 


191 


beider Gesteine finden sich viele Andalusitkrystalle und minder häu- 
fig Pinitkrystalle. Man überzeugt sich, dass der Pinit nur eine 
Mittelstufe der Umwandlung von Cordieritkrystallen in Glimmer bil- 
det und kaum als besonderes Mineral betrachtet werden darf. Bei 
den Andalusitkrystallen ist die Ueberzeugung, dass eine Pseudomor- 
phose in Glimmer obwalte, nicht so leicht zu gewinnen und sind 
solche Stücke für Andalusit mit eingeschlossenem Glimmer erklärt. 
Aber im Schriftgranit kommen bisweilen kleine Glimmerpartien vor, 
welche nach der Grenze gegen den grobkörnigen Granit häufiger wer- 
den, niemals Krystallformen zeigen, sondern andalusitische Säulen. 
Der Glimmer in dem Andalusit ist hellweisser Kaliglimmer, der im 
Cordierit ein grünlichbrauner Magnesiaglimmer. Aus dem Schriftgra- 
nit selbst können sich hier weder die Räume der Andalusitkrystalle 
nach der Zersetzung mit Glimmer ausgefüllt haben, noch ist anzuneh- 
men, dass die Krystalle bei ihrer Entstehung den Glimmer einge- 
schlossen hätten und nach Extrahirung der Andalusitmasse dann der 
Glimmer allein zurückgeblieben sei. Die theoretische Erklärung der 
Umwandlung dürfte durch Bischofs Annahme der Zuführung von Kali- 
salzen nach der Teufe, bei Zersetzung des Feldspathes der Bergkup- 
pen und Umwandlung desselben in Kaolin genügend festgestellt sein. 
— (Rheinländ. Verhandl. ZIX, 184.) 

Heymann legte der niederrheinischen Gesellschaft Grenge- 
sit im Melaphyr vor aus dem Fischbachthale unweit Herrstein im 
Fürstenthum Birkfeld. Die knollenartigen Massen des Grengesits sind 
theils nur an den Rändern, theils ganz in Delessit umgewandelt, und 
wie die Stücke des Fassathales ein Umwandlungsprodukt des Augits. 
— (Rheinl. Verhandlungen XIX, 27.) 

Heymann, Mineralien aus den Golddistrikien Au- 
straliens. — Derbes gediegenes Gold mit Skeleten von Octaödern 
aus dem Alluvium des Distriktes Ballarat; desgleichen stalaktitisch 
aus dem Alluvium des Distriktes Back kreek; goldhaltiges Arsenikal- 
kies in Quarz von White horse reef im Distrikt Maryborough; ge- 
diegen Gold haarförmig in zerfressenem Quarz von ebenda; gedie- 
gen Gold in dünnen Blättchen auf Grauwackenschiefer im Liegenden 
der goldhaltigen Quarzgänge im Chim Crowdistrikt; gediegen Gold 
eingesprengt in Quarz mit Brauneisenstein von Sydney reef im Ma- 
ryborough, desgleichen mit Malachit, Kupferziegelerz und Eisenocker 
in zerfressenem (Quarz, endlich goldhaltiger Arsenikalkies von Munt 
Franklin. Diese Mineralien ergeben mit Sicherheit, dass das gedie- 
gene Gold in den Quarzgängen Australiens eine secundäre Bildung, 
eine Ausscheidung aus andern Erzen ist, welche früher die Drusen- 
räume und Zellen des zerfressenen Quarzes füllten. Das Mineral, 
welches im White horse reef das Gold verlarvt enthalten hat, ist un- 
zweifelbaft der Arsenikalkies, welcher noch an einzelnen Stellen des 
Ganges unzersetzt auftritt. Bei den Stücken von Blakmans reef könnte 
der Malachit und das Kupferziegelerz zu der Vermuthung führen, 
dass hier das Gold in Schwefelkupfererzen verlarvt war. Aber auch 


192 


hier entsprechen die Quarzhöhlen den Krystallformen des Arsenikal- 
kieses. Sogar wo scheinbar das gediegen Gold in dichter Gangmasse 
eingesprengt ist, ist es eigentlich in Drusenräumen und auf schmalen 
Klüften abgesetzt, welche durch Brauneisenstein und secundäre Quarz- 
bildungen wieder ausgefüllt sind. — (Zbda 126.) 

G. v. Rath, Epidotkrystalle aus dem Zillerthale mit 
zwei neuen Flächen und einer eigenthümlichen Durchkreuzungszwil- 
lingsbildung. Die Epidotkrystalle sind sehr verschieden betrachtet 
worden. R. schliesst sich der Stellung von Marinae und Kokscharow 
an, weil nur in dieser der mit dem Epidot isomorphe Orthit betrachtet 
werden kann, nur in ihr die Zwillingsbildung des Epidots dem ge- 
wöhnlichen Gesetze monokliner Systeme entspricht und in ihr die 
deutliche Spaltung des Minerals wie P beim Feldspathe liegt. Wäh- 
rend nun die deutlichste Spaltungsrichtung zur Basis wird, geht die 
zweite Spaltbarkeit der Querfläche parallel. Bekannt waren bisjetzt 
beim Epidot 34 Flächenpaare und 19 Einzelflächen. Die beiden neuen 
Flächenpaare sind positive Hemipyramiden und erhalten nach Kok- 
scharow die Zeichen d — (a‘:!, b:c) + 4PAund & = (!% a’: Ya b:e) 
+ 5P2%. 6ö gehörtin die Diagonalzone von r, £ wird bestimmt durch 
die Zone d:u und q:T. Die Epidotzwillinge aus dem Zillerthale sind 
theils gewöhnlicher Art, theils durchkreuzen sie sich, so dass die 
Individuen mit der Zwillingsebene T und noch mit einer zur Achse 
e senkrechten Ebene sich begrenzen. Es können auf diese Weise 
Combinationen entstehen, welche ein völlig rhombisches Ansehen ha- 
ben. — (Zbda 51.) 

Derselbe, Granit im Thal Maigels am Gotthardt. — 
Derselbe ist bräunlichgelber Kalkthongranat in Dodekaedern mit Leu- 
citoeder und gewöhnlichem Hexakisoctaeder und merkwürdig dadurch, 
dass das Innere der grössern Krystalle nicht aus Granat sondern zum 
grosse Theile aus andern Mineralien besteht und zwar aus grauem 
Epidot, Kalkspath und Quarz. Häufig bilden diese je eines oder zu 
zweien und dreien miteinander gemengt Schalen, welche der äussern 
Form des Granates ungefähr entsprechen. An einem 5‘“ grossen Kry- 
stalle ist die äussere eine Linie dicke Hülle reiner Granat, darunter 
folgt eine Schicht Kalkspath mit Quarzkörnern gemengt, dann eine 
Schicht grauen Epidots, endlich ein Kern von Granat. Häufig be- 
deckt die Granathülle einen fast reinen Kern von Epidot oder ein 
unregelmässiges Gemenge von Quarz, Kalkspath und Epidot ohne 
Granatkern. Die Schichten von Granat und Epidot sind aufs schärfste 
von einander geschieden, so dass die innern Mineralien nicht auf Ko- 
sten des Granates gebildet sein können. Der mit und in den Grana- 
ten vorkommende graue Epidot ist auch nach dem Glühen durch 
Salzsäure nicht zerstörbar, besteht aus 39,1 Kieselsäure, 28,9 Thon- 
erde, 7,4 Eisenoxyd, 24,3 Kalkerde, 0,1 Magnesia, 0,6 Wasser. Zu- 
weilen ist er in deutlichen wenn auch nicht flächenreichen Krystallen 
ausgebildet und ist wirklicher Epidot, nicht Zoisit wie oft angenom- 
men. Wenn nun auch schalenförmige Krystalle mit fremdartigen Sub- 


193 


En 


stanzen nicht ungewöhnlich sind: so erscheinen diese Granaten doch 
merkwürdig. An einem der Granathülle entblössten Krystalle zeigte 
der Epidotkern die Granatform und sogar deren Streifung. Die äus- 
sere Granathülle muss erst entstanden sein und das Innere wurde 
später ausgefüllt. Volger erklärt dieselben als Pseudomorphosen, was 
sie entschieden nicht sind. Wohl aber kommen an derselben Fund- 
stätte Pseudomorphosen von grünlich braunem Epidot in Granatform 
vor, — (Ebda 127.) 

“ Derselbe, Turnerit bei Surrheim im Tavetsch — 
Dieses nur erst vom Berge Sorel im Dauphine bekannte Mineral fin- 
det sich im Tavetsch mit Anatas und Quarz auf Talkschiefer aufge- 
wachsen, in sehr kleinen honiggelben, titanitähnlichen Krystallen des 
monoklinen Systemes. Die Winkel stimmen ungefähr mit denen vom 
Sorel überein. Eine krystallographische Bestimmung des flächenrei- 
chen Krystalles behält sich R. vor. — (Zbda 160.) 

v. Dechen, Mineralien am Laacher See. — In einer 
Druse von körnigem Sanidin liegen mehre theils dünne theils starke 
Säulenkrystalle von Mejonit, der zu den seltenen Vorkommen des Laa- 
cher Sees gehört. Ein anderes Stück besteht aus Sanidin und Glim- 
mer mit vielen rothen Granaten. Das Gestein ist ebenfalls selten in 
Blöcken, die ursprünglich in den Tuffen eingelagert, durch deren Zer- 
störung aber an die Oberfläche gelangen. Ferner ein weisser Tri- 
pel oder Infusorienerde im Tuffstein im Eulenkruge oberhalb Tönnis- 
stein, ganz aus Kieselschalen bestehend. — (Zbda 72.) 

OÖ. Weber, über Moosachate. — Die bei Besselich in Trier 
zu sehr mässigen Preisen käuflichen Moosachate zeigen z. Th. sehr 
deutlich, wie die moosähnlichen Erscheinungen lediglich durch Infil- 
trationen farbiger Substanzen auf Sprüngen und Rissen des Chalee- 
dons entstanden sind. Andere Moosen sehr ähnliche Bildungen las- 
sen bei der microskopischen Untersuchung keinen Zweifel aufkom- 
men, dass sie durchaus nicht pflanzlichen Ursprunges sind. Man sieht 
vielmehr deutlich, wie die färbende Flüssigkeit, meist eine Mangan- 
verbindung, sich flächenartig auf der Oberfläche der Chalcedonschich- 
ten dendritisch ausbreitete aber auch von hier aus quer durch feine 
Löcher des Steines vorgedrungen ist und sich je nach der Porosität 
weiter verbreitete. Man unterscheidet dabei deutlich verschiedene 
Concentrationssphären, indem die Färbung an der blattähnlichen Pe- 
ripberie wegen grösserer Dichtigkeit des Gesteines weniger intensiv 
ist als in der Mitte, wo die Porosität grösser war, dennoch mehr 
Pigment zurückblieb und stengelähnliche Zeichnungen erscheinen; 
wo dabei die Flüssigkeit auf eine Schicht traf, verbreitete sie sich 
auch seitlich in die Flächeneinrichtung und diese seitlichen Ausläufer 
beweisen deutlich, das die zierlichen Zeichnungen nicht von Pflanzen 
herrühren. Nöggerath unterscheidet die eigentlichen Moosachate, in 
welchen die grüne algenartige Substanz aus Delessit besteht, der fa- 
denförmig oder verwischt zertheilt eingeschlossen ist. Die Steine 
mit schwarzen Dendriten aber sind durch Infiltrationen von Mangan- 


194 


oxydullösungen entstanden, es sind Mokkasteine. Dagegen erklärt 
Schaafhausen Achate mit wirklichen gegliederten Fäden also Algen 
zu besitzen. Bowerbank erkannte in sicilischen und obersteiner Acha- 
ten Fasern der Spongia fistularis Lk und Schaffner und Dippel in ost- 
indischen Chalcedonen mit aller Bestimmtheit Algen. — (Zbda 175—177. 
F. Zirkel, Monographie des Bournonit. — Der Bour- 
nonit bricht auf Gängen im krystallinischen Schiefer- und Uebergangs- 
gebirge meist mit Bleiglanz und Zinkblende, doch auch mit Kupfer- 
kies, Antimonglanz und Fahlerz begleitet von Quarz, Kalkspath, Braun- 
spath und Eisenspath. Verf. zählt zunächst die seitherigen Arbeiten 
darüber speciell auf, dann die Orte seines Vorkommens in England, 
Deutschland, Oestreich, Frankreich, Italien, Spanien, Mexiko, Peru und 
Sibirien und geht nun auf eine sehr detaillirte krystallographische 
Untersuchung ein, welche einen kurzen Auszug nicht gestattet. G. Rose 
weicht in der Deutung der Gestalten von andern Beobachtern ab, um 
das Mineral mit Aragonit und Weissbleierz in Beziehung zu brin- 
gen. Es waren bisher 29 Flächen bekannt und zu diesen werden 
noch 11 hinzugefügt. Alle werden krystallographisch bestimmt und 
dann drei Hauptgestalten angenommen: 1. Krystalle, deren Umriss ei- 
nem rectangulären Prisma gleicht, die Flächen 100, 010, 001 sind 
ziemlich im Gleichgewicht und treten scharf hervor; 2. Der allge- 
meine Umriss der Krystalle ist der einer breiten quadratischen Säule 
mit octaedrischer Zuspitzung, die Endfläche a erscheint als kleines 
Quadrat oder Rechteck, die Flächen m und n sind scheinbar im Gleich- 
gewicht und sehr ansgedehnt, desgleichen b und c; 3. Krystalle, 
. welche durch Verkürzung der Achse ce und Ausdehnung der Fläche 
c die Gestalt einer platten aufrecht stehenden Tafel besitzen, an der 
aber stets die Endfläche a auftritt, die übrigen Flächen sind sehr 
schmal. Ausserdem kommen interessante Zwillinge vor. Die Gestal- 
ten werden nun im Einzelnen untersucht. Es gehört zum Bournonit 
der prismatoidische Dystomglanz oder Wölchit von Wölch in Kärn- 
ten. — (Wiener Sitzungsber. ZLV, 431—466. 7 T/f.) @. 
Paläontologie. Fr. Goldenberg, die Pflanzenver- 
steinerungen des Steinkohlengebirges von Saarbrücken 
mit Berücksichtigung der Kohlenpflanzen andrer Localitäten. III Heft. 
(Saarbrücken 1862. Mit 6 Tff.) — Dieses neue Heft beschäftigt sich 
mit den schon vielfach behandelten, aber noch immer nicht vollstän- 
dig aufgeklärten Gattungen Stigmaria, Diploxylon, Lomatophloyos 
und Lepidophloyos und erweitert unsere Kenntniss derselben in er- 
freulicher Weise, Verf. stellt die ersten beiden in die Familie der 
Iso&teae und untersucht zunächst sehr eingehend den Bau von Stig- 
maria und gibt für die fünf hier speciell beschriebenen und abgebil- 
deten Arten folgenden Clavis: 1. Narbe sich fast berührend St. con- 
ferta. — 3. Narben mehr weniger entfernt (3). — 3. Narben ellip- 
tisch in flachen Vertiefungen stehend (5). — 4. Narben rundlich auf 
flachen Erhöhungen stehend (7). — 5. Rinde rissig, um die Narben 
etwas eingedrückt, Aeste kurz und abgerundet, St. rimosa n. sp. — 


195 


6. Narben genähert, Rinde glatt, St. Socolowi. — T. Die Gefässe 
des Holzkörpers porös, Blätter ceylindrisch, an der Spitze oft schein- 
bar gabelig getheilt, St. ficoides. — 8. Gefässe des Holzkörpers trep- 
penförmig, Blätter an der Basis etwas verdickt, St. anabatra. — Von 
Diploxylon werden D. cycadoideum und anabathra beschrieben. Von 
Lomatophloyos aus der Gruppe der Lycopodiodendreen L. crassicaule 
und intermedium n. sp, von Lepidophloyos L. laricinum und macro- 
lepidotum n. sp. Die Beschreibungen gestatten einen kurzen Aus- 
zug nicht und empfehlen wir den Paläophytologen deren Studium. 
Schenk, einigePflanzen des lithographischen Schie- 
fers. — Nach Unger gehört Caulerpites nicht zu den Algen sondern 
zu den Coniferen und soll wegen der Verwandtschaft mit Arthrota- 
xis den Namen Arthrotaxites führen. Die Art A. lycopodioides ist 
im lithographischen Schiefer mit Zapfen gefunden worden. Die Stern- 
bergschen C. princeps, colubrinus, sertularia und elegans und Presl’s 
laxus und ocreatus fallen sämmtlich in A. princeps zusammen, Balio- 
stichus ornatus Stbg ist A. baliostichus, Die vierte Art ist A. Frisch- 
manni. Sch. fand bei Durchsicht der Münsterschen Sammlung Un- 
gers Ansicht bestättigt und noch mehr. Zu A. princeps gehören C. 
bipinnatus von Daiting, Halymenites elegans von Solenhofen und 
St. truncatus von Eichstätt. Zu A. Frischmanni verweist er C. lon- 
girameus von Solenhofen, C. parallelus und intermedius von Eich- 
städt, C. flexuosus von Daiting, alle haben vierzeilig gestellte schup- 
penförmige Blätter und sind unzweifelhafte Astspitzen. Den C. tor- 
tuosus erklärt Unger für eine Alge, was sicherlich falsch ist, aber 
das Originalexemplar gestattet überhaupt keine Deutung. Halymeni- 
tes cernuus gehört gleichfalls zu Arthrotaxites princeps. Halymeni- 
tes nodosus ist keine Alge, sondern ein mit Narben abgefallener Aest- 
chen versehener Zweig einer dikotylen Pflanze, welcher, lässt sich 
aus dem Exemplar nicht ermitteln. Die C. thuiaeformis und expan- 
sus gehören nach den Abbildungen zu urtheilen gleichfalls zu Arthro- 
taxites, nicht zu Thuites. Es ist sehr dankenswerth und verdienst- 
lich, dass die ältern Bestimmungen endlich einer strengen Revision 
unterzogen werden, wo die Originalexemplare vorhanden sind und sie 
sind es glücklicher Weise von den bedeutenden Sammlungen eines 
Münster, Schlotheim u. A., denen unsere Wissenschaft so sehr viel 
verdankt. — (Würzburger naturwissenschaftl. Zeitschr. III. 174—177.) 
Derselbe, über einige Keuperpflanzen. — Equisetites 
columnaris Ettgh. Unzweifelhaft gehören einige Sternbergsche Arten 
zusammen, indem die Scheidenzähne mehr weniger vollständig erhal- 
ten sind, im erstern Falle also den E. cuspidatus, im andern E. co- 
lumnaris und sinsheimicus entsprechen. Ein dem E, areolatus ent- 
sprechendes Exemplar entspricht einem quer durchbrochenen Stengel- 
knoten, wie sie Sternberg als E. Bronni beschreibt. Die übrigen un- 
tersuchten Exemplare gehören Calamites arenaceus an. Alle der Blum- 
schen Sammlung in Heidelberg sind theils aus dem Lettenkohlensand- 
stein von Sinsheim, theils aus dem Lettenkohlenschiefer von Wies- 


196 


bach, dem mittlen Keupersandstein von Malsch und bei Stuttgart. — 
Chiropteris digitata Kurr aus dem Lettenkohlensandstein von Sins- 
heim von Bronn abgebildet findet Sch. im Nervennetz an der Basis 
nicht ganz genau und hält die Ansicht für die Unterseite. — Thau- 
matopteris marantacea aus dem Lettenkohlensandstein von Sinsheim 
in Exemplaren von nicht fructificirenden Fiedern wird beschrieben. 
Neuropteris remota ebendaher gibt auch Gelegenheit zu einer Ver- 
gleichung mit Presl’s Angaben in Sternbergs Flora. — (Zbda 178—180). 

O. Weber, Pflanzenreste im vulkanischen Tuff der 
Vordereifel. — Von Gänsehalse bei Mayen stammen Zweige und 
Blätter entschieden der Rothtanne, Picea vulgaris angehörig, wonach 
die Tuffe der gegenwärtigen Periode angehören. Minder sicher gilt 
dasselbe an den Holzresten in den Tuffen von Rieden, nur wahr- 
scheinlich Picea vulgaris. Wichtiger ist das Vorkommen von Sequoia 
Langsdorfi in den Tuffen von Schutz und in der Nähe von Daun, 
welche also entschieden tertiär sind. — (Rheinl. Verhandl. XIX. 177.) 

Gümbel, die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Ver- 
wandten. — °G. findet aus seinen umfassenden Untersuchungen, 
dass sich durch eine ganze Reihe alpiner Gesteinsschichten der Dach- 
steinbivalve ähnliche Muscheln finden, welche namentlich in den ver- 
schiedenen Querschnitten einander so ähnlich sind, dass sie ohne nä- 
here Untersuchung sehr leicht verwechselt werden können. Also nicht 
alle Kalksteine mit sogenannten Dachsteinbivalven sind identische 
Gebilde. Megalodon triqueter findet sich in den N-Alpen fast aus- 
schliesslich im eigentlichen Dachsteinkalk d. h. in der dem obern 
Muschelkeuper (Kössener Schichten) ein- oder aufgelagerten Kalkbank 
überaus häufig und weit verbreitet. Stellenweise geht sie auch in 
die Mergelschichten des obern Muschelkeupers und selbst in den 
Hauptdolomit. In den S-Alpen hat sie vorzüglich ihre Verbreitung 
in dolomitischem Gesteine, welches sowohl dem Hauptdolomit als dem 
Dachsteinkalk angehört. Die Italiener unterscheiden nach der Lage- 
rung ein Cardium ihres mittlen Dolomits und ein Cardium des ei- 
gentlichen Dachsteinkalkes. An einer Stelleliegt sie mit M. columbella 
der Hallstätter Schichten zusammen, von Stoppani zum Esinokalk 
gerechnet. M, gryphoides beschränkt sich auf den Dachsteinkalk der 
N-Alpen. M. columbella findet sich in den hangendsten Schichten 
des untern alpinen Keuperkalkes (Hallstätter Schichten) in den N-Al- 
pen und wie erwähnt in der Esinogruppe. M. complanatus hat seine 
Lage im Hauptdolomite und M. chamaeformis scheint dem Alter der 
Raibler Schichten zuzufallen. Den Gattungscharakter von Megalodon 
fasst G. also: Schale länglich ei- oder herzförmig, stark gewölbt, gleich- 
klappig, ungleichseitig, rings vollkommen schliessend, gegen den Wir- 
bel sehr stark verdickt, hinten der Länge nach stumpf oder scharf 
gekielt und abgestumpft oder eingedrückt; Wirbel vorragend, stark 
nach vorn gewendet, mehr weniger stark eingerollt; Band halbäusser- 
lich; Schloss stark entwickelt bestehend aus einer Hauptplatte unter 
dem Wirbel, welche den Hauptzahnbau trägt, und einem von dieser 


197 


Platte aus längs der hintern Seite fast bis zum untern Rande herab- 
laufenden Randplatte. In der rechten Klappe steht unter dem Wir- 
bel ein einfacher durch eine seichte Furche schwach getrennte oder 
ein durch eine Grube geschiedener Doppelzahn; dahinter liegt eine 
tiefe Grube und am Rande gegen die sich abzweigende hintere Rand- 
platte eine Leiste in der linken oder ein Längszahn in der rechten 
Klappe, in der linken Klappe ein einfacher oder tiefgetheilter Zahn 
und ganz nach vorn ein Nebenzahn. Auf der Längsplatte zeigt sich 
mehr weniger deutlich eine Erhöhung oder Vertiefung; der vordere 
Muskeleindruck liegt hoch oben am Schlosse fast noch auf der Schloss- 
platte, ist verhältnissmässig schmal, tief und seitlich von einer schma- 
len Leiste begränzt; der hintere Muskeleindruck ist schwach, liegt 
nahe am hintern und untern Rande auf einem verdickten Schalentheil, 
der durch eine vom Wirbel herabziehende schmale seichte Längs- 
furche gegen innen abgegrenzt ist. Die Arten werden in Subgenera 
vertheilt, nämlich Neomegalodon mit M. triqueter, gryphoides n. sp., 
complanatus n. sp., columbella n. sp., Pachymegalodon mit M. cha- 
maeformis n. sp. — (Wiener Sitzungsber. XALV. 325—378. 7 tbb.) 
Alb. Oppel, paläontologische Mittheilungen (Stutt- 
gart 1862. Mit 50 Tff.) — Verf. beginnt mit dieser splendid aus- 
gestatteten Monographie eine Reihe von Publikationen, welche das 
schöne und reiche Material der Münchener paläontologischen Samm- 
lung betreffen. Wir begrüssen dieselben mit Freuden, da sie nach 
dem vorliegenden Anfange sehr schätzbare Untersuchungen bringen 
und die Wissenschaft wirklich fördern. Diese Monographie ist den 
jJurassischen Crustaceen gewidmet und dient einem in der That sehr 
empfindlichen Bedürfnisse, da die Münsterschen Bestimmungen den 
Anforderungen der heutigen Careinologie längst nicht mehr genügen 
und wenn Verf. auch die Vergleichung mit den lebenden Gattungen 
und Arten nicht so weit ausdehnte, wie es im besondern dem Zoolo- 
gen erwünscht sein möchte: so liefert er doch durch seine im Ueb- 
rigen sehr gründliche Darstellung Anhalt genug, um dem Careinolo- 
gen von Fach ein Urtheil über die fossilen zu ermöglichen. Er geht 
nach Aufstellung einer geognostischen Webersichtstabelle und eines 
Clavis der 24 Macrurengattungen sogleich an die einzelnen Gattun- 
gen und Arten des Lias, Dogger und Malm, die wir hier nur nament- 
lich aufzählen, um auf den reichen Inhalt aufmerksam zu machen, 
Wie gewöhnlich lassen wir bei den neuen Arten den Autornamen weg. 


Eryon Escheri Eryon arctiformis Schl |Eryma amalthea 
barrovensis MC bilobatus Mstr laedonensis Etall 
antiqua Brod longipes Fr aalensis @ 
Hartmanni Mr Schuberti Mr würtembergensis 
Perroni Etall Redenbacheri Mstr aspera 
propinguus Schl Stenochirus Meyeri elegans 
spinimanus Germ angustus Mstr compressa Deel 
orbiculatus Mstr | Eryma propinqua Greppini 


‘ elongatus Mstr. numismalis Girodi Etall 


Eryma squalida Etall 
ornata ® 
Mandelslohi Mr 
calloviensis 
Romani 
rugosa Etall 
radiata 
ventrosa Mr 
subventrosa Etall 
Perroni Etall 
isignis 
modestiformisSchl 
leptodactylinaGrm 
Veltheimi Mstr 
elongata Mstr 
major 
punctata 
verrucosa Mstr 
suevica @ 

Fraasi 

minuta Schl 
fuciformis Schl 
Babeani Etall 
Thurmanni Etall 
Thirriae Etall 

Pseudastaeus Münsteri 
pustulosus Mstr 

Palaeastacus Edwardsi 

Etall 


198 


Etallonia longimana Et | Mecochirus BeyeriGrm 


Uncina posidoniae @ 
Pseudoglyphea grandis 
Mr 

Etalloni 
amalthea 
stricta Et 
eximia 
Terquemi 
Glyphea Heeri 
major 
alpina 
liasina Mr 
Terquemi 
solitaria 
pustulosa Mr 
crassa 
Martini Et 
ornata @ 
Udressieri Mr 
Münsteri V 
Regleyana Desm 
Bronni Röm 
rostrata Phill 
Etalloni 
Perroni Etall 
gratiosa Mr 
pseudoscyllarus 
Schl 


Palaeastacus solitarius | GlypheasquamosaMstr 


Magila Bonjouri Et 
Pikleri 
parvula 
suprajurensis @ 
latimana Mstr 
robusta 
deformis 


tenuis 

Saemanni 

jurensis 

Meyeri Röm 
Mecochirus olifex ® 

socialis Mr 

longimanus Schl 


brevimanus Mstr 
dubius Mstr 
Palinurina tenera 
longipes Mstr 
pygmaea Mstr 
CanerinusclavigerMstr 
latipes Mstr 
Penaeus liasicus 
intermedius 
speciosus Mstr 
Meyeri 
latipes 
Acanthochirus longipes 
cordatus Mstr 
angulatus Mstr 
Bylgia spinosa Mstr 
hexadon Mstr 
Heberleini Mstr 
Blaculla nicoides Mstr 
brevipes Mstr 
Sieboldi 
- Udorella Agassizi 


|Drobna deformis Mstr 


curvirostris Mstr 
Dusa Bronni 
monocera Mstr 
denticulata Mstr 
Aeger insignis 
tipularius Schl 
elegans Mstr 
Bronni 
armatus 
Udora brevispina Mstr 
Hefriga serrata Mstr 
Frischmanni 
Elder ungulatus Mstr 


Es gehören von diesen 136 Arten 10 dem untern, 8 dem mittlen, 4 
dem obern Lias, 2 dem Dogger, 5 dem Bajocien, 3 dem Bathonien, 
12 dem Callovien, 8 dem Kimmerigdien und 70 den lithographischen 
Schiefern an. Von den als neu eingeführten Gattungen schliesst sich 
Stenochirus anEryon zunächst an, hat aber am ersten Fusspaare lang- 
gezogene sehr dünne Scheeren, auf der Innenseite der Scheerenfinger 
zahlreiche spitze Stacheln und über körperlange äussere Fühler. Die 
Form des Cephalothorax ist nicht bekannt. Pseudastacus hat mit Eryma 
gemein den länglichen stark gewölbten Cephalothorax mit spitzer Stirn 
und die Scheerenbildung an den drei vordern Fusspaaren, unterschei- 


199 


det sich aber durch nur eine tiefe Furche auf dem Cephalothorax und 
das völlig glatte vierte Fusspaar. Die Gattung Etallonia ist noch 
fraglicher Verwandtschaft, kenntlich an dem dünnen und verlänger- 
ten beweglichen Scheerenfinger des ersten Fusspaares und an dem 
Nebenzacken des kürzern unbeweglichen Fingers. Pseudoglyphea wird 
durch den Verlauf der Vertiefungen im Cephalothorax bestimmt. Acan- 
thochirus aus der Familie der Garneelen trägt am ersten Fusspaare 
nnd den Kieferfüssen bewegliche Stacheln und hat die kleinen dün- 
nen Füsse von Penaeus, an den drei vordern Fusspaaren Scheeren. 
Bei der nah verwandten Udorella sind alle Füsse von übereinstim- 
mendem Bau. 

R. Ludwig, zur Paläontologie des Urals: die Actino- 
zoen im Kohlenkalk von Perm (Cassel 1862. 18 Tff.) — Die marinen 
Kalksteine der uralischen Kohlenformation lassen sich nach ihren Fau- 
nen scharf in Productuskalk, Spiriferenkalk und Fusulinenkalk son- 
dern und in jedem derselben kommen auch leitende Corallenarten vor. 
Diese untersucht Verf. näher, legt zuerst seine Beobachtungen über 
deren Bau vor und beschreibt alsdann die Arten im Einzelnen, näm- 
lich folgende: Columnaria solida, Cyathophyllum calamiforme, Helio- 
phyllum colosseum, .denticulatum, arietinum, gracile, multiplex, humile, 
Lithodendron fasciculatum Phill, Lonsdalea floriformis MEdw, Zaph- 
rentis impressa, alveata, gigantea, Cyathaxonia carinata, aperta, graci- 
lis, squamosa, cincta, Harmodites parallelus Fisch, confertus Eichw, 
ramulosus Park, capillaceus, arborescens, Aulopora glomerata, Cerio- 
cava crescens, Fenestella carinata MC, plebeja MC, Tubulipora anti- 
qua, Vincularia lemniscata. 

A. Hellmann, die Petrefakten Thüringens I.III. Lie- 
ferung: Das Uebergangsgebirge. (Cassel 1862). — Die erste das 
Diluvium behandelnde Lieferung dieser Monographie zeigten wir Bd. 
XX. 363 an, die vorliegenden beiden behandeln die Kupferschiefer- 
formation, welche Verf. als jüngste des Uebergangsgebirges betrach- 
tet, eine Bezeichungsweise, welche seit 30 Jahren ganz ausser Brauch 
gekommen ist. Die Pflanzen werden blos namentlich nach Geinitz 
aufgezählt und hätten wir gewünscht, dass wenigstens die Thüringi- 
schen Fundorte bei jeder Art speciell angegeben wären, um eben 
über deren Vorkommen und Häufigkeit auf dem Gebiete Kenntniss 
zu erhalten, ebenso das geognostische Lager. Das kann man nun 
freilich aus andern Schriften zur Genüge erfahren, allein man hat es 
lieber und bequemer in der Gebietsmonographie selbst. Ueber einige 
Arten werden betreffende Bemerkungen mitgetheilt. Ebenso werden 
die Fische namentlich nach des Refrenten Fauna aufgezählt und die auf 
Taf. 6—13 abgebildeten Arten mit wenigen Notizen versehen. GI. 

Botanik. J. Schumann, preussische Diatomeen — 
Verf. untersuchte auf ihre Diatomeen die offenen Süsswasser, die 
sehr reiche durch Ehrenberg bekannt gewordene Sumpferde, welche 
in Königsberg 70° mächtig ansteht, die alluvialen 2— 20’ mächtigen 
Kalkmergel mehrer Orte, den brakischen Hafen von Pillau und die 


200 


Saline Ponnau, die Ostsee, das diluviale Kalkmergellager von Dom- 
blitten bei Zinthen und zwei Bernsteinstücke. Er theilt einige Be- 
obachtungen über die Schalenstruktur und deren Inhalt sowie die 
Lebensäusserungen mit und zählt dann die beobachteten Arten na- 
mentlich auf. Ueber einzelne werden erläuternde Bemerkungen ge- 
geben, die zahlreichen neuen diagnosirt. Es sind überhaupt 298 Ar- 
ten, davon 18 im Bernstein, 86 diluvial, 23 in der Ostsee, ebenso 
viele in brakischen Wassern, 107 in den alluvialen Kalkmergeln, 187 
im Königsberger Lager und 175 in offenen Süsswassern. — (Königs- 
berger physikalisch-ökonomische Gesellschaft III. 166—192.) 

R. Caspary, über die Gefässbündel der Pflanzen. — 
Die Nymphäaceen haben keine Gefässbündel im Mohl’schen Sinne, 
die Ring-, Spiral- und Leitergefässe sind vollständig geschlossene 
Zellen. Mettenius bestättigte dasselbe für Coniferen und Cycadeen, 
selbst für Farren, Lycopodiaceen, Selaginellen, Rhizocarpeen, Equise- 
taceen, und dass diejenigen ring-, schrauben- und leiterförmig ver- 
dickten Elemente ihrer sogenannten Gefässbündel nur geschlossene 
Ring-, Schrauben- und Leiterzellen sind. C. fand dasselbe bei Isoe- 
tes lacustris und untersuchte nun auch Monocotylen und Dicotylen 
auf diese Verhältnisse. Bei Drimys Winteri und granatensis war es 
erwiesen, ebenso für Tasmania, und für Ceratophyllum demersum. 
Er fand nun noch Monotropa und Aldrovandia gefässlos, in Houttuy- 
nia cordata nur Wurzel-, Rhizom- und Luftstammgefässe, keine Blatt- 
gefässe, aber alle übrigen untersuchten Dikotylen besitzen wirkliche 
Gefässe. Dagegen hat nur der kleinere Theil der Monokotylen in al- 
len Organen Gefässe. Von 19 untersuchten Familien zeigten nur 
fünf: Palmae, Commelyneae, Juncaceae, Gramineae, Cyperaceae in al- 
len Organen Gefässe, sechs durchaus gefässlos: Aspidistreae, Hydro- 
charideae, Orchideae, Aroideae, Lemnaceae und Najadeae; die Mehr- 
zahl nur Gefässe in der Wurzel: Musaceae, Asphodeleae, Dracaeneae, 
Irideae, Butomeae, Alismaceae, Orchideae (einige), Aroideae. Die 
Dioscoreen haben Gefässe nur in der dünnen Wurzel und dem Stamm, 
‚in der dicken essbaren Wurzel und im Blatt nicht, die Asparageen 
in Wurzel und Stamm, nicht im Rhizom und Blatt. Andere nur theil- 
weise untersuchte Familien zeigten nicht in allen Organen Gefässe. 
Hiernach muss nun für die aus geschlossenen Zellen bestehenden Bün- 
del, welche den Gefässbündeln entsprechen, ein Ausdruck gesucht 
werden, der sie als ihnen coordinirt bezeichnet und ein andrer allge- 
meiner für beide. C. schlägt Leitzellen und Leitbündel dafür vor 
und theilt die Gefässbündel ein in Ringgefäss, Schrauben-, Netz-, Lei- 
ter-, Porengefäss und zählt zu den Zellenleitbündeln:: Ringleitzelle, 
Schraubenleit-, Netzleit-, Leiterleit- und Porenleitzelle.. Von den Ring- 
‚zellen sind die Ringstückzellen mit Verdickungen von nicht ganzem 
Umlauf nur eine unvollkommene Form so bei Hydrilleen, Lemnaceen, 
Aldrovandeen und andern. Nach noch einigen Definitionen zählt Verf. 
die seither als gefässlos bezeichneten Pflanzen auf, doch bezog sich 
diese Deutung nur auf die Abwesenheit von ring- oder schraubenför- 


= 


201 


mig verdiekten Leitbündelgliedern und Verf. sieht sich genöthigt nä- 


' her hierauf einzugehen und gibt zuletzt einen Ueberblick über die 


Beschaffenheit der luftführenden Leitbündelglieder nach den von ihm 
selbst untersuchten Pflanzen. — (Berliner Monatsber. 1862. 448—483). 

H. Möhl, morphologische Untersuchungen über die 
Eiche. (Cassel 1862. 4%, 3 Tf.) — Verf. legt seine Untersuchun- 


‚gen und Betrachtungen im Einzelnen vor. und fasst am Schlusse die 


Resultate kurz zusammen. Dieselben betreffen Quercus pedunculata 
und Qu. sessiliflora. Die Winterknospe von letztrer ist vom Knos- 
pengrunde an conoidisch, zeigt 5 deutliche Längskanten, weil die in 
einer Windung auf einander folgenden Schuppen sich an ihrem Grunde 
nur wenig, die in den aufeinander folgenden Windungen über ein- 
ander stehenden aber über die Hälfte decken und die Spirale mit den 
vorhandenen 8 Windungen sehr flach ansteigt. Die Krospe von Qu. 
peduneulata ist gedrungen, bauchig und die auf 4 weit aus einander 
gerückten Windungen vertheilten Schuppen liegen über die Hälfte 
frei, sind stark gewölbt und scheinbar unregelmässig vertheilt, ob- 
gleich die in einer Windung auf einander folgenden sich an ihrem 


Grunde. ‘oft über die Hälfte decken. Der Knospenknäuel am Trieb- 
ende ist bei Qu. ped. gedrängter an starken Knospen als der von 


Qu. sess., bei jener wird die Gipfelknospe meist nur von starken trieb- 


‚fähigen Knospen, bei letztrer von einer Anzahl verkümmerter Seiten- 
- knospen umgeben und die triebfähigen sind schon durch Internodien 


von einander getrennt. Bei Sprossen von sehr alten Bäumen dage- 
gen, an welchen die Gipfelknospe fast regelmässig verkümmert, sind 
oft nur triebfähige Seitenknospen geknäuelt, so dass man die Unter- 


scheidungsmerkmale auf die Knospe selbst beschränken muss. Die ° 


Form des Blattes gibt die festesten Anhalte. In eben entfalteten 
Knospen ist das junge Blatt von Qu. sess. elliptisch, langgestielt, die 
Secundärnerven treten stark hervor und gehen bis über die Spitzen 
der an Gestalt und Grösse unter einander wenig verschiedenen Rand- 
vorsprüngen hinaus. Das junge Blatt von Qu. ped. dagegen ist schon 
spatelförmig, kaum gestielt, verdreht, die Randvorsprünge lang, schmal, 
wellig gebogen und die Buchten sehr tief eingeschnitten. Das ent- 
wickelte Blatt von Qu. sess. ist fast rautenförmig, langgestielt, in 
Beziehung auf beide Blatthälften mehr minder symmetrisch. Die Se- 
cundärnerven sind gleichmässig nach stetiger Proportion dem Primi- 
tivnerv entlang vertheilt und laufen in dem von der Spitze und dem 
Blattgrunde nach der grössten Blattbreite gleichmässig zunehmenden 
Randvorsprüngen als Stachelspitzchen aus, Die wenig abstehenden 
Ohren am Blattgrunde laufen am Blattstiele herab. Das Blatt von 
Qu. ped. ist spatelförmig, sehr kurz gestielt, auffallend asymmetrisch, 
die auf den ersten Blick scheinbar unregelmässig vertheilten Secun- 
därnerven treten zwar stark hervor, aber auch die Tertiärnerven bil- 
den ein deutliches Gitterwerk. Die Randvorsprünge sind zwar ihrer 
relativen Grösse nach wie bei Qu. sess, vertheilt, aber ihr Umriss 
weniger regelmässig. Gegen den Sec ry sind sie asymmetrisch 
XXI]. 1863. 


202 


und dieser läuft nicht in die Spitze sondern in die herzförmige Ein- 
 biegung an deren Stelle aus. Der Blattgrund ist stark buchtig und 
beiderseits vom Blattstiele ohrförmig umgeschlagen. Aus dem öftern 
Verkümmern der Endknospe bei Qu. ped. und der sich statt dessen 
stärker entwickelnden Nebenknospe erklärt sich das Hin- und Her- 
biegen der Hauptäste, aus der anderseits gleichmässig vorschreiten- 
den Entwicklung der Neben- mit dem Hauptäste und aus dem Vor- 
handensein einer Menge rosettförmig starkbeblätteter und zusammen- 
gedrängter Stauchlinge der gedrungene und wellige Bau eines belaub- 
ten Astes. Aus der vorherrschend stark entwickelten Endknospe er- 
klärt sich der schlanke Bau von Qu. sess. Durch die gleichfalls stark 
beblätterten kleinen Sprossen und Strauchlinge ist zwar auch ein 
belaubter Ast gedrungen und wellig, besetzt mit zahllosen Blattro- 
setten; diese sind aber nie so abgerundet wie bei Qu. ped., da über- 
all die Endtriebe zackig hervortreten und dem belaubten Aste ein 
mehr zerrissenes Ansehen geben. Der Habitus des Baumes trägt den 
Charakter der Blaitform. Qu. ped. sendet von den Hauptästen ent- 
sprechend den Secundärnerven die bedeutendsten Aeste nach unten. 
Ist die Endknospe des Hauptastes verkümmert, so entwickelt sich die 
ihr zunächst stehende Nebenknospe, d. h. der dem Tertiärnerv ent- 
sprechende Ast bildet die Fortsetzung des Hauptastes, macht aber 
gegen diesen eine Kniebeuge. Die stärksten Hauptäste erscheinen 
erst unter der Mitte der Baumhöhe, gehen unter 40—45°0 nach oben 
und concurriren in der Regel mit der geraden Stammfortsetzung an 
Stärke und Höhe. Der untere Theil des Baumes sowohl als die Spit- 
zen der Aeste zeigen die Abrundung der Blattspitze und Blattvor- 
sprünge. Bei Qu. sess. dagegen sind die Hauptäste entsprechend 
den Secundärnerven immer stark entwickelt gegen die gleichmässiger 
entwickelten Nebenäste, gegen die Stammfortsetzung aber bleiben sie 
zurück und ihre Spitzen stehen daher immer pyramidenförmig her- 
vor. Der ganze Baum sowohl als die Enden der einzelnen Aeste sind 
spitzer als bei Qu. ped. und daher ihre Form der Endform des gan- 
zen Blattes und der der Secundärnerven entsprechenden Vorsprünge 


angemessen. 
D. €. Treviranus, unächte oder unvollkommene Be- 
fruchtung. — Verf. beobachtete früher an der japanesischen Quitte 


(Cydonia japonica) monströse Früchte ähnlich den reifen Lamberts- 
nüssen. Nur der Kelch zeigte sich in seinem angewachsenen und 
freiem Theile angeschwollen, die übrigen normalen Faktoren, nämlich 
das Kerngehäuse mit seinem Fleische und die Kerne selbst waren 
nicht entwickelt. Im letzten Sommer aber hatten sämmtliche Sträu- 
cher nur normale Früchte, ganz übereinstimmend mit denen unserer 
Aepfel-, Birn- und Quittenstämme, auch darin dass der freie Kelch- 
theil vertrocknet und meist abgefallen ist. Indessen zeigen solche 
Früchte auf dem nämlichen Stamme darin eine unwesentliche Ver- 
schiedenheit, dass an einigen innerhalb der Vertiefung, des sogenann- 
ten Auges ein kegelförmiger oben etwas eingedrückter fleischiger 


203 


Fortsatz bis über den Rand derselben hervortritt, was bei andern 
nicht der Fall ist. Es ist dieser Zapfen der herausgetretene, ehe- 
dem Nektarabscheidende Discus der Blume und aus einem durch die 
Mitte gehenden Längsschnitte ergibt sich am Uebergehen der Peri- 
carpialgefässe in denselben, er sei eine Fortsetzung des Pericarps d. 
h. der Frucht im engern Sinne, welche hier aus unbekannter Ursache 
frei vom Kelchüberzuge, was nicht bei der gewöhnlichen Form, mit 
der Spitze hervortriti. Aehnlich sieht man bei mehren Arten von 
Crataegus und Mespilus die Spitzen der fünf einsamigen Früchtchen, 
welche bei der Quitte in eine fünfjährige Gesammtfrucht vereinigt 
sind, als einen Kreis von 5 Hügelchen sich darstellen. Verf. glaubte 
früher, dass eine partielle Befruchtung diese Monstrosität veranlasse 
und findet diese Ansicht noch weiter bestättigt. Gärtner führt Fälle 
solcher unächten Befruchtung an, Gallesio leitet alle Monstrositäten 
von derselben her und Decandolle stimmt dem bei. Gärtner lässt 
dieselbe ohne männliche Organe nur durch die mütterliche Thätigkeit 
vor sich gehen, aber warum ist es von unzähligen Blühten nur bei 
wenigen der Fall. Tr. glaubt an eine Theilnahme des Pollens, ohne 
dieselbe näher bestimmen zu können. Im Sommer 1860 zeigte sich 
an den Pflaumenbäumen ungemein häufig solche Monstrosität der 
Früchte, die man Taschen nennt. Nasskalte Witterung während der 
Befruchtung war die Ursache und einem ähnlichen Einflusse werden 
auch jene Früchte der japanischen Quitte ihre Entstehung verdan- 
ken, denn 1859 bei dem häufigsten Vorkommen waren März und April 
als die Blühtenzeit sehr kalt und hagelreich. — (Rheinländ. Verhandl, 
AIA. 297-301.) 

Derselbe, ungewöhnliches Blühen der Agave ameri- 
cana L. — Die Agave blüht wo sie im freien Lande gezogen wird, 
im südlichen Europa, N-Afrika oft, in Deutschland in Kübeln äusserst 
selten. Der Blumenschaft kommt aus der Mitte der Blätter hervor, 
wächst in 24 Stunden 3° bis 1‘ und erreicht bis 30° Höhe, oben in 
Aeste sich theilend, welche bis 10000 Blühten tragen. Gleichzeitig 
werden die Blätter saftleer, schlaff, vertrocknen gänzlich, aber aus 
dem kurzen Grundstamme unterhalb der Blätterrose treiben neue Sei- 
tentriebe hervor, welche die Pflanze reproduciren. Bei einem Pop- 
pelsdorfer Exemplare zeigte sich die zweifache Anomolie, dass der 
nur 8° hohe Blumenschaft mit etlichen 100 Blühten nicht aus der Mitte 
des Blätterbüschels sondern unter demselben aus dem kleinen Stamme 
entsprang und dass die Blätterrose nicht vertrocknete sondern wei- 
ter wächst. Zum Blühen der Pflanzen gehören Blätter, welche den 
rohen Saft assimiliren. Weiter geht alles Wachsthum der Pflanze 
vom Mittelpunkte aus, der Nahrungssaft muss also von den Blättern 
zum Stamme zurückkehren und zwar in grösserm Masse bei Blüh- 
tenbildung als bei blosser Blattbildung. In Algier, wo die Stadt rings- 
um dicht mit Agaven bewachsen war, blühte bis zum J. 1831 keine 
einzige, aber als dann die Franzosen dort ihr Lager errichteten und 
viele Agaven verstümmelten, blühten im nächsten Sommer schon 1500, 


14” 


204 


‘die nicht beschädigten kamen auch im folgenden Jahre noch nicht zur 
Blühte. Ebenso in unsern Gewächshäusern, schwächende Ursachen 
können sie auch in diesen zur Blühte bringen. In Breslau blühte 
1821 eine etwa 90 Jahre alte, nachdem man sie aus ihrem Kübel auf 
dem Unkrauthaufen geworfen hatte. Ihre Blühtenschaft hatte jedoch 
nur 12° Hühe und kaum etliche 1000 Blühten. Das Poppelsdorfer 
Exemplar, welches im vorigen Sommer blühte, war in einem Raume 
mit einseitiger Beleuchtung überwintert, deshalb hatte sich der Blüh- 
tenschopf stark nach einer Seite geworfen, wodurch im Frühjahr die 
'Entwickelung aufgehalten und der Stamm einen Druck erlitt. So bil- 
dete sich ein Seitentrieb, der bei reichlichem Saftzufluss zum Blüh- 
tenschaft sich entwickelte. Auch in Paris hat man jährige Seiten- 
triebe blühen sehen. — (Zbda 330 — 334.) 

E. Regel, blühende Palmen. — Im Syon House bei Lon- 
don blühte im J. 1862 im Februar die Cocos nucifera, deren Cultur 
in unsern Gewächshäusern man früher für unmöglich hielt. Das 
Blühen der Palmen hat aber bei uns keinen Nutzen, vielmehr grossen 
Nachtheil. Denn einmal sind die meisten Palmen getrennten Ge- 
 schlechts und wir bringen beiderlei Blühten nicht zugleich und nicht 

-zur rechten Jahreszeit zur Befruchtung. Entschieden nachtheilig aber 
ist das Blühen solcher Palmen in unsern Gewächshäusern, bei wel- 
chen der erste Blühtenstand sich aus dem Herzen des Baumes auf 
dessen Spitze entwickelt. Der Punkt, wo der Palmenstamm sich ver- 
dicken kann, d.h. wo er sich bis zu dem Zeitpunkte, bevor die Palme 
den Stamm bildet, jährlich durch Wachsthum und Vermehrung der 
Zell- und Gefässpartien verdickt, liegt am Grunde. Schiesst der Pal- 
menbaum erst in den Stamm, dann verdickt sich derselbe nicht mehr 
‚durch jährliche Umkleidung mit neuen Gewebsmassen, sondern das 
punctum vegetationis befindet sich nur noch in der Spitze und am 
Grunde. Daher kommt es auch, dass der Palmenstamm sich nur bei. 
wenigen Arten verästeln kann und dass wenn eine seitliche Veräste- 
lung bei den einfach bleibenden Palmenstämmen vorkommt, diese nur 
am Grunde ähnlich wie eine Sprosse erscheint. Entwickelt sich nun 
_ der erste Blühtenstand auf der Spitze des Palmenstammes aus dessen 
Herzen, so schliesst damit auch das Spitzenwachsthum ab, die blü- 
hende Palme stirbt allmählig ab. R. beobachtete diesen Vorgang an 
meheren Caryotaarten im Petersburger Garten, deren schöne Stämme 
nach dem Blühen eingingen. Eine gleiche und noch interessantere 
Erscheinung der Art bieten seit einigen Jahren zwei mächtige Exem- 
plare der japanischen Zuckerpalme, Arenga saccharifera, welche be- - 
kanntlich auch nach Entwicklung des Stammes die abgestorbenen: 
Blätter nicht abwirft, sondern es umkleiden die Reste der abgeschnit- 
tenen Blätter mit den in Fasern aufgelösten Blattscheiden den Stamm 
fast bis zum Grund und geben dem dicken Stamm das Aussehen, als 
sei er. mit einer sandigen Wollmasse umhüllt. Vor 5 Jahren ent- 
wickelte der eine 30‘ hohe Stamm aus seiner Spitze den ersten Blüh- 
tenstand, im folgenden Jahre erschienen Blühtenstände aus den Ach- 


205 . 


‘ seln der obern grünen Blätter; diese sind jetzt ganz abgestorben, 
so dass der Stamm als blattlose Säule dasteht. Nichts destoweniger 
entwickeln sich aber jährlich von oben nach unten fortschreitend 
aus den Achseln der abgestorbenen Blätter mächtige Blühtenstände 
und im letzten October standen an diesem blattlosen Exemplare wie- 
der deren in kräftigster Entwicklung. Das andre Exemplar ent- 
'wickelte vor 4 Jahren den ersten spitzenständigen Blühtenstand. Auch 
hier erlosch damit das Spitzenwachsthum, noch aber hat das mäch- 
tige Exemplar einige Blätter grün erhalten. Wie bei ersterem ent- 
wickelten sich seitdem von oben nach unten fortschreitend jährlich 
kräftige Blühtenstände, erst aus den Achseln der noch lebenden, dann 
aus denen der abgestorbenen. Am Grunde scheint sich ausserdem 
noch ein Spross zu bilden. Die kleinern Sabalarten mit kriechendem 
Rhizom blühen bekanntlich fast jährlich in unsern Gewächshäusern, 
ohne dass dadurch eine Rückwirkung auf deren Vegetation geäussert 
wird, ebenso die Palmen mit nur achselständigen Blühtenständen, wie 
Chamaerops, Chamaedorea u. a. Dagegen trieb ein grosses Exem- 
plar einer noch stammlosen Sabal umbraculifera einen spitzenständi- 
‚gen Blühtenstand und seitdem kein neues Blatt. — (Gartenflora 1862. 
December $. 410.) 

R. Caspary, Bastard von Digitalis purpurea L und 
lutea L. — In einem Königsberger Garten erschienen 1862 auf ei- 
nem Beet drei eigenthümliche Digitalisartige Pflanzen an einer Stelle, 
wo früher die Samen von Digitalis purpurea, lutea, ferruginea und la- 
nata unter einander gesäet waren. Die langspindelförmige Pfahlwur- 
zel der drei Bastarde hatte viel verästelte Nebenwurzeln. Der nur 
21/,' höhe Stamm war drehrund, nur zogen sich. unter jedem Blatt 
von dessen Basis drei flache stumpfkantige Längsleisten hinab. So- 
weit die Laubblätter den Stamm bedeckten war er glatt, bei Eintritt 
der Hochblätter bekleidete er sich mit dichten sehr kurzen geknöpf- 
ten Haaren. Die untersten dichtesten Blätter waren oblong lanzett- 
föormig mit langem geflügelten Stiel, dessen Basis etwas breiter war. 
An den höhern Blättern wurde der Stiel schnell kürzer und undeutli- 
cher und schon 2° über dem Stammgrunde waren die Laubblätter 
sitzend und lanzettförmig mit verschmälerter Basis, welche an beiden 
Seiten gerundet abschloss. Allmählig gingen die Laubblätter in die 
dreieckig lanzetförmigen Hochblätter über, jene waren sämmtlich ge- 
zahnt, von diesen nur die untersten; der Zahnausschnitt stumpfwink- 
lig, seltener rechtwinklig bogig, nie spitzwinklig. Laubblätter und 
Hochblätter waren spitz, letztere mit kurzen Haaren gewimpert, jene 
nur am Grunde mit längern Haaren. Auch die Rippen des 1. und 2. 
Grades der Unterseite der Laubblätter trugen lange Haare. Der Blüh- 
tenstand bildete bei 2 Exemplaren eine einfache Traube, am dritten 
war dieselbe an der Basis zusammengesetzt. Die Spitze des Blühtenstan- 
des nickte, die Blühten waren einseitig gerichtet, kurz gestielt, Stiel 
und Kelch mit kurzen Kopfhaaren besetzt; die Kelchzipfel lanzetlich, 
gewimpert; die Krone über dem etwas bauchigen Grunde verengt, 


[4 


u: 206 


der obere Theil ceylindrisch, undeutlich fünfkantig, gegen den Schlund 
kaum bauchig erweitert. Saum der Krone zweilippig; Oberlippe nie- 
renförmig mit rechtwinkliger meist bogiger Ausrandung und 2 kur- 
zen kaum spitzen eiförmigen Lappen. Unterlippe dreilappig, Krone 
glatt, Lappen sehr kurz gewimpert, einzelne Haare im Schlunde. In 
ältern Blühten schlägt sich der Rand der Lappen der beiden Lippen 
etwas zurück. Die Kronen innen und auf den Lappen des Saumes 
lichtgelb, aussen blass karmoisin, die nicht aufgebrochenen Blühten- 
knospen grünlichgelb. In den Blühten der Achse ersten Grades keine 
Spur von Staubblättern, nur in den Knospen eines einzigen Astes 
zwei verkümmerte, das Pistill dagegen in allen Blühten gut ent- 
wickelt, der Griffel platt, solang wie die Korolle, die Narbe zweilap- 
pig mit halbkugeligen Papillen; Fruchtknoten oblong, dicht mit Kopf- 
haaren besetzt, zweifächerig, die Placenien central mit sehr zahlrei- 
chen Samenknospen, diese anatrop mit dickem Funiculus, dickem In- 
tegument, kurzem Kern und langem Keimsack. In der Form der 
Blätter und Blühten steht dieser Bastard D lutea viel näher als pur- 
purea. Die sehr schlanke, dünne, kaum bauchige Röhre der Blumen- 
krone, die ansehnliche Länge, die kurze Bewimperung der Kronen- 
lappen trennen sie von D. lutea. In den Achseln der untersten Blät- 
ter fanden sich einige Knospen, welche vielleicht die Pflanze im zwei- 
ten Jahre erhalten. Beide Mutterpflanzen sind zwei- seltener drei- 
jährig. Kölreuters D. purpurea-lutea war perennirend. Dieser zog 
die Bastarde künstlich und Gärtner wiederholte diese Experimente, 
Bastarde wurden auch oft schon im wilden Zustande gefunden. Sie 
ordnen sich in zwei Gruppen, I. Digitalis purpurealutea: Corolla deut- 
lieh bauchig, oft glockig bauchig, im Schlunde karmoisin gefleckt, sel- 
ten ungefleckt. Hierher ausser Kölreuters künstlichen Bastarden: 
D. purpurascens Roth, D. intermedia Lapeyr, D. lindleyana Tausch, 
D. purpureolutea Hensl, D. lutea ö fucata Hook. II. Digitalis sub- 
purpurea-lutea: Corolla lang, dünn, kaum bauchig, im Schlunde un- 
gefleckt: D. hybrida Salv, D. lutea y hybrida Lindl, vielleicht auch 
D. lutescens Lindl, D. tubiflora Lindl. — (Königsb. öconom. physie. 
Gesellschaft III. 139—146. Tf. 7.) 

E. de Berg, Additamenta ad Thesaurum Literaturae 
botanicae altera. (Petropoli 1862. — Lipsiae E. A. Zuchold.) — 
Nachdem schon Zuchold einen erheblichen Beitrag zu Pritzels gros- 
sem Thesaurus im Jahresbericht des Naturwissenschaftlichen Vereines 
zu Halle und darauf Verf. der vorliegenden Additamente einen zwei- 
ten Nachtrag in dieser Zeitschrift brachte, erhalten wir hier einen 
dritten Nachtrag, welcher 90 botanische Titel aufführt, sämmtlich vom 
Verf. mit bibliographischer Genauigkeit von den Büchern selbst auf- 
genommen. Es sind abermals einige darunter, von welchen man nicht 
recht begreift, wie dieselben dem Verf. des Thesaurus entgehen konn- 
ten. Mit diesen Nachträgen vervollständigt sich der Thesaurus mehr 
und mehr und die Botaniker werden endlich eine vollständige Biblio- 
graphie ihrer Literatur erhalten. 


“00 


Zoologie. Bucholz, Anatomie des Enchytraeus und 
die bei Königsberg vorkommenden Arten. — Nach kurzer 
Darlegung der Geschichte dieser Gattung zählt B. zunächst mit Di- 
agnosen die Königsberger Arten auf, nämlich E appendiculatus n. sp., 
E, vermicularis Hoffm (albidus Henle), ventrieulosus Udk, galba Hoffm. 
Die äusserste Hauptschicht ist wie gewöhnlich eine glashelle Cuticula 
sehr resistent gegen Reagentien also chitinisch, darunter eine undeut- 
lieh zellige Epidermis. Die in letztrer befindlichen Tastkörperchen 
sind länglichviereckig und am Rande unregelmässig gezackt, zahlreich 
in der Oberlippe, am übrigen Körper regelmässig vertheilt, in ihrem 
Innern mit blassen Pünktchen, wahrscheinlich dem Tastsinn dienend. 
Die Cutis bildet eine muskulöse Schicht, aus äussern Ring- und in- 
nern Längsfasern bestehend. Darunter noch ein überaus zartes zier- 
liches Netzwerk ramificirter Zellen blass und zart punktirt, sehr schwer 
zur Anschauung zu bringen, vielleicht eine gangliöse Nervenausbrei- 
tung für die Haut. Der Mund ist eine unterseits gelegene quere 
Spalte und führt durch eine trichterförmige Vertiefung in den Pha- 
rynx, der selbst sehr kurz, eng, zarthäutig, völlig cylindrisch ist und 
in einen weitern Schlundkopf übergeht. Derselbe im 2, und 3. Seg- 
ment gelegen erscheint als halbkugelige Ausstülpung des Oesopha- 
gus mit sehr muskulöser Wandung und durch Muskelfasern mit der 
Cutis verbunden, welche ihn hin- und herziehen. Ein enger Abschnitt 
des Darmrohres führt von ihm ins 7. Leibessegment zum eigentlichen 
Darm und zeigt innere Flimmern, die bis zum After fortsetzen. Zwei 
paarige geknäuelte Drüsen liegen am Oesophagus, mit geschlängel- 
tem Ausführungsgange. Die Arten weichen am Ende des Oesophagus 
von einander ab. Den ganzen Darm bekleidet aussen eine drüsige 
Zellschicht, einfache Schicht polygonal abgeplatteter Zellen, meist 
bräunlich durch granulösen Inhalt, leichtt vom Darm ablösbar und 
isolirt kugelig, gewiss nicht Leberzellen, sondern zur Aufnahme von 
Stoffen aus dem Darme bestimmt wie auch bei andern Lumbricinen. 
Den Raum zwischen Darm und Leibeswand füllt bei allen Anneliden 
eine Flüssigkeit mit zelligen Elementen, hier sehr zahlreich vorhan- 
den und nicht wie gewöhnlich kugelrund, sondern stark abgeplattet, 
oval, bald mit fein granulirtem Inhalt bald noch mit groben glänzen- 
den Körnchen, ausserdem noch andere zahlreiche Körperchen mit voll- 
kommen homogenen Inhalt. Vom Hirnganglion geht ein starker Ner- 
venstamm in die Oberlippe mit pinselartiger Auflösung. Die Genital- 
drüsen liegen zu vier Paaren am Oesophagus, von Henle als Spei- 
cheldrüsen gedeutet, von Udekem als glandes capsulogenes. Sie um- 
geben den Oesophagus fast in seiner ganzen Länge, bilden einen un- 
regelmässigen Ballen, aber sind doch sämmtlich isolirt. Im August 
bildet sich noch ein besonderes Organ mit langem dickrandigen Aus- 
führungsgange vorn nach aussen mündend und mit einem kugeligen 
hoblen Abschnitt am zweiten Drüsenkörper, dieser geht in einen dünn«- 
wandigen Abschnitt mit geräumiger Höhle über und endet in der Ge- 
gend der fünften Borstenreihe blindsackartig. Ein Inhalt wurde nie- 


BOB: 


mals beobachtet. Die nicht in unmittelbarer Verbindung damit ste- 
henden Geschlechtsdrüsen werden von sehr blass granulirten Zellen 
gebildet, welche von ihnen Hoden, welche Ovarien sind lässt sich 
nicht ermitteln. Während der Geschlechtsreife findet man das Gür- 
telsegment mit seinen Nachbarn ganz erfüllt von Eier- und Samen- 
fäden regellos neben einander, beide vollkommen frei in der Leibes- 
-höhle, die Eier in allen Entwicklungsstadien, die völlig entwickelten 
hinterwärts gelegen, auch die Spermatozoen verschieden entwickelt. 
In der Mitte des Gürtelsegmentes zeigten sich auf der Bauchseite 
paarig zu beiden Seiten des Nervenstammes zwei hohle lange Pa- 
pillen, am Grunde einer jeden eine taschenförmige Einstülpung der 
Cutis, Begattungstasche, in welche die hohle Papille als Penis zu- 
rückgezogen werden kann und in ihrem Grunde eine Oeffnung, die 
Mündung des Vas deferens. Dieses bildet einen sehr langen vielfach 
gewundenen Kanal und geht am innern Ende in ein eigenthümliches 
Organ über aus langen Cylinderzellen mit granulirtem Inhalt beste- 
hend, frei in der Leibeshöhle schwebend und hier die Spermatozoen 
aufnehmend. Der Gürtel gehört ganz der Epidermis an und besteht 
nur aus einer stärkern Entwicklung ihrer zelligen Elemente. Aus- 
führungsöffnungen für die reifen Eier vermochte B. nicht aufzufinden, 
die Genitalpapille dient gewiss nicht dazu, wahrscheinlich bildet sich 
dazu eine vorübergehende Oeffnung. — (Königsberger physical. öco- 
nomische Gesellsch. III. 93—131. Tf. 4—6.) 

Schoedler, die Lynceiden und Polyphemiden umBer- 
lin. — Eine sehr verdienstliche Abhandlung, welche sich die betref- 
fenden Lehrer an Realschulen und Gymnasien zum Muster nehmen 
sollten. Selbige ziert den Jahresbericht der Dorotheenstädtischen Re- 
alschule in Berlin — und zum Belege, dass sie sich durch Monogra- 
phien ihrer Localfanna, zu deren Bearbeitung die literarischen Hülfs- 
mittel meist ohne erhebliche Opfer herbeizuschaffen sind, um die Er- 
weiterung der Wissenschaft verdient machen können. Die Klagen 
über Mangel an Zeit und die nöthigen Hülfsmittel sind ganz unge- 
rechtfertigt, Lust und Liebe zur eigenen Thätigkeit überwindet die 
Schwierigkeiten. Verf. charakterisirt die beiden Familien und deren 
bei Berlin auftretende Gattungen und zählt dann die einzelnen Arten 
mit der Synonymie, beschreibenden und kritischen Bemerkungen auf. 
Es sind Eurycercus lamellatus Müll, laticaudatus Fisch, acanthocercoi- 
des Fisch, Chydorus sphaericus Müll, globosus Baird, nitidus n. sp., 
caelatus n. sp., latifrons Dana, tenuirostris Fisch, Alona spinifera 
Schödl, affinis Leyd, lineata Fisch, sulcata Schödl, camptocercoides 
(Camptocercus alonoides Schödl), reticulata Baird, esocirostris Schödl., 
Acroperus leucocephalus Leyd, Camptocercus macrurus Müll, C. Lil- 
jeborgi n. sp., rectirostris n. sp., biserratus n. sp., Peracantha trun- 
cata Baird, brevirostris n. sp., Pleuroxus trigonellus Müll, aduncus 
Jur, striatus Schödl, ornatus Schödl, excisus Fisch. transversus n. sp., 
glaber n. sp., Lynceus rostratus Koch, Polyphemus pediculus L. 

C. Cornelius, ein Libellenzug bei Elberfeld. — C. er- 


E 


”:..200: 


fuhr aus der Elberfelder Zeitung vom 21. Mai 1862, dass einige Tage 
zuvor bei Mettmann ein grosser Heuschreckenzug vorbeigekommen, 
und Tags darauf ein anderer von Erkrath. Die gefürchtete Wander- 
heuschrecke konnte es nicht sein, da diese nur sehr sporadisch bei 
Elberfeld auftritt und überdiess im Mai noch nicht wanderfähig ist, 
sondern erst im Sommer. Er eilte nach Erkrath, erfuhr dort aber 
nichts, dann nach Mettmann, wo ein ackernder Bauersmann den Schwarm 
der Augenstösser (Libellen) gesehen haben wollte. Ein Mann hatte 
zwei Exemplare aus dem’ungeheuren Schwarme gefangen und aufbe- 
wahrt und €. erkannte in denselben die Libellula quadrimaculata. 
Nach des Besitzers Aussagen erschien am 19. Mai Mittags 10 Minu- 
ten vor 12 Uhr der Zug und dauerte etwa 50 Minuten. Der Vortrab 
war schwächer als das Gros und der Nachtrab ebenfalls. In seiner 
Hauptstärke mochte der Zug 200 Schritt breit sein und war so dicht 
gedrängt, dass wäre er nicht so niedrig (4—5’) geflogen, wohl die 
Sonne verfinstert worden wäre. Die Stadt mied er und seine Rich- 
tung ging von SO nach NW, dem Winde entgegen. Es war heitrer 
Sonnenschein und warm, die Luft etwas unruhig. Ermüdete und Nach- 
züglerruhten an Stangen und Zweigen aus, waren aber wie das ganze 
Heer sehr flüchtig und scheu. Der Zug machte ein Geräusch wie 
wenn Wasser siedet oder wie das Gesumse der Hummeln. Leute, 
die an Heuschrecken dachten und für ihre Rapsfelder fürchteten, such- 
ten die Thiere durch Lärmen und Geschrei zu verscheuchen. Der 
dumme prophetische Aberglaube brachte den Zug sogleich mit dem 
ärohenden Hessenkriege in Verbindung, die alte Verblendung noch 
in unserm gebildeten Jahrhundert! In Lay, Bollenhof, Schöller, Hah- 
nenfurth, Dornap bis zur Tesche bei Vohwinkel war der Zug bemerkt 
worden. Von der Tesche aber verlor sich seine Spur, nur eine Zei- 
tungsnachricht meldete ihn noch von Kronenberg und Solingen, von 
wo C. auch Exemplare erhielt. Auffallend war, dass der Zug östlich 
von Kronenberg von Remscheid herübergekommen sei, denn der So- 
linger Zug eine Meile westlich liess sich damit nicht in Verbindung 
bringen. Ueber Hochdahl, eine Stunde SW von Mettmann war ein 
starker Zug von NO gekommen, hatte die Düsseldorf-Elberfelderei- 
senbahn geschnitten und war nach Unterbach bei Erkrath gelangt, 
liess sich in gleicher Richtung bis nach Hahn verfolgen. Von da an 
wieder widersprechende Nachrichten. Es haben also zwei Züge statt 
gefunden. Nahrungsmangel scheint nicht die Ursache gewesen zu 
sein und ganz bestimmt konnten die Züge nicht aus einem oder meh- 
ren nah beisammen liegenden Teichen ihre Contingent bezogen haben. 
C, berechnet die mögliche Anzahl auf 216 Stück in einem Kubikfuss 
und den ganzen Zug auf 60 Millionen Kubikfuss Raum, aber als wahr- 
scheinlich nur 40 Stück auf einen Kubikfuss, was 2400 Millionen 
Thiere für den Zug gibt, die unmöglich ein kleines Gebiet geliefert 
haben kann. Der Zug vermehrt sich vielmehr durch fortwährende 
Zuzüge aus der Nachbarschaft des ganzen Weges, den er nimmt und 
wächst dadurch an, spaltet sich wieder und verschwindet durch Auf- 


210. 


lösung. Uebrigens sind der Geheimnisse noch viele in dieser Er- 
scheinung. Hagen beschrieb einen viel grössern Libellenzug von Kö- 
nigsberg im J. 1852 und der Holländer van Bemmelen hat von 1673 
bis jetzt 40 derselben aufgezeichnet. — (ZRheinländische Verhandl. 
AIX. 321—329.) 

Fr. Steindachner, ichthyologische Mittheilungen. — 
1. Kritische Bemerkungen über Th. Gills Monograph of the Genus 
Labrax. Verf. beabsichtigte eine Monographie dieser Gattung in ih- 
ren amerikanischen Arten zu veröffentlichen, unterlässt dieselbe aber, 
da Gill ihm zuvorgekommen und beschränkt sich nunmehr auf eine 
kurze Darlegung seiner abweichenden Ansichten. Er bezweifelt zu- 
nächst, dass Geoffroys Perca elongata = Labrax elongatus CV eine 
von Labrax lupus verschiedene Art sei. Die Abbildung in der Deser. 
del’ Egypte ist unbrauchbar zur Bestimmung und am allerwenigsten 
darf mon darauf ein eigenes Genus Dicentrachus gründen. Die Wie- 
ner Sammlung besitzt ein Exemplar, von welchem Verf. eine getreuere 
Abbildung bringt und nur L. lupus darin erkennt. Sämmtliche ame- 
rikanische Labrax unterscheiden sich von den europäischen durch den 
fein gesägten untern Vorderdeckelrand und deshalb kann man sie mit 
Rafinesque in eine Gattung Lepibema vereinigen. Gill vertheilt sie 
in 2 Genera: Roccus (von Rock Fisch!) Mitch. Gill mit Zähnen auf 
der Mitte der Zunge und Morone Mitch. Gill mit Zähnen nur an 
den Rändern der Zunge, die andern Eigenthümlichkeiten erweisen 
sich als nicht stichhaltig, wie speciell nachgewiesen wird und St. will 
daher die Gattung Lepibema statt dieser beiden aufrecht erhalten, 
Er zählt zu ihr: Labrax lineatus CV, L. multilineatus CV = Perca 
chrysops Raf, L. osculatii Fil), L. mucronatus CV (= Perca ameri- 
cana Bloch, L. americanus Hollbr) und endlich L. chrysops Gir (= 
Morone interrupta Gill, L. multilineatus Kirtl). Die Synonymie die- 
ser 4 Arten hat Gill vollständig zusammengestellt; die Wiener Samm- 
lung besitzt Exemplare aller. -— 2. Dreifacher Verlauf der Seiten- 
linie auf der Schwanzflosse einiger Percoideen. Bekanntlich läuft bei 
vielen dieser Fische die Seitenlinie über die Höhenmitte der Schwanz- 
flosse bald bis an den hintern Rand derselben, bald vor demselben 
endigend, aber bei einigen Arten findet sich noch ein zweiter und 
dritter Ast der Seitenlinie, welcher mit dem von der Suprascapula 
kommenden Hauptstamme in keinem sichtlichen äussern Zusammen- 
hange steht. Die Entfernung beider Seitenäste vom Hauptstamme 
variirt nach den Geschlechtern. Verf. fand diese Seitenäste bei sämmt- 
lichen Labrax, Lepibema, Lates und Lucioperca. Bei Lates nobilis 
und nilotieus läuft der obere Ast zwischen dem 3. und 4. Strahl ober- 
halb des Hauptastes, der untere zweite zwischen dem 3. und 4, un- 
terhalb desselben. Ebenso ist es bei Labrax lupus und bei allen Le- 
pibema. Bei Lucioperca dagegen liegt der obere und untere Seiten- 
ast in gleicher Entfernung vom Hauptstamm, nämlich zwischen dem 
4. und 5 Flossenstrahl. — (Wiener Zool. Botan. Verhandl. 1862. S. 
497-505. Tf. 14.) 


211 


> L.H. Jeitteles, die Süsswasserarten der Gattung 
Cottus. — Nach Darlegung der speciellen Untersuchungen gibt Verf. 
folgende Uebersicht der Arten: I. Vier weiche Strahlen in den Bauch- 
flossen. A. Der After der Schnauzenspitze näher als dem Schwanz- 
flossenende. a. Bauchflosse kurz und ungebändert. .«. Afterflosse ent- 
springt vor dem 4. Strahl der 2. Rückenflosse: 1. Cottus gobio L 
(= C. microstomus Heck, ferrugineus Heck, affinis Heck, Wilsonii 
Gir, meridionalis Gir, Alvordii Gir) — B. Afterflosse entspringt hin- 
ter dem 5. Strahl der zweiten Rückenflosse: 2. C, cognatus Richds. 
(— C. Bairdi Gir) — b. Bauchflossen lang bis zum After reichend 
und gebändert: C. poecilopus Heck. — B. After genau in der Mitte 
der ganzen Länge: 4. C. Richardsoni Ag. — II. Mit nur 3 weichen 
Strahlen in den Bauchflossen. A. Rückenflossen 7—9/16—17, Brust- 
flossen 12—14, Afterflosse 11—12. a. Die Spitze der Brustflosse er- 
reicht den 4. oder 5. Strahl der 2. Rückenflosse. 5. C. gracilis Heck. 
(= C. boleoides Gir) — b. Spitze der Brustflosse nur bis Anfang 
der 2. Rückenflosse höchstens bis vor den 3. Strahl derselben. 6. C. 
viscosus Hald (= C. gobioides Gir, C. formosus Gir, C. Franklini Ag). 


— B. Rückenflosse 10/;, Brustflosse 19, Afterflosse 18. — 7. C. Fa- 
brieii Gir. — C. gobio Riss scheint einem andern Genus anzugehö- 
ren, ©. minutus gehört vielleicht zu den Acanthocotten. — (Archiv 


per la Zoolog. I. 158—177.) 

Fr. Steindachner, zwei neue Batrachier in der Wie- 
ner Sammlung. — Dieselben gehören zur Hylagattung Osteoce- 
phalus und sind OÖ. taurinus: Körperoberfläche, Kehle und Brust 
glatt, lichtbraun mit wenigen dunkelbraunen kleinen Flecken; Seiten 
des Bauches dicht braun gefleckt, Knochenkamm an der Oberseite 
des Kopfes paarig, schwach verkehrt 5förmig gekrümmt. O. flavoli- 
neatus: Körperoberfläche granulirt, Oberleib grünlich olivenfarben mit 
schwärzlichen Flecken, hellgelber Längsstreif von der Nasenspitze 
bis ans Steissende. Beide von Natterer in Brasilien gesammelt. — 
(Arch. per la Zoolog. II. 77—82. tb. 6.) 

C. Struck, Amphibien bei Dargun in Meklenburg. — 
Emys europaea wurde noch nicht gefunden, doch will Verf, ihre 
Stimme wiederholt gehört haben und nimmt ihre Existenz am Cum- 
merower See als gewiss an, um so mehr da sie im ganzen östlichen 
Meklenburg eben nicht selten ist und auch bei Wismar noch gefan- 
gen worden ist. Lacerta agilis sehr gemein. Anguis fragilis über- 
all in Buchenwäldern; Verf. fand Weibchen mit 30 und selbst 40 Ei- 
ern und meint, sie lege im Frühlinge und zum zweiten Male um Jo- 
hannis ihre Eier in Sand, ‘unter Steine. [Aus welchen Lehrbüchern 
mag denn Verf. die ganz neue Beobachtung des Eierlegens entlehnt 
haben? —]. Tropidonotus natrix häufig, bei Ankershagen in Feder- 
viehställen, dem Backhause, auf dem Dung und im herrschaftlichen 
Garten. Die Volksmähr, dass die Natter mit Enten sich paare, er- 
klärt Verf. aus der Neigung der Natter sich auf dem Rücken der En- 
ten tragen zu lassen. Er sah dies jedoch nur ein einziges Mal und 


212 

schliesst nun weiter aus dem Lieblingsaufenthalte der Nattern in Fe- 
derviehställen. Tropidonotus laevis wnrde noch nicht beobachtet. 
Vipera berus in Tannenschonungen nicht häufig. Bufo cinereus sehr 
gemein. Bufo Roeseli hin und wieder’ in alten Torfstichen. Bufo ca- 
lamita sparsam auf nassen Wiesen Mitte Juni. Bufo variabilis häu- 
fig. Pelobates fuscus vielleicht. Bombinator igneus in allen Tei- 
chen und Sümpfen. Rana temporaria und esculenta sehr gemein [auf 
die Steenstrupschen Unterschiede achtete Verf. nicht]. Hyla arborea 
überall, ganz besonders häufig in einem Sumpfe am Kantnersee. Sa- 
lamandra atra noch nicht beobachtet. Triton cristatus von Arbeitern 
gefunden. Triton taeniatus sehr gemein. Triton igneus sehr selten. 
— (Meklenburger Archiv AVI. 172—177.) i 

E. Boll, Rennthiergeweihe in Meklenburg. — Bereits 
an den verschiedensten Orten in Meklenburg, nämlich bei Badresch 
10° tief im Moder, bei Lützow, Gädebehn, Gerdshagen 24° tief im Mo- 
der, Hinrichshagen, Karlow, Kölpin, Lapilz, Luttersdorf und Miltzow 
u. a. Ö. wurden im Torf oder Moder Rennthiergeweihe gefunden, also 
in Bildungen der gegenwärtigen geologischen Periode, welche somit 
die Existenz dieses Thieres in unserm gemässigten Klima ausser Zwei- 
fel setzen. Ebenso fand man dieselben in Pommern bei Janschendorf 
und Cummerow, in Livland bei Alt-Kaiper, in Kurland im Wihdel 
See. Unsere Zoologischen Gärten beweisen auch, dass das Rennthier 
sich ganz gut an die Sommertemperatur Deutschlands wieder gewöhnt, 
— (Heklenburger Archiv XVI. 172.) 

Theobald, über einige Mäusearten. — Talpa caeca wurde 
in einem Exemplar im Garten bei Chur gefangen, das erste nördlich 
der Alpen beobachtete. Auch zwischen Maienfeld und Fläsch, also 
wahrscheinlich im ganzen Rheinthal heimisch neben der gemeinen 
Art. Aeusserlich gleichen sich beide Arten ganz, aber der Blinde 
hat völlig von Haut überkleidete Augen und die zwei mittlen obern 
Schneidezähne breiter. — Sorex alpinus kömmt am Pizokelberg bei 
Chur vor. Sorex pygmaeus soll in der Gegend von Lavin vorkom- 
men. Hypudaeus nivalis in ganz Bünden über der Waldregion bis 
auf Gletscherinseln und Spitzen in 11000‘ Höhe soweit noch einige 
Vegetation reicht. Sie gräbt unter dem Schnee ihre labyrintbischen 
Gänge, welche beim Schmelzen desselben offen daliegen und hält in 
einem runden Nest aus gekauten Gräsern und Wurzeln Winterschlaf. 
Die Nester für die Jungen werden später unter der Erde und Stein- 
haufen angelegt. Man sieht diese Schneemäuse oft, aber sie sind zu 
scheu und flink um sich fangen zu lassen. Im Winter beziehen sie 
oft die Sennhütten, scheinen überhaupt der Nahrung wegen oft ihren 
Wohnplatz zu ändern. So sind sie auf dem Gipfel des Piz Languard 
sehr häufig geworden, seitdem derselbe besucht wird und dort viel 
Reste von Mundvorrath zurückgelassen werden. Ihre erste Entde- 
ckung machte Hugi mitten im Winter in einer hochgelegenen Alpen- 
hütte. Noch früher am Ende des vorigen Jahrhunderts sah sie Pater 
Placidus a Spescha bei der Ersteigung des Badus. Doch bedürfen 
die hochalpinen Arten noch sehr der weitern Beobachtung ihres Vor- 
kommens. — (Graubündener Jahresbericht VII. 99—102.) Gl. 


Correspondenzblatt 


des 


Naturwissenschaftlichen Vereines 
für die 
Provinz Sachsen und Thüringen 


Halle. 


1863. Februar. Ne 1. 


Sitzung am 4 Februar. 
Eingegangene Schriften: 
1. Isis, der Mensch und die Welt, Bd. 1. Hamburg 1863. 8°. 
2. Suckow, Dr. G., zur Naturwissenschaft. Berlin 1863. 80. die 
censions- ee) 
3. Möhl, Dr. Heinr., morphologische Untersuchungen über die Eiche. 
Cassel 1862. 4%. (Recensions-Exemplar') 
4. Sitzungsberichte der k. k. Akademie der Wissenschaften zu Wien. 
- Bd. XIV, Heft 2. 3.4. 5. Bd. XI, VI. Heft, 2. a. 2. Wien 
1862. 8°. 
5. Bulletin d. 1. Societ& des Sciences naturelles de Neuchatel VI. 1. 
*  Neuchatel 1862. 8°. 


Zur Aufnahme angemeldet wird 
Hr. Klemm, stud. math. hier 
durch die Herren: Giebel, Taschenberg und Siewert. 


Hr. Weitzel erläutert die früher von Hrn. Hahnemann be- 
sprochenen Spectralanalysen von Bunsen und Kirchhoff durch Ex- 
perimente mit einfachen Apparaten. 

Hr. Giebel berichtet Leydig’s neueste Untersuchungen über 
die früher als Blutgefässe angesprochenen Muskelstränge bei Ben 
Schmetterlingen. 

Ueber einen zur Sprache gebrachten Zeitungsbericht, dass man 
in England im rothen Sandsteine ein Krokodilskelet gefunden habe, 
verbreitet sich Hr. Giebel. 


Sitzung am 11. Februar. 


Eingegangene Schriften: 
1. Wochenschrift des Vereins zur Förderung des Gartenbaues Nr. 
1—5. Breslau 1863. 49, 
2, Jahrbücher der geolog. Reichsanstalt XII. Wien 1861. gr 8°. 


214 


Als neues Mitglied wird proclamirt 
Hr. Stud. Klemm hier, 
Zur Aufnahme angemeldet: 
Hr. Albert Wilh. Richter stud. math. u. phys. hier 
durch die Herren Giebel, Taschenberg, Weitzel. 


Hr. Drenckmann spricht über das Petroleum. Dasselbe war 
bereits im Alterthume bekannt, wo Herodes desselben gedenkt, und 
findet sich in Persien, China, am todten Meere, in verschiedenen Ge- 
genden Europas, (Ungarn, Galizien, Schweden, England, Pyrmont). 
In Pennsylvanien bei Pittsburg entdeckte man 1845 eine Quelle, ohne 
sie weiter zu verwerthen. Erst vom Auffinden einer Quelle in Con- 
necticut (Neuhafen) im Jahre 1857 datirt der technische Gebrauch 
des Steinöls, namentlich seine Verwerthung als Brennmaterial und 
die Anlage einer grossen Menge von Quellen in den verschiedensten 
Staaten Nordamerikas. Unter derselben gab es welche, die täglich 
261000 ja sogar 600000 Quart Petroleum lieferten. Auf einem Flä- 
chenraum von 364600 Quadratmeilen kommen in jenen Gegenden 66200 
Quadratmeilen bituminöse Kohlenlager vor, woraus sich der grosse 
Reichthum an Steinöl leicht ergiebt. 


Die chemischen Analysen, zum Theil mit grosser Oberfläch- 
lichkeit angestellt, haben verschiedene Resultate ergeben und man 
kann hiernach jene Oele in 2 Gruppen eintbeilen: in solche mit hö- 
herem Siedepunkte und geringerem Gehalte an Benzol und Paraffin 
und in solche mit niedrigerem Siedepunkte, aber srösserm Gehalt an 
Paraffin und Benzol. Der Vortragende verbreitet sich weiter über 
die Methode, welche man bei der Anlage der Quellen und bei der 
Reinigung des Oeles anzuwenden pflegt und schliesst mit einigen sta- 
tistischen Angaben über Verbrauch und Transport auf Eisenbahnen. 
Das gereinigte Petroleum kostet bei uns 4mal so viel als an Ort und 
Stelle, wo man das Quart mit 2 Sgr. bezahlt. 


Hr. Siewert nimmt hierauf Veranlassung, vorläufige Mitthei- 
lungen über seine noch nicht beendigten Untersuchungen mit Solaröl 
zn machen. Als Produkt der Nitrirung ergab sich ein paraffinähnli- 
cher Körper, der je nach dem höhern oder geringeren Siedepunkte 
des genannten Oeles wieder kleine Verschiedenheiten zeigte. Der- 
selbe macht ferner darauf aufmerksam, dass nach neuern Untersu- 
chungen verzinnte Gefässe in der Wirthschaft mit Vorsicht zu brau- 
chen seien, weil wegen des vielfach durch Blei verunreinigten Zinnes 
Bleivergiftungen möglich wären. 


Hr. Giebel legt eine Wurmröhre aus der so überaus reichen 
Latdorfer Braunkohle vor, die er früher, nach zu unbedeutenden Bruch- 
stücken, als Serpula anhaltina beschrieben hat. Das über einen Fuss 
lange vorliegende Exemplar, zu welchem der Einsender, Herr Schwar- 
zenaucr das fehlende, sehr zerbrechliche Kopf- und Schwanzende in 
Zeichnungen beigefügt hat, lässt keinen Zweifel übrig, dass die Röhre 
das Gehäuse einer Schnecke von den Gattungen Siliquaria und Ver- 


215 


metus sei; ein bedeutend kleineres Exemplar einer noch lebenden Art 
ward zur Vergleichung herumgereicht. 

Derselbe theilt als für die Umwandlung thierischen Naturells 
durch die Zähmung einen interessanten Fall mit, der sich in Harz- 
. gerode zugetragen. Ein jung aufgezogenes wildes Schwein lief sei- 
nem Herrn nicht nur wie ein Hund auf Schritt und Tritt überall hin 
nach, sondern wusste sich auch bei einer Gelegenheit, wo es nicht 
mitgenommen werden sollte aus seinem Gefängniss zu befreien und 
legte, allein durch den Geruch geleitet, einen ihm ganz unbekannten 
Weg von 2/, Stunde zurück, um seinen Herrn zu erlangen. 


Sitzung am 18. Februar. 


Eingegangene Schriften: 
1. Der zoologische Garten IV. Jahrg. Nr. 2. Frankfurt a./M. 1836. 8°. 
2. Verhandlungen des naturhistorischen Vereines für Anhalt in Des- 
sau 21. Bericht. Dessau 1862. 8°. 
3. Würzburger naturwissenschaftl. Zeitung III. 2. Würzburg 1862. 80. 

Als neues Mitglied wird proclamirt: 

Hr. Richter stud. math. et phys. hier. 
Das Januarheft der Zeitschrift liegt zur Vertheilung vor. 


Hr. Zinken giebt eine geognostische Darstellung der Braun- 
kohlengruben von Latdorf und Neugattersleben. 


Hr. Giebel spricht über die Anatomie und den Generationswech- 
sel der Medusen oder Hutquallen unter Vorlegung schöner Exemplare. 
Schliesslich berichtet Hr. Weitzel F. Zöllners Beobachtungen, 
dass scheinbare Verschiebungen von Figuren bemerkbar werden, nicht 
nur wenn beide Schirme, deren unterer die Figur, ideren oberer ei- 
nen geraden Spalt trägt, gegen einander bewegt werden, sondern 
dass diese Erscheinung auch bei ruhendem oberen und bewegten un- 
terem Schirme eintritt. Hr. W. fügt zu dem geraden Spalte noch 
den kreisförmigen und stellt dahin einschlagende Versuche an. 
Sitzung am 25. Februar. 
Eingegangene Schriften: 
1. Schriften der königl. physikalisch-ökonomischen Gesellschaft in 
Königsberg III. Jahrg. 2. Abthl. Königsberg 1863. 4°. 
Nachrichten von der Georg-Augusts- Universität und der königl. 
Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen vom Jahre 1862 Nr, 
1—27. Göttingen 1862. 8°. 
3. Stettiner Entomologische Zeitung XXIII: Jahrg. Stettin 1862, 80 
mit einer Beilage Nr. 1—3 des 24. Jahrganges. 
4. Notizblatt des Vereines für Erdkunde III. Jahrg. 1. Heft Nr. 9-—-12. 
Darmstadt 1862. 8°, 
5. Verhandlungen und Mittheilungen des siebenbürgischen Vereines 
für Naturwissensch. XIII. Jahrg. Nr. 1—4. Hermannstadt 1862. 8°, 
Hr. Giebel legt mehrere neue Spinnen aus Siam vor, der Gat- 
tung Gasteracantha angehörig, und charakterisirt dieselben näher. 


w 


z r A + 


216 


Hr. Weitzel berichtet die neuesten Entdeckungen von Lar- 
roux, wonach beim Durchgange des weissen Sonnenlichtes durch ein 
mit Joddampf erfülltes hohles Prisma, rothe Strahlen: stärker gebro- 
chen werden als blaue und violette. Hierauf theilt Derselbe die 
Construction einer neuen, von Krahvogl in Innsbruck erfundenen 
Luftpumpe mit und verheisst derselben eine Zukunft. 

Hr. Siewert verbreitet sich ausführlicher über den Einfluss 
des Eisens, Jods und Quecksilbers auf den thierischen Organismus 
und erläutert seinen Vortrag durch Experimente. 

Bekanntlich kommt Eisen im menschlichen Körper vor und färbt 
die Blutkügelchen roth; im normalen Zustande beträgt sein Gehalt . 
auf 1000 Theile Flüssigkeit bei Männern 0,565, beim weiblichen Ge- 
schlecht 0,541. Zu wenig Eisen im Organismus veranlasst Bleisucht, 
zu viel bringt Verdauungsbeschwerden hervor; ob im erstern Falle 
die Befähigung zur Aufnahme des Eisens überhaupt fehle, oder nur 
zur rechten Verwerthung des bereits aufgenommenen, weiss man 
nicht; eben so wenig lässt sich mit Bestimmtheit ermitteln, ob es als 
Eisenoxydulsalz oder Eisenoxydsalz im Organismus vorkommt, wahr- 
scheinlich ist aber sein’ Vorhandensein im letzteren Zustande. Das 
Jod, ein Produkt von Fucusarten, mit der Eigenschaft Stärkelösung 
blau zu färben, wurde anfänglich in seinem metallischen Zustande ge- 
gen Skrophelkrankheiten gegeben, dann wieder verworfen, bis man 
seine Anwendung in alkalischen Lösungen als wirksam erkannte. Im 
Harn erscheint es sehr schnell, in der Milch sehr spät und lässt sich 
in ihr nur durch Untersuchung des Käsestoffes nachweisen. Das 
Quecksilber, bekanntlich ein starkes Gift, kann nur in nicht löslichen 
Quecksilbersalzen einzeln als Kalomel innerlich und Quecksilbersalbe 
äusserlich angewandt werden, es geht in Blut und Milch über. 


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..... „Die verehrlichen- Mitglieder, welche Bücher aus der: Vereins- 
bibliothek entliehen haben, sind gebeten dieselben behufs einer Re- 
vision recht bald abzugeben. 

} Neu eintretenden Mitgliedern stehen die frühern Jahrgänge der 
Zeitschrift a einen ‚Thaler zu Gebote und sehen wir, da der Vorrath 
nur ein geringer ist baldigen Aufträgen entgegen. Auch von den 
frühern Jahresberichten II—V sind noch wenige Exemplare & zwei 
Thaler (statt 91/; Thaler Ladenpreis) vorhanden. 


Der Vorstand. 


Druck von W. Plöts in Halio. 


. Zeitschrift 


für die 


Gesammten Naturwissenschaften. 


a 


1863. März und April. NE I IV. 


Verzeichniss 
der im Museum von Santiago befindlichen 
Chilenischen ÖOrthopteren 


von 


Dr. R. A. Philippi. 


ForrıcuLA L. 


Sämmtliche Chilenische Arten sind ungeflügelt, und es 
fehlen ihnen auch mit Ausnahme einer Art die Flügel- 
decken gänzlich. 


1. Forficula lativentris Ph. 

F. omnino aptera, castanea; antennis saltem 19-articulatis protho- 
race subquadrato, marginibus lateralibus testaceo; abdomine in 2 
versus apicem valde dilatato, apice truncato; forcipibus distantibus, 
masnis, in @ curvatis, inermibus cylindrieis. Longit. cum foreip. 
5Y2 — 6 lin. 

In prov. Valdivia satis frequens videtur. 

Das ganze Thier ist fein runzelig punktirt, oben kahl, 
auf dem Untergesicht und der untern Seite des Körpers mit 
abstehenden Härchen bekleidete Der Kopf ist glatt, mit 
ein paar Grübchen auf der Stirn, bei den Q mit einem gelb- 
lichen Fleck am innern Rande des Auges, und einer gel- 
ben Querbinde auf dem clypeus. Das erste Fühlerglied ist 
keulenförmig, das zweite klein, beinah kugelig, das dritte 
eylindrisch, so lang wie die beiden folgenden das vierte und 
die nächst folgenden nehmen allmählig an Länge zu, die 
10 letzten sind ziemlich gleich lang. Die Vorderbrust ist 
so breit wie der Kopf, und etwas breiter als lang, sonst 

XXL 1863, 15 


218 


viereckig. Das sechste, siebente und achte Glied des Hinter- 
leibes haben an den Seiten Längsfurchen, welche den Männ- 
chen fehlen. Das vorletzte Glied des Hinterleibs ist kaum so 
lang wie die vorhergehenden; das letzte so lang wie die 3 
vorhergehenden Glieder, fast 2!/, mal so breit wie lang, 
nach hinten abschüssig und runzelig, mit gradem, gelbem 
Hinterrande. Das erste Tarsenglied ist so lang wie die bei- 
den folgenden, unten kammartig gewimpert. Die Männchen 
‚sind kleiner, haben keinen gelben Fleck am Augenrande; 
der clypeus ist ganz braun, das letzte Glied des Hinterlei- 
bes ist schmäler als das vorletzte, hat keine parallelen Sei- 
tenränder sondern verschmälert sich nach hinten; zwischen 
den fast graden Zangen ragt das Aftersegment in Gestalt 
eines kleinen Dreiecks hervor; der Aussenrand der Zangen 
ist mit langen .abstehenden Härchen besetzt. Das Ende 
der Schenkel, Schienen und Tarsen ist in beiden Ge- 
schlechtern gelblich. — Diese Art passt in keine der von 
Serville aufgestellten Gattungen recht, am besten noch zu 
Psalidophora. 


2. Forficula annulicornis? Bl. 
In prov. Santiago. 

Meine Exemplare haben nicht 15 sondern 19 Fühler- 
glieder, und nur bei dem einen ist das 14. und 15. halb. 
"Das letzte Segment des Hinterleibes hat eine Längsfurche. 
Bei dem einen Geschlecht sind die Zangen im letzten Drit- 
tel stark gekrümmt. Das Uebrige der Beschreibung passt 
ganz gut. Die Tarsen sind unten stark gewimpert. 


3. Forficula spectabilis Ph. 


Omnino aptera, obscure castanea: antennis c. 23 annulatis, pedibus, 
thoraceque supra rufis, forcipibus parum armatis, teretibus, inermibus. 
— Longit. 11—12 lin. 

Ni fallor in andibus prov. Santiago inventa est. 

Der Kopf ist kastanienbraun ; zwischen den Augen sieht 
man eine feine, nach hinten convexe, vertiefte Linie, von 
welcher in der Mitte nach hinten eine vertiefte Längslinie 
verläuft. Der vordere Theil des clypeus ist hell, gelb; sonst 
sind die Mundtheile hell braunroth. Die Fühler erreichen 
die halbe Körperlänge; das zweite Glied ist halb so lang 
wie das dritte, das 4te und öte zusammen so lang wie das 


219 


dritte, die folgenden dagegen nehmen allmählig an Länge zu 
und an Dicke ab. Der Prothorax ist fein runzelig :punktirt, 
quadratisch mit einer vertieften Längslinie in der Mitte, 
und mit einem Eindruck jederseits nahe am Seitenrande; er 
ist rothbraun, nach hinten heller. Der Mesothorax ist et- 
was breiter, aber nur halb so lang; der Metathorax ist hin- 
ten im Bogen ausgerandet. Der Hinterleib wird allmählig 
breiter, bis zum drittletzten Gliede, dann verschmälert er 
sich wieder ein wenig; er ist stärker punktirt als Kopf und 
Brust, bei dem einen Geschlecht am Rande auffallend in 
die Länge gerunzelt. Das letzte Segment ist beim Q zwei- 
mal so lang wie das vorhergehende, nach hinten etwas 
verschmälert, und am gröbsten punktirt. Die Zange ist et- 
was länger als das letzte Segment, schwach gebogen, in 
der letzten Hälfte cylindrisch, am Grunde innen in einen 
stumpfen Winkel verbreitert. Zwischen den beiden Theilen 
der Zange tritt das Aftersegment als ein kurzes, dreiecki- 
ges Spitzchen hervor. Die Unterseite zeigt auf den vier 
ersten Bauchsegmenten die vordere Hälfte deutlich von der 
hintern abgesetzt, und mit einer feinen vertieften Längsli- 
nie am Grunde; die letzten Glieder sind mässig behaart. 
Die Beine sind hell rothbraun, das erste Tarsenglied so 
lang wie die beiden folgenden; und alle drei unten dicht 
und ziemlich lang gewimpert. — Beim „ ist der Hinter- 
leib breiter, und sein letztes Segment so lang wie die drei 
vorhergehenden Segmente, mit paralellen Seitenrändern, 
nach hinten stark abschüssig, und der Hinterrand ist nicht 
grade, sondern convex; esist stärker punktirt und gerun- 
zelt als beim Weibchen. Die Zangen sind vollkommen dreh- 
rund, ohne Erweiterung am Grunde. Das Aftersegment ist 
schwach gekrümmt, und zeigt zwei kleine stumpfe Spitzchen. 
4. Forficula® Larva Ph. 

F? caeca, aptera, pallide testacea, angusta, segmentis sex primig 
abdominis supra medio longitudinaliter sulcatis, segmentis ultimis, for- 
cipibusque intus unidentatis rufis, hirsutis; antennis 30 — 40-articula- 
tis, tarsis uniarticulatis. — Long. absque forcipe 7 lin. 

In prov. Colihagua sub lapidibus unicum specimen invenit ornat. 
Landbeck. 

Die eingliedrigen Tarsen, der Mangel der Augen, die 
weissliche Farbe sprechen dafür, dass dies Thier eine blosse 
15” 


” 


220 


Larve ist, allein dagegen sprechen die zahlreichen Fühler- 
glieder und die stark entwickelten Zangen. — Der Kopf 
ist glatt und glänzend, so breit wie lang, vorn etwas schmä- 
ler als hinten, mit abgerundeten Winkeln; er zeigt eine 
Querlinie, und im hintern Theil in der Mitte eine vertiefte 
Längslinie. Ich sehe keine Spur von Netzaugen oder 
Punktaugen. Die Fühler entspringen am vordern Rande 
des Kopfes dicht bei einander, sind so lang wie der Kopf 
und die drei Brustsegmente zusammengenoömmen; das erste 
Glied ist ziemlich dick, kurz, walzenförmig; das zweite 
ebenso lang, verkehrt kegelförmig, die folgenden 8—10 sind 
ebenso dick, walzenförmig, sehr kurz, die letzten dagegen 
beinah kugelförmig, so dass die letzte Hälfte der Fühler 
perlschnurförmig erscheint. Der Prothorax ist bedeutend 
schmäler als der Kopf, kaum halb so lang; der Mesotho- 
rax ein wenig breiter, aber immer noch schmäler als der 
Kopf, quadratisch mit abgerundeten Ecken; der Metathorax 
ebenso, kaum etwas grösser; alle drei Abschnitte sind flaum- 
haarig. Die ersten sieben Hinterlejbsringe sind oben flach, 
kahl, glatt, glänzend, mit einer Längsfurche in der Mitte; 
sie sind alle gleich lang, und nehmen an Breite zu bis zum 
sechsten, welches zweimal so breit wie lang ist; der sie- 
bente ist etwas schmäler aber ebenso lang, hinten in ei- 
nem Kreisbogen ausgerandet, und mit spitzem Winkel je- 
derseits, seine Seiten sind etwas gebogen, so dass der Hin- 
terrand kürzer ist als der Vorderrand. Das achte Seg- 
ment ist so lang wie das vorhergehende, und so breit wie 
dessen hinterer Theil, hinten abgestutzt mit parallelen Sei- 
ten, mit einer vertieften, dem Hinterrande parallelen Linie, 
braunroth. Das neunte Segment, so breit wie das vorher- 
gehende, aber etwas länger, ebenfalls quadratisch und braun- 
roth; die Seiten haben unten und oben eine gradlinige, 
scharfe Kante. Die Zange ist so lang wie das letzte Glied, 
und ihre beiden Hälften sind ungleich; die rechte ist stär- 
ker, srader, am Innenrande etwas vor der Mitte mit einem 
starken Zahn versehn; die linke schlanker, etwas schmäler, 
gebogen, innen in der untern Hälfte fein gezähnelt; beide sind 
beinah kastanienbraun und wie der ganze Hinterleib ziem- 
lich stark mit langen Härchen gewimpert. Unten sind die 


221 


drei Brustsegmente breit, flach, und zeigen jedes einen Y- 
förm’gen mit der Oeffnung nach vorn gerichteten Eindruck. 
Sammtliche Abschnitte des Bauches haben gradlinige Hinter- 
ränder. Die Beine sind sehr kurz; coxa und trochanter sind 
gleich lang und gleich dick; der Schenkel ist kaum länger als 
die beiden genannten Glieder zusammengenommen; die 
Schiene so lang wie der Schenkel aber dünner; der Tarsus 
etwas kürzer, eingliedrig, aber mit zwei ziemlich schwa- 
chen, mässig gekrümmten Klauen; sie sind ziemlich stark 
behaart. Die Fresswerkzeuge sind nicht deutlich zu 
sehen, ohne den Kopf der Gefahr der Zerstörung auszu- 
setzen, doch sehe ich zwei Paar kurzer Palpen. 

F. chilensis Bl. apud Gay, und F. testaceicornis ejusd. 
mihi nondum innotuerunt. 


BLATTA. 


1. Bl. ovata Blanch. apud Gay. 
In prov. Valdivia satis frequens. 
2. Bl. reticularis Blanch. apud Gay. 
Pariter in prov. Valdivia occurrit. 
3. Bl. strigata Blanch. apud Gay. 
Speeimen prope Llico lectum in Musaeo conspicitur, 
4. Bl. germanica®? L. 
Larvas apteras sub lapidibus habitantes servamus,. 
KAkErRLAK Latr. PERIPLANETA. 
1. K. castanea Bl. apud Gay. 
Frequens in domibus urbis Santiago etc. 
In der Abbildung bei Gay sind die Flügeldecken 2?/, 
Lin, breit, und 3?/, Lin. lang, d. h. nur so lang wie das 
Halsschild, und sie lassen mehr als die Hälfte des Hinter- 
leibes unbedeckt, während sie nach dem Spanischen Text 
nur den dritten Theil des Hinterleibes unbedeckt lassen, 
An meinen Exemplaren sind sie 6 Lin. lang, 2?/, Lin. breit, 
das Halsschild ist an den Seiten etwas herabgebogen, und 
hat in der Mitte einen grossen rundlichen, flachen Eindruck, 
von dem Blanchard nichts sagt; die Flügeldecken sind hin- 
ten grade abgestutzt, 


222 
2. K. platysietho Ph. 


Rufo- ferrugineum; prothorace plano transverse - elliptico, medio 
depresso ; elytris Z' fere totum abdomen tegentibus.. — Long. 11 
lin., lat. fere 4 lin. 

Unicum specimen inter copiam anterioris inveni; ni fallor sub la- 
pidibus in radice Andium captum. 

Der Kopf ist dunkelkastanienbraun, wie bei der vori- 
gen Art, die orbita ebenfalls weiss, und der clypeus hell, 
braungelb. Das Halschild ist bedeutend breiter als der Hin- 
terleib, breiter als bei der vorigen, nicht so dreieckig, son- 
dern fast querelliptisch, an den Seiten nicht herabgebogen; 
der flache Eindruck ist ähnlich; ein kürzerer, furchenähn- 
lich, der Mitte des Hinterrandes parallel und dicht vor dem- 
selben ist sehr auffallend, und bei der vorigen kaum ange- 
deutet. Die Flügeldecken sind bedeutend länger, nämlich 
7*/, Lin., bei gleicher Breite und am Ende schräg von 
vorn und innen nach hinten und aussen abgestutzt; der 
Hinterleib ist etwas schmäler, die Beine länger (die Hin- 
terschienen messen 4°,, bei K. castanea nur 4 Linien), 
endlich ist die Farbe heller, wenn auch dunkler als bei der 
folgenden Art. Die angegebenen Unterschiede scheinen mir 
zu bedeutend, um sie bloss auf Rechnung einer individuel- 
len Abweichung schieben zu können. 

3. Kakerlak pallipes Ph. 

Capite fusco, prothorace rufo, paullo ante medium transverse 
impresso; abdomine supra nigro, subtus medio rubro, lateribus casta- 
neo; rudimentis elytrorum pedibusque pallide testaceis. — Longit. 
9 Jin, latit 41/3 lin. 

In horto ipsius urbis Santiago @ capta est. 

Das Gesicht ist braunroth, der Scheitel mehr kastanien- 
braun, die Fühler braun, die Palpen blassgelb. Das Halsschild 
ist hinten gradlinig abgeschnitten, nicht gebogen wie bei K. 
castanea, die hintern Winkel springen daher weit stärker her- 
vor, wenn sie auch abgerundet sind. Kurz vor der Mitte 
ist ein querer Eindruck, von dessen Seiten sich ein paar er- 
habene Linien schräg nach hinten und innen ziehn, die 
kurz vor dem Hinterrande durch eine erhabene Querlinie 
verbunden sind. Der Hinterleib erscheint durch die vor- 
springenden Winkel der Segmente gesägt; er ist dunkel 
kastanienbraun, die vorspringenden Winkel jedoch blassgelb. 
Die Rudimente der Flügeldecken stehen weit von einander 


223 


entfernt, sind eiförmig und reichen bis zum Hinterrande des 
Metathorax; die Ecken dieses Segmentes der Brust sind 
fast rechtwinklig, blattartig, blassgelb. Die Beine sind 
dicker als die beider vorhergehenden Arten, blass - schal- 
gelb, die Hintertarsen fast weiss. 


4, Kakerlak brevipes Ph. 

Nigro - castanea, supra puberula; prothorace convexo, laevis- 
simo, aeque longo ac lato, postice truncato; elytris maris rudimentarlis, 
ovatis, prothoracem aequantibus; margine laterali abdominis elevato, 
serrato ; pedibus pallidioribus, tibiis brevibus. — Long. 5 lin., latit. 2Y/a lin. 

Sub lapidibus in prov. Santiago frequens. 

Das Halsschild ist vollkommen glatt, ohne Eindruck, 
von der einen Seite zur andern stark gewölbt, sehr glänzend. 
Der Kopf ist dunkel braunschwarz, der Vorderrand des 
elypeus jedoch gelblich. Alle Segmente des Hinterleibes 
haben am Hinterrande kleine Härchen, deren Wurzeln, wie 
Höcker erscheinen, und die hintren Winkel derselben sind 
in ein Spitzchen vorgezogen. Die Flügeldecken sind breit 
eiförmig, kaum länger als das Halsschild, und so lang wie 
der halbe Hinterleib, schwarzbraun. Die Flügel sind et- 
was kürzer, ganz blass, kaum den dritten Theil so breit, 
zum Fliegen durchaus ungeschickt. Die Beine sind auffal- 
lend kurz; die Hinterschienen kürzer als das Halsschild. 

Nach Burmeister kommt in Chile Periplaneta brunnea 
Klug vor. S. Entom. I. p. 503. Blanchard führt diese Art 
nicht auf und ich habe sie auch nicht gesehn. 


PoLyzosteria Burm. 

1. P, valdiviana Ph. 

Nigro -castanea, lateribus capitis, ore, lateribus.‚prothoraeis , ely- 
trorum rudimento, macula minuta utrinqgue in margine postico meso- 
thoracis et metathoracis, punctisque in angulis posticis segmentorum 
abdominis Juteis; prothorace valde convexo, inaequali; tarsis tibias 
aequantibus imo superantibus. — Long. f! 12 lin., latit., 4/a lin., 
long. 2 11 lin., latit. 5 lin. 

In prov. Valdivia sub cortice arborum invenitur. 

Der Kopf ist ganz glatt, dunkel kastanienbraun; die 
Gegend zwischen Auge und Fühler, so wie unterhalb .der 
Fühler, die Oberlippe und Basis der, Mandibeln sind, gelb, 
Die Fühler sind halb so lang wie der Leib; das erste Glied 
ist hell rothbraun, die folgenden dunkler braun. Der Kör- 


224 


per ist eher gewölbt als flach, gerandet, aber der Rand 
nicht verbreitert, und seine Oberfläche zeigt ziemlich weit- 
läufige eingestochene Punkte und feine Runzeln. Der Pro- 
thorax ist so lang wie breit, vorn abgerundet, hinten fast 
grade abgestutzt, sehr uneben, mit etwa 3 gekörnelten fla- 
chen Höckern jederseits. Vorderrand und Seitenrand selbst 
sind braunroth, und haben innen eine gelbe Einfassung, 
die vorn sehr schmal ist, in der Gegend, wo man die vor- 
dern Winkel annehmen könnte, eckig nach innen vorspringt, 
seitlich und nach hinten breiter wird; die hintere Ecke selbst 
ist aber schwarzbraun. Der Mesothorax ist hinten grade 
abgestutzt, und trägt jederseits ein eiförmiges, gelbes Flü- 
geldecken-Rudiment, welches nur wenig über den Hinter- 
rand vorragt; dieser hatjederseits, dicht neben dem Flügel- 
rudiment, ein gelbes Fleckchen. Der Metathorax wird hin- 
ten von einem flachen, nach vorn convexen Bogen begränzt; 
der vordere Winkel und ein Fleck am Hinterrand nach dem 
hintern Winkel sind gelb. Die fünf ersten Hinterleibsseg- 
mente haben im hintern Winkel ein kleines gelbes Fleck- 
chen. Das letzte Segment ist kurz, breit, abgerundet. Die 
Aftergriffel sind sehr kurz, kaum hervorragend. Hüften 
und Trochanteren sind gelblich; Schenkel, Schienen ‘und 
Tarsen hellbraun, die Schenkel unbewehrt, kurz, die Schie- 
nen der Vorderbeine weit kürzer als ihre Schenkel; die 
der Mittelbeine eben so lang, die der Hinterbeine etwas 
länger als ihre Schenkel; sie sind sämmtlich stark mit 
schwärzlichen Dornen bewaffnet. Die Tarsen sind so lang 
wie ihre Schenkel, daher an den Voörderbeinen fast dop- 
pelt so lang wie ihre Schienen, an den Mittelbeinen sind 
sie etwas länger, an den Hinterbeinen ebenso lang; das 
erste Glied ist an den Vorderbeinen kaum etwas länger als 
das zweite, an den mittleren und Hinterbeinen ziemlich so 
lang wie die zwei folgenden; das letzte Glied ist so lang 
wie die drei vorhergehenden, und hat einen kurzen Haft- 
lappen, alle Glieder sind oben beinah kahl, unten kahl mit 
einer erhabenen, gelbweissen Längsleiste, die auf den vier 
ersten Gliedern nach vorn blasenartig anschwillt, aber von 
einer soliden harten Haut gebildet scheint; das letzte Glied 
ist unten ziemlich langhaarig. Ich finde keine Aftergriffel; 


225 


die gegliederten cerei sind sehr kurz. Der Unterleib ist in 
der Mitte seiner vordern Hälfte braungelb. 

Das Weibchen unterscheidet sich nur durch breitere 
Gestalt, und kürzere cerci. 

2. P. Geissei Ph. 


Nigro - castanea; capite immaculato; prothorace ‚vix inaequali; mar- 
gine antico et laterali praeter angulum posticum, maculaque in medio 
marginis postici, mesothoracis margine laterali antice, margine postico 
in medio, maculis quatuor marginis postici metathoraeis, maculis du- 
abus in medio marginis postici segmentorum abdominis, anguloque 
postico eorum luteis; pedibus praeter spinas nigricantes omnino: pal- 
lide testaceis. — Longit. 7 Lin. 

Puerto Montt. Legit ornat. Dr. Frid. Geisse. 


Ich besitze nur ein @ das keine Spur von Flügelrudi- 
menten zeigt, während Mesothorax und Metathorax ver- 
hältnissmässig länger als bei der vorigen Art, und hinten 
tief bogenförmig ausgeschnitten sind. Vielleicht ist es nur 
eine Larve. Sie ist weniger gewölbt, namentlich der Prothorax 
flacher, weniger uneben und höckrig, wenn auch nicht ganz 
glatt. Die hintern Ränder der Hinterleibssegmente zeigen 
eine Reihe Körnchen, die bei P. valdiviana weit weniger auf- 
fallend ist. Sonst ist die Skulptur, der Umriss des Körpers, 
die Verhältnisse und Beschaffenheit der Beine ebenso, und 
die übrigen Verschiedenheiten betreffen nur die Färbung. 
Der Kopf zeigt keine gelbe Färbung an der Fühlerwurzel, 
dagegen sind die hintern Ecken der Hinterleibssegmente 
ganz gelb, und die hintern Ränder der Brustund Bauchseg- 
mente gelb gefleckt. Die Beine sind auch weit blasser. 

Mantıs L. 

1. Mantis Gayi Bl. apud Gay. 

Prope Santiago, haud frequens. 


2. Mantis crenaticollis Bl. apud Gay. 
Prope Santiago, haud frequens. 


Die Färbung variürt, das eine meiner Exemplare ist 
grün, wie Blanchard seine Art beschreibt, das andere braun- 
grau, mit blassgrünen Tibien. Beide Exemplare haben nur 
Rudimente von WVorder-Flügeln und keine Spur von 
Hinterflügeln. 

3. Mantis grisea Ph. 

Fusco-grisea, margine laterali prothoracis denticulato; margine 
coxarım anticarum pariter dentieulato; elytris alisque rudimen- 


226 


tarüis, parallele nervosis, utrisgue membrana junetis. — Longit. 
21 lin. 
Semel in colli $. Cristöral die:o prope Santiago inveni. 

Das ganze Thier hat eine aschgraue, ins Röthliche 
ziehende Färbung mit schwärzlichen Punkten gesprenkelt 
und zeigt im Leben zwei weissliche, unterbrochene Längs- 
linien auf dem Rücken des Hinterleibes, die beim Trocknen 
des Thieres verschwunden sind. Der Kopf ist fast ganz 
wie bei der vorigen Art; oberhalb der Fühler hat er eine 
quere, nach oben convexe, tiefe Furche, und zwei Längs- 
furchen die vom Scheitel bis zu dieser Querfurche verlau- 
fen. Die drei Punktaugen stehen im Dreieck zwischen die- 
ser und den Fühlern, sind länglich, weiss, und fallen wenig 
in die Augen. Die Netzaugen sind von derselben Farbe 
wie der Körper. Die hellbraunen Fühler messen 13 Linien, 
also fast zwei Drittel der Körperlänge, sie sind länger und 
dicker als bei M. crenaticollis. Die Vorderbrust ist sehr 
ähnlich, nur etwas schmäler, schmäler gerandet, und die 
senkrecht abstehenden Dörnchen sind kürzer, und stehen 
nicht so dicht bei einander. Zwischen dem Ursprung der 
Vorderbeine ist eine Querfurche, und eine erhabene Längs- 
linie verläuft in der Mitte der hintern Hälfte. Die Rudi- 
mente der Vorderflügel sind beinah lanzettförmig 
aber stumpf, fast 4 Linien lang, glänzend, nicht netzförmig, 
sondern mit zahlreichen beinahe parallelen unter einem 
sehr spitzen Winkel gegabelten Adern; diese Stummel sind 
bis zu zwei Dritteln der Länge durch eine hinten tief aus- 
geschnittene Membran vereinigt. Die Hinter-Flügel-Stum- 
mel sind breiter, aber nicht länger, ebensowenig netzför- 
mig, auf ähnliche Weise geadert. Der Aussenrand bis zur 
ersten Rippe ist bei beiden weisslich. Die Vorderbeine 
sind denen der vorigen Art ebenfalls sehr ähnlich, aber et- 
was schlanker; ihre Hüften stark verlängert, beinah drei- 
kantig, die vordere und hintere Kante mit Dornen besetzt, 
die weit feiner sind als bei M. crenaticollis; die Innenseite 
zeigt-dicht gedrängte kleine, schwach erhabene Perlen oder 
Wärzchen, die bei jener fehlen. Der Schenkel hat auf je- 
der Kante 12 — 15 schwarze Dornen, und ist auf der In- 
nenseite mit einem schwarzen Fleck verziert. Das Schien- 


227 


bein ist halb so lang, und hat auf jeder Kante ungefähr 
12 schwarze Dornen. Die Tarsen sind schmutzig grün, 
und ragen etwas über die Trochanter hinaus. Die hinteren 
Beine sind einfach, weichhaarig graulich- grün. — Von der 
vorigen Art, mit welcher sie auf den ersten Blick leicht ver- 
wechselt werden könnte, wesentlich durch die an Zahl, Ge- 
stalt und. Aderung etc. wesentlich verschiedenen Flügel- 
stummel, die verschiedene Färbung, Skulptur der Vorder- 
beine etc. bei genauer Betrachtung leicht zu unterscheiden. 
Bactzrıa Latr. 
1. Bacteria cornuta Ph. 
B. spatulata Blanch. apud Gay, non Burm. 
E provincia Valdivia quinque feminas attuli. 

Herr Blanchard gibt diese Art, welcher er die Prov. 
Coquimbo als Vaterland anweist, für die B. spatulata Burm.' 
Handb. der Ent. II. p. 566 aus, allein wie mir scheint sehr 
mit Unrecht. Die Blanchardsche Art zeichnet sich vor al- 
len anderen Chilenischen durch zwei spitze Stirnhöcker aus: 
von diesem auffallenden Kennzeichen sagt Burmeister 
nichts; dagegen schreibt er dem © seiner spatulata einen 
rauhen Thorax und Fühler von Körperlänge zu, während 
das Weibchen der Blanchardschen Art einen ganz glatten 
„eompletamento liso“ Thorax, und in der Abbildung 
(wie in der Wirklichkeit) Fühler von halber Körperlänge 
hat. Wenn Blanchard von mehren breiten Blättern am 
Ende des Körpers spricht, so ist dies eine von den zahllo- 
sen Flüchtigkeiten, welche das Gay’sche Werk darbietet. — 
Das Männchen dieser Art ist mir unbekannt, es müsste 
denn die folgende Art sein. 

2. Bacteria collaris Ph. 

cd" olivacea, laevigata, tuberculis duobus minutis in capite ar- 
mata; antennis corpus aequantibus, fuscis, albido articulatis; protho- 
race e flavo- fulvo, nigro trivittato, pedibus elongatis, gracilibus, an- 
gulatocarinatis, haud foliatis. — Longit. corp.3 poll. 8 lin., latit. vix 2 lin. 
Valdivia, unicum specimen. 

Prothoräx und Mesothorax sind vollkommen glatt, 
und der erstere durch seine Färbung sehr ausgezeichnet. 
Die Länge der Vorderbeine beträgt 3 Zoll 4 Linien. 

3. Bacteria gracilis Ph. 

d’ viridis, laevissima; capite prorsus inermi; antennis fuscis, al- 


228 ! = 


bido- articulatis, corpore brevioribus; pedibus elongatis, gracilibus, 
angulato -carinatis,haud foliatis; prothorace coneolore. — Longit. eorp. 
3 poll., latit. 1!/3 lin. 

Valdivia, unicum specimen. 

Schwerlich eine blosse Varietät der vorhergehenden, 
der sie sonst sehr ähnlicn sıeht. Abgesehen davon, dass 
der Kopf keine Spur von Höckern zeigt, und der Prothorax 
von derselben Farbe wie der übrige Körper ist, sind die 
Fühler und die Beine kürzer, Beine und Leib weit schlan- 
ker. Die Länge der Vorderbeine beträgt 2 Zoll 6 Linien, 
während 2 Zoll 8,7 Linie sein müsste, wäre das Verhält- 
niss wie bei der vorigen Art. 

4. Bacteria crassicornis Ph. 

f\ virescens; antennis crassiusculis, brevibus:? pauciarticulatis 
capite inermi; prothorace inaequali cum mesothorace et metathorace 
laevi, gracili; femoribus tibiisque simplieibus. — Longit. corp. 2 poll. 
5 lin., latit. °/s lin.; longit. pedum anticorum 2 poll. 7 lin. 

‘Valdivia, specimina duo servo. 

Bei einem Exemplar sind die Fühler von dem Grau- 
grün des Körpers, einfarbig, bei dem andern ist die Basis 
der Glieder schwärzlich. Der Kopf ist länger und nach hinten 
stärker verschmälert als bei der vorigen Art, der Protho- 
rax zeigt Längsrunzeln, der Körper ist matt nicht glänzend 
wie bei B. gracilis. Bei dem Exemplar, welches die unge- 
fleckten Fühler hat, und welches ich für die Larve oder 
Puppe halte, sind die Beine bedeutend kürzer und plum- 
per als bei dem andern, die Fühler dicker und kantig. An 
beiden ist leider die Spitze der Fühler abgebrochen, so 
dass. ich über die Länge nichts sagen kann. 


5. Bacteria annulicornis Ph. 

2 capite inermi, corporeque viridibus; antennarum dimidium 
corpus aequantium fuscarum articulis apice albis; femoribus tibiisque 
ante apicem supra foliatis; operculo yaginali elongati, lineari. — Lon- 
git. corp. 3 poll. 8 lin. 

Habitat in prov. centralibus chilensibus, v. gr. ad Vichuquen. 


Der Kopf istziemlich horizontal, so lang wie der Pro- 
thorax, nicht gehörnt, hell grünlich - gelb, an den Seiten 
mit schwarzen Punkten marmorirt; die Augen haben einen 
schwarzen: Längsstreifen. Die Fühler sind 21 Lin. lang; 
also halb so lang wie der Körper, ‚das zweite, dritte und 
vierte Glied sind fast ganz schwärzlich, die folgenden am 


n 229 


Grunde schwärzlich, an der Spitze weisslich. Brust und 
Hinterleib sind grün, mit schwärzlichen Punkten marmo- 
rirt; der Prothorax scheint in der Mitte eine Längsfurche, 
und jederseits 2 Längsfalten zu haben. Die Beine sind 
halb aschgrau, mit etwas dunkleren, wenig in die Augen 
fallenden Binden. Die Vorderschenkel sind 11 lang d. h. 
so lang wie die Mittelbrust, die Mittelschenkel acht Linien 
lang oder so lang wie die Hinterbrust, die Hinterschenkel 
kaum etwas länger; alle haben oben vor der Spitze zwei 
blattartige Erweiterungen, von denen die vorderste sehr 
niedrig ist; Mittelschenkel und Hinterschenkel haben aus- 
serdem unten am Grunde an der Aussenkante eine blatt- 
artige Erweiterung. Die Schienen sind an allen Beinen so 
lang wie ihre Schenkel und ziemlich dick; die untere Kante 
derselben erscheint verbreitert. Die Tarsen sind genau 
halb so lang wie ihre Schienen. Der Scheidendeckel ist 
rinnenförmig, unten gekielt, 7'/; Linie lang, am Grunde 1?/, 
Linie breit. 

Ein in Spiritus aufbewahrtes d’ ist 3 Zoll 7 Lin. lang, 
hellbraun; die Fühler messen 20 Linien, haben also das- 
selbe Verhältniss zur. Körperlänge wie beim Weibchen. 
Die Beine sind etwas schlanker als beim 9, die Vorder- 
schenkel nämlich 12 Linien, die Mittelschenkel 8%/, Linie 
lang, und haben keine blattartigen Erweiterungen; die Schie- 
nen sind an allen Beinen länger als ihre Schenkel, aber die 
Tarsen kaum länger als der dritte Theil ihrer Schienen, also 
weit kürzer als beim Weibehen. Das ganze Hinterbein der 
rechten Seite ist genau wie beim Weibchen! 

6. Bacteria granulicollis Bl. 

E provineiis centralibus Reipubl. Chilensis. 

Es liegen vier @ und ein sämmtlich in Spiritus con- 
servirt vor. Die Weibchen messen 36 Linien, die Füh- 
ler 16 L., das Männchen ist 28 Lin. lang, und hat eben- 
falls 16 Lin. lange Fühler. Die Vorderschenkel sind beim 
Q 84), Lin. lang, knapp 'so lang wie. die Mittelbrust, die 
Mittelschenkel 5!/;, Lin., fast 1 Linie kürzer als. die 
Hinterbrust; ‘die Hinterschenkel messen 7 Linien, etwas 
mehr als die Hinterbrust. Die Schienen ‘sind alle um 
12), bis 2 Linien länger als ihre Schenkel, die Tarsen 


230 


kürzer als die Hälfte der Schienen. Der Scheidendeckel 
ist 6 Linien lang 1°/, Linie breit, ebenfalls unten gekielt. 
Beim Männchen sind die Beine schlanker, die Vorderschen- 
kel 9%/, lang, fast 2 Linien länger als die Mittelbrust; die 
Mittelschenkel 61/,, die Hinterschenkel 8!/, Linien; die 
Schienen sind ebenfalls länger als beim 9, allein die Tarsen 
kaum ebenso lang. — Das Vorderbein der linken Seite 
ist verkümmert, kaum halb so lang wie das der rechten 
Seite. 

Es fehlen dem Museum noch 1) B. spatulata Burm. 
non Blanch. 2) B. foliacea Bl. 

Die Bacteria- Arten sind selten, man findet sie immer 
nur einzeln, nie in Gesellschaften. Sie werden von den 
Chilenen ohne allen Grund als sehr giftig gefürchtet. 

ANISOMORPHA Gray. 

l. A. crassa Bl apud Gay. 

In partibus prov. Santiago etc. 

Ein Weibchen, welches ich zu dieser Art rechne, ist 
36 Linien lang, und zeigt noch keine Spur von Flügeln. 
Es ist einförmig braun, und hat grobe, tiefe Punkte auf dem 
Rücken. Die Schenkel sind nur 51/, Linie lang, wie in der 
Figur bei Gay, allein sie sind nicht gekielt wie es in der 
Beschreibung heisst. 

2. Anisomorpha variegata Ph. 

A. olivacea nitida, punctis parvis raris impressa; vittis longitu- 
dinalibus tribus, marginem posticum non attingentibus, maculisque la- 
teralibus in abdomine et metathorace nigris. — 2 32 lin. longa, 7 lin. 
lata, f' 24 lin. long. 6 lin. lat. 

In andibus prov. Colihagua oceurrit. 

Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern stark punktirt, 
in der Mitte eingedrückt, hinten schwarz getüpfelt; zwi- 
schen den Fühlern hat er auf der Stirn ein kreisrundes 
Grübchen. Die Fühler werden allmählig dünner, sind I — 
94/, Lin. lang und olivenbraun. Der Prothorax ist glatt, 
sparsam punktirt, und hat denselben winkligen in der Mit- 
tellinie nach hinten vorgezogenen Quereindruck wie A. crassa. 
Der Mesothorax ist so lang wie der Prothorax, mit kleinen, 
zerstreuten Punkten, er ist einfarbig olivengrau, oder zeigt 
unregelmässige, wenig in die Augen fallende Fleckchen. 
Die Stummel der Flügeldecken sind durch erhabene Run- 


231 


zeln netzförmig. Metathorax und Hinterleib sind kaum 
punktirt, und bunt. Aufdem Rücken verlaufen drei schwarz- 
braune Längsbinden, die allemal kurz vor dem Hinterrand 
der Segmente aufhören; an jeder Seite befindet sich auf 
jedem Segment ein dreieckiger von zusammenfliessenden 
braunen Flecken und Pünktchen gebildeter grösserer Fleck, 
der mit seiner Spitze nach dem hintern äussern Winkel 
des Segments gerichtet ist, und zwischen diesem und der 
äusseren Längsbinde ein runder Tropfen. Schenkel und Schie- 
nen sind eylindrisch, nicht gekielt, wie Blanchard diese 
Theile bei A. crassa — wohl irrthümlich — angibt, punktirt 
und schwach runzelig. Die Hinterschenkel messen: beim Q 
7 Linien, sind also bedeutend länger als bei A. crassa Bl. 
3. Anisomorpha elegans Ph. 

A. nigra, omnino grosse punctata, capite purpureo; margine an- 
tico et postico prothoracis, margine postico mesothoracis, metatho- 
racis, segmentorumque I—7 abdominis medio cinnabarinis. — J! 19 


lin. long. sed nondum adultum. 
Prope Bannos de Chillan inveni. 


Der Kopf ist dunkel purpurn, grob runzelig punktirt. 
Die Fühler sind dick, braun, das erste Glied purpur farbig. 
Auch die Seitenränder der Mesothorax und Metathorax zei- 
gen eine schmale zinnoberrothe Einfassung. Die Beine 
sind kastanienbraun, ins Purpurrothe ziehend; die Schenkel 
5l/, Linie lang, drehrund, nicht gekielt. Von Flügeln ist 
noch keine Spur. 

GryıLus L. etc. 

1. Gryllus fulvipennis Bl. apud Gay. 

In prov. centralibus non frequens. 

In der Figur haben die Hinterschienen zuviel Dornen. 
— Das Thier hat deren nur 5 bis 7 auf jeder Seite, und 
die Hintertarsen sind dagegen unbewehrt! gezeichnet. Im 
Text werden den Schienen nur „drei dicke Dornen“ zuge- 
schrieben? 

Sectio. Microgryllus tibiae posticae (praeter spinas terminales) 
inermes; tarsi subinermes. 

2. Gryllus pallipes Ph. 

Apterus? pallide rufus; prothorace cylindrico, aeque lato ac longo; 
femoribus postieis albidis; tibiis latere exteriore fusco irroratis cum 
tarsis dense pubescentibus. — Longit. 4'/a Lin. 

Santiago, sub lapidibus etc, frequens. 


232 


Der Kopf ist rothbraun , ohne Flecke und Zeichnun- 
gen, mit grauen, dicht anliegenden Härchen bekleidet; 
das Gesicht ist stark gewölbt; die Mundtheile hellgelb, 
aber die Taster hellgrau; ihr letztes Glied ist so lang wie 
das vorletzte, sehr schräg abgestutzt, so dass er beinahe 
in der Mitte den stumpfen durch die Abstutzung entstan- 
denen Winkel zeigt. Die Fühler sind etwas länger als der 
Körper, hellbraun; das erste Glied ist nicht so auffallend 
verdiekt wie bei Gr. suleipennis. Die Augen sind schwarz- 
braun. Der Prothorax ist so breit wie lang, und ebenso- 
breit wie der Kopf; in der Mitte sind zwei hellere, etwas 
vertiefte,, scharf begränzte, querovale Stellen. Der Hinter- 
leib ist bald von der rothbraunen Farbe der genannten 
Theile, bald heller, mehr gelblich, an den Rändern der Seg- 
mente bräunlich punktirt, kaum behaart. Die Vorderbeine 
sind gelblich, mit feinen anliegenden und längeren, abste- 
henden Härchen besetzt, und mit zahlreichen braunen 
Pünktchen wie bestäubt, namentlich die Vorderbeine. Die 
Hinterschienen sind auf der hintern Seite ebenso gefärbt, 
ja fast ganz braun, und tragen am Ende etwa 6 Dornen, von 
denen die längsten fast zwei Drittel des ersten Tarsenglie- 
des erreichen; ihre Kanten sind unbewehrt. Das erste 
Tarsenglied ist fast ?/;, so lang wie die Schiene, ebenfalls 
ohne. Dornen, oder doch nur mit sehr kurzen in der Behaa- 
rung versteckten. Die Anhängsel des Hinterleibes sind 
fast so lang wie der Hinterleib selbst. Die Legeröhre ist 
2/;, so lang, schmal linealisch, sehr ‚schwach nach unten 
gebogen, fast grade zu nennen. 

3. Gryllus griseus Ph. 

‚.. Apterus? griseus, pilis appressis, squamaeformibus, cadueis, plus 
minusve vestitus; antennis rufis, prothorace obscure fusco, saepe me- 
dio albido; palpis ‘crassis, brevioribus; spinis terminalibus tibiarum 
posticarum brevibus. 

Frequens in domibus, prov. Aconcaguas, Santiago, Valdivia etc. 

Grösse und Gestalt sind ganz wie bei der vorigen 
Art, mit der ich sie lange zusammengeworfen hatte. Al- 
lein sie ist immer ausser den längern abstehenden Här- 
chen an den Beinen, Anhängseln des Hinterleibs ete. stark 
mit anliegenden, metallischsilbergrauen Härchen oder 
Schüppchen bedeckt, dunkler, mehr grau; die Beine sind 


233- 


weit dunkler, die Hinterschienen oft fast ganz schwarz; die 
Palpen sind kürzer, dicker, ihr letztes Glied kürzer abge- 
stutzt, so dass die dickste Stelle in ?/, der Länge liegt; 
die Dornen der Hinterschienen sind nur halb so lang als 
bei der vorigen Art. Unter den 7 vorliegenden Exempla- 
ren sind zwei Männchen mit Rudimenten von Flügeldecken, 
die halb so lang wie das Halsschild sind. Die Legeröhre ist 
wie bei der vorigen Art; bei den Larven ist sie sehr kurz. 


SERVILLIA Blanchard apud Gay. 

Servillia spinifera Bl. 

Blanchard hat nur ein in Coquimbo (?) gefangenes 
Männchen gesehn; das Museum besitzt /Y und @ aus Val- 
divia. 

CrartomELus Blanchard apud Gay. 

Cratomelus armatus Bl. 

Santiago, Colchagua, Concepcion, Valdivia. 

Ungemein häufig in letzter Provinz unter umgefallenen 
Baumstämmen. Blanchard hat bei Gay vergessen die Grösse 
anzugeben. Die Länge der ® beträgt 12—14 Linien, / 
ebenso. In Santiago wendet man die zerstossenen Thiere 
gegen die Harnverhaltung der Pferde und Maulthiere an, 
und nennt die Thiere Grillos. 

Anostostoma crassidens Bl. 
bei Concepcion gefunden, fehlt dem Museum. 
DOLICHOCHAETA N. gen. 

Corpus robustum, caput crassum, convexum. Labrum breve, latım, 
basi haud constrietum, semieirculare. Mandibulae crassae, labro duplo 
longiores. Maxillae elongatae, mandibulas multo superantes. Palpi 
maxillares longissimi, quinque-articulati, articulo ultimo brevi ovato, 
crasso. Palpi labiales pariter articulo capituliformi aucti, eireiter 
tertiam partem maxillarium aequantes. Antennae longissimae. Pro- 
thorax convexus, postice subtruncatus. Alae omnino nullae? Pedes 
graciles, tibiae anticae et medianae quadrifariam, posticae bifariam 
spinis tenuibus armatae. Tarsorum articulus primus elongatus, se- 
eundus tertiusque breves, quartus primum aequans. Terebra femina- 
rum elongata, abdomen subaequans, recurva. 

Von Gryllacris verschieden durch die vier Dornenrei- 
hen der Vorder- und mittleren Schienen, von Listrosce- 
lis und Servillia durch unbewehrte Schenkel, von Cratome- 
lus, welches Genus auch vier Reihen Dornen an den Vorder- 
und Mittelschienen hat, durch schlanke Füsse, schlanke 

XXI. 1863. 16 


234 


Legröhre, die kurze, sehr abweichend gestaltete Oberlippe, 
die langen Mandibeln und Maxillen. 

Dolichochaeta longicornis Ph. 

Glaberrima, flavo-fusca; antennis corpus fere ter aequantibus, pal- 
pis pedibusque pallidis. 2 Longit. corp. 7—8 lin., antennarum c. 24 
lin., terebrae 6 lin. 

Ni fallor e Valdivia attuli. 

Der Kopf ist fast ganz wie bei Cratomelus und zeigt, 
namentlich wie bei diesem, eine platte, trapezförmige Erhö- 
hung zwischen den Fühlern. Von der Oberlippe scheint nur 
die obere Hälfte vorhanden zu sein, die untere, kreisrunde, 
scheint ganz zu fehlen. Vorderschenkel, Mittelschenkel 
und Hinterschenkel sind vollkommen glatt. Die Spitze 
der Hinterschenkel ist beinah schwarz, sonst sind die Beine 
sehr hell. Die Hintersch’enen haben c. 10 feine Dornen 
auf jeder Kante. 

Deceticvs Serv. 


D. fuscescens Bl. 

Das Museum besitzt ein von Herrn F. Paulsen bei 
Santiago gefangenes Q, nach Gay ist die Art in der Proy. 
Coguimbo zu Hause. 


LocustA L. Serv. 


Locusta vitticollis Bl. 

Häufig auf Grasplätzen der Prov. Valdivia; die Nym- 
phe eines @ von Santiago. Nach Gay: in der Provinz Co- 
quimbo. 

GymnocErA Brulle 

Gymnocera modesta Bl. 

Santiago. Nach Gay Coquimbo. Ich besitze ein cd, 
bei dem der obere Theil des Kopfes und der Prothorax 
ganz schwarz und die Flügeldecken braungelb sind. 


PHANEROPTERA Serville. 

Phaneroptera albidicollis Bl. 

Santiago, (Coquimbo nach Gray). Die Färbung varirt. 
Bei einem Paar ist der hintere Theil der Augen weinroth. 
Ein, rother, aussen weiss eingefasster Streifen entspringt 
hinter den Augen und setzt sich über den Prothorax: fort, 
so. dass der weissliche Saum des Streifens gerade die Kante 
dieses Segmentes bildet. Der. horizontale Theil: der‘ Flü- 


235 


geldecken ist weisslich, die Oberseite der Schenkel und 
des Rückens röthlich. 


CosmopayıLum Bl. bei Gay. 


Cosmophyllum pallidulum Bl. 1. e. VI. p. 52. 
Santiago, Colchagua, selten; nach Gay in Coquimbo. 
Cosmophyllum olivaceum Bl. ibid. 


In der Provinz Valdivia gar nicht selten. 


AcantHonıs Serville. 

Acanthodis miserabilis? Bl. 

Colchagua, Valdivia, Santo Rosa (nach Gay). Die 
Färbung varürt; ein @ aus Valdivia hat einfach gelbliche, 
nicht braun geringelte Füsse. Die Flügeldecken der Männ- 
chen sind wie beim @ nur halb so lang wie der Hinterleib, 
mit wenigen Adern durchzogen und mit dem gewöhnli- 
chen Zirpapparat. Keines meiner Exemplare hat Flügel, 
und so ist es wohl in hohem Grade wahrscheinlich, dass 
diese Art flügellos ist, und nie mehr als Flügeldeckenstum- 
mel bekommt. Die Fühler sind dreimal so lang wie der 
Körper. 

Sıca Charp. 

Saga quadrisignata Ph. 

O omnino aptera, flavescens; segmentis abdominis supra in parte 
postica strigis quatuor longitudinalibus rufis ornatis; terebra dimi- 
dium eorpus aequante. Long. corp. absque terebra 2 poll. 8 lin. 

Unter den von Herrn Ph. Germain im Museum hin- 
terlassenen, nach der Sitte desselben nicht mit Angabe des 
Fundortes versehenen, in Spiritus aufbewahrten Thieren 
fand ich ein Exemplar. Das Thier ist ganz kahl, hellbräun- 
lich gelb. Der Kopf ist sehr stark geneigt, und zeigt zwei 
sehr kleine, runde, bräunliche Grübchen zwischen Augen 
und Oberlippe. Die Augen sind halbkugelig, sehr vorge- 
quollen. Keine Ocellen. Die Fühler sind so lang wie der 
Körper und entspringen zwischen den Augen in der Höhe 
ihres oberen Randes; die beiden Wülste des Kopfes, auf 
denen sie entspringen, berühren sich in der Mitte und rei- 
chen bis zum Augenrande. Das erste Fühlerglied ist dick, 
cylindrisch, das zweite ebenfalls eylindrisch, dünner als das 
erste, aber weit dicker als die folgenden, welche allmählig 

16* 


236 


dünner werden. Die Maxillarpalpen sind verhältnissmässig 
kurz, halb so lang wie der Kopf inclusive Oberlippe; die 
Labialpalpen sind halb so lang wie die Maxillartaster. Die 
Mandibeln sind am versteckten, innern Theil schwarz. Der 
Prothorax ist oben zweimal so breit wie lang, hinten abge- 
stutzt, und der Rand kaum aufgeworfen; es sind zwei Quer- 
furchen vorhanden, die unten nahe am Seitenrande conver- 
giren, so dass oben der von ihnen eingeschlossene Theil 
zweimal so lang ist, wie der vordere oder hintere Theil; 
er ist durch eine hurze Querfurche in der Mitte wiederum 
getheilt, von welcher nach vorn eine abgekürzte Längsfur- 
che verläuft. Mesothorax und Metathorax sind oben gleich 
lang und zusammen kaum ?/, so lang wie der Protho- 
rax; jeder hat einen schwachen Kiel in der Mitte und da- 
neben jederseits eine ovale, braune, augenförmige Vertie- 
fung, welche aussen mit einem erhabenen, fast lamellenar- 
tigen Rand eigefasst ist. Prosternum, Mesosternum und 
Metasternum haben jedes zwei spitze Dornen. Das erste 
Glied des Hinterleibes ist ungeleckt, kürzer und hinten 
stärker ausgebogen als die folgenden. Diese haben im hin- 
tern Drittheil jederseits zwei rothbraune Längsstreifen, zwi- 
schen denen die Farbe etwas heller ist. Die Endgriffel sind 
sehr kurz. Die Legeröhre ist säbelförmig nach oben ge- 
krümmt, an der Spitze rauh, und alle vier Klappen im letz- 
ten Drittheil am Aussenrande fein sägeartig gezähnt. — 
Die Hüften enden vorn mit einer Spitze, und die Mittel- 
hüfte hat innen einen zweiten Dorn. Vorder- und Mittel- 
schenkel haben an jeder Unterkante starke, rechtwinklig ab- 
stehende Dornen, etwa 11; ebenso die Schienen dieser Beine, 
deren Dornen jedoch schräg stehen und nach unten etwas 
länger werden. Die Hinterschenkel sind kaum dicker, aber 
zweimal so lang wie die vordern; ihre Dornen sind sehr 
klein. Die Hinterschienen sind so lang wie die Schenkel 
sammt den Hüften, und tragen ebenfalls kleine, schwache 
Dornen. Die Tarsen sind breit und platt; das erste Glied 
ist fast quadratisch, aber mit gerundeten Ecken; das zweite 
ist ebenso breit, aber nur halb so lang; das dritte eiförmig, 
ausgerandet, fast so lang wie die beiden ersten zusam- 
mengenommen. 


237 


Proscorıa Klug. 

1. Proscopia striata Bl. 

Santiago, selten; von Gay in Coquimbo gefunden. 
Mein Exemplar ist 29 lin. lang. 

2. Proscopia sexspinosa Ph. 

Rostro caput aequante, obtuso, alato-quadrangulo; thorace granulato 
et striato; prothorace in margine antico, nec non in margine postico, 
mesothorace in margine postico dentibus elevatis spinaeformibus ar- 
matis; abdomine striato, posterius carinato; rudimentis alarım. — 
Long. 34 lin. 

In andibus et subandinis prov. Santiago satis frequens. 

Der Körper ist von der Form der vorigen Art, also 
ziemlich schlank und ebenso rauh und körnig. Die Augen 
sitzen ebenfalls in der Mitte des Kopfes, aber der Schna- 
bel desselben ist mit vier flügelartigen Kanten versehen, 
so dass er linealisch und abgestumpft oder abgerundet er- 
scheint. Die beiden Dornen am Vorderrande der Vorder- 
brust stehen aufrecht und divergiren; es sind bald einfache, 
dreieckige Spitzen, bald sind sie breiter, stumpf, ein paar- 
mal eingeschnitten; die Dornen am Hinterrande derselben 
sind ebenso beschaffen und bisweilen an ihrer Aussenseite 
noch von einem kleinern Dorn begleitet. Auch die der 
Mittelbrust sind oft von gleicher Grösse und Beschaffen- 
heit, bisweilen aber auch kleiner, Die Flügelstummel rei- 
chen fast bis an den Rand der Hinterbrust, die obern sind 
linealisch, abgestutzt, aber mit abgerundeten Ecken und von 
der Körperfarbe; die untern gefaltet, tief violett. Die Schen- 
kel zeigen stark erhabene Längslinien. — Die Färbung 
variirt sehr; ein Exemplar ist ganz und gar von einem hel- 
len gelblichen Grün, ein zweites fast ganz aschgrau, ein 
drittes hellbraun, ein viertes dunkelbraun. Das aschgraue 
Exemplar hat kürzere und dickere Beine, und ist, trotzdem 
es bereits die Flügelstummel besitzt, bedeutend kleiner, nur 
20 Linien lang, sonst finde ich aber keinen Unterschied. 

3. Proscopia gracilis Ph. 

Laeviuscula, gracilis supra longitudinaliter striata; rostro  caput 
aequante, a basi tetraquetro, graeili, lineari; abdomine cylindrico, su- 
pra leyiter striato: femoribus posticis, striatulis, supra et infra pro- 


funde sulcatis. — Longit. 24 lin. 
In collibus prope Santiago frequens. 


238 


Die Augen sind gross, . stark vorgequollen und liegen 
in der halben Länge des Kopfes. Der Schnabel ist von-An- 
fang an vierkantig, (die Kanten aber nicht flügelartig vor- 
gezogen, wie bei der vorigen Art,) und linealisch, am Ende 
abgerundet, der Kopf vor den Augen eingezogen, am Grunde 
dicker, namentlich auch unten vortretend. Die Farbe ist 
gelblich, oft mit grauem Grunde zwischen den erhabenen 
Streifen, oft fast ganz grau, oder braun. 

4. Proscopia australis Ph. 

Laeviuscula, gracilis, supra longitudinaliter vix striata; rostro caput 
aequante, basi tereti, vix apice tetragono; oculis parum prominenti- 
bus; femoribus vix striatis, supra et infra sulco exaratis. — Longit. 25 Iin. 

In proy. Valdivia .specimen cepi. 

Der vorigen Art sehr ähnlich und vielleicht blosse 
Varietät, der Schnabel ist jedoch in ?/, seiner Länge dreh- 
rund, die Augen wenig vortretend, der Kopf vor denselben 
fast vollkommen cylindrisch, am Grunde nicht verdickt, was 
ihm ein sehr abweichendes Ansehen gibt; er hat oben in 
der Mitte eine seichte Längsfurche, aber keine erhabenen 
Längsstreifen; ebenso sind die Streifen auf Brust, Hinter- 
leib und Hinterschenkel kaum zu bemerken. 

5. Proscopia coniceps Bl. 

Blanchard gibt keinen Fundort an; ein ausgewachse- 
nes, 25 Lin. langes, ganz grünes Exemplar, ohne alle brau- 
nen Streifen fand ich bei Santiago, ein junges ganz braun- 
graues in der Prov. Aconcagua. 

_ Die Geschlechter Tropinotus Serv. und Conometopus 
Bl. kommen nur in den nördlichen Provinzen Chiles vor 
und fehlen noch im Museum. 

Ackwıum Geoffr. 

1. Acridium cancellatum Serv. 

Häufig in den Gärten von Santiago; in der Prov. Val- 
divia kommt. diese Art nicht vor. 

2. Acridium viride Ph. 

Pubescens, viride; capite vitta mediana nigra ornato; carina pro- 
thoracis sat elevata, divisa, nigra; vitta obligua utrinque in parte pos- 
teriore ejus flava, nigromarginata; elytrorum parte interna s. horizon- 
tali alba, prope carinam nigra; antennis nigris; alis virescente hya- 
linis; tarsis tibiisque porticis roseis; spinis earum albidis, apice nigris, 
— Longit. corp. 16 lin, extens. alarum 26 lin. 

In prov. Santiago, Colchagua haud rarum. 


239 


Das ganze Thier ist stark flaumhaarig. Der Kopf hat 
auf der Vorderseite vier starke Kiele, von denen sich die 
beiden mittleren vereinigen, ehe sie mit der dreieckigen, 
zwischen den Fühlern vortretenden Stirn zusammenstos- 
sen; ein schwacher Kiel verläuft von der Spitze derselben 
nach hinten; zwischen den Augen verläuft eine vertiefte 
Querlinie. Cliypeus und Oberlippe sind lebhaft grün; auch 
die Palpen sind grün; der obere Theil des Gesichtes fast 
ganz gelb. Das Halsschild ist graugelb, sein Kiel deutlich, 
durch die gewöhnlichen 3 Querfurchen in vier Theile ab- 
getheilt, bei den Weibchen mässig erhaben, bei den Männ- 
chen stärker, jedoch bei weitem nicht so stark, wie bei dem 
sehr ähnlichen A. cristagalli; auf den drei ersten Abthei- 
lungen ist der Kiel kohlenschwarz, auf der letzten von der 
Farbe des Grundes. Keine Seitenkiele. Auf den beiden 
letzten Abtheilungen verläuft jederseits eine schräge, von 
innen nach dem Vorsprunge der Flügel gerichtete, hellgelbe, 
beiderseits schwarz eingefasste Binde. Der Vorderrand 
springt in der Mitte etwas winklig vor. Die Seiten der 
Vorderbrust sind ganz grün, mit einem grossen, braunen 
Fleck. Die Flügeldecken ragen auch beim Weibchen weit 
über den Hinterleib hinaus; ihr horizontaler Theil ist flaum- 
haarig. Die Unterseite des Körpers ist so lebhaft grün wie 
die obere. Schenkel und Knie der Vorderbeine sind grün, 
Schienen und Tarsen rosenroth, ebenso die Mittelbeine; 
an den Hinterbeinen ist aber die äussere okere Kante 
schwarz oder schwarzgefleckt; die Dornen der Tibien sind 
grünlich weiss mit schwarzen Spitzen. — „Der Dorn des 
Vorderbrustbeines ist mässig und spitzlich. 

Die grüne Farbe ist bald mehr, bald weniger lebhaft 
und fällt bisweilen ins Graue; die gelben Binden des Pro- 
thorax verlängern sich bisweilen bis an den Ursprung der 
Hinterbeine. 


3. Acridium brachypterum Ph. 


Viride, prothorace rugoso, valde carinato, transversim bisulcato, 
märgine antico medio producfo; vittis duabus obliquis nigris in utro- 
que latere prothoraeis; elytris @ abdomine multo brevioribus; tibüis 
roseis, spinis earum albis, apice nigris. — Longit. corp. 18 lin. 

Prope Llico in prov. Colchagua, unicum specimen. 


240 


Diese Art sieht der vorigen so ähnlich, dass man sie 
für den Puppenzustand halten möchte, sie scheint aber aus- 
gewachsen, ist weit grösser und robuster. Die Flügeldek- 
ken sind nur 10 Linien lang, nach hinten verschmälert, 
ihr Vorder- oder Unterrand stark gekrümmt. Dem- Pro- 
thorax fehlt der braune Fleck jederseits, und die gelbe, 
schräge Binde jederseits, die jene Art auszeichnet, ist hier 
bis auf die schwarze Einfassung verschwunden. Sonst ist 
der Prothorax ebenso runzelig, ebenso gekielt, aber schwä- 
cher behaart. Auch die Beine sind ebenso beschaffen. 

4, Acridium crista Galli Ph. 

Desertum Atacama. 

5. Acridium vittigerum Bl. 

Santiago, Colchagua, (Coquimbo secundum Gay). 

6. Acridium maculipenne Bl. 

Santiago (Coquimbo secundum Gay), Valdivia. 

7. Acridium democraticum Bl. 

Valdivia, Santiago, Coquimbo sec. Gay. 

PopısmAa Latr. 

Podisma viridis Bl. 

In prov. Valdiyia satis frequens, (Concepcion, Coquimbo sec. Gay). 

Ozvırona Latr. 

1. 0Oe. ochraceipennis Bl. 

Santiago, Valparaiso, Valdivia etc.*) 

2. Oe. atacamensis Ph. 

Desertum Atacama. 

3. Oe. signatipennis Bl. 

Santiago, Coquimbo (Gay). 

4. Oe. flavipennis Ph. 

Rufo-testacea; capite conico, supra albido vittato; prothorace vix 
carinato, vitta albida, utringue nigro marginata ornato; carina an- 
gulosa alba utrinque; elytris immaculatis, pallidis, testaceo-flavis; fe- 
moribus posticis pallide rufofuseis, apice vix obscurioribus; tibiis con- 
eoloribus. Longit. corp. 8 lin. 

Prope Corral specimen cepi. 

Die Seiten der Brust sind hell bräunlich, ungefleckt, 
aber mit braunen, einzelnen Pünktchen getüpfelt. Der Pro- 


thorax hat oben eine Querfurche oder vielmehr blos eine 


*) Die sehr ähnliche Oe. cinerascens Bl. habe ich entweder 
noch nicht finden, oder von der vorigen unterscheiden können. 


241 


vertiefte Querlinie. Hinterleib, Brust und Bauch sind blass 
braun; die Vorderfüsse mehr rothbraun mit einzelnen, brau- 
nen Tüpfeln ; die Mittelbeine ebenso; die Hinterschenkel sind 
gleichfalls hell, bräunlich, unten blasser; die Hinterschie- 
nen blass, schalgelb, nur die vordere Seite gegen die Spitze 
hin schwärzlich, ihre Dornen schwarz mit heller Basis; die 
Tarsen sind sämmtlich blass, gelblich. Die fast strohgel- 
ben, durchaus ungefleckten, ungesprenkelten Flügeldecken 
zeichnen diese Art sehr aus. 

5. 0Oe. chloris Ph. 

Capite et prothorace medio anguste carinato, laete viridibus, supra 
fusco vittatis; elytris fuscis, margine exteriore laete viridi (raro lutes- 
cente), centro nigromaculato; femoribus posticis supra laete viridibus. 
— Longit. 8 lin. 

In prov. Valdivia invenitur. 

Die Fühler und die Mundtheile sind schalgelb; die 
beiden von der Stirn herablaufenden erhabenen Linien braun. 
Der Kiel des Prothorax reducirt sich auf eine erhabene Linie, 
die erhabenen, im Winkel gebrochenen Seitenlinien oder Kiele 
sind wenig entwickelt. Auf den Seiten bemerkt man drei 
vertiefte Querlinien, auf dem Rücken nur zwei; sie fallen we- 
nig in die Augen. Die Seiten von Mesothorax und Meta- 
thorax sind olivengrün; der Hinterleib oben braun, unten 
gelbgrün. Die Flügel sind wasserhell. Die vorderen Beine 
sind hellbraun; die Hinterschenkel oben lebhaft grün, an 
der Aussenseite oben dunkel-, unten hellbraun, unten roth 
oder gelb, innen gelblich; aussen haben sie an der Spitze 
wie so viele andere Arten, einen braunen Fleck. Schienen 
und Tarsen sind blassbraun. Durch die lebhaft grüne Fär- 
bung eines grossen Theiles ihres Körpers leicht zu erkennen. 

6. 0Oe. humilis Bl. 

Valdivia, Coquimbo (Gay). 

T. 0Oe. irroreta Ph. 

Pallide cinerascens; vertice inter oculos haud prominente; thorace 
rugoso, carinato, transverse sulcato; elytris pallide cinereis, maculis 
annularibus fuscis pictis; alis hyalinis; antice fuscescentibus; femori- 
bus postieis fusco-annulatis; tibiis posticis pallidissime caerulescenti- 
bus. J' longit. corp. 6"/s lin., extens. alarum. 131/2 lin. 

Die Augen sind stark vorgequollen, wie bei Oe. ochra- 
ceipennis, aber der Scheitel tritt nicht so weit vor die Au- 
gen vor, und die vier Kiele des Gesichtes sind nicht so 


242 


deutlich, indem sie sich mit den Runzeln desselben ver- 
schmelzen und nicht gradlinig, sondern unregelmässig wel- 
lenförmig verlaufen. Die Farbe des Kopfes ist röthlich grau, 
und er zeigt einzelne, vertiefte, schwarze Punkte, aus de- 
nen Härchen entspringen. Die Brust ist runzelig mit tie- 
fer Querfurche und einem Längskiel, der schwächer entwik- 
kelt ist, als bei der genannten, in Chile so häufigen Art; im 
vordern Theil tritt an jeder Seite eine Runzel auffallend 
hervor. Die kleinen schwarzen Ringe der Oberflügel wer- 
den durch schwarzgefärbte Längs- und Queradern gebildet; 
es sind deren etwa 7 in einer Reihe von der Wurzel bis 
zur Spitze und drei oder vier Reihen von vorn nach hin- 
ten, einschliesslich der mehr rautenförmigen Ringflecke un- 
mittelbar am Hinterrande. Die Hinterschenrkel zeigen 2 
schwarze Querbinden, und an der Aussenseite schwarze 
Pünktchen. 

Der Eremobüuts lutescens Bl. von Coquimbo fehlt dem 
Museum noch. 


Birmpeivßvs Bl. apud Gay. 


B. tibialis Bl. ist mir noch unbekannt, allein ich be- 
sitze (zwei oder drei) andere Arten, die ich zu diesem Gc- 
nus rechnen möchte, welche aber dann die Definition von 
Blanchard (Gay VI.p. 82) etwas modificiren würden. 1. Keine 
Art zeigt einen wirklichen Kiel in der Mitte des Protho- 
rax; 2. Der Zapfen des Prosternum ist bei zwei Arten quer, 
zusammengedrückt, abgestutzt, bei der dritten spitz; 8. Die 
Hinterschenkel sind auf dem Kiel nicht gezähnelt. | 


1. B. cinerascens Ph. 
Latus, brevis, punctatus et rugosus, einereus; linea elevata & ver- 
tice per totum dorsum excurrente, femoribus postet subtus nigrican- 
tibus. Long. 9 54/2 lin, © 11 lin. et latit. ejus er — 
In prov. Santiago eaımans, 

Der Kopf ist eben so breit wie lang ei zjölket auf 
dem Scheitel eine erhabene Längslinie. Die _Vorderbrust 
ist stark trapezförmig, hinten fast doppelt so breit wie vorn, 
oben sehr flach, mit einer einzigen Querfurche; sie zeigt 
oben in. der Mitte eine erhabene Längslinie und: neben der- 
selben jederseits eine andere, geschwungene,.' die im.vor- 
dern 'Drittheil parallel verläuft, dann plötzlich, nach innen 


243 


biegt und darauf wieder parallel verläuft. Mittel- und Hin- 
terbrust haben erhabene Längslinien, Grübchen und unre- 
gelmässige Runzeln und eine seitliche Kante, die nach hin- 
ten convergirt. Der gewöhnlich vom hintern Rande des 
Pronotum bedeckte Theil des Mesonotum ist kohlenschwarz 
mit zwei brennend scharlachrothen Flecken, einem jeder- 
seits neben dem Kiel. Die Hinterbrust ist oben zweimal 
so lang wie die Mittelbrust. Der Kiel auf Brust und Hin- 
terleib ist bald wenig bemerklich, bald auf dem Hinterleib 
stark entwickelt, so dass die letzten Segmente desselben, 
von der Seite gesehn, sägezahnartige Absätze zeigen. Der 
Zapfen des Prosternum ist stark zusammengedrückt, breit, - 
quer, abgestutzt, lamellenartig. Mittelbrust und Hinterbrust 
sind sehr breit und ganz eben, ebenso das erste Hinter- 
leibssegment. Die Schenkel sind ohne Dornen, und die 
Hinterschenkel erreichen bei beiden Geschlechtern die Spitze 
des Hinterleibes; die Hinterschienen sind etwas kürzer als 
die Schenkel und haben auf jeder Kante etwa 7—9 Dor- 
nen; der Haftlappen ist mässig breit. — Die Farbe ist sehr 
veränderlich, hellgelbgrün, braungrau, rothbraun, mehr oder 
weniger gesprenkelt, am häufigsten graubraun; die Hinter- 
schienen sind grau, bräunlich, selbst fast roth. Die Fühler 
sind 13—14gliedrig; die ersten Glieder sind sehr kurz und 
wachsen allmählig an Länge, die vier vorletzten sind un- 
terhalb der Mitte eingeschnürt, gleichsam in zwei getheilt. 


2. B. obesus Ph. 


Lividus, cinereus s. flavescens, fusco irroratus, capite supra laevis- 
simo, vertice obtusissimo; thorace supra dilatato, valde plicato-rugoso, 
utringue exquisite angulato; femoribus postieis brevibus, intus laete 
rubris. — Long. Z' 10 lin. @ 154/z lin. 

In andibus prov. Santiago et Colchagua. 

Breiter, .dicker, gleichsam fetter als die vorige Art, 
stärker und faltenartig gerunzelt, glatter, ohne erhabene 
rauhe Punkte, heller. ‘Der Kopf ist gerundet; sein Schei- 
tel; von oben gesehen, weit stumpfer und zeigt keine erha- 
bene Längslinie.: Fühler wie bei der vorigen Art. Das 
Pronotum hat weit stärker hervortretende, mehr entwickelte 
Seitenkanten und erscheint daher breiter und flacher; die 
Seitentheile sind nicht senkrecht, sondern nach innen und 


244 


unten convergirend. Die Kiele der Segmente des Hinter- 
leibes erreichen den Hinterrand derselben nicht. Die Hin- 
terschenkel erreichen die Spitze des Hinterleibes nicht; sie 
sind aussen grau, gefleckt oder marmorirt, oben bisweilen 
ungefleckt, heligelb, innen immer lebhaft roth. Die Hinter- 
schienen sind noch kürzer, violett, bald hell, bald dunkel], 
ja bisweilen beinah schwarz; ihre Dornen sind länger als 
bei der vorigen Art. — Unter den vorliegenden Exempla- 
ren hat eines den obern Kiel des linken Hinterschenkels et- 
was gesägt. 


3. B.? bicarinatus Ph. 


Fuscus aut olivaceus, omnino granulatus; capite ante oculos valde 
producto; thorace compresso,; prothorace bicarinato, inter carinas 
postice convergentes plano; mesothorace, metathorace, abdomine su- 
pra compresso-carinatis. — Long. f! 10!/s lin., @ 16 lin. 

In prov. Valdivia, non valde rarus. 

Der Scheitel ist flach und verlängert sieh nach vorn 
über die Augen hinaus in eine abgerundete Spitze, die so 
lang ist als ihre Basis zwischen den Augen. Ein sehr schar- 
fer Kiel begrenzt den Scheitel von der Spitze bis zu den 
Augen. Die Fühler, von gewöhnlicher Länge und faden- 
förmig, haben nur acht Glieder, und sind ziemlich 
stark zusammengedrückt; die beiden ersten Glieder sind 
kurz, das dritte so lang wie die beiden vorhergehenden und 
etwas länger als die folgenden vier, die gleich lang sind; 
das Endglied ist fast doppelt so lang. Die beiden Kiele 
des Pronotum kann man als eine Fortsetzung der Kiele 
des Scheitels betrachten; sie vereinigen sich kurz vor dem 
Hinterrande;; Mittelbrust, Hinterbrust sind unten breit, flach, 
eben so wie der Hinterleib dachförmig mit.scharfer Firste. 
Der Zapfen des Prosternum ist ziemlich lang und spitz. 
Die Beine sind wie bei den vorigen Arten, nur die Hinter- 
schenkel sind weniger dick, und ihr Unterrand fast gerade, 
nieht so bauchig gekrümmt; sie erreichen beim f und'Q 
die Spitze des Hinterleibes und sind unten roth mit schwar- 
zem Längsstreifen in der Mitte. Die Schienen sind so lang 
wie die Schenkel, blassgrünlich, mit dunkeln Dornen. 


Die Verschiedenheit in der Zahl der Fühlerglieder 
rechtfertigt vielleicht die Aufstellung eines eigenen Ge- 


245 


schlechtes, wofür ich den Namen Tropidosiethus von Toorıg 
Kiel und 0o77J0og Brust vorschlage. 
Terrıx Latr. 
T. miserabilis Bl. 
Herr Gay fand diese Art in der Prov. Coquimbo, das 
Museum besitzt sie aus der Prov. Colchagua. 


Schlussbemerkung. 

Herr Blanchard beschreibt bei Gay 46 Arten Orthop- 
teren, zu denen noch 2 von ihm vergessene oder ver- 
kannte Arten zu rechnen sind (Periplaneta brunnea Klug 
und Bacteria spatulata Burm. non Bl.), es waren also da- 
mals 48 Arten Orthopteren aus Chile bekannt; ich habe im 
vorstehenden 32 neue Arten, also 66 Proc. hinzugefügt, so 
dass die Gesammtzahl der Chilenischen Arten sich auf 80 
belaufen würde, von denen mir aber noch 16 d. h. der fünfte 
Theil unbekannt geblieben sind, meist Arten aus den nörd- 
lichen Provinzen Coquimbo und Copiapo. 


Die Schlupfwespenfamilie PIMPLARIAE 


der deutschen Fauna, 
mit besonderer Rücksicht auf die Umgegend von Halle 


von 


E. L. Taschenberg. 


Soweit es überhaupt möglich ist, unter den Ichneu- 
monen im Sinne Gravenhorst's (Ichneumonologia eu- 
ropaea Vratisl. 1829) scharf abgegrenzte Familien aufzu- 
stellen, hat auch die genannte einen bestimmten ‚Typus, 
welcher in der Gattung Pimpla repräsentirt wird, Wie 
überall, sind es aber eigentlich nur die Weibchen, welche 
festere Anhaltepunkte gewähren; sie spielen in der folgen- 
den Eintheilung eben so die Hauptrolle, wie in der Bear- 
beitung der Gattung Ichneumon von Wesmael. Zunächst 


246 


erkennt man die Familienglieder an dem nicht gestiel-. 
ten, also entschieden deprimirten, nach vorn wenig ver- 
schmälerten ersten Gliede, eines im Ganzen deprimirten 
(von oben nach unten zusammengedrückten) Hinterleibes 
und an dem deutlich hervorragenden, bisweilen sehr lan- 
gen Legebohrer. Bei einigen verdickt sich die Spitze des 
Hinterleibes etwas und dann wird seine Ausdehnung von 
oben nach unten grösser als von den Seiten her, er er- 
scheint also mehr seitlich zusammengedrückt (comprimirt). 
In einzelnen Fällen, wo ein kurzer Hinterleibsstiel vorhan- 
den, der Höhen- und Breiten- Durchmesser sich ziemlich 
gleichen, ist der Kopf besonders kugelig (Odontomerus) und 
die Hinterschenkel haben einen Zahn. Die Spiegelzelle 
der Flügel ist entweder dreieckig oder fehlend, in nur ei- 
nem Falle (Echthrus) ist sie fünfeckig, mit ziemlich paralle- 
len Querseiten. Der Kopf ist länger als breit, bei einer 
Abtheilung, den Xoriden, mehr kubisch oder kugelig, das 
Kopfschild deutlich durch eine Querfurche abgesondert, aus- 
ser bei Acoenites und Schizopyga, die Augen meist schwach 
ausgerandet an der Fühlerwurzel. Fühler fadenförmig, ihre 
Glieder vollkommen cylindrisch und dann schwer von ein- 
ander zu unterscheiden, oder an den Spitzen kaum knotig 
geschwollen, dabei aber immer viel länger als: breit (wie 
bei den Cryptiden). Thorax buckelig, länger als hoch, bei 
den Xoriden mehr walzig. Hinterrücken nur Selten voll- 
ständig gefeldert, seine Luftlöcher häufiger klein und kreis- 
rund, als elliptisch. Klauen der Beine einfach, gekämmt 
bei Meniscus und Phyiodietus. 
Als Literatur wurden benutzt: 
1. Das oben eitirte Gravenhorst’sche Werk, welches die 
Grundlage bildet. 


2. Aug. Emil Holmgren, Försök till Uppställning och bes- 
krifning af sveriges Ichneumonider, III. Serien. Fam. Pimpla- 
riae, in Kongliga Svenska Vetenskaps - Akademiens Handlin- 
gar ny följd ILL. 2. 1860. 


3. Ratzeburg, die Ichneumonen der Forstinsekten I. Berl. 
1842. II. 1848. 


Von grosser: Wichtigkeit war es, dass mir durch die 
zuvorkommendste Bereitwilligkeit: der Herren Professoren 


247 


Grube die Exemplare der Gravenhorst’schen Sammlung und 
Ratzeburg die von ihm erbetenen, neu benannten Arten zur 
Verfügung gestellt wurden, wofür ich.den genannten Her- 
ren hiermit meinen aufrichtigsten Dank ausspreche. Ich 
habe somit die meisten Typen Gravenhorst's und die Typen 
Ratzeburgs aus der Gattung Pimpla untersucht. 

Ehe die Uebersicht der Gattungen folgt, noch einige 
Bemerkungen über einzelne Theile und Ausdrücke, welche 
hauptsächlich bei den Unterscheidungen in Betracht kom- 
men. Am Hinterrücken wird der vordere, obere Theil von 
dem abschüssigen unterschieden, beide gehen entweder all- 
mälig in einander über oder sind durch eine Querleiste von 
einander scharf geschieden, der vordere, obere Theil heisst 
gefeldert, wenn er mehre Leisten hat; diese sind voll- 
ständiger oder unvollständiger; die Luftlöcher liegen etwa 
in der Mitte der vordern Hälfte, mehr auf deren Rücken 
als der Seite. Die mittlere und immer kleinste Cubital- 
zelle der Vorderflügel heisst bekanntlich Spiegelzelle 
(areola), an den Unterflügeln die dem Innenrande und zugleich 
der Wurzel am. nächsten gelegene Querader, von welcher 
aus ein feiner Längsnerv nach dem Aussenrande. hinläuft 
ist immer innerer Quernerv (nervus transversus analis)) 
genannt worden, und wenn er gebrochen heisst, ist die 
Stelle gemeint, wo er jenen Längsnerv aussendet, auch für 
den Fall, wo er selbst ganz gerade verläuft. Unter Seg- 
ment ist stets ein Glied des Hinterleibes gemeint. An 
der Hinterleibsspitze sind in Bezug auf das Hervorkommen 
des Bohrers 2 wesentlich verschiedene Fälle zu unterschei- 
den, entweder reicht die letzte Bauchschuppe bis zur Spitze 
oder fast so weit, so dass der Bohrer aus der Spitze selbst zu 
kommen scheint, oder sie liegt in der Nähe der Bauchmitte 
und der Bohrer kommt aus einer längern, oder kürzeren 
Bauchspalte.e. An den Beinen heissen die kleinen Glieder 
zwischen Hüfte und Schenkel bekanntlich Schenkelringe 
und die Klauen einfach, wenn sie höchstens Borsten an ih- 
rer Wurzel tragen und nicht, wie ein Kamm gezähnt sind; 
bei manchen Arten sind sie an der Wurzel stark lappenar- 
tig erweitert. Es gehört eine gute Lupe dazu, ohne die 
man bei Betrachtung solcher Thiere überhaupt nichts aus- 


248 


richten kann, und einige Uebung, um über diese feineren 
Beobachtungen bald ins Klare zu kommen. Bei der Boh- 
rerläinge wurde immer nur das Stück gemessen, welches 
über die Hinterleibsspitze hinausragt, also nie die wahre 
Länge wiedergiebt, da die Basis immer tiefer im Hinter- 
leibe sitzt, manchmal in seiner Mitte. 


nn} 
O 


Schlüssel zur Bestimmung der Gattungen. 


(Gravenharst’s Pimpla Gen. 6, Acoenites Gen. 12, Xorides Gen. 13, 
Phytodietus, Macrus, Coleocentrus.) 


Kopf viel breiter als lang, Hinterleibswurzel ganz entschie- 
den deprimirt 2 

— mehr oder weniger kubisch oder kugelig, Hinterleib 
in einzelnen Fällen fast gestielt (Xorides) 16. 


Hinterleib deutlich deprimirt, höchstens seine Spitze Q aus- 
genommen 3. 

— etwas comprimirt, aber nie so, dass der Rücken 
gekielt erschiene und immer mit deprimirter Basis. Bohrer 
aus der Spitze kommend, indem die Bauchschuppe sehr 
gross ist 15. 

Mittelrücken querrunzelig; Hinterleib und der aus einer 
Bauchspalte kommende Bohrer sehr lang; Spiegelzelle drei- 
eckig: Gen. 1. Rhyssa. 

— nicht — 4. 

Segmente vom 2. an uneben auf der Oberfläche durch war- 
zige Erhebungen und Eindrücke, oder durch letztere allein, 
wenn diese in einem Falle weniger deutlich sind, dann der 
ganze Körper lehmgelb 5 
—_ — — glatt und eben 11. 
Die mittleren Segmente auch beim „’ länger als breit, sel- 
ten quadratisch, Bohrer aus einer Bauchspalte kommend. 
Spiegelzelle dreieckig: Gen. 2. Ephialtes. 
— — breiter als lang, selten quadratisch 6. 


Bohrer aus einer Bauchspalte kommend 7. 

— — der Hinterleibsspitze kommend, indem die letzte 
Bauchschuppe bis dahin reicht, keine Spiegelzelle (mit 1 
Ausnahme) 10. 

Spiegelzelle dreieckig 8. 
—_ unvollkommen, oder ganz fehlend 9. 
Körper ganz lehmgelb, Hinterleib glänzend, ohne Punkti- 
rung, mit sehr schwachen Quereindrücken vor dem Hinter- 
rande der Segmente. Hinterschenkel kräftig: 
Gen. 3. T’heronia. 

— nicht — — stärker oder schwächer 

punktirt: Gen. 4. Pimpla. 


10. 


11. 


12. 


13. 


15. 


16. 


17. 


18. 


19. 


24) 


Schenkel nicht verdickt. Kopfschild getrennt: 
Gen. 5. Polysphincta. 
_— verdickt. — nicht getrennt: 


Gen. 6. Schizopyga. 


Hinterleib wie bei Pimpla, Klauen nicht gekämmt; Bohrer 
unter halber Hinterleibslänge: Gen. 7. Clistopyga. 

— Segment 2—4 mitje 2 schrägen Linieneindrük- 
ken; Klauen gekämmt, Bohrer wenigstens von Hinterleibs- 
länge: Gen. 8. Glypta. 

Bohrer aus der Leibesspitze kommend. Spiegelzelle drei- 
eckig, selten unvollkommen 12. 
— -—- einer Bauchspalte kommend 13. 
Klauen nicht gekämmt, nur an der Basis borstig: 
Gen. 9. Lissonota. 


—  gekämmt: Gen. 10. Meniscus. 
Klauen gekämmt, Spiegelzelle deieckig, Fühlergeisel nicht 
ausgefressen: Gen. 11. Phytodielus. 


— nicht gekämmt 14. 


. Fühlergeisel Ö nicht ausgefressen. Spiegelzelle dreieckig: 


Gen. 12. Cryplopimpla. 
— 0 Glied 3und 4 nach aussen wie ausgefressen. 
Spiegelzelle fehlend: Gen. 13. Lampronota. 
Spiegelzelle dreieckig und gestielt, Beine schlank, Schild des 
ziemlich aufgetriebenen Kopfes geschieden. Fühler über hal- 
ber Körperlänge: Gen. 14. ColeocentrusQ. Macrus cd. 
—  fehlend, Hinterhüften nebst Schenkeln verdickt. 
Kopfschild unvollkommen geschieden. Fühler kaum länger 
als Kopf und Thorax zusammengenommen: 
Gen. 15. Acoenites. 
Alle Schenkel unbewehrt, öfter verdickt 17. 
Hinterschenkel sehr dick, mit einem nach unten stehenden, 
kräftigen Zahne, Kopf fast kugelig. Spiegelzelle fehlend: 
Gen. 20. Odontomerus. 
Stirn nicht gehörnt 18. 
— mit breitem Zapfen unter dem vordern Nebenauge. 
Spiegelzelle fehlend: ‚Gen. 19. Milroboris. 


Spiegelzelle fehlend 19. 

— fünfeckig. Bohrer aus einer Spalte kommend. 
Vorderschienen, besonders @ dick, an der Wurzel schnell 
verengt: Gen. 18. Echthrus. 
Kopf gegen den Mund hin nicht verengt, Hinterrücken 
deutlich gefeldert, Schienen, besonders die vordersten Q ver- 
dickt, an der Wurzel schnell verengt : Gen. 16. Xylonomus. 
Fe u verengt, Hinterrücken un- 
vollkommen oder gar nicht gefeldert.. Beine schlanker: 

Gen. 17. Xorides, 


XXI. 1863: 17 


250 


Gen. 1. EBhyssa Gr. II. 260. 

Kopf breiter als lang, das Schild von ihm durch eine 
Querfurche getrennt, kurz. Fühler wie bei Cryptus, die 
Glieder mit schwach verdickten Enden. Mittelrücken drei- 
lappig, querrunzelig. Hinterrücken mit seichter Längs- 
furche, schwach querrunzelig, seine Luftlöcher oval, vor 
der Mitte. Hinterleib cylindrisch, gestreckt, sein Ende 9 
etwas compromirt, das erste Segment mit seichter Längs- 
furche, die mittleren länger als breit, Bohrer lang, oft sehr 
lang, aus einer Bauchspalte entspringend, Spie- 
gelzelle der meist gelblichen Flügel dreieckig. Beine ge- 
wöhnlich, Klauen einfach. Beim „ pflegt das Gesicht weiss 
oder gelb gefärbt zu sein, während beim @ nur der innere 
Augenrand diese Farbe hat. 

Die stattlichen Thiere fliegen in Nadelwäldern, weil 
sie bei den daselbst hausenden Holzwespen schmarotzen. 


Arten: 


1. Alle Hinterleibsglieder am Hinterrande ganz. Kopfschild 
in der Mitte vorn etwas vorgezogen (Rhyssa Holmgr.) 2. 
Einzelne — 3-7) — ausgeschweift, was 
beim Q öfter dadurch bewirkt wird, dass der Seitenrand 
schuppenartig über das nächste Segment übergreift. Kopf- 
schild vorn gestutzt (Thalessa Holmgr.) 4. 


3. Körper mit weissen Zeichnungen: die mittleren Segmente 
mit je 2 weissen Seitenflecken. Beine gelbroth 3. 

— schwarz, höchstens ein gelbes Fleckchen an der 
Flügelwurzel. Gesicht und Beine gelbroth, die hintersten 
schwarz, ihre Schenkel an einer Seite roth, ihre Schenkel- 
ringe bleich: Sp. 1.R. approximator. 

3. Fühler weiss geringelt. Beine bleich rothgelb, die vordern 
Hüften ganz (X), oder zum Theil (9) weiss, die hintersten 
ganz (X), nur ein Fleck daran und die Tarsen (9) braun. 
Flügel glashell: Sp. 2. R. amoena. 

— nicht weiss geringelt. Schienen und Tarsen der Hin- 
terbeine braun. Flügel gelblich: Sp.3. R. persuasoria. 

4. Hinterschienen gekrümmt, nebst ihren Tarsen schwärzlich, 
sonst die Beine gelbroth. Thorax ausser den hellen Flügel- 
schuppen und Hinterleib schwarz, zeichnungslos: 

Sp. 4. R. curvipes. 
— gerade 5. 

5. Körper schwarz mit weissen Zeichnungen. Schienen und 
Tarsen der Hinterbeine braun 6. 

— — — gelben Zeichnungen. Mittelrücken 


331 


und Segment 2 mit 2 gelben Längslinien oder Flecken. 
Beine rothgelb, die hintersten stellenweise braun: 

Sp. 7. R. superba. 
Körper schwarz, roth und gelb gezeichnet. Beine rothgelb 
(5), oder roth, stellenweiseheller(9). Sp.8.R. clavata. 
Die mittleren Segmente mit einem grossen, weissen Seiten- 
flecke. Beine gelbroth. Bohrer doppelt so lang, als der 
Körper: Sp. 5. R. leucographa. 
Die letzten(3>—7) — mit weissem Hautrande Beine 
roth. Bohrer von Körperlänge, oder etwas länger: 


Sp.6.R. oblilerata. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


R. approsimator &' F. Gr. Segment 1 und 2 nadelrissig, 
schwach längsfurchig. Flügelwurzel und Schüppchen weiss- 
lich. Spiegelzelle kaum gestielt. Lg. 9,5 —12 millim. 

R. amoena Mus. Kl. Gr. Hinterleib (Y) schwarzbraun mit 
weissen Hinterrändern, die vom dritten an in der Mitte un- 
terbrochen sind, beim Q schwarz, Segment 1 mit ganzem, 


‘2 mit unterbrochenem, weissen Hinterrande , 3 und die fol- 


genden mit je 2 weissen Seitenflecken Bohrer länger als 
der Körper. — Leg. f' 16,5, @ 18 millim. 

R. persuasoria aut. Gr. In den weissen Zeichnungen sehr 
veränderlich, besonders kommen Männchen mit ganz schwar- 


zem : Schildchen oder mit schwarzen Hüften vor. — Le. 
13—30 millim. — Schmarotzt in Sirex jwencus. — H. 
10/,, 19/ 

12.349 


R. curvipes Q Gr., Ratzb. Ichn. d. Forstins. DI. 104 be- 
schreibt den 5 dazu. Form, Färbung an Kopf und Beinen 
von der vorigen Art, aber Hinterleib einfarbig, schwarz, stark 
glänzend und glatt, Segment 4 und 5 deutlich ausgerandet, 
l gerinnt und wie die Bassis von % nadelrissig, Hinterrük- 
ken tief und eng gerinnt. Spiegelzelle sehr klein, ihr Stiel- 
chen länger als das Dreieck; die Flügel glashell. Lg. 13—15 
millim. — Aus Xyphidria camelus erzogen. 


R. leucogaster @ Gr. Gestalt und Grössenverhältnisse der 
Körpertheile, wie bei 8. Spiegelzelle kaum gestielt. Lg. 19,25 
— 21,5 millim. 
R. obliterata @Q Gr. Gestalt nnd Grössenverhältnisse der Kör- 
pertheile, wie bei 3, aber die Spiegelzelle kleiner. Lg. 17—21,5 
millim. — H. Rabeninsel. 
R. superba Schrk. Gr. Lg. 17— reichlich 30 millim. — 
Wurde aus Sirex (Tremex) fuseicornis erzogen. 
R. clavata F. Gr. Segment 3—7 am Bauche mit einer 
Längsriefe, auf dem Rücken am Hinterrande tief ausgeschnit- 
ten. Lg. 17—32,25 millim. wurde gleichfalls als Sir. fus-. 
cicornis erzogen. — H. (teste Fabr.) 

102 


252 


Holmgren hat die Arten um 2 vermehrt: R. alpestris @ Kopf- 
schild zahnartig in der Mitie seiner Spitze vorgezogen. Die 
Luftlöcher des Hinterrückens beinalıe kreisförmig, Hinterleib 
sehr fein nadelrissig, ziemlich matt. Lg. 4—6'; aus Xy- 
phidria dromedarius erzogen, und Th. emarginata X Mus. 
Gyll. bei clavata. Lg. 26—30 millim. 


Gen. 2. Ephialies Gr. III. 224. 


Kopf breiter als lang, sein Schild durch eine Querlinie 
getrennt, an der Spitze mehr oder weniger niedergedrückt 
und ausgerandet. Fühler fadenförmig, die Enden der Glie- 
der in keiner Weise knotig verdickt, Mittelrücken glatt, 
schlank, nach vorn verengt, nicht querrunzelig, unvoll- 
kommen dreilappig. Hinterrücken entsprechend nach hin- 
ten verengt oder gedrungen, fast immer mit 2 Längsfur- 
chen und einer flachen Rinne dazwischen, seine Luftlöcher 
klein, rund. Hinterleib gestreckt, eylindrisch, die vor- 
dern Segmente mehr oder weniger länger als breit, selten qua- 
dratisch, (das zweite immer länger als breit), auf der Ober- 
fläche dicht und grob punktirt und uneben durch je eine 
warzige Erhebung an der Seite und wulstige, aber glän- 
zende Hinterränder, die in der Regel längsriefig sind. Boh- 
rer aus einerBauchspaltekommend, mindestens 
solang, meist aber länger als der Körper.  Spie- 
gelzelle dreieckig. Klauen nicht gekämmt. 


Alle Arten mit parallelen Hinterleibsrändern, bei de- 
nen der Bohrer so lang, wie der ganze Körper, oder noch 
länger über denselben hinausgeht, sind unter dieser Gat- 
tung aufzusuchen. Für die Männchen lässt sich kaum ein 
sicheres Kriterium anführen, ob sie dieser oder der Gat- 
tung Pimpla angehören, weil sie bei letzterer meist schlan- 
ker als die Weibchen sind. 

Diese Schlupfwespen leben in den holzbewohnen- 
den Larven verschiedener Insekten, und die Arten sind je 
nach den Wirthen, die sie bewohnten, sehr veränderlich in 
Grösse der Exemplare. 


Arten: 


1. Körper schwarz, höchstens ein Fleck oder eine Linie vor den 
Flügeln gelb. Beine schlank, besonders die hintersten. Klauen 
Q an der Wurzel lappig erweitert 2. 


253 


Körper bunt, (roth, schwarz, gelb, weiss). Hinterschenkel et- 
was geschwollen, ihre Hüften eiförmig. Kopf vor den Au- 
gen stark verengt 9. 
. Hinterschienen gebogen, aussen bräunlich, ihre Tarsen braun, 
im Uebrisen die Beine gelbrotb. Hinterleib mit schwachen 
Tuberken. Segment 3 und 4 kaum länger als breit, die fol- 
genden quadratisch. Bohrer bleich, von Körperlänge, Taster 
rothgelb, Flügelwurzel und Schüppchen und ein Fleckehen 
davor strohgelb: Sp. 1. E. messor. 
— gerade 3. 

Segment 2—5 (9) —7 (cf) länger als breit 4. 

— 3-—5 (9) quadratisch 8. 
Segment 2—4 an jeder Seite mit je einem schiefen, linien- 
förmigen Eindrucke, 1 länger als breit, seine Kiele bis über 
die Mitte verlängert. Beine roth, die schwärzlichen Schienen 
und Tarsen der hintersten gleich lang. Mittelhüften 5 mit 
kräftigem Zahne nach aussen. Bohrer von Körperlänge: 
Sp. 2. E. mesocentrus. 

— ohne schräge Linien 5. 
Segment 1 fast quadratisch, eine gelbe Linie vor den Flü- 
geln. Kopfschild breiter, am Vorderrande nur ausgeschnitten, 
nicht eingedrückt, rothgelb; Hinterrücken ohne Spur von 
Längsfurche, beim 0 die Fühlerwurzel unten gelb, Beine roth, 
Schienen und Tarsen der hintersten mehr oder weniger ge- 
brännt: Sp. 6. E. carbonarius. 

— merklich länger als breit, keine gelbe Linie 6. 


Hinterleib höher als breit, mit sehr schwachen Tuberkeln. 
Hinterbeine dunkler als die vordern, ihre Hüften schwarz: 
Sp.3. E. strobilorum. 
— . nicht — 0 grossen Unebenheiten. 
Alle Beine roth, wie ihre Hüften, nur die Schienen und Tar- 
sen der hintersten dunkler 7. 


. Rücken der mittleren Segmente mit, abgerundet rhombischer 
Verflachung und ‚lederartiger Oberfläche. Hintertarsen län- 
ger als ihre Schienen. Mal der gelblichen Flügel dunkelbraun. 
Bohrerscheide kurz wimperhaarig: Sp-4. E.imperalor. 

—_ — — — ohne solche Rhomben, die Sei- 
ten mit schwächeren Tuberkeln, aber mit starken, groben Punk- 
ten dicht besetzt. Hintertarsen so lang wie ihre Schienen. 
Mal der gelblichen Flügel rothgelb oder hellbraun. ' Bohrer- 
scheide lang wimperhaarig: Sp.5.E.rex. 
. Segment I nicht länger als breit, ohne Rinne am Rücken- 
theile, Hinterrücken gleichfalls ohne solche. Der innere Quer- 
nerv in der Mitte oder kaum darüber gebrochen, ein gelbes 
Fleckchen oder eine gelbe Linie vor den Flügeln: 

Sp.7. E. extensor. 


10. 


1. 


2. 


3 


4. 


254 


Segment. I länger als breit, mit flacher, aber deutlicher Rinne 
am Rückentheile, Hinterrücken gleichfalls mit Andeutung 
einer solchen. Die Tuberkeln stark vortretend, besonders an 
Segment 3—5. Der innere Quernerv der Hinterflügel deut- 
lich über der Mitte gebrochen: Sp.8. E. tuberculatus. 


. Thorax schwarz, gelblich weiss sind: eine Linie vor, ein Punkt 


unter den Flügeln, eine Linie hinter dem Schildchen und des- 
sen Spitze selbst, Taster, Wurzel der Kinnbacken, innerer 
Augenrand und die hintersten Ränder der Segmente, - Beine 
roth, die vordersten unten gelb, die hintersten Schienen und 
Tarsen schwarz. Flügelmal pechschwarz: 

Sp.9. E. albicinctus. 

— mit Ausschluss des Halses roth; eine Linie vor den 

Flügeln, ein Fleck unter jedem, Spitze des Schildchens, eine 
Linie dahinter und der Hinterrand des Metathorax und der 
Segmente gelblich weiss. Beim das ganze Gesicht, Q we- 
nigstens die innern Augenränder und die des Scheitels weiss. 
Körper flaumhaarig 10. 
Die äussern Augenränder schwarz, Hintertarsen nicht deut- 
lich dunkel geringelt: Sp. 10. E. mediator. 
Alle Augenränder weiss, Seiten des Halses gleichfalls; an 
den ganz bleichgelben Beinen die Tarsen der hintersten mit 
scharf dunklen Enden der Glieder: 

Sp. 11. E. varius,. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten: 


E. messor Q Gr. Lg. 13—15 millim. Wurde aus der Wachs- 
schabe Tin. mellonella erzogen. 

E. mesocentrus /' Gr. Der Catalog des brit. Museums von 
Desvignes erwähnt auch das ©. Lg. 15 millim. Bohr. desgl. 
E. strobilorum (Pimpla) Rtzb. D, 94. Glänzend schwarz der 
sehr schlanke Hinterleib etwas comprimirt. Hinterrücken 
mit deutlicher Längsrinne, Rücken von Segment 1 mit einer 
Andeutung davon, Scheitel sehr breit. Bleichgelb sind die 
Taster, Flügelschüppehen und Wurzel und der Bohrer.. Mal der 
irisirenden Flügel etwas dunkler. Beine gelbroth, die hinter- 
sten braunroth, alle Hüften schwarz, die Schenkelringe auch 
dunkel, vor und hinter ihnen die Gelenke aber weisslich. 
Einterlieine sehr lang. Lg. 8,75, Hinterleib 5,75, Bohr. 11,5 
millim. Das co’, welches ich nicht kenne, wird von Ratzeburg 
mit P. linearis verglichen, doch sind hier die Hinterschenkel 
und Schienenenden sehr dunkel und der Hinterleib noch ge- 
streckter. ‘Wurde aus Fichtenzapfen erzogen, in denen: Ano- 
bium abietis, Tort. strobilana und Tin. abietella gewirthschaf- 
tet hatten. 

E. imperator Kriechbaumer St. E. Z. 1854, p. 159 = mani- 
festator Gr. theilweise. Abbildung des Q@ bei Ratzeburg 1. c. 


255 


T£. VI, £. 6. Die grösste Art, 19—38 millim. das grösste 
Exemplar meiner Sammlung misst reichlich 39, Hinterl. 20,5, 
Bohr. 37,5 millim. — H. '/;,. Dessauer Haide im Mai. 


5. E. rex Kriechb. 1. c. — manifestator aut. theilweis, 21,5—26 
millim. Mein erösstes Exemplar misst 24, Hinterl. 15,5, 
Bohr. fast 30 millim. Ein # erzog ich aus Sesia sphegiformis 
5). Diese oder die vorige Art (E. imperator) wurde er- 
zogen aus Trypoaylon figulus. — H. °/;—*]s- 

6. E. carbonarius Christ Gr. — gracilis d' Gr. Das rothgelbe, 
ziemlich breite Kopfschild, die silberhaarige Stirn, eine gelbe 
Linie vor den Flügeln und der deutlich über der Mitte ge- 
brochene Quernerv der Hinterflügel, so wie der kiellose Hin- 
terrücken kennzeichnen diese Art. Beim 4 ist ausserdem die 
Fühlerwurzel unten gelb. Lg. 15,5, Hinterl. 11, Bohr. 28 
millim. Wurde erzogen aus Saperda oculata und populnea. 
— H. *,,— 25). 

7. E. extensor Pz. Um den Namen war ich verlegen. Den ge- 
wählten, über den ich keine weitere Rechenschaft geben kann, 

_ und der von andern Autoren, wie L. und F. schon verwen- 
det wurde, trägt nach Burmeisters Bestimmung eine Art, 
welche ausserordentlich der vorigen gleicht, sich aber durch 
Folgendes unterscheidet: 1. Das Kopfschild ist schwarz, vorn 
eingedrückt und ausgeschnitten, so dass es viel kleiner er- 
scheint, als bei voriger Art. 2. Die Hinterleibssegmente sind 
vom 3. an viel kürzer als dort und das ganze Thier nie so 
gross. 3. Der innere Quernerv der Hinterflügel ist in der 
Mitte oder kaum darüber gebrochen. 4. Beim 0° sind die Füh- 
ler unten nicht gelb und das Gesicht kaum silberhaarig. Län- 
genverhältnisse eines grossen Exemplars 11,5, Hinterl. 7,3; 
Bohr. 12,25 millim., eines kleineren, mehr normalen Exempl. 
fast 9,5, Hinterl. 6, Bohr. fast 10,5. — H. 5),—”*/s. *) 


8. E. tuberculatus Fourc. Gr. — Pimpla Reissigii Ratzeb. 1. c. 
II. 89. Flügelschüppchen meist etwas dunkler als bei den 
verwandten Arten, in der Regel auch kein helles Fleckchen 
davor. Flügel stark gelb. Lg. 14, Hinterl. 9, Bohr. 17,5 
millim. Wurde erzogen aus einem Bockkäfer im Eichenholz 
und aus Cryptorh. lapathi nach Ratzeb. — H. 8), —°)o- 

9. E. albicinctus @ Gr. Lg. 19 millim. 


*) Pimpla caudata Q Ratzeb. 1. c. II, 92, welche aus Oynips ter- 
minalis erzogen Wurde, kann ich nur für die eben beschriebene Art 
halten. Leg. fast 8,5, Hınterl, fast 5, Bohr. kaum 9 Millim. 

Pimpla longiseta Ratzeb. 1. c. I, 117 kann auch nur hierher ge- 
hören, wenigstens finde ich in Sculptur, Habitus und Färbung keinen 
Unterschied, es sei denn, dass die Brustseiten etwas deutlicher punk- 
tirt und die glänzenden Hinterränder der Segmente etwas schmäler er- 
scheinen. Lg. 7,5 Hinterl. 4,5, Bohr. 10 Millim. Wurde erzogen aus 
Tort. dorsana, 


256 


10. E. mediator F.. Gr. Hüften, Schenkel und Schienen der Hin- 
terbeine etwas dunkler als die vordern, die Schienen an der 
Spitze verloschen gebräunt. Hinterleib von Männchen und Weib- 
chen hinter der Mitte am breitesten. 7,5—13 millim. Län- 
genverhältniss eines grossen Q, welches ich vor mir habe: 
13,5, Hinterl. 9, Bohr. 18 millim. Wurde SrAoBEn aus Ay- 
phidria camelus. — H. 2, —!)y- 

. E. varius Gr. — Pimpla decorata Ratzeb. l. c. Schlanker 
als vorige Art; Hinterleib in der Mitte am breitesten Lg. 10, 
Hinterl. 6, Bohr. fast 11,5 millim. — H. ??,. Von E. di- 
vinator Ross, den ich nicht kenne, giebt Gravenhorst an, 
dass der Hinterleib, die Beine und der Bohrer kürzer seien, 
als bei Nr. 10, letzterer nur von Hinterleibslänge. 


1 


| y 


Gen. 3. Theronia Holm. ].c. p. 16. Pimpla Gr. 

Gestalt der folgenden Gattung. Kopf breiter als lang, 
sein Schild deutlich durch eine gebogene Naht abgesondert, 
an der Spitze in seiner ganzen Breite eingedrückt, so dass 
es sich in seiner Mitte in eine stumpfe Leiste 
zu erheben scheint. Fühler fadenförmig, kurz und 
dick, ihre Glieder vollkommen cylindrisch, die der vordern 
Hälfte breiter als lang; Augen den Fühlern gegenüber et- 
was ausgerandet. Thorax kräftig, wenig länger als hoch. 
Hinterrücken vorn mit 3 deutlichen Feldern, deren mitt- 
leres quadratisch ist; in den Seitenfeldern die Luftlö- 
cher gross und langgezogen. Hinterleib in der Mitte 
am breitesten, beim o fast mit parallelen Seitenrändern. 
Segmente breiter als lang, mehr oder weniger uneben, 
aber nicht punktirt. Bohrer @ aus einer Bauchspalte 
kommend, etwa von !/; Hinterleibslänge. Spiegelzelle fast 
fünfeckig.. Hinterbeine kräftig, besonders ihre 
Schenkel; Klauen aller einfach, ein gestieltes Polster; da- 
zwischen. Nur eine Art: 

T. flavicans F. Gr. III, 141. Glänzend gelbroth, verschieden 
schwarzfleckig, besonders längs der Nähte, Bohrerscheide 
schwarz. Lg. 9—11 millim. (auch 4 und 15) ist aus den 
verschiedensten Schmetterlingspuppen erzogen worden. Pap. 
cralaegi, Van. polychloros, Lim. camilla, Bomb. pini, dispar, 
chrysorrhoea, Tor. viridana, Sciaph. penziana. — H. °,— 3]; ; 
überwintert unter Laub. 

Gen. 4. Pimpla F. Gr. II, 137. 

In der Körperbildung kaum von Ephialtes verschieden 

und nicht ohne Uebergänge dahin, doch fällt die gedrun- 


257 


genere Form, wenigstens beim Q@ gleich in die Augen, 
dadurch hervorgerufen, dass die Hinterleibsglieder breiter 
als lang sind und der Bohrer bei den meisten Arten die 
Länge des Hinterleibes nicht übertrifft, häufiger sie nicht 
erreicht; die wenigen Arten, wo sie dem Körper gleich- 
kommt (terebrans) oder denselben noch übertrifft (ruficollis) 
sind dann hier zu suchen, wenn der-Hinterleib in der Mitte 
deutlich breiter ist. — Kopf kurz und breit, häufig mit ein- 
gedrückter Stirn; Kopfschild deutlich geschieden, vorn in 
der Mitte niedergedrückt oder seicht ausgehöhlt. Augen 
länglich, mehr oder weniger deutlich ausgerandet der Füh- 
leıwurzel gegenüber. Fühler fadenförmig, beim ‘ ein we- 
nig kräftiger, ihre Glieder vollkommen cylindrisch, biswei- 
len die Enden der ersten Geiselglieder etwas angeschwol- 
len, Schaft an der Spitze ausgeschnitten. Thorax kräftig, 
Schildchen erhaben, nach hinten gerundet. Metathorax viel 
kürzer als hoch, mit ovalen oder kreisrunden Luftlöchern, 
gar keinen, in wenigen Fällen jedoch einigen Feldern. Hin- 
terleib mit fast parallelen Seitenrändern, besonders beim 
gestreckt, oder in der Mitte am breitesten, sein erstes 
Glied fast quadratisch, meist schwach gekielt, seine Luft- 
löcher nahe der Basis. Segment (2?—3-—7 breiter als 
lang (P. oculatoria allenfalls ausgenommen, beim X auch 
quadratisch oder länger als breit), auf der Oberfläche un- 
eben, warzig erhaben, eingedrückt, punktirt und 
dadurch wenig glänzend, nur die wulstigen 'Hinterränder 
glätter und glänzender. Bohrer aus einer Bauchspalte 
entspringend,. Flügel mit dreieckiger Spiegelzelle. 
Krallen einfach, beim © öfter an der Wurz«l ‚lappig er- 
weitert. - 
Arten: 


1. Luftlöcher des Hinterrückens oval: oder, eiförmig, innerer Quer- 
nerv. der Hinterflügel nicht unter seiner Mitte gebrochen 
(meist darüber oder genau in derselben) 2. 

ve ur u kreisföormig und darum kleiner 
und undeutlicher. Fühlerglieder @ vollkommen cylindrisch 10. 

2. Klauen @ nicht lappig erweitert an ihrer Wurzel. Bohrer 
unter Hinterleibslänge 3. 

—  ‚lappig erweitert, Fühlerglieder vollkommen eylin- 
drisch 7. 


258 


Fühler © schlank, die Enden der ersten Geiselglieder wenig- 
stens schwach geschwollen 4. 

— kräftig und cylindrisch, wie bei den meisten Arten. 
Schwarz. Taster, ein Flecken vor den Flügeln, ihre Wurzel, 
Schüppchen undMal gelb, Beine rothgelb, die Schienenspitzen 
und Tarsen mit Ausschluss der bleichen Wurzel an den hin- 
tersten schwarz: Sp. 6. P. pudibundae. 
Hinterhüften roth. Die schwarzen Hinterschienen vor der 
Wurzel mit weissem Ringe. Beim 5 Oberlippe, Kopfschild 
und Fühlerwurzel unten gelb: Sp. 35. P. Turionellae. 

— schwarz 5. 
Hinterschienen mit weissem Ringe vor der Wurzel, eine 
gelbe Linie vor der Flügelwurzel. Hinterrücken querrissig, 
vorn mit kurzer Mittelfurche und ohne Felder: 

Sp.4.P. examinator. 

— ohne — — 6. 
Hinterschienen rothgelb, wie die Schenkel, Hintertarsen 
schwarz. Die eingedrückte Stirn bis zu den Fühlern quer 
nadelrissig, eben so der Vordertheil des Hinterrückens, 
Beim „5 Taster und Fühlerschüppchen gelb. Bohrer @ un- 
ter halber Hinterleibslänge: Sp. 1. P. insligator. 

== schwarz, wie die Tarsen, Schenkel gelbroth. 
Die eingedrückte Stirn nur am obern ?2/, quernadelrissig. 
Hinterrücken lederarti.. Bohrer über halber Hinterleibs- 
länge. Beim f Taster schwarz, Flügelschüppchen bleich 
“hornbraun: Sp.2. P. illecebrator. 
Die ganzen Hinterbeine schwarz, die vorderen auf der Aus- 
senseite ebenfalls mehr oder weniger unten bleich. Seulp- 
tur wie bei P. instigator, aber die Hinterhüften viel dichter 
punktirt, bem J' Taster schwarz, Flügelschüppchen bleich, 
Bohrer unter halber Hinterleibslänge: 

Sp.3.P. aterrima. 
Bohrer © unter halber Hinterleibslänge, an der Spitze schwach 
nach unten gekrümmt, das Gesicht mehr .oder weniger 
gelb. 8. i 

— länger als der Hinterleib, ganz gerade. Das Ge- 
sicht &' schwarz 9. 

Erstes Segment des Hinterleibes auf seiner hintern Hälfte 
oben gerundet. Gesicht ganz gelb d’': R 
Sp.7.P. rufata. 

— — — — bis zur Spitze muldenar- 
tig ausgehöhlt, das gelbe Gesicht X mit schwarzer Mittel- 
strieme: Sp.8. P. varicornis. 
Fühler und Hinterschenkel f schwach. Der ganze Körper 
gleichmässig grob punktirt. Hinterrücken mit einem 'glän- 
zenden Mittelfleck. Hinterleib mehr oder weniger braun 
schimmernd: Sp. 9. P. roborator. 


10. 


11. 


12. 


13. 


14. 
15. 
16. 
3 7. 


18. 


259 


Fühler und Hinterschenkel ıS etwas kräftiger. Brustseiten in 
der hintern Hälfte polirt. Hinterleib schwarz. Das Weib- 
chen unbekannt: Sp.10.P. viduata. 
Die vorderen Felder des Hinterrückens unvollständig, höch- 
stens durch 2 Längsleisten angedeutet 11. 

Wenigstens das vordere Mittelfeld vollständig geschlossen 30. 
Letztes Hintertarsenglied vier mal so lang, als das vorletzte. 
Kopf und grösster Theil des Thorax schwarz, der übrige 
Körper roth: .Sp.11.P. melanocephala. 

— — kaumdreimal — u 12. 
Klauen © nicht lappig erweitert 13. 

—  lappig erweitert 14. 

Bohrer kürzer als der halbe Hinterleib. Innerer Quer- 
nerv der Hinterflügel über der Mitte gebrochen. Körper 
stark weisshaarig. Thorax, Schildchen, Hinterleib und Hin- 
terhüften schwarz, diese bisweilen roth: 

Sp.12.P. scanica. 

— länger als der Körper. Innerer Quernerv der 
Hinterflügel genau in der Mitte gebrochen. Mittelrücken, 
mit Schildchen, Hüften und grösster Theil des Hinterleibes 
roth: Sp.13.P. ruficollis. 


Wenigstens die innern Augenränder bis zum Scheitel gelb, 
beim f! das ganze Gesicht. Die innere Querader der Hin- 
terflügel etwas über ihrer Mitte gebrochen. Hinterschienen 
an der Spitze und vor der Wurzel dunkler 15. 
Alle Augenränder schwarz 17. 
Hinterleibsglieder quadratisch Q, länger als breit d”. Mittel- 
brust mehr oder weniger vollkommen roth. Hinterleib roth- 
ränderig, oder mit einzelnen rothbraunen Gliedern: 
\ Sp.14 P. oculatoria. 
= breiter als lang Q, quadratisch S' 16. 
Mittelrücken mehr oder weniger: ;roth. Hlinterrücken ohne 
Leisten, ‘aber mit: seichter Mittelfurche: 
Sp.15..P. ornala. 
1 schwarz, eine Linie vor den Flügeln und Schild- 
chenspitze gelb; | Sp. 16..P.  angens. 
Innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner Mitte; gebro- 


‚chen. Hüften, wenigstens die hintersten, roth 18. 


— nr - ; in. der Mitte‘; oder meist 
deutlich darunter gebrochen 22. 


Beine durchweg einfarbig gelbroth. Hinterrücken vorn ein- 
zeln: pünktirt, hinten fein quernunzelig mit 2 feinen, langen 
Längsleisten, dazwischen gleichfalls gerunzelt. Fühler kuz: 
Sp. 17. P.arundinalor. 

— _ gelbroth, Hinterschienen an der Spitze und mehr oder 


‚weniger‘ deutlich vor der Basis dunkler 19, 


19. 


20. 


21. 


22. 


24. 


25. 


26. 


260 


Hinterrücken durchaus in derselben Weise. einzeln und sehr 
grob punktirt, wie der Hinterleib, zwischen den angedeu- 
teten Leisten jenes keine glänzendere Rinne. Bohrer fast von 
Leibeslänge. Mittelrücken und der grösste 'Theil der Brust- 
seiten gleichfalls deutlich punktirt: 

Sp. 18.P. cicatricosa. 

— und Hinterleib in Sculptur verschieden, Boh- 
rer unter Hinterleibslänge 20. 

Hinterhüften unten glatt. Mittelläche des rauhen Hinter- 
rückens schwach vertieft und viel glätter als die Theile aus- 
serhalb der Längsleisten 21. 

— durch feine Wärzchen etwas uneben (granu- 
lirt). Hinterrücken glänzend, besonders in der Mitte, aber 
auch hier etwas lederartig. Hinterschienen mit weissem 
Ringe: Sp. 21. S. graminellae. 
Segmente des Hinterleibes mit deutlichen Quereindrücken in 
der Mitte, die glänzenden Hinterränder ebenfalls mit einer 
Riefe, die aber in der Rückenmitte unterbrochen ist. Boh- 
rer etwas kürzer. Beim f Gesicht gelb: 

Sp. 19. Mussü. 

= _ — schwachen Quereindrücken in 
der Mitte, die glänzenden Hinderränder ebenfalls mit einer 
Riefe, die aber nicht unterbrochen ist. Bohrer etwas län- 
ger. Beim höchstens ein Fleckchen im Gesicht gelb: 

Sp. 20. Bernuthü. 
Bohrer unter Hinterleibslänge 23. ; 
—- von oder über Hinterleibslänge 25. 
Hinterleib schwarz. Bis auf die glatten Hinterhüften und 
die unter der Mitte gebrochenen innern Querader der Hin- 
terflügel ganz wie Sp. 21. Hüften d" schwarz. Hinterschie- 
nen sehr verwischt gezeichnet.: Sp. 22. @ravenhorstü. 
— zum grössten Theile roth 24. 
Kopf, Thorax und Hinterleibsspitze mit dem Bohrer schwarz: 
Sp. 23. P. melanopyga. 
— und Bohrer schwarz, Thorax mit den Beinen und Hin- 
terleib roth: Sp. 24. P. nigriceps. 
Hinterschienen ohne dunklen Fleck vor ihrer Basis, ihre 
Tarsen gleichmässig dunkel 26. 

— mit dunklem Flecke vor ihrer ‘Basis und 
dunkler Spitze, ihre Tarsen dunkler und heller geringelt 27. 
An den rothen Hinterbeinen die Spitzen der Schienen und 
Tarsen gleichmässig schwarzbraun. Ein gelbes Fleckchen 
unten an der Fühlerwurzel: Sp. 26. P. didyma. 

—_ —_ — die ganzen Schienen wenig- 
stens an der Aussenseite und die Tarsen gleichmässig 
schwarzbraun; Gesicht ganz schwarz: 
Sp. 27. P: lerebrans. 


27. 


28. 


29. 


u. 


31. 


1. 


261 


An den rothen Hinterbeinen die Schienen und Tarsen weiss- 
lich, einfarbig, Gesicht schwarz: Sp. 30.brevicornis var. 
Innerer Quernerv der Hinterflügel kaum gebrochen, sondern 
ganz an seinem Ende einen zarten Längsnerv aussendend. 
Körper fast ganz roth, um die Nähte und die Hinterränder 
der Segmente mehr oder weniger schwarz, wie der Kopf 
mit den Fühlern: Sp. 25. P.pomorum. 
— viel näher der Mitte den Längsnerv aussen- 
dend (gebrochen, wie es immer hiess) 28. 
Flügel irisirend, ihr Mal verhältnissmässig gross, bleichgelb 
oder dunkel. Hinterleib wenig uneben, gleichmässig dicht 
punktirt (durch Behaarung wie mit einem leichten Schim- 
melanfluge versehen). Fühler nicht länger als der halbe Körper, 
Hinterhüften schwarz oder rotb. Sp.30. P. brevicornis. 
— nicht— , an der Wurzel gelblich, wie ilır Mal. Hin- 
terleib uneben, weniger gleichmässig und dicht punktirt. Hin- 
terhüften nur roth. 29. 
Brustseiten in der hintern Furche vor der Naht ganz glatt, 
Hinterrücken am abschüssigen Theile ohne Querrisse, Hin- 
terleib mehr roth schimniernd, Bohrer etwas länger: 
Sp. 28. P.calobata. 
En _ — mit leich- 
ten Punkteindrücken, Hinterrücken am abschüssigen Theile 
fein nadelrissig, Hinterleib schwarz, Bohrer etwas kürzer: 
Sp.29. P. stercoralor. 
Von den Feldern des Hinterrückens das mittelste, halb-ellip- 
tische durch Ränder deutlich begrenzt, die beiden seitlichen 
vordersten von den dahinter liegenden nicht durch eine 
deutliche Leiste getrennt, aber dennoch zu unterscheiden, in- 
dem das vorderste polirt, das hintere rauh ist. Erstes Seg- 
ment gestreckt, am Hinterende auf dem Rücken platt. Ge- 
sicht ganz schwarz, Hintertarsen roth, schwarz schimmernd: 
Sp.31. P.laevis. 
— — = halb-ellip- 
tische durch Seitenränder und je 2 seitliche durch Leisten 
deutlich abgegrenzt. Mund gelb 31. 
Hüften von gleicher Farbe mit den Beinen (roth). Hinter- 
leib schwarz, Bohrer seine Hälfte an Länge etwas über- 
treffend : Sp. 32. P.mandibularis. 
— dunkler als die Beine. Hinterleibssegmente mit hel- 
len Hinterrändern, beim Q mit durchaus rother Spitze und 
sehr kurzem Bohrer: Sp. 33. P. velula. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


P. instigator F. Gr. p. 216. Abb. Ratzeb. Forstinsekt. III Tf. 
IV, 1, Neben der folgenden die grösste Art. Schwarz, Beine 
rothgelb, nur die Hüften, Schenkelringe aller und Tarsen der 


2. 


262 


hintersten schwarz. Flügelwurzel pechbraun, Schüppchen we- 
nigstens mit lichtem Flecke. Eskommen Männchen vor mit hell- 
geflecktem Schildchen. Ich sah eines, von Ratzeburg mir über- 
sandtes und mit demıNamen procesioneae belestes. Lg. 6-19 
millim. Grössenverhältnisse 17, Hinterl. 9,75, Bohrer 4 (in Wirk- 
lichkeit 8) millim. Wurde erzogen aus Puppen von P. bras- 
sicae, Orgyia gonostigma, pudibunda, Lip. dispar, monacha, 
salicis, chrysorrhoea, auriflua, Gasir. processionea, neuslria, 
pini, Harp. erminea, Panol. piniperda, Calpe libatrie. — 
H. °°/, — ?jo- 

P. illecebrator Gr. p. 223. Noch kräftiger, an den Hinterbeinen 
auch die Schienen schwarz. Lg. 18, Hinterl. 11, Bohrer über 
8 (in Wirklichkeit fast 12,5) millim. 

P. aterrima Gr. 215 gleicht in Gestalt und Grössenverhält- 
nissen der Theile der folgenden, in der Sculptur der 1. Art, 
nur dass hier die Hinterhüften viel dichter punktirt sind, wie 
dort, In Färbung ist diese Art durch die ganz schwarzen 
Hinterbeine ausgezeichnet, die vorderen sind auf der Ober- 
seite dunkler als unten, oder gleichmässig dunkelroth. Lg. 15,5, 
Hinterl. fast 10, Bohr. fast 3,5 millim. 

P. examinator F. Gr. 207. Schwarz, Mund rothbraun, äus- 
serster Rand der Segmente licht. Meist ein gelber Fleck 
oder eine gelbe Linie vor den Flügeln. Beine roth, Hüften 
(und Schenkelringe Q) aller, Kniee, Tarsen und Schienen der 
hintersten schwarz, letztere mit weissem Ringe. Abschüssiger 
Theil des Hinterrückens polirt. Flügelmal schwärzlich, an 
den Enden hell, Schüppchen 9 hell. Lg. kaum 4—10 millim. 
d 6-13 millim. Grössenverhältnisse: Fast 11,5, Hinterl. 
7, Bohrer 3 millim. Wurde erzogen aus den Puppen von: 
Lith. quadra, Euprep. fuliginosa, Psyche hirsutella, siellinen- 
sis; Lip. monacha, Gastr. processionea, Harp. vinula, Zerene 


grossulariata, Tort, buoliana, Hypon. evonymellae. — H. 
14 23 

3 9 
en, L.G. 192. Der vorigen Art sehr ähnlich, aber 
die Hinterhüften roth, in einzelnen Exemplaren die Luftlö- 
cher des Hinterrückens schon etwas mehr der runden Form 
genähert. Schwarz, die äussersten Segmentränder etwas ge- 
bleicht. Beine roth oder rothgelb, Tarsen und Schienen der 
hintersten schwärzlich, letztere vor der Wurzel mit weissem 
Ringe. Flügelmal braun, Schüppchen J' strohgelb, bei die- 
sem auch die Taster und Fühlerwurzel unten bleich. Lg. 
4— 10,5 millim. Grässenverhältnisse: 10, 5, Hinterl. kaum 
6,5, Bohrer 2,75 millim. Wurde erzogen aus Gast. pini und 
Tort. buoliana. — H. 2°, — ho. 

var. 1 cd‘ DieHinterschienen mit verwischt weissem Ringe, 
mehr gleichmässig gefärbt. = P. spuria Gr. 

var. S' Q Schildehen weiss gezeichnet. 


263 


P.pudibundae Ratzeb.1.c. I, 114. Der P. stercorator ausser- 
ordentlich ähnlich in Seulptur und Färbung, jedoch durch die 
ovalen Luftlöcher, den etwas kürzeren Bohrer, nicht unter der 
Mitte gebrochnen innern Quernerv der Hinterflügel und etwas 
deutlicher punktirten, nicht querrissigen Hinterrücken und die 
einfachen Klauen verschieden. Das Männchen, welches ich 
nicht vor mir habe, soll nach Ratzeb. ein schwarzes Gesicht, 
nur die Taster und den grössten Theil der Fühler unten gelb 
haben. Lg. 11, Hinterl. 6, 5, Bohr. 6 millim. — Wurde aus 
Org. pudibunda erzogen. 


7. P. rufata Gm. Gr. p. 164==flavonotata Holmgr. Schwarz, 


Mund, ein Fleck auf der Schulter, 2 Linien auf dem Mittelrücken, 
Spitze des Schildchens und Hinterschildchens und Flügelschüpp- 
chen gelb, Beine roth, die vorderen mehr gelblich, Schienen 
und Tarsen der hintersten bleich geringelt. Gesicht gelb 
(0) Augenränder mehr oder weniger gelb (Weibch.) Der Boh- 
rer mit der Spitze schwach nach unten gekrümmt. Erstes 
Hinterleibsglied hinten gewölbt. Lg. 6—13 millim. Grössen- 
verhältnisse: 11, Hinterl. 7,25, Bohr. 2 millim. Gezogen aus 


den Puppen von Lip. monacha, Zerene grossulariata. — H.?};. 


var. Mittelrücken ganz schwarz. 
P. varicornis F. Gr. 167 = rufata Holmgr. Der vorigen 
Art sehr ähnlich in Färbung und genau von denselben Grös- 
senverhältnissen, derselben Bohrergestalt, aber der Rücken 
des ersten Segmentes bis zum Hinterrande muldenartig ausge- 
höhlt. In der Regel keine gelben Linien auf dem Mittelrük- 
ken. Gesicht (Männch.) gelb mit schwarzer Mittelstrieme ; 
Mund (Weibch.) braun, die innern Augenränder bisweilen gelb. 

var. 1. f Zwei verwischte gelbe Rückenlinien. 

var, 2. 5 Thorax ganz schwarz, also nicht einmal die 
Schildchenspitze gelb. Wurde erzogen aus den Puppen von: 
Van., urticae, Pap. brassicae, Limenilis camilla, Sph. ligustri, 
Calpe libatrix, Lip. salicis, Botys verticalis, Tort. viridana, 
E populella und aus Eiern der Kreuzspinne — H. 

20]. 
P. roborator F. Gr. 173. Schwarz, Taster gelb. Hinterleib 
gedrungen, auf seiner Oberfläche sehr uneben, dunkel kasta- 
nienbraun oder schwarz. Beine gelblichbraun, bisweilen stel- 
lenweise reiner gelb.» Flügelmal braun, Wurzel und Schüpp- 
chen gelblich, Körper durchweg grob punktirt, auch der Hin- 
terrücken mit Ausschluss eines glänzenden, viereckigen Fleck- 
chens an Stelle des vorderen, mittleren Feldes. Lg. 14, 5, 
Hinterl. 9, 5, Bohrer reichlich 11, 5 millim. Gravenhorst 
führt auf var. 1 (Männch.) mit kastanienbrauner Schildchen- 
spitze, var 2 (Weibch.) der ganze Hinterleib schwarz==Jchn. 
ewtensor L. Diese 2. var wurde erzogen aus Myel. cribrella. 


— H. 3. 


264 


10. P. viduata 5 Gr. 214. Schwarz. Beine gelbroth, ‘Hüften 


11 


12. 


13. 


14. 


und Schenkelringe aller schwarz, Fühler mit Ausschluss 
der beiden Grundglieder unten braun. Hinterschenkel wie bei 
P. examinator. Ich möchte P. alternans Gr. 2 seiner Sculp- 
tur und dem ganzen Habitus nach damit verbinden, die Fär- 
bung will mir nur nicht recht passen. Gehören beide zusam- 
men, so müsste ihnen ein anderer Platz, vielleicht der aller- 
erste angewiesen werden. 


. P. melanocephala @ Gr. p. 149 — bicolor Boie. St. E. Z. 


1855 p. 102. Klauen am Grunde nicht lappig erweitert, 
innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner Mitte gebrochen. 
Hinterleib sehr uneben und sehr grob punktirt. Rothgelb, 
Kopf, Thorax mit Ausschluss des Hinterendes, Bohrer und 
Klauen schwarz. Lg. 8, 75, Hinterl. 5, 5, Bohrer kaum 2 
millim. Bei Boies Exemplare, welches grösser ist (13 millim, 
Bohrer 3) und aus Leue. obsoleta erzogen ward, sind schwarz 
der ganze 'Thorax und die vorderen Hüften. 

P. scanica Vill. Gr. p. 24 = alternans 5 Gr. nebst var. 
1. Die bunteste von den Arten mit schwarzem Thorax, be- - 
sonders durch die zierliche Zeichnung der hintersten, verlo-, 
schener auch der mittleren Beine. Schwarz, Taster stroh- 
gelb, Fühler unten gelb (Männch.) gelbroth (Weibch.) die Enden 
der Glieder dunkel. Ein bleiches Fleckchen vor den Flügeln. 
Die Hinterränder der Seginente mehr oder weniger bleich. 
Beine roth, Hüften und Basis der Schenkelringe schwarz, 
Hinterschienen dreifarbig, Hintertarsen weissringelig. Flügel- 
wurzel und Schüppchen strohgelb, das dunkle Mal wurzel- 
wärts ebenfalls mit bleichem Fleckchen. Lg. 6— 9 millim. 
Grössenverhältnisse: 9, Hinterl, kaum 6, Bohr. 2, 25 millim. 
Wurde erzogen aus Tort viridana, chlorana, Coleoph wWliella 
und Hyponom. padella. — H. °/,— '%10- 

‚var. Männch. Weibch. Hüften ganz oder theilweise roth oder 

gelblich — alternans X Gr. mit var. 1. 
P. ruficollis Q Gr. 153. Schwarz. Mittelbruststück mit dem 
Schildehen, Hinterschildehen, bisweilen auch 2 Seitenflecke 
am Hinterrücken, Ränder der Segmente, oder einzelne ganz 
roth. Beine roth, die Tarsen der hintern gebräunt. Flügel- 
mal strohgelb, Wurzel und Schüppchen noch heller. Lg. 8,25, 
Hinterl. fast 5, Bohr. 8,75 millim. 
P. oculatoria F. Gr. 154. Schwarz, Kopf und Thorax theil- 
weise roth, gelb liniirt. Hinterleib öfter rothgerändert. Beine 
röthlich, mehr gelb (Männch.) die Schienen und Tarsen der hin- 
tersten bleicher und braunfleckig. Lg. 9, Hinterl. 6, Bohr. 
kaum 2 millim. — H. ?,—?°)ıo überwintert. 

var. 1 Männch. u. Weibch. fast der ganze Hinterleib schwarz. 

var. 2 Männch. u. Weibch. fast der ganze Hinterleib roth 
oder rothgelb. 


15 


265° 


- P, ornata © Gr. 158 gedrungener, als vorige Art und weni- 
ger roth, im Habitus der P. rufata nahestehend. Schwarz, 
Mittelrücken mit dem Schildchen und ein Fleck an den Bauch- 
seiten roth, gelbe Linien vor und unter den Flügeln, um das 
Sehildehen und hinter demselben so wie innen an den Augen. 
Beine roth, die Schienen und Tarsen der hinteren braun und 
weiss geringelt. Flügelmal schwarz, Wurzel und Schüppchen 
strohgelb. Lg. 10,75, Hinter). 7,5, Bohr. 3,25 millim. 

var. 1 Weibch. Auf dem Rücken unvollkommener, beson- 
ders das Schildchen nicht und auch die Brustseiten nicht roth. 


16. P. angens Gr. 162. Schwarz, eine Linie vor den Flügeln 


(die bisweilen sapr undeutlich) und Spitze des Schildehens 
gelb, heim Männch, das ganze Gesicht mit dem Munde, beim 
Weibch. wenigstens die innern Augenränder gleichfalls gelb. 
Beine roth, die Hüften bisweilen theilweise braun, Schienen 
und Tarsen der hintersten schwärzlich, weissgeringelt. Flü- 
gelmal braun, Wurzel und Schüppchen Männch. weiss, Weibch. 
etwas dunkler oder theilweise bleich. Lg. 10, Hinterl. 6,75, 


- Bohr. 2,5 millim. Wurde erzogen aus den Eiern einer Kreuz- 


spinne und einer andern Spinnenart. — H. "/.. 


17. P. arundinator 2 F. Gr. 177. Schwarz, Beine, Segment 


18. 


19. 


1 am Ende, 2—5 ausser dem Hinterrande roth. Flügelmal, 
Wurzel und Schüppehen bleichgelb, Taster und Spitze der 
Fühler scherbengelb. Hinterrücken ohne Glanz, runzelig mit 
2 langen Leisten. Rücken des ersten Segments an seiner hin- 
tern Hälfte, aber nur vorn, schwach ausgehöhlt. Lg. 10,5, 
Hinterl. 6,75, Bohr. 3,75 millim. 


P. cicatricosaQ Batzeb. II, 89. Ausserordentlich grob punk- 
tirt, besonders am Hinterrücken und knotigen Hinterleibe 
und so, dass die Zwischenräume grösservsind, als die Gru- 
ben; einzeln langhaarig und durchaus glänzend schwarz; gelb 
sind nur die Taster, Flügelschüppchen und Wurzel, rothgelb 
der Bohrer und die Beine ausser den äussersten Spitzen der 
Tarsen und Schienen der hintersten und einem Fleckchen vor 
der Wurzel dieser, welche alle gebräunt sind. Flügelmal pech- 
braun mit weissem Punkte am innern Ende. Lg. fast 18, 
Hinterl. 8,25, Bohr. 12 millim. Wurde aus Cryptorh. lapathi 
erzogen. 

P. Mussii Hrig. Ratzeb. l. e, I, 113. Schwarz, Taster, Füh- 
lerwurzel unten, ein Fleckchen vor den Flügeln, deren Wurzel 
und Schüppchen bleichgelb, Flügelmal und Beine gelbroth, 
die Spitzen und ein Fleckehen vor der Wurzel der Hinter- 
schienen gebräunt, ebenso ihre Tarsen mit Ausschluss der fein 
bleichen Wurzeln der Glieder. Beim Männch. sind ausserdem 
(nach Ratzeburg) die Schenkelringe, der grösste Theil der 
vordern Beine, das Gesicht und fast die ganze Unterseite 


XXL 1863, 18 


U. 


2 


— 


22. 


23. 


24. 


266 


der Fühler gelb. Lg. 12, Hinterl. reichlich 7,5, Bohr. 4,5 
millim. — Wird als einer der gemeinsten Schmarotzer des 
Bomb. pini bezeichnet, dessen Raupe sie ansticht und in de- 
ren Cocon dann die Schlupfwespencocons neben der vertrock- 
neten Raupe liegen. 

P. Bernuthii Htg. Ratzeb. 1. c. stammt aus demselben Wohn- 
thiere und lässt sich nur durch die oben angegebenen Merk- 
male von voriger Art unterscheiden, ob dieselben, von je ei- 
nem Exemplare entlehnt, stichhaltig sind, wage ich nicht zu 
behaupten. Lg. reichlich 10, Hinterl. kaum 6,5, Bohr. 4,25 
millim. 


. P. graminellae Schrk. Gr. 181 var. 1 und P. stercorator 


Die unten granulirten Hinterhüften und der über seiner Mitte 
gebrochene innere Quernerv der Hinterflügel, sowie die leb- 
haft weiss geringelten Hinterschienen mögen, wie auch Holm- 
gren annimmt, den festen Charakter dieser viel verwechselten 
Art ausmachen. Schwarz, Beine roth, Schienen und Tarsen 
der hintersten schwärzlich, weiss geringelt. Beim Männch. Tas- 
ter, Mund, Gesicht, mindestens die Fühlerwurzel unten 
und die Beine theilweise gelb; Beim Weibch. die Taster, Kopf- 
schildspitze und Fühler unten gelbroth. Hinterrücken glän- 
zend, besonders zwischen den beiden Leisten. Lg. 7—12 
millim. Grössenverhältnisse 11,25, Hinterl. 7, Bohr. 3,5 millim. 
Wurde erzogen, wenn anders die Bestimmung der Art rich- 
tig ist, aus Tort viridana und der Raupe? von Cosmia diffi- 
nis. — H. Weibch. 


P. Gravenhorstü m. —= P. graminellae 2 Gr. Ganz wie 
die kleinern Stücke der vorigen Art, bis auf die dort ange- 
gebenen Unterschiede. Flügelmal dunkelbraun, an den Enden 
etwas bleicher, Wurzel und Schüppchen bleich. Beim Männch. 
Hüften und Schenkelringe schwarz, sonst die Färbung wie 
beim Weibeh. Lg. 6—10 millim., Grössenverhältnisse 8,5, 
Hinterl. 5,5, Bohr. kaum 2 millim. — H. "3/,— Jo. 


P. melanopyga @ Gr. 149. Schwarz, Segment 1—4 und 
Beine roth, 5 meist noch mit hellen Rändern. Fühler nach 
der Spitze zu gelblich, Flügelwurzel und Schüppchen. blass- 
gelb, Mal pechbraun. Brustseiten polirt, ohne Punktirung, 
Hinterrücken glänzend, einzeln punktirt, mit 2 Leisten. Er- 
stes Segment kiellos, seine hintere Hälfte gerundet. Lg. kaum 
10, Hinterl. kaum 6, Bohr. 1,5 millim (seine wahreLg. 3 millim.) 
P. nigriceps Q m. Gelblich roth. Kopf, einige Nähte am 
Leibe und Bohrer schwarz. Gesicht breit, weisshaarig, Füh- 
ler bräunelnd.e Eine Linie vor den Flügeln gelb, wie de- 
ren Wurzel, Schüppchen und Mal. An den hintern Beinen 
die Wurzel des Schenkel, Spitzen der Schienen und Tarsen- 
glieder, so wie ein Fleckchen vor der Basis der Schienen ver- 


25. 


‘was bleichern Fühler, Prothorax, einige Nähte am Thorax, 


26. 


27. 


28 


267 


wischt dunkler. Lg. 11,25, Hinterl. 7,5, Bohr. fast 4 millim. 
cn. 4, 


P. pomorum. Q@ Ratzeb. 1. c. II, 96. Roth, Kopf und die et- 


der Metathorax theilweise, erstes Hinterleibssegment, die Hin- 
terränder der folgenden und Bohrer schwarz. Taster, Flü- 
gelschüppchen, Wurzel und Mal, so wie Beine bleichgelb, die 
vordern und Schienen und Tarsen der hintersten fast weiss, 
an diesen die Enden der Tarsenglieder und Schienen, so wie 
ein Fleck vor deren Basis dunkler. Brustseiten schwach punk- 
tirt, Hinterrücken kurz, gewölbt, wie die Brustseiten punk- 
tirt, ohne Leisten. Himterleib ziemlich eben, aber dicht und 
grob punktirt. Lg. 5,5, Hinterl. 3,25, Bohr. 3,5 millim. 
Die®8e zierliche Art wurde erzogen aus Anthonomus pomorum. 


P. didyma Q Gr. 178. Schwarz, Taster, Mund, ein zusam- 
menfliessender Fleck unter den Fühlern, einer vor den Flü- 
geln, deren Wurzel und Schüppchen gelb. Beine gedrungen, 
gelbroth, Schienenspitzen und Tarsen der hintersten schwarz. 
Lg. 10,25, Hinserl. reichlich 6 millim. Bohr. desgl. Ratze- 
burg, der in seinen Ichneumonen der Forstinsekten, I, 114 
das Männchen dazu beschreibt, giebt die Art als Feind des 
Kiefernspinners an. 


P. terebrans Q Ratzeb. 1. c. I, 114, Il, 89. Glänzend schwarz, 
Taster, Flügelschüppchen, Wurzel und Mal, so wie die’ Beine 
mit Ausschluss der Hinterschienen und Tarsen, und der Boh- 
rer wachsgelb. Hinterrücken einzeln grob punktirt und be- 
haart, mit deutlicher, hochgerandeter Mittelrinne. Segment 
1 gestreckt, mit flacher Mittelrinne, die übrigen Segmente 
dicht und fein punktirt, mit wenig in die Augen fallenden Hin- 
terrändern und Quereindrücken, aber seitlichen Beulen. Leg. 
9,25, Hinterl. 5,5, Bohr. 9 millim. Wurde erzogen aus den 
Larven der Rüsselkäfer Pissodes hercyniae und abietis. *) 


P. calobata @ Gr. 176. Schwarz, Taster, Flügelwurzel und 
Schüppchen, so wie ein Punkt davor blassgelb, Beine gelb- 
lich roth, die Schienen der hinteren vor der Basis und an 
der Spitze, so wie hier die Tarsenglieder gebräunt, an den 
hintersten die Zeichnung schärfer, als an den mittleren. 
Hinterleib in der Regel roth schimmernd, mehr oder we- 


*) P. punctulata Ratzeb. 1. c. II, 90, welche dort mit ?. longiseta 


verglichen wird, muss ich mit terebrans vereinigen, obschon der Boh- 
rer noch etwas länger ist, als da. Beide Stücke könnten eben so gut 
unter die Gattung Ephialtes gebracht werden wegen des gestreckten 'Tho- 
rax und langen Bohrers, da sich indess der Hinterleib in der Mitte er- 
weitert, zog ich’s vor, sie hier unterzubringen. Wurde erzogen aus 
Tort. resinana. 


18” 


268 


niger. Lg. 10,75, Hinterl. 7, Bohr. fast 8 millim. — H. 
141, —21/g.* 


29. P. stercorator Q@ Gr. 186, flavipes X Gr. 197. Ich weiss 
das Q durch nichts, als die oben angeführten Merkmale von 
der vorigen Art zu unterscheiden. Im Allgemeinen scheinen 
hier die Bienen eine mehr rothe Grundfarbe zu haben und 
die dunkle Zeichnung an den Mittelbeinen noch verwischter 
zu sein. Beim 5 sind bleichgelb die Fühlerwurzel unten 
und die vorderen Beine, die Schienen und Tarsen der hin- 
tersten weiss, mit den dunklen Zeichnungen. Lg. 11,25 reich- 
lich, Hinterl. 7,9 millim., Bohr. desgl. Das 9 ist erzogen 
worden aus den Puppen von Lip. salicis, Org. antiqua, Gastr. 
neuslria, Tin. cognatella, Myelois cribrella, der Raupe? von 
Larent. veralrata, das X aus Lith. quadra, Gasir. neustria, 
Tori. viridana, laevigana, Tin. cognatella, Sciaph. penziana, 
Rhynchit. beiulei. — H. *1/,— "hy; &Q in copula. 

30. P. brevicornis Gr. 211 = laticeps Ratzeb. 1. cc. II. 94 ist ein 
Weibchen mit abgebrochenem Bohrer, welches irrthümlich für 
ein Männchen gehalten wurde. Glänzend schwarz, Taster 
braunroth. Scheitel breit, Hinterrücken fast ganz glatt, je- 
doch die Leistchen angedeutet. Beine roth oder theilweise 
rothgelb (Männchen), ihre Hüften, (auch Schenkelringe) schwarz, 
doch, besonders beim Weibchen, auch roth. Hinterschienen und 
Tarsen durchscheinend, matt gefärbt, an den Spitzen der Glie- 
der und jene vor der Basis dunkler. Hinterleib sehr dicht und 
gleichmässig punktirt und graulich schimmernd durch ganz 
feine Behaarung. Flügelwurzel und Schüppchen weisslich, 
Randmal ganz bleich, aber auch hornfarben. Fühler halb so 
lang wie der ganze Körper und wegen ihrer Kürze kräftig 
erscheinend, ihre Wurzel unten nicht heller. Lg. 6,75, Hin- 
terl. 3,75, Bohr. 4,25 millim. — H.**) 


*) Ich kann P. nucum Ratzeb. 1. c. I, 115, welche aus Buchnüs- 
sen erzogen wurde, in denen sich einzeln Tort. splendana gezeigt, nicht 
unterscheiden. Lg. 9,5, Hinterl. 6,75, Bohr. 7,5 millim., auch aus Ei- 
cheln ist die Art erzogen worden. 

’=*) Diese Art ist noch nicht ordentlich aufgeklärt und varürt in 
Färbung der Beine und des Flügelmales ganz entschieden. Bei Gra-, 
venhorst stecken mehrere Arten unter diesem Namen, den Ratze- 
burg gar nicht hat, von ihm muss ich nach Autopsie folgende hier- 
her ziehen: 

P. linearis Ratzeb. 1. c. I, 117, II, 93 von dem erwähnt wird, dass bei 
einem Sück die Hüften fast ganz braunroth seien, während die mei- 
sten sie roth haben — eine Uebergangsform von schwarzen zu rothen 
Hüften. Wurde aus Pissodes notatus und Tortr. resinana erzogen. 


P. vesicaria Ratzeb. 1. e. I, 115, II, 90. Noch blasser gefärbt, indem 
hier die Schienen und Tarsen der Hinterbeine fast weiss erscheinen 
und die dunklen Spitzen hervortreten. Ich sah nur ein © Lg. 5,5, 
Hinterl. 3,25 millim., Bohr. desgl. Wurde erzogen aus den Blattwes- 
pen Nematus saliceti und medullaris. 


269 


31. P. laevis Q Gr. 180. Schwarz, Taster bleich, Beine roth, die 
Tarsen und Schienenspitzen der hintersten braun. Hinterleib 
glatt, dicht und sehr fein punktirt, wie bei der Gattung Lis- 
sonota, Segment 2 mit zwei seitlichen, vorn in eine Spitze 
sich neigenden, schrägen Eindrücken. Lg. 10,25, Hinterl. 5,75, 
Bohr. 3,5 millim. — A. 

32. P. mandibularis Q Gr. 180, X Holmgr. 1. c. p. 27. Schwarz, 
Mund, ein Fleck vor den Flügeln, deren Wurzel und die 
Beine rothgelb, die Tarsen der hintersten und ihre äusserste 
Schienenspitze schwärzlich. Hinterleib ebenfalls sanz glatt, 
Quereindrücke äusserst schwach angedeutet. Beim 5 ausser- 
dem die Spitze der Wangen, das ganze Gesicht oder die in- 
nern Augenränder und 2 Gesichtslinien strohgelb. Hier sind 
ferner öfter die Hüften und Wurzel der Schenkelringe schwarz 
und die Hintertarsen aussen schwärzlich. Lg. 12, Hinterl. 7, 
Bohr. reichlich 4,5 millim.; Letzterer besonders dick. *) 


P. concolora Ratzeb. in litt. mussich gleichfalls hierher ziehen als var. 
mit rothen Hüften und rothem Schimmer an den Hinterleibsseiten. 

_ Lg. 6,5, Hinterl. fast 4 millim., Bohr. genau eben so lang. Das Stück 
trägt einen Zettel mit der Bemerkung: Aus Nadelminirern von Pinus 
pinastri in der 2. Hälfte des Juni. Nun müssen hier aber noch ei- 
nige andere Arten zur Sprache kommen, die jedenfalls sehr nahe ver- 
wandt sind, aber wegen der Männchen nicht hierhergezogen werden 
können, falls das Männchen von brevieornis richtig bestimmt ist. 

P. buolianae Htg. Ratzeb. 1. c. I, 114. Das Männchen, weiches ich nur 
kenne, ist ausgezeichnet durch ausgebissene (mit 2 Einbuchtungen ver- 
sehene) Vorderschenkel. Thorax glänzend, Hinterrücken mit einer 
feinen, flachen Längsrinne, Hinterleib weniger glänzend, dicht punk- 
tirt, Segment 2 und 3 entschieden länger als breit, 4 und 5 quadra- 
tisch. Schwarz, Taster, Fühlerwurzel unten, ein Fleckchen vor den 
Flügeln, deren Schüppchen, Wurzel, Mal und Beine gelb. An diesen 
die Hintertarsen und Schienen weiss mit dunklen Spitzen und dunk- 
lem Fleck vor der Basis der Schienen. Lg. 7, Hinterl. 4,5 millim. 
Vom Weibchen sagt Ratzeburg: Bohrer von Hinterleibslänge, Zeich- 
nung der Beine wie beim Männchen, nur ihre Grundfarbe mehr roth, 
Flügelmal schwarzbraun mit weisslicher Basis. An den Flügeln sonst 
und am Kopfe wie das Männchen gefärbt. Wurde erzogen aus Tort. 
buoliana. 

P. planata Htg. Batzeb. 1. ce. I, 117 wurde aus demselben Thiere erzo- 
gen und das Männchen unterscheidet sich nur durch dunklere, braune 
bis schwarze Hinterhüften von der vorigen Art und vielleicht noch 
etwas gestrecktere Hinterleibssegmente. Beim Weibchen soll die Hin- 
terleibsspitze an den Seiten rothbraun, auf dem Rücken weissrandig 
sein, der Thorax einen gelben Strich vor den Flügeln haben und der 
Bohrer etwas länger, als der Hinterleib sein. Ich vermuthe darunter 
nur ein var. von buoliana. 

P. Sagax Htg. Ratzeb. 1. c. I, 117. II, 94. Ich kann das Weibchen schlech- 
terdings nicht von P. brevicornis unterscheiden; das Männchen soll 
aber ebenfalls ausgefressene Vorderschenkel haben, Lg. 9, Hinter]. 
5,5, Bohr. 6 millim. Wurde erzogen aus Tort, buoliana, resinana und 
cosmophorana. 

+) P. abdominalis Gr. gehört nicht zu dieser Gattung wegen der man- 
gelnden Bauchspalte s. p. 62 dieses Bandes. Die übrigen, bei Ratzeburg 
noeh aufgeführten Arten muss ich übergehen, weil ich sie nicht kenne. 


270 


33. P. vetula d' Gr. TII, 207. = Phytodietus chrysostomus 2 Gr. 
II, 948. Ich trage keinen Augenblick Bedenken, diese bei- 
den Thiere zu vereinigen, so merkwürdig stimmen sie in 
allen Theilen ihrer Flügel, dem Körperhabitus und des- 
sen Sculptur, nur die Färbung weicht unwesentlich ab. Hin- 
terrücken vorn mit 2 deutlichen Seiten- und einem kleinen 
Mittelfelde. Hinterleib eben, dicht punktirt, ganz besonders 
auf dem gestreckten ersten Segmente, Hinterränder aller roth, 
beim © die ganze Spitze roth. Untergesicht silberhaarig, be- 
sonders beim /, Kinnbacken und Taster, Unterseite der Füh- 
ier, Flügelschüppchen und Wurzel gelb, das breite, dreieckige 
Mal und die Beine rothgelb, an letzteren die Hüften und 
Schenkelringe zur Hälfte schwarz, an den hintersten die Wur- 
zel der Schenkel, Spitzen der Schienen und die Tarsen dunk- 
ler 9, beim 5 die Hüften schwarzbraun, die Beine mehr rein- 
gelb, nur die hintersten an den Schienenspitzen und Tarsen 
etwas getrübter, Flügel stark irisirend. Lg. 5,5, Hinterl. 3, 
Bohr. 5 millim. 


Gen. 5. Polysphincta Gr. III, 112. 

Diese Gattung unterscheidet sich hauptsächlich von 
der vorigen durch die unvollständige oder ganz mangelnde 
Spiegelzelle und das etwas convexe, vor der gerundeten 
Spitze nicht eingedrückte, öfter gerandete Kopfschild. Die 
beiden Zähne der Kinnbacken meist ungleich. Thorax län- 
ger als hoch, an.den Seiten glatt und glänzend, die obern 
Felder des Hinterrückens unvollständig oder ganz fehlend, 
seine Luftlöcher kreisförmig. Hinterleib wie bei Pimpla, der 
Bohrer immer kürzer als der Hinterleib. Das letzte Tar- 
senglied der Hinterfüsse meist erweitert, Klauen beim / 
einfach, beim @ an der Basis etwas lappig erweitert. Die 
Thiere gleichen auf den ersten Bilck den kleinen Pimplen, 
und scheinen sich fast ausschliesslich aus Spinnen zu ent- 
wickeln. 


Arten: 


1. Innerer Quernerv der Hinterflügel in der Mitte oder etwas 
darüber gebrochen 2. 

— _ — n— unter der Mitte gebrochen 3. 

— _ —_ — gar nicht gebrochen und 

keinen Nerv ausschickend. Schwarz, Schildchen, eine Linie 

dahinter roth, die Seitennaht zwischen den beiden letzten 

Thoraxtheilen, Mund und Fühlerwurzel unten weiss, Beine 
bleich rothgelb, Hinterschienen weiss mit dunklen Spitzen: 

Sp. 6. P. percontatoria. 


271 


Thorax ganz schwarz: Sp. 1. P. varipes. 
Metathorax roth, Schildchenspitze, Hinterschildehen, eine Linie 
vor den Flügeln, und 2 mehr oder weniger zusammenflies- 
sende Punkte unter den Fühlern bleichgelb: 

Sp. 2. P. multicolor. 


. Hinterhüften deutlich dunkler, als die vordern, (braun), Knie 


der Hinterschenkel weiss. Hinterleib sehr uneben: 


Sp. 3. P.tuberosa. 
— nicht dunkler, als die andern 4. 


. Hinterschenkel an den Knien verwischt bleicher, Bohrer län- 


ger, Segment 1 fast bis zur Spitze auf dem Rücken gerinnt: 
Sp. 4. P. rufipes. 

— — — -— _ entschieden dunkler, Bohrer sehr 
kurz, die Rinne des ersten Segments nur angedeutet: 


Sp. 5. P. carbonator. 
Bemerkungen zu den einzelnen Arten: 


P. varipes Gr. Schwarz, nur Fühler und Taster bleichgelb. 
Beine rothgelb, Schienen und Tarsen der hintersten weiss, 
jene mit einem dunklen Flecke vor der Basis und an der 
Spitze, wie die Tarsenglieder, ebenfalls dunkel. Flügelwurzel 
und Schüppchen bleichgelb, das Mal dunkel. Hinterleib © in 
der Mitte rothbraun. Hinterrücken mit etwas vorgezogenen 
Hinterecken. Lg. 6,5, Hinterl. 4, Bohr. 2,5 millim. 


» P. multicolor Gr. Schwarz, Mesothorax und ein Seitenfleck 


des Metathorax roth, Schildchenspitze, Hinterschildchen, eine 
Linie vor den Flügeln, 2 Fleckchen an der Fühlerwurzel, 
Taster, Flügelwurzel und Schüppchen bleichgelb, das Mal 
wenig dunkler; Beine weiss, Hüften und Schenkel der hinter- 
sten rothgelb, die Schienen dieser an der Spitze und vor der 
Basis dunkel, wie die Enden der Tarsenglieder. Lg. 6, Hin- 
terl. reichlich 3,5, Bohr. 2,5 millim. Beim %' die Beine noch 
bleicher und durchscheinender als beim 9. 

P. tuberosa @ Gr. Glänzend schwarz, Kopfschild pechbraun, 
Taster, Flügelwurzel und Schüppchen und ein Fleckchen da- 
vor weissgelb, Spitze des Schildchens und ein Strich dahinter 
roth. Beine rothgelb, Hüften der hintersten dunkler, ihre 
Schienenspitzen und Tarsenglieder an den Spitzen dunkler. 
Schildchenspitze bisweilen bleich. Hinterleib auf dem Rücken 
sehr uneben, sein erstes Segment fast eben. Lg. 8,5, Hinterl. 
reichlich 5,5, Bohr. 2,75 millim. 

P. rufipes Q Gr. Glänzend schwarz, Taster, Flügelwurzel 
und Schüppchen bleichgelb, Fühler, Kopfschild und Mal roth- 
gelb. Beine bleichroth, Hinterschienen und ihre Tarsenglie- 
der an den Spitzen dunkler. Hinterleib sehr uneben, sein er- 
stes Segment mit fast bis zur Spitze reichender Rinne. Lg. 
7,75, Hinterl. 4,75, Bohr. 2 millim, 


272 - 


5. P. carbonator Gr. Ziemlich glänzend schwarz, Hinterleib sehr 
uneben, sein erstes Segment auf dem Rücken eben, von der 
Seite gesehen, mit einer Andeutung von einer Mittelfurche. 
Taster, Flügelwurzel und Schüppchen, so wie ein Fleckchen 
davor bleichgelb, Fühler, Kopfschild und Flügelmal röthlich. 
Beine rothgelb, Schienen und Tarsen der hintersten an der 
Basis weiss, letztere sonst dunkelbraun, erstere an der Spitze 
und: hinter der weissen Basis ebenfalls dunkler, so wie ver- 
loschen dunkler an den Hinterknien. Leg. 7,75, Hinterl. 4,75, 
Bohr. kaum 0,75 millim. . 

6. P. percontatoria Q Gr. Hinterrücken und erstes Hinterleibs- 
segment gerinnt, die übrigen vorn und hinten mit Querein- 
drücken, so dass in der Mitte eine etwaszugespitzte, elliptische Er- 
habenheit gebildet wird. Le. 5,5, Hinterl. 3, Bohr. 0,75 millim. 

Gen. 6. Schizopyga Gr. III. 125. 

Kopf breiter als lang, sein Schild nieht getrennt, 
Kinnbacken sehr breit, die Lippe umschliessend, Au- 
gen schwach behaart, Fühler fadenförmig. Hals gross, 
Mittelrücken deutlich dreilappig, das Mittelfeld des Hinter- 
rückens meist vollständig, die Luftlöcher kreisrund. Seg- 
ment 1 mit 2 Kielen und gerandet, 2—5 beiderseits mit 
2 mehr oder weniger deutlich eingedrückten Linien. Der 
sehr kurze Bohrer kommt aus langer Bauchspalte. Keine 
Spiegelzelle. Beine kräftig, Schenkel verdickt, Klauen einfach. 

Da ich keine von den wenigen Arten kenne und die- 
selben selten zu sein scheinen, so will ich sie lieber weg- 
lassen und auf Gr. verweisen, 

Gen. 7. Clistopyga Gr. IIL 133. 

Abermals der Gattung Pimpla sehr ähnlich, aber keine 
Spiegelzelle und keine Bauchspalte, ‚sondern 
die letzte Bauchschuppe bis zur Spitze verlängert. Kopf 
breiter als lang, Backen beim J tief ausgebuchtet. Kopf- 
schild getrennt, vorn niedergedrückt. Fühler fadenförmig, 
die Enden der schlanken Glieder kaum merklich geschwol- 
len. Thorax gestreckt, Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken 
mit 2 mehr oder weniger deutlichen Längsleisten und kreis- 
runden Luftlöchern. Hinterleib mit deutlichen Tuberkeln, 
Segment 1 kaum länger als breit, 3 und die folgenden qua- 
dratisch. Bohrer unter Hinterleibslänge. Hinterschenkel 
und Hüften etwas kräftig, Klauen einfach, beim @ am 
Grunde lappig erweitert. 


273 


C. ineitator F. Gr. III. 134. Schwarz, am Thorax und Kopfe 
verschieden blassroth gefärbt und weisslich linürt, am Kopfe 
die Augenränder und der Mund, beim 5 Gesicht mehr oder 
weniger gelb. Hinterleib schwarz, die Hinterränder mehr 
oder weniger bleich. Beine gelb oder rothgelb, an der Wur- 
zel schwarzfleckig. Hintertarsen braun, an der Wurzel der 
Glieder weisslich, Hinterschienen weisslich an der Spitze und 
vor der Wurzel dunkel. Lg. 8,5, Hinterl. 5,5, Bohr. 2,5 millim. 
— HH. 

vr 1 /Q Sea und Hinterleibsspitze ganz roth €. hae- 
morrhoidalis Gr. 

var. 2 Q kleiner, Gesicht ganz schwarz, Thorax nicht rothfleckig. 

Gen. 8. Glypta Gr. II. 4. 

Die Gattung charakterisirt sich durch je 2 schiefe 
Linieneindrücke, die von der Wurzel beginnend, 
auf Segment 2—4 des Hinterleibes deutlich er- 
scheinen. Kopf breiter als lang, Gesicht unter den Füh- 
lern beulenartig vortretend, bisweilen die Stirn unmittelbar 
über den Fühlern mit einem hornartigen Zapfen. Kopf- 
schild getrennt, mehr oder weniger gewölbt, vorn gerun- 
det oder etwas gestutzt, Fühler fadenförmig, die Geiselglie- 
der schwer von einander zu unterscheiden. Der Hinter- 
rücken entweder mit 5 vollständigen Feldern, oder diesel- 
ben sind an den Seiten nicht vollkommen geschlossen, oder 
gar nicht angedeutet, in der Regel aber das hintere voll- 
kommen geschlossen und zwar fast halbkreis- oder halb- 
mondförmig; seine Luftlöcher klein und kreisrund.  Schild- 
chen mit gerundeter Spitze. Hinterleib lanzettförmig oder 
mit fast parallelen Seitenrändern, Segment 1 mit deutlichen 
Kielen, vorn mehr oder weniger verschmälert, meist nicht 
viel länger ®ls breit. Bohrer meist von Hinterleibslänge, 
auch etwas länger, aus keiner Bauchspalte kommend. 
Flügel ohne Spiegelzelle ausser bei @. striata. Beine mit- 
telmässig, die Klauen meist einzeln kammzähnig, oder nur 
stachelborstig, selten einfach. 


Arten: 


1. Spiegelzelle vorhanden, gestielt. Mund, Zeichnungen am Tho- 
rax, auch das Schildehen, und Hinterränder der meisten Seg- 
mente gelb: Sp. 14. @. striata. 

— fehlt 2. 
2. Stirn mit deutlichem Zapfen unmittelbar über den Fühlern 3. 


274 


Stirn ohne Horn 4. 
. Hinterleib schwarz, höchstens die Hinterränder der vordern 
Segmente roth. Hinterschienen an der Wurzel weisslich, an 
der Spitze und vor der Wurzel dunkel. Hintertarsen deutlich 
hell und dunkel geringelt. Klauen @ gekämmt: 

Sp.1.@. ceralites. 

— mit rothen, schwarzgefleckten mittleren Segmenten. 
Hinterschienen roth, an der Spitze deutlich und breit dunkel, 
ihre Tarsen verwischt heller und dunkler geringelt. Klauen 
Q gekämmt: Sp. 2. @. fronticornis. 

— ganz roth mit Ausnahme der schwarzen Spitze. 
Beine gleichmässig roth, kaum die Hinterschienen an der al- 
ler äussersten Spitze dunkel. Klauen @ nicht gekämmt: 

Sp. 3. @. monoceros. 

. Vorderrand des Mittelrückens und das Schildchen wenigstens 
an der Spitze gelb, Schläfen vorn an den Backen ausgerandet. 
Klauen gekämmt: Sp. 13.@. flavolineata. 
Thorax schwarz, Kopfrand hinter den Augen nicht gebuchtet 5. 
. Kopfschild langfilzig, so dass es, von der Seite gesehen, bärtig 
erscheint; starke Gesichtsbeule.. Hüften schwarz, mindestens 
dunkler als die Schenkel; Krallen deutlich gekämmt 6. 

— nicht langfilzig, höchstens einzeln und kürzer be- 
haart 7. 


. Hinterrücken vorn mit 5 vollständigen Feldern. Hintertarsen 
gleichmässig dunkel. Segment 1 nach vorn kaum verschmä- 
lert, Bohrer fast von Körperlänge: Sp.4. @. vulnerator. 

— — nicht deutlich gefeldert. Hintertarsen mit 
weissen Wurzeln der Glieder, besonders des ersten. Seg- 
ment 1 nach vorn etwas verschmälert. Bohrer höchstens von 
Hinterleibslänge: Sp. 5. @. haesitator. 


. Bohrer von Länge des Hinterleibes oder wenig länger 8. 

— länger als Hinterleib, fast von Körperlänge 10. 
Klauen © nicht gekämmt. Felder des Hinterrückens deutlich, 
sogar noch am abschüssigen Theile, Beine roth, Knie, Schie- 
nenspitze und ein Fleck vor der weisslichen Basis derselben 
so wie der Hintertarsen mit Ausschluss der äussersten Basis 
schwarz: Sp. 6. G. consimilis. 

—  gekämmt. Hinterrücken unvollkommen gefeldert 9. 

. Hüften schwarz (aber auch roth), Hinterschienen ohne schwar- 

zen Fleck vor der bleichen Basis, nur mit schwarzer Spitze, 

ihre Tarsen dunkel mit verwischt hellerer Basis der Glieder: 
Sp. 8. @.teres. 

—  roth, wie die Beine, die Knie der hintersten an deren 
bleichen Schienen und Tarsen die Spitzen und dort ein Fleck 
vor der Basis schwarz: Sp. 7. Gr. pictipes. 
10.Klauen @ gekämnmt 11. 


11. 


12. 


275 


Klauen © nicht gekämmt. Hinterschienen und Schenkel schwärz- 
lich, Kopfschild und Taster bleich. Hinterrücken deutlich ge- 
feldert: Sp. 12. @. resinanae. 
Hinterrücken deutlich gefeldert, die an der Wurzel bleichen 
Hinterschienen vor dieser mit verwischt dunklem Flecke: 
Sp. 9. @. mensurator. 
— nicht deutlich gefeldert 12. 
Hinterschienen vor der hellen Wurzel mit dunklem Fleck. 
Körper wie bei den meisten Arten wenig glänzend: 
Sp. 10. @. incisa. 
— gleichmässig gelbroth, wie alle Theile der Beine, 
Körper glänzender, als bei den andern Arten: 


Sp. 11. @. bifoveolata. 
Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


G. ceratites Gr. 18 Schwarz, Taster öfter, ein Pünktchen 
vor den Flügeln und deren Schüppchen strohgelb; Mund theil- 
weise bleich, Fühlergeisel unterwärts gelb oder roth, oben 
dunkler. Hinterränder von Segment 1—3 roth. Beine roth, 


‚die Hüften gleichfalls, bisweilen theilweise oder ganz schwarz. 


Hinterschienen an der Wurzel bleich, an der Spitze und 
vor der Wuzel dunkel, Hintertarsen hell und dun- 
kel geringelt. Die Art varürt ausser dem noch durch 
ganz schwarzen Hinterleib und ganz schwarze Fühler, auch 
durch das fehlende helle Fleckchen vor den Flügeln. Beim 
Weibchen wenigstens ist. das 1. Segment stark gewölbt und kaum 
gekielt, ausserdem hat es gekämmte Klauen. Beim Männch. 
Fühler von Leibeslänge. Lg. reichl. 8, 5, Hinterl. 5, Bohr. 
4,75 millim. — H. Männch. wurden aus Puppen von Earias 
clorana gezogen. 


@. fronticornis Männch. Gr. 17. Weibch. Holmgr. 1. c. 38. 
Der vorigen Art sehr ähnlich, aber verschieden durch die 
rothen, schwarzfleckigen mittleren Segmente, die rothen, nur 
an der Spitze dunklen Hinterschienen, auch weniger deutlich 
geringelten Hintertarsen. Auch hier kommen bisweilen braune 
oder schwarze Hüften vor und Unterschiede in der Ausdeh- 
nung der rothen Farbe an den Segmenten. Beim einzigen 
Männch. in Gravenhorst Sammlung scheinen mir die Fühler 
etwas kürzer und dicker und auf der Unterseite weniger stark 
behaart zu sein, als bei der vorigen Art, auch sind hier die 
Leisten des Hinterrückens unvollkommen. 

@. monoceros Männch. Gr. 16, Weibch. Holmgs. 1. c. 37 
durch mehr Roth am Hinterleibe, dessen Spitze nur schwach 
ist, und, gleichmässig rothe Beine von den beiden vorigen Ar- 
ten unterschieden; auch haben die Flügel hier einen mehr 
gelblichen Schein. Beim Männch. ist die äusserste Spitze 
der Hinterschienen bisweilen dunkel und die Hüften und Schen- 


276 


kelringe der vorderen Beine gelblich, beim Weibch. die Klauen 
so gut wie nicht gekämmt. Am Kopf und Thorax _diesel- 
ben Zeiehnungen wie bei vorigen Arten, auch die Längenver- 
hältnisse dieselben. 

G. vulnerator Gr. 11. Schwarz, Kopfschild (beim Männch. 
wenigstens) ein Punkt vor den Flügeln, deren Schuppe, Wur- 
zel und Mal bleichgelb, Beine von den Schenkeln an roth, 
die Schienen der hintersten an der Spitze und vor der blei- 
chen Wurzel, so wie ihre Tarsen, schwärzlich. Segment 1 
am Hinterrande und 2 mehr oder weniger roth. Lg. 8,75, 
Hinterl. 5, Bohr. 7,75 millim. — Juli 

@. haesitator Gr. 12. In der Zeichnung der vorigen Art sehr 
nahe, nur durch die schon angegebene andere Färbung der 
Hintertarsen verschieden und im Hinterleibe, bei ihm sind 
meist die Hinterränder von Segment (1) 2 und 3’schmal roth, 
doch kommt auch dieselbe Färbung, wie dort vor; das erste 
vorn deutlicher verschmälert, beim Männch. der Hinterleib 
etwas gestreckter als dort. Lg. 7,5, Hinterl. kaum 4,5, Bohr. 
3,75 mllim. H. !5/, Weibch. 

G. consimilis Holmgr. l.c. 40. Ich finde in dem Weibech., wel- 
ehes ich vor mir habe, die grösste Aehnlichkeit im Habitus 
und in der Färbung des Hinterleibes mit der vorigen Art, es 
fehlt ihm aber oben der Bart und den Klauen die Kamm- 
zähne, dafür sind die Eelder des Hinterrückens so vollständig, 
dass selbst der steilabschüssige Theil durch die beiden mittle- 
ren Längsleisten noch getheilt wird. Ob es der Helmgrer’- 
schen Art genau entspricht, wage ich nicht mit Bestimmtheit 
zu behaupten, weil es bei dieser Gattung ausserordentlich 
sehwierig ist, stichhaltige Unterscheidungsmerkmale aufzufin- 
den. Fühler bräunelnd, ein Fleckchen vor den Flügeln, de- 
ren Schüppchen, Wurzel und Mal bleich. Segment 1 und 2 
des gedrungenen ‚Hinterleibes am Hinterrande roth. Beine 
roth, die hintersten gezeichnet, wie bereits angegeben wurde, 
auch die Schienenspitze und die Tarsen der mittleren sind 
verwischt dunkler als ihr übriger Theil. Lg. 6,75, Hinterl. 
3,75, Bohr. 4,5 miilim. Ich verbinde damit ein Männch., 
dessen Hüften und Schenkelringe oft gelb sind, wie Holmgren 
auch angiebt, Fühler schwarz, von Körperlänge, Taster meist 
auch dunkel, wie beim Weibch., aber die Hinterschienen höch- 
stens an der äussersten Spitze und ihre Tarsen dunkel sind. 
H. Männch. 2%, — 2]g. 

@G. pictipes 9 m. Glänzend schwarz, Kopfschild, Taster 
ein Fleck vor den Flügeln, deren Schüppehen und Wurzel 
bleich, das Mal bornbraun. Beine schön roth, die hintersten 
bunt, scharf hell und dunkel geringelt. Lg. 6, Hinterl. 3,5, 
Bohr. 3,5 millim, Wurde im Febr. aus in Blättern lebenden 
Microlepidopteren erzogen — H 


8. 


10. 


il, 


12. 


13. 


14. 


217 


G. teres Gr. 8 Schwarz, weniger glänzend, Kopfschild theil- 
weise und Taster bleich, eben so Flügelschüppchen und Wur- 
zel, etwas dunkler ihr Mal. Beine rothgelb, Hüften schwarz, 
Tarsen der hintersten und ihre Schienenspitze dunkler, die 
Basis dieser meist bleich. Beim Männch. die Fühler unter- 
wärts roth. Die Färbung ändert vielfaeh, wie Gravenhorst 
angiebt. Ich kann nicht umhin, @. scalaris Q Gr. 24 hier- 
her zu ziehen, dessen var l mit schwarzbraunen Hüften ei- 
nen guten Uebergang bildet. In der sonstigen Färbung, der 
Sculptur und den Grössenverhältnissen kann ich keinen Un- 
terschied entdecken an den nicht sonderlich erhaltenen Exem- 
plaren der Sammlung des genannten Autors. Lg. 7,5, Hinterl. 
4,4, Bohr. 1 millim. 

G. mensurator Gr. 21. Hinterleibssegment 1—3 am Hinter- 
rande roth oder I—4 ganz roth, 3 mit brauner, 4 mit noch 
dunklerer Rückenmakel. Hinterschienen mit deutlich lichte- 
rer Wurzel und einem dunkleren Flecke davor. Beim d' die 
Fühler auf der Untenseite gelblich. Lg. 8,5. Hinterl. kaum 
5, Bohr. 8,25 millim. 

@. incisa Gr. 23 Kräftiger als vorige Art und beim © Hin- 
terrücken nicht deutlich gefeldert, beim ' gefeldert, aber 
seine Segmente einfach schwarz und länger als breit, wäh- 
rend sie vorher breiter als lang sind. Lg. 10, Hinterl. fast 
5,5 Bohr. 8,75 millim. — H. 

G. bifoveolata G. 25. Hinterhüften etwas gebräunt, Hinter- 
schienen höchstens an der Spitze dunkler, sonst einfarbig 
roth. Beim d’ die Fühler unten gelblich (wie das Kopfschild). 


.Lg. reichlilch 8,5 Hinterl 4, Bohr. 7,5 millim, — H. 


30, ze = 


@. resinanae Hartg. Ratzb. Ichn. d. Forstins. I. 121. Dadurch 
dass das Kniee meist schwarz an den Hinterbeinen, erscheint 
die Wurzel der Hinterschienen auch bleicher. Hinterleib be- 
sonders matt, Segment 2 und 3 beim 0” quadratisch. Leg. 8, 
Hinterl. 4,5 Bohr. 6,5 millim. ‘Wurde erzogen aus Tortr. 
resinana. Hl. ist nicht selten, nur vermerkt ist 2/;. 

G. flavolineata Gr. 27. An der robusten Kärpergestalt nicht 


zu verkennen. Lg. fast 10, Hinterl. 6, Bohr. 7 millim. H. 
nicht selten 9, — 1?], 


G. siriata 2 (Lissonata) Gr. 70. Durch die bunte Zeichnung 
vor allen andern Arten ausgezeichnet. Lg. 11,5, Hinterl 7, 
Bohr. 6,75 millim. — 3 

Gr. 9. Lissonota Gr. III. 30. 


Der platte, glänzende, oder fein und dicht 


punktirte Hinterleib, dessen erstes Segment etwas 
länger als breit oder fast quadratisch ist, beim Q den Boh- 


278 


rer aus der Spitze entsendet, das gesonderte, etwas 
convexe und vorn gerundete Kopfschild und die ein- 
fachen Fussklauen, die an der Wurzel öfter borstig 
sind, charakterisiren dieses artenreiche Geschlecht. Die 
Fühler sind fadenförmig, wie bei vorigen, der Mittelrücken 
kaum dreilappig, der Hinterrücken punktirt, oder etwas run- 
zelich und ohne Felder, nur der abschüssige Theil wird in 
den meisten Bällen durch eine deutliche Randleiste von dem 
vorderen Theile geschieden ; seine Luftlöcher, meist klein 
und rund, treten etwas hervor und sind darum leicht be- 
merkbar. Die Flügel mit einer Spiegelzelle. Die 
Sculptur weicht wenig von einander ab, daher wir bei der 
Eintheilung meist auf die Farben sehen müssen. Die Leiste 
des Hinterrückens wurde als normal, im Folgenden nicht 
weiter erwähnt, ausser wenn sie nicht bemerkbar ist. Der 
Bohrer krümmt sich in der Regel nach oben bogenförmig 
bei todten Exemplaren, lässt sich also öfter nicht vollkom- 
men genau messen. 
Arten: 


1. Flügel an der Spitze deutlich dunkelfleckig, Kopf, Vorder- 
und Hinterbruststück gelb gezeichnet, Schildchen und die Hin- 
terränder von Segment 1—3—-4 gleichfalls gelb. Hinter- 
rücken vorn ungefeldert aber mit deutlicher Leiste, die den 
kürzern abschüssigen Theil von dem stark 'gewölbten, vorderen 
trennt, seine Luftlöcher deutlich, oval, Spiegelzelle lang. ge- 
stielt, innerer Quernerv der Hinterflügel schief gestellt, unge- 
fähr in der Mitte gebrochen: Sp. 1 L.maculaloria. 

— — — nicht dunkler 2. 

2. Hinterleib schwarz, ein Theil der Segmente oder alle hinten 
regelmässig gelb oder weisslich gerandet. Schildchen und 
sonstige Zeichnungen am Kopfe und Thorax gelb 3. 

— sehr verschieden, ganz schwarz, oder schwarz mit 
rothen Hinterrändern, oder mit ganz rothen Segmenten, in der 
Mitte, die auch dunkelfarbig sein künnen, oder ganz roth mit 
Ausnahme der Wurzel und Spitze 5. 

3. Hinterrücken ohne Spur von irgend welcher Leiste 4. 

_ mit einer Querleiste hinten, die deutlich einen 
halbmondförmigen, schmalen abschüssigen Raum absondert, 
schwarz, mit einem gelben Seitenfleck von Gestalt der Sei- 
tenansicht einer Hüfte, Segment 2—7 bleich gelbrandig: 

Sp.4 L. culiciformis. 

4. Hinterrücken bis zur Anheftung des Hinterleibes eine halb- 

kugeliche, grob und tief punktirte Oberfläche bildend, die hin- 


279 


ten mit einem bleichgelben, nach vorn zugespitzten Flecke ge- 
zeichnet ist. Segment 1—5 mit gelben Hinterrändern, 1 
ausserdem mit 2 solchen Seitenflecken nahe der Wurzel: 

Sp. L.irrisoria. 

_ — — — allmälig 
schief abgedacht und sehr flach nach hinten, mit mehr oder 
weniger deutlichen, flachen Längsrinnen. Segment 1—6 gelb- 

randig: Sp-3. L.polyzonias. 


. Schildehen mit 2 gelben Seitenflecken, Seitenrändern oder 


ganz gelb, am Thorax ausserdem mindestensnoch 2 Schulter- 
flecke gelb, meist aber auch noch andere, nach der Unterseite 
zu bisweilen auch noch rothe Stellen 6. 

— schwarz, wenn ja einmal mit gelber Spitze, dann 
der Thorax ganz schwarz 11. 


. Hinterleib in der Mitte mehr oder weniger roth, oder fast 


ganz roth, wenn nur mit rothen Hinterrändern der Segmente, 
die an den Seiten sich etwas verbreitern, dann an der Unter- 


seite der Thorax hell gefärbt 7. 


— schwarz, beim Q@ die Hinterränder der Segmente 
roth, besonders an den letzten seitlich erweitert. Thorax unten 
schwarz. Hinterrücken mit sehr seichter Längsfurche, rauh 10. 


. Segment 2 und 3 länger als breit 8. 


— -— — — breiter als lang, 1 mit eingedrücktem hin- 
teren Ende, 2 und 3 mit seichten Quereindrücken und roth 
mit schwarzem Schein auf dem Rücken, der ganze Hinterleib 
durch Punktirung matt. 2 dreieckige Schulterflecke und 
Seitenfleckchen am Schildchen gelb». Mund und Beine roth- 
gelb. Hinterrücken mit sehr flacher Längsfurche:. 

Sp. 7. L.quadrinotala. 


. Hinterleib in der Mitte roth und schwarzfleckig. Spiegelzelle 


sitzend. Flügelmal gleichmässig hornbraun: 
var, 1.von Sp. 14. 
— fast ganz roth. _Spiegelzelle gestielt, Flügelmal 
braun mit weisser . Basis 9. 


# 


. Hüften roth oder noch bleicher, Hinterleib nur an der Spitze 


schwarz, Thorax unten bisweilen roth schimmernd (92) oder 


noch viel heller (S'): Sp.5. L.parallela. 
— . — Segment 1 und Spitze des Hinterleibes, so wie 
der Thorax unten schwarz: Sp.6. L. insignita. 


. Thorax an den Seiten roth, Segment 1—3 länger als breit 


Q, Hinterleib mit ausserordentlich feinen Warzen auf der 
etwas unebenen Oberfläche: Sp.8. L.lateralis. 

4 u — schwarz, Segment 2 u. 3 breiter als lang 
Q, umgekehrt beim /. Hinterleib auf seiner glatten Oberfläche 
mit unterscheidbaren groben Punkten 9, chagrinirt 2: 

Sp.9. L.deversor, 


11. 


12. 


13. 


14. 


15. 


16. 


17. 


18. 


19. 


20. 


- 280 


Hinterleib in der Mitte roth, heller oder dunkler, bisweilen 
schwarzfleckig 12. 

— schwarz, höchstens die Hinterränder einiger Seg- 

mente heller 18. 
Luftlöcher des Hinterrückens oval oder lineal 13. 
— kreisrund, klein und meist warzenartig vortretend 

Segment 1—3 Q länger als breit 16. 

Hinterrücken, wie der ganze Thorax grob und so punktirt, 
dass sich die Punkte unterscheiden lassen. Segment 2 und 
3 des glänzenden Hinterleibes länger als breit 14. 

— zusammenfliessend punktirt, darum sehr rauh 
und die hintere Querleiste undeutlich. Segment 2 und 3 des 
Hinterleibes breiter als lang 15. 

Stirn unbewehrt. Hinterschenkel rothgelb, Spitze des Schild- 
chens 5’ gelb: Sp. 10. L. peliolaris. 

— mit 2 nebeneinander stehenden kegelförmigen Zapfen. 
Hinterschenkel schwarz. Sp. 11. L.bicornis. 

Die schwarz- oder rothbraunen Hinterschenkel gewöhnlich: 
Sp. 12. L.conflagrata. 

— rothen Hinterschenkel verdickt, besonders 9: 

R Sp. 13. L. decimator. 
Hüften und Schenkelringe alle schwarz 17. 

— roth, beim J' fast gelb, die Hintersten mehr oder we- 
niger dunkel gefleckt, oder ganz schwarz, auch der Thorax 
verschieden gelb gezeichnet, die rothen Segmente verschieden 
dunkel gefleckt: Sp.14. L. bellator. 
Mittlere Segmente des Hinterleibes mehr gelbroth, oft schwarz- 
fleckig, Spirgelzelle kaum gestielt: Sp.15. L. cylindrator. 

— — schmutzig und dunkler roth, 
ungefleckt, Sn egelbelle deutlich gestielt: 
S.16. L. verberans. 

Hinterleib schwarz mit mehr oder weniger deutlichen rothen 
Hinterrändern einiger oder aller Segmente. Thorax ganz 
schwarz (kleinere Thiere) 19. 

—— — ohne helle Hinterränder 21. 

Die Fühler an den Enden der Glieder schwach, aber deutlich 
knotig geschwollen. 20. 

—  .. pfriemförmig, die Glieder nicht abgesetzt, Hinter- 
rücken ohne Spur von Querleisten, der abschüssige Theil 
vollkommen gerundet in den vorderen übergehend. Hinter- 
leib fein nadelrissig, von dem Hinterrande des zweiten Seg- 
ments an nach vorne allmälig verschmälert: 

Sp.19. L.brachycentra. 

Segment 2 und 3 quadratisch, deutlich grob punktirt und 
eben: Sp. 17. L. segmentator. 

—_— — entschieden länger als breit, viel feiner 
punktirt, etwas uneben, so dass jederseits von der vorderen 


eo 


2 


23. 


281 


Ecke nach der hinteren Mitte zu bei gewisser Beleuchtung 
ein Schattenstrich sichtbar wird: Sp. 18. L. fracta. 


. Hinterleib von dem Hinterrande des 2. Segments an nach vorn 


verschmälert 22. 
— Segment 2 und 3 fast quadratisch 23. 


. Körper nackt. Hinterrücken mit Querleiste und Längsfurche, 


sehr gestreckt: Sp.20. L. angusta. 
— lang weisshaarig mit Ausnahme des Hinterleibes. Hin- 
terrücken gedrungen, runzelig punktirt, ohne jede Leiste: 


Sp. 21. L. pilosella. 


Bohrer kaum länger als Segment 1, innere Augenränder 
d' nicht gelb: Sp. 22. L. caligata. 

— länger als der ganze Körper; innere Augenränder 
und Mund gelb: Sp. 23. L.sulphurifera. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


. L. maculatoria F. Gr. 60. Diese schöne, bunte Art kenn- 


zeichnet sich leicht durch den dunklen Fleck an der Flügel- 


. Spitze. Die Körperzeichnung ist sehr veränderlich, so dass 


w 


Gr. 3 var und eine 4? anführt. Im Allgemeinen hat das 
d' mehr Gelb als das 2, jenes am Hinterleibe Segment 1—4 
gerandet und I nahe der Basis mit 2 gelben, bisweilen zu- 
sammenfliessenden Seitenflecken. Lg. 8,5, Hinterl. 5, Bohr. 
8,5 millim, — H. (teste Gr.) Ich besitze ein@ von Nebra an 
der Unstrut, ein von Fünfkirchen, _ 

L.irrisoria Rossi. Gr. 65. Auf den ersten Blick der vorigen 
Art sehr ähnlich, aber selbst dann, wenn die Flügelspitzen 
einen trüben Schein haben sollten, doch durch den leistenlo- 
sen Hinterrücken und sein immer spitz nach vorn verlau- 
fendes gelbes Fleck und die sonst noch angegebenen Merk- 
male verschieden. Lg, 8,5. Htl. 4,75, Bohr. reichlich 4,50 
millim. Ich habe davon 6 of und 4Q zur Vergleichung, 
und zog 1 aus Thalpochares paula. — H. 3), — ?9),. 


‚ L. polyzonias S' Gr. 68. Ausser den bereits angegebenen 


Merkmalen kommen noch hinzu: Fühler länger, als der Kör- 
per, Thorax unten und an den Seiten mehr oder weniger 
gelb, sehr fein und kaum merklich punktirt. Am Kopfe sind 
nur die Augen, die Stelle der Nebenaugen und die damit zu- 
sammenhängende obere Partie bis zur Anheftungsstelle schwarz, 
alles Uebrige, wie die Fühler mehr oder weniger ausgedehnt 
auf der Unterseite von der Wurzel aus gelb. Gelb ferner ei- 
nige Flecke auf dem Mittelrücken (die Mitte des Schildchens 
schwarz) und auf dem Hinterrücken hinten einer, bei ver- 
schiedenen Exempl, verschieden geformt. Beine (mehr oder 
weniger röthlich-) gelb, an den hintersten ein Längsfleck der 
Hüften und Schenkelringe, die Spitze der Schienen -und die 
Tarsen schwarz, An dem einen Exempl. in Gr’.s Sammlung 


XXI. 1868, 19 


282 


sind alle Segmente gelbrandig, das letzte sehr fein, bei einem 
aus Cosmia contusa in Weimar gezogenen Stücke Segm. 1—4 
vollkommen, 5 in der Mitte schwach unterbrochen, 6 nur an 
den Seiten, 7 kaum bemerkbar. Spiegelzelle sitzend, bei einem 
Stück ihr äusserer Nerv nicht vollkommen ausgebildet. Lg. 
fast 8, Hintl. reichl. 4,5, Fühler 8,75 millim. Ich bin geneigt, 
das bei Ratzeburg Jchneum. d. Forstin. I. 97 als L. pec- 
ioralis beschriebene sehr bunte Weibchen hierher zu ziehen, 
welches aus Tort. laevigana erzogen wurde, weil mancherlei 
der Beschreibung hierher passt, und L. pectoralis /’, weniger 
bunt ist, so viel sich an dem schlecht erhaltenen Exempl. in 
Gr.s Sammlung erkennen lässt, die Männchen aber umgekehrt 
lebhafter gefärbt zu sein pflegen, als die Weibchen. 


. L. culiciformis /' Gr. 66. Diese Art ist schlanker und zar- 


ter, als die vorige, die Fühler gleichfalls länger als der Kör- 
per, die Unterseite blassgelb, am Kopfe nicht ganz so ausge- 
dehnt, wie bei Nr. 3, die Beine bleichgelb, Tarsen der hin- 
tersten mehr roth, nichts Schwarzes daran. Die kleine 
Spiegelzelle lang gestielt. Leg. reichl. 6,5, Hinterl. 3,75 millim. 


5. L. parallela Gr. 97. Die schlanken Männchen viel lebhafter 


gefärbt, als die Weibchen. Bei diesen die Augenränder aussen 
unvollständiger, der Seitenrand der Vorderbrust, ein Fleckchen 
vor und eins unter. den Flügeln und die Seitenränder des 
Schildchens, immer ein Schulterfleck und 2 damit zusammen- 
hängende Rückenstreifen mehr oder weniger vollkommen gelb. 
Mund theilweise und Beine roth, an letzteren die Schenkel- 
ringe theilweis, die Schienenspitzen und Tarsen der hintersten 
schwärzlich. Beim schlankeren f sind die Hüften mehr oder 
weniger strohgelb, ferner das Gesicht, die äussern Augenrän- 
der, ein grosser Fleck an den Seiten der Mittelbrust, meist 
einer an der Seite des Metathorax und ausserdem alle hellern 
Zeichnungen des © hier viel entwickelter. Lg. 9,5, Hinterl. 
5,5, Bohr. 12 millim. Bei einzelnen Weibchen scheinen mir 
an u unvollkommen gekämmt. — H. nicht selten. 
24 8 
7 8° 


— 


var. Schildchen schwarz, Hüften mehr braunroth L. perspi- 
cillator @ Gr. 86. Das bei dieser Art als var von Gr. an- 


geführte @ aus Taurien gehört nach meiner Ansicht nicht 
hierher. 


. L. insignita d' Gr. 84. In der bereits angegebenen Weise 


anders gefärbt als f' der vorigen Art, nie mit einem gelben 
Seitenfleck an dem Mittelbruststücke; ausserdem der Hinter- 
leib breiter als dort, vor allem Segment 1 nach vorn nicht 
so verschmälert. Im Uebrigen im Habitus mit Nr. 5 über- 
einstimmend. 


. L. quadrinotata 2 Gr. 58. Ein Thier, welches in seinem 


Bau lebhaft an @lypta haesitator erinnert und einen weniger 


283 


glatten Hinterrücken als die übrigen Arten hat. , Zu den be- 
reits gegebenen Merkmalen ist noch hinzuzufügen, dass der 
Mund mit dem. untern Kopfschildtheile roth ist, die Fühler 
nach der Spitze zu gleichfalls röthlich schimmern; ein Fleck- 
chen vor den Flügeln, deren Schüppchen und Wurzel bleich- 
gelb, Mal hornbraun, die kleine Spiegelzelle sitzend. Am 
Hinterleibe ist der eingedrückte Hinterrand von Segment 1, 
aber 2 und 3 ganz roth, 2 mit schwarzem Sattel, 3 mit, schwar- 
zem, querlinienartigen Scheine Lg. 7, Hinterl. 4, Bohr. 5 
millim. 

8.!L. lateralis 2 Gr. 73. Mund und Kopfschild rothgelb, ein 
Augenfleck auf dem Scheitel gelb, das Schildchen mehr roth 
als gelb, eben so 2 Streifen des Mittelrückens. Beine gelb- 
roth, die hintern Schenkelringe oben schwärzlich. Le. 5, 
Hinterl. 3, Bohr. 4,75 millim. 

9. L. deversor Gr. 59. Schwarz, Mund mit Kopfschild , innere 
Augenränder bis zum Scheitel, Schulterecken,. 2 Längsstreifen 
des Mittelrückens, Fleck oder Linie vor den Flügeln, deren 
Schüppchen und Wurzel, so wie eirie kurze Linie unter ihnen 
und Schildchenrand bleichgelb; beim M. auch das Gesicht mehr 
oder weniger und bisweilen ein langer Fleck an der Thorax- 
seite. Beine rothgelb, beim M. bleicher, die Hinterschienen, 
vorzugsweise an der Spitze und ihre Tarsen dunkler, beim 
2 bisweilen röthliche Flecke über den hinteren Hüften. 
Flügelmal hornbraun. Beim M. der Hinterleib in der Regel 
ohne helle Ränder der Segmente Lg. 7,5, Hinterl. 4, Bohr. 
6,75 millim. — H. 23%, 5 ’hı 2. 

10, L. petiolarisQ Gr. 110= apicalis,o' Gr.88. Thorax glänzend 
schwarz, Hinterleib ebenfalls glänzend, aber viel feiner punktirt, 
als jener; Segment Il am Hinterrande, 2 und 3 ganz, 4 vorn 
schmäler oder breiter gelbroth: an den eben so gefärbten 
Beinen alle Hüften und Schenkelringe tief schwarz, an den 
hintersten Schienen und Tarsen schwärzlich Q, wenigstens 
die hintersten Hüften und Schenkelringe tief schwarz, Hinter- 
schienen an der Spitze, ihre Tarsen von der Spitze des zwei- 
ten Gliedes an schwärzlich M. Beim Q die innern Augenrän- 
der bis zum Scheitel sehr fein gelb, wie das Kopfschild, beim 
M. auch die äussern unvollkommen und ein kleiner Theil des 
Mundes so wie die Schildchenspitze, Flügelschüppchen und 
Wurzel X @ gelb, das schmale Mal hornbraun, die grosse 
Spiegelzelle lang gestielt. Lg. 8,75, Hinterl. reichlich 9, Bohr. 
6,5 millim. — August. 

11. L. bicornis Gr. 91 Thorax glänzend schwarz, am glänzenden 
Hinterleibe Segment 1—3 (9) oder 2—4 und 1 am Hinter- 
rande (cf) gelbroth. Hinterbeine schwarzbraun Q, nur bis zu 
dem Schenkel einschliesslich dann die Schienenspitze und die 
Tarsen ((‘), die übrigen gelbroth mit Ausschluss der dunkleren 


au, 


12. 


13. 


14. 


15. 


284 


Schenkelringe und Hüften, diese beim oben schwarz, un- 
ten bleichgelb. Bei diesem das Gesicht bis zu den unterwärts 
gelblichen Fühlern bleichgelb und die inneren Augenränder 
bis zum Scheitel gelb, beim -@ nur das Kopfschild. Flügel 
ganz wie bei voriger Art. Lg. reichl. 8,5, Hinterl. 5, Bohr. 
über 12 millim. — 3, —*h- 
var. Alle Schenkel sind roth. 

L. conflagrata @ Gr. 95. Eine robuste Form. Schwarz, 
wenig glänzend an Kopf und Thorax, die Beine von den 
Schenkelringen an heller oder dunkler rothbraun, eben so die 
Mitte des gedrungenen, etwas glänzenden Hinterleibes schmutzig 
roth. Flügel durch die Mitte getrübt, mit lang gestielter 
Spiegelzelle und nur an der Wurzel weisslich gefärbt. Bis- 
weilen an jeder Seite der Augenränder ein gelber Gesichts- 
fleck. Lg. 10,5, Hinterl. fast 6, Bohr. 8,75 millim. — H. 


10), —19),. 


L. decimator Gr. 96. Diese Art, entschieden keine ächte 
Lissonota, erinnert durch die Hinterbeine und die gedrungene 
Körpergestalt an die Gattg. Acoenites. Schwarz, wenig glän- 
zend, die innern Augenränder und ein Fleck der äussern an 
der Schläfe gelb 5, rothschimmernd 9, hier der Hinterleib 
ausgedehnter rothbraun, als beim /. Beine von den Schenkeln 
an gelblichroth, die hintersten an dem äussersten Knie, der 
Aussenseite der Schienen und den Tarsen schwärzlich., Flü- 
gel getrübt, ihre Spiegelzelle gestielt, an der Wurzel und das 
Mal an der Basis bleich. Lg. kaum 10, Hinterl. 5,5, Bohr. 
reichl. 14,5 millim. an der Spitze aufwärts Gekritni — H. 
L. bellator Gr. 106. Beim 9, Mund, Mitte des Hinterleibes 
und Beine roth, an diesen die Schenkelringe öfter schwarz- 
fleckig. Beim 0 sind Mund, Gesicht, Wangen, das 1. Füh- 
lerglied unten, Thoraxflecke, Hüften und Schenkelringe der 
beiden vorderen Fusspaare gelb. Schüppchen und Wurzel 
der Flügel d' © weisslich, Mal wenig dunkler, Spiegelzelle 
sitzend oder kaum gestielt Lg. fast 7,5, Hinterl. 4, Bohr. 
reichl. 6,5 millim. — H. nicht selten ®%/, — !?)o. 

var 1. S' Schildchen ganz gelb, eben so die Unterseite des 
Thorax = L. argiola Gr. 83; auch scheint mir L. lineata 
Gr. p. 82 hierher zu gehören und L. arvicola Gr. 49. 

?var 2 Q Spiegelzelle unvollständig, kleiner von Körper, 
Hinterrücken mit seichter Längsfurche, die bei der Stammart 
nie so deutlich, und seichtem Längseindrucke auf dem 1. Seg- 
mente — LI. linearis Gr. 105. 

var 3 @ Scheitel ganz schwarz. 

L. eylindrator Vill. Gr. 102. Von der Gestalt der vorigen 
Art, aber Bohrer länger und stets die Hüften und Schen- 
kelringe schwarz und die Färbung beim @ auch sonst weni- 
ger hell. Schwarz, Mund theilweis, Mitte des Hinterleibes 


16. 


17. 


285 


und Beine von den Schenkeln an.roth oder bräunelnd‘, beim 
cf die innern Augenränder undeutlich gelb. Lg. 8, Hinterl. 
4,25, Bohr 10 millim. — H. 13, — 3%.. 

L. verberans @ Gr. 93. Etwas kräftiger als beide vorige 
Arten und düsterer gefärbt, einen guten Uebergang zu den 
ganz schwarzen Arten bildend. Segment 1 deutlich gekrümmt 
alle deutlich punktirt, 2—4 kastanienbraun; eben so die Beine 
von den Schenkeln an, die Vorderbeine etwas heller, als die 
übrigen, die hintersten durchaus dunkler, ihre Schenkel fast 
schwarz. Flügel gebräunt, ihr dunkles Mal an der Basis 
hellgefleckt wie die äusserste Flügelwurzel. Die innern Au- 
genränder bis zum Scheitel und die äussern unvollständig 
fein weiss, Mund theilweise bräunlich. Lg. 10,5, Hinterl. 6, 
Bohr. 12 millim. H. 8); — '?)g. 

L. segmentator Gr. 52. Hinterleibssegmente rothrandig, quad- 
ratisch und grob punktirt. Schwarz, Mund und Kopfschild 
rothgelb, Beine roth, an den hintersten die Schenkelringe, 
Schienenspitzen und Tarsen getrübter, beim d' die vorderen 


. Hüften bleichgelb, eben so Flügelschüppchen und Wurzel d’ 9, 


18. 


19. 


20, 


Mal etwas dunkler. Lg. 6,5, Hinterl. reichl. 3,5. Bohr. 5 
millim. — H. 2%, 2. 
var. Alle Hüften schwarzbraun Gr. var 2. 

L. fracta © n. sp. Schwarz, Mund und Kopfschild rothgelb, 
bei 2 Exempl. ein weisses Augenfleckehen am Scheitel. Flü- 
gelschüppchen und Wurzel weiss, Mal hornbraun, bei 2 Exempl. 
der äussere, die Spiegelzelle schliessende Nerv nur zur obern 
Hälfte vorhanden, wie abgebrochen. Beine roth, jan’ den hin- 
tersten die Schenkelringe, Sehienen ‘mehr oder. weniger und 
Tarsen‘ dunkler. Brustseiten und Hinterrücken deutlich punk- 
tirt, dieser mit. deutlichör Längsfurche. _Hinterleib gestreckt, 
die Hinterränder zum Theil undeutlich geröthet, 1 mit Andeu- 
tung. einer Längsfurche, kaum rauher jals die übrigen, 2 und 
3 mit, einer beulenartigen. Anschwellung an jeder Seite; wo- 
durch ‚der erwähnte Sehrägschatten entsteht, nadelrissig punk- 
tirt. Bei, einem, Stück ist das Schildchen, verloschen bleich. 
Lg; reichl. 8, Hinterl. 4,75 Bohr. 9,5: millim. — H. 8, —1%,. 
L. brachycentra 2 Gr. 56. An den plumpen Fühlern, ‘die stark 
anliegend behaart sind, dem ‚breiten Kopfe, vollkommen ge- 
rundeten Hinterrücken und kurzen Bohrer leicht zu erkennen. 
Mund, Kopfschild und eine kurze Linie an den innern ‚Au- 
genrändern röthlich gelb, wie die ganzen Beine, höchstens 
die untere Hälfte der Hinterschienen etwas getrübt. Segment 
1—4 mit immer feiner werdenden, rothen Rändern: Flügel- 
wurzel und Schüppchen blendend weiss, Mal gelb. Le. 7,5, 
Hinterl, 4,5, Bohr. 1,5 millim. 

L. angusta @ n. sp. In allen Theilen sehr gestreckt, beson- 
ders auch das Schildchen und der Hinterrücken, dieser quer- 


2] 


22, 


23. 


286 


rissig und punktirt dazwischen mit dentlicher Mittelfurche. 
Schwarz, Hinterleib seidenglänzend, Mund und Kopfschild 
röthlich gelb, eben so die Beine, an den. hintersten nur die 
Tarsen und äussersten Schienenspitzen gebräunt. Flügelschüpp- 
chen und Wurzel weisslich, Mal weisslichbraun. Spiegelzelle 
sehr kurz gestielt. Segment 1 so lange wie die Hinterhüften, 
nach vorn allmälig verschmälert, 2 nach hinten stark verbrei- 
tert. Lg. 6,75, Hinterl. fast 4, Bohr. 6,5 millim. — H. 
wurde im Februar aus Weidenblättern erzogen. 


. L. pilosella, Tryphon pilosellus 5‘, Gr. Il, 125, Arenetra pi- 


losella 5‘ 2 Holmgr. 1. e. 46. Kopf und Thorax stark punk- 
tirt und behaart, Augen weit auseinander, Spiegelzelle gross, 
sitzend, fast viereckig, Segment 1 und 2 vorn punktirt, hinten 
der Länge nach fein nadelrissig. Fühler fadenförmig W., auf- 
gerollt, die hell durchscheinenden Enden der Glieder schräg 
gestutzt. Schwarz, Beine rothbraun von den Schenkeln an, 
beim M. auch die Basis dieser noch schwarz. Lg. reichl. 10,5, 
Hinterl. kaum 6, Bohr. 3,5 millim. — H. 9°) 

L. caligata ' Gr. 38, 9 Holmgr. 1. e. 53. Schwarz, schwach 
glänzend, punktirt, Taster braun, Kopfschildspitze (und die 
Einschnitte der mittleren Segmente) roth, beim M. in Gr.s 
Sammlung ist letzteres nicht der Fall, Flügelschüppchen und 
Mal braun, Wurzel schmutzig weiss. Vordere 'Beine roth, 
Hüften ‘bisweilen theilweisc, oder ganz und Schenkelringe 
schwarz, Hinterbeine schwärzlich, Hüften bisweilen und Schen- 
kel roth. Aendert auch mit unvöllkommener Spiegelzelle ab. 
Lg. M. 9,5 Hinterl. 5,9 millim. 

L. sulphurifera Gr 39. Schwarz, punktirt, schwach glänzend. 
Mund’ gelb (M.) oder theilweise roth (W.), das 3. Ser soll 


‘nach Holmgren am 'äussersten Hinterende kastanienbraun sein, 
' was bei Gr’s’ Exemplaren nicht der Fall ist, Pitgöischapp- 


chen "und Wurzel 'bleich , Mal’ kaum Alınklör als jene‘'oder 


braun. Beine'roth, Hintertarsen ‘braun, Hüften und Wurzel 
der :Schenkelringe in ‘der Regel schwarz aber auch rothj'beim 


'M. die (der''vorderen ‘4 Beine grösstentheils strohgelb. ' 'Seg- 


ment I’ kaum 'verschmälert nach vorn, länger als breit, rau- 
"her als‘2 und 3, die fast ‘quadratisch und fein’nadelrissig cr- 


scheinen. Le. 10,25, 'Hinterl. 'reichl.' 5,5, Bohr. 12,5. millim.; 
a, bei seiner Länge gerader, als'bei allen übrigen Arten. 
H eh wi*) 


*) Holmgren' hat’in seiner Gattung Arenetra noch eine ’zweite 


Art, den Banchus'tomentosus 9: Gr. IIl, 376, den‘ich nicht kenne. Die 
erste Art als: besondere Gattung zu sondern, schien mir ‚nicht. gerecht- 
fertigt. 


**) Das M., welches Gr. hierzu rechnet, gehört entschieden nicht 


hierher, sondern ’ist wegen der Bildung seines Hinterrückens‘ und Hin- 
terleibesseine Pimpla. | 


297 


‚Gen. 10. Meniscus Schiödte, Lissonota Gr. 
Die einzeln gekämmten Fussklauen 9 bilden 


den einzigen Unterschied zwischen dieser und der vorigen 
Gattung. Die Sonderung ist eine künstliche und missliche. 
Bei den vielen Borsten um den Grund der Klauen wird es 
schwierig, die Kammzähne zu sehen, die nicht bis zur 
Spitze der Klauen reichen, und bei sehr starker Vergrösse- 
rung sieht man bei einzelnen Lissonota-Art ebenfalls welche, 


es 


sind daher in dieser Gattung nur Arten aufgenommen, 


wo mit einer guten Lupe sich die Kammzähne deutlich er- 
kennen lassen. 


Arten: 


. Hinterleib schwarz, kaum mit verloschen bleicheren Hinter- 


rändern der Segmente 2. 

— roth mit schwarzer Basis, Bohrer unter Hinter- 
leibslänge, Hintertarsen vom zweiten Gliede an und ihre Schie- 
nen an der, Basis weiss: Sp.8. M.murinus. 


. Thorax bunt: schwarz, roth und gelb, Körper matt, Hinter- 


leib sehr gestreckt mit fast parallelen Seitenrändern, beim M. 
lineal: Sp. 7. M. elector. 
— ganz schwarz oder gelb gefleckt 3. 


. Stirn unter den vorderen Nebenaugen tief ausgehöhlt 4. 


28 u un — nicht oder sehr flach 
ausgehöhlt 5. 


. Thorax ganz schwarz, Hinterrücken wie Hinterleib ausser- 


ordentlich rauh, darum an jenem die hintere Querleiste un- 
deutlich; seine Luftlöcher länglich: Sp.1. M. selosus. 

u mit gelbem Vorderrand des Mittelrückens, Hinter- 
rücken ‚und Hinterleib fein punktirt, an jenem die hintere 


‚Querleiste und eine Mittelfurche deutlich, seine Luftlöcher 


rund; Bohrer viel kürzer: Sp. 2. M.catenator. 


‚ Hinterleib 2 vom Hinterrande des zweiten Segments an nach 


der Basis zu stark verschmälert, stark glänzend, Segment 1 
mit langer Längsfurche, Stirn, flach gehöhlt. _ Hinterrücken 
einzeln punktirt, mit Mittelfurche; eine gelbe Linie vor den 
Flügeln : Sp. 3. M. agnalus. 

— — — des ersten Segmentes an allmä- 
lig verschmälert 6. 


. Segment 2 deutlich breiter ‚als lang, ziemlich grob und mehr 


oder ‘weniger zusammenfliessend punktirt, wie das 1. und 3 
vor dem Hinterrande flach quer eingedrückt. Hinterrücken 
mit gleicher Punktirung und schwacher Längsfurche: 

Sp. 4. M.pinplator. 


5 


& 


288. 


Segment 2 deutlich länger als breit, fein nadelrissig und da- 
her seidenglänzend, mit anderer Sculptur als der Hinterrücken 7. 
. Kopf und Thorax sehr stark weisshaarig, besonders 5‘, der 
Bohrer kaum von Hinterleibslänge, die Klauen lang und 
gleichmässig gekämmt: Sp. 5. M.tomentosus. 
— — nicht weisshaariger; als andere Arten, der 
Bohrer länger als der Körper, die Klauen nicht bis zur 
Spitze deutlich gekämmt: Sp. 6. M. impressor. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten: 


.M. setosus Fourer. Gr. 35. Schwarz, stark punktirt, Beine 
von den Schenkelringen an rothgelb, nur die Tarsen der hin- 
tersten schwarzbraun. Das letzte Bauchsegment Q dreieckig 
ausgeschnitten. Die grösste Art. Lg. 19, Hinterl. reichlich 
10,5, Bohr. 20 millim. Wurde erzogen aus Weidenbohrer- 
puppen, deren Raupen das @ ansticht. — H. 1?%.. 

2. M. catenator @ Pz. Gr. 45, & Holmgr. l. c. 6l. Stirn am 
oberen, innern Augenrande wie ein kurzer Lappen vorgezogen, 
in der Mitte tief ausgehöhlt, Bohrerscheide auffallend breit. 
Schwarz; zart weiss flaumhaarig. Mund, Kopfschild, innerer 
Augenrand, beim f' das ganze Gesicht, die Wangen und der 
Fühlerschaft unten; ferner eine Linie vor und unter den Flü- 
geln,;, deren Schüppchen und Wurzel gelb, beim 5 noch 
Flecke an der Brust. Beine roth oder rothgelb, die vorderen 
an.der Wurzel gelb, die hintersten an den Schenkelringen, 
Schienen und Tarsen mehr oder weniger schwärzlich. Lg. 11, 
Hinterl. fast 6,5, Bohr. 6,5 millim., letzterer gerade. — 
H. °'), 

var. © ee mehr oder weniger roth. 

.M. agnaltus Q Gr. 44. Thorax deutlich punktirt und so, dass 
die Zwischenräume grösser als die Punkte sind, ‘mit feinem 
Anfluge ganz kurzer weisser Härchen, Hintereücken mil Längs- 
furche. Die Form des Hinterleibes charakteristisch , ganz so, 


“wie bei der viel kleineren Lisson. angusia, stark glänzend, be- 


sonders Segm. I und 2, auf dem man nur sehr einzelne feine 
Punkteindrücke bemerkt. Taster tind Kopfschild gelbroth, 
eine kurze Linie des innern Atgenrandes, eine vor den Flü- 
geln, deren Schüppchen und Wurzel gelb. Beine gelbroth, 
die Hüften an der Wurzel bisweilen etwas dunkler, Hinter- 
tarsen schwärzlich. Beim Stück in Gr’s Sammlung trägt 
Segment 2 und 3 je 2 möndförmige gelbe Seitenflecke. Ein 
&, was in der Sceulptur und Färbung vollkommen "dazu 
stimmt, muss ich wegen des stark nach vorn  verengteh, 
schmächtigen ersten Segments hierher ziehen. Lg. 12, Hin- 
terl. reichl. 6,5, Bohr. 8 millim. schnurgerade. — H.Q Zeit 
unbestimmt, d' ?)g. 


4. M. pimplator. © ‚Zeit. Holmgr. 62 = IL. impressor Gr. var 


[7 8 


289 


1 und 2. An der gedrungenen Körperform, der durchaus 
groben Punktirung und den seichten Quereindrücken vor dem 
Ende der 3 ersten Segmente leicht kenntlich. Schwarz, 
Taster, Kopfschild und Beine roth, die Tarsen der hintersten 
mehr oder weniger schwärzlich. Die Art kommt in einer 
zierlicheren Form vor, wahrscheinlich aus einem kleineren 
Wohnthiere, wo alle angegebenen Merkmale vorhanden, aber 
ein weinig schwächer ausgeprägt sind, Gr. var 2, das eine 
Stück variüirt mit relativ längerem Biekimer Zwei 0’ meiner 
Sammlung kann ich der Struktur nach hierher ziehen, sie 
unterscheiden sich in der Färbung vom 5‘ durch unterwärts 
gelbliche Fühler, einen dreieckigen gelben Schulterfleck, eine 
kleine gelbe Linie vor und eine zweite unter den Flügeln 
und das eine hat 2 gelbe Seitenstriche auf dem Schildehen, 
Lg. 10,75, Hinterl. 6, Bohr. 8,75 millim. — H. ?*/, 19). 

var 1 Q Hüften schwarzbraun oder schwarz. 3 —/h 


bilineata Gr. p. 41. 
var 2 S' Schildchen mit 2 gelben Seitenlinien. 


.M. tomentosus 2 Gr. 46, d' grisea Gr.43. Schwarz, Taster 


und Kopfschild, eine Linie, ein Fleck vor den Flügeln, deren 
Schüppchen und Wurzel gelb. Beine roth @, rothgelb, Hüf- 
ten und hinterste Schenkelringe schwarz %. Lg. 10,75, 
Hinterl. 5,75, Bohr. 5 millim. 


.M. impressor Gr. 50 Stirn etwas eingedrückt mit einer Längs- 


linie, Hinterrücken gerunzelt, mit deutlicher Längsfurche, eben 
so Segment 1 mit langer und 2 mit mehr oder weniger än- 
gedeuteter Längsfurche. Schwarz, Mund und Kopfschild 
roth, ein Schulterfleckchen, ein Fleckehen vor den Flügeln, 
deren Schüppchen und Wurzel schmutzig weiss, Beine roth, 
sehr schlank, Hintertarsen getrübt. Lg. 11,5, Hinterl‘"reiehl; 
7, Bohr. 15,5 millim. — H. !6/,, 2%,. 

var 1 Q@ mit bleichem en auf dem Schildchen. 

vor 2 © mit schwarzen Hüften und an den Hinterbeinen 
schwarzen Schenkelringen Liss. suborbitalis Gr. 42, 


. M. elector Gr. 73 Körper durchaus dicht und ziemlich grob 


punktirt, Hinterrücken mit feiner Längsfürche, Kopf und 
Thorax bleichgelb, roth und schwarz, Beine roth, Beim 4%, 
dessen Hinterleib ausserordentlich schmal und Hnienforkniß, 
geht das Roth mehr in ein bleiches Gelb über, auch an den 
Beinen. Lg. 11,5, Hinterl. 6,5, Bohr. 7,5 millim; 


. M. murinus 9, Gr. 99, X Holmgr. 62. Stark behaart, schwarz, 


BHinterleib roth mit schwarzer Basis, Flügelschüppchen weiss 
f, braun ©. Beine roth oder hungatin, besonders die 
hinteren, Hüften und Schenkelringe und meist die Schie- 
nen und arsch der hintersten schwarz, je an der äussersten 
Basis, diese an der Spitze weiss, Ben d' diese, Zeichnung 


290 


auch an den Mittelbeinen- angedeutet. Lg. 9,5, Hinterl. 5, 
Bohr. kaum 4 millim. *) 


Gen. 11. Phytodietus Gr. II, 929. 

Diese Gattung Gravenhorst’s enthält verschiedene 
Elemente. Die beiden Arten ohne Spiegelzelle und mit aus- 
gefressenen Fühlergliedern der M., welche jener Autor nicht 
kannte, sind von Haliday als Zampronota ausgeschieden. 
Holmgren belässt den übrigen den alten Namen und giebt 
deutlich gekämmte Klauen als eines der Gattungsmerkmale 
an, welche die beiden einzigen von ihm beschriebenen 
Gravenhorst’schen Arten auch haben. Nun bleiben aber 
noch 6 andere übrig mit einfachen Klauen. Da sie die 
Mehrzahl ausmachen, müsste diesen von Rechts wegen 
der alte Name verbleiben und für die mit gekämmten Klauen 
ein neuer gewählt werden. Weil aber Holmgren noch 
4 neue Species beschreibt unter dem Gattungsnamen Phy- 
iodietus, so will ich, um keine Verwirrung zu veranlassen, 
die Gattung Phytodietus in seinem Sinne festhalten und die 
Gravenhorst’schen Arten derselben, welche keine ge- 
kämmten Klauen haben als neues Genus absondern. Die 


*) In diesen beiden Gattungen sind noch nicht alle Zissonota- 
Arten erschöpft, welche Gr. aufgezählt, ausserdem_hat Holmgren 18 
Arten neu:benannt und unter allen konnte ich 2 meiner Sammlung nicht 
herausfinden, alles Beweise, dass die Mannisfaltigkeit bedeutend und 
die Unterschiede schwierig aufzufinden sind. Nun noch einige Bemer- 
kungen über die bisher unberücksichtisten Gravenhorst’schen Arten: 
L.:defectiva 2 p. 38 ist am Leibesende beschädigt, scheint mir. aber 
eine lange Bauchspalte zu haben, Geiselglied 2:der Fühler ist noch-ein- 
mal so lang, ‚wie 3, was sonst keine andere Art aufzuweisen hat. — 
dorsalis 2 78 eine höchst interessante Form, die entschieden nicht hier- 
her'gehört. Der Hinterleib gleicht in Bezug auf die knotige Oberfläche 
der Gattung Pimpla, sein erstes Segment hat ganz vorn je 2 scharfe 
Seitendornen, keine Bauchspalte und die Klauen sind deutlich gekämmt. 
— ruficornis 2 98 mit sehr untersetztem Hinterleibe, dessen letzte 
Bauchschuppe .die des Rückens noch überragt, passt darum nicht’ hier- 
her, weil der Hinterrücken durch sehr hohe Leisten vollkommen ge- 
feldert ist, man kann ihrer 9 unterscheiden, denn der regelmässig 5 eckig 
eingefasste, sehr steile abschüssige Theil ist durch eine senkrechte Leiste 
noch in 2 Theile getheilt. Flügelmal unverhältnissmässig gross und dick. 
— occupator 2 100 hat einen säbelartig, etwas nach oben gebogenen 
Bohrer, der aus einer langen Spalte mitten aus dem Bauche kommt, der 
sehr rauhe Hinterrücken hat gar keinen abschüssigen Theil, der vorn 
3lappige Mittelrücken ist zwischen Schildchen- und Flügelwurzeln aus- 
serordentlich tief ausgehöhlt. Klauen einfach, sehr ‚schlank. — acceu- 
sator @ 101.. Der Bohrer kommt gleichfalls aus einer Bauchspalte, der 
Hinterrücken hat 4 schwache Längsleisten, die Klauen ‚sind einfach. — 
pallipes 5‘ 55 scheint eine Pimpla zu sein; der Hinterrücken ist ziem- 
lich vollständig gefeldert; das Flügelmal verhältnissmässig gross. 


- 291 


Merkmale unserer Gattung wären somit: Kopf breiter als 
lang, sein Schild abgesondert, convex, vorn gerundet oder 
etwas ausgeschnitten, Fühler fast von Körperlänge und fa- 
denförmig. Thorax kräftig, matt, Mittelrücken stark ge- 
rundet, nicht dreilappig. Hinterrücken ohne Andeutung von 
Feldern, mit kreisförmigen Luftlöchern. Hinterleib am Hin- 
terende am dicksten (von Form der Tryphonen) Segment 1 
gestreckt, nach vorn allmälig verschmälert, so dass es zwei- 
felhaft sein dürfte, ob er nicht auch gestielt genannt wer- 
den könnte, aber entschieden deprimirt und ohne die Bie- 
gung wirklich gestielter Hinterleiber, glatt. Bohrer aus ei- 
ner Bauchspalte kommend, höchstens von der Länge des 
Hinterleibes. Flügel mit dreieckiger Spiegelzelle, 
der innere Quernerv der hintersten weit unter ihrer Mitte 
gebrochen. Klauen @ lang und dicht gekämmt, 
Hinterschienen mit einer Reihe Dornenhärchen. 


Arten: 


l. Thorax ganz schwarz, höchstens 2 gelbe Fleckchen zwischen 
den Schultern, Hüften und Schenkelringe desg]. 3. 

— schwarz und gelb gezeichnet, das Schildchen immer 
mehr oder weniger gelb 2. 

2. Thorax ausser am Schildchen mehrfach gelb gezeichnet, Hin- 
terleib mit mehr oder weniger deutlichen, strohgelben Hinter- 
rändern, vordere Hüften gelb: Sp. 1. P. segmentator. 

— und Hinterleib schwarz, dieser an der Spitze biswei- 
len bleich: Sp. 2. P. coryphaeus. 

3. Schienenwurzel und ein Ring der Hintertarsen weiss, grösste 
Art: Sp. 3. P. planlarius. 

— —_—— —.— _ nicht. ‚weiss, 
mit dem übrigen Theile gleichfarbig: _Sp. 4. P. astutus. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten: 


1. P. segmentator. Gr. II. 944, und ‚P. coryphaeus var. 3. Die 
bunteste Art. ‘Beim W sind gelb (mehr bleich. oder rothgelb) 
der Mund, ein ‘Gesichtsfleck, die innern Augenränder und: be- 
sonders auf dem Scheitel, ‚ die’ Fühler unten, am: Thorax ein 
breiter Fleck vor und auch unter den. Flügeln, einer vor den 
Mittelhüften, einer mitten auf dem Mittelrücken,, das Schild- 
chen mit Ausschluss seiner Mitte, das Hinterschildchen, die 
beiden (@uernähte am Ende eines jeden, der Hinterrand des 
Hinterrückens mehr oder weniger ausgedehnt; an den Flügeln 
die Wurzel und ‚das Schüppchen, das Mal:mehr rothgelb;; die 


292 


ganzen Beine mit Ausschluss der etwas gebräunten Spitzen 
der Schienen und Tarsen an den 'hintersten. Hinterleib glän- 
zend schwarz, mit strohgelben Hinterrändern der Segmente, 
in var. 3 weniger vollkommen. Leg. 8,5, Hinterl. 4,5, Bohr. 
4,5 millim. Beim 5, das ich nicht aus eigener Anschauung 
kenne, ist das ganze Gesicht und die Wangen gelb, aber nur 
die Wurzel der Fühler unten, und das Gelb am Rumpfe noch 
mehr ausgebreitet, besonders auch auf die Brust. — Die Art 
varlirt beim 5 mit schwarzgefleckten, seltener ganz schwar- 
zen Hinterhüften. — H. ©. Im Febr. aus Blättern erzogen, 
die zur Mikrolepidopterenzucht eingetragen waren. 

2. P. coryphaeus @ Gr. II. 945. Der vorigen Art bis auf die 
Färbung ähnlich: Mund zum Theil braun oder bleichgelb. 
Zwei Scheitelflecke an den Augen, Spitze des Schildehens und 
2 Pünktchen an seiner Basis, wohl auch Hinterschildchen und 
die beiden Thoraxnähte daselbst, an den Flügeln die Schüpp- 
chen, Wurzel und das Mal gelb. Der übrige Rumpf schwarz, 
am Hinterleibe glänzend. Beine gelbroth, die vordern Hüften 
meist ganz, an den Hinterbeinen Schienen und Tarsen schwarz, 
hier bisweilen auch die Hüften und Schenkelringe oder letz- 
tere allein schwarz, oder auch die Schienen an der Basis roth. 
Lg. 6,5, Hinterl. 3,5, Bohr. reiehlich 2,5 millim. — H. !*), 
am salzigen See. 

3. P. plantarius 2 Gr. II. 941. Die grösste Art. Thorax grob 
und dicht punktirt, Hinterrücken lederartig, Hinterleib wenig 
glänzend, unregelmässis fein querrissig. Letzte Bauchschuppe 
weit nach der Spitze reichend,:so dass kaum eine Spalte be- 

..merkbar,:aus welcher der Bohrer kommt. Schwarz, 2 ver- 

;.. loschene weisse Fleckehen zwischen den Schultern. Flügel- 
xadius. und Mal schwarz, Wurzel und Schüppchen braun. 
Beine roth, Hüften und Schenkelringe schwarz, Hintertarsen 
und Schienen... gleichfalls schwarz, von jenen Glied 2—4, an 

. diesen die Basis weiss; an den vordern Beinen ist eine weisse 
Schienenbasis.mehr oder weniger angedeutet. Leg. reichlich 11, 
Hinterl. 6, Bohr. 4,75 millim. 

4. P. astutus Q,Gr. Ol: 939... Das Exempl. in Gravenhorst’s 
Sammlung ist so zerstört, dass ihm eben nur sein Platz hier an- 
gewiesen werden konnte. Die Färben und  Grössenangaben 
muss ich aus des Autors Beschreibung entlehnen. Schwarz, 
' Flügelmal, Wurzel ‘und Schüppchen gelb.‘ Beine rothgelb, 
Hüften und Schenkelringe, Schienenspitzen der hintersten nebst 
ihren Tarsen schwarz. Hinterleib so lang wie Kopf und Tho- 
'rax, Bohrer länger als der halbe Hinterleib, Lg. 5,5 millim. 


Gen. 12. Cryptopimpla n. gen. —. Phytodietus Gr. theilweise. 
Körperform wie vorige Gattung, von ihr. verschieden 
durch "einfache Klauen. Kopfschild "getrennt," gewölbt, 


293 


vorn : gerundet. Hinterrücken glatt oder gekielt, seine 
Luftlöcher rund. Hinterleib nach vorn stielartig verengt, 
nur bei C. microtamius wirklich gestielt, etwas gekrümmt 
und nach dem Ende hin verdickt, respective etwas compri- 
mirt, Bohrer höchstens von seiner Länge. Flügel mit 
dreieckiger Spiegelzelle und die hintern mit weit unter. der 
Mitte gebrochener innerer Querader: Die Männchen noch 
unbekannt. 


Arten: 


1. Hinterrücken ohne jede Leiste, vollkommen glatt. Segment 
1 des Hinterleibes bisweilen gestielt 2. 
= wenigstens mit einer Querleiste, die den vordern 
vom abschüssigen Theile trennt 3. 
2. Hinterleib in der Mitte und alle Schenkel und Schienen roth. 
Fühlerglieder kurz und dick: Sp. 1.C. microtamia. 
— mit Ausschluss der Spitze, nur Schenkel und Schie- 
-nen der vordern Beine roth. Fühlerglieder viel länger als 
ihr Querschnitt: Sp. 2. C. errabunda. 
3. Hinterrücken mit 2 Querleisten hinten, 4 Längsleisten vorn, 
Hinterleib mit Ausschluss seiner Spitze roth: 
Sp. 3. C. blandao. 
— nur mit einer Querleiste zwischen den vordern 
und abschüssigen 'Theile, Hinterleib schwarz: 
Sp. 4. C. calceolata. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


1. C. microtamia @ Gr. I. 933. Schwarz, roth sind die Beine 
von den Schenkelringen oder Schenkeln an und Segment 2—4 
des Hinterleibes. Kopf und Thorax grob, meist zusammen- 
fiiessend punktirt, am rauhesten der kräftige Hinterrücken 
mit gerundeter Oberfläche. Fühlerglieder walzig, so lang wie 
breit. Segment l mehr oder weniger gestielt, mit einer nicht 
bis zur Spitze reichenden feinen, seichten Längsfurche. Die 
Spiegelzelle etwas gestielt, bei einem Exempl. in Graven- 
horst’s Sammlung langgestielt, und das Dreieck fast ver- 
schwindend klein. Hinterleib so lang wie Kopf und Thorax, 
Bohrer gleichfalls. Lg. 9 millim. Die Exemplare waren zu 
zerstört, um die Maasse in Zahlen angeben zu können. 

2. C, errabunda 2 Gr. l. c. Schwarz, am Hinterleibe Segment 
1—4 roth. Vordere Beine roth, Schenkelringe und Schen- 
kelwurzel, an den vordersten auch noch die Hüften schwarz; 
Hinterbeine schwarz ausser den rothen Hüften, Schienendor- 
nen und einem matten Ringe vor der Schienenwurzel. Kopf 
und Thorax grob und fein punktirt, an den Brustseiten und 
Hinterrücken einzelner, so dass die Zwischenräume bedeutend 


294 


grösser als die Punkte sind, Mitte des Hinterrückens ausser- 
dem fein nadelrissig. Fähler von Körperlänge, ihre Glieder 
merklich länger als breit. Lg. 7,5 millim. Bohr. !/, der Hin- 


terleibslänge. 
3. C. blanda 2 Gr. II. 932. Schwarz, braunroth sind der Hin- 


terleib ausschliesslich seiner Spitze und die Beine, Hinterschie- 
nen und Tarsen braun, Fühler auf der Untenseite wenigstens 
gelbroth. Thorax grob und dicht, doch so punktirt, dass die 
Zwischenräume die Punkte an Grösse übertreffen, die Mittel- 
linie des Hinterrückens lederartig, Lg. 9,5, Hinterl. 4,75, 
Bohr. 1,5 millim. — H. °/, Elsteraue. 

4. C. calceolata 2 Gr. Il. 937. Schwarz, roth sind das Kopf- 
schild und die Beine mit Ausschluss der dunkleren Schienen- 
spitzen und Tarsen der hintersten. Thorax grob und sehr 
dicht punktirt und zwar auf dem Hinterrücken so, dass die 
Zwischenräume eben nur kleine Wälle um die Löcher bilden. 
Lg. 8,5, Hinterl. reichlich 4,5, Bohr. reichlich 1,5 millim. *) 


Gen. 13. Lampronota Halid. Ann. of nat. hist. I, p. 121 = 
Phytodietus Gr. 


Kopf breiter als lang, sein Schild deutlich getrennt, 
vorn in seiner ganzen Breite heruntergedrückt, deshalb als 
schmale Querleiste erscheinend. Fühler fadenförmig, beim 
M. Geiselglied 3 und 4 nach aussen wie ausgefressen, 1 
(M. W.) ziemlich lang. Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken 
mit 4 Längskielen und kleinen, aber ovalen Luftlöchern. 
Hinterleib ausserordentlich fein und dicht punktirt, daher 
seidenglänzend. Das gestreckte erste Segment viel gröber 
und darum matt. Bohrer aus einer Bauchspalte kommend, 
mindestens von Hinterleibslänge, vor dem Ende etwas bo- 
gig geschwungen. Flügel ohne Spiegelzelle, die innere 
Querader der hintern in der Mitte oder etwas darüber ge- 
brochen. Klauen einfach. 


Arten: 
Hüften und Schenkelringe schwarz: Sp.1. L. nigra. 
BEER — roth: Sp.2.L. caligata. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


1. L. nigra 2 Gr. I. 935 — Cylloceria nigra Schiöd. YQ Gen. 
et Spec. Ichn. 23,1. —= Chalinocera longicornis 5 Ratzeb 
— L. fracticornis Hal. 1. c. Schwarz, Mund bräunelnd, öfter 


*) P. corvinus Q Gr. aus Volhynien mit fast kubischem Kopfe, 
nach vorn stark verschmälertem Kopfschilde, sehr grosser dreieckiger 
Spiegelzelle und vollkommen gefeldertem Hinterrücken gehört nichthierher, 


295 


auch die äussersten Ränder der Segmente. Beine von den 
Schenkeln an roth, nur die Schienen und Tarsen der hinter- 
sten braun. Das Geäder der Flügel, Mal und Schüppchen 
‚braun, die Wurzel dagegen bleich. Lg. 9,5, Hinterl. 5,5, 
Bohr. reichlich 7 millim. 

2. L. caligata 2 Gr. I. 936 — (ylloceria calig. Schiöd. (Q 
— L. crenicornis Hal. l. c.. In Färbung und Punktirung wie 
vorige Art, oben Beine roth, nur die Schienen und Tarsen der 
hintersten schwarz; etwas kleiner und Bohrer kürzer. Le. 8, 
Hinterl. 4,5, Bohr. kaum 4,5 millim. — H. 2/,—!'/,. Döl. 
Haide und Mittelholz. 

Gen. 14. @oleocentrus 9 Gr. II. 439, Marcus $ Gr. 708. 

Kopf breiter als lang W., mehr kubisch M., sein Schild 
durch einen beinahe geradlinigen Eindruck geschieden, in 
der Mitte seines Vorderrandes mit vortretender Ecke. Füh- 
lerglieder vollkommen cylindrisch. Mittelrücken, von der 
Seite gesehen, fast quadratisch, oben deutlich dreilappig, 
beim M. die Zwischenräume zwischen den Lappen so breit, 
dass hinter dem mittelsten eine flache Grube entsteht. Hin- 
terrücken nicht gefeldert, rauh, mit 2—4 Längsleisten und 
ovalen, deutlichen Luftlöchern. Hinterleib gestreckt, der 
ganzen Länge nach, wenigstens vom 3. Segment an etwas 
comprimirt, beim Männchen fast stärker, als beim Weibchen 
und ausserordentlich lang und schmal. Segment 1 nach 
vorn kaum verschmälert, besonders beim Männchen und 
länger als breit, beim Weibchen die letzte Bauchschuppe 
gewaltig gross, eilanzettförmig und bis zur Spitze reichend, 
letztes Rückensegment schnabelartig ausgestreckt, die Spitze 
etwas höher liegend als die Wurzel. Bohrerscheide nach 
der Spitze etwas verdickt, sehr kurz behaart. Flügel mit 
gestielter, dreieckiger Spiegelzelle. Beine schlank, 
Klauen einfach. 

Die Männchen erinnern durch ihre Körperform lebhaft 
an Ophion, nur dass das erste Segment entschieden depri- 
mirt ist und die Spitze des Hinterleibes nicht dicker wird, 
sondern an Umfang abnimmt. 

Arten: 


1. Hintertarsen wenigstens an der Spitze heller als ihre Schienen 2. 

— nebst ihren Schienen braun oder schwarz, letz- 

tere an der Basis heller, Hinterleib auch beim Männchen ganz 
schwarz: Sp. 1.0. caligatus. 


296 


.2. Hüften nicht gleichfarbig mit den Schenkeln, sondern dunk- 
ler, Hintertarsen wenigstens vom 2. Gliede an gelb: 
Sp. 2.C. excilator. 
— gleichfarbig mit den Schenkeln, Hintertarsen vom 2. 
Gliede an weiss: Sp. 3.C. croceicornis. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


1. C. caligatus Gr. 440, f' Holmgr. l. c. 7. Schwarz, Taster 
Flügelschüppchen und Wurzel gelb, ihr Mal pech- oder 
schwarzbraun. Beine Q roth, Hintertarsen und ihre Schienen 
mit Ausschluss der Basis schwarz oder braun. Beim die 
dunkle Färbung der hintersten bleicher, ihre Hüften schwärz- 
lich, die vordern 4 gelb und rothgelb wechselnd mit schwar- 
zer Wurzel der Hüften, bei ihm ausserdem Gesicht und Füh- 
lerschaft unten strohgelb. Lg. 16—24 millim., Grössenverhält- 
nisse 24, Hinterl. 15, Bohr. 20 millim. Wurde erzogen aus 
der Puppe eines Callidium. — Dessau ?*),. 

2. C. ezcitator Poda Gr. 439, Ü' Marcus longiventris Gr. 709. 
Schwarz, Taster, Flügel selbst, ihr Mal, die Wurzel und Schüpp- 
chen wachsgelb. Beine roth, Hüften ganz oder zum Theil 
braun bis schwarz, Hintertarsen gelb (mit brauner Wurzel /'), 
ihre Schienen mehr oder weniger gebräunt. Hinterleib @ mit 
hellen häutigen Gelenken, beim 5% in der Mitte heller oder 
dunkler roth, hier ausserdem das Gesicht mit Ausschluss ei- 
ner Längslinie und der Fühlerschaft unten, gelb, auch die 
Geisel schimmert gelb. Lg. @ 24,5, Hinterl. fast 16, Bohr. 
21,5, & 22, Hinterl. 15 millim. 

3. C. croceicornis (Macrus) Gr. 710, Q@ noch unbekannt. Schwarz, 
Taster, innere Augenränder breit und Fühler mit Ausschluss 
ihrer Wurzel oberseits, gelb. Flügel und Hinterleib wie vorher. 
Beine wie vorher nur die Hüften gleichfarbig mit den Schen- 
keln und die Spitze der Hintertarsen weiss. Lg. 16,5, Hin- 
terl. reichlich 10,5 millim. Nach Holmgren ist Maecrus 
soleatus Gr. 711 nur eine var. davon mit ganz gelbem Ge- 
sicht und nur an den äussersten Enden schwarzem Hinter- 
leibe. Ich fand hier an dem Gravenhorst’schen Exempl. 
die Fühler entschieden dunkler, die Beine wie bei 2 gefärbt, 
nur dass die hintersten Schenkelringe an der Trübung der 
Hüften Theil haben, ja noch etwas dunkler sind. An den 
Hintertarsen ist Glied 5=4, 5-+-4==3, während bei cro- 
ceiventris 5 grösser als 4, 5-4 grösser als 3 ist. Ob diese 
Unterschiede stichhaltig, lässt sich an je einem Exemplare, 
woran sie beobachtet wurden, nicht entscheiden. Lg. 16, Hin- 
terl. kaum 11 millim. *) 


*) M. filiventris Gr. 709 gehört nicht hierher, Kopf schmal, Schei- 
tel noch schmäler, sein Schild nicht gesondert, vorn vorgezogen in der 
Mitte. "Thorax buckelig nach hinten verdünnt, Mittelrücken nicht ge- 


6 


297 


_ 


Gen. 15. Acoenites Gr. III. 803. 

Kopf breiter als lang, Scheitel nicht schmäler, sein 
schmales Schild ziemlich deutlich getrennt, über ihm in 
der Mitte eine Grube, Kinnbacken an der Wurzel längsrie- 
fig. Fühler fadenförmig, vorgestreckt, kaum länger als Kopf 
und Thorax zusammen, ihre Glieder vollkommen eylindrisch, 
in der ersten grössern Hälfte vom 3. an so lang wie breit, 
nach der Spitze hin breiter als lang. Thorax buckelig, Mit- 
telrücken dreilappig, Hinterrücken rauh, darum die Felder 
nicht deutlich zu unterscheiden, seine Luftlöcher gross, el- 
liptisch, beim f' beinahe linienförmig. Hinterleib glänzend, 
gedrungen, nach dem Ende zu mehr odei weniger com- 
primirt und kolbig, Segment 1 nach der Basis allmälig ver- 
schinälert, immer länger als breit, letztes Bauchsegment 

2 gross, lanzettförmig bis zur Spitze reichend, so dass 

der Bohrer nicht aus einer Spalte kommt; dieser mit Aus- 

schluss einer Art unter Hinterleibslänge. Hinterhüften 
mit ihren Schenkeln dick und kräftig, Klauen 
gross, einfach. Die getrübten Flügel ohne Spiegelzelle, 
die innere Querader der hintersten über ihrer Mitte: ge- 
brochen. 

Arten: 

1. Letzte Bauchschuppe 2 schwarz 2. 

— = 2 wenigstens roth. Hinterleib roth, nur 
an der Wurzel und mehr oder weniger an der Spitze schwarz: 
Sp. 1.4. salluns. 

2. Thorax mässig punktirt. Hinterleib roth und schwarz, die 
letzten Segmente auf dem Rücken mit hellen Hauträndern. 
Bohrer fast von Körperlänge: Sp. 2. A. dubilalor. 

— sehr grob punktirt und stellenweisse gefurcht. Hin- 


terleib ganz schwarz; Bohrer unter seiner Länge: 
Sp. 3. A. araloı. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


l. A. saltans Gr. III. 806. Thorax, Hüften und Schenkelringe 
sind schwarz. Die Brustseiten vorn wenigstens nicht zusam- 
menfliessend punktirt. Fühler mit theilweissem Ausschluss 


lappt, sondern mit vollkommen gerundeter Oberfläche. Hinterrücken 
vollständig gefeldert, seine Luftlöcher klein und kreisrund, Hinterleib 
fast fadenförmig, nur nach hinten unmerklich verdickt. Flügel mit ganz 
kleiner dreieckiger und gestielter Spiegelzelle, die innere Querader der 
hintersten gar nicht gebrochen. Ein ausserordentlich zierliches Thier- 
chen, welches durch seine Gestalt an Trachynotus foliator erinnert. 


XXI 1863, | zu 


298 


ihrer Wurzel ganz, oder auf der Unterseite gelbroth. Vor- 
dere Beine von den Schenkeln an gelbroth, die hintersten 
ganz schwarz mit etwas rothschimmernden Schienen oder nur 
mit gelbrothen Schenkeln. Hinterleib roth, seine Wurzel und 
Spitze auf dem Rücken in der Regel schwarz, ein f in Gra- 
venhorst’s Sammlung ist in der Bauchmitte roth und auf 
dem Rücken am Ende des 1. und am 2. Segmente unvoll- 
kommen roth. Der Umstand, dass ich in der Skulptur zwi- 
schen dieser Art und dem A. fulvicornis Gr. gar keinen Un- 
terschied entdecken kann, und dass bei ersterer Art 2 Exempl. 
stecken als var., deren Hinterbeine genau so gefärbt sind, wie 
bei A. fulvicornis, bestimmt mich, beide Arten zu vereinigen. 
Lg. 7,75, Hinterl. 4,5, Bohr. 1,75 millim. ganz gleich bei 
beiden Arten. — H. °).. 

2. A. dubitator Pz. Gr. 810. Schwarz, Brustseiten sehr dicht 
und zusammenfliessend punktirt. Hinterleib auf dem Rücken 
des zweiten und dritten Segments vollkommen roth, an den 
Rändern der anstossenden bisweilen gleichfalls. Beine von 
den Schenkel an rothgelb, nur die’Tarsen der hintersten, bis- 
weilen auch ihre Schienen schwarz. Bei einem ’ var.Gr. ist 
der Hinterleib ganz schwarz, abgesehen von den häutigen Rän- 
dern der hinteren Segmente. Lg. 12,5, Hinterl. 7,5, Bohr. 
10,5 millim. 

3. A. arator Ross. Gr. 813. Ganz schwarz, nur an den Hin- 
terbeinen die Schenkel und die Vorderbeine von den Schen- 
keln an rothgelb; Fühler an der Unterseite rothgelb, mehr oder 
weniger vollkommen. Kopf und Thorax ausserordentlich un- 
eben durch die grobe Skulptur. Lg. 12,25, Hinterl. 6,25, 
Bohr. kaum 4 millim. *) 


Gen. 16. Xylonomus Gr. III, 820. 

Kopf kugelig, gegen den Mund nicht verengt, sein 
Schild getrennt, an der Spitze meist stark niedergedrückt, 
Fühler fadenförmig, meist weissgeringelt, ihre Glieder schlank, 
cylindrisch, an den Enden unmerklich geschwollen, aber doch 
zu unterscheiden, (wie bei Cryptus). Thorax cylindrisch, 
Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken deutlich ge- 
feldert, mitlinienförmigen oder elliptischen Luft- 
löchern. Hinterleib gestreckt, Segment 1 länger als breit, 
nach vorn verengt, gekielt, Segment 8 2 vorgestreckt, Boh- 
rer aus einer Bauchspalte kommend, etwa von Leibeslänge. 


*) A. rufipes Gr. aus VOlhynien ist ganz schwarz, beim J' 
die Beine wie bei vorigen Arten gefärbt, beim 2 alle roth mit Aus- 
schluss der Vorderhüften. Flügel mit dreieckiger Spiegelzelle, Bohrer 
länger als der Hinterleib. 


299 


Flügel ohne Spiegelzelle, die gar nicht in der Anlage vor- 
handen. Beine mässig, dieSchienen, am meisten die 
vordern beim 2 wenigstens erweitert und an der 
Basis wieder verengt, Klauen einfach und klein. Die 
Arten sind selten und scheinen in der Färbung, besonders 
der Beine sehr veränderlich. 


Arten: 
Hinterleib nicht einfarbig schwarz 2. 

_- einfarbig schwarz, Fühler nicht weissgeringelt 3. 
Hinterleib ganz roth, allenfalls an der Spitze gebräunt.  In- 
nerer Quernerv der Hinterflügel in der Mitte fast rechtwinke- 
lig gebrochen. Alle Schienen der blassrothen Beine an der 
Wurzel weiss, beim d' auch die mittelsten Hintertarsenglieder. 
Segment 1 überragt die Hinterhüften und hat 2 bis zur Spitze 
reichende Kiele: Sp. 1.X. filicornis. 

— schwarz, bisweilen an den Seiten roth, immer aber 
mit weissen Hinterrändern einiger Segmente, Thorax mit 
weissen Zeichnungen, oft auch an den Seiten bleichroth, die 
bunteste, glanzloseste Art. d' ohne weissen Fühlerring und 
ohne weisse Hinterränder der Segmente: 

Sp. 6. X. praecalorius. 

— _ schwarz (an der Spitze oder ausserdem noch an 
der Wurzel) und roth, Thorax einfarbig schwarz 3. 

Segment 1 gestreckt, gleichmässig von hinten nach vorn ver- 
schmälert. Innerer Quernerv der Hinterflügel stumpfwinkelig 
gebrochen. Alle Schienen der braunen Beine an der Wur- 
zel weiss; die Schienen der vordern an der Innenseite heller 
als aussen (auch die Hintertarsen weissringelis): 
Sp. 2. X. gracilicornis. 
— 1 weniger gestreckt, in der Mitte bei den Luftlöchern 
etwas eingeschnürt, so dass die Oberfläche bisweilen den An- 
schein hat, als bestände es aus 2 zusammengewachsenen Glie- 
dern. Schienenwurzel nicht weiss 4. 


Fühler () ganz oder (2) nach der Spitze hin stark behaart, 
hier (W.) etwas erweitert, und an der Innenseite mit 6—-8 
deutlichen, senkrecht daraufstehenden Stachelbörstchen, Boh- 
rer etwas länger als der Hinterleib. Hinterrücken meist nicht 
bewehrt: Sp.4. X. pilicornis. 

— von gewöhnlicher Bildung, Segment 1 noch etwas stär- 
ker geschnürt. Bohrer etwas kürzer als der Hinterleib. Hin- 
terrücken in 2 deutliche Seitenzähne auslaufend: 

Sp. 3. X. irrigalor. 
Segment 1 gekielt 6. 
— 1 nicht gekielt. Mund theilweise bleich, Augenrän- 
der innen oder auf dem Scheitel weiss, WVordere Beine roth 


20* 


1. 


300 


oder bleich rothgelb,' Hüften braun (d’) die hintersten zum 
Theil öfter schwärzlich. Beim 2 Bohrer etwas länger, als 
der Hinterleib und die Hinterschienen etwas gekrümmt: 


> Sp.5.X. ater. 
Segment 1 an den Luftlöchern deutlich eingeschnürt, gestreckt; 
Fühler behaart: Sp-.4. X. pilicornis J. 


u — kaum eingeschnürt, vorn weni- 
ger verschmälert, der ganze Hinterleib gedrungener, als bei 
allen andern Arten: Sp. 6. X. praecatorius d'. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


X. filicornis Gr. III. 830. Abbild. Ratzeb. Forstinsekt. III. 
Tf. VI. £. 12. Runzelig punktirt, hinter den Augen quer 
nadelrissig; schwarz, Kopfschild roth, Stirnränder der Augen 
bleich. Fühler mit weissem Ringe. Hinterleib roth, Beine 
heller und dunkler roth, Hüften, Schenkelringe und meist die 
Wurzeln der Schenkel schwärzlich, alle Schienen mit weisser 
Basis. Lg. 13,5, Hinterl. fast 7, Bohr. fast 7,5 millim. Wurde 
erzogen aus Bockkäferlarven: Asiynomus aedilis, Leiopus fen- 
nicus, Rhagium inquisitor. — Mai (Dessauer Haide) Juni u. Juli. 


2. X. gracilicornis Gr. 832. Der vorigen Art in Grösse, Skulp- 


tur sehr nahe stehend, aber der Hinterleib an der Spitze 
schwarz, die Beine etwas anders gefärbt und der innere Quer- 
nerv der Hinterflügel anders gebrochen, wie oben angege- 
ben wurde. 


X. irrigator F. Gr. 887. Schwarz, Hinterleib an der Wur- 
zel heller oder dunkler roth. Beine heller und dunkler roth, 
Hüften und Schenkelringe schwärzlich. Hinterrücken 2-dor- 
nig. Segment I in der Mitte eingeschnürt. Flügelmal pech- 
braun, zur kleinen Hälfte weiss. Lg. 10,5, Hinterl. 5,5, Bohr. 
4,5 millim. Wurde im Juli aus Puppen der Lip. monacha, 
und denen von Rhag. indagator erzogen. — H. (teste Gravenh.) 
Juni. October. 

X. pilicornis Gr. 833. Auf den Unterschied dieser und vo- 
riger Art ist schon oben hingewiesen, das &' scheint auch mit 
schwarzem Hinterleibe vorzukommen, wenigstens kann ich 2 
Exempl. meiner Sammlung auf nichts anderes deuten, ja auch 
mit rothen Hüften, die hintersten Kniee sind immer dunkel. 
Lg. 14,5, Hinterl. 8,25, Bohr. 11 millim. — H. 8/,—'2)- 
X. ater Gr. 827. Gestalt und Grössenverhältnisse wie bei 
voriger Art; die sonstigen Merkmale s. oben. Aendert sehr 
ab in Färbung der Beine. Wurde aus Bockkäferlarven erzo- 
gen und gefangen 12/,. 

X. praecatorius F. Gr. 841. = parvulus f' Gr. 825. Diese 
Art ist leicht am bunten Thorax zu erkennen, der nebst dem 
Kopfe mehr oder weniger roth und weiss gezeichnet ist, das 


301 


Q ausserdem noch an den weissen Rändern einiger Segmente. 
Beim J' ist der Hinterleib einfarbig schwarz und in seinen 
gedrungenen Gliedern fast überall gleichbreit, übrigens sind 
bei ihm die Fühler auch behaart. Lg. 10,25, Hinterl. 5,5, 
Bohr. 3,75 millim. Wurde erzogen aus Callidium sangui- 
neum. — H 


Gen. 17. Xorides Gr. III. 846. 
Der vorigen Gattung sehr ähnlich, nur ist der Kopf 


weniger kugelig, das Gesicht nach vorn stark verengt. 
Die Felder des Hinterrückens unvollständig, seine 
Luftlöcherklein, fastkreisrund. Der Hinterleib glän- 
zend, Segment 1 immer länger (noch einmal so lang), als 
breit, seine Leisten nicht deutlich ausgebildet. Flügel ohne 
Spiegelzelle, der innere Quernerv der Hinterflügel über 
seiner Mitte gebrochen. Beine schlank, besonders die hin- 
tersten; Klauen einfach. | 


1. 


2. 


r 


Arten: 


Fühler mit weissem Ringe, Kopf und Thorax weissgezeich- 
net, Hinterleib mit hellen Gelenken, Tarsen weisslich: 
Sp.1.X. albitarsus. 
— an der Oberseite einfarbig. Hinterschienen und Tar- 
sen schwärzlich 2. 
Prothorax am Rande und beim cd’ das ganze Gesicht weiss: 
Sp. 2.X. collaris. 
Der ganz Thorax und beim M. das Gesicht schwarz mit Aus- 
schluss der weisslichen innern Augenränder: 
Sp. 3. X. nitens. 


Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 


X. albitarsus 2 Gr. 849.  Holmgr. 1. ec. p. 66. Schwarz, 
schuppenartig punktirt. Beim @ sind weiss oder weisslich: 
Die Taster, Fühlerwurzel unten, ein Ring ihrer Geisel, die 
Augenränder sehr fein, die Vorderbeine unten, die mittleren 
am Knie und der Innenseite der Schienen, die hintersten an 
der äussersten Schienenwurzel, und dem grössten Theile der 
Tarsen, Flügelwurzel und Schüppchen und die Hinterränder 
von Segment 4—6 sehr fein; übrigens sind die Beine roth, 
die Hinterschienen schwärzlich. Bohrer von halber Hinter- 
leibslänge. Lg. 13 millim. Beim M. sind weiss oder weiss- 
lich: Die Taster, das Gesicht, das erste Fühlerglied unten, 
ein Ring an der Geisel, die Augenränder auf dem Scheitel, 
der Rand des Prothorax, ein Fleck unter den Flügeln und 
deren Schüppchen. Die Einschnitte von Segment I—3 sind 


302 


breit, die übrigen schmal bleich. Die Beine wie beim 9 ge- 
färbt, nur die vordern oben mehr gelblich. 

2. X. collaris Gr. 848. Schwarz, Taster roth oder noch blei- 
cher, Gesicht und Fühlerwurzel unten (M.), nur die innern Au- 
senränder (W.), Rand des Prothorax und Flügelschüppchen 
schmutzig weiss. Die Gelenke zwischen den Segmenten meist 
bleich, beim W. die Fühlerwurzel unten roth, Flügelmal gelb- 
lich; Beine roth, Schienen und Tarsen der hintersten schwärz- 
lich. Beim M. sind sie alle bisweilen bleichgelb, oder die 
‚Hinterschenkel angeräuchert. Beim W. der Bohrer ein wenig 
länger als der Hinterleib. Lg. 13—18 millim. Wurde aus 

 Callidium luridum erzogen. 

3. X. nitens Gr. 847. Schwarz, beim W. die Gelenkeinschnitte 
des Hinterleibes bleich, beim M. dieser sehr glänzend, Mitte 
des Mittelrückens ausgehöhlt, an den Seiten der Grube schräg 
nadelrissig, in der Mitte tief und grob punktirt. Beine roth, 
‚Sehenkelringe, Knie, Schienen und Tarsen der hintersten 
schwärzlich. Lg. 17,75, Hinter]. 10,5, Bohr: 12 millim, 


° Gen. 18 Behthrus Gr. III s61. 

Kopf fast kubisch, rechteckig, sein getrenntes Schild 
kurz, an der Spitze lamellenartig vorgezogen, Fühler faden- 
förmig., weissgeringelt, die Enden ihrer schlanken Glieder 
etwas; verdickt, wie bei Orypius. Thorax ‚gestreckt wie bei 
Ephialtes, Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken rauh, seine 
Felder angedeutet, wenn auch nicht vollständig begrenzt, 
die Luftlöcher klein, mehr der Kreisform nahe. Hinterleib 
gestreckt, Segment 1 länger als breit, aber schwach gehöhlt. 
Bohrer lang, aus einer Bauchspalte kommend. Flügel mit 
fünfeckiger Spiegelzelle.e Beine mittelmässig, die Schie- 
nen der vordersten besonders beim W. dick und an der 
Wurzel schnell verengt. Klauen einfach. 


Arten: 


Flügel ohne dunkle Querbinde, durchaus etwas getrübt. Segment 
2-4 roth: Sp. 1. E. reluctator. 
— mit dunkler Querbinde, durch das Mal und am Saume ge- 
trübter. Segment 1—4 roth: Sp.2. E.lancifer. 


1. E. reluctator Gr. III. 863. Schwarz, Segment 2— 4 und 
an den Beinen die Schenkel und vordersten Schienen roth, 
bisweilen nur die vordersten. Fühler mit weissem Ringe 
(in der Mitte W., über derselben M.). Thorax lederartig, Hin- 
terrücken sehr rauh.. Lg. 18, Hinterl. 9,75, Bohr. 15 millim. 
Das M, 17,5, Hinterl. 10,5. millim, 


303 


2. .E. lancifer @ Gr. II. 867. Schwarz, Segment 1—4 roth, 
l an der Wurzel bisweilen, eben so 4 bisweilen schwarz. 
Beine von den Schenkeln an roth nur die Hintertarsen 
schwärzlich.. Das erste Segment etwas gebogen und stielar- 
tig verengt. Lg. 12, Hinterl. 7, Bohr. 10,5 millim.*) 


Gen. 19. Mitroboris Holmgr. ]. c. 72. 

Kopf mässig geschwollen, unter der Fühlerba- 
sis die Stirn gehöckert, über derselben ein 
nach oben gerinnter und ausgerandeter Fort- 
satz. Kopfschild geschieden, mehr eben. Fühler faden- 
förmig, wenig länger als Kopf und Thorax, dieser gestreckt. 
Mittelrücken dreilappig. Hinterrücken deutlich gefeldert, 
hinten in je einen gekrümmten Seitendorn auslaufend, seine 
Luftlöcher oval und schief liegend. Hinterleib etwas ge- 
stielt, Segment 8 (W.) vorgestreckt, kegelförmig, Bohrer von 
Hinterleibslänge. Flügel ohne Mal. Alle Schenkel, beson- 
ders die hintersten gedrungen, etwa nur halb so lang wie 
ihre Schienen, auch die Hinterhüften verdickt. 


M. cornuta (Odontomerus) Rtzb. 1. c. II 108. Etwas glänzend, 
punktirt, schwarz. Taster braun oder noch bleicher, Fühler- 
geisel an der Wurzel roth. Flügel gelblich, Mal braun, Wur- 
zel bleichgelb, Schüppchen pechbraun. Beine roth, Hinter- 
tarsen und ihre Schienenspitze schwärzlich, jene (M.) oft bleich. 
Lg. 6,5—11 millim. Man beobachtete, wie die Weibchen in 
Bohrlöchern des Saperda carcharias aus und einschlüpften. 


*) E. armatus 2 Gr. 867 gehört nicht hierher. Man würde das 
Thier für ein /chneumon halten können seinem ganzen Habitus nach, 
wenn der Bohrer nicht lang vorragte. Kopf dick, hinten scharf ausge- 
schnitten, in der Vorderansicht fast quadratisch, Backen etwas vor- 
quellend. Kopfschild nicht gesondert, in ein Spitzchen auslaufend, 
die kräftigen Kinnbacken zum Theil gelb. Fühler fadenförmig, kurz, 
ihre Glieder gestaltet wie bei Echthrus, aber viel kürzer, die drei ersten 
gelblich, der Schaft dick, schwarz. Thorax nicht gestreckt, Mittel- 
rücken vorn gerundet, nicht dreilappig, Brustseiten ziemlich glänzend, 
nadelrissig. Hinterrücken mit 5 deutlichen, hoch umrandeten Fel- 
dern, hinten in 2 kräftige Zähne auslaufend, die kleinen run- 
den Luftlöcher schwer in seinen Unebenheiten zu entdecken. Segment 
l und 2 der Länge nach unregelmässig nadelrissig, 3 fein lederartig, 
von 4 an fast ganz glatt, 1 gestielt, der Stiel aber breiter als hoch, 
hinten gerundet, seine Luftlöcher in der Mitte, 1 und 2 und der Vor- 
derrand von 3 roth, wie die ganzen Beine mit Ausschluss eines dunk- 
len Ringes am Ende der Hinterschienen; ‘ihre Vorderschienen nicht 
verdickt, Bohrer aus einer langen Bauchspalte kommend, etwa von der 
Länge des Hinterleibes und von der Farbe der Beine. Flügel ohne 
Spiegelzelle, oder der äussere schliessende Nerv fehlt, also in der An- 
lage vorhanden, die Wurzel bleich, das Randmal hornbraun. Klauen 
einfach, Lg. 8 millim. 


304 


Gen. 20. Odontomerus Gr. II. 852. 

Kopf sehr breit, nach vorn convex, hinten concav, Sein 
Schild getrennt, Fühler mit kurzen, nach den Spitzen et- 
was geschwollenen :Gliedern, die sich leicht unterscheiden 
lassen, beim W.schwach perlschnurförmig erscheinen. Tho- 
rax cylindrisch, etwas deprimirt; Mittelrücken dreilappis, 
Hinterrücken rauh (M.) glätter (W.) und deutlich gefeldert, 
hinten in je einen Seitenzahn auslaufend seine grossen, 
schief liegenden Luftlöcher elliptisch. Hinterleib gestielt, 
Jedoch so, dass das gestreckte erste Segment, ohne gebo- 
gen zu sein, sich nach vorn allmälig verschmälert. Bohrer 
aus einer Bauchspalte kommend, mindestens von Leibes- 
länge. Spiegelzelle selbst in der Anlage fehlend. Schen- 
kel kurz und dick, die hintersten, deren Hüften gleich- 
falls kräftig sind, in der Mitte mit einem kräftigen, 
nach unten gerichteten Zahne. Klauen klein und 
einfach. 

O. dentipes Gm. Gr. Schwarz glänzend, punktirt. Taster bleich, 
Beine roth, Hüften ganz oder theilweise schwarz, seltener 
ganz roth. Segment I beim M. längsriefig, vor der Mitte 
durch die Luftlöcher etwas geschwollen, ’/, der ganzen Hin- 
terleibslänge bildend. Lg. 9, Hinterl. 4,75, Bohr. 9 millim. 


Ein anderes W. meiner Sammlung ist fast 12 und sein Boh- 
rer 19 millim. — H. 29%, —!!). 


Anm. In Betreff des Gen. Pimpla verweise ich noch auf p. 50 ff. 
dieses Bandes. 


Alphabetisches Verzeichniss. 


Die mit * versehenen Arten sind bis jetzt in der Fauna von Halle 
aufgefunden worden; die cursiv gedruckten sind Synonyme. 


pas. pag. pag. 

Acoeniles 297 | Cryptopimpla 292| *extensor 253 
arator — blonda 293| *imperator —_ 
dubitator — | calceolata — | *mediator 254 
*saltans _ | errabunda — |  mesocentrus 253 
Clistopyga 372  microtamia — | ‚messor — 
haemorrhoidals 2713| Echthrus 302) *rex — 
*inclinator — | lancifer — |  strobilorum Fr 
Coleocentrus 295 | reluetator — isberenlainn 254 
*caligatus — | Ephialtes 252| _V G= 
desire 296| albicinctus 954 | @lypta 273 


excitator — | *carbonarius 253! *bifoveolata 275 


*ceratites 
*consimilis 
*flavolineata 
fronticornis 
*haesitator 
*jncisa 
mensurator 
mOonoceros 
*pictipes 
*resinanae 
scalaris 
striata 
teres 
vulnerator 
Lampronota 
*caligata _ 
rigra 


Lissonota 


*angusta 
apicalis 
argiola 
arvicola 
*bellator 
bicornis 
bilineata 
brachycentra 
caligata 
*conflagrata 
eulieifornis 
*cylindrator 
*decimator 
*deversos 
*fracta 
grisea 
*insignita 
*irrisoria 
lateralis 
linearis 
lineata 
*maculatoria, 
*parallela 
‚perspicillator 
petiolaris 
*pilosella 
polyzonias 
quadrinotata 
*segmentator 
*sulfurifera 


305 


pag. 

*verberans 280 
Macruss.Coleocentrus. 
7 | Meniscus 287 
| *agnatus = 
*catenator — 
elector en 
*impressor 288 
murinus 2837 
*pimplator — 
"setosus — 
tomentosus 288 
Mitroboris 303 
cornuta — 
Odoniomerus 304 
*dentipes — 
Pimpla 256 
alternans 264 
*angens 259 
arundinator — 
aterrima 258 
Bernuthii 260 
*brevicornis 261 
buolianae 269 
*calobata 961 
cicatricosa 260 
concolora 269 
didyma 360 
*examinator 258 
flavipes 268 
*sraminellae 260 
*Gravenhorsti 260 
illecebrator 258 
*instigator 258 
*]aevis 361 
laticeps 268 
mandibularis 261 
melanocephala 259 
melanopyga 260 
Mussii 260 
*nisriceps — 
*oculatoria 259 
ornata — 
planata 269 
pomorum 261 
pudibundae 258 
*roborator 258 
*rufata 258 


rufieollis 
sagax 
Fscanica 
spuria 
*stercorator 
terebrans 
*turionellae 
varicornis 
vesicaria 
vetula 
viduata 
Phytodieius 
astutus 


chrysostomus 


*coryphaeus 
plantarius 


*segmentator 


Polysphincta 
carbonator 
multicolor 


percontatoria 


rufipes 
tuberosa 
varipes 
Rhyssa 
amoena 


approximator 


*c]avata 
curvipes 


leucographus 


*obliterator 
*persuasoria 
superba 
Schizopyga 
Theronia 
*flavicans 
Xorides 
albitarsus 
collaris 
nitens 
Xylonomus 
ater 
*filicornis 
gracilicornis 
*irrigator 
*pilicornis 


*praecatorius 
f Summa 


306 


Drei und zwanzig neue und einige bekannte 
Spinnen 
\ der Hallischen Sammlung 


von 


C. G. Giebel. 


1. Gasteracantha fornicata Koch, Arachnid. IV. 18. 
tb. 113 f. 261 = G. transversa Koch, 1. ce. 14 tb. 113 £. 
259; Plectana fornieata Walkenaer, Apteres I. 162). — 
Diese auf Java gemeine Art variirt nach den zahlreichen 
von Junghuhn unserer Sammlung eingeschickten Exempla- 
ren in mehrfacher Hinsicht. Die Färbung und Zeichnung 
zunächst betreffend erscheint der Vorderleib gewöhnlich 
glänzend tief schwarz, wie auch die Kieferfühler, nicht sel- 
ten jedoch schwach röthlich schwarz und stets mit feinen 
steifen greisen Haaren zerstreut bekleidet. Das Sternum 
ist auf der vorderen breiten Hälfte hell oder dunkel leder- 
gelb wie das Rückenschild, nach hinten jedoch tiefschwarz 
oder mit einem schwachen Stich in Roth; nur bei Zwei 
auch sonst noch abweichenden Exemplaren erscheint das 
Sternum gleichmässig schwarz. Die Beine sind heller oder 
dunkler chokoladenbraun, an den Schenkeln bisweilen mit 
verwaschenen lichten Stellen. Das Rückenschild glänzt le- 
dergelb und sticht die Narben nussbraun hervor. Bei ei- 
nigen Exemplaren aber liegen die Narbenreihen in dunklen 
Querbinden und diese zeigen sich sehr markiert bei jenen 
schwarzbrüstigen. Die Dornen sind sämmtlich schwärzlich 
roth- oder tief braunroth, gegen die Spitze hin dunkler. Die 
gewölbte Bauchmitte hat die dunkle Farbe der Beine, um 
die Spinnwarzen vier gelbe Flecken, andere solche Flecken 
im weiten Umkreise, während der Genitalienkegel tief schwarz 
glänzt, die seitlichen Erweiterungen und die auf ihnen ge- 
legenen Narben aber sich ganz wie die Rückenseite verhal- 
ten. Bei zwei Exemplaren treten die hellen Bauchllecken 
nur ganz schwach auf und dem einen schwarzbrüstigen mit 
dunkelleberbraunem Bauche fehlen dieselben gänzlich. Die 
“ Narben verhalten sich im Wesentlichen wie Koch angegeben. 
In der vorderen Reihe haben die äussersten jederseits an 


307 


der Basis der Seitendornen stets einen halbovalen Umriss, 
die beiden nächsten einen abgerundet rautenförmigen oder 
eiförmigen. Von den vier kleinern mittlen sind die beiden 
mittelsten stets die kleinsten. In der hintern Reihe sind 
die beiden äussern jederseits querelliptisch bis fast spalten- 
förmig, die fünf kleinen zwischen ihnen mehr rundlich und 
die mittelste sehr klein, oft, aber nicht immer etwas aus der 
Reihe nach vorn gerückt. Die vier kleinen Narben auf der 
Mitte der Fläche und zumal die des zweiten Paares ändern 
ihre Form erheblich. Die Narben der Unterseite zeigen sich 
in Grösse und Form auffallend veränderlich, zumal die bei- 
den äussersten an der Basis der Seitendornen, welche gleich 
gross, oder der hintere um die Hälfte und noch viel klei- 
ner, oval, eckig, elliptisch und spaltenförmig sind. Ebenso 
veränderlich erscheinen die hintern oder grossen Seiten- 
dornen: horizontal und gerade, oft mit der Spitze oder von 
der Basis an schwach nach hinten gekrümmt, oder auf- 
wärts gebogen, selbst mit der Spitze abwärts gekrümmt. 
Auch abnorme Knickungen ohne eigentlichen Bruch kom- 
men vor. Länge und Stärke variiren gleichfalls. Die bei- 
den schwarzbrüstigen Exemplare mit dunklen Rückenbinden 
haben die kürzesten und stumpfspitzige hintere Seitendornen. 
Bei der eben dargelegten Veränderlichkeit der äussern 
Merkmale lässt sich Kochs G. transversa unbekannter Hei- 
mat nicht aufrecht erhalten und Walkenaer hat dieselben 
mit Recht bereits eingezogen. Zu dessen beiden Varietä- 
ten, die gelblichen und die rothbraunen (Epeira Diardi Lu- 
cas) möchten wir noch eine dritte, die gebänderte oder 
schwarzbrüstige mit sehr kurzen Seitendornen hinzufügen, 
2. Gasteracantha clavigera n. sp. — Quoy und Gay- 
mard fanden auf Celebes eine Spinne, deren lange Seiten- 
dornen kugelig verdickt enden, und Walkenaer begründete 
auf diese Plectana clavatric seine vierte Rasse in der 
Gattung Plectana, welche er clavigeres nennt. Eine zweite 
Species dieses sehr ausgezeichnet charakterisirten Typus 
ist meines Wissens nicht bekannt. Eine solche erhielt nun 
unsere Universitätssammlung von Herrn Schiffscapitain Wa- 
gener in einigen in Siam gesammelten Exemplaren. Die 
Käfer jedoch, welche dieser Sammlung beigefügt waren, 


308 


stimmen mit solchen von den Philippinen überein und es 
ist daher zweifelhaft, ob diese und die folgenden aus Siam 
angeführten Spinnen wirklich dort gesammelt worden sind. 
Ich nenne die neue Art @. clavigera, um gleich im Namen 
ihre nahe Verwandtschaft mit Pl. clavairix, anzuzeigen. 
Dabei treten jedoch die specifischen Unterschiede grell her- 
vor. Walkenaer gibt seiner Art einen dreiseitigen Hinter- 
leib, sehr dieke Dornen an dessen abgerundeten Hinter- 
ecken von nicht Hinterleibslänge und mit plötzlich verdick- 
tem Ende und eine schwarze Berandung des Rückenschil- 
des, unsere @. clavigera dagegen hat einen entschieden 
sechsseitigen Hinterleib, ohne schwarze Berandung des 
Rückenschildes und die feinen hintern Seitendornen sind 
um ein Drittheil bis doppelt länger als der Hinterleib und 
verdicken sich am Ende allmählig. Zur weiteren Verglei- 
chung führe ich noch andere Eigenthümlichkeiten an. 


Der Vorderleib unserer Siamesin ist kurz und quer 
oblong, glänzend pechschwarz, am Hinterrande steil abfallend, 
auf der Oberseite gewöltb, mit seichter Mittelrinne hinter 
dem Augenhöcker, welche sehr fein gekörnelt ist, während 
die übrige Fläche äusserst fein gerunzelt und spärlich nur 
am Rande dichter mit sehr feinen kurzen greisen Härchen 
bekleidet erscheint. Von den vier mittlen Augen am ziem- 
lich starken Augenhöcker sind die hintern hell bernstein- 
gelb, etwas grösser und weiter auseinander gerückt als das 
vordere dunklere Paar. Die Seitenaugen stehen auf star- 
ken Kegelhöckern. Die Kieferfühler sind kurz, sehr stark, 
glänzend schwarz und glatt, ohne Behaarung. Die Palpen 
überragen dieselben, sind dunkel bis schwarzbraun und am 
letzten walzigen zugespitzten Gliede dichter und stärker 
behaart als an den übrigen Gliedern. Das ziemlich breite, 
hinten sich ausspitzende Sternum hat eine dick gekörnte 
Oberfläche und sticht neben jeder Hälfte aus seiner tief- 
schwarzen Grundfarbe einen runden gelben Flecken hervor, 
welche Flecken blass sind, wenn die Grundfarbe einen dun- 
kel hornbraunen Ton annimmt. Die Beine sind verhält- 
nissmässig dünn und schlank, heller oder dunkler braun, 
die Schenkel an den körneligen Kanten, die Schienen und 
Tarsen ringsum sehr kurz und fein behaart. 


309 


Am sechsseitigen Rückenschilde des Hinterleibes über- 
wiegt die Breite ein wenig die Länge. Der gerade, zierlich 
granulirte, stumpfe Vorderrand geht durch abgerundete 
Ecken in die längern eben so gerundeten vordern Seiten- 
ränder über. Auf diesen steht etwas hinter der Mitte ihrer 
Länge auf ziemlich dicker Basis der sehr kurze schlankke- 
gelspitzige schwarze vordere Seitenstachel mit sehr fein- 
runzeliger Oberfläche und schief aufwärts gerichtet. Der 
hintere Seitenschenkel, erheblich länger als das Rücken- 
schild, erhebt sich nach oben und hinten aus der verdick- 
ten Basis, verdünnt sich ganz allmählig bis zur Mitte seiner 
Länge und über dieselbe hinaus und verdickt sich gegen 
das Ende hin in eine schlanke, mehr oder minder stark ge- 
krümmte Keule, deren Ende eine nackte Kegelspitze auf- 
gesetzt ist. Der Stachel ist seiner ganzen Länge nach 
drehrund oder etwas gedrückt, deutlich runzelig, schwarz 
mit mehr oder weniger Schönem Stahlschimmer und mit 
sehr spärlichen, feinen weisslichen Härchen. Wo die Ver- 
diekung der obern Keule beginnt steht ein breiter Ring 
dichter weisser Borstenhaare, welcher scharf abschneidet 
von der dichten schwarzen Behaarung der Keule selbst. 
Die Walkenaersche Art hat diesen sehr charakteristischen 
weissen Haarring am Anfange der Keule nicht. Die End- 
stacheln am Hinterrande haben ganz die Form und Farbe 
der vorderen Seitenstacheln und übertreffen diese nur um 
ein Drittheil in der Länge. Das Rückenschild ist ledergelb 
und nur mit den braunen Narben geziert. Vier ovale Nar- 
ben liegen in gerader Reihe hinter dem Vorderrande, die 
etwas grössern am vorderen Seitenrande. Die hintere Nar- 
benreihe liegt zwischen den grossen gekeulten Seitensta- 
cheln und besteht dieser zunächst jederseits aus zwei 
grossen und in der Mitte aus zwei bis vier sehr kleinen, 
in Allem gewöhnlich aus sieben oder acht Narben. End- 
lich die vier Narben auf der Fläche sind kreisrund oder 
rundlich und in ein Trapez geordnet. Die hochgewölbte 
Bauchseite zeigt die gewöhnlichen tiefen, fein und zierlich 
gekörnten Falten, kleine runde Narben, aber keinen Kegel- 
höcker für die Geschlechtsöffnung. Die hociu:nrandete Af- 
teröffnung ist schwarz, während die übrige Bauchfläche 


310 


ledergelb ist; in jener schwarzen Färbung treten bisweilen 
gelbe Flecke hervor. Körperlänge 9 mill., Länge des Hin- 
terleibes 6!/, mill., breite desselben 8 mill., Länge der grossen 
gekeulten Seitenstacheln 17, bei einem Exemplar sogar 19 
mill. — Die Berliner Sammlung besitzt Exemplare dieser 
Art von Manilla. 


3. Gasteracantha Hasselli Koch, Arachniden IV. 29. tb. 
117. Fig. 267. — Diese von Koch auf ein weibliches Exem- 
plar von Java begründete Art vereinigt Walkenaer mit der 
brasilianischen @. velitaris unter der Vermuthung, dass von 
ersterer das Vaterland verwechselt sei. Kochs Beschrei- 
bungen geben jedoch hinlängliche Unterschiede zur Tren- 
nung beider Arten an, so dass ich die Identificirung für 
nicht gerechtfertigt halte. Ein von Herrn Wagener in Siam 
gefundenes Exemplar kann ich nur auf @. Hasselli deuten, 
obwohl dasselbe einige beachtenswerthe Eigenthümlichkei- 
ten biete. Von den Narben der Hinterreihe sind nämlich 
die zwei äussern einander nicht mehr genähert als die üb- 
rigen und die vier mittlen sehr-klein, ferner die vier auf 
der Mitte des Rückenschildes gleich gross und gleich rund, 
während sie Koch verschieden bezeichnet. Der Hintertheil 
soll nicht höckrig sein, vielmehr glatt und glänzend, zeigt 
sich aber bei unserm Exemplar ebenso fein granulirt wie 
die übrige Berandung. Die Granulirung der Bauchfläche 
erwähnt Koch nicht, auch sie ist sehr deutlich. Endlich 
fehlt dem unserigen die dunkle Färbung an den Gelenken 
der Beine. Mir scheinen alle diese Abweichungen zu ge- 
ringfügig, um ihnen specifiische Bedeutung zuzuschreiben. 
— Ein sehr dunkelbraunes Exemplar, welches unsere Samm- 
lung durch Herrn Junghuhn von Java erhielt, hat den kaum 
granulirten Hinterrand und die dunkelfarbigen Gelenke, aber 
tiefschwarze, an der Spitze nicht helle Stacheln. Der ke- 
gelförmige Geschlechtshöcker fehlt beiden Exemplaren. 

4. Gasteracantha annnulipes Koch, Arachniden XI. 
52. tb. 373 Fig. 876. — Diese von Koch nur nach einem 
Exemplare vo. Manila beschriebene Art brachte uns Herr 
Wagener in acht Exemplaren aus Siam, wo sie also sehr 
gemein zu sein scheint. Die Abweichungen von Kochs 
Angaben sind nur geringfügige, individuelle. Von den Nar- 


sil 


ben der vorderen Reihe des Rückenschildes haben die bei- 
den mittlen etwas zurückgerückten eine schmal elliptische, 
die übrigen eine ovale oder rundliche Form, von denen der 
hintern Reihe steht die kleine blos punktförmige mittle nur 
sehr wenig, nicht weit, wie Koch angibt, nach vorn gerückt. 
Von den vieren der Mitte sind die hintern beiden stets et- 
was grösser als das vordere Paar. Die feinen Körnchen 
des Rückenschildes, welche die sehr feinen weissen oder 
gelblichen Härchen tragen, sind dunkelbraun, auf den Sta- 
eheln dichter gedrängt, etwas stärker, auch ihre Härchen 
steifer. Die ganze Bauchseite ist ebenso und sehr dicht 
granulirt. 


5. Gasteracantha trigona n. sp. — Diese nur in ei- 
nem Junghuhnschen Exemplare von Java vorliegende schöne 
Art gehört in Walkenaers Gruppe der Aequilaterales lon- 
gissimae und zwar zu denen mit aculeis rectis, unter wel- 
chen die Pl. armata als nächste Verwandte erscheint. Der 
auffälligste Unterschied von dieser westindischen Art liegt 
in der ganz seitlichen Richtung der grossen Stacheln und 
den divergirenden Hinterrandsstacheln. Der quer oblonge, 
schwarze und weisswollig behaarte Vorderleib zeigt vor 
dem grossen, aber niedrigen mittlen Augenhöcker und hin- 
ter demselben eine tiefe Rinne, an den Ecken die kegel- 
förmigen Höcker der Seitenaugen. Das Brustschild ist 
schwarz und starkrunzelig, neben jeder Hüfte und an der 
hinteren Spitze mit einer gelben flachen Warze. Die kur- 
zen starken Kieferfühler glänzen pechschwarz und die hell- 
braunen walzigen Taster sind dicht borstig behaart. Die 
Beine sind schmutzig gelbbraun und spärlich nur an den 
Tastern dicht behaart. Der Hinterleib 2"/, Linien lang und 
etwas breiter ist vorn gerade abgestutzt und zeigt auf dem 
weiss und gelbfleckigen Rückenschilde vier schwarze Nar- 
ben am vorderen und ebenso viel an jedem Seitenrande; von 
letztern stehen die beiden hintern an der Basis der Seiten- 
stacheln sehr nah beisammen, dann in gerader Reihe zwi- 
schen den beiden grossen Stacheln sechs ebenfalls tief- 
schwarze Narben und in deren Mitte zwei punktförmige 
mit blossen Augen kaum erkennbare. Die vier Narben auf 
der Rückenmitte bieten nichts Eigenthümliches. Die abfal- 


312 


lenden weissen Ränder des Hinterleibes sind überall mit 
“feinen glänzend schwarzen Körnchen punktirt, auf welchen 
man unter sehr starker Loupe je ein feines weisses Borst- 
chen findet. Der vordere Seitenstachel bildet eine sehr 
kleine schwarzbraune Kegelspitze, welche sich gar nicht be- 
sonders hervorhebt, der grosse Seitenstachel dagegen ist 
ein zwei Linien langer stark kegelförmiger Stachel, recht- 
winklig von der Längsachse des Thieres abweichend und 
stark aufwärts, so dass die äussersten Spitzen beider Sta- 
cheln sieben Linien Entfernung messen. Sie sind am 
Grunde rothbraun, übrigens schwarz und ziemlich dicht 
beborstet. Die etwas divergirenden Hinterrandsstacheln 
sind feine schlanke schwarze Kegelspitzen mit sehr dicken 
Basen. Die hochgewölbte Bauchfläche ist in der vorderen 
Hälfte dunkellederfarben, in der hintern weiss, mit feinen 
schwarzen Faltenfurchen und überall mit feinen schwarzen 
Körnchen bestreut. Die Narben sind klein, schwarz und 
rund, die Afteröffnung steht als hoher schwarzer Cylinder 
hervor. 


6. Gasteracantha Columbiae n. sp. — Das einzige 
Exemplar, welches zur Begründung der Art vorliegt, ist aus 
Columbien und ähnelt der ostindischen. @. fornicata so auf- 
fällig, dass erst die aufmerksame Vergleichung die Eigen- 
thümlichkeiten erkennen lässt. Der breite kurze Vorder- 
leib ist glänzend schwarz, weiss wollig behaart und nach 
hinten fast buckelig erhöht, die Augenhöcker sehr niedrig, ° 
das Sternum schwarz, fein runzelig und mit stark conca- 
ver Mitte. Kieferfühler, Taster und Beine tiefschwarz, ohne 
erhebliche Eigenthümlichkeiten. Das Rückenschild ist quer 
elliptisch, der Vorderrand in regelmässigem Bogen verlau- 
fend und von zehn Narben in regelmässiger Stellung be- 
gleitet, die Narben elliptisch, gleich gross nur die beiden 
letzten jederseits etwas vergrössert. Der vordere Seiten- 
stachel ist ein blosses Kegelspitzchen, der hintere ein grös- 
serer (a) gerader, braunschwarzer, sehr dicht beborste- 
ter Kegel. Den buchtig verlaufenden Hinterrand begleiten 
neun Narben, von welchen wiederum die beiden ersten 
grösser, die fünf mittlen gleich gross und rund sind. Die 
vier Narben auf der Mitte sind gleich kreisrund; die Hin- 


313 


terrandsstacheln klein, dicht beborstet wie die Seitensta- 
cheln. Das ganze Rückenschild ist dunkel ledergelb. Die 
völlig eingesunkene Bauchseite ist wie gewöhnlich tief ge- 
faltet, schwarz, fein granuliert und beborstet und die Af- 
teröffnung sehr gross, nicht hervorragend, während der Ge- 
schlechtskegel hoch hervorsteht. Länge des Rückenschil- 
des 21/,'', Breite ohne Seitenstacheln 5‘. 

7. Dolomedes intermedius n. sp. — Zwei weibliche 
Exemplare aus Columbien begründen diese Art. Durch das 
Grössenverhältniss der Augen schliesst sie sich an Walke- 
naers Gruppe der Cursores, aber die vorderen Augen stehen 
bei ihr nicht in Bogenlinie, sondern in gerader Reihe neben 
einander wie in der Gruppe der Sylvani, deren keine Art 
Jedoch dieses Grössenverhältniss besitzt. Die beiden mitt- 
len oder Scheitelaugen sind nämlich die grössten, die Stirn- 
augen und hintern Augen etwas kleiner und einander fast 
gleich, die vordern Seitenaugen die kleinsten; alle glänzend 
hellgelb mit braunem Sehpunkt. Im Körpertracht und Aus- 
sehen ähnelt diese Art zunächst dem Kochschen D. aeru- 
ginosus mit ganz andern Augen. Die Kieferfühler sind 
schwarzbraun und dicht rostroth behaart, die braunen Tas- 
ter dicht rostgelb behaart. Der Vorderleib erscheint ver- 
hältnissmässig schmal, ist braun mit rostgelbem Haarstreif 
vom Stirnrande bis zum Hinterrande und mit eben solcher 
breiter Berandung; das Sternum klein, rund und matt braun. 
Die Beine sind gelbbraun, fein und sehr dicht behaart, an 
den Schienen und Tarsen mit braunen Stacheln bewehrt; 
die Sohle des letzten Gliedes mit sehr schmaler dunkler 
Bürste. Der dicke ovale Hinterleib hat eine durchaus 
gleichmässige hell rostgelbe Färbung. Körperlänge 8 
Linien. 

8. Lycosa Pertyi Koch, Arachniden ‚XIV. 156. Fig. 
1382. — Ein Exemplar aus Columbien. 

9. Lycosa inornata n. sp. — Diese ebenfalls columbi- 
sche Art steht der vorigen und noch mehr Kochs brasili- 
scher L. vulpina nah, und unterscheidet sich von letzte- 
rer nur durch den gänzlichen Mangel schwarzer Zeichnung 
an den Schenkeln und Tastern, durch den hellrostgelben 


fast schwarzbraunen Bauch und durch die dichte rostgelbe 
XXI. 1863 21 


314 


Behaarung der schwarzen Kieferfühler, in allem Uebrigen 
stimmt sie mit Koch’sL. vulpina überein. Das einzige Exem- 
plar ist gleichfalls ein weibliches von 7 Linien Länge. 

10. Lycosa modesta n, sp. — Die L. Pelliona in der Des- 
cript. del’Egypte Arachnides tb. 4. f,5 zeigt eine so grosse 
Aehnlichkeit mit der vorliegenden ägyptischen Art, dass ich 
deren Aufstellung kaum gewagt haben würde, wenn nicht 
in der Beschreibung ein Fleck auf dem Hinterleibe und die 
schwarze Ringelung der Beine besonders hervorgehoben 
wäre, beide Zeichnungen aber dieser neuen gänzlich fehlen. 
Die Oberseite des Hinterleibes ist rostbraun, die Seiten 
heller die Bauchseite wie der Rücken. Die Beine haben 
die rostbraune Färbung des Rückens, ebenso die Taster, 
während die Kieferfühler schwarz und rostgelb behaart sind- 
Die Stirnaugen sind merklich grösser als die neben ihnen 
stehenden Seitenaugen, die Scheitelaugen sehr gross und 
die hintersten Augen wieder etwas kleiner. An der Brust- 
seite des Hinterleibes machen sich schmale Binden hellgel- 
ber Haare bemerklich, Ein Weib von 6!/, Linien Länge. 

11. Zycosa siamensis n. sp. — Diese zierliche Siamesin 
steht der Walkenaer’schen L. indagatrix von Coromandel 
sehr nah, soweit die kurze Charakteristik derselben eine 
Vergleichung gestattet. Sie misst jedoch nur die halbe 
Länge derselben, nämlich 3*/, Linien und ist auf dem Vor- 
derrücken schwärzlich braun, am Hinterleibe schwarz mit 
schwachem Haarfilz, der an der Unterseite dichter dieselbe 
grauweiss erscheinen lässt. Auch der Kopf ist mit grau- 
weissen Haarflecken gezeichnet. Die vier vorderen Augen 
sind sehr klein, gleich gross, dicht neben einander in ge- 
rader Linie folgend, das Augenpaar der zweiten Reihe er- 
scheint dagegen gewaltig gross und das hinterste Paar nur 
etwas kleiner, weiter aus einander gerückt. Die Kiefer- 
fühler sind braun und dicht graulich behaart. Ebenso be- 
haart das kreisrunde Sternum. Die Taster und Beine da- 
gegen sind matt hellgelb und an allen Gliedern mit Aus- 
nahme der Hüften breit schwarzbraun grüngelb, sehr fein 
behaart und mit einzelnen schwarzen Stachelborsten be- 
wehrt, welch letztere an den dichter behaarten Tastern wie 
gewöhnlich fehlen. Kiefer und Lippe sind ganz hellbraun. 


315 


12. Uptiotes longipes n. sp. — Eine ägyptische Art 
mehr vom Habitus der Scytoden, aber in ihren Augen doch 
der von Walkenaer für zwei südeuropäische Arten aufge- 
stellten Gattung näher verwandt. Die Stirn- und Scheitel- 
augen ziemlich rubinroth, stehen auf einem rundlich vier- 
seitigen, flach gewölbten Augenhöcker, die ebenso grossen 
Seitenaugen auf je einem Kegelhöcker etwas weiter davon 
entfernt. Der Kopftheil des Vorderleibes erscheint scharf 
umgrenzt, der Vorderleib sehr breit herzförmig und flach, 
hellbraun und überall mit einem dichten kurzen weissgel- 
ben Haarfilz bedeckt. Die kurzen Kieferfühler sind gelb- 
braun und nackt, ihr Haken dunkelbraun; die langen gelben 
Taster fein behaart und an den beiden letzten Gliedern mit 
braunen Dornen bewehrt; Kiefer und Unterlippe hellbraun 
und abgerundet. Von den langen Beinen hat das erste und 
vierte Paar gleiche grösste Länge, das dritte ist das kür- 
zeste; alle hellbraun an allen Gliedern mit breiten schwarz- 
braunen Ringen und mit feinen schwarzbraunen Stachel- 
borsten bewehrt. Der lange hellbraune Hinterleib zeichnet 
sich mit fünf gelblichweissen Querbinden und einigen 
schwarzbraunen Punkten. Länge des Vorderleibes 3, des 
Hinterleibes 8 Linien. 

13. Ctenus concolor Koch, Arachniden XV. 59 f. 1458 
(= Dolomedes concolor Perty, Ct. unicolor Walk) in einem 
Exemplar aus Columbien von Herrn Wagener gesammelt. 
Dasselbe unterscheidet sich durch den allerdings stark zu- 
sammengeschrumpften, aber doch kleinen Hinterleib, durch 
eine feine hellgelbe Mittellinie auf dem Cephalothorax und 
durch viel geringere Grösse (4) von den Angaben der er- 
wähnten Autoren. ‘Es ist ein männliches. 

14. Eripus flavus n. sp. — Die Gattung Eripus ist 
meines Wissens nur in der einzigen Art E. heterogaster von 
Rio Janeiro bekannt, aber nach einem Exemplar, welches 
Herr Wagener aus Siam, und einem zweiten, das Herr Reil 
aus Aegypten mitbrachte; tritt sie auch in der Alten Welt 
auf mit eigenthümlichen Arten. Die Art aus Siam misst 
nur 11/, Linien Länge und trägt sich ganz hellgelb, an den 
Beinen weissgelb, am Hinterleibe etwas dunkler gelb, nur 
an den Fusspitzen schwarz. Die dreikantigen scharfspitzi- 

21” 


316 


gen Augenhöcker sind weit mehr seitwärts als nach oben 
gerichtet. Von den gleich grossen punktförmigen stark 
goldglänzenden Augen stehen die Stirnaugen näher bei- 
sammen als die der andern Paare, die Scheitelaugen am 
Grunde und auf der obern Kante der Augenhöcker, die vor- 
deren Seitenaugen vorn an der Mitte derselben und die 
hintern Seitenaugen an deren hinterer Kante gleichfalls in 


der Mitte also .% Die Kieferfühler sind kurz und eiförmig, 


ungemein fein behaart, die Taster kurz und gleichfalls äus- 
serst, fein behaart, ihr zugespitztes Endglied dichter be- 
haart, die Kiefer ziemlich stark, die Unterlippe schmal oval. 
Der Dorn auf dem Vorderleibe der brasilianischen Art fehlt 
hier gänzlich, der Vorderleib ist flach gewölbt, an den Sei- 
ten steil abfallend, ebenso breit wie lang und fein granu- 
lirt, bis auf zwei, von den Vorderecken nach hinten con- 
vergirende glatte Streifen. Das kleine Brustschild glänzt 
weiss ohne alle Körnelung. Die langen starken Beine er- 
scheinen sehr kurz und fein behaart, an den beiden Vor- 
derpaaren die Schienen und Tarsen dichter behaart und 
mit wenigen kurzen Stachelborsten an der Unterseite. Der 
Hinterleib endlich hat einen ungleichseitig fünfeckigen Um- 
fang, nur die hinter der Mitte gelegenen Seitenecken sprin- 
gen winklig hervor, eigentliche Höcker und Dornen fehlen 
gänzlich, die Oberseite ist faltig gerunzelt und am Hinter- 
rande mit einzelnen steifen Härchen besetzt, die Bauch- 
seite ist querfurchig. 


15. Eripus ruber n. sp. — So sehr diese schöne grosse 
Art Aegyptens in der. allgemeinen Körpertracht auch mit 
gewissen Thomisusarten übereinstimmt z. B. mit Th. diadema, 
halte ich sie doch nach der Stellung. ihrer gleich grossen 
Augen und nach der Form der Mundtheile für einen Eripus. 
Die Augen stehen genau in derselben Anordnung, wie bei 
voriger Art und sind krystallglänzend, die stumpf kegelför- 
migen Augenhöcker dagegen verhalten sich wie bei E. he- 
terogaster. Ein weisser über die Spitze der Augenhöcker 
ziehender Streif verbindet das vordere mit dem hintern Sei- 
tenauge. Die Kieferfühler wie bei voriger Art, nur nackt 
und schön roth, ebenso die Kiefer und Unterlippe und die 


317 


weissliehen Taster. Die Rückenfläche des Vorderleibes ist 
weisslich, die Seiten dunkler als das übrige roth, fast bräun- 
lich. Die langen schön rothen Beine mit weisslichen Tar- 
sen und diese an der Unterseite mit einer Reihe lichter 
Stachelborsten, einige solcher auch an den Vorderschienen; 
Behaarung erkennt man nur unter sehr starker Loupe. Der 
dreiseitige Hinterleib mit hintern Kegelecken ist runzlig 
längs- an dem Hinterrande quergefaltet, wie auch auf der 
Bauchseite. Körperlänge 2 Linien. 

16. Ocypete pallens Koch, Arachniden IV. 82. tb. 131. 
Fig. 304. — Koch kannte von dieser Art nur das Männ- 
chen aus Westindien, unser Exemplar von Rio de Janeiro 
ist das Weibchen dazu. Dasselbe’ unterscheidet sich von 
Kochs Angaben nur durch die schwarzbraunen Kieferfüh- 
ler, die dünnen und nicht dünkeln Tasterenden, und die 
nicht hellern Knieen und Schienen. Der helle Haarsaum 
des Vorderleibes, die dunkeln Fleckchen, in welchen die 
Schenkelborsten stehen, und die hellockergelbe Bauchfarbe 
sind besonders charakteristischa Von den hellrubinrothen 
Augen sind die seitlichen viel grösser als die mittlen. 

17. Ocypete striata n. sp. — Ein schönes von Bur- 
meister in der Banda orientale gesammeltes Thier, durch 
schwarze Parallelstreifen und Ringflecke an den Beinen auf- 
fällig gezeichnet. In der Grösse steht es der vorigen Art 
nach und besonders ist der männliche Hinterleib relativ 
viel kleiner, kleiner als der Vorderleib. Dieser ist rund, 
auf der Oberseite sehr flach gewölbt, ohne markirte Rin- 
nen, matt schwarz, aber ringsum breit und mit weisslich- 
grauem dichten Haarfilz gesäumt. Die Augen hell nuss- 
braun mit schön orangerothen Ringe deutlich aus dem 
Haarfilz hervortretend, die Stirnaugen sehr wenig grösser 
als die vorderen Seitenaugen, die Scheitelaugen weiter aus- 
einander gerückt und die hintern Seitenaugen noch mehr 
von diesen entfernt. Die sehr kräftigen schwarzen Kiefer- 
fühler sind rostgelb beborstet, die kurzen starken Taster 
sind sehr dicht und hellgrau behaart, das erweiterte männ- 
liche Endglied auf der gewölbten Oberseite schwarz. Die 
Kiefer und Unterlippe wieder schwarz mit rostgelben Bor- 
sten, das kurze breite Sternum ganz dicht hellgrau befilzt, 


318 


wie die Beine und der Hinterleib. Das zweite Fusspaar 
übertrifft das erste etwas an Länge, das vierte ist das kür- 
zeste und das dritte nur sehr wenig länger. Die Tarsen 
haben breite schwarze sehr dicht befilzte Sohlen, Die 
Schenkel zeigen auf der Oberseite zwei in der Mitte un- 
terbrochene schwarze Längslinien und vor dem Knierande 
einen breiten schwarzen Ring; die Vorderschenkel auch 
einen grossen Fleck über dem Hüftgelenk. Die Längslinien 
setzen über das Knieglied und die Schienen fort, deren 
Knieende ebenfalls einen schwarzen, auf der Oberseite je- 
doch unterbrochenen Ring hat. Auf den Tarsen läuft nur 
eine schwarze Mittellinie entlang. Aus dem dichten Filze 
‚ragen längere struppige- Haare hervor, auf den Schenkeln 
mehrere schwarze Stacheln, auf dem Knieglied deren ein 
Paar, auf den Schienen umd ersten Tarsenglied je zwei 
Paare solcher schwarzer Stacheln. Der Hinterleib bietet 
ausser seiner geringen Grösse nichts beachtenswerthes, auch 
keine besondere Zeichnung. Körperlänge 10 Linien, wovon 
4!/, auf den Hinterleib kommen, das zweite Fusspaar 24, 
das letzte 18 Linien lang. 

18. Ocypete flava n. sp. — .Das einzige männliche 
Exemplar aus Columbien zeigt sich Olios columbianus Walk 
nah verwandt, hat aber nicht dessen vergrösserte. Seiten- 
augen und deprimirten Rücken; noch näher verwandt Kochs 
O ferruginea, von welcher es durch überall gleichmässige 
hellgelbe Färbung und die Abwesenheit der Stacheln an 
allen Schenkeln unterschieden ist. Der herzförmige, vorn 
gerade abgestutzte Vorderleib erscheint gleichmässig, hoch 
gewölbt, mit zwei sehr seichten von der Mitte zum Seiten- 
rande gehenden Rinnen und mit sehr seichter Ausbuchtung 
in der Mitte des Hinterrandes. Die dunkelbraunen Augen 
haben fast völlig. gleiche Grösse und stehen in zwei gera- 
den parallelen Reihen. Das Klauenglied, der. kegelförmigen 
Kieferfühler. ist dunkelbraun, sie selbst. wie auch die. hell- 
gelben Taster lang. und borstig; behaart, das verdickte männ- 
liche Endglied. viel dichter und kürzer behaart. Eigentliche 
Stacheln finde ich an den Schenkeln nicht, dagegen an den 
Schienen einzelne lange dünne dunkelgelbe, Das zweite 
Tarsenglied mit dichter. beborsteter Sohle. ...Der. einge- 


319 


schrumpfte Hinterleib zeigt keine Eigenthümlichkeiten. Kör- 
perlänge 3!/, Linien. 

19. Ocypete erythrophthalmus n. sp. — Eine von Hrn. 
Junghuhn eingesandte Javanerin der Walkenaerschen Gruppe 
der Robustae venatoriae, welche noch nicht von den ostindi- 
schen Inseln bekannt sind. Man kann sie als ostindischen 
Vertreter der brasilischen O. ferruginea betrachten. Die 
schön dunkel rubinrothen Augen stehen in zwei geraden 
Parallelreihen und zwar sind in der vordern Reihe die bei- 
den seitlichen um das doppelte grösser, als die beiden mitt- 
lern auf einem schwachen Höcker stehenden, in der hintern 
Reihe die seitlichen auf einem noch schwächern Höcker 
stehenden nur sehr wenig grösser als die mittlern. Die 
Kieferfühler sind lang cylindrisch, dick, schön braun mit 
kurzer dichter goldiger Behaarung. Die Kiefertaster gelb- 
braun, spärlich behaart, das letzte längste nicht verdickte 
Glied dichter behaart. Das Rückenschild des Cephalothorax 
breit herzförmig, matt nussbraun, an der Kopfplatte nnd 
den deprimirten Seitenrändern etwas heller. Die ziemlich 
gleich langen Beine gelbbraun, gegen die Tarsen hin reiner 
braun, an den Schienen und Tarsen undeutlich dunkel ge- 
ringelt, gelb behaart, an allen Gliedern mit Stachelborsten 
auf braunen Fleckchen, unter den Tarsen mit gelber Haar- 
bürste. Der ovale Hinterleib hellbraun, mit dichter kurzer 
gelber, grösstentheils jedoch abgeriebener Behaarung, mit 
vier schwarzen Punkten auf der Oberseite und mit hellerer 
Bauchseite. Körperlänge 4 Linien. 

20. Ocypete microphthalmus n. sp. — Vier ebenfalls 
von Hrn. Junghuhn auf Java gesammelte Exemplare, aber 
zur ersten Rasse der Walkenaerschen Robustae gehörig, von 
voriger Art durch schlanken Habitus und die kleinern Au- 
gen unterschieden, Letztere sind gleichfalls rubinroth, die 
seitlichen beider Reihen auf schwachen Höckern stehend,. 
die vier der vorderen Reihe von gleicher Grösse, die mitt- 
len der hinteren Reihe etwas kleiner. Die Kieferfühler sind 
kürzer und dicker als bei vorigen Arten, viel zerstreuter 
und länger behaart, Die. Taster ‘wie. bei voriger Art. Der 
breit herzförmige Cephalothorax gleichmässig gewölbt und 
gefärbt, und sehr fein zerstreut behaart. Die Beine wie bei 


320 


voriger Art, jedoch ohne Flecken und Ringe einförmig hell- 
braun. Der Hinterleib gestreckt oval, ohne Zeichnung, mit 
sehr feiner Behaarung. Von den Exemplaren sind drei 
weibliche, deren eins ganz hellbraun, die beiden andern 
dunkelbraun sind, das vierte männliche tief dunkelbraun. 
Körperlänge der vorigen Art. 

21. Ocypete bruneiceps n. sp. — Die Augen liegen auf 
einem mehr minder dunkelbraunen Querbande in zwei ge- 
raden Parallelreihen, die Stirn- und Seitenaugen auf leich- 
ten Erhöhungen und sind letztere nur wenig grösser als 
erstere, alle funkeln schön rubinroth. Der ganze Lippen- 
rand über den Kieferfühlern ist dicht weisslichgelb behaart 
und sticht als helle Binde von dem dunkeln Augenfelde 
scharf ab. Die Kieferfühler sind sehr kräftig, dick, hell- 
bräunlichgelb, fein behaart, und mit langen zum Theil 
schwarzen Zottenhaaren besetzt, am Ende mit straffer Haar- 
bürste, welche das dunkelbraune Klauenglied zum Theil 
verdeckt. Die Kiefer sind ebenfalls stark, ockergelb, am 
Ende abgerundet, ihre langen fadenförmigen Taster hell- 
ockergelb fein und dicht behaart, mit schwarzen Stachel- 
borsten, das zweite Glied das kürzeste, das dritte etwas 
länger und das vierte walzige das längste. Die kleine Un- 
terlippe erscheint schwarz abgestutzt. Das breit herzför- 
mige Rückenschild des Cephalothorax in der Mitte schwach 
gewölbt und dunkelockerbraun am Rande hell behaart, das 
kleine dreiseitige Brustschild eben und feingelb behaart. 
Die langen Beine ockergelb und ebenso behaart mit sehr 
feinen kurzen und langen abstehenden Haaren und an al- 
len Gliedern mit einzelnen schwarzen Stachelborsten, an 
der Unterseite aller Tarsusglieder mit kurzer dichter Bürste. 
der dicke ovale Hinterleib oberseits dunkelockergelb, sehr 
kurz und dicht behaart, an der Unterseite mit dichter gel- 
‚ber Behaarung. Ein kleines Exemplar ist überall heller 
gefärbt als die übrigen, sämmtliche sechs sind weibliche 
und von Hrn. Wagener in Siam gesammelt. Körperlänge 
7 Linien. 

22. Attus (Maevia)  metallicus n. sp. — Diese’ durch 
ihre Gestalt ebenso wie durch ihre Färbung ausgezeichnete 
Art aus Siam gehört in die Walkenaersche Gruppe der Vol- 


321 


titariae, von welcher noch kein ähnlicher Repräsentant be- 
kannt ist, und in Koch’s Gattung Maevia, deren M. capistri- 
ata und flavocincta zunächst zur Vergleichung zu ziehen sind. 
Der Vorderleib ist breit oblong, mit abgerundeten Flecken 
und ziemlich gewölbt. Die grossen glotzenden Stirnaugen, 
von einem Kranze gelblichweisser Haare eingefasst, neh- 
men die ganze steile Vorderseite ein; die kaum halb so 
grossen Seitenaugen ebenso hell messinggelb und dicht 
umwimpert stehen an den seitlichen Ecken; weit dahinter 
und mit diesem ein Quadrat eckend liegen die gleich gros- 
sen hinteren gar nicht umhaarten Augen seitwärts sehend; 
die winzigen kleinen Mittelaugen stehen In der buchtigen 
Kopfseite genau in der Mitte zwischen den vordern Seiten- 
augen und den hintern. Die von den Augen begrenzte, 
deutlich erhöhte Kopffläche ist glänzend schwarz, am Rande 
und längs der sehr schwach eingesenkten Mitte mit kurzen 
weissgelblichen Härchen und überall mit vereinzelten lan- 
gen schwarzen Haarborsten besetzt. Die Oberseite des 
Vorderleibes ist schwarz, aber so dicht mit ganz kurzen 
bronceglänzenden Härchen bekleidet, dass die schwarze Un- 
terfarbe nur stellenweise sichtbar wird. Längs der Mittel- 
linie als Fortsetzung des Kopfstreifens bilden die Haare eine 
weisslichgelbe Längsbinde. Die Kieferfühler sind nicht eben 
lang, zusammengedrückt, tief glänzend schwarz und beider- 
seits mit langen gelblichen Zottenhaaren besetzt, ihre Klauen 
schwarzbraun und sehr kurz. Die Kiefer sind verdickt, 
bräunlich gelb, abgerundet; die kleine Unterlippe halboval; 
die Taster kurz und kräftig, bronceglänzend, an den Enden 
der Glieder mit lichten Haarschüppchen, auf dem letzten 
nur mässig verdicktem Gliede ausserdem mit langen hellen 
Borstenhärchen, zumal gegen die Spitze hin sehr dicht be- 
setzt. Das tief braune Sternum ist ebenfalls lichtgelb be- 
haart. Die Beine glänzend hellbraun bekleiden lange sper- 
rig zottige Haare dichter an den Tarsen, deren Enden wie- 
der mit den weisslichen Haarschüppchen bekrönt sind. 
Zwischen diesen feinen Zottelhaaren bemerkt man kürzere 
schwarze Stachelborsten. Das sehr kurze breite Endglied 
hat eine schwarze Sohlenbürste. Der sehr kleine und tief 
bronceglänzende Hinterleib endlich ist mit kleinen Haar- 


322 


schüppehen und langen gelben Zottenhärchen bekleidet, 
die Schüppchen bilden auf der Oberseite drei ungleiche 
ziemlich halbmondige weisse Flecke, drei kleine Fleckchen 
an jeder Seite und zwei Längsstreifen an der Bauchseite. 
Die zottig behaarten Spinnwarzen ragen lang hervor, Kör- 
perlänge 4 Linien. 

23. Attus (Maevia) debilis n. sp. — Eine kleine unter 
allen an Kochs pennsylvanische Maevia chrysea zunächst 
sich anschliessende, auffällig durch die Bewehrung der Vor- 
derschienen unterschiedene Siamesin. Ihr oblonger Vor- 
derleib ist ziemlich flach, auf der umgrenzten Kopfflläche 
durch ungemein feine Haarschüppchen von gelblich durch 
grün in violett schillernd, übrigens tief braunschwarz. Die 
grossen metallgelben Stirnaugen nehmen die ganze Stirn- 
fläche ein, lassen jedoch noch einzelnen langen Härchen 
zwischen und um sich Raum. Die sehr nah daran stehen- 
den, etwa halb so grossen Seitenaugen bilden die Vorder- 
ecken. Die ebenso grossen Hinteraugen glänzen schön 
weiss, dagegen sind die mittlen Seitenaugen äusserst feine 
schwarze Punkthöcker. Die Kiefer sind sehr kurz und dick, 
schwarz mit schwachem Stahlschimmer; die Taster gleich- 
falls kurz und dick, glänzend dunkelkupferbraun und sehr 
fein behaart, das Endglied verdickt kegelförmig; die Beine 
lang und kräftig, die beiden ersten Paare dunkel kastanien- 
braun mit gelben Tarsen, die beiden spärlichern hintern 
Paare licht gelbbraun mit dunklen Schienen, alle spärlich 
und fein behaart und mit sehr vereinzelten Stachelborsten; 
die, verdickten Vorderschenkel zeigen unter starker Loupe 
sehr feine weisse Haarschüppchen, und die Vorderschienen 
am Innenrande eine Reihe kurzer starker Stacheln in dich- 
ter Behaarung, welche den übrigen schwächern Spinnen 
fehlen. Das sehr kurze Endglied aller Tarsen mit schwar- 
zer :Sohle. Der walzige Hinterleib ist auf der Oberseite 
schön dunkel metallisch grün, längs der Seiten gelblich 
weiss und ebenso die Spinnwarzen, die Bauchseite schwarz, 
nur am Anfange hellbraun. Körperlänge 2 Linien. 

24. Attus (Maevia) nudus n. sp. — Diese dritte Art 
aus Siam hat den Habitus der pensylvanischen Maevia sul- 
phurea, ist jedoch braun und ohne weisse Zeichnung an den 


323 


Augen. Die gewaltig grossen und dicken Stirnaugen ste- 
hen so dicht neben einander, dass kaum die feinen hellen 
Haarringe, welche sie umkränzen, zwischen ihnen noch 
Platz haben, dagegen sind sie vom _Lippenrande durch eine 
breite lichtgelbe Haarbinde getrennt. Die halb so grossen 
vordern Seitenaugen stehen dicht daneben, die hintern Sei- 
tenaugen sind etwas kleiner, die mittlen sehr klein und 
schwarz. Ueber allen Augen bildet die flache kastanien- 
braune Kopfplatte wulstige schwarze Erhöhungen. Die 
Kieferfühler sind kurz, dick, hellbraun und sehr fein und 
spärlich behaart; die gelblichen Taster ebenfalls spärlich 
behaart, nur am letzten kegelförmigen Gliede, dicht und 
langhaarig; ihr drittletztes Glied ist das kürzeste, Der Vor- 
derleib ist schmal und dick, nach hinten steil abfallend, 
hellbraun, nur unter den Augen fein kurz und hell behaart, 
übrigens völlig nackt, auch das ganze Sternum nackt. Die 
Beine sind hellbraun sehr spärlich und fein, nur an den 
Tarsen länger und stärker behaart; die beiden vordern 
Schenkelpaare auf der obern Kante mit vier, die beiden 
hintern mit nur zwei feinen Stachelborsten, die vordern 
Spinnen an der untern Kante mit vier, die hintern eben- 
falls mit nur zwei solcher Borsten, die vordern Tarsen mit 
drei sehr langen Stachelborsten, die hintern ohne solche, 
das Endglied aller Füsse sehr klein und schwarz. Der Hin- 
terleib lang eiförmig, gelb, dunkelwolkig, die Spinnwarzen 
kurz und gelb. Körperlänge 3%/, Linien. 

25. Attus melanopus n. sp. — Die langen dünnen 
Beine verleihen dieser ebenfalls in Siam heimischen Art 
einen so eigenthümlichen Habitus, dass man sie nach Kochs 
Grundsätzen zur Aufstellung der Genera als Typus einer 
eigenen Gattung betrachten müsste. Doch schliesse ich sie 
lieber dessen, an indischen Arten sehr, reichen Gattung 
Plezippus an, mit welchem sie in den übrigen Charakteren 
am meisten übereinstimmt. .: Walkenaers nur, durch A, 
phrynorides vertretene Gruppe der Longimanae unterscheidet 
sieh durch besondern Bau des ersten Fusspaares. Die gros- 
sen Stirmnaugen berühren sich ‘fast und die etwa ein Dritt- 
theil so grossen vordern: Seitenaugen sind nur um ihren 
halben Durchmesser davon getrennt, die. hintern Augen 


324 


milchweiss mit silberhellem Sehpunkt sind etwas grösser 
und die mittlen Seitenaugen bloss schwarze Punkthöcker. 
Die Kopfflläche ist dunkelbraun, über den Augen wulstig 
schwarz, zwischen denselben mit feinen goldigen Haarschüpp- 
chen bedeckt, übrigens nackt und glänzend. Die kurzen 
dicken Kieferfühler berühren sich und sind tief schwarz, 
mit langen weissen Härchen besetzt. Die langen dünnen 
Taster sind bräunlich gelb, ihre beiden vorletzten Glieder 
gleich kurz, das letzte verdickt und dicht behaart. Der Vor- 
derleib ist schmal, mässig gewölbt, ledergelb und ohne alle 
Behaarung. Die langen dünnen Beine haben dunkelbraune 
Schenkel und schwarze Schienen und Tarsen; die Schen- 
kel auf der obern Kante einige Dornen, unterseits sehr 
lange feine abstehende Haare, die Schienen dieselben Dor- 
nen auf der obern Kante und zahlreichere noch auf der 
unteren Kante zugleich mit dichteren mehr zottigen Haaren 
ausser den feinen langen, die Tarsen oben und unten dichte 
fast bürstenartige Behaarung und nur ganz vereinzelte Dor- 
nen, mehr die vordern weniger die hintern Tarsen. Der 
Hinterleib endlich ist gestreckt kegelförmig und schwarz, 
und längs jeder Seite mit einem Streif lichter Haare. Kör- 
perlänge 4 Linien. 


26. Attus (Marpissa) dissimilis Koch, Arachniden XII 
7U. tb. 454 Fig. 1135. 36. — Aus der dichten Behaarung 
der Kopfplatte starren zahlreiche feine schwarze Borsten 
hervor, ebenso auf dem Hinterleibe straffere und stärkere 
an den Beinen. Im Uebrigen vollkommen mit Kochs An- 
gaben übereinstimmend. Körperlänge 3!/, Linien von Rio 


de Janeiro. 
® 


97. Attus (Eris) Brendel n. sp. — Die dürftige Be- 
schreibung, welche Walkener von seinem Attus cunctator 
der Vereinten Staaten liefert, lässt auf eine grosse Aehn- 
lichkeit mit unserer Art schliessen, die ich Hrn. Brendel in 
Peoria, Hinois verdanke, Nur die braune Bauchmitte und 
die Behaarung der Taster unterscheiden den Cunctator. 
Recht nah heran tritt auch Kochs pensylvanische Eris auri- 
gera, deren goldfarbiger Hinterleib jedoch weiss eingefasst 
ist und unter deren hinterm Scheitelauge ein weisser Mond- 


325 


fleck liegt. Bei unserer Art sind die Stirnaugen fast um 
ihren halben Durchmesser von einander entfernt und von 
ihnen die halb so grossen Seitenaugen um ihren eigenen 
Durchmesser; die hintern Scheitelaugen haben nicht ganz 
deren Grösse und die mittlen sind punktförmig und genau 
mittelständig. Die Kopfplatte ist schön braun, aber mit 
feinen graulichweissen Haarschüppchen bedeckt. Das Ge- 
sicht ist dick, fast zottig behaart und kurze dichte gelblich 
weisse Härchen bekleiden die ganze Oberseite des Vorder- 
leibes, dessen Seitenränder tief schwarz sind. Die mit 
langen weissen Zottenhaaren dicht bekleideten hellbraunen 
Taster bedecken die schwarzen Kieferfühler so, dass ich 
deren Form nicht erkennen kann. Die Beine sind braun 
mit undeutlichen hellen Ringeln, an den Schenkeln ziem- 
lich dicht, übrigens sehr spärlich und sperrig behaart, an 
der untern Kante der vordern Schienen und Tarsen mit ei- 
nigen schwarzen Stachelborsten. Der dicke Hinterleib ist 
matt gelb, sehr fein behaart, oben längs der Mitte fast 
weiss und am Grunde mit einem braunen Fleck, längs. der 
Seiten mit einem schmalen braunen Streif, an dessen Unter- 
seite einförmig hellgelb, die Spinnwarzen braun. Körper- 
länge 4 Linien. ? 

28. Attus auriventer n. sp. — Ebenfalls von Peoria 
in Illinois und der vorigen sich enger als irgend einer an- 
dern anschliessend. Die vordern Augen verhalten sich 
ebenso, jedoch nach oben von einem schön rostfarbenen 
behaarten Felde, unterseits von einem lang weiss behaar- 
ten Felde begrenzt. Die mittlen Seitenaugen stehen den 
vordern etwas näher als die hintern und zwischen ihnen 
liegt auf der nicht scharf umgrenzten Kopfplatte ein brei- 
ter weisser Querstreif. Die ganze Oberseite des: Vorder- 
leibes ist schön hellbraun und spärlich behaart. Die kur- 
zen sehr dicken Kieferfühler sind ebenso schön braun und 
nur an der Basis schwach behaart, die dünnen Taster sehr 
lang, fein und nicht gerade dicht behaart, ebenso die Beine, 
welche nur auf der obern Kante der Vorderschenkel und an 
den hintern Tarsen wenige dunkle Stachelborsten besitzen, 
das Endglied wie gewöhnlich tief schwarz. Der kegelför- 
mige, vorn sehr hohe Hinterleib ist licht gelb, auf der Ober- 


326 


seite dunkler mit einer Längsbinde schön goldgelber Haar- 
schüppchen und jederseits neben dieser mit einer Reihe 
von vier unregelmässigen weissen Fleckchen; auch die Sei- 
ten haben die goldige Behaarung, welche am Bauche weiss 
wird. Die Spinnenwarzen sind braun. Körperlänge nur 
zwei Linien. 

29. Attus (Rhanis) saevus n. sp. — Eine ausgezeich- 
nete Art auf Java, die wir von Herrn Junghuhn erhielten. 
Ich ordne sie Kochs Rhanis unter, deren drei Arten von 
Binlang jedoch so ungenügend beschrieben sind, dass ich 
über die generische Identität noch einigen Zweifel hege, 
die specifischen Differenzen treten bestimmt hervor. Der 
ebenso breite wie lange Vorderleib ist oberseits flach, nach 
hinten sanft an den Seiten senkrecht abfallend, tief dunkel- 
rothbraun’und nur an den Seiten mit sehr feinen weisslich 
gelben Haarschüppchen bekleidet, unter den Augen mit 
längern. Die hellbraunen Stirnaugen stehen sehr nah bei- 
sammen, die halb so grossen vordern Seitenaugen nur et- 
wa um ihren halben Durchmesser davon entfernt, die mit 
diesen gleich grossen hintern Augen sind hell messinggelb 
und sehen ganz seitwärts; die sehr kleinen schwarzen mitt- 
len Seitenaugen nehmen genau die Mitte zwischen den vor- 
dern und hintern ein. Die Kieferfühler sind ei- und käse- 
förmig, am Grunde sehr breit, gegen die Klauen hin stark 
verdünnt, seitlich zusammengedrückt, mit stumpfer oberer 
Kante, glänzend kastanienbraun und gerade abstehend; ihre 
eingeschlagene Klaue hat die Länge des dicken Gliedes, ist 
dabei dünn, am Innenrande in der Mitte mit einem zahn- 
artigen Vorsprunge versehen, am Grunde schwärzlich roth- 
braun, gegen die Spitze hin rein rothbraun. Die fadenför- 
migen Taster sind braun, sehr spärlich behaart, dichter am 
letzten kürzesten Gliede, welches fast so breit wie lang ist. 
Die braunen Beine sind kurz behaart, an der Unterseite 
aller Tarsen mit Stachelborsten bewehrt. Der ovale Hin- 
terleib ist oberseits dunkelbraun und hellbraun berandet, 
mit zwei Reihen von je vier Grübchen, auch die Bauchseite 
in der Mitte dunkel, am Rande hell behäart. Die kurzen 
Spinnwarzen überragen das Hinterleibsende nicht. Körper- 
länge 2!/, Linien. 


327 


80.  Zeiobunum albomaculatum n. sp: — Vier Exem- 
plare aus Siam zeigen alle wesentlichen Eigenthümlichkei- 
ten der Koch’schen Gattung bis auf die fehlenden und des- 
halb nicht vergleichbaren Tarsenglieder. Als besondere 
Art charakterisiren sie sich durch eigenthümliche weisse 
Flecken und durch einen kegelförmigen Stachel auf dem 
Rücken des Hinterleibes vor der Mitte. Der Körper des 
Thieres ist bei zwei Linien Länge sehr dick oval und deut- 
lich in Vorder- und Hinterleib geschieden. Die Oberseite 
des erstern steigt gegen die Mitte und nach hinten auf und 
trägt den Augenhöcker hinter der Mitte. Derselbe ist seit- 
lich abgeflacht und durch eine tiefe Rinne in eine rechte 
und linke Hälfte geschieden, deren convexe Ränder Kochs 
geglättete Naht über jedem Auge bilden. Die beiden er- 
sten Glieder der Taster haben nur die Länge der ersten 
Hälfte, das dritte Glied ist das kürzeste und dickste und 
zugleich etwas gekrümmt, das vierte nur wenig länger, das 
fünfte das längste und gegen das Ende hin schwach ver- 
dickt, das sechste endlich bildet eine ungemein feine und 
kurze, ohne Loupe gar nicht wahrnehmbare Kralle. Die 
Fresszangen sind sehr schlank. Das Sternum verbreitert 
sich nach hinten beträchtlich und ist stark convex. Die 
fast ganz gleichen Hüften haben fein und regelmässig ge- 
körnte oder vielmehr gekerbte Ränder. Die Beine sind von 
ganz enormer Länge, das zweite und vierte am längsten, 
das dritte am kürzesten. Ohne den Tarsus misst das 
zweite 34 Linien, also die siebzehnfache Körperlänge, das 
dritte 24 Linien. Ihre Glieder sind fadenförmig, jedoch 
das Knieglied merklich verdickt, und das Schienbein eben- 
falls am Ende schwach verdickt. Der Hinterleib ist ober- 
seits breit, mässig convex, und sein zierlicher Stachel bald 
ganz gerade bald mit der Spitze nach vorn gekrümmt. Die 
vordern zwei Drittheile bedeckt ein ungegliedertes Schild, 
welchem dann noch die Ringe als hinteres Drittheil folgen. 
An der stark gewölbten Bauchseite zähle ich fünf Ringe, 
alle mit reifartig erhabenem platten Vorderrande. Die 
Farbe ist ein tiefes Sammtschwarz nur bei einem Exem- 
plar das Hinterleibsschild gelbhraun, die Beine hellbraun 
mit schwärzen Knien, Auf der Oberseite des Vorderlei- 


328 


bes liegen zwei grosse ovale weisse Flecken, ebenso grell 
weiss ist die erste und vierte Hüfte und die Seiten der 
Hinterleibsringe. 


Mittheilungen 


Ueber Metallreduction. 


Um sich theils von der reducirenden Kraft der Kohle, theils 
von der Gegenwart eines schweren Metalloxydes in fraglichen 
Flüssigkeiten und somit von der Anwendbarkeit der Kohle zu 
Zwecken der analytischen Chemie zu überzeugen, dazu bedarf es 
nur eines Stückchens aschenfreier, glühender Kiefer- oder Erlen- 
kohle, auf welcher sich aus einer mit der 12- bis 16fachen Menge 
destillirten Wassers verdünnten Auflösung z. B. eines neutralen 
' salpetersauren Kupferoxyd- oder salpetersauren Silberoxyd-, eines 
dergleichen Chlorgold- und Chlorplatinsalzes im Momente des 
Contactes das Metall dieser Salze auf der Kohle regulinisch in 
Form entweder eines dünnen, überaus zarten Ueberzuges, oder 
kleiner Körner mit der dem einen oder anderen Metalle eigen- 
thümlichen Farbe, sowie wohl auch, und zwar beim recht ver- 
dünnten Zustande einer Kupfer- oder Goldsalzauflösung in ganz 
feinen, irisirenden Anflügen zum Theil mit der schönsten Far- 
benpracht niederschlägt und auf diese Weise das s. g. bunt An- 
gelaufene auf Holzkohle bildet, wie solches auf zahlreichen Mine- 
ralien der Erze und selbst auch auf mancher Steinkohle vorkommt. 


Die ferner auf das Verhalten der glühenden Kohle zu 
schwefelsauren Metallsalzen ausgedehnten Experimente ergeben; 
dass sich z. B. aus einer im angegebenen Grade verdünnten 
Kupfervitriolösung ein feiner Ueberzug von Schwefelkupfer 
(=CuS$) mit blauer Farbe (ähnlich dem Kupferglanze) und aus 
der Doppelverbindung von Kupfer - Eisenvitriol gewissermaassen 
eine Membran von Schwefel-Kupfer-Eisen mit messinggelber 
Farbe (wie der Kupferkies — CuS + Fe S11/,) praecipitirt. 


Vergleicht man diese Erscheinungen mit dem Vorkommen 
des Kupferkieses, Eisenkieses, Kupferglanzes und Buntkupferkie- 
ses in bituminösem Mergelschiefer, oder auch die von Murchi- 
son (s. the Geology of Russia p. 169) bei der Dolgelle in Nord- 
wales beobachtete Imprägnation des gediegenen Kupfers im Torf- 
moore so enthält in der That die Induction, dass diese Erze 
die Producte der durch das kohlige Bitumen ihrer Matrix be- 
wirkten Reduction aus Metallsalzen sind, durchaus nichts Er- 
zwungenes oder Unnatürliches; wir sind vielmehr vollkommen 


329 


berechtigt, anzunehmen dass das Bitumen des Mineralreiches in 
Ermangelung jener hohen Temperatur der beim Experimente in 
Anwendung gebrachten Kohle durch ununterbrochene Dauer 
während Myriaden von Jahren in einstmaligen Metallsalzlösun- 
gen das hervorzubringen vermochte, was sich durch die glühende 
Kohle augenblicklich bewerkstelligen lässt. 

Diess Alles erinnert. unwillkürlich nicht bloss an die in 
kalkspathführenden Grauwackengesteinen des Hurondistrietes am 
Oberen See vorkommende Verwachsung des silber- und goldhal- 
tigen Kupferkieses mit gediegenem, von regulinischem Silber und 
Golde begleitetem Kupfer, wovon ich selbst sehr instructive Exem- 
plare besitze, sondern auch an die verkiesten Fossilien (Nautili- 
ten u. s. w.), welche in bituminösen oder kohlenstoffhaltigen 
Gesteinen angetroffen werden. Die Bildung des gediegenen Ku- 
pfers dürfte nämlich in diesem Falle ohne Zweifel durch die 
Einwirkung des Gehaltes eingedrungener Tagewasser an kohlen- 
saurem (dabei inGyps verwandeltem) Kalke und organischer Ma- 
terie auf den durch Verwitterung des Kupferkieses entstandenen 
Kupfervitriol, die Kiesbildung der Fossilien aber lediglich. durch 
Zersetzung von Eisenvitriol mittelst organischer Materie der Weich- 
thiere bewirkt worden sein. G. Suckow. 


Caridina siamensis n. sp. 


Mit einer Anzahl Spinnen und Käfer aus Siam erhielten 
wir von Herrn Schiffscapitain Wagener auch einen kleinen Gar- 
nelenkrebs, welchen ich nur auf die Milne Edwardssche Gattung 
Caridina beziehen kann. Der Carpus des ersten Scheerenpaares 
ist allerdings nicht so sehr kurz wie Milne Edwards es angiebt, 
vielmehr langgestreckt dreieckig, stimmt aber im Uebrigen "wie 
auch die andern Formverhältnisse überein. Von den beiden 
Arten hat C. typus unbekannter Heimat einen kurzen Stirnsta- 
chel mit drei kleinen untern Zähnen und C. longirostris von 
Oran einen sehr langen Stirnstachel mit. zahlreichen Zähnen. 
Unsere Art schliesst sich der ersten eng an. Ihr lamellendün- 
ner Stirnstachel hat in der basalen Hälfte jederseits eine scharfe 
Kante, die sich jenseits der Mitte gänzlich verflacht, und ist fast 
so lang wie der Fühlerstiel, während er bei C. typus noch nicht 
das Ende des zweiten Fühlerstielgliedes erreicht. An seiner un- 
tern scharfen Kante bilden vier äusserst feine Kerben ebenso 
viele schwache Zähnchen, während Milne Edwards von seiner 
Art nur drei Zähne angiebt. Die Fühlergeisseln fehlen leider. 
Die drei Stielglieder der innern Fühler sind längs der Seiten 
dicht beborstet, die sehr breiten und langen, unterseits concaven 
Blätter der äussern Fühler längs des Innenrandes gleich dicht 
beborstet. Der Cephalothorax ist stark comprimirt und seine Sei- 
tenränder nicht so stark bogig wie Milne Edwards sie von seiner 

XXI. 1868, 22 


330 


€. typüs darstellt, dagegen die Seitenplatte des zweiten Ringes 
viel: beträchtlicher nach. vorn und nach hinten erweitert.‘ Auf 
dem schmalen Endgliede des Hinterleibes zwei Längsreihen von 
je vier elliptischen Wärzchen. Die Thoraxfüsse lang und faden- 
dünn, die Flossenblätter der Ruderfüsse verhältnissmässig lang 
und breit. 


Milne Edwards beschreibt ganz kurz nur die beiden er- 
wähnten Arten in seiner Hist. nat. des Crustaces II. 363 tb. 
25b. Fig. 4. 5. Stimpson fügt noch sieben hinzu in den Pro- 
ceed. of the Acad. of nat. Sc. of Philadelphia 1860. p. 28. Von 
diesen haben C. grandirostris und C. leücostieta einen viel län- 
gern. C. acuminata, C, brevirostris und C. exilirostris einen viel 
kürzern Stirnstachel als die unsrige, dagegen C. 'multidentata und 
C. serrata einen fast oder ganz gleich langen, der jedoch bei er- 
sterer oben mit 20 bis 30, unten mit 14 Zähnen gezackt ist, und 
bei letzterer oben 14 Zähne besitzt, während der unsrige oben 
ganzrandig und völlig ungezähnt ist. Auch die übrigen Form- 
verhältnisse gewähren noch beachtenswerthe Unterschiede. Ebenso 
auch de Saussures mexikanische Art. Giebel. 


Literatur 


Allgemeines. Öfversigt afKöngl. Vetenskapes-Aka- 
demiens Förhandlingar. 18de Ärgängen 1861. M. 8. tafl. och 
ett bihang meteorol. iakttagelser Stockholm 1862. — Naturwis- 
senschaftlicher Inhalt: 1. S. 3—17. Neue Methode zur Bestim- 
mung des Leitungsvermögens der Körper für die Wärme, von A.J. Äng- 
ström. Dazu Taf. 1.— 2. S. 19-34. HEymenomycetes novi v. minus 
eogniti, in Suecia 1852—1860 observati. Auct. E. Fries. — 3. 8. 
35—37. Neue Methode, Kohlensäure zu bestimmen; von Al. Müller. 
— 4. S. 41-51. Gab es auch im südlichen Schweden schon Menschen 
zu der Zeit, in welcher Elephanten, Nashörner und andre lange zu- 
vor ausgestorbene Thierracen im südlichen Europa lebten? Von 
S. Nilsson. — 5. S. 53—62. Ueber die Bahn des Fayeschen Kome- 
ten; von A. Möller. — 6. S. 67—90. Verzeichniss der in der Ost- 
finnmark beobachteten Vögel, nebst’einzelnen Bemerkungen, betrifft 
einige derselben; von Chr. Sommerfelt. — 7. S. 91—92. Ueber 
den Ammocoetes branchialis; Bemerkungen von Freih. G. C. Ceder- 
ström. — 8. S. 93—110. Beitrag zur Ermittelung der Synonymik 
der skandinavischen Flechtenarten; von Th. M. Fries. — 9. S. 111. 
Circa novitias Lichenaeae norvegicae observatio. Serips. Will. Ny- 
lander. — 10. S. 115—118.. Ueber. merkwürdige Crustaceen aus der 
Ordnung, Cladocera, gefunden im Dalekarlien; von H. A. Euren. 


331 


Dazu Taf. TII. — 11. S. 119—154. Untersuchung der bei der Volum- 
veränderung der festen Körper entstehenden Wärmephänomene etc. 
von Er. Edlund. Dazu Taf II. — 12. S. 159—162. Gediegenes Wis- 
muth vom Bispberg; von L. Svanberg. — 13. S. 163—178. Ueber 
einige ammoniakalische Chromverbindungen ; von P. T. Cleve — 
14. S. 179-187. Derivate von Toluol; von C. W. Blomstrand. — 
15. S. 189—190. Vom Prof. A. E. Nordenskiöld im J. 1858 auf 
Spitzbergen gesammelte Moose; von S. O. Lindberg. — 16. S. 
191—193. Neue Art der Gattung Astrocarpus; von C. F. Nyman. 
Dazu Taf. IV. — 17. S. 195—212. Nova methodus familias quasdam 
Hemipterorum disponendi; auet. C. Stäl. — 18. S. 227—231. Beitrag 
zur Kenntniss der Doppelverbindungen der Platinachlorüre; von J. 
Lange. — 19. S. 235—242. Antimon-Cinober; von L. Svanberg. 
— 20. S. 243—247. Der Wasserstand im Mälar und in der Salzsee 
während der Jahre 1857—1860. (Tabellen). — 21. S. 249-253. Pilz- 


Arten in europäischen Gewächshäusern; von E. Fries. — 22.8. 
255— 272. Anzeichnungen, betreffend eine in Paris befindliche Linnea- 
nische Pflanzensammlung; von Th. M. Fries. — 23. S. 273—283. 


Neue Anzeichnungen über die nordische Moosvegetation; vom Candid. 
S. OÖ. Lindberg. — 24. S. 285-314. Ueber einige im Wetter- und 
Wenersee gefundene Crustaceen; von S. Loven. (S. die Uebersetzung 
in dieser Zeitschrift, Jan. 1862, S. 34 ff) — 25. S. 357—360. Be- 
schreibung eines Apparates zum Heraufholen von Wasserproben aus 
ungleichen Tiefen im Meer und in Seen; von C. M. Lindquist. 
Dazu Taf. V. — 26. S. 365370. Ueber die Frauenhofer’schen Linien 
im Söonnenspectrum; von A. J. Angström. Dazu Taf. VI. — 27. S. 
371—375. Ueber eine neue Art der Gattung Hypnum; von S. O. Lind- 
berg. — 28. S. 381-384. Ueber die Lachsarten des Wener; von 
S. Hardin. — 29. S. 385—394. Ueber einige Walfischarten; von 
C. Sundevall. Dazu Taf. VII. VIII. — 30. S. 395—420. Versuch 
einer Aufstellung und Beschreibung der schwedischen Figiten; von 
C. G. Thomson. — 31. S. 433—450. Pflanzengeographische Anzeich- 


nungen vom östlichen Smäland; von N. J. Scheutz. — 32. 8. 
451—453. Schwedens Proctotrupen (Fortsetzung); von C. G. Thom- 
son. — Meteorologische Beobachtungen auf dem Stockholmer Ob- 


servatorium. J. 1861. 

Kongl. Svenska Vetensk.’s-Akad’s-Handlingar. Ny 
följd. Bd. III, Hft. 2. 4. 1860. — 1. Beitrag zur Hemipteren-Fauna 
der Gegend von Rio Janeiro. II; von C. Stal. S. 1-75. — 2. Skan- 
dinaviens Federmotten (Alucita L.), beschrieben von H. D. J. Wal- 
lengren. $S. 1-25. — 3. Beitrag zur Kenntniss der Crustaceen, 
welche in Arten der Gattung Ascidia L. leben; von T. Thorell. S. 
1-48. Dazu Taf. I-XIV. — 4. Ueber die Extremitäten der Insekten, 
wie auch ihre Kopf- und Mundtheile; v. C. J. Sundevall. S. 1-2. 
Dazu Taf. I-IV. — 5. Versuch einer Aufstellung und Beschreibung 
der schwedischen Ichneumoniden. 3. Series, Fam. Pimplariae; von 
Aug. Em. Holmgren. 8, 1-76, — 6. Beitrag zur Kenntniss der 

22* 


332 


Verbindungen der Salpetersäuerlichkeit mit einatomigen Basen; von 
Joh. Lang. S. 1-39. Creplin. 
Physik. Berger, über Grundeis-Bildung. — Zu den 
drei Theorien, welche von Mac Keever, Horner und Arago und von 
Gay-Lussac aufgestellt sind, fügt B. noch eine vierte hinzu, welche 
uns die Frage jedoch auch nicht erschöpfend zu behandeln scheint. 
Der Gay-Lussac’schen Erklärungsweise sich enger anschliessend hält 
er dafür, dass Eistheilchen von der Oberfläche in die-Tiefe hinabge- 
rissen werden, an den. Steinen des Bodens der Flüsse anstreifen, wo 
sie ganz oder theilweise hängen bleiben, und so die Grundeisbildung 
einleiten. Zur Grundeisbildung ist daher die Bildung des Eises an 
der Oberfläche vorher nöthig. B. sieht nun die Schaumblasenbildung 
in Wasser von sehr niederer Temperatur als die erste Ursache der 
Eisbildung in bewegtem Wasser an. Für Grundeisbildung ohne vor- 
hergegangene Obereisbildung bedurfte es einer andern Erklärung; B. 
findet sie in folgendem: wenn man einen Stein in schnell fliessendes 
Wasser taucht, so entsteht hinter demselben ein seitlich von zwei 
Curven, oben und unten von Wasser ebenfalls geschlossener wasser- 
leerer Raum; da legt sich unmittelbar an die Hinterseite des Steines 
eine dünne Wasserschicht an. Dieser leere Raum muss sich augen- 
blicklich mit Dampf füllen, welcher seine latente Wärme aus dem um- 
gebenden Wasser aufnimmt; hat dieses Wasser 0°, so muss es gefrie- 
ren und es muss sich eine dünne Eisschicht an der Rückseite des 
Steines bilden, vielleicht auch an den Wänden der Wassercurven. Da 
der Dampf durch das Wasser fortgerissen wird, so wird die Eisbil- 
dung so lange fortdauern, als die Temperatur des Wassers 0° ist. 
Diese so entstandenen Eisblättchen geben, von der Strömung fortge- 
rissen, ebenfalls die Veranlassung zur Grundeisbildung. — (Pogg. 
CAVI, 615.) W. W. 
Fizeau, H., über das Licht des in der Luft verbren- 
nenden Natriums. — Ist Natrium in einer Flamme vorhanden, 
so tritt im Spectrum die bekante helle Linie D auf; verbrennt aber 
Natrium in Luft, was mit grosser Heftigkeit und unter ausserordent- 
licher Licht- und Wärmeentwicklung geschieht, so ist das ganze Spec- 
trum hell mit Ausnahme des Striches D, welcher tief schwarz ist. 
F. hält nicht dafür, dass diese Erscheinung zu den von Bunsen und 
Kirchhoff beobachteten Absorptionserscheinungen gehöre, doch findet 
diese Ansicht wohl eine Widerlegung in den von Al.Mitscherlich gemach- 
ten Entdeckungen. [C. R. LIV, 493.] — (Pogg. CXAVI, 492.) W.W. 
Haerlin, J., Ueber das Verhalten einiger Farbstoffe 
in Sonnenspectrum. NH. bringt Farbstoffe in verschiedenen fort- 
schreitenden Veränderungsgraden in sogenannten Hämatinometer; 
das sind Gefässe, deren parallele ebene Glaswände lem. von einander 
entfernt sind. Die so eingeschlossene Farbstofflösung bringt er in ein 
durch ein Schwefelkohlenstoffprisma dargestelltes Sonnenspectrum und 
beobachtet mit dem Fernrohre. Es wird für jede Gegend des Spec- 
trums der Verdünnungsgrad notirt, bei welchem die betreffende Spec- 


333 


tralfarbe zuerst die Lösung durchdringt, und mit der Verdünnung 
allmählig so weit fortgefahren, bis das ganze Spectrum durchgelassen 
ist. Wird alsdann das Spectrum seiner Länge nach als Abcissenaxe 
genommen, auf welcher die Frauenhoferschen Linien Abscissen von 
bekannter Länge darstellen, und hierauf die Verdünnungsgrade, bei 
denen die Spectralfarben zuerst erscheinen, als Ordinaten aufgetra- 
gen so erhält man für jeden Farbstoff eine Absorptionscurve, welche 
gewöhnlich in cinen bestimmten sehr langen Absorptionsstreifen sich 
fortsetzt. Es ergibt sich aus den angestellten Untersuchungen 1) dass 
Farbstoffe, welche in ihrer Mischfarbe in gewissen Concentrationen 
im weissen Lichte nicht wohl zu unterscheiden sind, gänzlich ver- 
schiedene Einwirkungen auf einzelne Theile des Spectrums zeigen 
können. 2) Dass sich nirgends so häufig kräftige Unterschiede in der 
Absorptionsintensität für benachbarte Spectraltheile zeigen als im 
Gelb und Gelbgrün; 3) dass besonders gute Erkennung die Spectral- 
untersuchung für folgende Farbstoffe gibt: rothe, violete und blaue 
Anilinfarbstoffe, Blauholz, Fernambuk, Persis, Lakmus, Cochenille, 
Murexid, Limarothholz, Alizarin, Sandelholz, Indigo, Berlinerblau, 
Drachenblut, Safran, Orlean, Picrinsäure, Curcuma, — Poggaff. CXVII. 
70. WW. 
Kravogl in Innsbruck hat eine Quecksilberluftpumpe er- 
funden, welche durch die Einfachheit des Baues und ihre Leistungs- 
fähigkeit sich vor den bessten vorhandenen auszuzeichnen scheint; 
der zu Grunde liegende Gedanke ist der den schädlichen Raum durch 
Quecksilber auszufüllen, welches den in einem gläsernen Stiefel beweg- 
lichen Stahleylinder umgibt und so zu einem flüssigen Kolben macht. 
Wir nehmen Veranlassung auch in .dieser Zeitschrift auf diese neue 
Erfindung aufmerksam zu machen, verweisen jedoch die Beschreibung 
der innern Einrichtung und des Ganges der Luftpumpe vermeidend 
auf die Sitzungsberichte der Wiener Acad. Bd. XLIV und Pgg CXVIL, 
606. WW. 
Lamy, A., von dem Dasein eines neuen Metalls, des 
Thalliums. Schon W. Crookes hat einen scharf abgeschnittenen 
grünen Strich im Spectrum beobachtet, welcher keinem der bekannten 
Metalle oder deren Verbindungen zukommt. Er vermuthete ein neues 
Metall in der Gruppe des Schwefels, konnte es aber nicht für sich 
darstellen; er nannte es Thallium. Dasselbe Metall, kenntlich an der 
grünen Linie, hat L. in dem Schlamm von Bleikammern, in denen 
Schwefelsäure aus Schwefelkies bereitet war, erhalten. Durch seine 
physikalischen Eigenschaften steht es dem Blei, durch seine chemi- 
schen den Alkalien nahe; spec, Gewicht 11,9; Schmelzpunkt 250 0C.; 
Chlor-, Brom-, Jod-, Schwefel- und Phosphorverbindungen lassen sich . 
darstellen; leicht angegriffen durch Schwefelsäure und Salpetersäure, 
schwer durch Chlorwasserstoffsäure.— Vorkommt es in Schwefel- 
kiesen; Chlorverbindungen des Thalliums hat L. aus dem in den Ab- 
lagerungen der Bleikammern vorkommenden Metalle dargestellt und 
aus diesen Verbindungen das Metall selbst durch den galvanischen 


334 


Strom durch Fällung mittels Zink, dureh Reduetion mit Kohle im hö- 
herer Temperatur. L. hat einen Barren von 14 Grm. dargestellt. 
(Comptes R. LIX, 1255; Pgyg. CAVI 495.) WW. 
Leroux, F. P., Anomale Dispersion des Joddampfes. 
Der Joddampf welcher als Prisma angewandt nur den rothen und 
blau-violetten Theil des Sonnenspectrums Durchgang gestattet, zeigt 
nach L.’s Untersuchungen die merkwürdige Eigenschaft die rothen 
Strahlen stärker als die blauen zu breehen; dabei ändert sich das 
Zerstreuungsvermögen im umgekehrten Verhältnisse mit der Tempara- 
tur. Durch Verbindung des Jodprismas mit einem Glasprisma, welches 
eine gleichsinnige und nahezu gleich grosse Ablenkung gab, erhielt 
L.ein nahezu achromatisches Bild. — (Poggendorff CAV11,659.) W.W. 
Lommel,E., Versuch einer Theorie der Fluorescenz. 
L. sucht die Fluorescenz auf eine Art Phosphorescenzerscheinung zu- 
rückzuführen, indem er annimmt, dass gewisse Körper, durch Bestrah- 
lung erregt, Lichtstrahlen von so grosser Wellenlänge aussenden, dass 
sie unser Auge nicht zu durchdringen vermögen. Diese an und für 
sich dunklen Strahlen sollen sich während der Bestrahlung mit den 
einfallenden Strahlen combiniren und so Combinationsfarben erzeugen, 
welehe unsrer unmittelbaren Wahrnehmung fähig seien. Die Richtig- 
keit dieser Behauptung vorausgesetzt, würden alsdann allerdings nur 
Strahlen von sehr hoher Brechbarkeit Fluoreseenz, d.i. Combinations- 
farben hervorzubringen vermögen. Wie aber hiernach die intermit- 
tirende Fluorescenz zu erklären sei, und warum ein in gewisser Farbe 
fluoreseirender Körper nieht auch Fluoreseenzlicht von jeder gerin- 
geren Brechbarkeit aussendet, darüber bleibt uns Herr Lommel den 
Nachweis schuldig. (Pag. CAVL, 642.) W. W. 
Merz, S., über das Farbenspeetrum. Die von Kuhn 
als Doppellinie gesehene Linie D im Spectrum ward von Kirchhoff 
in eine dreifache aufgelöst, indem eine Dritte zwischen den beiden 
stärkeren sich zeigte. Durch Herstellung eines Prismas von 60° bre- 
chendem Winkel, das eine Lichtbüschel von 43 Linien durehzulassen 
im Stand war, und unter Anwendung eines Fernrohres mit entspre- 
chend grosser Oeffnung und 50maliger Vergrösserung wurde die dritte 
Linie D mit äusserster Sehärfe beobachtet. Bei 2700 brechendem 
Winkel gewöhnlicher Frauenhofferscher Prismen von etwa 45° bre- 
chendem Winkel zeigte sich eine zweite Zwischenlinie D; bei 11 Pris- 
men, oder einem Winkel von 480% zeigen sich 5 Linien zwischen den 
beiden Hauptlinien D. Sonach besteht D aus 2 ganz breiten, 2 we- 
niger breiten und 3 feinen Linien. (Pgg. CAVH, 654.) W. W. 
Mitscherlich, Al., Beiträge zur Speetralanalyse. 
Glasröhren enthalten die zu untersuchende Lösung. Das offene nach 
unten gekehrte Ende derselben gestattet, dass die Lösung auf dem 
Wege der Kaplilarität durch eingebrachte Platindrähte in eine Flamme 
geleitet wird, welche ein stundenlang gleichförmiges Spectrum geben. 
Um die Metallspectren am vollkommensten zu erhalten benutzte M. 
eine Mischung von 20 Theilen einer 15 Procent enthaltenden Lösung 


333 


von 'essissaurem Ammoniak) und 1 Theil der concentrirten Salzlösung: 
Wurde zu dem auf diese Weise erhaltenen Bariumspectrum mittels 
der Platindrähte Salzsäure 'geleitet, so verschwand das Bariumspec- 
trum, und es zeigten sich 2 grüne Linien. Wurde Chlorstrontium, 
Chlorbarium und Chlorealeium angewandt, in Mischungen, welche auf 
1 ‘Theil der eoncentrirten Chlormetallösung 20 Theile Salmiak und 20 
Theile einer 20 Procent Chlorwasserstoffsäure haltenden Salzsäure 
enthielten, so zeigten sich Spectren, welche von den gewöhnlichen 
ganz verschieden sind. Bei Erzeugung dieser Spectren der Chlor- 
metalle findet keine chemische Wirkung statt, weil dieselben, wenn 
ihr Licht durch eine Salmiak enthaltende Flamme geht, nicht verän- 
dert werden. Die untersuchten Jod- und Spectralmetalle der alkali- 
schen Erde geben etweder kein Spectrum, wenn die Salze nicht flüch- 
tig waren, oder das der Metalle, wenn die Salze durch Kohlenstoff 
oder Wasserstoff zersetzt wurden. — Verschieden sind ferner die 
Spectra von Kupfer, Chlorkupfer, Jodkupfer. Kupferehlorid und Ku- 
pferchlorür scheinen verschiedene Speetren zu haben; der erstere tritt 
auf bei niedriger Temperatur und überschüssigem Chlor. Durch Hin- 
einbringen mehrer Salze in dieselbe Flamme verschwinden Linien — 
Chlornatrium und Chlorkalium in verschlossene Röhren gebracht ge- 
ben weder in ihren Dämpfen noch im durchgefallenen Lichte die Na- 
trium- und Kaliumlinien. Ebenso gab Natron, in eine Röhre einge- 
schlossen und bis zur Rothgluht erhitzt, die Natriumlinie nicht, wohl 
aber Natrium auf dieselbe Weise behandelt: ‚die Dämpfe zeigten die 
helle, das durch dieselben gegangene Licht die dunkle Linie. Die 
Linie gehört also nur dem metallischen Natrium an. — Auf die Zu- 
sammensetzung der Sonnenatmosphäre einen Rückschluss gemacht, 
ergibt sich, dass da Natrium als Metall in der Sonnenatmosphäre 
vorkommt, kein freier, electronegativer Körper wie Sauerstoff, Schwe- 
fel u. s. w. darin enthalten sein kann, wenigstens nicht so viel um 
alles Natrium zu binden. Es müssen darum auch 'alle Metalle, die 
bei jener Temperatur aus ihren Verbindungen ausgeschieden werden, 
unverbunden da sein, — Die Abwesenheit von Metalllinien im Son- 
nenspectrum lässt nur auf die Abwesenheit ‘des freien Metalls in 
der Sonnenatmosphäre schliessen. (Pgg. CAVL499.) W.W. 
Mohr F., — Kurze Bemerkung zu Herrn Dr. Fleck’s „Bezie- 
hungen zwischen Atomgewicht und specifischem Gewicht“ in Pgg. 
XVII, 132 ist die Ueberschrift eines Aufsatzes, in welchem der Ver- 
fasser die Unhaltbarkeit einer Theorie nachweist, welche, breit ge- 
nug ausgeführt, in ihrer Begründung nicht unerhebliche Rechenfeh- 
ler birgt. (Pgg. CXVIL, 648. W.W. 
Rood, O. N., über das Studium des electrischen 
Funkens mittels Photographie. Alle bisher von electrischen 
Funken erhaltenen photographischen Bilder waren Seitenansichten, 
R. fand, dass ein Funke auf einer empfindlichen Schicht, welche er 
senkrecht trifft, ein scharf begrenztes Bild gibt, welches 40malige li- 
neare Vergrösserung verträgt, und ist der Ansicht, dass diese Wir- 


336 


kung keine electographische, soudern photographische ist. Die Glas- 
platte mit Collodium überzogen, ist dazu in einem Bade von 40 Gran 
salpetersaurem Silberoxyd auf eine Unze Wasser empfindlich gemacht: 
als entwickelnde Lösung wird schwefelsaures Eisen benutzt. Ist der 
positive Funke durch einen kurzen dicken Metallstab aus dem Con- 
ductor gezogen, so besteht er aus einem Stern und einem oder meh- 
ren Ringen. Die Beziehung derselben zu einander wird bedingt durch 
die Spannung der Electricität. Die beiden Ringe, deren äusserer 
scharf begrenzt, deren innerer hingegen punktirt ist, und welche beide 
zu innerst einen breiten Ring einschliessen, welcher durch zarte Ab- 
stufungen ip einen Stern übergehen kann, deuten an, dass der par- 
tielle Funke unter diesen Umständen aus drei einzelnen Entladungen 
von verschiedener Spannung besteht. Geschieht die Entladung durch 
den electrischen Büschel, so verschwindet der mittlere punktirte Kreis 
und der innerste wird am stärksten markirt; bei weiterer Abnahme 
der Intensität verschwindet auch der äusserste Kreis. Der Ueber- 
gang des Funkens in den Büschel ist ein allmählicher. Die Bilder 
des Funkens lassen erkennen, dass die Ringe, wo sie die Strahlen 
schneiden, sich unter denselben fortsetzen, wie wenn eine Ueberlage- 
rung stattgefunden hätte; und daraus, dass bei merklich grossem 
Funkenwege der Ring nicht symmetrisch zum Sterne liegt, erhellt, 
dass die ihn erzeugende Entladung einen andern Weg genommen 
hat. Und selbst der Stern scheint durch Ueberlagerung zweier ver- 
schieden grosser und lichtstarker entstanden zu sein. — DasBild des 
negativen Funkens ist frei von Strahlen, kreisrund und oft aus einer 
Anzahl kleiner, unsymmetrisch liegender Kreise gebildet. Bei kurzen 
Schlagweiten ist es viel grösser als das des positiven, jedoch nie so 
scharf begrenzt. Ist die empfindliche Schicht in unmittelbarer Berüh- 
rung mit dem Conductor, und wird aus ihrer abgekehrten Oberfläche 
ein Funken gezogen: so zeigt die empfindliche Schicht das Bild des 
entgegengesetzten Hinten. Zwischen den photographisch dargestell- 
ten Funkenbildern und den nach Ries’s Angaben dargestellten Lich- 
tenbergschen Figuren zeigt sich grosse Uebereinstimmung. (Silliman 
Journ. N. 5. vol. XXAXI1l, 219; Pgg. CXVII, 595.) W. W. 

Rose, H,, über die Zusammensetzung eines fossilen 
Eies.. Ein von den Chincha Inseln bei Peru aus Guano 40 Fuss un- 
ter der Oberfläche herstammendes Vogelei wog 252 Grm., Längen- 
durchmesser 80mm., Quadratdurchmesser 58mm., Masse krystallinisch, 
Farbe weiss und schwach bräunlich, Seidenglanz. An einer Stelle 
schwarzbraune Masse von erdigem Bruche. Die Zusammensetzung 
der salzartigen Masse ist bei fast gänzlichem Mangel organischer Be- 
standtheile: 


schwefelsaures Kali 170,59 
schwefelsaures Ammoniumoxyd 26,55 
Chlorammonium 1,25 
Chlornatrium 0,65 


99,04. 


337 


Der ganze Inhalt- des Eies ist also entleert, und die an seine Stelle 
getretene salzartige Masse kann nicht aus den Bestandtheilen des 
Eies sich erzeugt haben. Einige deutliche Ueberbleibsel der Schale 
ergaben: Kohlensäure 0,91; Kieselsäure 0,45; organische Substanz 
2,07; Kali 2,33; Chlor 0,84; Kalkerde 0,34; phosphorsaure Kalkerde 
(Ca03BO5) 77,82, und Wasser. (Pgg. CAVI, 627.) W. W. 
Sauber, W., über die Brechungs- und Zerstreu- 
ungsverhältnisse einiger organischen und unorgani- 
schen Substanzen. Um die offene Frage nach dem gesetzlichen 
Zusammenhange zwischen der Brechung einer Substanz und der 
Diehte ihrer molecularen Constitution oder ihrer Aequivalenten lösen 
zu helfen bringt S. eine grosse Reihe von Messungen der Brechungs- 
exponenten für B, C, D, E, b, F, G herbei. Die Zahlen selbst sind 
in der Originalabhandlung einzusehen. (Pgg. CXVIL, 577.) W. W. 
Schneider, J., über die Erzeugung von Tönen durch 
Wärme. Die Entstehung der Trevelyan’schen Töne ist bekanntlich 
dadurch bedingt, das die Berührung zwischen dem heissen und dem 
kalten Körper abwechselnd in zwei verschiedenen Punkten geschieht; 
bei den von S. beobachteten Tönen berühren sich die beiden, Körper 
nur an ein und derselben Stelle. Einen kupfernen Ring, über einen 
Bleiblock gehängt und aus dem Gleichgewicht nach der Erhitzung ge- 
bracht, giebt, wenn die Berührung an zwei Stellen stattfindet,,”jene 
Trevelyanschen Töne; findet dagegen bei fortschreitender Erhitzung 
die Berührung an nur einer Stelle statt, und es entsteht ein neuer 
schrillender Ton, während gleichzeitig die Schwingungen sehr klein 
werden; dabei scheint der Ring sich ohne die Berührungsstelle zu 
verändern langsam um seine verticale Axe zu drehen. Beide Töne 
schliessen sich gegenseitig aus. Bei diesem neuen Tone verträgt der 
tönende Ring keine Belastung und der unterliegende Bleiblock keine 
Oelschicht, welches beides die Trevelyansehen Töne nicht hemmt, 
Aeusserer Anstoss ist auch zur Hervorbringung dieses Tones nöthig. 
Im Allgemeinen entspricht erhöhter Wärme ein tieferer Ton, so dass 
bei eintretender Abkühlung die Höhe des Tones steigt. S. findet als 
gemeinschaftlichen Grund der beiden Töne die Ausdehnung der Kör- 
per durch die Wärme, doch so, dass die neuen Töne bei rasch auf 
einander folgenden Ausdehnungen und Zusammenziehungen der Kör- 
per hauptsächlich in horizontaler Richtung erfolgen, während bei den 
Trevelyan’schen Tönen die verticale Ausdehnung und Zusammenzie- 
hung das Wirksame ist. Zubülfenahme einer abstossenden Kraft fin- 
det S. ungehörig. Hierzu ist zu bemerken, dass sich schon in 
Eisenlohr, Phys. 7te Aufl. S. 204 zu dem Trevalyaninstrumente die 
Bemerkung findet: wenn man die Mitte desselben durch eine feine 
Spitze an das Blei andrückt, so entsteht oft ein Ton, welcher um 
eine ganze Octave höher ist als der gewöhnliche. (Pgg. CAVII, 622.) 
W. W. 
Vogel, H., über ein einfaches Verfahren mikros- 
copische Ansichten zu photographiren. V. bringt die ver» 


338 


grössernden Gegenstände an ein horizontal gelegtes Microscop an, 
vereinigt letzteres mit einer photographischen Kammer, welches eine 
einfache‘ achromatische, sogenannte Landschaftslinse hat, von gegen 
4 Zoll Brennweite, so dass die optischen Axen beider Instrumente zu- 
sammenfallen und das Objective der Kammer das Ocular: des Micros- 
cops fast berührte, und indem er mit Hilfe des am Microscop ange- 
brachten Hohlspiegels Sonnenstrahlen auf das Object fallen lässt er- 
hält er auf der gegen 8 Zoll weit ausgezogenen matten Scheibe der 
Kammer ein deutliches Bild des Objects. Dies Bild lässt sich so 
photographisch aufnehmen und erlaubt 500fache Vergrösserung. Zwei 
Vorsichtsmassregeln hat man noch bei solchen Aufnahmen zu beach- 
ten: die Linse der Kammer muss frei von Focaldifferenz (Unterschied 
des optischen und chemischen Brennpunkts) sein, und die Aufnahme 
in einem Raume erfolgen, der nicht der geringsten Erschütterung aus- 


gesetzt ist. (Pgg CAVII, 629.) W. W. 
Themie. a. Theoretische. L. Barth und H. Hlasiwetz, 
über eine neue Säure aus dem Milchzucker. — Wenn man 


Brom, Milchzucker und Wasser in Flaschen einschliesst und in ko- 
chendem Wasser erwärmt, so erhält man unter Bildung von Kohlen- 
säure eine schwach gelbliche Flüssigkeit. Diese wurde mit Silber- 
oxyd versetzt, vom Niederschlage abfiltrirt, und nachdem im Fil- 
trate‘das Silber mit Schwefelwasserstoff entfernt war, nach abermali- 
gem Filtriren eingedampft; durch Zusatz von Weingeist entfernt man 
dann theilweise den im Milchzucker enthaltenen Kalk, durch Abde- 
stilliren den Weingeist; darauf wurde kohlensaures Cadmiumoxyd hin- 
zugefügt bis kein Aufbrausen mehr Statt fand, und man erhielt dann 
beim Eindampfen Krystalle einer Cadmiumverbindung, woraus die 
Säure mit Schwefelwasserstoff abgeschieden wird. Die vom Schwe- 
feleadmium abfiltrirte Flüssigkeit wird möglichst eingedampft und 
man erhält nach dem Verdunsten des noch restirenden Wassers über 
Schwefelsäure die neue Säure als eine weiche hygroskopische Kry- 
stallmasse, die in Wasser und Alkohol löslich ist und alkalische Kup- 
feroxydlösung beim Erwärmen redueirt. Die Analyse der Säure er- 
gab die Formel &5H)09s. Von den Salzen wurden folgende darge- 
stellt: Das Ammoniaksalz wurde durch Versetzen der freien Säure 
mit überschüssigem Ammoniak erhalten und ergab nach dem Umkry- 
stallisiren die Formel: &;(H3NH,) 85 + H29. Das Kalisalz kannte 
wegen zu grosser Löslichkeit nicht krystallisirt erhalten werden, hin- 
gegen war das Natronsalz leicht in büschelförmigen Prismen dar- 
stellbar, indem die freie Säure mit kohlensaurem Natron übersättigt 
wurde, und führte zur Formel &;(HsNa)@g + H2®: in entsprechen- 
der Weise erhält man das Kalisalz: &;s(HsCa) 95. Aus der Mutter- 
lauge desselben wurde noch ein anderes Kalksaiz erhalten von der 
Formel: 2[€s(H;Ca)®s] + 7H29; auch das Baryt und Strontiansalz 
sind auf jene Weise leicht darstellbar. Das Cadmiumsalz wird wie 
schon beschrieben erhalten und zeigt ‘die Formel & (Hs Cd): + 
21/2H2®, aus der Mutterlauge desselben erhält man noch ein andres:; 


339 


Es (Hs€d)Q; + 3H39, diese Salze lassen sich nicht ohne Eintritt ei- 
ner Färbung entwässern. Das Kupfersalz' wird durch Versetzen 
mit kohlensaurem Kupferoxyd das Bleisalz durch Versetzen mit 
Bleizucker unter Hinzufügen von Ammoniak erhalten; letzteres hat 
die Formel: Es(HsPb)@s + 2Ph3@ + 1/2H29. Ueber die Basieität der 
neuen Säure wurde Nichts festgestellt; mit Untersalpetersäure oxy- 
dirt giebt sie Schleimsäure und mit schmelzendem Kali Essigsäure 
und Oxalsäure. Die Säure hat dieselbe empirische Form wie die Di- 
glycoläthylensäure und könnte daher den Namen erhalten, Isodigly- 
eoläthylensäure. Das Brom wirkt bei der Bildung der Säure wahr- 
scheinlich nur addirend und die Reaktion wäre dann: 

Cs Ho 95 + Brz = 6; Ho 85 Br? 

£ H1o 8; Bra + An$ = £s H10o9s - AgaBra. 
Die neue Säure lässt sich auch aus arabischen Gummi nach derselben 
Methode darstellen. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAI, 96.) B. 8. 


E. Baudrimont, Darstellung des Phosphorsulfochlo- 
rids. — Man erhält Phosphorsulfochlorid, indem man in einem Kol- 
ben auf trocknem Phosphor zuerst Chlor wirken lässt und hierauf 
dreifach Schwefelantimon Die resultirende Flüssigkeit wird destillirt 
und das bei 125°—1350 Uebergehende aufgefangen und mit Schwefel- 
natriumlösung vom Chlorantimon, Phosphoroxychlorid und Chlorarsen, 
wenn unreines Schwefelantimon angewandt war, gereinigt. Das reine 
Phosphorsulfochlorid siedet bei 124°, hat das specifische Gewicht 
1,631 und greift die Augen und Respirationsorgane heftig an. Die 
Reaktion von BCl; aufSbS; ist: 3PC, +2Sp Ss —=3PC1l,S3 + 2SbC];. 
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXII, 127). B. 8. 

S. Cannizzaro und A. Rossi, über die Radikale der 
aromatischen Alkohole, des Benzoö- Cumin- und Anisa- 
alkohols. — Wenn man überschüssiges Natrium auf den Chlorwas- 
serstoffsauren Aether des Benzoöalkohols mitwirken lässt, so wird die 
Flüssigkeit breiig und gelblieh, nach der Entfernung der organischen 
Substanzen mit Aether bleibt das Natrium mit einer blauen Verbin- 
dung überzogen zurück, die sich durch Einwirkung von Feuchtigkeit 
entfärbt, nnd man erhält Natrium, Chlornatrium und Natronhydrat. 
Verdampft man die ätherische Lösung: so erhält man das Radikal des 
Benzoäalkahols im unreinen Zustande in Blättchen krystallisirt. Durch 
Umkrystallisiren wird es gereinigt und man erhält dann das reine 
Benzyl (C;H,),, das bei 52,0 5 schmilzt und ohne Zersetzung bei 
2840 siedet; es ist unlöslich in Wasser, löslich in Alkohol, Aether 
und Schwefelkoblenstoff. Das Cuminyl erhält man bei Einwirkung 
von Natrium auf den Chlorwasserstoffsäure - Aether des Cuminalko- 
hols; es krystallisirt in weissem perlmutterglänzenden Blättern, die 
unlöslich in Wasser, aber löslich in Alkohol, Aether und Schweifel- 
kohlenstoff sind, es hat die Zusammensetzung (&ıoHıs)a. Ebenso ver- 
hält sich auch der Chlorwasserstoffsäure-Aether des Anisalalkohols 
gegen Natrium. Die Krystalle der beiden ersten Radikale gehören 


340 


dem 'monoklinometrisechen Systeme an und sind’ sich ziemlich ähnlich 
inihren Formen. (Ann. d. Chem. und Pharw. CXAT, 250) B.S. 

S. Cloöz, Wirkung des Broms und Chlors auf Holz- 
geist. Die Wirkung des Broms auf reinen Methylalkohol bezeich- 
net Verf. durch die Gleichung 2(6H40)+8Br.=&,HBr;9+H, 
-+-5HBr, den entstehenden Körper nennt er Parabromalid, da er 
dieselbe procentische Zusammensetzung wie das Bromal hat. Die Bil- 
dung eines Parachlorids geht analog vor sich. — (Journ. f. pract. 
Chem. Bd. 85. p. 356.) A 0. K. 

J. Davidson, über die Einwirkung des Bromäthy- 
lens auf Pyridin. — Pyridin und Bromäthylen gemischt, färben sich 
nach und nach braun und erhitzt man auf'‘100%, so erhält man eine 
Krystallmasse, aus der sich durch Behandeln mit Alkohol ein in sei- 
denglänzenden Tafeln krystallisirende Bromverbindung erhalten lässt. 
Sie ist leicht löslich in Wasser und in siedendem Alkahol und ergab 
die Formel €&;H, NBr, die aber zu verdoppeln ist: €)2HısNaBrz: 
GH,Brr + 26; H;, N=£)HuN» Bra da das Pyridin: C,H; N ist, so 
kann man die Verbindung rational formuliren: 

(&"Hs)N 


&H & 7 Br . D ch B h dl di V bi d it 
(« aHu) (SHN ) a. Durch Behandlung dieser Verbindung mi 


Chlorsilber erhielt man die entsprechende Chlorverbindung, deren Lö- 

sung mit Platinchlorid einen blassgelben Niederschlag giebt von der 

Zusammensetzung: Cj2 Hıs Na Pla As,— (ia N [oorıcı 
(&sH;)N 

Lässt man auf die Bromverbindung Silberoxyd wirken, so erhält man 

die entsprechende Basis. Aethylen der Pyridyldiammoniumhydrat: 


„ Lee." 26; H,) Na Ra] (9,— 612 Hıs Nz O2., 

ein sehr wenig beständiges Hydrat. — (Ann. d. Chemie u. Pharm. OBAT, 
254), B. 8. 

C. Eylerts, chemische Untersuchung der Runkel- 
rübe in verschiedenen Wachsthumsperioden, mit beson- 
derer Rücksicht auf ihre Verwerthung zur Zuckerfabri- 
kation. Pelouze und mit ihm die meisten Autoren nehmen an, dass 
in der Runkelrübe sämmtlicher Zucker als Rohrzucker enthalten sei. 
Allein schon Braconnot führt einen nicht krystallisirbaren Zucker an. 
Nach des Verfassers Untersuchungen kommt in allen Wachsthumspe- 
rioden der Rübe in progressivem Grade Traubenzucker neben Rohr- 
zucker vor, und zwar in den vom Verf. untersuchten Exemplaren in 
der zuckerarmen Rübe verhältnissmässig mehr Traubenzucker, als in 
der zuckerreichen der Gehalt an Wasser und fester Substanz scheint 
zu variiren, ebenso wie der Gehalt der festen Substanz an Eiweiss, 
Zucker und Holzfaser. Den Aschengehalt fand Verf. nicht so stark 
variirend wie Hochstetter. Der Gehalt an Rohrzucker, ist wie beim 
Traubenzucker bei der vollständigen Reife am grössten. — (Arch. d. 
Pharm.: II, Reihe Bd. CIX p. 105.) 0. &. 


341 


O.L.Erdmann, über die Erkennung von Bluttflecken 
in forensischen Fällen. — Das gewöhnliche chemische Verfah- “ 
ren zur Erkennung von Blut gründet sich bekanntlich auf die Aus- 
ziehung der verdächtigen Flecken mit Wasser und die Aufsuchung 
von Eiweiss in der Lösung, durch Erhitzen, Kaliumeiseneyanür, Gerb- 
säure, Millon’s Quecksilberregens u. s. w. Von noch beschränkterer 
Anwendung sind die Methoden, welche auf Nachweisung einzelner im 
Blute vorkommender Elemente, wie Stickstoff oder Eisen gegründet 
sind. Aber selbst ersteres Verfahren kann bei nicht sehr genauer 
mikroskopischer Untersuchung zu gleicher Zeit zu Täuschungen füh- 
Eine Alge Porphyridium cruentum Nägeli giebt dem Erdboden, auf 
dem sie vorkommt, das Aussehen als wenn er mit Blut getränkt 
wäre, sie giebt mit dem Erdboden zusammengetrocknet an Wasser 
oder verdünnte Kochsalzlösung rothe Färbung ab; Ihre Zellen zeigen 
unter dem Mikroskop eine bedeutende Aehnlichkeit mit den Blutkör- 
perchen, und der wässerige Auszug der Alge giebt alle Reactionen 
einer verdünnten Eiweisslösung. Von allen bekannten Methoden ist 
nur die Brückesche Umwandlung des Hämatin durch Kochsalz und 
Essigsäure in Häminkrystalle, im Stande bei Anwesenheit dieser Alge 
Abwesenheit des Blutes zu bestätigen. Da, wie H. Rose gezeigt, Ei- 
senoxyd und Thonerde mit dem Blutroth eine Verbindung bilden kön- 
nen aus der Wasser nichts des letzteren löst, so wäre es möglich, 
dass eine mit Blut getränkte Erde kein Resultat nach Anwendung der 
Methode von Brücke gäbe, das auf die Anwesenheit von Blut schlies- 
sen liesse. Zieht man aber derartige Erde mit Kalilauge aus, und 
versetzt die kalische Lösung mit Chlorwasser, so entstehen nach 
H. Rose bei Anwesenheit von Blut weisse Flecken. Erdm. hat nun 
gefunden, dass diese Flecken der Brückeschen Methode unterworfen 
Häminkrystalle, oder wenigstens diesen ähnliche Gebilde liefern, so 
dass auch hier ein sicheres Kriterium für die Anwesenheit von Blu 
gewonnen wird. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 1.) 0. E. 

A.Freund, Beiträge zuı Kenntnissder phenylsch wef- 
ligen und der Phenylschwefelsäure. — Die phenylschweflige 
Säure wurde erhalten durch Auflösen von reinem Phenylwasserstoff, 
erhalten durch Destillation von Benzoösäure mit Kalk, in concentrir- 
ter reiner Schwefelsäure. Diese Lösung verdünnt und mit kohlen- 
saurem Baryt gesättigt, abfiltrirt eingedampft und gelöst, liess beim 
Concentriren phenylschwefligsauren Baryt auskrystallisiren, aus wel- 
chem durch doppelte Zersetzung das Kupfer und Silbersalz darge- 
stellt und analysirt wurde. Aus dem Kupfersalz kann durch Schwer 
felwasserstoff die phenylschweflige Säure abgeschieden werden, welche 
in zerfliesslichen feinen Nadeln unter der Glocke der Luftpumpe über 
Schwefelsäure krystallisirt. Bei der trockenen Destillation der Säure 
geht zuerst Wasser über, dann Phenylwasserstoff und Sulfobenzid. 
Verf. überzeugte sich durch vergleichende Versuche dieses Sulfoben- 
zids und eines nach der Methode von Mitscherlich dargestellten, 
dass der Schmelzpunkt höher liegt als bisher angenommen, nämlich 


342 1 


bei 1280 C. Ausserdem treten bei der Destillation noch Schwefel- 
säure, schwefliche Säure, und etwas phenylschwefelige Säure auf und 
Kohle scheidet sich ab. Die Phenylschwefelsäure und ihre Salze 
stellte der Verf. aus Phenylalkohol und Schwefelsäure dar; er analy- 
sirte das Kupfer-, Kobalt-, Nickel-, Kali- Silber- und Magnesia - Salz. 
Das Kupfersalz wurde in drei verschiedenen Krystallformen erhalten, 
die im Wassergehalte variirten. Die Säure selbst, aus dem Kupfer- 
salze dargestellt, krystallisirt unter der Glocke der Luftpumpe, scheint 
sich dabei aber schon etwas zu zersetzen. Bei der trockenen Destil- 
lation zerlegt sich die Säure hauptsächlich in Phenylalkohol und 
Schwefelsäure nebenbei treten schweflige Säure und Kohle auf. — 


(Journ. f. pract. Chem. Bd. 85, p. 486.) 0. &. 
H. Hlasiwetz, über einige Xanthinsäureverbindun- 
gen. — Hlasiwetz stellte verschiedene Salze der Xanthinsäure dar, 


indem er xanthinsaure Alkalien mit den Chloriden der betreffenden 
Metalle in Schwefelkohlenstoff zusammenbrachte und denselben ver- 
dunsten lies; am besten nimmt man Natriumalkoholat, mischt dies mit 
überschüssigem Schwefelkohlenstoff und setzt dann die Chloride hin- 
zu ; das entstandene Chlornatrium wird abfiltrirt und aus dem Filtrate 
durch Verdunsten das betreffende Salz erhalten. Es ‘wurden in die- 
ser Weise folgende Verbindungen dargestellt: xanthinsaures Arsen: 


As ( cö 2 Na lt 8iEß 
At 3 Nac.n, - 3 Fasscan96 
xanthinsaures Antimon, xanthinsaures Wismuth, beide entsprechend 


dem vorigen zusammengesetzt, xanthinsaures Zinn cö 8, xanthin- 
Sn 5 H; 


saures Quecksilber cd ) S.. xanthinsaures Eisen, in sehr schö- 
Hg C,H, 


‘1 
nen und grossen, Krystallen ns €,H,@® xanthinsaures Chrom 


309 S$6 xanthinsaures Kobalt €9 Is, xanthinsaures Nik- 
Cra. 3 (£a H3;)\ = Co. Ca H,) 


kel c8 Is.. Lässt man Jodstickstoff auf Xanthinsäure einwir- 
N1. (&H5)) 


ken, so erhält man nicht 3C0 S6, sondern unter Ammoniak- 
N.3 (€, H;) 
entwicklung das bisulfokohlensaure Aethylpersulfuret: &5 Hj002%8:. 
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CRAXL, 87). BNS: 
H. Kolbe, über die chemische Constitution des 
Asparagins und der Asparaginsäure. — Man betrachtet ge- 
wöhnlich das Asparagin als Diamid der Apfelsäure und die Asparagin- 
säure als Aminsäure, da beide durch salpetrige Säure in Apfelsäure 
übergeführt werden. Diese Ansicht hat Manches gegen sich. So ist 
das Malamid, das Diamid der Apfelsäure, aus Ammoniak und Apfel- 
säureäther erhalten, nur isomer mit dem Asparagin: ausserdem wei 


343 


chen sie auch von mit ihnen verglichenen Verbindungen, dem Oxamid 
und der Oxaminsäure wesentlich ab; letztere wird durch Kocher mit 
Kalilauge wie alle Aminsäuren in Ammoniak und die betreffende 
Säure zerlegt, bei der Asparaginsäure ‘ist dies aber nicht der Fall, 
sondern sie hält immer Stickstoff zurück, wie auch das Asparagin, 
so dass das eine Stickstoffatom in einer innigern Verbindung als das 
andere sein muss. . Nach allen Reaktionen nun gehört die Asparagin- 
säure zn den Amidosäuren und leitet sich von der Bernsteinsäure ab, 
indem sie ein Atom Amid an der Stelle eines Wasserstoffatoms des 
Radikals der Bernsteinsäure enthält; sie wäre also Amidobernstein- 
saure und das Asparagin die Aminsäure der oh 
Amidosuccinaminsäuren : 


2HO (C,H,) ern O2 Os Bernsteinsäure. 


HO(C,H3,) ee H; NO Suceinaminsäure. 


2HO ah &0. O,Asparaginsäure 


HO Cu xLo fon 0:] Ha NO Asparagin 


Die Asparaginsäure zerfällt nicht ähnlich dem correspondirenden Ala- 
nin beim Erhitzen in Kohlensäure und Aethylamin; sie zerlegt sich 
erst bei hoher Temperatur unter Bildung von Cyanammonium und 
Blausäure; sie ist eine schwache zweibasische Säure, das Asparagin 
eine einbasische. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAI, 232) DB. S. 

Th. Korovaef, der Kischtim-Parisit, ein neues Mi- 
neral. Das Mineral wurde in den Goldwäschen am. Elusse Bor- 
sowska der Kischtimskischen Werke am Ural gefunden, und besteht 
nach der qualitativen Analyse aus Wasser, Fluor, Kohlensäure, Cer- 
oxyd Lanthanoxyd und Didymmoxyd. Der Verf. berechnet nach der 
qualitativen Analyse drei Formeln 

6La0,C03-+(Ce3s03-+ Cez Fl; +2HO) oder 


6La0,C0,-H2 (Ce, O4-+HO) oder 


3La0,C0,-+ Ce; (Fe, O0); +HO. Den Hauptunterschied von 
dem Parifit ersieht man am besten aus der Vergleichung mit der von 
Bunsen für letzteren aufgestellten Formel 


LaO, 
CaFl+3 Ce0) CO,-+HHO.— 
DiO 


(Journ. f. pract. Chem. Bd. 85. p. 442). 0. &. 


A. Kromayer, Ueber das Syringin.— In der Rinde, nicht 
in den Blättern von Syringa vulgaris fand Verf das Syringin, einen 
krystallinischen Bitterstoff. Unter dem Einfluss verdünnter Salzsäure 
zerlegt es sich in einen neuen Körper von neutralen Eigenschaften 
Syringamin und in gährungsfähigen Zucker. Neben Syringin kommt 
in allen Theilen der Syringa vulgaris ein bitter schmeckender Kör- 
per vor, welchen der Verf, Syringopikrin genannt hat und der viel- 


344 


leicht nur ein Oxydationsproduct ist, während der Mannit mit dessen 
Auftreten das Syringin in der Pflanze verschwindet durch einen Re- 
duetionsprocess aus dem in den Syringin enthaltenen Kohlenhydrat 
entstanden sein kann. — Arch.d. Pharm. zu R. Bd. CIXp. 18. 0.K. 

A. Kromayer, über das Enzianbitter. — Bei den bishe- 
rigen Untersuchungen des Bitterstoffes der Enzianwurzel ist entweder 
ein nicht bitterer krystallisirbarer Körper, die Enziansäure, erhalten 
worden, oder nur ein nicht krystallisirbarer bitterer Körper. Verf. 
schreibt das theilweise Misslingen der bisherigen Arbeiten darüber 
dem Umstande zu, dass nur aus der frischen Wurzel das Enzianbitter 
sich mit Leichtigkeit darstellen lässt; in der getrockneten dagegen 
zum Theil oder ganz verändert zu sein scheint. Seine Eigenschaft 
von gekörnter Knochenkohle fast vollständig feiner Lösung entzogen 
zu werden, lässt sich am besten zu seiner Reindarstellung verwenden. 
Der mit Wasser gewaschenen Knochenkohle wird es durch kochen- 
den Weingeist entzogen. Der Bitterstoff, vom Verf. Gentiopikrin ge- 
nannt krystallisirt in farblosen Nadeln, schmeckt stark und rein bit- 
ter, lösst sich sehr leicht in Wasser und reagirt neutral. Die Ana- 
lyse ergab die Formel €,,H30 912 zu der wahrscheinlich noch zwei 
Atome Krystallwasser gehören, welches aber beim Liegen des Kör- 
pers an der Luft zum Theil verloren geht. Durch verdünnte Säuren 
wird das Gentinpikrin in gährungfähigen Zucker und einen neuen 
Körper Gentiogenin zerlegt; Verf. drückt diese Schaltung durch die 
Formel 


£»oHa0&ız —= Ci Hıs&5 + HH $ + 6 Hı2 95 aus. 
Gentiopikrin Gentiogenin Gurke. 


Arch. d. Pharm. I Reihe Bd. CX p. 27. 0. &. 


J. Löwenthal und E. Lenssen, chemische Untersu- 
chungen. — Dem Ziele nachstrebend, vielleicht die Affinitätsgrössen 
der Körper in Zahlen ausdrücken zu können, stellten Verff. eine Reihe 
von Versuchen an, aus denen sich gewisse Gesetzmässigkeiten der 
Affinitätserscheinungen folgern. Sie bedienten sich dazu der Methode 
Säuren und Salze auf Zucker einwirken zu lassen und die Quantität 
des veränderten Zuckers für die jedesmaligen Umstände zu ermitteln. 
Vorher überzeugten sie sich natürlich so wohl, dass Parallelversuche 
dieselben Resultate ergaben; als auch davon, wie weit die Quantitä- 
ten Zeit und Temperatur von Einwirkung und in Rechnung zu zie- 
hen sei. Indem wir hinsichtlich der grossen Reihe von Versuchen 
auf die Originalarbeit verweisen müssen, geben wir nur die Schlüsse 
zu denen dieselben zu berechtigen scheinen. 1. Die Säuren haben Ver- 
wandschaft zum Wasser. 2. Die Löslichkeit der Neutralsalze einba- 
sischer Säuren ist eine Verwandischaftsäusserung, welche sogar andere 
Verwandtschaftsäusserungen beeinträchtigen kann. 3. Das Wasser zer- 
setzt viele Salze einbasischer Säuren, gerade als ob es eine Base wäre. 
4. Die Salze mehrbasischer Säuren haben eine Verwandschaft zu je- 
dem Aequivalent einer hinzutretenden mehrbasischen Säure, und üben 
hiebei eine eigene Massenwirkung aus. 5. Die mehrsäurigen Basen 


345 


verlieren ihren basischen Charakter um so mehr, je mehr Sauerstoff- 
aequivalente sie enthalten. — (Journ. f. pract. Chem. bad. 85 p. 321 u. 
401.) 0. K. 
E. Lenssen, eine Diffusionserscheinung. — In 2. der 
Schlüsse voriger Arbeit ist enthalten, dass die Salze einbasischer 
Säuren eine Verwandschaft zum Wasser ausüben, welche z. B. die 
Verwandtschaft einer mitanwesenden Säure zum Wasser beeinträch- 
tigen, dieselbe also concentrirter machen kann. Ist diese Ansicht 
richtig, so wird z. B. Salzsäure in Wasser schneller diffundiren bei 
Anwesenheit von Kochsalz, als ohne dasselbe. Kochsalzlösung da- 
.gegen langsamer bei Anwesenheit von Salzsäure als in reinem Was- 
ser. Der Versuch bestätigte die Annahme und somit mittelbar die 
Resultate der vorhergehenden Arbeit. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 


85. p. 416). 0. K. 
J.v. Liebig, DarstellungvonJodlithium, Jodcalcium, 
Jodkalium, Jodnatrium. — Uebergiesst man zerriebenen rothen 


Phosphor mit warmem Wasser, setzt Jod hinzu und reibt das ganze 
durcheinander, so erhält man eine dunkelbraune Flüssigkeit, die beim 
Erwärmen schnell ihre Farbe verliert; dann wird sie mit Baryt bis zu 
schwach alkalischer Reaktion gesättigt, hierauf filtrirt man vom phos- 
phorsauren Baryt al und erhält aus dem Filtrat durch Eindampfen 
Jodbaryum. Sättigt man statt mit Baryt mit Kalkmilch, so erhält 
man Jodcaleium. Durch Fällung der Lösung von Jodbaryum oder 
Jodcalecium mit kohlensaurem Lithion erhält man Jodlithium; man er- 
hält dasselbe auch, indem man eine Mischung von Phosphorsäure und 
Jodwasserstoffsäure direkt mit kohlensaurem Lithion sättigt. In ent- 
sprechender Weise erhält man durch Fällen mit kohlensaurem Kali 
oder Natron Jodkalium und Jodnatrium. (Ann. d. Chem. und Pharm. 
CAAI, 222.) 3.8. 
A. v. Lourenco, über die Polyäthylenalkohole. — 
Verf. hat früher gezeigt, dass beim Erhitzen von Glykol mit Brom- 
äthylen auf 110 bis 1200, Diäthylenalkahol, Bromwasserstoff- Glykol 
und Wasser entsteht. Dnrch höheres Erhitzen und Verminderung 
des Luftdruckes gelang es Verf. noch die Tri- Tetra- Pent- und Hex- 
äthylenalkohole darzustellen. Die bekannten Reactionen nach denen 
Polyäthylenalkohole entstehen sind demnach, 1. Wirkung von Brom- 
äthylen auf Glykol, 2. Wirkung des Aethylenoxydes auf Glykol 3. Wir- 
kung von Säuren auf Glykol im Ueberschuss und Verseifung des Po- 
lyäthylenacetats. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 89.) 0. K. 
H. Ludwig, Mittheilungen aus dem Laboratorium 
des chemisch-pharmaceutischen Institutes. — 1.Prüfung 
der rohen Potasche auf Jodgehalt von W. Lange. rohe illy- 
rische Potasche wurde ungefähr mit dem doppelten Gewichte Wasser 
ausgelaugt, die Lauge eingeengt und von den Krystallen getrennt, 
dann mit Alkohol behandelt, welcher nach dem Verdunsten einen ge- 
ringen Salzrückstand hinterliess, welcher mit Stärke, salpetrigsaurem 
Kali und verdünnter Salpetersäure eine intensiv blaue Färbung her- 


XXL 1863, 23 


346 


vorrief. Die Krystalle des kohlensauren Kalis waren jodfrei. 2. Ana- 
lyse des Kieselguhrs von Hermannsburg im Hannö- 
verschen v. H. Ziegler. 10,40 p. C. Wasser; 84,15 Kieselsäure, 
1,40 Thonerde, 0,70 Eisenoxyd Manganoxydul Spuren 1,75 kohlens. 
Kalk, 1,10 kohlensaure Talkerde, 0,25 Kali. Die Kieselsäure ist bis 
auf eine nicht bedeutende Verunreinigung durch Sand in Kalilauge 
auflöslich. 3. Kupfer- und Bleigehalt des Dolomits vom 
Hausberge bei Jena konnte in eingesprengten Pünktchen mit schwar- 
zem Kerne nachgewiesen werden. 4. Chlorgehalt verschiedener 
Mineralien. W. Lange. Untersucht wurden 1. Porphyr vom Thü- 
ringer Walde 2. Glasiger Feldspath vom Trachyt des Siebengebirges- 
3. Feldspath aus Granit. 4. Kaliglimmer aus dem Erzgebirge. 5. Mag- 
nesiaglimmer aus dem Zillerthale. 6. Basaltische Hornblende. Sie ent- 
hielten alle ausser Nr. 5 wenigstens qualitativ nachweisbare Mengen von 
Chlor.—5.Unguentumhydrargyricinereumchemiceparatum. 
Nachdem Verf. die grosse Masse Vorschriften zur Bereitung der Quecksil- 
bersalbe durchgegangen schlägter vor, aus einer verdünnten Lösung von 
salpetersaurem Quecksilberoxydul mittelst Einleiten von schwefliger 
Säure das Quecksilber zu reduciren. Nach dem Absetzen lassen, 
Decantiren und mehrmaligen Abspülen mit Wasser ist das Queck- 
silber noch so fein zertheilt, dass es in kleinen @ortionen zu dem in 
einer Reibschale befindlichen Fette gemengt, sich mit grosser Leich- 
tigkeit extinguiren lässt. 6. Goldhaltige Schwefelkiese, von 
fünf Sorten dem Verf. aus Californien zugekommenen krystallisirten 
enthielten drei Gold und Spuren von Chlorsilber, zwei nichts davon. 
Ein Theil des Goldes lässt sich schon durch Schlämmen gewinnen. 
Einzelne silberweisse den schon verwitternden Schwefelkies beglei- 
tende Körner waren ein Amalgam von Gold, Silber und Quecksilber. 
Ausserdem enthielten die Kiese Spuren von Arsen. Die ausgebilde- 
ten Krystalle entsprachen der Formel FeS,. Die Untersuchung eines 
sibirischen Schwefelkieses ergab neben einem Goldgehalt kein Arsen 
aber Spuren von Kupfer und Blei. In allen untersten Sorten goldfüh- 
render Kiese findet sich aber das Gold sehr ungleichmässig vertheilt. 
Die Analyse eines californischen Platinerzes ergab fast die- 
selbe Zusammensetzung wie das von Deville und Debray analysirte 
Oregonmineral, unterschied sich aber durch einen Gehalt an Queck- 
silber. 7. Qualitative Nachweisung des Jodsin der Vero- 
nica Beccabunga gelang in der Asche von einem Pfunde,des blü- 
henden am fliessenden Wasser gesammelten Krautes. — (Arch. d. 
Pharm. II. Reihe Ba. CX p. 1 u. 97.) 0. &. 
Ed. Menetries, über die bei der Einwirkung von 
Bromäthylen auf Strychnin entstehenden Verbindungen. 
— Strychnin und Bromäthylen in einer Glasröhre eingeschmolzen und 
eine Viertelstunde lang im Wasserbade auf 1009 erhitzt, vereinigen 
sich zu gleichen Molekülen, wie Bromäthylen und Trimethylamin nach 
Hofmann. Die Verbindung krystallisirt aus Wasser in seidenglänzen- 
den Blättchen. Analog der von Hofmann dargestellten Verbindung 


347 


1 £ı Ha 93) 
Cs H,Br 


giebt Verf. ihr die Forme der mit der die Analyse über- 


einstimmt, Verf. nennt die Verbindung Strychnin- Bromäthylbromür. 
Mit salpetersaurem Silberoxyd behandelt bildet die Hälfte des Broms 
Bromsilber und man erhält im Filtrat ein neues Salz: salpetersaures 
Strychninbromäthyl. Analog lässt sich das schwefelsaure Strychnin- 
bromäthyl darstellen. Fällt man in letzterem Salze die Schwefelsäure 
mit Barytwasser, den überschüssigen Baryt kochend mit Kohlensäure, 
so resultirt eine alkalisch reagirende Flüssigkeit, welche eine Ammo- 
niumbase ist, das Strychninbromäthylammoniumoxydhydrat, denn mit 
Salzsäure versetzt liefert sie ein krystallinisches Salz, welches mit 
Platinchlorid ein Doppelsalz bildet, dessen Formel 


ana GIHPtEIs) Die rationelle Kormel) der Bäsis wäre Aemmach 
La H,Br B 


&2 Hz N2 93 


£,H,Br)0 die Basis selbst konnte der Verf, nicht in krystalli- 
H 


sirtem Zustande erhalten. Dem primitiven Strychninbromäthylbromür 
können beide Atome Brom durch Digeriren. mit frischgefälltem Sil- 
beroxyd entzogen werden. Die Flüssigkeit färbt sich dabei plötzlich 
weinroth, und reagirt dann stark alkalisch unter Umsetzung, wie Verf 
annimmt, des Radikals Aethylin Vinyl. Der neu entstandenen Basis: 
Strychninvinylammoniumoxydhydrat entspricht die Formel 

£aı Haı Na 9% 

eu @. Die Basis ist krystallisirbar. Verf. beschreibt einige 


Reactionen derselben und die Darstellung einiger Salze. Durch Ein- 
wirkung der Salpetersäure auf die beiden zusammengesetzten Basen 
gelang es Verf. Verbindungen zu erhalten, welche denen analog sind, 
welche durch Einwirkung von Salpetersäure auf Strychnin erhalten 
werden. Auch stellte Verf. ein Trichlorstrychninvinyl dar, analog 
dem von Pelletino erhaltenen Chlorsubstitutionsproducte des Strych- 


nins, — (Journ. f. pract, Chem. Bd. 85 ». 230.) 0. K. 
R. Müller, Beitrag zur Kenntniss der Untersalpe- 
tersäure. — Die Reactionen der Untersalpetersäure mit Schwefel- 


säure ebenso wie Gay-Lussac’s NOCI veranlassten schon früher die 
Annahme eines Radikals NO, um diese Ansicht zu stützen wurden 
von Müller Versuche angestellt. Die aus salpetersaurem Blei dar- 
gestellte Untersalpetersäure wurde in einer Uförmigen Röhre, die in 
einer Kältemischung stand, mit Salzsäuregas behandelt, bis kein Gas 
mehr absorbirt wurde. Die erhaltene rothe Flüssigkeit siedet schon bei 
— 100, indem hier Chlor entweicht, bei — 50 verschwand der Chlorgeruch, 
nun wurde das bis-+b0 übergehende, dann das bis -- 120 und die über 
609 restirende Flüssigkeit gesammelt, welche letztere sich als Salpe- 
tersäure erwies.‘ Die zwischen — T0und + 5° und -+ 50und 120 überge- 
gangenen Flüssigkeiten zeigten bei der Analyse nicht den Chlorgehalt, 
23° 


348 


den eine Chlorverbindung von N®, oder N$ hätte haben müssen; nach 
abermaligem Destilliren der Flüssigkeiten zeigte die bei — 50 über- 
gehende ungefähr die Zusammensetzung NO CI und die bei +5°N0z0l. 
Das specifische Gewicht der letztern Substanz ergab sich als 1,32, die 
Dampfdichte = 2,52. Im optischen Verhalten zeigen die beiden Flüs- 
sigkeiten durchaus keinen Unterschied. Mit Wasser zersetzt sich die 
Verbindung sogleich: i 
N 


N9,01+H,0— 0+H Cl. 
die Reaction der Untersalpetersäure mit Salzsäure ist daher folgende: 
4N + 3HCI—2NEC1-+ No,Cı +" 5% 94H;2. 


Lässt man Untersalpetersäure auf Phosphorsuperchlorid in einer U- 
förmigen Röhre einwirken, so entwickelt sich Chlor und in der Vor- 
lage sammelt sich eine rothe Flüssigkeit; nach der Entfernung des 
Chlors lag der Siedepunkt derselben ungefähr bei— 5° und sie zeigte 
bei der Analyse die Formel N@Cl. Die in der Röhre zurückgeblie- 
bene Flüssigkeit wurde destillirt; bei 200—300 ging Untersalpeter- 
säure, über 1100 Phosphoroxychlorid über; die Reaktion war also: 
N, +PC,—=N$Cl-+Cl-+-PC1 0. 

Dass hier uur eine Chlorverbindung gebildet wurde, rührt vielleicht 
daher, dass hier dampfförmige Untersalpetersäure und bei dem ersten 
Versuche flüssige angewandt wurde, da in der dampfförmigen die 
Moleküle anders geordnet; es wurde nämlich durch Versuche gefun- 
den, dass die Formel der flüssigen Untersalpetersäure die doppelte 
von der gasförmigen sein müsste und man könnte bequem für sie die 


Formel aufstellen N @&. Auf feinzertheilte Metalle kann man die 


Untersalpetersäure leicht einwirken lassen, indem man beide bei — 
10° mengt: es entsteht unter Entbindung von Stickoxyd salpetersau- 


Mit Metalloxyden liefert die But a ir a salpetersaure Salze 
und salpetrige Säure, so verläuft z. B. die Reaktion mit Bleioxyd nach 


der Gleichung: 2NoY® +-Pb,9=2 N n 8-+-N, 8; 


Die schon früher von Weltzien ee Reaktion der Untersal- 
petersäure auf Schwefelsäure wurde wiederholt und für die erhaltene 
Verbindung die Formel gefunden: SO,HO-+-SO;NO, oder typisch 
unter Verdoppelung des Moleküls: 


Eh 

nn NO: also war die Reaktion: 
n 

Ha 

H.H Nat Hl „No.No% 

in NE HI 80 | a 


(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXÄI, 1. B. 8. 


349 


Th. Peckoldt, über den Bitterstoff der Samen von 
Feuillea cordifolia Voll. — Die Schlingpflanze, deren Samen 
in der Pharmacie Anwendung finden gehört zur Familie der Nhandiro- 
been. Bei Untersuchung der Samen derselben fand Verf. hauptsäch- 
lich ein fettes Oel, einen Bitterstoff, (den er vorläufig Feuillin nennt, 
und dessen Reactionen er beschreibt, kleine, aus farblosen unregel- 
mässigen Täfelchen bestehende Krystalle) krystallinische Fettsäuren, 
Harze, Gummiartige Substanz, eisengrünenden Gerbstoff und Glückose. 
Auch von den anderen Substanzen werden einige Reactionen erwähnt. 
— (Arch. d. Pharm. II Reihe Bd. CIX p. 219). 0. K. 

M. Pettenkofer, Darstellung von Jodkalium mit- 
telst schwefelsauren Kalis. — Gewöhnlicher Phosphor wird 
mit heissem Wasser übergossen, darauf Jod eingetragen und das 
ganze zusammengerieben; die klare Flüssigkeit wird mit Kalkmilch 
bis zur alkalischen Reaktion versetzt. Das Filtrat vom phosphor- 
sauren und phosphorigsauren Kalk, Jodcaleium enthaltend, wird mit 
schwefelsaurem Kali versetzt; man filtrirt dann vom schwefelsauren 
Kalke ab und reinigt das Jodkalium vom überschüssigen Kalke durch 
Zusatz von schwefelsaurem Kali. Man erhält dann beim Abdampfen 
des Filtrats reines Jodkalium. (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXATI, 215). 

B.S. 

A. Petzold, zur Naturgeschichte der Torfmoore. 
Verf. theilt eine Reihe Aschenanalysen von Torf mit, theils aus dem 
Moore von Aromdus, dem schon die frühere Arbeit (siehe dies Journ.) 
gewidmet war, theils aus einem Grünlandsmoor aus der nächsten 
Nähe von Dorpat, mit, um womöglich aus den Analysen nachzuweisen, 
welcher Art die Pflanzen waren, welche zur Bildung des Torfmoores 
dienten, und ob die Pflanzen zu allen Zeiten der Bildung des Lagers 
dieselben waren. Zu endgültigen Resultaten ist der Verf. daraus noch 
nicht gekommen. — (Arch. u. Pharm. Il. Reihe Bd. CIXp.227) O.K. 

A. Riche, über Phensäure und Benzin. Verf. stellte 
Phenylchlorür, welches er einfach Chlorbenzin nennt, durch Destilla- 
tion von Phosphorchlorid mit Phensäure dar. Das einfache Chlorben- 
zin wird von concentrirter Salpetersäure in einen krystallisirbaren 
Körper verwandelt, der Benzin ist, in welchem zwei Aequivalente Was- 
serstoff, das eine durch Chlor das andere durch NO% ersetzt sind, 
Durch Ammonium - Sulfhydrat entsteht hieraus eine feste Basis vom 
Geruche des Anilins, die sich durch ihre Reactionen als Chloranilin 
erkennen lässt. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 374). O.K. 

H. Ritthausen, über die Bestandtheile des Weizen- 
klebers. In dem Weizenkleber wurden drei proteinartige Substanzen 
unterschieden. Pflanzenfibrin, Pflanzenleim (Glutin) und eine dem 
Casein sehr ähnliche Substanz, welche auch von Dumas und Cahours 
sowie von v. Bibra Casein genannt ist, und wahrscheinlich identisch mit 
dem von de Saussure und Berzelius untersuchten Muein ist. Die Ar- 
beit des Verf. beschäftigt sich hauptsächlich mit der Reindarstellung 
des Casein und des Glutin. Die Bestimmung des Schwefelgehaltes 


350 


geschah nach der Rühling-Liebigschen Methode, schmelzen mit Aetz- 
kali und Salpeter, und ergab für das Casein einen viel höhern 
Schwefelgehalt als der von v. Bibre und Mulder gefundene, so dass 
sich danach das Casein und der Pflanzenleim im Schwefelgehalt nicht 
von einander unterscheiden, das vom Verf. möglichst rein dargestellte 
Pflanzencasein zeigt aber abgesehen vom Procentgehalte, doch so 
wesentliche Abweichungen von dem gewöhnlichen Casein, dass er 
dafür den Namen Para-Casein vorschlägt, wenn man den ältern Mu- 
cin nicht bestehen lassen will. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 
193.) 0. &. 


R.Günsberg, über die in Wasser löslichen Bestand- 
theile des Weizenklebers.— Es findet sich nach Verf. bis jetzt 
nicht angegeben, dass der Kleber auch in Wasser lösliche Bestand- 
theile enthalte. (Ritthausen sagt in der nebenbei referirten Abhand- 
lung dass sich der Pflanzenleim etwas in kochendem Wasser löse, 
was er bis jetzt auch noch nicht angegeben finde.) Es gelang ihm 
aber durch Kochen von 25 Pfund Kleber während einiger Stunden 
mit Wasser in demselben zwei Körper aufgelöst zu erhalten, einen 
beim Erkalten sich abscheidenden leimartigen, und einen auch in kal- 
ten Wasser löslichen Körper. Bei der Behandlung des Klebers mit 
Weingeist werden diese beiden Körper ebenfalls erhalten, der in ko- 
chendem Wasser lösliche Körper ist nichts anders als der Leim des 
Klebers; den in kaltem Wasser löslichen Körper wird Verf. erst der 
Untersuchung unterwerfen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 213.) 


0. K. 
Fr. Rochleder, über Saponin und Cainein und deren 
Spaltungsproducte. — Nachdem Bolley in einer Zusammenstel- 


lung der Untersuchungen über das Saponin die Differenz der erhal- 
tenen Resultate wohl constatirt, aber ihren Grund nicht aufzufinden 
vermocht, unternahm der Verf, eine erneute Untersuchung, aus der 
hervorgeht, dass das nach der bisherigen Darstellungsweise erhaltene 
Saponin nicht rein ist, sondern von weniger Kohlenstoff haltenden 
Körpern begleitet war, von denen es, durch seine Eigenschaften mit 
Baryt eine unlösliche Verbindung zu bilden, ebenso mit Kali in wein- 
geistiger Lösung, befreit werden kann. Andererseits findet R. dass die 
Spaltung in Sapogenin und Zucker nur schwer vollständig zu erreichen 
ist, und dass daher die bisherigen Untersuchungen ein Sapogenin, das 
mehr oder weniger Zucker enthielt, betrafen. Da der abgeschiedene 
Zucker nicht Traubenzucker ist, so rechnet Verf. das Saponin auch 
nicht zu den Glykosiden, sondern Glycose-geniden. Die Zusammen- 
setzung und vollständige Zersetzung des Saponin veranaektaulighg 
Verf. demnach durch die Formel 


&ss Hıos 9 +4 H2 9 —= 23H 04 +6 (€ Hı296) 
Ein analoges Verhalten zeigt auch das Caincin, welches bei seiner 
Spaltung durch Säuren ebenfalls das letzte Aequivalent des Kohlehy- 
drates sehr fest gebunden behält. Eine Untersuchung liess dann auch 


351 


das Sapogenin und Caincetin als homologe Körper einerReihe C,H2n— 4 
84 erscheinen. — (Journ. f. praet. Chem. Bd. 85 p. 275). O.K. 
Salm-Horstmar, über die Nothwendigkeit des Li- 
thions und des Fluorkaliums zur Fruchtbildung der 
Gerste. Aus den Versuchen des Verf. geht hervor, dass in künst- 
lichen Bodenmischungen bei Abwesenheit von Lithion und Fluorkalium 
die Gerstenkörner zwar wachsen, aber keine Frucht tragen zu können 
scheinen; dass-aber auch bei Anwesenheit derselben Baryt, Blei oder 
Kupfer zur Fruchtbildung nothwendig ist — (Journ. f. pract. Chem, 


Bd. 85 p. 140). 0. &. 
G. A. Schmidt, über die Reductionsproducte des 
Nitroazoxybenzids. — Bei der Reduction des Nitroazoxybenzids 


durch Schwefelammonium hat Zinin eine noch nicht näher untersuchte 
Base gefunden. Verf. fand, dass bei diesem Process zwei Basen ent- 
stehen, die sich durch ihre Löslichkeit in Wasser unterscheiden. Da 
er vorerst nur die in Wasser löslichern der Untersuchung unterwor- 
fen, so behält er sich die Erklärung des Processes, welcher bei Ein- 
wirkung des kochenden, alkoholischen Schwefelammonium auf Nitroaz- 
oxybenzid stattfindet, noch vor. Er beschreibt die Darstellung und 
Eigenschaften der neuen Base und giebt ihre procentischen Zusam- 
mensetzung an. Das schwefelsaure, oxalsaure, salzsaure Salz und die 
Chlorplatinverbindung der Base wurden ebenfalls dargestellt und der 
Analyse unterworfen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85,9. 35). 0.K. 
W. Seekamp, über die Zersetzung der Oxalsäure 
durch Sonnenlicht. — Schon Döbereiner bemerkte, dass oxal- 
saures Eisenoxyd im Sonnenlichte in oxalsaures Eisenoxydul und Koh- 
lensäure zerfiele: Fe&033 C30;—2(Fe 0,0, 0;) + 2CO,. und Platin- 
ehlorid, Goldchlorid und Iridiumsalmiak durch Oxalsäure im Lichte 
reduceirt würden. Später wurde noch von Niepce und Corvisart be- 
merkt, dass salpetersaures Uranoxyd die Zersetzung der Oxalsäure 
bedeutend begünstige. In letzterer Richtung wurden von Seekamp 
die Versuche wiederholt. Wird eine Lösung von Oxalsäure mit sal- 
petersaurem Uranoxyd im Dunkeln aufbewahrt, so ist keine Zersetzung 
bemerkbar, beim auffallenden Sonnenlichte aber entwickeln sich so- 
gleich Gasblasen mit grosser Heftigkeit; die Flüssigkeit scheidet nach 
und nach ein grünes krystallinisches Pulver ab, wird farblos, reagirt 
sauer und enthält keine Oxalsäure mehr, Das entweichende Gas wurde 
aufgefangen und als ein Gemenge von Kohlensäure mit Kohlenoxyd 
erkannt; der krystallinische Niederschlag war oxalsaures Uranoxydul 
und die sauer reagirende Flüssigkeit enthielt Salpetersäure und eine 
organische Säure. Bei einem zweiten Versuche, wo der Oxalsäure- 
lösung oxalsaures Uranoxyd zugesetzt wurde, verliefen die Reaktionen 
in derselben Weise und die organische Säure gab sich hier leicht als 
Ameisensäure zu erkennen, so dass die Zersetzung dargestellt wer- 


den kann: E% 9%a—=609+69-+H,0 und ein Theil Wasser hatte 


sich dann mit Koblenoxyd im status nascens verbunden und Amei- 


352 


BIER AD 
sensäure gegeben: €9-+- | —m 10 
H c0 
Uranoxyduls lässt sich durch die Gleichung darstellen: 


Die Bildung des oxalsauren 


9 fe 

a \o+240— 30 0,4200, 0. 

(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAIJ, 113.) B. S. 
R. Wildenstein, chemische Untersuchung der heis- 

sesten Mineralquelle zu Burtscheid. — Aus der Verglei- 


chung mit den früheren Analysen von Monheim und Lersch scheint 
die Quelle sich in ihrer Zusammensetzung nicht zu ändern. Das 
Wasser scheint verhältnissmässig viel Cäsium und Rubidium zu ent- 
halten. Hinsichtlich der übrigen Resultate der Analyse verweisen 
wir auf die Abhandlungen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 100.) 
0. K. 

A. Wurtz, über die Oxäthylenbasen. — Wenn man Am- 
moniak auf Aethylenoxyd wirken lässt, das Produkt eindampft und 
mit Salzsäure neutralisirt, so erhält man ein Gemenge salzsaurer 
Salze, die mit wasserfreiem Alkohol von einander getrennt werden 
können; nur das salzsaure Trioxäthylenamin [(€2H4®); NH;] HCl ist in 
Alkohol unlöslich und bleibt zurück. Aus der alkoholischen Lösung 
wurde mit Platinchlorid ein Doppelsalz gefällt: [(&3 H,$). NH;] HCl 
PtCl, und durch Zusatz von Aether bewirkt man eine vollständigere 
Ausscheidung- Wenn man den Aether nach und nach hinzu setzt, so 
vermindert sich der Niederschlag und man erhält goldgelbe Blättchen 
der Monoxyäthylenbase [(C. Hs) NH;]HCIPtCl.. Man erhält auch 
das salzsaure Salz dieser Base, wenn man die alkoholische Lösung 
eindampft und die syrupdicke Masse stehen lässt; es scheiden sich 
dann hierin Krystallblättchen von derselben aus. Wenn man wässe- 
riges Ammoniak auf einfach salzsauren Glycoläther wirken lässt, so 
entsteht salzsaures Monoxäthylenamin und salzsaures Dioxäthylenamin: 

&.H, Cl + NH: =[(&H,$)NH3;] HCl. 
2 63H; Cl&-+2 NH; = [(€&2 H, 9) NH;] HC1 + NH,Cl. 
Wird Trioxäthylenamin mit einfach salzsaurem Glycoläther in zu- 
geschmolzenen Röhren erhitzt, so entsteht eine syrupartige Flüssig- 
keit und Krystalle, welche salzsaures Trioxäthylenamin sind; die 
Flüssigkeit ist salzsaures Tetroxäthylenamin (C.H,0), NH3, HCl. Das 
durch Zusammentreten des Trioxäthylenamins und des salpetersauren 
Glycoläthers entstanden ist. Es lassen sich die salzsauren Salze jener 
Basen passend schreiben: 
a nal Ge, Oicleir 


oder, indem man die Typen Wasser ni ana zu Grunde legt: 
(&HN” “ (9.0, '0 eig: 
H;)N HB; \N 


BIN BN 
Aethylenoxyd vereinigt sich direkt mit wasrerfreiem Trioxäthylen- 


353 


amin und zwar können 1, 2, 3 oder 4 Moleküle Aethylenoxyd hin- 
zutreten; die Platindoppelsalze dieser Verbindungen krystallisiren 
nicht mehr, es wurden so Salze erhalten , die fast genau der Zusam- 
mensetzung entsprachen: 
[(&a Has DO); N B>] HCIPt Cl, und 
I(&H,9); NH;] HCIPtC],. 
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAT, 236.) B. 8. 
N. Zinin,über dasHydrobenzoin,ein Product derEin- 
wirkung des Wasserstoffs auf das Bittermandelöl. — 
Blausäure — freies Bittermandelöl wird in Alkohol gelöst, mit Salz- 
säure gesättigter Alkohol und dann Zink hinzugesetzt. Bei den vom 
Verf. angegebenen Verhältnissen ist hiebei keine Wasserstoffentwick- 
lung zu bemerken. Durch Wasser wird nach Beendigung der Reak- 
tion ein fester krystallinischer Körper abgeschieden, der aus Alko- 
hol umkrystallisirt werden kann. Er schmilzt bei + 130° C und sie- 
det über 300° C mit beginnender Zersetzung. Die Entstehungsweise 
des Körper erklärt die Gleichung 26€, H@+2H—=€,H,9 in- 
dem sich zwei Moleküle Bittermandelöl mit zwei Molekülen Wasser- 
stoff vereinigen. Das Hydrobenzoin erleidet weder durch wässerige 
noch durch alkoholische Kalilösung eine Verminderung. — (Journ. f. 
pract. Chem. Bd. 85. p. 419). 0. &. 
b. Praktische. Calvert und Johnson, die Wirkung der 
Schwefelsäure auf Blei — ist nach diesen Forschern viel stär- 
ker, wenn das Blei chemisch rein ist, als wenn es, wie das gewöhn- 
lich im Handel käufliche 1 pC. (zu je “3 pC. aus Zinn, Eisen, Kupfer 
bestehend) Verunreinigungen enthält. Es scheint demnach viel vor- 
theilhafter für die Bereitung der Bleikammern in Schwefelsäurefabri- 
ken zu sein, wenn eine an fremden Metalle noch reichere Bleilegirung 
verwandt wird, als reines oder käufliches Blei. Die Untersuchungen 
ergaben, dass eine Schwefelsäure von 1,746 spec. Gew. das metalli- 
sche Blei in das Sulfat umwandelte in dem Verhältniss 
. bei gewöhnlichem Blei & 49,67 
„ Jungfern - Blei a 50,84 
„ reinem Blei a 55,00 1 
(Repert. d. chim. appl. 1863. 91). Smt. 
Mayer, Bestimmung der Alkaloide lässt sich sehr 
genau ausführen mittels einer Maassflüssigkeit aus 
Queksilber — Kaliumjodid, welche im Litre 13,54 grm. Sublimat 
und 49 grm. Jodkalium enthält, 1 CC fällt 0,0267 grm Aconitin 
0,0145 ,„ Atropin 
0,0213 ,„  Narcotin 
0,0167 ,„ Strychnin 
0,0233. „.  Brücin 
0,0269 ,,  Varatrin 
0,0200 ,„ Morphin 
0,0108 ,„ Chinin 
0,0102 ,„ Cinchonin 


354 


als Queeksilber- Alkaloid-jodid. Aus diesem Niederschlage kann 
man das Alkaloid dadurch abscheiden, dass man denselben nach dem 
Auswaschen und Auspressen zwischen Papier in den möglichst ge- 
ringsten Mengen schwachen sielenden Alkohols löst, und zur Lösung 
einen oder mehrere Tropfen frisch bereiteten Schwefelammonium und 
einen oder 2 Tropfen Eisenvitriol setzt. Der dadurch erzeugte Nie- 
derschlag wird abfiltrirt mit warmem Alkohol gewaschen, und das 
klare Filtrat mit Schwefelsäure schwach angesäuert im Wasserbade 
zur Trockne verdampft, worauf man aus dem erhaltenen Salz nach 
bekannten Methoden das reine Alkaloid abscheiden kann. (Americ. 
Journ. of Pharm. XXAXV, 20). Smt, 

Meynier, über schwefelsaures Eisenoxydul-Ammo- 
niak. M. empfiehlt das Doppelsalz als brauchbareres Reductions- 
mittel als den bisher in der Photographie gebräuchlichen Eisenyitriol, 
und gibt für die Darstellung folgende Vorschrift: Man löse 2 Th. käuf- 
lichen Vitriol und 1 Th. schwefelsaures Ammoniak in 4 Theilen heis- 
sem Wasser, Nach dem Erkalten der Flüssigkeit sind innerhalb 24 
Stunden 3 Theile des reinen Doppelsalzes auskrystallisirt, welches man 
nach Entfernung der Mutterlauge mit wenig Wasser abspült und zwischen 
Filtrirpapier trocknet. — (Repert d. chim. applig. 1863. 87.) Swt.  _ 

Millon undCommaille,— Die gänzliche Reinigung des Silbers 
gelingt nach Verfassern durch Fällung des Silbers aus der Lösung 
durch Kupferchlorür-Ammoniak. Der erhaltene Silberniederschlag ist 
amorph und so fein vertheilt wie das Muschelsilber und ausserdem 
vollkommen frei von Kupfer. Vielleicht lässt sich in Folge dieser. 
Entdeckung das Kupferchlorür- Ammoniak in der Photographie als 
Reduetionsmittel anwenden. St. 

O’ Neil, Anwendung des Kampfers — als Mittel um die 
geringsten Mengen Fett auf einer wässerigen Flüssigkeit anzuzeigen, 
gründet sich auf die Beobachtung, dass das Kreisen des Kampfers 
auf Wasser sofort verhindert wird, sobald eine fetthaltige Substanz 
z. B. ein Haar in das Gefäss getaucht wird. — (Repert. d. chem. appl. 
1863, 89.) Smt. 

Parmelee, Vulkanisirung des Cautchouc — gelingt 
am ‘schnellsten und vollkommensten nach den Erfahrungen der 
Fabrik Beverley in Massachusetts, wenn man eine Mischung von 
Schwefelkohlenstoff und Chlorschwefel anwendet. — (Polytechn. Cen- 
tralbl. 1863, 143). Smi. 

Fr. Weil, das Petroleum von Pennsylvanien, — Der 
Verf. unterwarf 100 Kilogrammes der Destillation. Er erhielt dabei: 
1. Rohes Oel von gelber Farbe bestehend aus flüssigen 


Kohlenwässerstofen.l. un. 2 wessen... 90,JArKlor 
2 Asphalt, BEIN. nn a ea... od 
3. GastumawVerlust@autih. 0 en ee RS 


100,00 Klgs. 
die 90,14 Klgr. des rohen Oels (1) vom spec. Gew. 0,8242 
mit rauchender Schwefelsäure ergab: 


355 


Gereinigtes helles und farbloses Oel 73,00 Klegr. 
Thheer: und Verlust,% ss.4#) siierel sodHT,14  „ 
90,14. 
Während so bei aller Sorgfalt und Umsitht bei der Behandlung mit 
Schwefelsäure, der lten Operation des Reinigungsverfahrens nahezu 
10%/, von dem rohen Oel verloren gingen, kann man rechnen, dass 
unter der Hand eines Arbeiters dieser Verlust sich bis zu 230%, 
steigert. Diese 73 Klgrm. wurden nunmehr der fractionirten Destil- 
lation unterworfen und ergaben: 
Benzinhaltige Naphta ' 5,0 Klgrm. 
Oele für die Beleuchtung fast farblos 59,0 1.65, 
Schwere Oele gefärbt aber paraffinhaltig 12,0 ,, 
Kohliger Rückstand und Verlust 1,3 
Es ergeben also 100 Kilogramm des rohen Urspruugs- onen fol- 
gende im Handel verwerthbare Producte: 
1) Leichtes farbloses Brennöl prima qual, 55,00 Klgrm. 


2) Benzinhaltige Naphta 4,00 102,5 
3) Paraffinhaltiges Oel 12:00,0, 035 
4) Asphalt 5,64 „ 


Das Product 1) wird verwandt zum Beleuchtungsartikel; 

2) die Naphta kann für viele technische Zwecke das Ben- 
zin ersetzen, auch kann man das Benzin derselben durch Destillation 
abscheiden. 

3) Das paraffinhaltige Oel kann an die Paraffinfabriken 
verkauft werden, die den Rückstand, der vom Paraffın bleibt, als 
Maschinenschmiere verwerthen können, auch kann dieser Rückstand 
immer noch auf Lampen gebrannt werden. — Indess könnte man auch 
diese fraetionirte Destillation unterlassen und bereits die 73 Kilogrm. 
mit SO3 gereinigtes Oel als geringere Sorte Brennöl verkaufen. Der 
Verf. fügt dann seiner Mittheilung noch die Notiz von Fresca bei, 
dass die Oele sehr leicht entzündbar sind und desshalb deren Ge- 
brauch noch mit Bedenken Eingang findet; die Flamme der Schiefer- 
öle wie des Petroleums ist blendend weiss und hat das eigenthüm- 
liche, dass man bei ihr grün und blau mit Sicherheit unterscheiden 
kann, eben so roth und gelb. — (Zepert. d. chem. appl. V. 94.) 

B. Dr. 
Fr. Weil, die Erdpeche von Cuba. — Der Verf. theilt 
seine Untersuchung mit 1) der rohen Erdpeche 2) des bei der Destil- 
lation erhaltenen Coakes 3) des dabei gewonnenen leichten Oeles, 
Die Untersuchung ergiebt, dass die Erdpeche von Cuba in zwei Sor- 
ten geschieden werden müssen. Die erste ergiebt Cookes: 520/, 
Asche mehr als die Hälfte 
die 2te: Cookes 41,660), 
Asche 2,00% 
An Oelen ergaben sie im Mittel in 100 Klgrm. 
1. Klares Paraffinhaltiges Oel 17,230 Klegr. 
2, Farbloses Brennöl prima qual. 4,200 ,„ 


356 


3. Benzinhaltige Naphta 0,800 Klgr. 
4. Rohes Paraffin (ohne den paraffinhalt Oel 5,350 „, 
5. Ammoniakwasser 3,050 „ 
6. Leuchtgas 9,000 
7. An Aschenbestandtheilen 27,870 


E2} 


Mit Benzin und Schwefelkohlenstoff sind aus 100 Klgrm. Erdpech 
72,130 Klgrm. ausziehbar. Die Verwendung der bei der Verarbeitung 
gewonnenen Bestandtheile würde folgende sein: 
1) Das Paraffinhaltige Oel zur Paraffinfabrikation, der Rückstand 
zu Maschienenschmiere. 
2) Das 2te Oel zur Beleuchtung in Lampen mit gutem Luftzug. 
3) Die Naphta als Surrogat für Benzin. 
4) Das Ammoniakwasser zur Salmiakfabrikation. 
5) Die Leuchtgase sind zur Beleuchtung der Fabrik zu benutzen. 
6) Die Coakes dürften nur dann als Brennmaterial Verwendung fin- 
den, wenn der Aschengehalt nicht zu hoch ist. 
7) Der Aschenrückstand als Dünger. 
Uebrigens kann das rohe Erdpech von Cuba als solches zu allen 
Arbeiten benutzt werden, zu denen man sich des Asphaltes bedient. 


(Zbenda pag. 93.) B. Dr. 
&eologie, H. Schloenbach, Schichtenfolge des un- 
tern und mittlern Lias in NDeutschland. — Der untere Lias 


zeigt auffallende Uebereinstimmungen mit dem schwäbischen. Ueber 
den Schichten mit Avicula contorta folgen nämlich: 1. gelbliche 
Thone (untere versteinerungsleere Thone ce. von Strombecks) nach 
oben mit zwischen gelagerten harten sandigen Kalken mit Amm. John- 
stoni (psilonotus plicatus @) bei Salzgitter, im Stübchenthal bei Harz- 
burg, Gebhardshagen u. a. OÖ. Auch die Schichten mit Amm. Hage- 
now gehören hierher und scheint derselbe wirklich von A. planorbis 
Sw verschieden zu sein. 2. Durch ein Lager sandigen Thons ge- 
trennt folgt eine Sandsteinschicht bei Helmstedt oder eine zweiter 
sehr sandiger Kalk bei Salzgitter, an andern Orten durch Thone ver- 
treten in der Markoldendorfer Mulde, mit viel Petrefakten, zumal 
Amm. angulatus und Cardinien. 3. Nochmals Thone mit dünnen Sand- 
schichten am besten mit den auflagernden oolithischen Kalken zu ver- 
einigen, welche grau oder gelbbraun, stark eisenhaltig, selbst oolithi- 
scher Eisenstein sind (Sommerschenburg, Harzburg); überall petrefak- 
tenreich, Arieten und Amm. Bucualandi, Gryphaea arckta, Avicula sine- 
muriensis, grosse Cardinien. Sie entsprechen den schwäbischen Arieten- 
kalken. Die obern Arietenschichten führen in Schwaben als Leit- 
muscheln Amm. geometricus und A. Sauzeanus und auch diese Bil- 
dung tritt in NDeutschland auf. 4. Bei Falkenhagen nämlich liegen 
über den Arietenkalken die Arietenthone mit Amm. nodosarius und 
A. Kridion, A. geometricus, letzter findet sich auch bei Salzgitter, 
Langelsheim, Wellerseen, Hallersen, Diebrock. Sehr häufig ist der- 
selbe ferner in dunkelbraunen oolithischen Kalken bei Scheppau un- 
weit Königslutter. Amm. Sauzeanus fehlt überall, kömmt aber mit 


357 


Spirifer Walcotti am Kanonenberge bei Halberstadt und bei Bans- 
leben unweit Schöppenstedt vor. 5. Darüber folgen Strombecks ver- 
steinerungsleeren Thone, die bisweilen sehr mächtig sind und na- 
mentlich bei Harzburg, Goslar, Langelsheim, Salzgitter, Falkenhagen, 
Lutter am Barenberge, Lühnde bei Hildesheim, Markoldendorf Amm. 
obtusus, A. planicosta, A. raricostus, A. lacunatus, A. ziphius, Car- 
dium oxynoti, Rhynchonella oxynoti, Pentacrinus scalaris führen. 
Diese Thone sind dem schwäbischen Lias ß äquivalent. Im mittlen 
Lias wurden ausser den bekannten Localitäten ebenfalls neue Auf- 
schlüsse gewonnen namentlich im Stollen Friederike bei Harzburg, 
bei Liebenburg und Calefeld. 6. Oolithische Kalke oder Eisensteine 
mit vielen Petrefakten: Belemnites elongatus, Amm. Jamesoni, A. bre- 
vispina, armatus, Henleyi, Loscombi, Taylori, Trochus laevis, Pleuro- 
tomaria solarium, Pholadomya decorata und ambigua, Lima acuticosta 
ete. Die Thone mit verkiesten Petrefakten bei Diebrock werden glei- 
chen Alters sein. 7. Nur bei Calefeld, Oldershausen, Markoldendorf 
folgt eine meist grünlich braune Schicht mit Amm. fimbriatus, Valdani, 
Loscombi, welche Oppels Zone des Amm. ibex zu vertreten scheint. 
8. Daran schliesst sich ein System von Thonmergeln und grauen oo- 
lithischen Kalken, beide paläontologisch nicht trennbar, Römers Be- 
lemnitenschicht, mit Amm.capricornus, margaritatus, Loscombi, Davoei, 
Bel. paxillosus und clavatus, Inoceramus veniricosus. Sie umfassen 
Oppels Zone des Amm. margaritatus und Davoei. 9. Scharf abge- 
grenzt treten über der letzten Kalkbank plötzlich dunkelblaue plasti- 
sche Thone auf mit viel verkiesten Petrefakten: Amm. spinatus und 
margaritatus u. a. schwäbische Arten. Darüber folgen die Posido- 
nienschiefer. — (Neues Jahrb. f Mineral. $S. 162 — 168). 

C. Röthe, krystallinische Gesteine im Riess. — Das 
Riess bei Nördlingen ist eine Versenkung im Jura ausgefüllt mit 
tertiärem Kalk und Lehm. Stellenweise stehen Urgesteine und Ba- 
salt an. So ein rosenrother Granit bei Lierheim neben weissem 
Jura, auch ein grünes Gestein wie geschichtet, jener noch bei Herk- 
heim von Süsswasserkalk bedeckt, ferner nach Hürnheim hin, am 
Kirchberge bei Schmähingen und bei der Ruine Niederhaus ebenda mit 
weissem Jura und Süsswasserkalk zugleich mit dem grünen Gestein. 
Beide Gesteine enthalten Kieselerde, Thonerde, Eisenoxyd, Eisenoxy- 
dul, Bittererde, Kali, Natron, Spuren von Mangan und Phosphorsäure. 
Die Analyse ergab im grünen Gestein A und im rosenrothen Granit B 

A. B. C 
Kali 3,915 4,576 1,865 
Natron 5,660 3,216 2,311 
Bittererde 5,333 0,648 3,783 
Thonerde 17,567 15,489 15,677 
Eisenoxyd 4,086 1,994 2,692 
Wasser 1,126 —_ 2,879 
Kieselsäure 62,313 74,077 70,793 
Ueber diesen beiden krystallinischen Gesteinen tritt noch ein brauner 


358 


Granit auf, oft schiefrig und in Gueiss übergehend und meist sehr 
werwittert, dessen Analyse unter C hinzugefügt ist. Nach der Ana- 
lyse könnte man annehmen, dass der rosenrothe Granit durch Ver- 
witterung aus dem grünen Gestein hervorgegangen ist, störend ist 
dabei nur, dass der Kaligehalt desselben grösser ist als der Natron- 
gehalt, allein es sind ja gemengte Gesteine. Beide finden sichin ver- 
schiedenen Graden der Verwitterung vor und eher könnte man noch 
annehmen, dass das braune Gestein aus dem grünen entstanden. Wei- 
ter treten auch alle drei Gesteine sehr verwickelt neben einander auf) 
so dass sich eine Ansicht über ihr Entstehen nicht begründen lässt. 
— (Neues Jahrb. f. Mineral. 169—176). 

A. v.Strombeck, die Kreide am Zeltberg bei Lüne- 
burg. — Ueber dieses längst bekannte Kreidevorkommen geben neue 
Aufschlüsse weiteres Licht und lassen mehrere Glieder der Forma- 
tion erkennen in den fünf Steinbrüchen. Die ältesten bei Lüneburg 
auftretenden Gebilde sind Trias und demnächst Kreide, der ganze 
Jura, Neocom und Gault fehlen. Weiterhin am Altenbrücker Thore 
steht nochmals weisses Kreidegestein an, das an verschiedenen Orten 
erbohrt ist. In N. und O. bedecken sie miocäne Tertiärschichten. 
Die Kreide ist am Zeltberge auf kaum 600 Schritt aufgeschlossen. 
Auf der Höhe im Bruche der Sodafabrik streichen die Schichten h 9 
mit 45° NOfallen, am WAbhange im Rathsbruche h. W 11 mit OEin- 
fallen. Die Lagerung mit der Lettenkohlengruppe ist eine gleich- 
förmige. Die ältesten Kreideschichten stehen im Sodafabrikbruche, 
die jüngsten im östlichen Bruche der Cementfabrik, dazwischen lie- 
gen dem Alter nach der Rathsbruch, Behrs Bruch und der westliche 
Bruch der Cementfabrik. Alle Gesteine sind gelblich oder grauweiss, 
angewittert schneeweiss, erdig im Bruch, in Bänke von 11/, Fuss und 
stärker gesondert, stark geklüftet, in tiefen Schichten mit Schwefel- 
kiesknollen, in mittlen mit Feuersteinknollen. Nur eine Zwischenlage 
ist fleischrother Kalkmergel. Trotz dieser mineralogischen Einförmig- 
keit lassen sich paläontologisch vier Abtheilungen unterscheiden: 
1. Weisse Kreide im Sodafabrikbruche (oberes Cenoman); 2. die- 
selbe im westlichen Theile des Rathsbruches mit dem rothen Kalk- 
mergel (Turon); 3. Weisse Kreide am östlichen Theile des Raths- 
bruches und im Behr’schen Bruche (Senon); 4. Weisse Kreide in bei- 
den Brüchen der Cementfabrik (Senon). Verf. beschreibt nun im 
Einzeln die Versteinerungen aus diesen vier Gliedern, wegen deren wir 
auf das Original verweisen und gibt dann eine vergleichende Ueber- 
sichtstabelle der 50 Arten. Aus dieser ergibt sich die grosse Ueber- 
einstimmung mit dem übrigen NW Deutschland und es fehlen hier 
nur die Aequivalente für den.Pläner mit Scaphites Geinitzi und für 
den mit Inoceramus Cuvieri. Das jüngste Glied des Cenoman bezeich- 
nen die Schichten mit Amm. Rhotomagensis; darüber folgen die Schich- 
ten mit Inoceramus mytiloides; daran innig angeschlossen, die mit 
1. Brongniarti. Auf ihnen lagern die beiden senonen Glieder mit 
Belemnitella mucronata und quadrata. — (@eol. Zeitsehr. XV. 97—187.) 


359 


A. Oppel, jurassische Posidonomyengesteine in 
den Alpen. — Verf. beschreibt zunächst das Auftreten der Klaus- 
schichten an der Klausalp bei Hallstadt, welche zuerst Fr. v. Hauer 
untersucht hat. Dunkelrothe bis schwärzliche Kalke mit vielen aber 
schlecht erhaltenen Petrefakten: Amm. Kudernatschi, suboblequus, Eu- 
desanus, subradiatus, rectelobatus ete. Früher identifieirte ©. diese 
Schichten mit dem ausseralpinen Unteroolith und sieht diese Deutung 
jetzt durch zahlreiche Petrefakten bestätigt. In den Schichten tritt 
ein weisser Kalkgang auf mit kleinen Brachiopoden anderer Arten 
als in den übrigen Kalken; die Posidonomyenschichten an der Mitter- 
wand bei Hallstadt (Klausschichten, oberer alpiner Dogger) liegen eine 
Stunde von vorigen entfernt, gebildet von lichtrothen und weissen 
Crinoideenkalk, reich an Petrefakten, deren 26 Arten aufgezählt wer- 
den, grösstentheils mit denen der Klausschichten übereinstimmend 
und der Zone des Ammon. Parkinsoni angehörend. Die Posidonom- 
yenschichten von Brentonico in STyrol: harter grauer krystallinischer 
Kalk, in einzelnen Lagen in Crinoideenkalk übergehend, sehr mächtig, 
sehr hart, überlagert von Ammoniten- und Diphyakalken. Der graue 
Kalk verwandelt sich an einer Stelle in ein weisses dichtschaliges 
Gestein, das ganz aus Posidonomyen besteht und überhaupt 16 Ar- 
ten erkennen liess. Auch am Waisenhause bei Füssen tritt ein 
harter weisser Kalk als Posidonomyen Gestein auf, in der Schweiz 
nach Linth-Escher am Oberblegi See am Absturz der Glärnisch als 
dünne Eisenoolithbank, welche vom NRande des Finsteraarhorn bis 
nach Glarus verfolgt wurde, jedoch ohne Posidonomya alpina, welche 
dagegen bei Iselten (Südlich des Brienzer Sees) gefunden wurde. 
Endlich erscheinen sie auch in dem alpinen Gebiet des südfranzösi-, 
schen Jura. Verf. beschreibt nun die einzelnen Arten: Terebratula 
garda, laticoxa, gefion, fylgia, curviconcha, berchta, Rhynchonella atla, 
coarctata, zisa, subechinata, Etalloni, defluxa, orthoptycha, nicula, 
adunca, brentonica, sämmtlich neu und abgebildet. — (Geol. Zeitschr. 
IV. 188—217. Tf. 5—7.) 

K. M. Paul, Kreidebildungen des Königgrätzer und 
Chrudiner Kreises in Böhmen. — Diese den Schichten über 
dem Gault angehörigen Bildungen bestehen aus folgenden Gliedern. 
1. Pläner, dünnschiefrige, vorwiegend thonige, stellenweis kalkhal- 
tige, niemals sandige Mergel, mit Inoceramus Cuvieri und planus, 
Micraster cor änguinum, Pecten membranaceus, Nucula pectinata, 
Terbratulina chrysalis und Tellina tenuissima, — 2. Quader. Die 
GQuadermergel zunächst sondern sieh in zwei Etagen, von welchen 
die untern thonig, dünnschieferig, dem Pläner sehr ähnlich und petre- 
faktenarm, die obern dickschichtiger, stets sehr sandig und petrefak- 
tenreich ist. Locale Modifieationen dieser obern Quadermergel sind 
die sogenannten Krebsscheerensändsteine mit Callianassa Fanjasi, die 
fast rein kalkigen und petrefaktenreichen Schichten von Poliszka und 
Leitomischel, und Beyrichs Plänersandsaeinen, mit Inoceramusmytiloi- 
des und Cuvieri, Lima multicostata, Leguminaria truncatula, Ostreea 


360 


vesicularis, Janira quinquecostata, Pecten laevis, Arca glabra, Hippu- 
rites ellipticus, Hamites rotundus und plicatilis, Hemiaster bufo und 
Micraster cor anguinum, Der Quadersandstein gliedert sich eben- 
falls in zwei Etagen, die obere sehr glaukonitisch, ein wahrer Grün- 
sandstein, die untere als eigentlicher Quadersandstein weiss, gänzlich 
ohne kohlensauren Kalk mit einer 5—10‘ mächtigen Einlagerung von 
Schieferthon und einem Kohlenflötz, auf welchem an vielen Orten 
Versuchsbaue getrieben werden. Das Quaderconglomerat besteht aus- 
schliesslich aus Quarzgeschieben, ist ganz petrefaktenleer und bildet 
überall in Böhmen das unterste Kreideglied. Von dem sogenannten 
obern Quader zwischen @Qnadermergel und Pläner auf diesem Gebiete 
keine Spur. — (Jahrb. kk. geol. Reichsanst. AI. 3). 

Fr. v. Hauer und G. Stache, zur Geognosie Dalma- 
tiens. — Der lange von NW nach SO streifende und sich mehr 
und mehr verschmälernde Küstensaum mit den demselben vorlie- 
genden zahllosen grossen und kleinen Inseln und Felsriffen bildet 
ein sehr unnatürlich begränztes Gebiet, und ein richtiges Verständ- 
niss seines Baues, namentlich in der SOHälfte des Landes wird kaum 
zu erzielen sein, so lange nicht die Hinterländer in NO genauer un- 
tersucht sind. Nackte steile Kalkgebirge, der Kreide- und Eocänzeit 
angehörig, im Allgemeinen der Längserstreckung des ganzen Landes 
parallelstreichend, oft mit steilen Abstürzen gegen die dasselbe durch- 
furchenden zahlreichen Längs- und Querthäler sowie gegen die Mee- 
resküste bedingen die herrschende Physiognomie des ganzen Landes. 
Eine Abwechslung wird in dieselbe nur gebracht durch die Züge von 
eocänen Karpathensandstein, welche sich zwischen die Wellen der äl- 
tern Kalksteine einlagern und durch einzelne mit jungtertiären Süss- 
wasserschichten erfüllte ehemalige Seebecken, Oasen in der Stein- 
wüste, die ausgedehntesten dieser Süsswasserbecken sind die von 
Siverich an der Cicola und von Sign an der Cettina mit einer rei- 
chen Moluskenfauna und Lignitablagerungen. Die Eocänformation zu 
oberst Sandsteine und Conglomerate, tiefer die eigentlichen Nummuli- 
tenkalke, dann Boreliskalk, zunächst die aus Süsswasser abgelagerten 
Cosinaschichten sind in dem NWTheil des Landes bis ungefähr zum 
Querthal der Cicola weit mehr verbreitet als weiter gegen SO zu. 
Sie bilden daselbst im Innern des Landes eine breite zusammenhän- 
gende Masse, welche aus der Umgegend des Mare di Novigrad nach 
SO fortsetzt bis an die Kerka, sich aber von hier weiter nach SO 
in einzelne gegen das Kreidegebirge zu allmählig auskeilende Züge 
auflöst. Gegen die Küste zu und auf den Inseln herrscht auch in 
den nördlichen Landestheilen die Kreideformation, jedoch von zahl- 
reichen Eocänzügen unterbrochen. In der S Landeshälfte streicht ein 
Hauptzug von Eocängesteinen aus der Umgegend von Spalato entlang 
der Meeresküste fast bis in die Nähe der Narentamündungen, ist hier 
auf eine kurze Strecke unterbrochen, setzt an Canale di Stagno pi- 
cola wieder auf und streicht nur noch einmal auf eine kurze Strecke 
bei Ragusa unterbrochen fort über Stano, Ragusa vecchia, Bocche di 


361 


Cattaro bis Budua. Ein ‚zweiter Zug zweigt sich in der Gegend von 
Xernovizza vom ersten ab und streicht über Duare, Xuppa, Vergoraz 
bis zur Narenta. Noch weitere Züge finden sich auf der Insel Lesina 
sowie auf Sabioncello. Die Kreideformation besteht aus zwei Glie- 
dern, einem untern Caprotinenkalk und einem obern Radioliten- und 
Hippuritenkalk. Sandsteine fehlen. Ganz untergeordnet treten Jura- 
gesteine auf, auch obere und untere Trias und einzelne Durchbrüche 
von Eruptivgesteinen. — (Zbda. 14.) 

Coquand stellt eine neue Etagein der untern Krei- 
deformation zwischen dem eigentlichen Neocomien und dem obern 
Neocomien oder Urgonien nämlich das Barremien auf. Ihre Leitmu- 
scheln sind Belemnites minaret, Ammonites ligatus, Scaphites Ivani. 
Sehr deutlich aufgeschlossen ist sie um Marseille. Man erhält in der 
Provence folgende Gliederung: 


Niederalpen Rhonemündungen 
A. Aptien mit Ancyl. Matheroni desgleichen 
B. fehlt Urgonien mit Chama ammonia 
€. Barremien mit Scaph. Ivani desgl. 
D. Neocomien mit Ostraea Couloni desgl. 
E. Unterer Kalk Valenginien mit Strombus Sautieri 


die letzte Etage betrachtet C. als Aequivalent der Wealdenformation. 
— (Bullet. soc. geöl. XIX. 531—541). 

A. Gesner, Steinölquellen in NAmerika. — Das Vor- 
kommen des Steinöls ist über einen Raum von 65. bis zum 128. Grade 
westlicher Länge verbreitet und umfasst Theile von Unter- und Ober- 
Canada, Ohio, Pennsylvanien, Kentucky, Virginien, Tenessee, Arkan- 
sas, Texas, Neu-Mexiko und Californien. Ohne Zweifel verdankt das- 
selbe seinen Ursprung allermeist der Zersetzung von Vegetabilien, 
welche im Laufe der Zeit in die mächtigsten Steinkohlager und An- 
thraeite ihrer Länder umgewandelt worden sind. Die zur Gewin- 
nung des Steinöls angesetzten Bohrlöcher haben in der Regel eisen- 
schüssigen Thon, Sandstein und Conglomerat, Schieferthon und bitu- 
minösen Schiefer durchsunken, bis sie die ölführende Schicht eines 
feuerfesten Thoves erreichen, die Stigmaria und andere Pflanzen führt. 
Sobald die Oelschicht angebohrt ist, entweicht heftig Kohlenwasser- 
stoff oft mit solcher Stärke, dass das Bohrgestänge weit fortgeschleu- 
dert wird. Dann folgt ein Gemenge dieses Gases mit Oel, darauf 
das Oel selbst, welches oft 100° hoch über das Bohrloch getrieben 
wird. Die leichte Entzündlichkeit der Gase hat schon viele Unfälle 
veranlasst. Man sah aus einem Brunnen von 330° Tiefe das Oel 100‘ 
hoch emporspringen,, es entzündete sich und brannte zwei Monate 
lang, bis es gelang das Ausflussrobr zu verstopfen Man senkt in 
das meist nur 4” starke Bohrloch eine eiserne Röhre, in welche ein 
Holzflock getrieben wird, sobald sich das Oel hebt, um dessen Aus- 
fliessen zu verhindern, während man sich zu seiner Ansammelung vor- 
bereitet. Nach dem spätern Zurücktreten der Flüssigkeit in dem Bohrs 
brunnen zieht man das Oel mittelst einer Pumpe herauf. Einige 


XXI. 1863, 24 


362 


Brunnen gaben anfangs 4000 Gallons (& 4 Quart) Oel in 24 Stunden 
und lässt sich der tägliche Gewinn in den Vereinten Staaten auf 50000 
Gallonen veranschlagen. Das Oel ist gewöhnlich dunkelbraun, in ei- 
nigen Brunnen vollkommen heil und durchsichtig. Eine einfache De- 
stillation macht sie sämmtlich vollkommen rein und brauchbar für 
Lampen. Specifisches Gewicht zwischen 0,795 und 0,881, — (Quart. 
Journ. geol. Soc. London XVII. 3). 

J. Auerbach, der Kalkstein von Malöwka. — Die leb- 
haft debatirte Frage über die Lagerung der russischen Kohle unter 
oder über dem Bergkalke berührt auch den Kalkstein von Malöwka, 
welcher das unmittelbar Liegende der Kohle bildet. Derselbe ist 
licht grau, verwittert gelb, beim Anhauchen stark nach Thon riechend, 
in frischem Zustande dicht, schwer zersprengbar, rauh anzufühlen, 
mit kleinen Kalkspathdrusen erfüllt. Die Conchylien sind nur in Ab- 
drücken erhalten, nur die Brachiopoden und Crinoideen vollständig. 
Von Korallen fand sich blos Lithostrotion leoninum, dagegen von 
Brachiopoden sehr viele: Chonctes comoides, sarcinulata, Productus 
aculeatus, cora, Panderi n. sp., Spirifer glaber, lineatus, Rhynchonella 
pleurodon, Terebratula tulensis, Puschana, Streptorhynchus cre- 
nistria, von Cephalopoden: Orthoceras laterale, Nautilus eyclostomus, 
N. tetragonus, N. pinguis, Bellerophon costatus und Keynanus, ferner 
Euomphalen und Bairdia. Von diesen Arten gehören mehr als die 
Hälfte ausschliesslich dem Bergkalk an, nur der vierte Theil diesem 
und dem devonischen gemeinschaftlich, eine ist dem letztern allein 
eigenthümlich. Auch aus dem Kalke unter der Tulaer Kohle sind Ar- 
ten bekannt geworden: Chonetes sarcinulata, Terebratula Puschana, 
Spirifer glaber, Productus fallax, Anodontopsis deltoidea etc,, welche 
gleichfalls vielmehr für Bergkalk als für Devonkalk sprechen. — 
(Bullet. natur. Moscou 1862. II. tb. 8). 

Feistmantel, der untersilurische Kalkstein inBöh- 
men. — Das Untersilurium Böhmens wird paläontologisch in zwei 
Glieder geschieden, welche auch petrographisch sich trennen lassen, 
indem das untere Glied aus thonigen und quarzigen, das obere vor- 
herrschend aus kalkigen Gesteinen besteht. Doch tritt auch in dem 
untern Kalk auf und zwar in wahren Schichten und Bänken so bei 
Hracholusk unweit Pürglitz, bei Hradek zwischen Koturov und Plze- 
nec, beiCernic unweit Pilsen. Es sind meist feinkörnige fast ausschliess- 
lich dunkelgraue Kalksteine in 1—10“ starken Schichten, selten grobkör- 
nig unddann gewöhnlich mit krystallinischer Struktur. Ueberall sind diese 
Bänke zwischen Schichten der versteinerungsleeren Thonschiefer B ein- 
geschlossen und wechsellagern mit denselben der Art, dass sie oft durch 
ganz schwache kaum merkbare Lagen Thonschiefers von einander ge- 
trennt sind. Durch Steinbrüche sind sie aufgeschlossen. Bei Hracholusk 
streichen die Kalksteinschichten h 4—5 unter 45° N Einfallen und bei 
8 Klafter Gesammtmächtigkeit, die einzelnen Schichten oft gebogen 
und gewunden. Westlich davon bei Hradek zeigen die Schichten zum 
Theil dasselbe Streichen, an einzelnen Stellen aber h 1—2 und fal- 


363 
len N oder NW unter 45— 50°, im Liegenden und Hangenden von 
Thonschiefer begleitet und mit einigen Thonschieferlagern wechselnd, 
bisweilen treten Partien weissen krystallinischen Kalksteines auf. Oft 
sind die Bänke gewunden, sphäroidisch, concentrisch schalig. Weiter 
nach W bei Cernic streichen die Schichten ebenfalls h 4A—5, wech- 
selnd mit sehr verschieden starken z. Th. schwarzen Thonschieferla- 
gern, oft gewunden. Endlich bei Kotterow ist das Streichen h 3 mit 30° 
SO Einfallen. Chemisch erscheint der Kalkstein überall mit Thonerdesi- 
likat verunreinigt. Die Analysen ergaben: A vonHracholusk, B von Hra- 


dek, C. von Cernic A B 6 
Thonerdesilikat 54,8—49,9 30 22 
Eisenoxyd 3,7— 25 10 2 


Kohlens. Kalk 41,5—47,6 60 76 

doch schwankt der Gehalt an kohlensaurem Kalk in einzelnen Schich- 
ten sehr erheblich, wie andererseits krystallinische Partien ganz rei- 
ner Kalk sind. Bei Cernic und Hracholuck setzen einzelne Kalkspath- 
gänge darin auf, z. Th. mit Krystalldrusen, auf den Kalkspathrhom- 
. bordern noch mit Schwerspathkrystallen. Die häufigen Klüfte zeigen 
oft einen Ueberzug von gelbem Eisenoxydhydrat. Vereinigt man die 
Orte des Auftretens durch eine Linie: so fällt dieselbe parallel der 
Hanptstreichungsrichtung der Thonschiefer, sie bezeichnen also ein 
in demselben geognostischen Horizonte gelegenes Vorkommen mit 
gleichem nach NNW gerichteten Einfallen. Ihre Bildung fällt also 
mit der der Thonschiefer der Etage B zusammen. Sie führen keine 
Spur von Versteinerungen und rechtfertigen auch dadurch ihren Platz 
in der Reihe des azoischen Complexes. Verf. schlägt vor sie als ei- 
genes Glied Cernicer Schichten zu nennen [eine besondere Benennung 
möchte in diesem Falle ganz überflüssig sein]. Ihre Oberfläche zeigt 
nirgends auffällige Merkmale, ist meist mit Erde, Rasen und anderem 
Gestein bedeckt. — (Sitzgs.- Bericht der böhm. Gesellsch. in Prag 1862. 
2. 27-33). 

Versunkener Wald. — Bei den Ausgrabungen, welche in 
Hull zur Erweiterung des Victoriadocks vor sich gehen ist eine in- 
teressante Entdeckung gemacht worden. In einer Tiefe von 32 Fuss 
unter der Oberfläche und unterhalb einer mehrere Fuss mächtigen 
Sandschicht fand man die Ueberbleibsel eines fast im Zustande der 
Auflösung befindlichen versunkenen Waldes. An einer Stelle 
wurden die Wurzeln und sein Theil des Stammes einer 20 Fuss im 
Umfang messenden Eiche ausgegraben; einige andere ebenfalls sehr 
starke Stämme tragen unverkennbare Spuren eines Brandes. An meh- 
reren Stellen ist das Holz mit Lehm untermischt und meist so schwarz 
wie Ebenholz, von den Spaten der Arbeiter berührt und der Luft 
ausgesetzt zerfällt es bald in Staub. Der Wald muss von bedeuten- 
der Ausdehnung gewesen sein, denn bis jetzt hat man seine Grenzen 
noch nicht entdeckt. Was das geologische Verhältniss der bedecken- 
den Erdrinde betrifft, ‘so findet sich unter der Oberfläche eine 15 
Fuss tiefe Lehmschicht, dann folgt ein allmählig immer feuchter 

24* 7 


- 


364 


werdendes Lager von Sand, untermischt mit Strahlmuscheln und 
Resten von andern Süsswasserschalthieren, und darunter befindet sich 
die noch feuchtere. Sandschicht, welche die Ueberbleibsel des ver- 
sunkenen Waldes birgt. — (Zeitungsnachricht.) @l. 

Oryctognosie. Alb. Schrauf, zur Charakteristik 
des Anhydrit. — Nach Fuchs sollen Stassfurter Anhydritkrystalle 
mit: Schwerspath isomorph- sein. Dieselben sind in salzhaltigem 
Gyps eingewachsen und bilden eine Combination des Prisma (011) 
mit: dem'Doma (210)... Die Flächen (011) sind 'rauh und matt, die 
von (210) sehr gestreift, oftmals treppenförmig gekrümmt. Fuchs 
nennt die Fläche (011) d und (210) M und giebt für dd—=84!/0, für 
MM=- 110°, wogegen Verf. für beide 85° und 60° durch Messung er- 
hielt und zwar an nicht treppenförmigen Krystallen. Die Flächen d 
und M gebören sicher der Ordnung der Prismen an, da die Spaltungs- 
richtungen ‚sich als normale Abstumpfung der Kanten erweisen. Die 
Spaltungsrichtungen sind in der Leichtigkeit sie nach den verschie- 
denen Pinakoidflächen zu erhalten, kaum zu unterscheiden, doch fand 
Verf. Millers Beobachtungen gegen Fuchs bestättigt, dass die schwe- 
rer zu erhaltende Theilbarkeit parallel der Fläche 010 liegt. Die 
Flächen d und M waren bisher am Anhydrit nicht bekannt, auch der 
säulenförmige, Habitus ist neu; die Stassfurter Krystalle sind denen 
von Aussee identisch. Fuchs erhielt bei der Analyse schwefelsauren 
Kalk mit nur 0,5 Procent Wasser, Schr. fand die Dichte eines grossen 
Krystalls — 2,983, eines von Aussee —2,956, die Härte beider fast 3, 
die optischen Verhältnisse bei beiden gleich. — (Poggendorffs Annalen 
CXVI. 650—653.) 

G. Rose, über den Asterismus der Krystalle insbe- 
sondere des Glimmiers und Meteoreisens. — Vogel fand an 
einer wasserhellen' papierdieken Glimmerplatte aus Canada einen über- 
‚aus schönen‘ Asterismus.. Durch die Flamme eines Lichtes betrachtet 
gewahrt sie einen sechsstrahligen Stern, dessen Mitte die Lichtflamme 
ist und. zwischen dessen Strahlen noch sechs kleinere liegen. Ein 
‚ähnlicher Stern: zeigt sich durch Reflection. Diese Erscheinung ist 
selten, R. fand. sie bei den Glimmern der Berliner Sammlung nicht. 
Jene Platte zeigt unter der Loupe gegen das Licht gehalten viele 
äusserst feine prismatische Krystalle im Innern, noch deutlicher unter 
dem Microscop. Dieselben sind meist lang prismatisch und durch 
Vorherrschen zweier.paralleler Seitenflächen, mit denen sie den Spal- 
tungsflächen des Glimmers parallel liegen, breit, an den Enden mit 
gerader Endfläche versehen, überhaupt dem Cyanit sehr ähnlich. Noch 
andere dabei liegende Krystalle bilden ungefähr rechtwinklige Tafeln, 
an zwei gegenüberliegenden Ecken abgestumpft, auch Combinationen 
rhombischer Tafeln, Die Krystalle liegen in der Platte in verschie- 
denen Höhen, die prismatischen grösstentheils parallel den Seiten ei- 
nes gleichseitigen Dreiecks, so dass sie sich unter 60 und 1209 schnei- 
den, andere gegen diese unter 150°, noch andere wieder anders. Der 
Asterismus ist hier also eine blosse Gittererscheinung und die Strah- 


365 


len des Sternes stehen rechtwinklig auf den Achsen.der prismatischen 
Krystalle, die sich unter 120° schneiden. Diese Erscheinung muss 
sich nun auch bei dem Meteoreisen finden, das mit vielen ‚kleinen 
Krystallen gemengt ist, die nach drei den Kanten des Hexaeders pa- 
rallelen Richtungen liegen. Es müsste hier aber ein vierstrahliger 
Stern erscheinen und die Strahlen sich rechtwinkelig kreuzen. R. 
brachte sie am Meteoreisen von Seeläsgen zur Klarheit. Wahrschein- 
lich rührt der Asterismus bei allen Krystallen von eben dieser Ur-; 
sache her, von eingemengten kleinen Krystallen. Schon Babinet lei- 
tetihn beim Saphir, Granat, ‚Beryll, Turmalin, ‚Zirkon, Vesuvian, Cya- 
nit und Glimmer von kleinen Fasern her., Die kleinen Krystalle in- 
fluiren natürlich stark auf das‘ Resultat der chemischen Analyse. — 
(Ebda. 632— 637.) 

Meteorsteinfall bei Menow in Meklenburg-Strelitz, 
— Am 7.,October 1862 Mittags zwischen 12 und 1 Uhr ereignete sich 
am Ausfluss der Havel aus dem Zierensee ein Meteorsteinfall. Bei 
heiterm Himmel fiel plötzlich ein grosser feuriger Klumpen mit sol- 
cher Gewalt nieder, dass der Sand ringsum hochaufspritzte und .die 
Masse 11/3‘ tief in den Boden einschlug. Der Stein war sehr heiss, 
21 Pfund schwer, von 4,1'spec, Gewicht und 134 Cubikzoll Volumen, 
unregelmässig pyramidenförmig. Die Oberfläche ist ‚mit einer glat-, 
ten glasigen schwarzen Kruste umgeben, das Innere dunkelaschgrau, 
das Gemenge feinkörnig mit zahllosen silberglänzenden Metalltheil-; 
theilchen (Gediegeneisen oder Nickeleisen) von kaum sichtbarer Grösse, 
bis zu der eines Schrotkornes und dem Magnet folgend. Die grauen, 
Bruchflächen färben sich, wenn sie. benetzt werden braunroth.. Der, 
Fall geschah unter Zischen und Sausen in der Luft, ununterbrochen von; 
heftigen Detonationen, einer fernen Kanonade vergleichbar. — (Zbda. 637.), 

Alb. Schrauf, der Meteorit von Alessandria. — ‚Bei, 
San Giuliano veechio unweit Alessandria fielen am 3. Febr. 1860 15, 
Minuten vor Mittag mehrere Steine; ‚unter. starker Detonation. Eine 
Minute nach der. Explosion hörte man in. der Luft ein Geräusch, ähn- 
lich dem Knistern beim Verbrennen feuchten, Holzes, nach 2 Minuten, 
schlugen zwei Steine 30 Centimeter tief in, den Boden.. Der Himmel, 
war bewölkt und es fielen, einige Flocken Schnee. Ausser den, zweien 
fanden sich noch 5 Stücke, : wovon , eines durch das Fenster in ein, 
Zimmer geschlagen war.; Die Stüeke wogen 300—1000 Gramm. Ein 
näher untersuchtes war unregelmässig, glatt, dunkel fast schwarz wie, 
mit Eiweiss überzogen mit einer Bruchstelle. ,.Spec. Gew. 3,815. Ge- 
pulvert ergaben sich 14,312 pC. gediegen Eisen mit Spuren von Schwe- 
felnickel, das Uebrige besteht aus sehr, kleinen: unregelmässig zusam- 
mengebackenen Körnchen, schwarzen glänzenden, sehr. weissen durch- 
sichtigen, aschenfarbenen und lichtgelblich grünen. : Die Analyse 
ergab: Kieselerde 31,403, Gediegen - Eisen 19,370, Eisenoxyd 12,831, 
Magnesia 11,176, Thonerde 8,65, Schwefel 3,831, Kalkerde 3,144, Nickel 
1,077, Chrom 0,845, Spuren von Mangan und Cobalt. — (Ebda, 
CAVIII. 365.) 


366 

H.Rose, Zusammensetzung der niobhaltigen Minera- 
lien. — Während die tantalhaltigen Mineralien nur in Skandinavien und 
bei Limoges in Frankreich vorkommen, finden sich die niobhaltigen zu- 
gleich noch in Sibirien, den vereinten Staaten, in Grönland, bei Boden- 
mais und Tirschenreuth. Das Tantal tritt nur in den Tantaliten und Yitro- 
tantaliten auf, das Niob in vielen Verbindungen: Columbit, Samarskit, 
Fergusonit, Tyrit, Pyrochlor, Euxinit, Aeschynit, Wöhlerit, und zwar als 
Unterniobsäure. — 1. Columbit schon wiederholt untersucht ist 
wesentlich eine Verbindung von Unterniobsäure mitEisenoxydul. Bei 
Bodenmais kömmt er von verschiedenem spec. Gewicht vor, je dunkler 
sein Pulver, je höher sein Gehalt an Unterniobsäure, bald matt, ohne 
deutliche Krystallform, mit erdiger Oberfläche, bald mit Glasglanz 
und deutlich krystallisirt. Die meisten Exemplare sind schon in der 
Zersetzung begriffen. Es wurden analysirt A Stücke von schwarzem 
Pulver mit sehr hohem spec. Gewicht 6,39, B ganz ähnliche, C Stücke, 
deren schwarzes Pulver einen Stich ins braunrothe hatte mit 6,021 
spec. Gew., D Stücke von dunkelroth - braunem Pulver dessen spec 
Gew. 5,976, F Stückchen von gleichem Pulver, das nur 5,699 wog, E zer- 
setzte Stücke nach Entfernung des röthlichen Ueberzugs von braun- 
schwarzem Pulver und 5,971 Gewicht und G Stücke von 5,698 spec. 
Gew, endlich H ein Krystall von kirschrothem Pulver mit 5,860 spec. 


Gewicht. A B 16; D E F G H 

Unterniobsäure 81,07 81,34 80,64 79,73 79,68 75,02 78,51 80,30 
Zinnsäure 0,45 0,19 0,10° 0,10 0,12 0,47 0,03 0,16 
Eisenoxydul 14,30 13,89 15,33 14,77 15,10 0,39 15,77 15,56 
Manganoxydul 3,85 3,77 4,65 4,77 4,65 17,22 2,31 2,84 
Unreines Kupferoxyd 0,13 010 — 151 012 — — 085 
Kalkerde Spur Spur 021 — — 0,22 0,30 0,30 
Wolframsäure —_ —_ _-.— — 0,39 147 0,48 
Magnesia _ —_— _ _ —_ — Kun 


99,80 99,29100,93100,88 99,67 96,91 99,96 100,09 
Der nordamerikanische Columbit ist weniger zersetzt, hat daher ein 
geringeres spec. Gew. und ein mehr braunrothes Pulver, doch kom- 
men auch schwerere Stücke mit fast schwarzem Pulver vor. Analy- 
sirt wurden I. Stücke von Midletown in Connecticut mit 5,472 spec, 
Gew. und braunrothem Pulver, II. Stücke vielleicht ebendaher mit 
5,708 spec. Gew. und rothbraunem Pulver, III. desgleichen mit 5,583 


Gew. VI. mehr zersetzte: I II III IV 
Unterniobsäure 78,83 79,62 76,79 79,80 
Zinnsäure 0,29 0,47 0,60 0,56 
Kupferoxyd 0,07 006 — — 


Nickeloxyd (?) 0,22 _— _ — 
Eisenoxydul 16,65 16,37 18,23 15,00. 
Manganoxydul 4,70 444 3,14 4,50 
Kalkerde 0,45 Spur 0,48 — 
101,21 100,96 99,24 99,86 
(Fortsetzung folgt.) — (Zbda. CAVIII. 329—356.) 


367 


Rammelsberg analysirt den Skolopsit von Oberber- 
gen im Kaiserstuhl und findet 
Kieselsäure 34,79 Natron 11,95 
Thonerde 21,00 Eisenoxyd 2,70 
Kalkerde 15,10 Schwefelsäure 4,39 


Magnesia 2,67 Chlor 1,36 
Kalı 2,80 Wasser 3,29 
100,05 


wonach dessen Analogie mit den Gliedern der Sodalithgruppe erwie- 
sen und der Sodalith gleichsam ein kalkhaltiger Nosean genannt wer- 
den könnte, aber er enthält 3 pC Wasser, das wohl nicht zur ur- 
sprünglichen Mischung gehört. Ob er vielleicht mit Gmelins Ittnerit 
identisch ist? — (Berliner Monatsberichte 1861.) 

T. v. Ssaftschenkow, der Paligorskit. — Dies Mineral 
gehört zur Gruppe der Asbeste und kömmt am Flüsschen Popowka in 
Perm vor, ist fasrig, weich, aber dabei so zäh, dass es sich im Mör- 
ser nicht zu Pulver reiben lässt, spec. Gew. 2,217; weiss, vor dem 
Löthrohr unschmelzbar, in Säure unlöslich. Die Analyse ergab: 


Sauerstoff 
Kieselsäure 0,6935 52,18 27,52 8 
Thonerde 0,2443 18,32 8,60 2,5 
Magnesia 0,1088 819 3,25 3411 
Kalkerde 0,0079 0,59 0,161 
Wasser 0,1800 12,04 10,80 $ 


Hygrosk. Wasser 0,1125 8,46 
1,3277 99,84 


woraus sich die Formel Me SiOz+AlO;. 3Si0O3+3HO ableiten 


lässt. Das Mineral darf als ein Umwandlungsprodukt betrachtet 
werden. Leider fehlen noch nähere Angaben über die Art des Vor- 
kommens. — (Verhandl. Petersburger mineral. Gesellsch. 1862. 102—104.) 
Holmberg, über den Metäxoit und Pikrofluit. — Bei 
Lupikho unweit Pitkäranta in Finnland kommen in Begleit von Ku- 
pferkies, Blende, Magneteisenerz, Arsenikkies, Serpentin, Flusspath, 
Granat und Vesuvian zwei Mineralien vor, Der Metaxoit bildet bald 
kugelförmige Massen von strahliger Zusammensetzung bald dichte 
scheinbar amorphe Partien. Härte über 2, spec. Gew. 2,58—2,61, Bruch 
eben bis erdig, schwach an der Zunge klebend, Farbe licht grünlichblau 
in Weiss, Glanz seidenartig, für sich erhitzt rostgelb und Wasser abge- 

bend. Die Analyseergab Kieselsäure 37,90 

Thonerde 9,78 

Kalkerde 18,78 

Magnesia 12,23 

Eisenoxyd 6,73 » 

Manganoxyd 2,05 

Wasser 12,76 

100,24 


368 


woraus sich‘.die Formel 3(3RO0.Si0;)-+ 2 R» 03.3 SiO3) +2 Rz, 0;.3 SiO; 
9HO berechnet. Das Mineral ist als kalkhaltiger Chlorit zu betrach- 
ten. Der Pikrofluit kömmt mit. Flussspath und Magneteisen vergesell- 
schaftet vor, ist ein wasserhaltiges Magnesiasilikat, amorph mit ebe- 
nem Bruch, Härte 2,5, spec. Gew. 2,74, weiss in gelb und blau, mit 
schwachem Fettglanz, vor dem Löthrohr ‚leicht unter Aufblähen 
schmelzend, in Säure vollständig auflöslich. Die Analyse erwies: 

Kieselsäure 29,00 

Kalkerde 22,72, 

Magnesia 28,79 

Eisenoxydul 1,54 

Manganoxydul 0,78 


Wasser 8,97 
Fluor 11,16 
102,96 


woraus sich die Formel 2RO.SiQ3+CaF-+11/,HO ergibt. — (Zbda. 
144—149.) 

A, Damour, über den Tscheffkinit von der Küste von 
Coromandel. — Beudant führte dies Mineral mit einer Analyse von 
Laugier auf. - Nach des Verf. Untersuchung ist es amorph, ritzt Glas, 
spec. Gew. 4,26, Farbe schwärzlichbraun, schwach durchscheinend; 
Strich braun; vor dem Löthrohr unter Aufblähen zu schwach mag- 
netischer Schlacke schmelzend, im Kolben wenig Wasser gebend, in 
erwärmter Säure gelatinisirend. Steht in seinem. Aeussern dem Al- 
lanit und Orthit zunächst und muss dem Tscheffkinit- untergeordnet 
werden. Die Analyse ergab 


Kieselsäure 0,1903 Magnesia 0,0027 
Titansäure 0,2086 Manganoxydul 0,0038 
Ceroxyd 0,3838 Thonerde 0,0772 
Eisenoxydul 0,0796 Wasseru.Flüchtiges0,0130 
Kalkerde 0,0440 1,0030 


(Bullet. soe. geol. XIX. 550— 552.) 

Böttger, vanadinhaltigesBohnerz von Sala daR — 
B. fand in aller von ihm untersuchten Bohnerzen 'einen Vanadinge- 
halt, wenn er das feingepulverte Mineral mit einem Gemisch. von Aetz- 
natron und Salpeter kurze Zeit der Rothglühhitze aussetzte. Laugt 
man die geglühte Masse mit siedendem Wasser aus, versetzt dann 
das Filtrat vorsichtig, so dass dasselbe eine schwache alkalische Re- 
aktion beibehält, mit reiner untersalpetersäurefreier Salpetersäure, 
so scheidet sich der grösste Theil ‘der Thonerde und. der, Kieselsäure 
ab, fügt man nun zu der abermals filtrirten, meist hellgelben Flüssig. 
keit eine Auflösung von salpetersaurem Baryt, so sondert sich unlös- 
licher vanadinsaurer Baryt ab, aus’ welchem dann durch Digestion 
mit verdünnter Schwefelsäure u. s. w. auf bekannte Weise die Vana- 
dinsäure oder vanadinsaure Salze mit Leichtigkeit zu gewinnen sind. 
Auf diesem Wege fand B. das Bohnerz aus der Grube Bartelszeche 
unweit Salzgitter ziemlich vanadinreich. Das aus Bohnerz gewonnene 


369 


Eisen pflegt sehr gut zu'sein, ob’ wegen des Mangels an Schwefel- 
und Phosphorverbindungen oder wegen des Vanadingehaltes ist noch 
nieht ermittelt. — (Frankfurter physikalischer Jahresbericht 1862. 70.) 

A. Kenngott, über Staurolith, Disthen, Argentit, 
Rutil, Scheelit. — In einem Schaustück von Damourit- oder 
Margaroditschiefer mit Disthen und Staurolith vom Monte Campione 
bei Faido fand K. einen merkwürdigen Staurolithkrystall an beiden 
Enden. ausgebildet. Er zeigt die Combination „PS. P.P&.0P 
mit vorherrschenden Längsflächen, in der Richtung der Hauptachse 
33,5 mm, in der Richtung der Längsachse 9,5 mm und in der Rich- 
tung der Querachse 5,0 mm messend, braun und roth durchscheinend. 
Die in der Combination zuerst genannte Basisfläche ist nicht als 
solche vorhanden, statt derselben erscheinen an beiden Enden End- 
‘flächen, welche den Krystall durch sie als anorthischen Krystall dar- 
stellen. Die Prismen- und die Längsflächen sind glänzend und ziem- 
lich eben, die Flächen des Querdoma weniger glänzend aber eben, 
an dem einen Ende grösser als an dem andern, die schiefen End- 
flächen matt und eben. Verf. giebt noch die Winkel an und vermag 
diese merkwürdige Bildung nicht zu erklüren. Die zugleich vorkom- 
menden Disthenkrystalle sind anorthische und fand K. an einem der- 
selben vollkommene Spaltungsflächen nach der anorthischen Endfläche, 
parallel welcher Quersprünge durchsetzen, auch diese Endfläche selbst, 
welche in ihren Neigungswinkeln gegen die breiten Prismenflächen 
des Disthen jener Staurolithfläche in ihren Neigungswinkeln gegen die 
stumpfen Prismenkanten fast vollkommen entspricht, Winkel an nahe 
100° und 80° bildend, dagegen entspricht sie in der Neigung gegen 
die schmalen Prismenflächen des Disthen jener Staurolithfläche in 
ihrer Neigung gegen die Längsflächen, Winkel von 93°30° und 86030‘ 
bildend. An drei Disthenkrystallen zeigte sich eine viel steilere 
schiefe Fläehe an den Enden, welche mit den schmalen Prismenflä- 
chen des Disthen einen Winkel von nahe 125° bildet und an einem 
Exemplare als Abstumpfung der Combinationskante erscheint, welche 
die schmale Prismenfläche mit der zuerst erwähnten schiefen End- 
fläche bildet. An einem Exemplare des Argentit von Freiberg (Sach- 
sen) sind die Krystalle mOm.. O.:u O0, wo der Werth von m klei- 
ner als 2 ist. Ein an beiden Enden ausgebildeter Rutilkrystall stellt 
die Combination „P.P ... P dar, wovon die letzten Flächen sehr un- 
tergeordnet sind. Zugleich erscheinen die pyramidalen Enden in der 
Ausbildung hinter den seitliehen, den prismatischen Flächen insofern 
zurückgeblieben, als da wo die Prismen- mit den Pyramidenflächen 
Combinationskanten bilden sollten, die Rutilsubstanz sich als Erwei- 
terung der Prismenflächen abgesetzt hat, während die pyramidalen 
Enden wie in eine Hülse hineingesteckt erscheinen. Der eisen- 
schwärze Krystall ist stark halbmetallisch glänzend und undurchsich- 
tig, die überragenden Theile röthlichbraun bis gelblichroth stark 
durchschimmernd. An drei Exemplaren des Scheelit von Frammont, 
welche schöne Krystalle aufgewachsen mit Fluorit und Chalkopyrit 


370 


auf einem Pyrit enthaltendem gelben, rothen oder schwarzen thoni- 
gen Gestein darstellt, liess sich eine interessante Zwillingsbildung 
beobachten Die aufgewachsenen Krystalle sind Combinationen der - 
vorherrschenden Pyramide P und der untergeordneten Pyramide P „, 
woran noch zweierlei Pyramiden in verwendeter Stellung vorkom- 


Pm 
men, eine >= als Abstumpfung der Combinationskanten P/P „ und 
| mPn 8 ER: 
eine —>— als Zuschärfung der Combinationsecken von P und P„. 
Bekanntlich kann man, wenn Krystalle zur Vergleichung nicht aus- 


r l 
reichen, solche Pyramiden beliebig als 5 oder —- bezeichnen, hier 


aber sieht man aus der Zwillingsbildung, dass Krystalle mit _ und 


4 du:Bm mPn ; Ä 
solche mit wog: oder —— da sind. Die Zwillinge nämlich haben 


parallele Achsen und würden als Penetrationszwillinge beim Zusam- 
menfallen der Achsen nicht erkennen lasscn, ob sie Zwillinge sind. 
Hiebei kann sich auch der Fall ereigneu, dass man quadratische 
Trapezoeder sieht, ohne dass sie wirklich vorhanden sind. Esist nicht 
selten, dass hemiedrische Flächen, welche in Combinationen unter- 
geordnet auftreten, nicht vollzählig sondern vereinzelt da sind, zumal 
wenn eine vorwiegende Ausbildung des Krystalls nach einer oder der 
andern Richtung da ist. So kann auch hier das eineIndividuum des 
aufgewachsenen Zwillings an einer hervortretenden Seitenecke eine 
statt zwei Pyramidenflächen verwendeter Stellung haben und wenn 
zufällig an dem andern Individuum auch nur eine solche da ist statt 


mPn 
zwei: so lässt der Zwilling die Flächen —- hemiedrisch trapezoe- 


drisch erscheinen, ohne dass diese Hemiedrie in der That vorhanden 
ist. Auch an Scheeliten von Zinnwalde beobachtete K. diese Bil- 
dung. — (Züricher Vierteljahrsschrift IV. 338— 346.) 6. 
A. Mitscherlich, überdieZusammensetzung des Tur- 
malins, des Glimmers, der Hornblende und des Stauro- 
lithes. — Nach den Analysen des Verf.’s durch Aufschliessen mit 
Schwefelsäure und Wasser im zugeschmolzenen Rohre enthalten die 
untersuchten Turmaline kein Eisenoxyd sondern nur Oxydul. Indem 
Verf. danach die Rammelsbergischen Analysen für die Turmaline um- 
rechnete, zeigte es sich, dass das Verhältniss der Basen mit der Bor- 
säure zur Kieselsäure in allen Turmalinen dasselbe ist, es entspricht 
dem Verhältniss 11:8. Das Vorkommen von Kohlensäure fand Verf. 
nicht bestätigt, wohl aber entwickelte sich bei seiner Aufschlussme- 
thode Chlorwasserstoffsäure. Lithion wurde in einigen Turmalinen 
durch die Spectralanalyse in grösserer in andern in geringerer Menge 
nachgewiesen. Von Glimmer und Hornblenden untersuchte Verf. nur 
wenige, in denen viel Eisen enthalten war. Es zeigte sich, dass we- 
der nur eine Oxydationsstufe des Eisens noch ein constantes Verhäli- 


371 


niss von Eisenoxyd und Eisenoxydul in ihnen enthalten war. Verf. 
giebt eine Tabelle über die Resultate seiner Analysen. Es weichen 
aber die gefundenen Eisenmengen so sehr von denen der Rammels- 
berg’schen Analysen ab, dass wahrscheinlich verschiedene Species 
den beiderseitigen Untersuchungen vorgelegen haben, es lässt sich 
daher nur das Verhältniss von Oxyd zu Oxydul als richtig zur Ver- 
gleichung annehmen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 86 p. 1.) O.K. 
E. Reiehardt, neues Vorkommen von Polyhalit. — 
In Stassfurth durchsetzen das eigentliche - Steinsalzlager einzelne 
Schnüre in bestimmter Richtung von einer Linie bis fast ein Zoll 
Stärke, die auch noch in des Verf. grösserer Arbeit über das Stass- 
further Lager als Gyps bezeichnet worden. Nach der genauern Un- 
tersuchung ergaben sie sich aber als Polyhalit, der in vielen andern 
Steinsalzlagern schon gefunden in Stassfurth noch fehlte. Wenn man 
die Formel des Minerals mit Rose zu RO, SO®-+ Mg 0 SO3+ „(Ca O, SO;) 
+3HO annimmt, so lässt sich seine Entstehung leicht vom Gyps ab- 
leiten, indem 2 Atome Wasser in zwei Aequivalenten Gyps durch ein 
Aeg. schwefelsaures Kali und ein Aeq. schwefelsaure Magnesia er- 
setzt sind. — (Arch. d. Pharm. II. Reihe Bd. CIX p. 204). 0. &. 
 Palaeontologie. A.Zittel undF. Hochstetter, zurPa- 
laeontologie von Neuseeland. — Die ersten Aufschlüsse über pe- 
trefaktenführende Schichten im südlichen Neuseeland gab Mantell 1850 
und Forbes, umfassendere Untersuchungen hat Hochstetter angestellt, 
welche im Novarawerck erscheinen werden. Unger, v. Hauer, Suess, 
Karrer und Stache bearbeiten die Petrefakten dazu und Zittel noch die 
Mollusken und Seeigel, über welche sich derselbe hier verbreitet. Die 
ältesten Petrefaktenführenden Schichten liegen auf der Südinsel bei Rich- 
mond unweit Nelson und bestehen aus eisenschüssigem und grauwacken- 
ähnlichen Sandstein mit Monotis salinaria var. Richmondana und Ha- 
lobia Lommeli, also entschiedenen Triasarten und wenigen unsichern 
Arten. An der WKüste der nördlichen Insel beim Waikato Southead 
und am Kawhiahafen treien Kalkmergel mit viel Belemniten und ei- 
nigen Ammoniten auf. Belemnites Auklandicus n. sp. ‚ist fast iden- 
tisch mit B. canaliculatus, Ammonites novozealandicus giebt keinen 
Anhalt, Placunopsis striatula und Inoceramus Haasti alle neu. Eine 
nähere Altersbestimmung der Schichten gestatten diese Arten nicht, 
Andere verschiedener Localitäten sind tertiär und z. Th. mit leben- 
den identisch. Die Gesteine der ältern Abtheilung sind thonige glau- 
konitische eisenschüssige Kalkmergel, helle Thonmergel, feinkör- 
nige Sandsteine mit meist schlecht erhaltenen Arten, welche eine nä- 
here Vergleichung nicht gestatten, doch das jugendliche Alter unver- 
kennbar anzeigen. Verf. zählt die einzelnen Localitäten auf, ihre Ar- 
ten sind sämmtlich neu: Brissus eximius, Schizaster rotundatus, 
Hemipatagus formosus und tuberculatus, Nucleolites papillosus, Fas- 
eiculipora mamillata, Terebrateln, Ostraea Nelsonana, Pecten athleta, 
Burnetti, Williamsoni, Hochstetteri, subpolymorphus, Pecten Fischeri, 
auclandicus, Cucullaea singularis, Scalaria Bronni und lyrata, Lamna- 


372 


zähne. Die Fauna der jüngsten Schichten schliesst sich eng an die 
lebende Neuseelands an, enger an die jüngsten chilesischen und patago- 
gonischen als irgend einer tertiären europäischen. Am reichsten sind 
die blauen Thone im Awaterrethal, minder gut die Exemplare im 
Grünsand von den Cliffs bei Nelson, dann am Kap Rodney in einer 
grobkörnigen Breceie, andere Lokalitäten sind arm. Untersucht wur- 
den eine lebende Waldheimia, Ostraea ingens und Wüllerstorfi, Pec- 
ten Triphooki, Limopsis insolita Swb. die lebenden Solenella .austra- 
lis Quoy und Pectuneulus laticostatus Quoy, Crassatella ampla, Do- 
sinia Greyi, Teredo Heaphyi, Dentalium Mantelli, Crepidula incurva, 
die lebende Trochita dilatata Quoy, Trochus Stoliczkai, Turbo super- 
bus, Natica Denisoni, die lebende Voluta pacifica, V. gracilicosta» 
Purpura und texteliosa, Buceinum Robinsoni, Struthiolaria canaliculata 
und cingulata. — Die Braunkohlenlager der Nord - und Südinsel ge- 
hören gleichfalls der ältern Abtheilung an und führen bei Drury un- 
weit Aukland und bei Nelson dikotyle Blätter. Von erster Lokalität 
konnte Unger nur wenige generisch bestimmen, die der anderen gar 
nicht: kein einziges Blatt ist mit europäischen identisch. Fagus Ni- 
nisana. steht der lebenden chilesischen F. procera zunächst, Lorantho- 
phyllum Griselinia der neuseeländischen Griselinia lueida sehr ver- 
wandt, L. dubium ähnlich dem Loranthus longifolivs, Myrtifolium 
lingua ganz eigenthümlich, ferner die unbestimmbaren Phyllites Pur- 
chasi, ficoides, novae Zealandiae und leucinium. — (Neues Jahrb. f. 
Mineral. .146—161.) ; 

L. Lesquereux, die Pflanzen der Namerikanischen 
Steinkohlenformation (cf. XX. 26 8). — Diese Fortsetzung ver- 
breitet sich über folgende Pflanzen: Gyromyces Ammonis Gp häufig 
in Illinois ist vom Verf. zu Planorbis, von Dawson zu Spirorbis ge- 
stellt worden. Von Pecopteriden kommen in NAmerika vor die eu- 
ropäischen Alethopteris lonchitidis, aquilina, Serli und marginata, 
dann die eigenthümlichen A. pensylvanica und Oweni. Von Callip-. 
teris die C. Sullivanti. Zu dieser Gattung versetzt L. die europäi- 
schen Pecopteris gigantea, punctulata, Neuropteris conferta, obliqua, 
ovata, conjugata und Pecopteris firmata® Mehrere ächte Pecopteris 
Europas kommen auch in NAmerika vor. Aspidites nervosa, muricata, 
Pluckeneti und Loshi gleichfalls in beiden Welttheilen. Diplazites 
nicht von Pecopteris zu trennen, mit D. emarginatus und longifolius, 
auch Asplenites und Polypodites trennt L. nicht. Von Sphenopteri- 
den kömmt nur Sphenopteris sparsam vor mit Arten von Dickso- 
nioides, Cheilanthoides und Davalloides. Auch Hymenophyllites, von 
welchem Pachyphyllum Lesq nicht zu trennen in mehreren Arten ver- 
treten z. B.H.flexicaulis Lesg. Pachyphyllum begreift Arten von Aph. 
lebia und Schizopteris.— (Sillim. Americ. Journ: 1861. <XXUI. 206-216.) 

C. Mayer, systematische Uebersicht der jurassi- 
schen Belemniten nebst'neuen Arten. — Als Prodromus einer 
demnächst erscheinenden Monographie der Jurabelemniten giebt Verf. 
hier folgende ‘Uebersicht derselben: 


373 


I. Acuarii lanzettliche comprimirte: ohne Kanal und Seiten- 
linien a. völlig glatte, « mit excentrischer Alveole. C. Gruppe des 
B. acutus kurz kegelförmig, kaum comprimirt: B.acutus im Sinemu- 
rien, alter n. sp. und breviformis im Liasien, brevis und giengensis im 
Bajocien. 2. Gruppe des B. spinatus schlank und ziemlich stark com- 
primirt: B. striatulus und die drei neuen Oosteri , macilentus und 
Oppeli im Sinemurien, B. spinatusim Toarcien und Bajocien. 3. Gruppe 
des B. umbilicatus ziemlich cylindrisch und deprimirt nur B. umbili- 
catus im Liasien. — $) Mit centraler Alveole. 4. Gruppe des neuen 
B. Moeschi im Bajocien. 5. Gruppe des B. borealis im Callovien.  — 
b. Arten mit Scheitelfurchen «. mit centraler Alveole. b. Gruppe des 
B. paxillosus schlank, walzig, mit zwei dorsolateralen Furchen: .B. 
paxillus neu im Sinemurien, B. elongatus Liasien, virgatus neu, pa- 
xillosus und crassus im Liasien, withbyensis, vulgaris und paxillatus 
im Toarcien. £. Mit excentrischer Alveole. 7. Gruppe des einzigen 
B. compressus Liasien. 8. Gruppe des B. irregularis gedrungen, stark 
eomprimirt, mit ventraler Furche: B. incurvatus, Wrighti, irregularis 
alle im Toarcien. 9. Gruppe des B. acuarius sehr schlank mit sehr 
verlängerten Furchen: B. longissimus und lageniformis im Liasien, 
B. acuarius, longisulcutus, tricanaliculatus und dorsetensis’im Toarcien. 
10. Gruppe des B. tripartitus kegelförmig, leicht comprimirt, mit drei 
Furchen: B. Quenstedti, rhenanus, conoideus im Toarcien. 12. Gruppe 
des B. giganteus mässig comprimirt mit vier Scheitelfurchen und B. 
giganteus und der neue B. praecursor im Bajocien. 

II. Canaliculati lanzetliche mit deprimirter Bauchfläche und 
ohne Seitenlinien. a Völlig glatt. «. Mit excentrischer Alveole. 
13. Gruppe des B. excentralis leicht deprimirt und comprimirt: B. 
Escheri n. sp. im Bathonien, Wechsleri im Callovien, excentralis ebenda 
und im Corallien, levis im Corallien. 14. Gruppe des B. Trautscholdi 
leicht deprimirt und stark comprimirt: B. Trautscholdi im Bajocien. 
ß- Mit centraler Alveole. 15. Gruppe des‘ einzigen B. Souichi im 
Kimmeridgien. — b. mit einem Kanal «. mit excentrischer Alveole 
16. Gruppe des B infracanaliculatus mit der Scheitelregion endenden 
Kanal: B. infracanaliculatus im Bajocien, dann Kirghisensis, russien- 
sis, panderanus, magnificus und Puzosanus im‘ @allovien und Trosla- 
yanus im Kimmeridgien. f£. Mit centraler Alveole. 17. Gruppe des 
B. Blainvillei mit unterhalb der Alveole endendem Kanale: B. Blain- 
villei und der neue B. Heberti im Bajocien, alpinus im Bathonien, ab- 
solutus und volgensis im Callovien. 18. Gruppe der B. canalicula- 
tus mit bis auf die Alveole reichendem Kanale, nur diese Art im Ba- 
jocien und Bathonien und B. Grantanus im Callovien. — c. Mit zwei 
Kanälen: 19. B. Meyrati im Callovien. 

III. Hastati spindelförmige mit Seitenlinien oder Seitenkanä- 
len. a. glatte. 20. Gruppe des B. clavatus, klein, spindel- oder keu- 
lenförmig: B. clavatus im Lias, toarcensis, neumarktensis und subela- 
vatus im Toarcien. 21. Gruppe des einzigen B. Royeranus im 'Coral- 
lien. — b. mit Rinnen. 22. Gruppe des B. würtembergicus die schmale 


374 


Rinne erreicht nicht oder kaum die Keule: B. neglectus n. sp. in Li- 
asien, tirolensis im Toarcien, würtembergicus in Bajocien, helvetieus 
n. sp. in Bathonien. 23. Gruppe der B. fusiformis die breite Rinne 
erreicht fast die Spitze: B. fusiformis in Bathonien, bernensis n. sp. 
im Oxfordien. 24. Gruppe des B. hastatus mit über die Keule rei- 
chendem Kanale: B. Beyrichi und baculoides in Bathonien, hastatus 
im Callovien, semisulcatus im Oxfordien. 25. Gruppe des B. Duva- 
lanus stark eomprimirt mit schmaler Rinne: B. Duvalanus im Callo- 
vien, ferner Didayanus, pressulus, Sauvanaui und argoviensis im Oxfor- 


dien. — c. Mit Seitenrinnen. 26. Gruppe der B. exilis mit diesem, 
parvus, Gumbeli und serpulatus im Toarcien, endlich 27. Gruppe des 
einzigen Coquandanus im Oxfordien. — Verf. diagnosirt nun noch 


die 16 neuen Arten, welche in der Schweiz vorkommen und macht 
die vier ihm unbekannten Arten namhaft. — (Journal Conchyliol. 1853. 
April.) 

I. W.Kirby, neueChitonarten aus dem Bergkalk von 
Yorkshire. — Die Exemplare wurden im untern Kohlenkalk mit Rhyn- 
chonella angulata, Terebratula hastata, Spirifera cuspidata etc. gesam- 
melt und bestehen aus einzelnen Schalenstucken, welche unter Beifü- 
gung der Abbildungen unter folgenden Namen einzeln beschrieben 
werden: Chiton Burrowanus, coloratus, und zwei namenlose Arten. 
Es sind die ersten Arten im englischen Kohlengebirge, während aus 
dem Belgischen de Koninck schon 1843 deren zwei und Ryckholdt 1845 
deren 10 beschrieb, später auch Baily noch eine aus dem irischen 
Kohlenkalk; überhaupt sind nun 18 Chiton- Arten aus dem Kohlenge- 
birge bekannt. — (Quaterl. journ. geol. 1862 XVIII. 233—237 ce. Figg.) 

Th.H. Huxley, Pygocephalus neuer Kohlenmacrure. 
— Im dunkeln Kohlenschiefer von Paisley in Schottland wurde der 
Abdruck eines langschwänzigen Krebses gefunden, welcher der früher 
schon aufgestellten Gattung Pygocephalus anzugehören scheint. Lei- 
der gestattet die Erhaltung desselben keine eingehende Vergleichung 
mit dem frühern Exemplare und keine befriedigende generische Be- 
stimmung. Es ist ein Macrure mit deutlich gestielten Augen, langen 
Blättern an den äussern Fühlern, sehr dünnen Beinen und grossem 
Hinterleibe. — (Quaterl. journ. geol. 1862. XVII. 420-422. c. Fig.) 

R. Kner und Fr. Steindachner, neue Beiträge zur 
Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs (Wien 1863, 
7 Tff. Fol.) — Heckel deutete von Zigno gesammelte Fische auf drei 
Arten Albula und einen Megalops, deren Exemplare die Verff. unter- 
suchten und anders bestimmten. Sie fanden an erstern nicht die sehr 
charakteristischen Zähne der Gattung, hinsichtlich deren Heckel sich 
getäuscht hat. Die Reste gehören vielmehr der Gattung Chanos an, 
denn ihr Mund ist völlig zahnlos, die Form des Unter- und Zwischen- 
kiefers und auch die vorderen Stücke des Suborbitalringes stimmen 
vollkommen damit überein, nicht minder die Form und Zeichnung der 
Schuppen und die Bildung der Schwanzflosse. Heckels Albula bre- 
vis wird nun als Chanos brevis 7° lang von Chiavon beschrieben, 


375 


dessen A. Zignoi und lata als Ch. Zignoi von ebenda. Auch Heckels 
Megalops forcipatus fällt Chanos in allen wesentlichen Merkmalen zu 
und wird hier als Ch. forcipatus speciell beschrieben. Zu diesen Clu- 
peoiden fügen die Verff. weiter an Scomberoiden Vomeropsis elonga- 
tus Heck, welcher in der Ittiologia veronese als Zeus vomer abgebil- 
det ist, aber doch mit Vomer nicht nah verwandt ist. Seine Totalge- 
stalt ist elliptisch, der Kopf liegend ziemlich gestreckt, das längliche 
Auge weit zurückstehend, eine lange Rücken- und Afterflosse, längs 
ihrer Basis einander gegenständig, keine fadenförmig verlängerten 
Flossenstrahlen, abgestutzte Schwanzflosse. Die Art vom Monte Bolca 
wird ausführlich beschrieben. Die neue Gattung Pseudosyngnathus 
beruht auf Syngnathus typhle Ittiol. veron. = $. opisthopterus Ag. 
und vermittelt die Lophobranchier mit den Aulostomen. Die Art wird 
als N. opisthopterus beschrieben. Solenorhynchus hat schon Heckel 
als Lophobranchier charakterisirt: Körper, walzig, dünn, von kantigen 
Ringen umgeben, der Schwanztheil kurz, Mund am Ende der Röhre, 
klein, schief, aufwärts gespalten, zwei Rückenflossen, die erste mit- 
telständig, die zweite über der Afterflosse, Bauchflossen vor der 
Rückenflosse, Schwanzflosse zugespitzt, verlängert, Die Art ist S. 
elegans Heck. Weiter wird der Rajacee Urolophus princeps Heck vom 
Monte postale beschrieben und der Gadoide Morrhua aeglefinoides n. 
sp. von Pod Sused in Croatien. 

Huxley, neue Labyrinthodonten aus dem Edinbur- 
ger Kohlengebirge. — Loxomma Allmanni beruht auf einem hin- 
tern Schädelstück und Brustschildern aus dem Eisensteine von Gil- 
merton, und wird speciell beschrieben. Während der grösste bekannte 
Archegosauren Schädel 12” misst, hat dieser neue 14” Länge und 
unterscheidet sich von jenen hauptsächlich noch durch die nach hin- 
ten gerückten, schiefen, fast birnförmigen Augenhöhlen, worauf der 
Name Loxomma, Schiefauge deutet. Die Brustplatten haben eine ent- 
sprechende Grösse. — Pholidogaster piseiformis gründet sich auf ein 
vollständigeres Exemplar derselben Gegend von etwa 44” Länge, wo- 
von der Schädel den sechsten Theil einnimmt. Das Schnauzenende 
ist völlig abgerundet, die Kehlschilder deutlich vorhanden, dahinter 
schiefe Reihen langgezogener dicker Bauchschuppen. Die Wirbelkör- 
per sind vollkommen knöchern, in der Mitte schwach eingezogen, bi- 
concav, an der Unterseite mit mittler Kante; Bögen und Fortsätze 
fehlen. — (Quaterl. journ. geol. 1862. XVII. 291—296. tb. II.) 

R. Owen, Reptilien des Kohlengebirges in Neu- 
schottland.-- Dawson sammelte in den Koblenschichten von South 
Joggins Reptilienreste, welche Owen eingehend untersuchte. Hylo- 
nomus Lyelli Wirbel, Rücken, Beinknochen, Schädelstück und Ober- 
kiefer mit Zähnen, H, aciedentatus Ober- und Unterkieferfragmente, 
K. Wymanni Fussknochen und sechs Schwanzwirbel, Hautschilder, 
Hylerpeton Dawsoni linker Unterkieferast mit Zühnen, Dendrerpeton 
Acadianum ein fast vollständiges Skelet. Die neue Gattung Hylono- 
mus besitzt die Zahnbildung eines kleinen Insekten - oder Würmer- 


376 


fressenden Reptils. Zahl, Form und Stellung der Zähne erinnert zu- 
nächst an Archegosaurus; ihre Krone ist über der Basis etwas er- 
weitert und geht in eine stumpfe Spitze aus. In einer Kieferreihe 
stehen mindestens 40 Zähne. Die Aussenfläche des Oberkiefers lässt 
ähnliche Gruben und Furchen erkennen wie bei Archegosaurus. Die 
Haut bedecken kleine oyale Schuppen, deren concave Innenseite zel- 
lige Struktur zeigt, während die fast flache Oberseite die Härte der 
Ganoidenschuppen zeigt. Die Vorderfüsse scheinen vierzehig gewe- 
sen zu sein, die Zehen bis zur vierten an Grösse zunehmend und zum 
Schwimmen geeignet; die Schwanzwirbel lang gestreckt, denen von 
Proteus ähnlich. 'Hylerpeton hatte’ grössere und weniger Zähne mit 
dicker stumpfer Krone und zeigt viel Fischähnlichkeit, doch zweifelt 
O. an der Reptiliennatur nicht, ja die Zahnbildung verräth Echsen- 
typus. Dendrepeton hat einen breiten niedergedrückten Schädel, 
der vorn stumpf gerundet ist, durch seine allgemeine Configuration 
den eigentlichen Labyrinthodonten ähnlicher als den Archegosauren. 
Die grossen runden Augenhöhlen stehen fast in der Mitte der Schä- 
dellänge. Wie erste Gattungen zeigt auch diese einige Beziehungen 
zu den Ganoiden, selbst in der Körperbedeckung, welche in ellipti- 
schen, innen glatten, aussen längs der halben Länge erhabenen Schup- 
pen besteht. Keine dieser Gattungen kann einer lebenden Familie 
oder Ordnung der Amphibien zugewiesen werden, sie constituiren 


vielmehr eine eigenthümliche Gruppe, die der Ganocephalen. — (Quar- 
terl. journ. geol. 1862 XVII. 238-244. tb.'9. 10.) 
A. Gaudry, der fossile Affe Griechenlands. — Wäh- 


rend Cüvier noch keinen einzigen vorweltlichen Affen kannte, sind 
gegenwärtig deren schon zehn Arten nachgewiesen, 2 in Südamerika, 
3 in Asien, 5 in Europa, alle freilich nur nach sehr seltenen und un- 
vollständigen Ueberresten. Dazu kommen nun die griechischen sehr 
zahlreichen Ueberreste. G. sammelte 20 Schädel, mehre Kiefer und 
Knochen des Skelets bei Pikermi und konnte ein vollständiges Ske- 
let aufstellen. Die Aehnlichkeit im Schädel mit Semnopithecus ist 
unverkennbar und G. hielt die Aufstellung des Wagnerschen Mesopi- 
thecus für nicht gerechtfertigt, was auch Beyrich schon nachgewiesen 
hatte. Allein die letzten Ausgrabungen lieferten auch die Gliedmas- 
sen, welche minder dünn und schlank wie bei Semnopitheken sind 
und vorn und hinten fast gleich, vielmehr denen der Makaken ent- 
sprechend. Die verwandtschaftlichen Beziehungen stellen sich nun- 
mehr ganz anders, als man nach der Vergleichung des Schädels allein 
erwarten konnte. G. nimmt nun den Wagnerschen Namen Mesopithe- 
cus wieder auf, jedoch nicht mit Beziehungen zu den Gibbons, son- 
dern zu den Makaken. Alle Ueberreste von Pikermi gehören der ein- 
zigen Art M. pentelicus. Allerdings sind einige Exemplare: stärker 
als andere und auf solche gründete Wagner seinen M. major, diesen 
Unterschied nimmt G. für sexuell, da er in- ganz gleicher Weise auch 
bei lebenden Affen vorkömmt. Der Mesopithecus hat !/; Meter Lei- 
beslänge, einen langen Schwanz, einen Gesichtswinkel von 75°, sein 


377 


Gebiss entspricht ganz Semnopithecus und weisst auf weiche Pflan- 
- zennahrung, die Form der Sitzbeine spricht für starke Gefässschwie- 
len; die Vorderfüsse mit Daumen zum Greifen, die Finger der Hin- 
terhände sehr lang und die ziemlich gleiche Länge beider Gliedmas- 
senpaare macht den Aufenthalt am Boden wahrscheinlicher als den 
auf Bäumen. Dass aber dieser Affe ein tropisches Klima für Grie- 
chenland beweist, weil die lebenden Affen den, warmen Ländern ange- 
hören, ist ein völlig unbegründeter Schluss. Er ist ein ganz anderes 
Thier als die lebenden Affen und konnte also auch in einem anderen 
Klima leben so gut wie gegenwärtig nicht alle Hirscharten in einem 
Klima leben. — (Bullet. soc. geol. XVIII. 1022—2025.) @l. 

Botanik. Treviranus bespricht die Auffassung der 
Dichogamie nach Sprengel und Darwin. Nach Ansicht derselben 
sind die Insecten ein Hauptinstrument zur Befruchtung der Pflanzen, 
ohne diese würde es in vielen unerklärlich sein, wie die Befruchtung 
vor sich geht. Treviranus erklärt sich einverstanden, findet aber, dass 
Selbstbefruchtung doch als Norm anzusehen ist. Die Beobachtungen 
lehnen sich an Papilionaceen, Primulaceen und Orchideen, von denen 
namentlich die letzteren die grösste Schwierigkeit für den Vorgang 
der Selbstbefruchtnng bieten. — (Bot. Zeitung, 1863. p. 1.) ; 

Seemann hat eine Flora von 800 Arten der Fidji-Inseln 
zusammengestellt. Merkwürdig ist die bedeutende Menge von Ru- 
biaceen und die geringe der Compositen und Gräser. — (Synopsis 
plantarum Vitiensium. Systematie list of all the Fijian plants at pre- 
sent know.) 

Sanio macht einige Bemerkungen über den Gerbstoff und 
seine Verbreitung bei den Holzpflanzen. Die bisherigen Reagentien 
auf Gerbstoff sind nicht geeignet über die Verbreitung des Gerb- 
stoffs hinreichenden Aufschluss zu geben. Sowohl der Niederschlag 
den Eisenchlorid hervorbringt, wie auch der rosenrothe Niederschlag, 
den man mittelst Chlorzinkjod erhält, ist schmierig, fliesst deshalb 
leicht aus den durch das Wasser geöffneten Zellen heraus und kann, 
indem er sich über ursprünglich gerbstofffreie Zellen verbreitet, leicht 
zu Täuschungen Veranlassung geben. Zweckmässig ist es, den Gerb- 
stoff in den Zellen durch Ueberführung in eine feste compacte, durch 
Farbe leicht erkenntliche Verbindung zu fixiren und dann durch Her- 
stellung vom Quer- und Längsschnitten seine Verbreitung zu ermit- 
teln. Das passendste Reagens hierzu ist zweifach chromsaures Kali. 
Mit demselben bildet der Gerbstoff eine compacte, im durchfallenden 
Lichte intensiv rothbraune Verbindung. Als Resultat ergiebt sich, 
dass im Winter, also bei ruhender Vegetation, sich der Gerbstoft 
nicht in allen Holzpflanzen vorfindet, stets nur in parenchymatösen 
Zellen auftritt, sich nur gelöst im Zelleninhalte findet, neben Chloro- 
phyll und Stärke auftreten kann und am reichlichsten in der Rinde 
vorkommt, Von den einheimischen Holzpflanzen ist Quercus pedun- 
culata am gerbstoffreichsten. — (Bot. Zeitung, 1863, p. 17.) 

Lindenberg theilt im unten angegeb. Werke Bestimmungen 


XXL 1863, 25 


378 


der Torfmoose mit. Derselbe unterscheidet: 2 Genera: Isocladia 
und Sphagnum. Zu ersterem gehört nur eine einzige Art J. macro- 
phyllus aus NAmerika, zum zweiten 2 Gruppen A) Homophylla ohne 
Spiralfasern und mit nur einem endständigen Loche im Blatte (hierzu 
nur? aus Java und Sumatra bekannte Arten und B) Heterophylla um- 
fasst alle übrigen Arten. — (Torfmossornas byggnand, ut bredning 
och systematisk uppstalling.) 

W. Kabsch hat gefunden, dass wenn man die Haare des 
Saamenschopfes von Asclepias »yriaca trocknet und unter dem 
Mikroscope bei etwa 250—300 maliger Linear-Vergrösserung betrach- 
tet, sehr häufig an ihnen spiral. Streifungen wahzunehmen sind, die 
mitunter, namentlich in der Nähe der Basis der Haare äusserst re- 
gelmässig in einfachen oder doppelten Spiralen verlaufen, welche zu 
verschiedenen interessanten Beobachtungen über die Bildungsweise 
der Ringfasern etc. Veranlassung geben. Ob die Sprödigkeit der 
Haare durch einen Gehalt an oxalsaurem Kalk bedingt ist, muss der 
Verf. dahingestellt sein lassen, jedenfalls ist das Vorkommen dieses 
Salzes als Bestandtheil der Zellenmembran bemerkenswerth. 

Liebe hat eine Schrift über die geographische Verbrei- 
tung der Schmarotzerpflanzen herausgegeben. Dieselben sind 
in den Tropen am stärksten vertreten und nehmen nach den Polen 
ausserordentlich schnell ab. Namentlich ist dies bei den Lorantha- 
ceen der Fall, die in den gemässigten Zonen nur in noch sehr ge- 
ringer Zahl vorkommen; nur Viscum album L. geht bis zu den Mı- 
seln im Mälarsee (60° N. Br.) Die meisten Loranthaceen hat Ame- 
rika, dann Asien, Afrika, Australien und zuletzt Europa. — (Ueber die 
geogr. Verbreitung der Schmearotzerpflanzen. Berlin 1862.) 

D. Brandis giebt in einem Schreiben vom 23. März v.J. aus 
Domdamu Forests in Hinter-Indien verschiedene Aufschlüsse über 
die Baumvegetation einer Bergkette längs des Thales Thonogyun. 
Obwohl die Berge an 4000‘ Höhe erreichen war es doch dem Reisen- 
den gestattet Nächte im Freien zuzubringen. Der dichte Urwald 
breitet eine Decke von 200° Dicke über dem Boden aus und wird nur 
hier und da durch Rodungen unterbrochen. Die letztern werden je- 
doch nur einmal zu einer Erndte von Reis und Baumwolle benutzt 
und verwildern dann wieder. Die Bäume des Gebirges, welche auch 
in der Ebene zu Hause sind, nehmen im Urwald gigantische Ge- 
stalten an (200%) an. Als Repräsentanten sind anzuführen: Diptero- 
carpus, Hopea, Shorea, Millingtonia, Cassia Boxburghii, Myristica, 
einige Anonaceae, Eurya, Antiaris, Durio sp. nov., Pongamia, Chik- 
rassia, Proteacea mit fleischiger Frucht, Quercus, Celtis (Gissoniera), 
einige Rubiaceae, von Laurineen Tetranthera und Polyadenia, Arcto- 
carpus sp., Gardenia rostrata, Pierardia sapida, Gascinia sp., Dua- 
banga grandiflera, Pterospermum acerifolium, Nauclea sp., Jambosa 
etc. — (Bot. Zt. 1863. p. 43.) 

A. Kanitz hat Pflanzen Pannoniens, Daciens und 
Rumeliens gesammelt und giebt deren Kenntniss nebst Verbreitung, 


379 


u. a. Carex pyrenaica Wahlenberg, C. trachyantha (dieselbe gleicht im 
ganzen der pilulifera, unterscheidet sich aber durch die Deckblät- 
ter, die am Grunde aus einer Vagina auslaufen und Oehrchen ein- 
schliessen), Iris lepida Heuff., Iris biflora (wohl mit Iris germanica 
identisch), Orchis elegans, Allium ammophilum, Salix repens, mehrere 
Quercus, Veronica acinifolia, Ferula communis, Potentilla chrysantha 
und rupestris, Cytisus leucanthus, Viola ambigua, Ranuneulus auri- 
comus und flabellifolius. — (Ebda. 1863. p. 45.) 


Nach Bericht über den botan. Garten in Buitenzorg auf Java 
schreitet die Seide-Cultur dort fort. Man trägt Sorge, dass Mo- 
rus indica mehr angepflanzt werde. — (Zbda. 1863. p. 48.) 


v. Schlechtendal giebt Beiträge zur Kenntniss der Gattung 
Beshorneria Kth. Im Sommer 1862 entwickelte sich im hotani- 
schen Garten hierselbst B. yuccoides Hook. Es erhob sich aus dem 
Mittelpunkte der Blattrosette ein Blühtenstand von grün und roth 
gefärbten Scheiden umkleidet. Derselbe erhob sich 9 Fuss über den 
Boden des Topfes, in welchem die B. stand, begann aber erst einige 
Fuss über seinem untersten Ende Zweige zu bilden, die in unregel- 
mässigen Abständen von einander, aber rund um die Hauptachse aus 
den Winkeln der Bracteen hervorkommend eine verschiedene Länge 
hatten (die längsten etwa 10 Zoll) und alle mit kleinern Bracteen 
wieder besetzt waren, aus welchen bald gestielte Blumen herabhin- 
gen. Die Spitze der Hauptachse hatte keine entwickelten Aeste, 
sondern nur aus dem Bracteen-Achseln herabhängende gestielte Blu- 
men. Die Pflanze macht keinen glänzenden Eindruck. Die grössten 
Blätter hatten bei circa 31/3 Zoll Breite 2!/, Fuss Länge, auf ihrer 
Oberfläche war eine breite Rinne, beide Flächen des Bl. aber mit 
einem feinen weissen Ueberzuge bedeckt. Die Blume selbst hat eine 
intensiv grüne Färbung. Es gelang auch die Frucht zu erzielen. — 
(Ebda. 1863. p. 49.) RD. 

A. Kanitz führt die Urticeen Ungarns auf. — (Zbda. 1863. 
p. 54. 

F. Nobbe veröffentlicht eine Vegetationsstudie über die 
feinere Verästelung der Pflanzenwurzel, (Dresden, Druck von Bloch- 
mann u. Sohn. 1862.) — (Ebda. 1863. p. 55.) 

J. Sachs hat die Keimung des Samens von Allium Cepa 
beobachtet und berichtet darüber ausführlich. — (Zbda. 1863. p. 57.) 


William Nylander beschrieb mehrere Diatomeenarten. 
An die Beschreibung derselben knüpft Hermann einige Bemerkun- 
gen, ob die Diatomeen Thiere oder Pflanzen sind. Darüber kann 
zur Zeit eine endgültige Entscheidung noch nicht abgegeben werden, 
da wir noch zu wenig von der Entwickelungsgeschichte, von dem 
doch sicher vorhandenen sexuellen Gegensatze in ihrem individuellen 
Entwickelungskreise von einem ebenso wahrscheinlich noch neben der 
Theilung vorhandenen aaderweitigen Fortpflanzungsprocesse wissen. 
H. hält die Kopulation der Diatomeen, die er zu beobachten mehr- 


25* 


380 


fach Gelegenheit hatte, nicht für eine Fortpflanzung im engern Sinne. 
(Ebda. 1863. p. 62.) 

Hoffmann giebt mehrere mykologische Berichte, welche 
sich an schon früher von ihm gemachte anlehnen. Im Innern er- 
krankter Seidenraupen oscilliren bekanntlich Körperchen, welchen 
Lebert den Namen ‚„Panhistophyton ovatum gegeben hat, diese hält 
Cornalia jetzt mit Genanntem für ein pilzartiges, einzelliges Wesen. 
C. Vittadini hat beobachtet, dass das Embryonalgewebe mit diesen 
Körperchen schon im Ei erfüllt ist. Man sollte demnach mittelst des 
Mikroscops schon früh die kranken Eier von den gesunden sondern. 

F. V. Jodin bestätigt die Versuche von Pasteur u. A. wonach 
die Schimmelpilze in einer mykogenen Flüssigkeit starke Oxy- 
dation veranlassen. (Zbda. 1863. pag. 71.) 

H. Hoffmann hat eine Sylloge der Pilze aus der Mittel- 

rheingegend, insbesondere dem Grossherzogthum Hessen zusammen- 
gestellt. — (Zbda. pag. 73.) 
Derselbe fährt fort mykologische Berichte zu geben. Nach 
I. Kühn ist nicht der Berberitzenbrand oder Becherrost Ursache, dass 
in Nähe vom Berberitzer das Getreide leicht brandig wird, sondern 
die unter dem Schutze solcher Gesträuche und Hecken in Menge über- 
winternden rostigen Queckenhalme übertragen die Sporen des Rostes 
auf das benachbarte Getreide. — (Zbda. 1863, p. 82.) R.D. 

Schultz-Schultzenstein sprach in der 3. Vers. des bot. 
Vereins für Brandenburg über mehrere Pflanzen der Mark, 
welche er im Ruppinischen fand und sonst zu den seltenen der Ge- 
gen gehören. Leersia oryzoides Sw. an quelligen Stellen der Ge- 
gend von Rheinsberg. Diese Pflanze wird an vielen Orten ihrer spä- 
ten Blühtezeit wegen übersehn. Ihre Rispen entwickeln sich oft erst 
im October und November. Arnica montana L. bei Ruppin unweit 
Storbeck und im Hundebusch. Pulmonaria officinalis L. bei Ruppin 
unweit des Pfefferteichs. Scrirpus Tabernaemontani Gmel in Seen 
zwischen Rottstiel und Malchow. Diese Art liebt seichteres Wasser 
als S. lacustris L. und wird von den dortigen Fischern unter dem 
Namen Steinbiese wohl von letzterer unterschieden und ihrer grösse- 
ren Festigkeit wegen zur Herstellung der Aalflösse vorgezogen. Lin- 
naea borealis L. in der Ruppiner Gegend an der sogenannten Hack- 
spitze unweit Kunsterspring. Die Kultur dieser Pflanze ist noch nicht 
hinreichend erforscht. Es ist z. B. auffallend, dass man sie bei uns 
nur auf moosigem Waldesboden, in den Alpen Graubündens und in 
Scandinavien auch auf nackten Granitbodem findet. Nach einer Be- 
merkung Bolle’s soll jedoch bereits Wildenow die Kultur der Linnea 
gelungen sein und dieselbe neuerdings von Paul im botanischeu Garten 
zu Berlin ohne Schwierigkeiten in Töpfen eultivirt werden, — (BeME 
d. bot. f. Brandenb. 3 und 4 J. 1861 und 1862 pag. IX.) 

P. Ascherson macht darauf aufmerksam, dass mehrere Pflan- 
zen in der Provinz Brandenburg ihre Vegetationslinie erreichen und 
diese hauptsächlich durch den Gegensatz von Continental- und See- 


38l 


klima in nordwestlicher und südöstlicher Richtung bedingt würde — 
(Ebda. 1861 XIX.) 

Th. Irmisch, über Trifolium Lupinaster L. — Es ge- 
hört nicht bloss seiner geographischen Verbreitung nach zu den merk- 
würdigsten Kleearten der europäischen Flora, sondern es bietet auch 
in morphologischer Hinsicht manche Eigenthümlichkeiten dar. ' Die 
Keimung erfolgt 2—3 Wochen nach der Aussaat. Das erste Laub- 
blatt ist, wie es als Regel für die Kleearten gilt, einfach, manchmal 
auch das zweite; doch zeigt sich hierbei manches Schwankende, in- 
dem I. das zweite auch zwei- oder dreizählig fand. Das 3. Blatt ist 
gewöhnlich 3zählig, wenn aber das zweite einzählig war, so hatte je- 
nes bisweilen auch nur zwei Blättchen. Die Keimblätter. sowie die 
ersten Laubblätter unterscheiden sich auffällig von den Blättern der 
älteren Pflanze darin, dass die einfache Spreite oder die Blättchen 
dureh einen deutlichen Stiel, an dessen Spitze letzterer dicht bei ein- 
ander stehen, von der Scheide, die neben dem Stiele je ein niedriges 
dünnhäutiges Aehrchen bildet, getrennt sind, während sie bekanntlich 
an den späteren Blättern dieser Scheide dicht ansitzen. Der Stiel der 
ersten Laubblätter misst 3—4 Linien in seiner Länge und ist faden- 
dünn. Die Spreite des ersten Laubblattes fand Verf. ganzrandig, 
wogegen die des folgenden fein gezähnelt waren. Das Vorhanden- 
sein eines deutlichen Stiels an den Blättern der jüngern Pflanze im 
Gegensatze zu dem Mangel desselben an den Blättern der späteren 
Achsen erinnert lebhaft an dasselbe Verhalten, das von Berberis vulga- 
ris bekannt ist. Die apikotylische Achse streckte sich im Laufe des 1. 
Sommers bei kräftigen Pflanzen bis zu 4—5 Zoll Höhe. Sie blieb in 
ihren oberen Theilen unverzweigt. Während des Herbstes und des 
Winters des ersten Jahres stirbt die Primärachse bis auf die ganz 
kurzen basilären Glieder, die, wie es bei so vielen perennirenden 
Gewächsen um die angegebene Zeit der Fall ist, von dem Boden ver- 
deckt sind oder doch nur wenig über ihn hervorsehen, gänzlich ab. 
Von den perennirenden Knospen wachsen im Laufe des Frühlings 
und Sommers eine oder einige zu abermals gestreckten Stengeln aus, 
Am Grunde haben diese einige scheidenförmige Niederblätter, an die 
sich in meist ailmäligem Uebergange die Laubblätter anschliessen, 
welche an schwächeren Pflanzen auch im 3. Jahre oft nach 3- und 4- 
zählig, bei stärkeren aber 5zählig sind. Die schwächeren blühten erst 
im dritten, die stärkeren schon im zweiten Jahre. Die perennire- 
den Knospen treten in zweierlei Formen auf. Einmal sind es solche, 
die schief aufrecht dicht an ihrer Mutterachse stehen und neben der- 
selben auch wieder über die Bodenoberfläche hervortreten ; anderseits 
wachsen dieselben als horizontale Ausläufer eine Strecke unter dem 
Boden hin, die längsten waren ungefähr eine Spanne lang. Sowohl 
diekurzen, der Mutterachse ansitzenden, als die ausläuferartigen Spros- 
sen bewurzeln sich oft sehr rasch, und einzelne Nebenwurzeln schwel- 
len rübenförmig an. Die Blätter ausgewachsener Pflanzen sind ge- 
rad in der Regel fünfzählig, doch findet man sie auch nicht selten 


382 


weniger oder mehrzählig. Die Blühten treten aus der Achsel der 
oberen Stengel-Laubblätter hervor. Der gemeinsame Stiel der Inflo- 
rescenz, welcher mit weichen Härchen besetzt ist, ist insofern eigen- 
thümlich, als er an der Oberseite eine deutliche Längsfurche hat, 
während er auf der Unterseite abgerundet ist. Dabei ist er an sei- 
nem oberen Ende etwas verbreitet. Den Blühtenstand möchte I. bes- 
ser eine Dolde, als eine Traube heissen. Von den 5—7 auf einem 
deutlichen Träger stehenden Samenknospen, welche der Fruchtboden 
enthält, kommen nur wenige, oft nur eine zur völligen Ausbildung. 
Die Hülsen springen in der Bauchnaht auf. Das bräunliche Samen- 
korn hat eine glatte nicht spiegelnde Oberfläche. — (Ebda. 1861 und 
2, pag. 1 u. f.) 

W. Lasch berichtet über einige Verbascum-Arten und 
ihre Formen. — 1) Verbascum Thapsus L. (thapsiforme Schrad.) 
unterscheidet sich von den andern durch den dicken, groben, gelb- 
lich-wolligen Filz, den einfachen Stengel, die länglichen herablaufen- 
den Stengelblätter und die dichte, bis 2‘ dicke Aehre, mit eiförmi- 
gen zugespiten Kelcheinschnitten und grossen (11/a—1?/z Br.) Blumen, 
deren beide längsten Staubgefässe nur bis doppelt so lange, kahle 
Filamente, als ihre länglichen, der Länge nach angewachsenen Anthe- 
ren besitzen. Eins der Hauptkennzeichen geben die an der Basis den 
Stengel fast halb umfassenden und so gerade und allmälig verschmä- 
lert sehr lang herablaufenden, seicht gekerbten Blätter. 

2) V. phlomoides L. Bekleidung wie 1., wenig dunkler, grüner, 
Blätter breiter, deutlicher gekerbt und kürzer zugespitzt, besonders 
aber die des Stengels gegen die Basis wellenförmig oder gekräuselt 
rundlich angewachsen, oder breit- und fast unmerklich an demselben 
herablaufend. Die einfache Aehre ist zwar dick und lang, aber die 
armblumigen Büschel gewöhnlich unterbrochen und die untern mit 
grossen, sehr breiten und lang zugespitzten Bracteen gestützt; Kelche 
und Blumenkronen sind die grössten (letztere bis über 2‘ Br.) und 
von 1 sehr ähnlich, doch die Lappen der Kronen mehr wellenförmig 
und die beiden längeren Filamente in der Regel auch etwas be- 
haart. 

3) V. phlomoides >< Thapsus, Bastard zwischen obigen beiden. 

4) V. Thapsus x phlomoides, desgl. 

5) V. gymnandrum. a) Der ersten Art ähnlich, auch mit sol- 
chem dicken gelblichen Filze bekleidet; Wurzelblätter fast sitzend, 
breit-lanzettförmig, ungleich oder fast doppeltgekerbt, untere Stengel- 
blätter länglich, zugespitzt, obere eiförmig, beidelang und verschmä- 
lert, etwas wellenförmig herablaufend, Bracteen breit, pfriemförmig 
zugespitzt, Aehre lang und dick, nach unten oft unterbrochen; Blu- 
men wie beil, die untern Kronenlappen sehr breit und wellenförmig, 
“alle 5 Filamente völlig kahl. b) Untere Blätter länglich lanzettförmig, 
die obern schmalen sehr lang zugespitzt, lang und verschmälert her- 
ablaufend: angustifolium. c) Untere Blätter sitzend verkehrt eiförmig- 
länglich, grob- oder doppeltgezähnt, lang und breit, stumpf- oder spitz 


383 


wellenförmig herablaufend, die oberen eiförmig, lang zugespitzt wel- 
lig angewachsen, oder kurz und ungleich herablaufend; Aehre einfach 
oder mit einigen Aesten: latifolium. d) Blätter kurz-wellig herablau- 
fend, die untern elliptisch, die obern rundlich, sehr lang zugespitzt; 
Aehre unterbrochen: subdecurrens. 

” 6) V. Schraderi Meyer (Thapsus Schrad.). a. Bekleidung dem 
1 ähnlich, doch feiner; Stengel einfach, meistens schlanker; Blätter 
länglich-lanzettförmig, fein gekerbt, die des Stempels gerade weit und 
sehr verschmälert herablaufend; Aehre dichtblumig, Kelcheinschnitte 
breit oder länglich-lanzettförmig, Blumenkrone anfangs trichterförmig, 
dann flach, 1” Br.; alle Filamente oben weiss bebartet, die beiden 
längsten, etwa4 mal so langen als ihre grössern, schief aufgewachse- 
nen Antheren, weniger. b. Longebracteatum. c. Latifolium. d. Semi- 
v. non decurrens. e. Maximum. Bekleidung sehr dicht, Stengel dick, 
6° hoch; untere Blätter bis 1!/a‘ lang, verkehrt eiförmig -länglich, 
wellig; Aehre dick, 1!/s‘ lang, nach unten locker; Kelcheinschnitte 
eiförmig, die beiden längeren Filamente am Rücken kahl, vorn an der 
untern Hälfte bebartet. 

7) V. Lychnitis L. a., Bekleidung kürzer, feiner, weissfilzig; 
Stengel 1-6‘ hoch, ästig; untere Blätter gestielt, länglich-lanzettför- 
mig, an beiden Enden verschmälert, doppelt gekerbt; die des Sten- 
gels eilanzettförmig, sitzend, die oberen eiförmig, lang zugespitzt; 
Rispe mit etwas entfernt stehenden Blühteubüscheln, Blumenstielchen 
so lang oder länger als der Kelch, dessen Zipfel schmal lanzettför- 
mig, Blumenkrone 6—9“' breit, Staubgefässe ziemlich gleich gestaltet, 
Filamente alle weiss bebartet. b. Stengel kurz, einfach: Minus vel 
simple. c. Maximum v. ramosissimum, pyramidatum v. virgatum. 
d. Augustifolium. e. Latifolium. f. Nitidum, Blätter breit, fast kahl, 
oberseits dunkelgrün, glänzend. g) Sehr dünnfilzig, subincisum. 

8) V, Lychnitis x Thapsus. a. Longedecurrens. b. Semide- 
currens. c. Longifolium. d. V. ramigerum Lk., thapsiformi- Lychni” 
tis Schiede. e. Latifolium. 

9) V. Lychnitis x phlomoides. 

10) V. Lychnitis x Schraderi (thapsoides Lk., Thapso- (Schra- 
deri-) Lychnitis M, K.) 

11) V.nigrum L. a., Bekleidung dünn, fast grobfilzig, grünlich; 
Stengel einfach oder ästig; Blätter bis höher hinauf gestielt, länglich- 
eiförmig, doppelt bis mehrfach gekerbt, stumpf, an der Basis tief 
herzförmig, unterseits etwas grau, die obern sitzend ei- oder ei-lan- 
zettförmig, Bracteen eiförmig, lang zugespitzt; Aehre etwas dick mit 
unterbrochenen Blühtenbüscheln, Blumenstielchen so lang oder länger 
als die Kelche, deren Zipfel länglich-lanzettförmig, Krone 5—10“ breit, 
Staubgefässe ziemlich gleichgestaltet, Filamente alle violett bebordet. 
b. Simplex. c) Majus v. ramosum. d. Cuspidatum, e. Lobatum. 
f. Auriculatum. g. Auriculatum latifolium. 

12) V. nigrum >< Thapsus. 

13) V. nigrum >< phlomoides. 


384 


14) V. nigrum X Schraderi. 

15) V. nigrum > Lychnitis. 

16) V. Lychnitis X nigrum. 

Unter so vielen Verbindungen ist es öfters schwierig, die ech- 
ten Arten mit ihren Local- Varietäten herauszufinden. Nur wo jede 
‚für sich und in grösserer Menge vorkommt, ist dies leichter möglich. 
— (Ebenda 3. und 4. Heft. 1861 und 62. pag. 13.) R.D. 

Aug. Garcke, Dr., Flora von Nord- und Mitteldeutsch- 
land. Zum Gebrauch auf Excursionen, in Schulen und beim Selbst- 
unterricht bearbeitet. Sechste verbesserte Auflage. Berlin 1863. Verlag 
von Wiegandt und Hempel. — Selten hat eine Anleitung zur Kennt- 
niss der heimathlichen Gewächse in einer verhältnissmässig kurzen 
Zeit eine so beifällige Aufnahme und allgemeine Verbreitung gefun- 
den als Garckes Flora von Nord- und Mitteldeutschland. Freilich 
wusste der Verf. auch schon von der ersten Auflage an die zweck- 
mässigste Methode der Darstellung mit der gewissenhaftesten Bearbei- 
tung zu verbinden. In meisterhafter Weise des Materiales Herr und 
die Bedürfnisse der Schule sicher erkennend hält er die für ein Schul- 
buch nothwendige rechte Mitte. Ohne dass der Schüler nöthig hätte 
zur Bestimmung einer Pflanze ein anderes Werk zu Rathe zu ziehen, 
sind doch die Diagnosen der Gattungen und Arten ebenso klar und 
bestimmt wie kurz und erschöpfend. Gleich in der Anordnung der 
Gattungen zeigt sich dies, bei welcher durchaus: zweckentsprechend 
das Linne’sche System als das dem Anfänger am schnellsten und si- 
chersten zur Auffindung der gesuchten Gattung führende zu Grunde 
gelegt ist. Hier wie auch bei der Anordnung der Arten ist die Ver- 
schmelzung der trockenen analytischen und der anregenden synthe- 
tischen Methode mit dem besten Erfolge ausgeführt worden. Da- 
durch wird das umständliche, den Schüler ermüdende und erschlaffende 
Verfahren, welches erstere mit sich bringt und das noch jetzt nur zu 
oft in der veralteten Weise in neueren Anleitungen zum Bestimmen 
der Pflanzen aufrecht erhalten wird, glücklich umgangen, während 
Verf. andererseits dafür gesorgt hat, dass durch übersichtliche Mit- 
theilungen die systematische Bestimmung in möglichster Weise er- 
leichtert und die langen Reihen ähnlicher schwierig zu erkennender 
Formen vermieden werden. Der Schüler soll aber nicht blos die Na- 
men aufsuchen und die Arten unterscheiden lernen, er muss auch 
Kenntniss von der natürlichen Gruppirung der Gewächse erhalten 
und dieser Anfordernng ist durch die Charakteristik der im Gebiete 
vorkommenden Familien, sowie durch die Aufzählung der Arten nach 
dem natürlichen Systeme von De Candolle zu genügen gesucht. Durch 
die beständige Bezugnahme dieser beiden Anordnungen auf einander 
wird der leichtern Bestimmung gleichfalls bedeutender Vorschub ge- 
leistet und dass die wesentlichen, constanten Merkmale in den Diag- 
nosen der Arten noch durch besondere Cursivschrift hervorgehoben 
sind, verdient allgemeine Anerkennung. 

Die Verbreitung der Gewächse ist in dieser Flora sorgfältiger 


385 


angegeben, als in irgend einer anderen und es ist erfreulich zu sehen, 
wie der Verfasser gestützt auf seine umfangreichen und unermüdlich 
gepflegten Detailstudien dieser neuen Auflage die grösstmöglichste 
Vollständigkeit zu geben vermochte. Bei den grossen Schwierig- 
keiten, welche sich einer solchen Arbeit entgegenstellen, wird dem 
Verfasser für sein erfolgreiches Bemühen, ein treues Bild der Flora 
des Gebiets wiederzugeben, eine dankbare Anerkennung seitens der 
Botaniker gern gezollt werden. In gleicher Weise haben die seit dem 
Erscheinen der letzten Auflage bekannt gewordenen systematischen 
Arbeiten die aufmerksamste Berücksichtigung gefunden, so dass auch 
in dieser Beziehung die neue Auflage für einen beispiellos billigen 
Preis unzweifelhaft das Beste und Vollständigste biete. Neu hinzu- 
gekommen endlich ist eine Tabelle zur leichten Bestimmung der Gat- 
tungen aus der zweiten Ordnung der 15. Klasse, welche neben der 
streng wissenschaftlichen, daher aber auch schwierigen Anordnung 
dieser Gewächse eine andere nach übersichtlichen Merkmalen giebt, 
wie dies in ähnlicher Weise schon bei den Umbelliferen glücklich 
versucht war. Mögen sachkundige Lehrer, welche den botanischen 
Unterricht an Gymnasien und Realschulen, an Lehrerseminarien und 
höhern Bürgerschulen ertheilen, auf die hier nur allgemein angedeu- 
teten Vorzüge diese sechste Auflage von Garkes Flora selbst ernst- 
lich prüfen, und selbige wird auch dort die verdiente Aufnahme fin- 
den, wo sie bisher noch keinen Eingang erhalten hat. e 

Zoologie. Allmann, über Hydroiden. — Verf. unter- 
sucht die feinere Struktur der Corymorpha nutans und diagnosirt neue 
Tubularien von der Küste von Schottland und Devonshire nämlich: 
Clava diffusa, Tubielava lucerna noy. gen. spec., Eudendrium humile 
und vaginatum, Perigonymus serpens, minutus und muscus, Tubu- 
laria bellis. — (Ann. mag. nat hist. X1. 1—12.) 

Ch. Hinks beschreibt neue britische Hydroiden: 
Atractylis margarica von Ilfracomb auf Flustra foliacea und Laomedea 
fragilis ebda. — (Ibidem 45—46.) 

H. und A. Adams führen 5 neue Genera Conchylien 
ein: Leuconya: testa interna unguiformis, spathulacea, alba, extus con- 
vexa, intus concava, impressione muscularis nulla, "marginibus inflexis, 
apice involuto, uncinato, producto, eryptiformi, steht Dolabella zu- 
nächst, Art L. Tylerana heimatslos. — Bacula: testa subulata, celavi- 
formis, imperforata, tortuosa, solida, tota transversim striata, apertura 
oyata, antice integra ‚producta; labio incrassato, calloso, labro simplici, 
margine acuto, in medeo producto, ist wohl nicht von Eulima zu 
trennen, Art B. striolata China. — Leiopyrga: testa turbinatoturrita, per- 
foratoumbilicata, tenuis, porcellana, laevis nitida; apertura subeircu- 
laris, spira brevior, labio tenui, columella angusta, excavata, incurvata; 
labro simpliei, margine acuto, ähnelt Phasianella und Bankivia, Art 
L. pieturata heimatslos. — Taheitia: testa elongata, subeylindria, de- 
collata anfractibus, longitudinaliter costellatis; apertura ovata, anfracto 
penultimo late sejuncta,  peristomate continuo, extrorsum expanso 


386 


opereulum testaceum, laminis ereetis, radiantibus, excentricis instruc- 
tum, ähnelt Truncatella, Art T. porrecta (= Truneatella porrecta 
Gould). — Chromotis: testa ovata, auriformis, imperforata, tenuis, lae- 
vis, polita, spira obtusa, brevissima; anfractibus rapide crescentibus 
ultimo magno; apertura elliptica; columella complanata; operculum 
ealcareum, Art Chr. neritina (= Phasianella neritina Dar, Gena li- 
neata Ad) am Cap der guten Hoffnung. — (Ann. mag. nat. hist. XI. 
18—20.) 

Alb. Mousson, die von Schläfli im Orient gesam- 
melten Land- und Süsswasser-Conchylien. — Verf. zählt 
die Arten namentlich auf, gibt über einzelne Bemerkungen und be- 
schreibt die neuen. Es sind 1 Zonites, 13 Helix, worunter neu H. 
frequens, 1 Bulimus, 1 Chondrus, 2 Glandina, 5 Clausilia worunter neu 
Ch. inconstans, 1 Cyclostoma und 1 Pomatias alle von Sagades und 
Prevesa, dann aus dem Innern von Epira 1 Vitrina 3 Zonites, 10 He- 
lix darunter H. Schlaefli n. sp. 1 Bulimus, 1 Chondrus, 2 Glandina, 
1 Suceinea, 3 Pupa, 6 Clausilia darunter neu Cl. vallata, rugilabris 
und janinensis, 1 Cyclostoma, 1 Pomatias exeisus n. sp., 2 Limnaeus. 
4 Planorbis mit Pl. janinensis n. sp., 1 Ancylus, 1 Bithynia, 1 Pal 
dina, 1 Valvata, 1 Cyclas, 1 Anodonta, 1 Dreyssena, aus Bulgarien 
und dem obern Macedonien 1 Zonites, 10 Helix, 1 Bulimus, 3 Chon- 
drus, 1 Pupa, 4 Clausilia mit Cl. auriformis n. sp., 2 Cyelostoma, 
2 Limnaeus, 1 Dreyssena. — (Züricher Vierteljahrschr. IV. 253—298,) 

G. v. Frauenfeld, neues Höhlen-Carychium und 2 
neue fossile Paludinen, — Verf. beschrieb schon 1859 die Höh- 
len-Carychien nämlich C. spelaeum Rossm, lautum, Schmidti, obesum, 
wozu Freyer hinzufügte: C. Freyeri, Frauenfeldi, alpestre, pulchellum, 
costatum, dann später Verf. noch C. amoenum, indem er zugleich 
C.costatum und pulchellum mit C. Schmidti identificirte. Gleich darauf 
führte Bourguignat ohne alle Begründung für diese Arten die Gat- 
tung Zospeum ein, welche aber von Dohrn und dem Verf. als halt- 
bar anerkannt wird. Die neue Art stammt aus einer Höhle Spaniens 
und heisst Z. Schaufussi: Schale winzig klein, am Nabel tief einge- 
drückt, konisch, glänzend, durchsichtig, glatt, die 5 Windungen bau- 
ehig, Mündung rund, ungezähnt, der zusammenhängende Rand umge- 
bogen, schwach verdickt. — Die fossile Paludina aus den neogenen 
Schichten in WSlavonien, ist P. Vukotinovieii ähnelt durch ihre Kante 
nur der chinesischen P, ecarinata und Amnicola hungarica aus den 
Süsswasserschichten von Steyersbach in Ungarn ist sehr klein, weit 
genabelt, oben an den Windungen stumpf gekantet, Mündung fast so 
hoch wie der übrige Theil der Schale. — (Wien. Zool. Botan. Gesellsch. 
xU. 969 — 972.) 

W. T. Blanford gibt eine systematische Uebersicht 
der indischen Helix umd Nanina mit Angabe des speciellen 
Vorkommens , wobei er für Nanina die Subgenera Macrochlamys Beck 
(= Orobia Alb, Xesta Pfeiff), Kaliella nov. subg. (= Trochomorpha 
Alb. part.), Trochomorpha Alb., Durgella nov. subg., Helicarion Eer, 


387 


Sesarsa Alb. (— Tridopsis Pfeiff. part.), Hemiplecta Alb., Rotula Pfeiff, 
Ariophanta Desm. und Oxytes Pfeiff, für Helix die Subgenera Ta- 
chia Alb., Dorcasia Gray, Sivella n. subg, Thysonota Alb., Ganesella 
n. subg., Plectopylis Bens annimmt. — (Ann. mag. nat. hist. X1. 
8&1— 86.) 

W. N. Benson beschreibt neue Arten von Helix, Clau- 
silia und Spiraxis von Ceylon und Indien: H. Haugthoni, 
Gordoniae, cyclotrema, hyptiocyclos, Cl. ceylanica, Sp. Haugthoni, 
Walkeri, Layardi, eingalensis. — (Ibidem. 87 — 91.) 

A, Adams, japanische Brachiopoden: Terebratulina ja- 
ponica Swb., caput serpentis L., Cumingi Davds, Waldheimia cranium 
Gm., septigera Lov, picta Chem., Grayi Davd, Terebratella coreanica 
Ad, Mariae Ad., Ismenea sanguinea Gray, Reevi M. sp., Rhyncho- 
nella lucida Gould, Woodwardi n. sp., Crania japonica n.sp., Discina 
stella Gould, Lingula tumidula Brug, smaragdina M. sp., jaspidea n. 
sp., lepidula n. sp., mit Diagnosen der neuen Arten. — (Ibidem, 
98— 101.) 

v. Fraueufeld gibt Wien zool. bot. Verhdl. 1146—1170 
eine Uebersichtder Arten der Gattung Bithynia und Nema- 
tura gestützt auf die Vergleichung eines sehr reichhaltigen Materiales 
vieler Sammlungen. Bithynia hat folgende Arten: B. tentaculataL. Europa 
und Asien, Letochae n. sp. Estramadura, Shuttleworthin.sp. China, tristis 
n.sp. von Schiraz, bulimoides Oliv am Nil, striatula Bens. Shangai, bo- 
gensis Dub, Troscheli Paasch (=inflata Hens, transsilvanica Blz, trans- 
parens Parr) Europa, proxima n. sp,, Boissieri Charp. Italien, ventri- 
cosa Gr (= Kiksi Vstd, Michaudi Duv, decipiens Mill) rubens Mke 
Sieilien, similis Dvp. Utrecht, Küsteri (= decipiens Feruss) SEuropa, 
vertiginosa n. sp. Neuholland, senaariensis Parr Afrika, Indien, ba- 
diella Parr Aegypten, Orsini Chrp Griechenland, Majewskyi n. sp, 
Ungarn, Dalmatien, meridionalis n. sp. Spanien und Calabrien, Schra- 
deri n. sp. heimatslos, umbratica n. sp. NAmerica, orcula Bens am 
Ganges und in Ceylon, africana n. sp. WAfrika, inconspicua Dhrn 
Ceylon, stenothyroides Dhrn ebda und Indien, Adamsi n. sp. Ganges, 
ceranospatana n. sp. Bengalen, pulchella Küst Indien, also 30 Arten 
wozu noch cyclostomoides Kstr und costigera Bck und fraglich luteola 
Kstr. — Von Nematura untersuchte Fr. 11 Arten in Cumings Samm- 
lung: N. strigatula Bens Borneo, polita Swb. Indien Java, glabrata Ad 
Pulo Penang, puncticulata Ad, monilifera Lens, deltae Bens, cingulata 
Bens Pulo Penang, olivacea Ad, ventricosa Quoy Java, minima Swb 
Charlsworth, frustillum Bens. — Arten der Gattung Vivipara Lk: V. 
vera (— Helix vivipara L) atra Villa Italien, fasciata Müll, Halde- 
mannana Shuttlew Ostflorida, essingtonensis Shuttlew Australien, Ber- 
mondana d’Orb Cuba, lineata Val, Warreana Shuttlew, lineolata Mouss. 
Sumatra, variata Frfld Indien, polita n. sp. Südafrika, Hamiltoni 
Mitch, Maheyana Grat Malabar, unicolor Ol, Afrika, Troostana Lea, 
javanica Busch, biangulata Küst Kordofan, fallax n. sp. Madras, for- 
mosula n. sp. Java, angularis MI, tricarinata aut Philippinen, polyzo- 


388 


nata n. sp. u. a. die nicht besprochen werden. Auch die Arten der 
Untergattungen Melantho und Laguncula stellt Verf. noch zusammen. 

Grube, über die Beziehungen der zehnfüssigenIso- 
dodengattungen Anceus und Praniza zu einander — 
Verf. sammelte auf der Insel Lussin Exemplare von Praniza coeru- 
lata mit Jungen in der Bruthöhle und von Anceus forfieularius und 
knüpft daran Bemerkungen über die betreffenden Gattungen, welche 
zwar schon immer durch die von den übrigen asselartigen Krebsen 
abweichende Fünfzahl der Fusspaare die Aufmerksamkeit der Zoolo- 
gen besonders auf sich gezogen, in letzter Zeitaber dadurch ein noch 
erhöhtes Interesse erweckt hatten, dass’ nach Hesse’s Entdeckung die 
Pranizen nichts anderes als die Jugend- oder Larvenzustände der 
Anceus, diese aber die geschlechtsreifen Thiere sein sollten. So ver- 
schieden auch die derben, breitköpfigen Anceus Risso’s, bei deren 
Hervorbringung die Natur mit dem Bilde eines Piestus und Lucanus 
oder ähnlicher Käfer gespielt zu haben scheint, von den zarten, klein- 
und spitzköpfigen Pranizen aussehen, so konnte doch an der Richtig- 
keit der Entdeckung nicht gezweifelt werden, nachdem Hesse aus- 
führlicher dargelegt hatte, dass er aus den Eiern von Anceusweibchen 
Pranizen gezogen, und dass er wiederum aus diesen in seinem Zim- 
mer Anceus hervorgehen sah. Doch erhob Spence Bate darüber ein 
Bedenken, ob die Hesse’schen Beobachtungen vollständig und erschö- 
pfend seien, da er selbst solche Pranizen nicht von einem Anceus-, 
sondern von einem Pranizenweibchen erhalten. Nach dem Verf. be- 
ruht dieser Streit, wie schon Gerstäcker vermuthet, wahrscheinlich 
auf einem Misverständniss: Spence Bate hat wahrscheinlich bei den 
Anceusweibchen, von denen Hesse spricht, an Thiere weiblichen Ge- 
schlechts, aber von derselben Körperform wie der männliche Anceus, 
gedacht, und da er diesnicht bestätfgt fand, sich zu dem Schluss be- 
rechtigt gefühlt, dass zwischen den beiden Gattungen kein solcher 
Zusammenhang bestehe, vielmehr beide nach wie vor im System neben 
einander beibehalten werden müssten. Hesse bemerkt jedoch aus- 
drücklich, dass die Weibchen der Anceus eine von den Männchen 
sehr abweichende Gestalt, namentlich einen sehr kleinen Kopf be- 
sitzen und nach den Exemplaren des Verf.’s kann man einfach von 
diesen Weibchen sagen: ihr Körper ähnelt im ganzen Habitus und in 
den weichen Körperbedeckungen der Larve, hat aber nicht Mund- 
theile zum Saugen, wie diese, sondern Kopfextremitäten, welche 
theils an das Männchen, theils an die Larve erinnern. Den breiten 
quadratischen Kopf des Männchens, seine enormen Mandibeln und die 
breitklappigen Mundtheile, welche das vor ihnen in einer Vertiefung 
gelegene Paar der mehrgliederigen Kieferfüsse gänzlich bedecken, 
sucht man bei den Weibchen vergeblich, nur die letzteren sind vor- 
handen, die Mandibeln winzig, ungezähnt, und statt der breitklappi- 
gen Mundtheile findet man ein Paar zarter fussförmiger Extremitäten, 
ähnlich dem hintersten an dem Kopf der Larve, doch ohne Klaue, und 
unter ihm bereits das erste der Blätter, welche von beiden Seiten ge- 


389 


gen einander wachsend und sich überragend die Bruthöhle für die 
Eier und Embryonen bilden. Solcher Blätter sind 4 Paar vorhanden, 
sie fehlen bereits unter dem 5. Fusspaar. Bei der jungen Larve sind 
die 5 Segmente des Vorderleibes noch fast gleich kurz, das Postab- 
domen eben so lang als sie zusammengenommen, der Kopf mit sei- 
nen grossen Augen fast !/s Zoll Totallänge, allmählig dehnen sich die 
3 hintern Segmente des Vorderleibes aus, wogegen die andern Kör- 
perabschnitte zurückbleiben; beim Weibchen wächst die Grösse und 
namentlich auch die Breite des Vorderleibes, da sich hier die Eier 
ausbilden müssen, der Kopf zieht sich in das 1. Segment hinein zu- 
rück: am Bauch treten die Blätter der Bruthöhle auf, aber in der Ge- 
stalt der Antennen, der Beine und der Schwanzflosse geht eine we- 
sentliche Veränderung eben so wenig beim Weibchen als beim Männ- 
chen vor, doch wird die Haut des Männchens hart, meist kalkig. 
Die Beine und Antennen stärker und länger als beim Weibchen, bei 
beiden Schiebt sich ein kleines Segment in einen hinteren Auschnitt 
des Vorderleibes ein, welches beim Männchen die Ruthe trägt. Hier- 
nach kann man sagen, dass die Form, welche Risso zur Gattung An- 
ceus erhoben hat, das Männchen ist, und dass unter Praniza die Lar- 
ven, mitunter wie es scheint, wohl auch die Weibchen begriffen sind. 
Die Larven leben an Fischen von deren Blut, Männchen und Weib- 
chen frei. — (Schlesische Gesellschaft in Breslau 13. Mai.) 

G. Böck, Uebersicht der von der Novara-Expedi- 
tion gesammelten Spinnen. — Die Zahl der gesammelten Exem- 
plare beläuft sich auf 418, welche sich auf 104 Arten und 41 Gattun- 
gen vertheilen. Sie kommen von Gibraltar, Madeira, Rio Janeiro, 
Guten Hoffnungscap, St. Paul, Ceylon, Madras, Nicobaren, Singapur, 
Java, Manila, Hongkong, Shanghai, Sidney, Aukland und sind 4 My- 
galidae, 8 Cellicolae, 16 Lycosidae worunter 11 neue, 10 Attidae 
worunter 5 neu, 10 Thomisidae 1 neu, 45 Epeiridae 5 neu, 5 Theri- 
diidae und 8 Agelenidae, welche sämmtlich namentlich mit dem Va- 
terlande aufgezählt werden. — (Verhandl. Zoot. Botan. Gesellsch. Wien 
X1. 87—96.) 

J. Blackwall setzt seine Beschreibung der Spinnen 
von Rio Janeiro fort mit den Arten: Epeira audax, edax, rapax, 
munda, Grayi, astuta, seitula, Plectana tricuspidata, Galena zonota 
Koch, Tetragnatha splendens, formosa, Dysdera crassipalpus — (Ann. 
mag. nat. hist. XI. 29—45.) 

K. Brunner, die von der Novara mitgebrachten 
Orthopteren. — Verf. gibt eine namentliche Aufzählung der Arten 
nach ihrem Vaterlande und verspricht die neuen Arten später zu be- 
schreiben, da kurze Diagnosen an diesem Orte nur Verwirrung ver- 
anlassen könnten. Wir stimmen ibm hierin vollkommen bei und kön- 
nen solche Arten mit blossen Diagnosen ohne eingehende Verglei- 
chung mit ihren Verwandten durchaus nicht als begründete betrach- 
ten. Er zählt auf von Gibraltar 6 Arten, von Madeira 5, Rio Ja- 
neiro 25, vom Cap, 42, von St. Paul 2, von Ceylon 15, von Madras 


390 


4, von den Nicobaren 16, Singapur 3, Batavia 53, von Manila 9, von 
Honkong 16, Shangai 6, Aukland 13, Sidney 17, Taiti 10, Chile 9 Ar- 
ten. Vier neue Gattungen werden angedeutet. — (Wien. Zool. Botan. 
Gesellsch. XTI. 88—96.) 

v. Frauenfeld, eine für Oesterreich neue Trypeta. 
— In den Blühtenköpfen von Inula cerithmoides DC in Dalmatien fand 
Verf. Fr. Blctii, die er ausführlich beschreibt und mit Tr inulae und 
longirostris zusammenstellt. Er verbreitete sich noch über einige 
andere Arten. — (Wien. Zool. botan. Gesellsch. XI. 384—386.) 

J. G. Johnson, neue Fische von Madeira — Muränen: 
Pseudomuraena n. gen. mit Ps. maderensis, Thyrsoidea atlantica, Sy- 
naphobranchiden: Synaphobranchus n. gen. mit S. Kaupi, Gadoiden: 
Laemonea robusta, Trichuriden: Nesiarchus n. gen. mit N. nasutus, 
Scomberoiden: Schedophilus elongatus, Trigliden: Setarches n. gen. 
mit S. Güntheri, Percoiden: Priacanthus insularum. — (Ann. mag. nat. 


hist. XI. 58—71.) 
Alb. Günther, neue Fische von Victoria, SAustra- 


lien: — Lates colonorum, Melambaphes nigroris (= Glyphisodon 
nigroris CV) Glyphisodon Victoriae, Labrichtys ephippium, Pseudo- 
phyeis barbatus, Lotella callarias, Rhombosolea flesoides. — (Ibidem 
114—117.) 


Alb. Günther beschreibt ama. ©. 134 — 140 neue Amphibien 
und Fische des britischen Museums, nämlich Chloroscartes fascia- 
atus neuer Agame von den Feejeeinseln, Phrynobatrachus natalensis 
von Port natal, Centropogon marmoratus von der Moreton Bai, Catopra 
siamensis aus Siam, C. tetracanthus aus Ostindien, Pseudochromis 
perspicillatus aus China, Amblyopus sagitta Californien.- 

Alb. Günther, neue australische Batrachier: Limnody- 
nastes Kreffti gemein bei Sidney, affinis am Clarencefluss, Platyplec- 
ctrum marmoratum ebda, Cryptotis nov. gen. Asterophryditae mit Cr. 
brevis ebda und Hyla Kreffti von Sidney. — (Ann. mag. nat. hist. XI. 
26—28. tb. 4.) 

Alb. Günther, neue Schlangen im britischen Museum. 
Cercocalamus collaris vom Habitus der Geophis lineata, Centralame- 
rika, Brachyurophis semifasciata aus Neu Granada vom Habitus der 
Rhinostoma, Dryophis Kirtlandi Hallow Fernando Po, Leptodira leu- 
cocephala von Bahia, Brachysoma diadema (= Calamaria diadema 
Schleg, Elaps ornata Gray, Furina diadema DB, Babdion oceipitale, 
Gir, Gliyphodon ornatus Günth), Furina bimaculata DB W Australien, 
Diemansia ceucullata Günth., annulata Günth., aus der Familie der 
Elapiden: Neelaps calonotus (= Furina calonotus DB) Tasmanien 
Teleuraspis nummifera (= Atropos nummifer Rupp, A. mexicanus DB, 
Bothriechis mexicanus Cope) Vera Paz, von Viperiden: Poecilostolus 
Burtonii Echis sehr nah verwandt, von Camaroon County. — (Ann. 
mag. nat hist. XI. 20—25 tb. 3.) 

W. Peters, über Cercosaura und die mit dieser Gat- 
tung verwandten Eidechsen aus Südamerika. — Mit 3 Tf£. 


391 


Berlin. 1862. 4%. — Wagler gründete die Gattung Cercosaura auf eine Art 
unbekannter Herkunft und Wiegmann fügte eine zweite Art aus Bra- 
silien hinzu. Dumeril und Bibron gedenken ihrer nicht, wogegen Gray 
mit ihr deren Ecpleopis und Circochaleis Wigm. zusammenwirft und 
eine Gattung Argalia mit 2 Aren aufstellt, deren eine gleich daräuf 
Günther als Cercosaurus rhombifer beschreibt und wovon auch Grays 
Anadia ocellata kaum verschieden zu sein scheint. Ferner ist dessen 
Emminia olivacea nicht verschieden. Weiter findet Verf., dass Cerco- 
saura Schreibersi Wigm. völlig identisch mit Pantodactylus ist, aber 
wesentliche Charaktere von Waglers Cercosaura nicht hat. Ein rei- 
ches Material wurde nun mit den Originalexemplaren verglichen und 
darauf die Gattungen und Arten kritisch beleuchtet und begründet. 
Zunächst wird die Familie der Cercosauri speeiell charakterisirt. Sie 
verbindet die Ameivae mit den Chalcides, welche alle drei eine Gruppe 
bilden. — 1. Cercosaura Wagler: palpebra inferior disco pellucido; 
plica axillaris arcuata; jugulumcollari obsoleto; squamae notaei magnae, 
fasciatim dispositae, oblongoquadratae, compresso carinatae vel par- 
vae lanceolatae, carinatae verticillatae; squamae colli laterales, axilla- 
res. et coxales granulosae, trunei laterales parvae carinatae; gula serie 
duplici seutellorum imbricatorum laevium; scutella abdominalia et sub- 
caudalia lata, quadrata, laevia; palmae plantaeque pentadactylae, di- 
gitis omnibus unguiculatis ; cauda ingens teres, basi cyclotetragona. 
Subgen. Cercosaura: Rückenschuppen gross, länglich viereckig oder 
trapezoidal, gekielt. Arten C. ocellata Wagl, C. humilis n. sp. Brasi- 
lien, C. olivacea (= Emminia olivacea Gray) Pernambuco. Subgen: 
Pantodattylus: schmale lanzettförmige scharfgekielte Rückenschuppen. 
Arten: C. Schreibersi Wiegm. (=P. d’Orbignyi DB) Brasilien, Buenos 
Aires C. concolor (—=P. concolor Tsch) Brasilien, C. argulus n. sp. Sta. 
Fe de Bogota. —2.Iphisa Gray: squamae colli corporisque laterales lae- 
ves; gula nuchaque serie dupliei scutellorum laevium; scutella abdo- 
minales 4 serialia laevia; squamae caudales parvae lanceolatae, cari- 
natae verticillatae: palmae plantaeque pentadactylae, pollice exungui. 
Subgen, Iphisa mit I. elegans Gray Para, Subgen. Perodactylus RL 
mit P. modesta RL bei Curvelo. — 3. Placosoma Tsch auf ein nicht 
mehr vorhandenes Exemplar aus Bräsilien begründet. — 4. Lepido- 
soma Spix: sulcus gularis haud distincetus; palmae plantaeque penta- 
dactylae; squamae ovatolanceolatae, carinatae, in abdomine dorsoque 
aequales verticillatae, colli laterales et axillares granulosae. Art: I. 
scincoides Spix (— Tropidosaurus seincoides Schinz) am Amazonen- 
strom. — 6. Ecpleopus DB: squamae corporis tenues, dorsi laeves, ob- 
solete carinatae vel striatae, per fascias transversas dispositae, abdo- 
minales et subcaudales quadrangulares laeves; palmae plantaeque pen- 
tadactylae, digiti omnibus unguiculatis, Subgen. Ecpleopus DB mit E. 
Gaudichaudi DB Minas Geraes. Subgen. Pholidobolus: keine nasofron- 
talia, ein frenale, Nasenloch in der Mitte der nasale, die Kehle mit 
zwei etwas unregelmässigen Längsreihen breiter Schildchen, der 
Rand der Afterdecke von zwei grossen Schilden gebildet. Art: E. 


392 


montinm n. sp. Ecuador. Subgen. Aspidolaemus: mit Pholidobolus 
gleich in der Beschildung der Kehle mit Ecpleopus in der Anwesen- 
heit von Nasofrontalschilden, von beiden verschieden durch die glatten 
einseitigen Rückenschuppen. Art: E. affinis n. sp. heimatslos. Subgen. 
Oreosaurus: keine praefrontalia, Keblschuppen viereckig, tragezoidal 
oder länglich, Rückenschuppen länglich viereckig, fein und merklich 
gestreift, die einzelnen Schuppenwirbel deutlich von einander geschie- 
den; Präanalschuppe gross, trapezoidal oder länglich. Arten: E. stri- 
atus n. sp. Neu-Granada, E. luctuosus n. sp. Venezuela. Subgen. 
Euspondylus Tsch: zwei nasofrontalia, eine deutliche Postmentalfurche, 
Kehlschuppen vierekig oder trapezoidal, Schuppen der Hals- und Kör- 
perseiten auffallend klein, Rückenschuppen länglich viereckig so lang 
wie die Bauchschilder, ganz glatt oder mit glatten Längslinien; hintre 
Reihe der Präanalschuppen länglich, in der Regel fünf; Extremitäten 
ziemlich lang, Hinterseite der Unterschenkel mit sehr, kleinen Schup- 
pen bedeckt. Art: E. maculatus Tsch Peru, E. rhombifer (= Cerco- 
saurus rhombifer Gthr) Ecuador; E acutirostris n. sp. Venezuela, ? E. 
ocellatus (— Anadia ocelllata Gray). — Subgen. Argalia Gray: von 
vorigen unterschieden durch den auffallend breiten Kopf und die Be- 
schuppung, indem die glänzend glatten länglich viereckigen Rücken- 
schuppen länger als die Bauchschuppen sind, die seitlichen Hals- und 
Körperschuppen gross und die Unterschenkel ringsum von grossen 
Schuppen umgeben. Arten: E. olivaceus (Gray), Venezuela, E. mar- 
moratus (Gray) Columbien, E. poecilochilus n. sp. Venezuela. Subgen. 
Xestosaurus: Schuppen glänzend glatt, Rückenschuppen nicht länger 
als Bauchschuppen, trapezoidal, hinten abgerundet oder hexagonal, 
mehr weniger dachziegelig; nasofrontalia vorhanden, Kehlschuppen 
klein, Unterseite des Vorderarmes und Hinterseite des Unterschen- 
kels mit körniger Beschuppung; Männchen mit Schenkelporen, Weib- 
chen ohne solche. Art: E. bogotensis n. sp. Bogota.,— Subgen. Proc- 
toporus Tsch (= Riama Gray): keine nasofrontalia, Kehlschuppen tra- 
pezoidal, Rückenschuppen länglich viereckig, glatt oder schwach 
gekielt, Kehlfurche und Postamentalfurche deutlich, Schuppen der Hals- 
und Körperseiten klein, gekörnt. Arten: E. pachyurus (Tsch) Peru, 
E..unicolor (= Riama unicolor Gray) Ecuador. 

Derselbe, überR. Schomburgk’s Aanphibsilen von Ade- 
laide — Chelodina longicollis Shaw, Diplodactylus marmoratus Gray 
(=Phyllod. porphyreus DB), D. furcosus n. sp., Gymnodactylus (Phyl- 
lurus) Milusi Bory, Moloch horridus Gray, Amphibolurus barbatus 
Kaup, A. Decresi DB, A. ornatus Gray, Typanocryptis n. gen. durch 
den Mangel eines sichtbaren Trommelfelles von Amphibolurus ver- 
schieden, mit T. lineata, Monitor Gouldi Gray, Lygosoma Whitei Gray 
(= L. moniligerum DB), L. australe Gray (—=L. Lesueuri DB), L 
Schomburgki n. sp., L. Bougainvillei DB,-Cyclodus gigas Bodd, C. 
oceipitalis n. sp., C. adelaidensis n. sp., Trachysaurus asper Gray, 
Hemierges decresiensis DB, Cryptoblepharis (Ablepharis) Boutonii 
Desj (= A.Peroni DB), Morethia anomala Gray, Monetia Greyi Gray, 


393 


Pygopus lepidopus Merr, Delma Fraseri Gray, Aprosia pulchells Gray, 
A. octolineata n. sp., Onychocephalus bicolor Solan, ©. bituberculatus 
n. sp.; Diemansia superciliosa Fsch, Hoplocephalus coronoides Gth, 
H. Gouldi Gray, H. curtus Schleg, H.futus n.sp., Pseudechis porphy- 
riacus Shaw, Acanthophis antareticus Shaw, Neobatrachus n. gen. vom 
Habitus des Helioporus, mit N. pietus n. sp., Limnodynastes tasma- 
niensis Gth, L. Dumerili n. sp., Pseudophryne Bibroni Gth, Camario- 
lius n. gen. sich zu Liuperus verhaltend wie Limnodynastes zu Cy- 
stignathus, und mit C. varius n. sp., endlich Hyla adelaidensis Gray. 
— (Berliner Monatsberichte April S. 228-236.) 

Gould diagnosirtt Chlamydera guttata n. sp. aus dem 
nördlichen WAustralien als ähnlich Chl. maculata, natürlich nur nach 
der Farbenzeichnung. — (Ann. mag. nat. hist. XI. 56.) 

A. B. Wallace, neue Vögel von Neu-Guinea: Coriphi- 
lus rubronotatus, Halcyon nigrocyanea, Todopsis Grayi, Gracula pec- 
toralis, Ptilonopus humeralis. — (Ibidem 56-58.) 

Th. v. Heuglin, zur Ornithologie NOAfrikas. — Verf. 
gibt erst einige allgemeine Bemerkungen über die in den durchwan- 
derten Gebieten vorkommenden Vogelarten und beschreibt dann meh- 
rere derselben speciell aus Central- und West- Abyssinien und aus 
ÖOstsennaar, nämlich Aceipiter spee., Pandion vocifer, Merops nubicus, 
Merops frenatus, zu welchen M. Bolewski Pelz zu ziehen ist, Mirafra 
spec., Turtur spec., eine der Otis melanogastra ähnliche Trappe, Tin- 
nuneulus alopex n. sp. — Örnithologisches aus Abyssinien: Surnium 
umbrinum n. sp., Otus melanotus n. sp., ©. montanus Heugl. = O. 
habessinicus Guer, Buto maximus in einem Exemplar bei Cairo, B. ca- 
pensis, B. ascalaphus häufig in Aegypten, Otus maculosus bis 10000, 
Meereshöhe, O. leucotis, ©. brachyotus als Zugvogel, ebenso silvest- 
ris und Scops senegalensis, Athene spilogastra am Rothen Meere, A. 
meridionalis sehr gemein, A. perlata, Strix flammea häufig und stets 
mit ganz weissem Bauchgefieder in Felsen und hohlen Bäumen, Oli- 
gomydrus sturninus n. sp., ein neuer Pogonias,  Cuculus Heuglini in 
9000‘ Meereshöhe, C. lineatus, C. smaragdinus, Pytelia lineata n. sp., 
Spermestes scutatus n. sp., Ortygospiza polyzona, Sporaeginthus sub- 
flavus. —Zoologische Funde längs des Bahr el abiad: Coryphegnathus 
melanotus n. sp., dann folgt noch eine Aufzählung der Glanzstaare 
und Beschreibung der neuen Lamprocolius amethystinus, Crateropus 
rufescens, Hemerodromus cinctus, Herodias concolor, Ardetta pusilla, 
Ortygometra fasciata, Ciconia Pruyssenaeri. — (Journ. f. Ornithol. 3—29.) 

O.Finsch, Turdus pallidus und T.obseurusund andere 
asiatische Drosseln. — Chr. L. Brehm beschrieb Turdus obsoletus 
aus Japan als angeblich neu, Verf. identifieirt dieArt mit T. pallidus, wel- 
cher auchTT. daulias zugehört. Diese Art charakterisirt Verf. im Allgemei- 
nen ünd im alten männlichen, weiblichen und Nestkleide, dann ebenso T. 
obscurus Lath (= |T. pallens Pall, pallidus Naum, Tem, Glog, Schleg, T. 
Seyffertitzii und pallens Brehm), ferner T. pelios Bp, T. dissimilis Blyth, 
T. chrysolaus Tem, T. fumidus Müll, — (Ebda 29—40,) 

XXL 1863. 27 


394 


Altum, die Nahrung unserer Eulen. — Ueber die Nütz- 
lichkeit und Schädlichkeit unserer Eulen herrschen noch sehr wider- 
sprechende Urtheile, und dieselben aufzuklären untersuchte A. die 
Gewölle derselben. In.349 Gewöllen vom Schleierkauz fand er die 
Knochen von 3 langöhrigen Fledermäusen, 6 Zwergfledermäusen, 2 
Wanderratten, 154 Mäusen verschiedener Arten, 30 Waldwühlmäusen, 
11 Wasserratten, 325 gemeinen Feldmäusen, 36 Ackermäusen, 1 brau- 
nen Ackermaus, 36 Wasserspitzmäusen, 185 weisszähnigen Spitzmäu- 
sen, 666 gemeinen Spitzmäusen, 1 Maulwurf, 7 Haussperlingen, 1 
Grünfink. Sie frisst also mehr nützliche Spitzmäuse als schädliche 
Nagmäuse. Vom Waldkauz, Srix aluco enthielten 156 Gewölle 1 Her- 
melin, 5 gemeinen Ratten, 34 Mäuse, 18 Waldwühlmäuse, 7 Wasser- 
ratten, 212 Feldmäuse, 11:Ackermäuse, 2 Wasserspitzmäuse, 2 weiss- 
zähnige ‚Spitzmäuse, 10 gemeine Spitzmäuse, 5 Zwergspitzmäuse, 36 
Maulwürfe, 1 weisse Bachstelze, 5 andere kleine Vögel, 1. grosser 
Laufkäfer, 2 kleine Harpalus, 3 andere Käfer, 10 grosse Mistkäfer, 6 
grosse Wasserkäfer. Die Gewölle im Mai bestanden fast nur aus 
Maikäfern. Die Waldohreule hatte in 22 Gewöllen 5 Mäuse, 30 Feld- 
mäuse, 2 Ackermäuse, 2 Meisen. Der kleine Kauz in 10 Gewöllen: 
6 Mäuse, 9 gemeine Feldmäuse, 1 Waldwühlmaus, 1 gemeine Spitz- 
maus, 3 grosse Misstkäfer, 8 grosse Laufkäfer. — (Ebda. 41—46.) 

B. Wicke,ist der Sperling nützlich oder schädlich? 
— Diese Frage kann nur durch Untersuchung des Mageninhaltes ent- 
schieden werden und zwar zu verschielenen Zeiten an Sperlingen 
verschiedenen Alters. ÖOberdiek hat auf solche gestützt den Sperling 
für sehr schädlich erklärt und dringt auf dessen gänzliche Vertilgung. 
Verf. ist nicht zu denselben Resultaten gelangt. Er untersuchte vom 
21. April bis 24. Juni 118 Sperlinge, 45 alte und 75 Junge. Nur 3 
alte hatten ausschliesslich Körner, die übrigen vorwiegend Körner 
gemischt mit Käfern. Von den Jungen war bei 46 der Magen aus- 
schliesslich mit Käfern, Raupen, Larven gefüllt, und bei 9 ausschliess- 
lich mit Vegetabilien, bei 10 vorwiegend mit animalischen, bei 7 vor- 
wiegend mit Körnern. Bei allen fanden sich auch Steinchen im Ma- 
gen. Maikäfer waren äusserst wenige, dagegen viele Raubkäferlarven. 
Es ergibi sich hieraus, dass die alten Sperlinge die Körner jeder üb- 
rigen Nahrung vorziehen, die jungen aber hauptsächlich von Insekten 
leben. Da der Sperling in jedem Sommer mehr als eine Brut macht, 
so ist der Insektenbedarf bei der grossen Gefrässigkeit der Jungen 
sehr gross und eine Vertilgung der Sperlinge mindestens nicht vor- 
theilhaft, Verf. verlangt nur eine planmässige Einschränkung und wir 
meinen, dass auch diese mit grösster Vorsicht und Berücksichtigung 
der localen Verhältnisse auszuführen ist. Das Insektengeziefer, wel- 
ches durch Ausrottung der Sperlinge gepflegt wird wuchert ungheuer 
und ‚dürfte schädlicher werden als die Sperlinge im Sommer und Win- 
ter durch ihren Körnerdiebstahl. Die gesetzliche Ablieferung von 
Sperlingsköpfen ist nicht anzurathen — Ebda 46—54.) Gl. 


Correspondenzblatt 
des 


Naturwissenschaftlichen Vereines 


für die 


Provinz Sachsen und Thüringen 


Halle. 
1563. März. April. NR I. IV. 


Sitzung am 4. März. 


Eingegangene Schriften: 
1. Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues der 
. Königl. Preuss. Staaten no. 6—9 Berlin 1863. 40. 
2. Verhandlungen und Mittheilungen des siebenbürgischen Vereins 
für Naturwissenschaften XIII. Jahrg. no. 5—8 Hermannstadt 
1862. 8°, 


Zur Aufnahme angemeldet wird 
Herr Gymnasiallehrer Ottomar Müller in Torgau 
durch die Herren Arndt, Giebel und Taschenberg. 

Der Vorsitzende theilte als für die Vereinsschrift eingegangene 
Arbeiten mit von Herrn Irmisch: Scilla autumnalis und bifolia, und 
Herrn Philippi in Santjago ein Verzeichniss der, Orthopteren von 
Chili, Beschreibung eines neuen Acridiers so wie Analyse einer erd- 
pechartigen Substanz. 

Ferner legt derselbe ein von Herrn Dietrich eingesandtes 
Fossil in Gestalt eines Schneckensteinkernes angeblich von Mansfeld 
vor und erklärt dasselbe für einen Coproliten von einem grossen 
Haifische. 

Herr von Landwüst anknüpfend an den letzten Vortrag des 
Herrn Weitzel, legt Zerrbilder vor, welche durch Drehen hinter 
einer Scheibe mit vier Längsspalten, die in umgekehrter Richtung 
gedreht wird, das wahre Bild 5 Mal erscheinen lassen. 

Herr Zincken berichtet über ein Vorkommen von Fichtelit in 
dem Hochmoore des rothen Bruches zwischen dem Wurmberge 
und der Achtermannshöhe, welches Herr Forstrath Hartig in Braun- 
schweig entdeckt hat. Das Fichtelit sitzt hauptsächlich zwischen der 
Rinde und dem Holze von Kieferstämmen, welche, in bis 1"/,‘ starken 
Stämmen sich findend, die unterste 5‘ mächtige Schicht des 30 — 40' 
hohen Torflagers bilden. Ueber den Kiefern liegt eine Schicht von 
stärkeren Fichtenstämmen und unter diesen eine Schicht von schwä. 
chern und verkrüppelten Fichten. Kiefern kommen nach Hartig nur 


396 


noch im Rosstrappthale und im Ockerthale in kleineren Gruppen oder 
ein:eln vor und zwar auf granitischem Boden, wie denn auch das 
Torflager am rothen Bruche auf Granit ruht. 

Derselbe spricht über, das Vorkommen von glauconitischem 
Sandthon über der Braunkohle im Maschinenschachte der Grube Auna 
Alwina Elsbeth am Glockenberge bei Helmstädt, welcher in der Preus- 
sischen Fortsetzung der Helmstädter Kohlenmulde nicht angetroffen 
wird. In dem circa. 3 Lchtr mächtigen‘Sandthon und dem davon ein- 
geschlossenen Sandconcretionen finden sich nach Mittheilung des Herrn 
Cammerraths Grotrian in Braunschweig fast die gleichen Conchylien 
als von der Facies in den Hangenden von Lattorff. Gastropoden über- 
wiegen, Zweischaler sind selten, ein Pectunculus ist noch nicht ge- 
funden. Pholadomya Weissii.’ Lunulites lattorfensis, durch Herrn Gie- 
bel in den von Herrn Grotrian aus seiner reichen Sammlung gefäl- 
ligst überlassenen Exemplaren. Dentalium grande und mutabile, Conus 
antediluvianns, Fusus multisulcatus und elongatus, Voluta anhaltina, 
und Pleurotomen bereits genau bestimmt. 

Derselbe legt endlich eine pechartige, wachsharte fett an- 
zufühlende Masse aus. dem unteren Niveau des Torflagers von Ve- 
chelde vor, welches. er von dem Kgl. Forstrath Hartig erhalten und 
das er einer chemischen: Analyse unterwerfen lassen will, so wie ein 
sehr schönes Exemplar von Pholadomya Weissii aus dem glauconiti- 
schen Sandthone von Eggersdorf. 

Herr Giebel spricht über. die, Struktur- Verschiedenheiten im 
Baue der Korallenstöcke, und: legt erläuternde Exemplare derselben vor. 


Sitzung am 11. März. 


Als neues Mitglied wird proclamirt 
Herr Ottomar Müller in Torgau. 


Herr Siewert den Werth der Nährstoffe im Allgemeinen be- 
leuchtend, verbreitet sich über die specielle Bedeutung einer Reihe 
von Kohlenhydraten. Von denselben hat die Cellulose für den Menschen 
wenig Werth, weil nur frische Zellen verdaut werden können, wäh- 
rend die Wiederkäuer und besonders der Biber die Zellulose allgemein 
als Nahrungsmittel verwerthen können. Gummi und Pectin sind 
beide als Nährstoffe für den menschlichen Organismus unbrauchbar. 
Das Stärkemehl im rohenZustande nur in geringem Grade verdaulich, 
bietet gekocht ein wichtiges Nahrungsmittel. Es geht zuerst in Dex- 
trin und dieses in Traubenzucker über. Dass ‚die Umwandlung in 
letzteren bereits im Speichel vorbereitet wird, wies der Vortragende 
durch Experimente nach, vorzugsweise wirkt aber das Sekret der 
Bauchspeicheldrüse den vollständigen: Umsatz in Zucker. Die ver- 
schiedenen Zuckerarten verhalten sich wiederum verschieden als Nähr- 
mittel. : Der Traubenzucker bleibt als solcher nicht im Körper, son- 
dern wird durch den Mundspeichel und Magensaft in Milchsäure um- 
gewandelt. Der Rohrzucker allein wird nicht verdaut und; hat mithin 
keinen Antheil an der Ernährung, jedoch in Verbindung mit andern 


397 


Speisen setzt er sich zunächst in. Traubenzucker und dieser in Milch- 
säure um. Der Milchzucker endlich verwandelt sich ausserordentlich 
schnell in Milchsäure, — Dieser Vortrag ‚gab Anlass zu weitern Dis- 
kussionen. 

Herr W. Weitzel macht Mittheilung von einem fossilen Eie 
von den Chincha - Inseln bei Peru, welches daselbst 40 Fuss tief im 
Guano gefunden. Nach H. Rose’s Angabe ist es von der Grösse ei- 
nes Gänseeies und dadurch besonders ausgezeichnet, dass die orga- 
nische Substanz des Innern bis auf einen sehr kleinen Bruchtheil ver- 
schwunden und an Stelle derselben schwefelsaures Kali und schwe- 
felsaures Ammoniumoxyd getreten ist. Die Schale besteht hauptsäch- 
lich aus phosphorsaurer Kalkerde. — Sodann macht derselbe auf’ eine 
von! Berger aufgestellte Vermuthung über Grundeisbildung aufmerk- 
sam, nach welcher bei Nichtvorhandensein von Obereis Grundeis sich 
an den der Strömung abgewandten Seiten der in Wasser befindlichen 
festen Gegenstände bildet, Danach soll das strömende Wasser hinter 
den Gegenständen einen wasserleeren Raum bilden, der sich mit Was- 
serdampf erfüllt, welcher seinerseits die zu seiner Bildung nöthige 
Wärme dem umgebenden Wasser entzieht und dieses dadurch soweit 
abkühlt, dass es erstarrt. — Endlich: berichtet derselbe J. Schneiders 
Beobachtung über das Auftreten hoher schrillender Töne, wenn ein 
erhitzter Kupferstab oder Ring nur an einer Stelle 'einen kalten Blei- 
block, auf dem er ruht, berührt. Nach Schneiders Erklärung sind 
diese Töne durch wagrechte Schwingungen, begleitet von einer dre- 
henden Bewegung des Stabes um eine senkrechte Achse entstanden, 
während die Trevalyanschen Töne durch senkrecht ausgeführte 
Schwingungen entstehen. 


Sitzung am 18 März. 


Eingegangene Schriften: 

1. Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft in Görlitz XI. 
Görlitz 1862. 80, 

2. Fortschritte der Physik im Jahre 1860. XVI. Berlin 1862. 89. 

3, Verhandelingen der koninklijke Akademie van Wetenschappen VIII. 
Amsterdam 1862. 40, 

4. Jaarboek van de Koninklijke Akademie van Wetenschappen, Am- 
sterdam 1861 89. 

5. Verslagen en Medeleelingen der Kon. Akademie van Wetenschap- 
pen III. IV. Amsterdam 1862, 8°, 

6, Brittinger, Flora von Ober- Oesterreich. Wien 1862. 80. — Ge- 
schenk des Herrn Verf.s, 

7. Charles Darwin, über die Entstehung der Arten aus dem Eng- 
lischen von Bronn. I. Aufl. 3. Lief. Stuttgart 1863, — Recen- 
sionsexemplar, 

8, Proceedings of the American Philosophical Society Vol. VII. no. 
64. 80, 


398 


Zur Aufnahme angemeldet wird: 
Herr Rector Krieg in Quedlinburg 
durch die Herren Wittein Aschersleben, Giebelund Taschenberg. 

Der provisorische Vorstand des neu begründeten naturwis- 
senschaftlichen Vereines in Mühlhausen wünscht als Zweigverein vom 
hiesigen Vereine anerkannt zu werden. Der Vorstand behält sich 
hierüber das Weitere vor. 

Die Vorstände der beiden Gesellschaften: Akklimatisationsver- 
ein für die königl. preuss. Staaten“ und Centralinstitut für Akklima- 
tisation in Deutschland“ haben sich vereinigt und melden ihre neue 
Gesellschaft als „Akklimatisationsverein in Berlin“ an. Dieselbe 
schliesst zugleich ein Verzeichniss von Sämereien in. 

Herr v. Lochow aus Wittenberg hat eine Partie fossiler Kno- 
chen eingesandt, welche dort im Lehme aufgefunden worden, unter 
denen sich Bruchstücke von Bos primigenius, Hyaena spelaea und ein 
ziemlich vollständiger Schädel vom Rhinoceros auszeichnen. Herr 
Giebel legt mehre dieser Ueberreste vor. 

Endlich theilt derselbe ein Schreiben des Herrn Bischoff aus 
Lehesten bei Saalfeld mit, in welchem derselbe meldet, dass in Folge 
eines sehr starken Regens sich daselbst in einer grossen die Chaussee 
überschwemmenden violetten Schlammasse auf 40 Schritt Erstreckung 
kleine Thierchen in unzähliger Menge gefunden hätten, die er für Po- 
dura aquatica erklärt und unter Einsendung eines Fläschens voll der- 
selben näher zu bestimmen ersucht. Herr Giebel bestätigte die Be- 
stimmung des Einsenders unter specieller Charakterisirung der einge- 
sandten Exemplare. Auch auf den am Rande der Strasse liegenden 
Steinhaufen sassen zahlreiche dieser Thierchen und glaubt Herr 
Bischoff, dass dieselben von dem Tags vorher heftig wehenden Süd- 
weststurme herbeigeführt worden seien. Jedenfalls eine höchst inte- 
ressante Erscheinung, die zu weitern derartigen Beobachtungen auf- 
fordert. 

Herr Drenckmann erwähnt ein von Böttger in Frankfurt 
aufgefundenes, neues Verfahren Ozon darzustellen durch Uebergiessen 
von mangansaurem Kali mit concentrirter Schwefelsäure; dasselbe 
wirkt so stark oxydirend, dass es Schwefel in Schwefelsäure verwan- 
delt. Derselbe ergänzt seinen frühern Vortrag über Petroleum durch 
die nachträgliche Mittheilung einer technischen Anwendung desselben. 
In. einigen kleineren Städten des Staates New-York hat man dasselbe 
zur Bereitung von Leuchtgas angewendet, welches sich allerdings im 
Preise theurer herausstellt, als das von Steinkohle gewonnene, dafür 
aber auch einen dreifach grösseren Leuchteffect haben soll. Wenn 
1000 Kubikfuss Leuchtgas aus Petroleum zu 1 Thlr. 14 Sgr. aus 
Steinkohle zu 1 Thlr. Herstellungskosten berechnet werden, 'so hält 
der Vortragende diesen Unterschied noch für zu gering, wenn man 
bedenkt, dass die Fabrikation des Leuchtgases aus Steinkohlen eine 
Menge verwerthbarer Nebenproducte liefert, die bei der Gewinnung 
aus Petroleum wegfallen. 


399 


Sitzung am 25. März. 


Als neues Mitglied wird proklamirt 
Herr Rector Krieg in Quedlinburg. 
Zur Aufnahme angemeldet 
Herr Kreibauinspector und Universitäts- Architekt Steinbeck 
durch die Herren Giebel, Taschenberg und Weitzel. 


Herr Giebel theilt einen Brief des Herrn Dr. Brendel aus 
Illinois mit, in welchem derselbe sich über verschiedene von ihm ge- 
sammelte Säugethiere, Vögel und Schmetterlinge verbreitet, und legt 
hierauf eine ‚„Importationsliste amerikanischer Rauchwaaren vor, welche 
für die diesjährige Frühjahrsauction in London eingegangen ist und 
deren Zahlen etwa auf die Hälfte der in den Handel kommenden, be- 
zeichneten Waaren zu veranschlagen sind. Hiernach lieferte die Hud- 
sonsbay-Compagnie beispielsweise 94558 Biber, die vereinigten Staa- 
ten und Kanada 1,895, die Gesammtsumme bleibt um 7357 Stück ge- 
gen voriges Jahr zurück. Bisam sind in Summa verzeichnet 1,479558 
Stück, Schuppen 221,908, Zobel 70601, Bären 5053, Luchse 4574, 
Wölfe 3644, Chinchillas 32,136, die geschätzte immer seltener wer- 
dende Seeotter 114 u. s. w. u. 8. w. 

Herr W. Weitzel erstattet Bericht über die von G. Möllen- 
dorf veröffentlichte Darstellung der Regenverhältnisse Deutschlands. 
Die Regenmenge beträgt danach im Mittel: im Frühling 5,60“ par. 
oder 22,40%/5; im Sommer 9,00‘ oder: 360),; im Herbst 5,86“ oder 
2C,5%/, und im Winter 4,52‘ oder 18,10/,. Demnach sind in Deutsch- 
land die Sommerregen herrschend. Das Jahresmittel ist 24,98‘ par. 
Dem herrschenden Südwestwinde ist die grössere Rsgenmenge im 
Westen, die kleinere im Osten Deutschlands zuzuschreiben, so dass 
z. B. in Cöln durch diesen Einfluss und den der Meeresnähe die Re- 
genmenge 38,32” beträgt, in andern Gegenden macht sich die Nähe 
der Gebirge geltend, so in Clausthal mit 47,88 Regenhöhe. Sehr ge- 
ring sind dagegen die Regenmengen in Prag 14,43, Polnisch-Warten- 
berg 11,5; Halle hat 18,94’ par. Regen. Von Einfluss auf die Regen- 
mengen sind ausser den angeführten Umständen noch die Meeres- 
höhe, Oberflächengestaltung und Bodenbeschaffenheit des Orts. Be- 
waldung beeinflusst nicht die Regenmenge, sondern nur die Regenver- 
theilung. Zu beachten ist ferner, dass die Regenmenge von oben’ 
nach unten zunimmt, so dass an demselben Orte in 200° Höhe die 
Regenmenge 100; in 150’ Höhe 102,5; in 100° Höhe 107,5; in 50‘ Höhe 
118,0 und in 0° Höhe 155,9‘ beträgt, im Sommer ist die Zunahme in. 
der Höhe grösser als im Winter. Es ist sonach die beobachtete Re- 
genmenge stets zu gering; und dies beträgt bei Regenmessern von 
6‘ Höhe noch 2%/,; ebenso ist die Regenmenge zu gering in Folge der 
Verdunstung, welche beim Schnee 19,6%, erreicht, so dass die An- 
gaben für die Wintermonate um !/; zu erhöhen sind. Die übrigen 
Einflüsse dürfen vernachlässigt werden. 

Herr Zinken übergiebt ein Verzeichniss der im Selkethale 


400 


wildwachsenden Pflanzen, welches nächst dem Bodethale die grösste 
Mannigfaltigkeit der Harzer Flora enthält, etwa 440 verschiedene, für 
genannte Flora seltenere Specien. Schliesslich spricht derselbe, an 
seine frühern Mittheilungen über die Kreidekohle auknüpfend, über die 
Wälderkohle. Dieselbe besonders durch Cycadeen und Coniferen ge- 
bildet, zieht sich nordwestlich vom Harze bis nach Holland in meist 
sehr schwachen, 2 Fuss Mächtigkeit selten übersteigenden Flötzen. Die 
Koblen sind sehr verschieden und die stark zerklüfteten im Schaumburgi- 
schen sind es hauptsächlich, auf welchen der Bergbau betrieben wird. 

Hiermit wurden die Sitzungen für das Wintersemester geschlos- 
sen und. der Anfang der Sommersitzungen auf den 22. April festgestellt. 


Sitzung am 22. April. 


Als neues Mitglied wird proklamirt 
Herr Steinbeck, Kreisbauinspector und Universitäts-Architekt Bien, 

Herr Giebel legt den Abdruck eines Palaeoniscus aus dem 
Mansfelder Kupferschiefer vor, an welchem die Schuppen von der 
Innenseite so eigenthümlich abgedruckt sind, dass man sie leicht für 
Abdrücke von Wirbelkörpern halten könnte, 

Herr Brasack berichtet über die von Carre zuerst ange- 
wandte Methode der Eisgewinnung aus Ammoniak. Eine concentrirte 
Ammoniaklösung wird zu diesem Zwecke in einem abgeschlossenen 
eisernen Gefässe von cylindrischer Form erhitzt, doch darf die Tem- 
peratur 130° C nicht überschreiten, damit nicht der innere Druck 8 
Atsnıosph. überschreitet. Der Rauin hat sich mit Ammonıakdampf 
gefüllt, der sich nun in einem mit dem Kessel in Verbindung stehen- 
den Rohre zu wasserfreier Ammoniakflüssigkeit verdichtet. Die Flüs- 
sigkeit sammelt sich in einem Gefässe, den sogenannten Vertheiler, 
der dieselbe in constantem Flusse in den luftverdünnten Refrigerator 
eintreten lässt. Letzterer ist ebenfalls ein eiserner Cylinder von dem 
noch ein zweites Rohr in das ebenfalls luftverdünnte Absorptionsge- 
fäss geht, auf dessen Boden sich einige Zoll hoch Wasser befindet, 
Beim Eintreten der Ammoniak - Flüssigkeit in den Kälterreger verdun- 
stet dieselbe, entzieht die dazu nöthige Wärme den Wänden des Ge- 
fässes und bringt dadurch das um den Apparat befindliche Wasser 
zum Gefrieren. Naturgemäss gehen nun die Ammoniakdämpfe auch 
in den Absorptionsapparat über und werden hier ungemein schnell 
vom Wasser verschluckt, was eine neue Verdunstung des Ammoniaks 
im Kälteerreger veranlasst. Um den Process ununterbrochen vor sich 
gehen zu lassen ist mit dem Absorptions-Apparate noch ein Pumpwerk 
verbunden, das das mit Ammoniak gesättigte Wasser zurücktreibt in 
den Verdampfungs-Cylinder, während die vom Ammoniakgas befreite 
Flüssigkeit durch ein Kühlrohr in den Absorptionsapparat zurückläuft. 
Der Process kann nun wieder ebenso verlaufen. — Die Resultate die man 
mit diesem Apparate erzielt hat, übersteigen alle bisher bekannten, — 


Druck von W. Plöts in Halle. 


Feitschrift 


für die 


Gesammten Naturwissenschaften. 


1863. | Mai. Ne N. 


Ueber die Vertheilung der Wärme auf der 
Erdoberfläche, 


von 


L. Witte 


in Aschersleben. 


4. Die Störungen im normalen Gange der Wärme oder die Ursachen 
des Wechsels der Witterung. 


Bei der Bestimmung der mittlern Jahrestemperatur 
eines Ortes aus seiner geographischen Lage und besonders 
bei der Bestimmung des Ganges der täglichen mittlern 
Temperatur eines Ortes, welche beiden Aufgaben ich in 
Band III. und IV. in besonderer Weise zu lösen gesucht 
habe, ist es Haupterforderniss, von allen Störungen des 
normalen Ganges der Wärme völlig abzusehen und sich 
einzig an die aus vieljährigen Beobachtungen sich ergeben- 
den Mittel zu halten. Erst wenn diese normalen Mittel 
gewonnen sind, lässt sich der Versuch wagen, auf das 
hohe Ziel der Witterungskunde loszugehen, d. i. auf Er- 
gründung der Ursachen des wirklichen Witterungsganges 
an verschiedenen Orten der Erde. Wir schieben den Wech- 
sel der Witterung mit guten Gründen den verschiedenen 
Luftströmungen zu und sind auch wohl im Stande, hinterher 
nachzuweisen, wie die Aenderung des Wetters durch die- 
selben geschehen ist; allein es bleibt uns immer noch die 
schwierige Frage zu lösen, wodurch ihr Lauf und Wechsel 
bedingt sein mag. Dass die Häufigkeit und der Wechsel 


der verschiedenen Winde und die Menge der durch ihren 
XXI. 1863. 27 


402 

Zusammenstoss erzeugten Niederschläge, also hauptsächlich 
der Regen, auf die Erhöhung oder Erniedrigung der mitt- 
lern Jahrestemperatur eines Ortes Einfluss ausüben, habe 
ich gleichfalls in Band XIII. zu zeigen versucht, zunächst 
für Europa, und sind diese Einflüsse in dem Masse als con- 
stant zu betrachten, als die Häufigkeit der Winde an einem 
Orte und die Regenmenge allda selbst constant sind. Wären 
sogar beide an einem Orte in jedem Jahre dieselben, was 
freilich nicht der Fall ist, so würden sie doch in buntem 
Wechsel in sehr verschiedenen Zeiten einfallen. Der Wech- 
sel von warmen und kalten Jahren und von warmen und 
kalten Tagen ist bekannt, und:die Regellosigkeit derselben 
ist sprichwörtiich. Und doch muss die Wissenschaft ver- 
wegenen Sinnes darauf ausgehen, eine Regelmässigkeit 
auch da zu suchen, wo keine vorhanden zu sein scheint, 
da sie nicht annehmen kann, dass eine unsichtbare Hand 
willkürlich am Zeiger rückt. Ich bin weit ab von dem 
Uebermuthe, den das Volk für Frevel ansieht, den Finger 
segen den Himmel ausstrecken und hinzeigen zu wollen 
in das kommende Wetter, noch die Kraft bemessen zu 
wollen, in der Wind und Wärme und Leben beruht. Das 
wäre von mir allzu kühn, und dazu weiss ich, welchem 
Fluche die falschen Propheten verfallen. Ich gebe im Nach- 
folgenden nur, was mir aus meinen langjährigen Beobach- 
tungen hervorzuschimmern scheint, und meine bescheidenen 
Ansichten machen durchaus keinen Anspruch auf Wissen- 
schaftlichkeit, ich veröffentliche sie nur, weil ichs für mög- 
lich halte, dass ihr Bekanntwerden von praktischem Nutzen 
sein könnte. 

Betrachtet man den Gang der Wärme längere Zeit, 
so macht man bald die naheliegende Bemerkung, dass beim 
Wechsel des Wetters Wärme und Kälte gemeinlich nicht 
allmählig in einander übergehen, sondern dass sie meistens 
mit einem Sprunge in einander umschlagen, Dieser Ruck 
findet nicht allein statt, wenn in den untern Regionen West- 
und Ostwinde wechseln, sondern auch oft, wenn der unten 
herrschende Wind bleibt. Im erstern Falle ist der Sprung 
erklärlich, aber auch im letztern bleibt nicht ausgeschlossen, 
dass eine Aenderung der Luftströmungen in den obern und 


403 


mittlen Regionen vorgegangen ist, welcheeinen Wärmewechsel 
in den untern hervorruft. Es ist unsfreilich gänzlich unbekannt 
und nicht durch leichte Beobachtungen zu ermitteln, wie 
viele verschiedene Winde in den Höhen, in uferlosen Betten 
über und neben einander hinziehen oder gar sich erheben 
und herabsenken, und selbst wenn diese bestimmbar wären 
wie die Strömungen des dichtern und schwerern Elementes, 
des Wassers, so würde doch bei der völligen Schranken- 
losigkeit des Luftmeeres auf die Beständigkeit der Fluthun- 
gen wenig oder gar nicht zu rechnen sein. Zwar scheint 
uns in den beständigen Passaten der Tropen der feste 
Stamm des die Erde mit seinen Wurzeln und Zweigen um- 
schliessenden Wetterbaumes gegeben zu sein; indessen die 
Wurzeln und Zweige sind gerade in unsern Gegenden so 
verworren verschlungen, dass an eine Lösung derselben auf 
diesem Wege wohl schwerlich gedacht werden kann. Sie 
schwanken dazu unaufhörlich hin und her und auf und 
nieder, so dass sie fast keinen Tag in derselben Lage blei- 
ben. Wüssten wir jedoch nur, welche‘Kraft die Zweige 
birgt, so möchten wir immerhin doch angeben können, 
wohin sie sich neigen. Es entsteht also die Frage: Welche 
Kraft bewirkt den Ruck in der Witterung oder veranlasst 
die Störungen im normalen Gange der Wärme? 

Die Aequinoctialstürme sind eine so bekannte und 
beinahe regelmässige Erscheinung, dass man wohl ver- 
sucht sein kann, sie als Wirkungen einer Ursache zu setzen, 
die immer zu derselben Zeit sich zeigt. Die Sonne, die 
Hauptquelle der Wärme auf der Erde, hat alsdann eben 
die Linie passirt, und in diesem Vorgange ist sicher zum 
Theil die Ursache des gewaltigen Ruckes zu suchen, den 
um diese Zeit die Witterung in beiden Hemisphären erleidet. 
In Betracht der Witterung zerfällt die Erde in zwei sehr 
ähnliche Hälften, die durch die Region der Calmen geschie- 
den und verbunden sind, der sich auf beiden Seiten die 
Regionen der Passate mit ziemlich normalem Witterungs- 
gange anlegen. Die Thatsache der Aequinoctialstürme in 
den über diese Regionen hinausliegenden Gegenden dürfte 
Beweis genug dafür sein, dass es für den ruhigen Gang 
der Wärme nicht einerlei ist, ob die Wärmequelle nördlich 

27° 


404 


oder südlich der Scheidelinie senkrecht wirkt, dass vielmehr 
in diesem Gange ein Sprung stattfindet, sobald der Wärme 
strahlende oder erregende Körper den Aequator passirt. 

Auf dem indischen Oceane wird der Nordostpassat 
durch die Moussons aufgehoben, die ihrer Natur nach reine 
Land- und Seewinde sind und durch die ungleiche Erwär- 
mung von Land und Meer entstehen. Sie setzen nach den 
Aequinoctien um, und ihre Entstehung, die ich als bekannt 
hier nicht weiter erörtere, giebt ferner Beweis dafür, dass 
auch die Vertheilung von Land und Wasser oder die Lage 
der Continente von Einfluss auf die Windströmungen und 
damit auf den Gang der Wärme sein kann, woraufich mich 
weiter unten beziehen werde. 

Gäbe es ausser der Sonne noch andere Himmelskör- 
per, welche auf der Erdoberfläche direkt Wärme erregten, 
so würde es aus eben diesem Grunde nicht ganz gleich- 
gültig sein, ob sie bei Tage oder bei Nacht am Himmel 
stehen; da indessen selbst das Licht des Mondes nur eine 
verschwindend geringe Wärme zeigt, so kann diese Rück- 
sieht völlig ausser Betracht gestellt werden. 

In der That können wir nur die Sonne als die einzige 
Wärmequelle für die Erde ansehen; nach einer andern su- 
chen wir vergeblich. Schiene nun die Sonne immer gleich 
und wäre die Erde eine gleichartige Masse, d. h. ganz 
Land oder ganz mit Wasser bedeckt, so stände anzunehmen, 
dass an jedem Orte derselben die tägliche mittlere Wärme 
den normalen Gang inne halten würde. Die Wärme zeigte 
dann überhaupt nur die Schwankungen, welche Tag und 
Nacht und Sommer und Winter hervorbringen und vielleicht 
kaum nur eine Störung zur Zeit der Aequinoctien. Es 
stände denn ferner anzunehmen, dass unter gleichen Brei- 
tengraden überall nicht nur dieselbe mittlere Jahrestempe- 
ratur, sondern auch ganz der Wärmegang an einem Orte 
je nach der Lage zum Continente oder Meere abgeändert 
wird, das habe ich Band III und IV. zu zeigen versucht. 
Diese Aenderungen berühren aber nicht den unregelmässigen 
Gang der Witterung, da sie natürlich völlig constant sind. 
Da man an der Erde selbst für diese Unregelmässigkeiten 
schwerlich Ursachen aufzufinden vermag, so hat man sie 


405 


bereits in .der Wärmequelle, in dem veränderlichen Scheine 
der Sonne, gesucht, d.h. in den auflodernden Sonnenfackeln 
und in den dunkeln Sonnenflecken, sowie zugleich dann 
in der Achsendrehung derselben. Soviel mir bekannt, ist 
es bis jetzt nicht gelungen, den Causalnexus dieser Erschei- 
nungen mit der Wärme auch nur soweit nachzuweisen, 
dass sie gleichzeitig eintreffen, oder auch nur, dass in Jah- 
ren, die an Fackeln und Flecken reich sind, das gesammte 
Wärmequantum der Erde grösser oder geringer sei als ge- 
wöhnlich; vielmehr ist man durch alle Beobachtungen zu 
der Annahme gelangt, dass dieses Wärmeguantum zu aller 
Zeit dasselbe sei und sich auf der Erdoberfläche nur sehr 
verschieden vertheile. \Venn dem so ist, so können die 
Sonne und die Erdoberfläche, d. h. Continente und Oceane, 
desgleichen in gewissem Sinne auch die beständigen Winde 
und Regen nur als Factoren des normalen Wärmeganges 
an jedem Orte der Erde angesehen werden, und zwar die 
erstere, die Wärmequelle, als Hauptfactor, die andern als 
Nebenfactoren, nicht aber können sie als Erzeuger der Un- 
regelmässigkeiten der Witterung betrachtet werden. Die Ur- 
sachen der Temperaturschwankungen sind anderswo zu 
suchen. 

Da sich in diesen Störungen noch keine Periodieität 
hat entdecken lassen, so können die Ursachen nur immer 
unter den verschiedensten Umständen wirksam sein, so dass 
auf diese Weise eine unendliche Manichfaltigkeit der Ver- 
kettung möglich wird und es also scheinen muss, als walte 
darin freiste Willkür oder blosser Zufall. Diese Ansicht 
muss schlechterdings abgewiesen werden, und will ich mit 
den folgenden Annahmen den Versuch machen, ob sich 
nicht alle oder doch die meisten Auf- und Abbiegungen 
der Temperaturcurve an eine Regel anknüpfen lassen. 

Die Luftströmungen sind den Meeresströmungen sehr 
ähnlich, und beide würden wahrscheinlich einander voll- 
kommen entsprechen, wenn letztere nicht durch die Con- 
figuration der Landmassen aufgehalten und abgelenkt wür- 
den. Wie die Unebenheiten des Meeresgrundes auf die 
Meeresfluthen, so wirken die Unebenheiten des Erdbodens 
auf die Luftströme, Sind nun diese beiden den Erdkörper 


406 


umfliessenden und einhüllenden Flüssigkeiten in den Haupt- 
bewegungen einander ähnlich, so sind sie’s vielleicht auch 
in den andern. Die hauptsächlichsten der letztern ist die 
Erscheinung der Ebbe und Fluth der Oceane, von der jetzt 
bis zur Evidenz erwiesen ist, dass sie eine Wirkung der 
Attraction des Mondes ist. Dieser Zusammenhang, obwohl 
lange geahnt und angenommen, ist mit den stärksten Grün- 
den oft und hartnäckig bestritten worden, und endlich ist 
doch die Gewissheit desselben durch planmässige genaue 
Beobachtungen dargethan. Wenn nun das dichtere und 
schwerere Wasser durch die Anziehung des Mondes bewegt 
und hochgezogen wird — wenn auch nur wenige Fuss 
hoch, — sollte da dieselbe Kraft nicht auch die weit dün- 
nere und leichtere Luft in gleicher Weise bewegen und 
heben können und müssen? — Zwar ist sofort dagegen 
einzuwenden, dass das Barometer von solchen Fluthungen 
des Luftmeeres nichts oder doch gar zu Geringes vermeldet; 
indessen möchte ich wiederum die ganz nahe liegende Be- 
richtigung einlegen, dass es auch von dem so erzeugten 
höhern oder tiefern Stande des Luftmeeres nichts ergeben 
kann, da eben durch die Anziehung des Mondes der Druck 
der höhern Luftsäule nach unten nicht vermehrt werden 
kann, indem er gerade um soviel aufgehoben wird, als die 
Attraction des Mondes die Luftmasse häuft. Sonach würden 
Sonne und Mond wie auf den Ocean, so auch auf das 
Luftmeer einwirken können und zwar, ohne dass das Ba- 
rometer die Ebben und Fluthen der Atmosphäre anzeigte. 
Diese Ebben und Fluthen müssen in dem schrankenlosen 
Luftmeere noch viel freier und ungestörter eintreten als 
in dem beschränktern und schwerer beweglichen Wasser. 
Durch sie würden dann alle ungewöhnlichen Luftströmungen 
erregt und durch diese wieder die Wärme ungleich über 
die Erde verbreitet. (Die periodischen Barometerschwan- 
kungen, die täglichen wie die jährlichen, könnten hierbei 
selbstverständlich nicht in Betracht kommen). 

Giebt es in Wirklichkeit eine solche unmessbare Ebbe 
und Fluth des Luftmeeres, so ist diese natürlich von der 
Constellation des Mondes und der Sonne abhängig und zwar 
in derselben Weise wie die des Wassers, so dass also zur 


407 


Zeit der Conjunction und Opposition beider ihre Ebben und 
Fluthen einander verstärken und zur Zeit der Quadraturen 
die Ebbe, welche der eine Himmelskörper erzeugt, die Fluth 
schwächt, welche der andere hervorbringt. Wie tief diese 
Bewegungen herabdringen, lässt sich nicht vermuthen; 
aber selbst wenn sie den Dunstkreis auch nicht berühren 
sollten, so dürfte er dennoch von ihnen erregt werden, 
wenn nach den Quadraturen beide Körper in entgegenge- 
setzter Riehtung wirken, nach dem ersten Viertel aus dem 
Zusammenwirken in Entgegenwirken, nach dem letzten 
Viertel aus Entgegenwirken in Zusammenwirken überge- 
hen. Herschel und Johnson wollen am Vollmonde eine 
wolkenzertheilende Kraft bemerkt haben. Doch sieht man 
von diesen zweifelhaften Wirkungen ab, so bleibt es im- 
merhin einleuchtend, dass, wenn überhaupt der Mond durch 
seine Attraction auf die Atmosphäre einwirkt, ein Ruck 
nur stattfinden kann nach den Quadraturen desselben, wenn 
Sonne und Mond in entgegengesetzte Verhältnisse zu ein- 
ander treten. Dadurch wäre indessen die grosse Manich- 
faltigkeit der Störungen des normalen Wärmeganges noch 
nicht erklärt, und bleibt für diese noch ein anderes Moment 
zu beachten. 

Es ist bereits oben gesagt, dass die Vertheilung der 
Continente und Oceane schon auf die normale Wärmemenge 
und den normalen Wärmegang an einem Orte der Erde be- 
stimmend einwirkt, und dieser Einfluss muss auch hier in 
Betracht gezogen werden. Es ist mir freilich unmöglich, 
nachzuweisen, wie er bedingt wird, doch glaube ich, aus 
meinen Beobachtungen nachweisen zu können, dass er Statt 
hat, wenigstens für die nördliche Hemisphäre. Der grosse 
östliche Continent (Asien, Afrika und Europa) breitet sich 
von Ost nach West über ?/, des Erdumfanges aus, die Oceane 
(der stille und der atlantische) mit Einschluss von Nord- . 
amerika, das — durch Gewässer vielfach zertheilt — in 
meteorologischer Beziehung keinen continentalen Einfluss 
auszuüben scheint, breiten sich in gleicher Richtung über 
5), aus, und eben diese Zahlenverhältnisse treten beim Ein- 
flusse des Mondes auf die Witterung zu Tage. Die Wit- 
terungsperioden gehen von Quadratur zu Quadratur und 


408 


treffen meist am dritten, spätestens am fünften Tage nach 
derselben ein. 

Ich übergehe alles Uebrige, was ich sonst noch zur 
Begründung meiner Ansicht, dass der Mond ein Factor der 
Witterung sei, anführen könnte, und indem ich eine lange 
Reihe von Beobachtungen vorlege, will ich zunächst zeigen, 
in wieweit eine abstrahirte Regel diesen entspricht. Diese 
Regel gilt nur für den Winter. Die Scheidung von Sommer 
und Winter ist durch den Stand der Sonne und durch die 
oben bezeichneten Witterungshälften der Erdoberfläche be- 
dingt. Die Regel lautet: 

Fällt im Winter das erste Viertel des 

Mondes in die Zeit von 8 Uhr Morgens bis 

11 Uhr Abends, so tritt Wärme ein, fällt es 

zwischen 11 Uhr Abends und 3 Uhr Menue 

so tritt Kälte ein; 

und fällt im Winter das letzte Viertel 
zwischen 8 Uhr Morgens und 11 Uhr Abends 
so folgt Kälte, fällt es zwischen 11 Uhr 

Abends und 8 Uhr Morgens, so folgt Wärme. 

Die beiden Tageszeiträume entsprechen den angegebe- 
nen Ausdehnungen’der Oceane und des Festlandes auf der 
nördlichen Erdhälfte, und die Wechsel- oder Scheidestunden 
— 8 Uhr Moıgens und 11 Uhr Abends — scheinen für 
Oerter von verschiedenster geographischer Länge dieselben 
zu Sein, da sie für jeden Ort je nach letzterer zu anderer 
Zeit einfallen. (Vorläufig sei hier schon bemerkt, dass die 
Regel auch für den Sommer Anwendung findet, nur dass 
aus obigen Gründen die Wärmebestimmungen dann ent- 
gegengesetzt sind). Die Regel streift nahe an den alten 
Volksglauben, nach welchem die Witterung davon abhängig 
gemacht wird, ob der Mondwechsel vor oder nach Mitter- 
nacht eintritt. Der alte Glaube wäre also doch nicht ganz 
ohne Grund und der Beachtung wohl werth, nur hat sich 
mir aus 16-jährigen Beobachtungen ziemlich klar gezeigt, 
dass nicht die Mitternacht, sondern 11 Uhr die entscheidende 
Stunde ist, und dass es ausser dieser noch eine solche am 
Morgen giebt. Da ich mit dem bisher Gesagten die Regel 
nur schwach begründet habe, so mag es mir vergönnt sein, 


409 


durch die lange Jahresreihe hindurch nachzuweisen, wie nur 
in verhältnissmässig wenigen Fällen die Witterung sich 
anders gestaltete, als voraus zusehen war. Mit der grossen 
Menge Zahlen, die ich so kurz wie möglich fassen will, 
gebe ich zugleich die nun ausgesetzten Temperaturbeob- 
"achtungen am hiesigen Orte vom1.Jan. 1847 bis zum 22. März 
1863, welche vielleicht auch der Mittheilung werth sind. 
Die erste Tabelle enthält zunächst den Gang der täg- 
lichen mittlern Temperatur zu Aschersleben für den 
Winter, wie derselbe sich aus der Temperaturcurve des 
Ortes ergiebt. Die Temperaturcurve ist aus der geographi- 
schen Lage des Ortes und nach den Band III und IV von 
mir aufgestellten einfachen Sätzen berechnet, und die also 
gewonnenen Elemente dieser Ellipse sind nach den Bd. XII. 
nachgewiesenen Einflüssen von Wind und Regen genauer 
eorrigirt. Die so erhaltenen täglichen mittlern Temperaturen 
stimmen mit den aus den Beobachtungen sich ergebenden 
überein. Die Elemente dieser elliptischen Temperaturcurve 
sind: die mittlere Proportionale zwischen den beiden halben 
Achsen aus der geographischen Lage des Ortes berechnet 
— 49,268, und nach dem Einflusse von Wind und Regen 
corrigirt —= 49°,547, der Abstand des Mittelpunktes vom 
Centrum des Gradnetzes (-—- 40°C.) aus der Entfernung des 
Ortes vom Kältepole berechnet = 9°,299, und nach der 
Vertheilung des Niederschlages auf die Jahreszeiten cor- 
rigirt 10°, 415, d. i. die mit der Beobachtung übereinstim- 
mende halbe Differenz zwischen dem kältesten und wärm- 
sten Monate. Aus diesen beiden Elementen berechnet sich 
nach dem ebenda (Band IV) aufgestellten Satze, dass sich 
die Excentricitäten zu einander verhalten wie die corrigirten 
Centrumsdistanzen, die Excentrieität zu 0,243 der halben 
grossen Achse, sowie endlich aus dieser Excentrieität und 
der mittlern Proportionale die halbe grosse Achse — 5091 
und die halbe kleine Achse = 49° gefunden wird. Die Lage 
derEllipse im Gradnetze wird durch den Sommerbrennpunkt 
genügend bezeichnet. Er liegt in der Temperatur 20° Wal- 
fardin, d. i. —20°C.*), und im Jahre auf dem 8. Septbr. 


2) Die von Walfardin empfohlene hunderttheiligeThermometerscala 
umfasst nämlich die 100 Celsiusgrade von —400C. bis +6000,, — 
Man sehe das von mir darüber Band XIII, S. 12 Erwähnte, 


410 


Normale tägliche mittlere Temperatur für Aschersleben, 
unter 51°45‘5” nördlicher Breite und 2907’ 36“ östl. Länge 
von Ferro, während des Winters, d. i. vom 23. Sept. bis 

22. März, in Graden Celsius. 


} 


Dee. Jan. | Febr. 
Jan. Febr. | März. Tag. 


Al, 1% wa 
—00,5 | — 103 |. 005 | 24 
—005 | —103| 006 1 35 


— 00,6 | 103 | 00,7 | 26 
—ig8,7 7703| 008 1%27 
—00,7 10,2 | 00,9 | 28 
— 06,8 | — 10,2 | (00,9) | 29 


Sept. Oct. , Nor. 
Oct. Nov. Dec. 


—009| — 102 30 
dog ln go] 31 
Do or To 

EA RE 
es 10,2 


1 

2 

3 
— 101 | —1° 10,3 4 
a 5 
= 10.214039, 106 6 
—_ 1002| WS 7 
Ba re Le) 8 
—_ Jos TEN 9 
= 10/317. 02,72) 8 2008 10 
Home 02.07 200 11 
lee 52 12 
— [04 005 205 13 


22 | sos | 308 !_008 | —104 | 003 401 I 22 
Die nun weiter folgenden Tabellen geben die Diffe- 
renzen der beobachteten täglichen mittleren 
Temperaturen von den eben aufgestellten nor- 
malen in Zehntelgraden Cels., und zwar die links 
stehenden Zahlen die Differenzen unter dem normalen Mit- 
tel, also die relative Kälte, die rechtsstehenden die Dif- 

ferenzen über demselben, also die relative Wärme. 
Für die daneben vermerkten Formen des Niederschla- 
ges sind folgende Zeichen gewählt: ein Komma bedeutet 
schwachen Regen, ein r stärkern Regen, ein A Regengüsse; 
Gtir bedeutet Gewitter mit Regen; n bedeutet schwache, 


a1 


und N starke Nebel, = fallenden Nebel; ein Punkt bedeu- 
det Graupeln und ein Kolon Hagel, ein kleiner Stern Schnee 
und ein grosser starken Schneefall; ein Ausrufungszeichen 
Regen mit Schlossen. 


Die letztere Hälfte des Winters von 1846 auf 1847. 


Jan. | Febr. 

uU. u. F Ä 
Tag Jan. ae Tag Jan. Febr. | März. 
K. W.IK. W.IK. W. K. W. IK. W.[IK. W 

28 12 5 48125 7 
24 16130 27 29) * 

25 33144 57 88 

26 31136 178 72 

> 52147 54 49 

28 57144 159 6 
29 46 I 7 1 
30 293 33 18 
3l 25 30 30 
1: [43 **| 16138 0 40 
250 1 U 68 35 
3 115 #131 6 66 40 
4 18 16 7 50 62 
5 10 215 4 683 46 
6 113 191 9 583 43 

7 113 15510 


1) Das letzte Viertel am 9. Jan. um 19!/, h (von Mitter- 
nacht an gezählt) deutete auf Kälte, die auch bei blei- 
bendem Ostwind sofort stark eintrat und ohne Sprünge 
andauerte, gegen das Ende selbst bei westlichen Win- 
den. Die Nebel bei Ost. 

2) Das erste Viertel am 23. Jan. um 17 h deutete auf 
Wärme, die ebenfalls sofort eintraf und bei wechseln- 
den Winden anbielt. 

3) Das letzte Viertel am 8. Febr. um 14!/, h deutete auf 
Kälte, die anfänglich bei W. einfiel, vom 15. jedoch 
bei stärkeren W.-Stürmen in Wärme überging. 

4) Das erste Viertel am 22. Febr. um 5 h deutete auf 
Kälte, die sofort mit O eintraf, doch gegen das Ende 
durch Westwinde abgeschwächt wurde. 

5) Das letzte Viertel am 9. März um 5!/, h deutete auf 
Wärme die nach 3 kalten Tagen (mit W.) eintraf und 
bei meist südlichen Winden anstieg. 


412 


Es ergiebt sich demnach für diesen halben 
Winter das günstige Resultat, dass das Wetter 
mit Ausnahme der stürmischen Tage vom 15— 
21 Febr. genau nach der Regel eintrat. 

Stürme sind gewaltsame Aufregungen der Atmosphäre, 
durch welche das durch unregelmässige Wärmevertheilung 
verlorene Gleichgewicht der Luft wiederhergestellt wird; 
sie bringen daher meistentheils unregelmässiges Wetter, 
oder vielleicht richtiger, sind die Wirkung einer durch ir- 
gend welche Ursache eingetretenen falschen Wärmeyver- 
theilung. Spätere Beobachtungen werden diese Ansicht 
bestätigen. 


Der Winter von 1847 auf 1848. 


Sept. Oct. Noy. |! Dee. Jan. I Febr. 

u. u. u. u. u. u. 
Tag. Oct. Nov. | Dee. Jan. Febr. | März. | Tag. 
K. W. IK. W.!K. W.|K. W.IK. W.IK. W. 


04 32 531 23 
TA 44 r \67 24 
83| * 86 25 
166 r|88 26 
181 r | 86 27 
148 r\77 | 28 
104 58 29 
18 30 

m 27 31 
121 036 

14 36 2 

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1) 


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u 


3) 


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Se 


| 
Su 


413 


Das letzte Viertel am 1. Oct. um 8%/, h deutete auf 
Kälte, die ganz regelmässig am dritten Tage stärker 
eintraf. Bei meist östlichen Winden erfolgte bis zum 
9. Nebel und Regen. 

Das erste Viertel am 17. Oct. um 8!/, h deutete auf 
Wärme, die ebenso regelmässig eintrat, zunächst bei 
einfallendem S und SW mit Regen. Am 24 von 19 
bis 21 h Nordlicht. 

Das letzte Viertel am 30. Oct. um 23 h deutete auf 
Wärme, die mit Regen schwach eintraf, aber bei wech- 
selnden Winden mit Schwankungen anstieg. 

Das erste Viertel am 15. Nov. um 19 h deutete auf 
Wärme; die auch mit Schwankungen bei wechselnden 
Winden im Ganzen stattfand. 


} Das letzte Viertel am 29. Nov. um 17 h deutete auf 


Kälte, statt deren mit SWsturm starke Wärme eintraf, 


{op} 
— 


7 


— 


8) 


9) 


10) 


die indessen bei wechselnden Stürmen allmälig bis auf 
das Mittel herabsank. 


Das erste Viertel am 15. Dec. um 6 h deutete auf 
Kälte, die eintrat und bei meist östlichen Winden mit 
starken Schwankungen endlich auf das Mittel ging. 
Am 19. ein besonders schönes Nordlicht, und am 23. 
starker Nebel bei NO. 

Das letzte Viertel am 29. Dec. um 15 h deutete auf 
Kälte, die auch bei östlichen Winden stark einfiel. 
Das erste Viertel am 13. Jan. um 13 h deutete auf 
Wärme, statt deren aber nach Nachtsturm und Schnee 
bei anhaltenden Ostwinden starke Kälte eintrat. 

Das letzte Viertel am 28. Jan. um 13 h deutete auf 
Kälte, statt deren aber am dritten Tage mit eintreten- 
dem SW starke Wärme folgte, die nur durch einfallen- 
den NO auf zwei Tage herabgedrückt wurde. Viel 
Regen und Schnee. 

Das erste Viertel am 11. Febr. um 21 h deutete auf 
Wärme, die auch bei W. stark blieb und nur an 2 Ta- 
gen durch einfallenden O. herabgedrückt wurde. Von 
33 ab SWstürme mit Regen. 


414 


il) Das letzte Viertel am 27. Febr. um 9 h deutete auf 
Kälte, zu der auch die Temperatur, bei wechselnden 
Winden herabfiel, die sie aber erst am 5. März er- 
reichte. Viel Regen und Schnee. 

12) Das erste Viertel am 12. März um 5?/, h deutete auf 
Kälte, statt deren aber bei meist südlichen Winden 
Wärme eintrat. Am 19. um 20 h Nordlicht. 

In diesem Winter trafdemnach nach 7 Quadra- 
turen vollkommen regelmässiges Wetter ein, 
nach einer (ll) war es zur Hälfte regelmässig 
und nach 4 entgegengesetzt, und zwar bei zweien 
(5 und 8) mit einleitenden Stürmen und nur nach zweien 
(9 und 12) ohne dieselben. 


Der Winter von 1848 auf 1849. 


Sept. Oct. Nov. | Dee. Jan. j Febr. 
u. u. 0. u. u. u. 
Tag. | Oet. Nov. Dee. Jan. | Febr. | März. | Tag. 


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415 


1) Das erste Viertel am 5. Oct. um 15 h deutete auf 
Wärme; es folgte erst regelmässiges, dann entgegen- 
gesetztes Wetter. Winde wechselnd. Vom 1l.an eine 
Regenzeit. Am 18. Nordlicht. 

2) Das letzte Viertel am 19. Oct. um 7!/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei wechselnden Winden. 

3) Das erste Viertel am 4. Nov. um 7 h deutete auf 
Kälte. Regelmässig mit starken wechselnden Winden. 

4) Das letzte Viertel am 17. Nov. um 20 h deutete auf 
Kälte, statt deren aber bei südlichen Winden allmälig 
Wärme eintraf. 

5) Das erste Viertel am 3. Decbr. um 21 h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei SWwinden. 

6) Das letzte Viertel am 17. Dec. um 12h deutete auf 
Kälte. Regelmässig bei O. 

7) Das erste Viertel am 2. Jan. um 8%/, h deutete auf 

i Wärme, statt deren die starke Kälte bei vorherrschen- 

den östlichen Winden anhielt und erst in den letzten 

Tagen mit SWsturm auf Wärme übersprang. 

Das letzte Viertel am 16. Jan. um 7®/, h deutete auf 

Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden. 

9) Das erste Viertel am 31. Januar um 18h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei SW. 

10) Das letzte Viertel am 15. Febr. um 5h deutete auf 

Wärme. Regelmässig mit starken Schwankungen bei 

SWwinden. Am 27. um 20h Nordlicht. 

Das erste Viertel am 2. März um 1 h deutete auf 

Kälte, die jedoch bei starken SWwinden erst verspä- 

tet am 9. schwach eintrat. 

12) Das letzte Viertel am 17. März um’ 1!/, h deutete auf 
Wärme, statt deren aber nach den stürmischen Wo- 
chen am dritten Tage bei endlich herrschend werden- 
den NOwinden Kälte eintraf. 

Auch in diesem Winter traf das Wetter nach 7 

Quadraturen vollkommen regelmässig ein, nach 

2 (1 und 11) war es bei erregter Atmosphäre nur 

zur Hälfte regelmässig und nach 3 (4, 7, 12) ent- 

gegengesetzit. 


8 


— 


19: 


a 


416 


Der Winter von 1849 auf 1850. 


Sept. Oct. Nov. Dec. Jan. | Febr. 
u. u. u. u. u. u. 
Tag.| Oct. | Nov. | Dee. Jan. ;j Febr. | März. | Tag. 
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1) Das erste Viertel am 24. Sept. um Oh deutete auf 
Kälte, die auch in schwachen Schwankungen um das 
Mittel eintraf. Am 25. Gewitter. Wechselnde Winde 
mit Regen. 

2) Das letzte Viertel am 9. Oct. um 1'/,h deutete auf 
Wärme, statt deren zunächst bei O. ziemliche Kälte 
einfiel und erst gegen das Ende bei mehr südlichen 
Winden schwache Wärme. 

3) Das erste Viertel am 24. Octbr. um 8h deutete auf 
Wärme, die bei Wwinden eintraf, doch auf 4 Tage bei 
©. in Kälte umschlug. 


417 


4) Das letzte Viertel am 7. Nov. um 9!/; h deutete auf 
Kälte. Durch SWsturm anfangs hohe Wärme, dann 
Kälte. Die Richtung war regelmässig zur Kälte ab- 
fallend. SWwinde. 


5) Das erste Viertel am 23. Nov. um 3!/, h deutete auf 
Kälte. Sehr regelmässig bei O. 


6) Das letzte Viertel am 6. Dec. um 20 h deutete auf 
Kälte, die bei Ostwinden regelmässig eintraf, aber durch 
starken SW auf einige Tage in Wärme umschlug. 


7) Das erste Viertel am 22. Dec. um 20'/, h deutete auf 
Wärme, zu der die Temperatur bei starkem SW. auf- 
stieg, dann aber um das Mittel stark schwankte. 


8) Das letzte Viertel am 5. Jan. um 9"/, h deutete auf 
Kälte. Regelmässig bei stetem O. 


9) Das erste Viertel am 21. Januar um 10 h deutete auf 
Wärme, zu der die Temperatur bei einfallendem SW- 
sturm sofort aufsprang, von der sie nur an einigen Ta- 
gen durch durchgehende Nwinde wieder zurückgewor- 
fen wurde. 

10) Das letzte Viertel am 4. Februar um 2 h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden. 

11) Das erste Viertel am 19. Febr. um 21 h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei gleichen Winden. 

12) Das letzte Viertel am 5. März um 21 h deutete auf 


Kälte, doch hielt die Wärme noch 6 Tage an, worauf 
bei W. die Kälte mit Hagelschauern einsetzte. 


13) Das erste Viertel am 21. März um 5 h deutete auf 
Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden. 


Bei den 13 Quadraturen traf nach 8 regelmässi- 
ges Wetter ein, nach einer (l) blieb es schwan- 
kend, nach vier (2, 4, 6 und 12) war es halb re- 
gelmässig, halb entgegengesetzt und zwar meist 
durch übermässiges Andauern des vorhergehenden Wetters, 
und nach keiner war es ganz entgegengesetzt. 


XXL 1863. 28 


418 
Der Winter von 1850 auf 1831. 


Sept. Oct. Nov. Dec. | Jan. | Febr. 
\ u. u. u. u. u. u. 
Tag. | Oct. Nov. Dee. Jan. | Febr. | März | Tag. 
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1. Das letzte Viertel am 28. Sept. um 22°/, h deutete auf 


Kälte, die auch bei wechselnden Winden und in derersten 
Hälfte mit starkem Regen einfiel. Stürme in England. 


. Das erste Viertel am 13. Oct. um 13!/, h deutete auf 


Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden. Am 
24. Ab. Gewitter und Nachts Schnee. 

Das letzte Viertel am 28. Oct. um 6 h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei starken Winden. Am 4. 
31 h und am 5 um 0 h Sturm und Gewitter. 


. Das erste Viertel am 12. Nov. um !/, h deutete auf Kälte, 


die auch nach Wsturm und Regen anfänglich eintrat, aber 
dann bei nahe südlichen Winden in Wärme umsetzte. 


5. Das letzte Viertelam 26.Nov. um 131/, deutete auf Kälte, 


die auch bei östl. Winden mit starken Nebeln einfiel, aber 


419 


vom 5. bis 9. Dec. durch westl. Winde in Wärme verwan- 

delt wurde. Vom 7. bis 11. starke Nebel in England. 

6. Das erste Viertel am 11. Dec. um 21!/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei südlichen Winden. Vom 
16. bis 18. Südsturm am Tage und Windstille am 
Abend. Am 22 um 15 h ein Hof um die Sonne. 

7. Das letzte Viertel am 25. Dec. um 22'1/, h deutete 
auf Kälte, statt deren aber bei SWinden starke Wärme 
eintrat. Vorher war der Wind nach O. und N. um- 
gesprungen. Regen in der ersten Hälfte. 

8. Das erste Viertel am 10. Jan. um 17!/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei meist SWinden. 

9. Das letzte Viertel am 24. Jan. um 9%), deutete auf 
Kälte, statt deren bei wechselnden SW und SO starke 
Schwankungen um das Mittel stattfanden. Schnee 

. vom 27. Febr. bis 3. März. 

10. Das erste Viertel am 9. Febr. um 10 h deutete auf 

Wärme. RBRegelmässig bei SW. 

11. Das letzte Viertel am 22. Febr. um 22°, h deutete 
auf Kälte. Regelmässig selbst bei SW. 
12. Das erste Viertel am 10. März um 23 h deutete auf 

Wärme. Regelmässig bei S und SW. 

Nach 9 Quadraturen folgte also regelmäs- 
siges Wetter, nach einer (9) stark schwanken- 
des, nach einer (4) halb regelmässiges und nach 
einer (7) stark entgegengesetztes. 

Es dürfte hier schon am Orte sein, besonders darauf auf- 
merksam zu machen, unter welchen Umständenim Win- 
terbedeutender Niederschlag,Regen und Schnee, 
erfolgt. Sehen wir von den geringen und vereinzelten 
Niederschlägen ab, so waren in diesen fünftehalb Wintern 
11 mehrtägige Regenzeiten. Von diesen traten 5 bei fal- 
scher Wärme und bei SWinden ein, nämlich 1848 von 5 
bis 10. Febr, und vom 27. Febr. bis 10. März 1849 am 15. 
und 16. Oct, und vom 14. bis 19. Dec. und 1850 vom 26. 
bis 31. Dec.; 4 wurden bedingt durch raschen Wechsel der 
nordöstlichen und südwestlichen Winde, nämlich 1848 vom 
11. bis 22. Oct. (erst bei falscher Kälte, dann bei richtiger 
Wärme), 1850 vom 29. Sept. bis 6. Oct. (bei richtiger 

28 * 


420 


Kälte, die durch den Regen abgeschwächt wurde) und vom 
12. bis 20. Oct. (bei richtiger Kälte); eine Regenzeit trat 
ein nach lange vorherrschendem SW wieder 1850 vom 15. 
bis 18. Febr. (bei richtiger Wärme), und endlich eine bei 
starken SW. -stürmen 1850 von 4 bis 19 Nov. (erst bei 
richtiger Wärme, dann bei richtiger Kälte. Am häufig- 
sten scheinen demnach die Niederschläge zu 
sein, wenn falsche Wärme bei SW.-wind ein- 
tritt, und dann auch, wenn SW. und NO. mehr- 
fach einander verdrängen und mit einander 
wechseln. Die Gründe für beide Erscheinungen 
liegen nahe. Die Regenzeiten bei Wärme möchte 
ich als Beleg dafür betrachten, dass die Wärme 
in der That unregelmässigist. 


Der Winter von 1851 auf 1852. 


Sept. | Oct. Noy. | Dec. Jan. Febr. 
u. u. u. u. u. u. 
Tag. | Oct. | Nov. | Dec. | ‘Jan Febr. März | Tag. 
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10. 


L1, 


12. 


421 


„Das erste Viertel am 2. Oct. um 3!/, h deutete auf 


Kälte, statt deren bei beständigem SW. in der ersten 
Hälfte mittlere Temperatur, in der: letztern' mässige 
Wärme eintraf. 


. Das letzte Viertel am 18. Oct. um 1!/,h deutete auf 


Wärme. Regelmässig bei nicht südl. Winden. 


. Das erste Viertel am 31. October um 20'/,h deutete 


auf Wärme, statt deren schon am 30. Oct. bei südli- 
chen Winden mässige Kälte eingefallen war, die bei 
denselben anhielt, bis zum 10. mit Nebeln und Regen. 


. Das letzte Viertel am 16. Nov. um 10!/,h deutete auf 


Kälte. Regelmässig bei SW., mit Schnee in den. letz- 
ten Tagen. 


. Das erste Viertel am 30. Nov. um 16!/,h deutete auf 


Wärme. BRegelmässig bei SW. Am Ende (13. bis 19.) 


“ bei wechselnden Winden starke Nebel. 
. Das letzte Viertel am 15. Dec. um 18!/,h deutete auf 


Kälte, statt deren bei S. anfangs schwach, dann bei 
wechselnden Winden stark schwankendes Wetter 
eintrat. 


. Das erste Viertel am 30. Dec. um 14!/, h deutete auf 


Wärme. Regelmässig bei starken SSW.-stürmen.. Ge- 
gen das Ende Niederschlag. 


. Das letzte Viertel am 14. Jan. um 2'/;h deutete auf 


Wärme. Regelmässig bei südl. Winden. 


. Das erste Viertel am 29. Jan. um:111,h deutete auf 


Wärme. RBegelmässig bei starken SW.-winden. Am 
5. und 6. starke Regengüsse in Deutschland, beson- 
ders im mittlen, am 7. und 8. dergl. in England. 

Das letzte Viertel am 12. Febr. um 11h deutete auf 
Kälte, doch hielt in der erstern Hälfte bei W. die Wärme 
noch an, erst in der letztern trat bei NO. Kälte ein. 
(Am 16. und früh am 17 Gewitter mit Sturm an der 
deutschen Nordseeküste, desgl. Sturm in Wien und 
Gewitter bei Nördlingen). Am 19. Nordlicht. 

Das erste Viertel am 28. Febr. um 6!/,h deutete auf 
Kälte die mit Schnee eintraf. Nördl. Winde. 

Das letzte Viertel am 12 März um 21'/;h deutete auf 


422 


Kälte, die bei gleichen Winden auch schwach anhielt 

und nur am 23. durch S. unterbrochen wurde. 

Es trafalso nach 8Quadraturen regelmässi- 
ges Wetter ein, nach einer (6) schwankendes, 
nach einer (10) halb regelmässiges und nach 2 
(1 u. 3) entgegengesetztes. 


Von den drei Regenzeiten dieses Winters trat die 
stärkste vom 1. bis 6. Febr. bei SW.sturm und richtiger 
Wärme ein, eine andere am 16. und 17. Febr. bei falscher 
Wärme mit Gewittersturm aus SW. und die erste vom 4. 
bis 10. Nov. bei falscher Kälte und südlichen Winden mit 
Nebeln. 


Der Winter von 1852 auf 1853. 


Sept. | Oct. | Nov. | Dec. Jan. Febr. 
u u u 


u. u. u. } 3 : 
Tag.| Oct. | Nov. | Dec. | Jan. Febr. | März. | Tag. 
K. W. IK. W.IK. W.IK. W. IK. WI K W. 


423 


1) Das letzte Viertel am 6. Oct. um 11?/, h deutete auf 


2) 


3) 


4) 


5) 


6 


u 


7) 


8) 


9) 


10 


— 


11) 


Kälte. Regelmässig erst bei starkem SW, dann bei 
wechselnden Winden. 

Das erste Viertel am 20. Octbr. um a),; h deutete auf 
Kälte, statt deren aber bei südlichen Winden Wärme 
eintraf. Mitunter Regen, am 20. Sturm auf dem Mit- 
telmeere. 

Das letzte Viertel am 5. Nov. um 1’/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig, nur am 12. und 13. bei O. ein- 
fallende Kälte mit Schnee und Nebel. Am 15. Blitze, 
am 16. Gewitter in Schwaben. +» 

Das erste Viertel am 18. Nov. um 15?/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei wechselnden Winden. 

Das letzte Viertel am 4. Dee. um 13%/, h deutete auf 
Kälte, statt deren aber nach starken SW winden bei 
meist südlichen Winden entschiedene Wärme eintraf. 
Das erste Viertel am 18. Dec. um 9'/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden, nur am 
23. bei O. einfallende Kälte. 
Das letzte Viertel am 2. Januar um 23 h deutete auf 
Wärme. Stark regelmässig bei südlichen Winden. 
Am 12. in der Nacht Gewitter bei Nauen. 

Das erste Viertel am 17. Jan. um 23 h deutete auf 
Kälte, statt deren bei wechselnden Winden die Wärme 
anhielt, bei östlichen Winden mit Schnee und Regen. 
Das letzte Viertel am 1. Febr. um 71/, h deutete auf 
Wärme, die bis zum Neumond selbst bei östlichen 
Winden schwach anhielt und dann bei wechselnden 
Winden mit Schneefall in Kälte überging. In den er- 
sten Tagen starke Nebel in London. 

Das erste Viertel am 16. Febr. um 41/, h deutete auf 
Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden mit star- 
kem Schneefall, besonders im nordöstlichen Deutsch- 
land, während im Bereiche des Mittelmeeres der schön- 
ste Frühling sich zeigte. 

Das letzte Viertel am 2. März um 14°/, deutete auf 
Kälte. Regelmässig bei O., nur vom 7. bis 10. durch 
einfallenden S. zu Wärme erhöht. Gegen das Ende 
starke Nebel. 


424 


12) Das erste Viertel am 17. März um 3, h deutete auf 
Kälte, die bei O. sofort einfiel und bei wechselnden 
Winden anhielt. 


Nach 8 Quadraturen traf regelmässiges Wetter 
ein, nach einer (9) halb regelmässiges und nach 
3 (2, 5, 8) entgegengesetztes. 

Die Niederschlagszeiten fielen in diese 3 letztgenann- 
ten Perioden (2, 5, 8) und zwar bei falscher Wärme, des- 
gleichen in die 9 bei falscher Kälte und besonders in die 
10 und ins Ende der 11 bei richtiger Kälte mit wechseln- 
den Winden. ? 


Der Winter von 1853 auf 1854. 


Sept. Oct. Nov. Dec. | Jan. | Febr. 
u. u. u. u. u. u. 
Tag.| Oct. Nov. Dee. Jan. | Febr.| März. | Tag. 
K. W. IK. W.IK. W. IK. W.IK. W. K. W. 


23 | |23 | |s6|12|aw | 2] Kal m| * |,5| 
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22 32 |12 In 39| * I n1221 3 13 22 


425 


1) Das letzte Viertel am 25. Sept. um 11? h. deutete 
auf Kälte, die auch schon am 26. mit starkem SWsturm 
einfiel, der besonders in Holland und auf der Nord- 
see wüthete, während im mittlen und südlichen Russ- 
land und in Kroatien ein Nordsturm Schnee brachte 
und die bis dahin herrschende Hitze brach (am 2. Oct. 
West8turm und Ueberschwemmung in Petersburg). 
Bei SO. hielt die Kälte schwach an. 

2) Das erste Viertel am 9. Octbr. um 161/, deutete auf 
Wärme, die bei SSW. schwach eintrat. 

3) Das letzte Viertel am 25. Oct. um 6!/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei S- und SOwinden. 

4) Das erste Viertel am 8. Nov. um 1?/, h deutete auf 

Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden mit Ne- 

bel, Niederschlag und Schnee. 

Das letzte Viertel am 23. Nov. um 2ö°/, h deutete 

auf Wärme; es trat jedoch bei O. und SO. stärkere 

Kälte ein. 

6) Das erste Viertel am 7. Dec. um 131), h deutete auf 
Wärme; es hielt jedoch bei Owinden dieselbe Kälte an. 

7) Das letzte Viertel am 23. Dec. um 14!/, h deutete auf 
Kälte, die auch bei wechselnden Winden noch länger 
anhielt. Anfang Jan. Schneefall in ganz Deutschland. 

8) Das erste Viertel am 6. Januar um 5 h deutete auf 
Kälte, statt deren bei wechselnden Winden Wärme 

eintraf, die nur vom 12. bis 15. durch Ostwinde in 
Kälte umschlug. 

9) Das letzte Viertel am 22. Jan. um 21/, h deutete auf 
Wärme. RBRegelmässig bei starken SOwinden. 

10) Das erste Viertel am 4. Febr. um 23?/, h deutete auf 
Kälte, zu der die Wärme nach starkem SWsturm mit 
Schneegestöber herabfiel und bei der sie bei NW. und 
starkem W. mit Schnee anhielt. 

11) Das letzte Viertel am 20 Febr. um 12 h deutete auf 
Kälte, statt deren bei starken Westwinden schwache 
Wärme eintraf, Am 25. und 26. starker Weststurm, 
am Abend des 25. Gewitter, das in den hiesigen Ste- 
phansthurm einschlug, vorher St. Elmsfeuer gesehen). 
Das Gewitter war auch in der Umgegend (Quedlinburg, 


b) 


m 


426 


Oschersleben, Magdeburg) und bei Dresden; der Sturm 
am 22. in Nordamerika bei Boston, am 26. in Ale- 
xandrien in Egypten. 

12) Das erste Viertel am 6. März um 20!/, h deutete auf 
Wärme. RBRegelmässig bei wechselnden Winden. 
Nach 8 Quadraturen traf regelmässiges Wetter 
ein, nach 4 (5, 6, 8, 11) entgegengeset?%tes. Die 
Niederschläge nach 4 und 7 bei richtiger Kälte wurden 
durch Windwechsel veranlasst und der nach 10 durch an- 

haltende Weststürme. 

Merkwürdig war die Wärmevertheilung in Europa wäh- 
rend der letzten Woche des Decembers, vielleicht in Folge 
der beiden voraufgehenden starken falschen Kälteperioden. 
Während im mittlern Russland bei mässiger Kälte viel Schnee 
fiel (die drei Winter vorher waren schneearm gewesen), 
herrschte im mittlern und westlichen Europa strenge Kälte, 
in Spanien froren alle stehenden Gewässer zu (Schlittschuh- 


laufen), bei Marseille war am 24. bei — 5°C. ein fernes 
Gewitter, bei Bordeaux am 29. Eisschollen auf der Garonne, 
am 30. in Lyon — 14°C. und in Nevers — 16°, im nörd- 


lichen Frankreich waren alle Flüsse mit Eis bedeckt, in 
Gotha war am 25. — 21°C., in England folgten Frost, Thau- 
wetter und Schneetreiben schnell aufeinander. 


Der Winter von 1854 auf 1855. 
Sept. | Oct. | Nov. | Dec. Jan. Febr. 


uU. uU. u. u. u. u. 
Tag. | Oct. | Nov. | Dee. | Jan. | Febr. | März. | Tag. 
K. W.IK. W.IK. W.IK. W.|K. W.I K. W. 


5 


21 1 lo) 
29 3 8 2 6 17.4: ” 29 
30 2 7 6 51 | 30| * 30 


u. ! 
Tag.| Oct. Nov. 


1) 


2) 


Jan. | Febr. 


Sept. Oct. 
u 


u. u. 
Febr. | März | Tag. 
.IK. W. 


Das erste Viertel am 29. Sept. um 14 h deutete auf 
Wärme, statt deren bei wechselnden Winden stark 
schwankendes Wetter mit eintreffenden starken Regen- 
tagen eintrat. 

Das letzte Viertel am 14. Octbr. um 3h deutete auf 
Wärme, statt deren ebenfalls bei meist starken SW- 
winden ein matteres Schwanken der Temperatur. Am 
25. und 26. starker SW-sturm. 


3) Das erste Viertel am 28. Octbr. um 20 h deutete auf 


4) 


5) 


Wärme, jedoch ebenfalls schwach schwankend bei W- 
winden. 

Das letzte Viertel am 12. Nov. um 23%/, h deutete 
auf Wärme, statt deren aber nach Schneestürmen aus 
W. (am 11. u. 12.) bei östlichen Winden Kälte einfiel. 
Das erste Viertel am 27. Nov. um 3°/, h deutete auf 
Kälte, statt deren aber bei SWwinden, die vom 2. bis 
4. Dec. in Sturm ausarteten, geringe Wärme eintrat. 


6) Das letzte Viertel am 12. Dec. um 19!/, h deutete auf 


Kälte, statt deren aber nach SWsturm mit Regen (vom 
12. bis 15.) bei südwestlichen Winden stark schwan- 
kende Temperatur eintrat. Am 23. SWsturm. 


7) Das erste Viertel am 26. Dec. um 13?/, h deutete auf 


Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden, die sich 
vom 31. Dec. bis 2. Januar zu starkem Wsturm mit 
Regen und Schnee steigerten. 


428 


8) Das letzte Viertel am 11. Jan. um 13 h deutete auf 
Kälte, die mit Schneesturm aus W. am 14. einfiel und 
bei nordöstlichen Winden stark anhielt. 

9) Das erste Viertel am 25. Jan. um 2!/, h deutete auf 
Kälte. Stark regelmässig bei bald eintretenden Ost- 
winden, nur am 5. und 6. bei einfallendem W. etwas 
Wärme. 

10) Das letzte Viertel am 10. Febr. um 4 h deutete auf 
Wärme, es hielt aber bei bleibendem ©. die Kälte an, 
mit Schneefall bis zum 16. 

11) Das erste Viertel am 23. Febr. um 8'/, h deutete auf 
Wärme, zu der auch die Temperatur mit starken 
Schwankungen zweimal aufstieg, von der sie aber 
nach dem Vollmonde allmälig wieder zu Kälte nieder- 
fiel. Wechselnde Winde. 

12) Das letzte Viertel am 11. März um 15 h deutete aut 
Kälte, die bei wechselnden Winden eintrat, mit klei- 
nen Schwankungen in Wärme bei SW. 

In diesem Winter traf nur nach 4 Quadraturen 

regelmässiges Wetter ein, nach 5 schwanken- 

des und nach 3 entgegengesetztes. 

Als Ursache dieser Abnormität lassen sich zunächst 
die in den Tagen der Wetteränderung einfallenden Stürme 
betrachten, denen auch die reichlichen Niederschläge bei- 
zumessen sind. Besonders reich an solchen Stürmen war 
die erstere ‚Hälfte, in der daher auch nicht ein einziges 
Mal regelmässiges Wetter eintrat. Es gab in ihr Zeiten, 
wo die Atmosphäre weithin sehr aufgeregt war, so z. B. 
vom 24. bis 26. Octbr., wo in Bengalen und bei Bombay 
furchtbare Stürme wütheten und auf dem rothen Meere 
und in Aden, das als regenlos bekannt ist, in einem Tage» 
2° Regen fiel, sodann vom 11. bis 13. Nov., wo im schwar- 
zen Meere, in der Krim und bei Constantinopel ein SOsturm 
die Kriegsflotte stark beschädigte, ferner auch vom 31.Dec. 
bis 2. Jan., wo in einem breiten Gürtel von Algerien bis 
über Schlesien hin Orkane mit Gewittern, Schnee und Ha- 
gel hausten, und -endlich wurde noch ausser dieser Zeit, 
nämlich am 11. Febr., von Stürmen in Constantinopel und 
auf dem schwarzen Meere berichtet. 


429 


Der December war in Russland sehr gelind, in Sibirien 
sehr hart (in Jakutsk stets —38 bis —44°C.), in Griechen- 
iand und Algerien sehr kalt. Der Februar war im ganzen 
westlichen Europa kalt. 

Erdbeben waren vom 29. bis 30. Dec. von Piemont 
bis Marseille und am 28. Febr. in Brussa, was ich indessen 
nur beiläufig bemerke, da ein Causalnexus dieser Vorgänge 
im Innern der Erde mit der Aussenwärme nicht glaublich 
scheint. 


Der Winter von 1855 auf 1856. 


Sept. | Oct. Nov. ! Dec. Jan. |! Febr. 
u. u. u. u. u. u. 
Tag.| Oet. | Nov. Dec. | Jan. | Febr. | März. | Tag. 
K. W.IK. W. IK. W.IK. W.IK. W. IK. W. 


23 17 444 31 36 „751 ,| 9] 23 
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17 3 17 DEV 17 371 21 14 17 
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22 241 77! n!125 ‚isstısl *i r!20" 22 


1) Das letzte Viertel am 2. Octbr. um Oh deutete auf 
Wärme. Begelmässig bei ziemlich starken Wwinden. 

2) Das erste Viertel'am 18. Oct. um 16'/, h deutete auf 
Wärme. Regelmässig bei gleichen SWwinden. 


430 


3) Das letzte Viertel am 1. Nov.: um 18 h deutete auf 


Kälte. Regelmässig, anfangs bei wechselnden Winden 
mit starken Nebeln, dann bei Ostwinden. 


4) Das erste Viertel am 17. Nov. um 0 h deutete auf 


6) 


u 


Kälte, die nach Niederschlag (14 bis 18) bei östlichen 
Winden stärker anhielt und gegen das Ende bei W. 
sich hob. 

Das letzte Viertel am 1. Decbr. um 15 h deutete auf 
Kälte. Regelmässig bei westlichen Winden, sehr stark 


am 3. bei N. und am 8. bei NW. Schneefall vom 
5. bis 9. 


6) Das erste Viertel am 16. Dec. um 7°/; h deutete auf 


Kälte, die in der erstern Hälfte bei O. und SO. sehr 
stark einfiel, in der letztern bei SO. und S. in Wärme 
aufsprang. — Die Kälte war in ganz Europa, 2. B. 
in Moskau —40°C., in Paris —15°C., in Stockholm 
— 20°C.; der Aufsprung zur Wärme geschah in vielen 
Gegenden mit Sturm, z.B. im Kanale und im schwar- 
zen Meere. 


7) Das letzte Viertel am 31. Dec. um 13 h deutete auf 


Kälte, jedoch war die Temperatur bei O. und SO. 
schwankend; ohne Niederschlag. 


8) Das erste Viertel am 14. Jan. um 16!/, h deutete auf 


Wärme, die bei beständigem SW. regelmässig stark 
eintraf. 


9) Das letzte Viertel am 30. Jan. um 9!/, h deutete auf 


Kälte, die auch anfangs mit Schneesturm aus W., ein- 
traf, aber bald bei stehendem SW, in starke Wärme 
überging, mit starken Regen vom 8. bis 15. 


10) Das erste Viertel am 13. Febr. um 3 h deutete auf 


il 


12 


u m 


Kälte. Die Wärme fiel bei östlichen Winden mit 
Schnee und Nebel zwar stark, die Temperatur blieb 
aber bei Wwinden schwankend. 

Das letzte Viertel am 29. Febr. um 2”/, h deutete auf 
Wärme. Schwach regelmässig bei W. 

Das erste Viertel am 13. März um 15!/, h deutete auf 
Wärme, zu der die Temperatur bei östlichen Winden 
bis zum Vollmonde (bis 4° über das Mittel) aufstieg, 
dann bei westlichen Winden wieder zur Kälte herabsank. 


431 


Nach 7 Quadraturen traf regelmässiges Wetter 
ein, nach einer (7) war es schwankend, nach 4 
(6, 9, 10 und 12) war es in der ersten Hälfte regel- 
mässig, in der letztern entgegengesetzt, nicht 
ein Mal war es ganz entgegengesetzt. 

Von den Niederschlägen traf der erste (untre 4) vor 
richtiger Kälte bei NOwinden ein, der zweite (unter 5) des- 
gleichen bei W., der Schneesturm (unter 9) bei kaltem W, 
und der spätere Regen bei falscher Wärme und W. — 
Starke Regengüsse waren Ende Sept. bis Mitte October in 
Oberitalien, in Südfrankreich, in der Schweiz, in Ost- und 
Westpreussen, in Livland und Litthauen, desgleichen Mitte 
Nov. in Sieilien und Mitte Jan. in Spanien. An der Ost- 
küste von Nordamerika war der Januar Schneereich mit 
kalten Stürmen. 

Um nicht mit Zahlen zu ermüden, brecheich hier vor- 
läufg ab, indem ich mir den Bericht über die 7 letzten 
Winter für eine Fortsetzung vorbehalte. Summirt man die 
Ergebnisse nach der Regel in diesen zehntehalb Wintern, 
so findet sich, dass nach 70 Quadraturen regel- 
mässiges Wetter, nach 20 entgegengesetztes, 
nachl4halb regelmässigesund nach 10 schwan- 
kendes eingetreten ist. Da die beiden letzten 
Witterungserscheinungen als indifferente be- 
trachtet werden müssen: so stelltsich die Wahr- 
scheinlichkeit für das nach der aufgefundenen 
Regel eintretende Wetter auf gut 77 p.C., ein 
Resultat, das bei einem so wechselvollen Ge- 
genstande sicher nennenswerth ist. Aus weitern 
Berichten wird sich ergeben, dass dieses Verhältniss im 
Allgemeinen zu aller Zeit dasselbe ‚bleibt. Die Beobach- 
tungen sind nicht zu ändernde Data, mit denen die Regel 
von Jedermann leicht zu prüfen ist. Der Haupteinwurf ge- 
gen dieselbe könnte scheinbar der sein, dass mein Beob- 
achtungsort doch nicht als Mittelpunkt einer Hemisphäre 
angesehen werden kann; worauf indessen zu entgegnen 
wäre, dass die Regel solche Annahme gar nicht zulässt, 
da jeder Ort von anderer Länge die Mondphase zu anderer 
Tagesstunde hat, und höchstens dieLage am freien Oceane 


432 


in dieser Beziehung alteriren könnte. Gleichzeitige Beob- 
achtungen an den verschiedensten Orten der Erde müssten 
. darüber alsbald Ausweis geben. Solche stehen mir nicht 
zu Gebote und sind auch wohl schwerlich vorhanden. Ge- 
wiss fühle ich lebhaft diesen Mangel, dem erst 'abgeholfen 
werden muss, ehe man mit einiger Aussicht auf Erfolg 
den Ursachen des unregelmässigen Wärmeganges nachspü- 
ren kann, und immerhin wird dann noch die Aufgabe in 
ein Chaos von Beobachtungen Ordnung zu bringen, eine 
ungeheure sein. Ich :gebe eben nur das Meinige und auf 
die Gefahr des Irrthums in den Ansichten darüber. Die 
Zeiten der Aufregung in der Atmosphäre und des Nieder- 
schlages, also Sturm und Regen, die beide meist bei (nach 
der Regel) falschem Wetter eintreffen, verführen mich, dass 
ich auf Ansichten verfalle, die sich dem alten Volksglauben 
anschliessen, und dass ich zugleich die Ursache der Ver- 
änderungen im Luftmeere in den Factoren suche, welche die 
Fluthungen des Oceans erwiesenermassen erzeugen. ‚Sollte 
ich damit — wie ich noch nicht glauben mag wirklich: vor 
dem richtigen Wege stehen, so dürfte es bei weiterem Vor- 
gehen auf demselben nicht unmöglich sein, auch für die 
hervortretenden Störungen des lunaren Einflusses, die sich 
meistentheils durch die genannten Erregungen des Luft- 
kreises als Unregelmässigkeiten kund geben, die sie bedin- 
senden Ursachen aufzufinden, sei es nun in rein terrestri- 
schen Verhältnissen, sei es in der gewaltigen kosmischen 
Kraft, die den Weltbau zusammenhält: in der Attraction 
der Weltkörper, die unserer Erde nahe kommen und selbst 
deren Bahn zu ändern vermögen. Eine Beobachtung, die 
schliesslich noch mitzutheilen ich mir erlaube, scheint frei- 
lich zunächst auf jene hinzuweisen. 

Stellt man nämlich die Quadraturen nach den Tages- 
stunden zusammen, so ergiebt sich, dass im Winter die 
Wärme im Allgemeinen richtiger eintrifft, als die Kälte, so- 
wohl nach dem ersten Viertel zur Tageszeit, als nach dem 
letzten zur Nachtzeit, und ferner, dass im Winter die Wärme 
im Allgemeinen ebenfalls richtiger eintrifft, wenn die Vier- 
tel in den letzten Stunden ihrer Tagesräume, die Kälte hin- 
gegen, wenn jene in den ersten Stunden derselben eintre- 


433 


ten, so dass also mit einiger Sicherheit auf Wärme zu rech- 
nen ist, wenn das erste Viertel von 16h bis etwa 23h und 
das letzte Viertel von 3h bis 8h eintrifft, und auf Kälte, 
wenn das erste Viertel von 23h bis 4h und das letzte 
Viertel von 85 h bis 16 h einfällt. Die erstere Wahrneh 
mung glaube ich auf das Ueberwiegen des SWstromes in 
Europa, die letztere — jedoch mit schwächerem Grunde — 
auf den Wechsel von Tag und Nacht beziehen zu dürfen. 
(Fortsetzung folgt.) 


Einige Bemerkungen über Scilla autumnalis 
und Sc, bifolia. Taf. II. 


von 
Thilo Irmisch. 


Seilla autumnalis habe ich bis jetzt nur zur Zeit, wo 
ihre Früchte bereits völlig reif waren, zu Ausgang des Sep- 
tember untersuchen können, und zwar in einer grössern 
Anzahl von frischen Exemplaren, welche auf sonnigen Hü- 
geln des Elsasses erwachsen waren, woher sie mir 1857 
Herr Professor Dr. Kirschleger in Strassburg zu senden 
die Güte hatte. Die Fruchtstengel hatten sich zwar mei- 
stens etwas gebogen, doch standen sie, da sie ziemlich 
hart sind, in die Höhe, ein Umstand, welcher insofern Be- 
achtung verdient, als er nicht bei allen Arten wiederkehrt; 
denn bei Sc. amoena und Sc. bifolia, welche ich in dieser 
Beziehung beobachtete, strecken sich die Fruchtstengel auf 
den Boden hin. 


Neben dem Fruchtstengel, Fig. 1. A., war ein Büschel 
von frischen, dunkelgrünen, schmal linealen, ziemlich dicken 
Laubblättern, deren Ränder mit kleinen, weisslichen knor- 
peligen Vorsprüngen (Zährichen) besetzt sind, hervorgebro- 
chen: ich zählte ihrer 3—6; sie hatten eine Länge von 3 
bis 5 Zoll und waren ziemlich schlaff. Die eiförmige Zwie- 


bel ist zu äusserst von einigen wenigen bräunlichen, ganz 
XX1. 1863, 29 


434 


dünnen und nicht ganz herumreichenden (ungeschlossenen) 
Häuten überdeckt. Auf sie folgen in grösserer Anzahl, 
ungefähr 16-20, dicht aufeinander liegende, ovale, gleich- 
falls nicht geschlossene Schuppen, von denen die äusser- 
sten und ältesten ungefähr Y/;—!/, Zoll breit und 2/, Zoll 
hoch sind (Fig. 2), während die innern kaum 2--3” in die 
Breite messen, jedoch mit jenen gleiche Höhe haben!). 
Die äussern sind, weil bereits ausgesogen, schon zu ganz 
dünnen, fast durchsichtigen Häuten geworden, die innern 
dagegen sind, bei übrigens selhır geringer Dicke, noch saf- 
tig; zu der angegebenen Zeit fand ich in ihrem Zellgewebe 
nur sehr wenig Stärkemehl, wohl aber enthielt dasselbe 
einen klebrigen Saft; in ihrer äussern Zellschicht finden 
sich Krystallbündel oder Rhaphiden, und diese erkennt man 
in den ältern, sich leicht in zwei Flächen trennenden Schup- 
pen schon mit blossem Auge. 

Die Grundachse hat zur Fruchtreife unterhalb des ter- 
minalen Stengels keine Blätter, deren Lamina noch erhal- 
ten wäre, sondern nur die stehen gebliebenen Grundtheile 
älterer Blätter. In der Achsel, welche die innerste, an ih- 
rem Oberrande mit einer Narbe versehene Schuppe m mit 
dem Fruchtstengel A bildet, steht der frische Laubtrieb, 
Fig. 3; jene Schuppe steht mit dem einen Rande ziemlich 
weit von dem Stengel entfernt, mit dem andern aber um- 
fasst sie ihn etwas Fig. 4. Die Zahl der ausgewachsenen 
Laubblätter schwankt, wie ich schon bemerkte, an blüh- 
reifen Exemplaren. Das erste derselben oder das Vorblatt, 
welches übrigens zur Fruchtreife manchmal in seinen obern 
Theilen schon gänzlich abgestorben ist, ist, was sich be- 
sonders deutlich an seinem Grunde zeigt, stumpf zweikie- 
lig Fig. 6, und steht mit der Rückenfläche vor dem Frucht- 
stengel; wie dieses, so sind auch die andern Blätter — sie 
sind nach ?/,; diverg. geordnet — an ihrem Grunde, wel- 
cher später nach erfolgter Auflösung der obern Theile die 
als Nahrungsbehälter dienende Schuppe bildet, etwas ver- 
breitert Fig. 7. In dem Centrum der bereits ausgewach- 


1) Linne nannte die Zwiebel von Seilla autumnalis eine radix 
‚solida, wogegen Scöpoli (Fl. carniol. Tom. I. 248, ed. 2.) richtig 
sagt: radix tunicata, non solida. 


435 


senen erkennt man noch 2—3 kleine Blätter, die allem 
Anscheine nach gleichfalls zur Laubformation gehören ; 
diese wachsen vielleicht im folgenden Frühlinge aus, oder 
verkümmern. Leider habe ich darüber keine Beobachtung 
anstellen können. Den Blühtenstengel fürs nächste Jahr 
konnte ich in Mitten dieser Blätter noch nicht erkennen. 
Aus dem Angegebenen ergiebt sich von selbst, dass der 
Fruchtstengel und die frischen Laubblätter nicht einer und 
derselben Achse angehören; jener schliesst die Achse ab, 
deren basiläre Laubblätter im vorigen Herbste ausgewachsen 
waren, diese gehören der Achse an, aus welcher sich im 
nächsten Sommer der Blühtenstengel erheben wird !). Nennt 
man, wie es in manchen Floren geschieht, die Blätter: hy- 
Steranthia, nach der Blühte erscheinend, so wird zwar das 
äusserliche Verhältniss angegeben, aber das wahre Ver- 
halten, nach welchem die Blätter ungewöhnlich lange vor 
dem zu derselben Achse gehörenden Blühten sich entwik- 
keln, ist darin nicht ausgesprochen, sondern vielmehr ver- 
leugnet. An einigen getrockneten Exemplaren meines Her- 
hariums finden sich auch zuweilen schon zur Blüthezeit 
die frischen Laubblätter, und Clusius bildet auch die 
noch blühende Pflanze mit Laubblättern ab. 

Im Vorhergehenden ist allein der Fall berücksichtigt, 
dass in einer Vegetationsperiode nur ein einziger Blühten- 
stengel aus einer Zwiebel sich entwickelt. Es ist aber gar 
nicht selten, dass zwei Blühtenstengel sich finden: sie ste- 
hen dann nicht unmittelbar neben einander, sondern der 
zweite ist der terminale Abschluss des aus der Achsel der 
innersten Schuppe neben dem ersten Blühtenstengel her- 
vorgegangenen Sprosses; letzterer hat manchmal nur ein 
(frisches) Blatt, das zweikielige Vorblatt, manchmal aber 
bringt er auch 2—4 Blätter, ehe er. vom Blühtenstengel 
abgeschlossen wird. Es bedarf keiner weitern Ausführung, 
dass in diesem Falle neben dem zweiten Blühtenstengel 
aus der Achsel des Vorblattes oder, wenn mehrere Blät- 
ter vorhanden sind, des innersten Blattes wieder ein mit 
einigen Laubblättern versehener Spross hervorgeht. Sind, 


!) Dieses Verhalten giebt Kirschleger: Flore d’Alsace II, 
183, ganz richtig an. 
29” 


436 


was ich gleichfalls beobachtete, in derselben Vegetations- 
periode sogar drei Blühtenstengel ausgewachsen, so gehö- 
ren sie auch drei Achsen verschiedener Ordnung an, und 
neben dem dritten finden sich die Laubblätter, welche dem 
nächstjährigen Blühtenstengel vorangehen. 

In allen darauf untersuchten Zwiebeln fand ich den 
neuen Trieb mit seiner Abstammungsachse bezüglich der 
Blattwendung homodrom, und da an einer Zwiebel, die be- 
reits mehrmals geblüht hat, die Achsen einiger Jahre und 
deren Blattreste repräsentirt sind (bulbus plurium annorum), 
so ist die Grundachse als ein schraubelförmiges Sympodium 
zu betrachten!). Da die Zahl der Blätter an den verschie- 
denen Generationen keine ganz bestimmte ist, so folgt 
daraus und aus ihrer spiraligen Anordnung, dass die Stel- 
lung der Blühtenstengel in der Zwiebel keine constante 
sein kann. Wenn eine jede Generation nur d Blätter hätte, 
so würden die Blühtenstengel derselben von einer Seite der 
Zwiebel aus in derselben Richtung nach der andern Seite 
zu hintereinander zu stehen kommen, wie es in dem Falle, 
welcher das Schema in Fig. 8 wieder giebt, bezüglich des 
mit 1 und II bezeichneten Blühtenstengelrestes in Wirklich- 
keit war. Aber dies muss sich sehr oft ändern, da die Zahl 
der Blätter sich auch auf 6-9 steigern kann; ebenso kann 
jene Stellung nicht eintreten, wenn in einem Jahre sich 2 
oder 3 Blühtenstengel bilden, die an ihrem Grunde nur 
von 1—4 Blättern umgeben sind. In dem Falle, dass ein 
Jahrgang in der Erzeugung eines Blühtenstengels pausirt, 
können selbstverständlich zwischen zwei Blüthenstengelre- 
sten in einer Zwiebel noch mehr als 9 Blätter oder deren 
Basaltheile vorhanden sein. Die Blühtenstengelreste findet 
man als ganz schmale, lineale, dünne, trockne, schwärzliche 


ı) In einigen Zwiebeln der Se. sibirica, die in einer Vegetations- 
periode 4—5 Blühtenstengel hervorgebracht hatten, fand ich gleich- 
falls, dass sie Abschlüsse von ebensoviel Sprossen waren; der zweite 
und die folgenden hatten nur ein schuppenförmiges, basiläres Blatt 
(Vorblatt). Neben dem innersten Blühtenstengel stand in der Achsel 
seines basilären Blattes die Knospe, welche im nächsten Jahre aus- 
wächst Die Sprossen waren untereinander homodrom. Dasselbe wird 
wahrscheinlich auch von der nahe verwandten Sc. amoena gelten. 


437 


Häutchen zwischen den Schuppen der Zwiebel: in einer 
Zwiebel zählte ich deren oft zwei oder drei; wenn ihrer 
mehr, 4—6, vorhanden waren, so sprach schon der Um- 
stand, dass zwischen zweien oft nur 1 oder 2 Schuppen 
standen, entschieden für die Annahme, dass zwei Blühten- 
stengel in einer Vegetationsperiode ausgewachsen waren. 

Junge Zwiebeln zeigten nur wenige Laubblätter, wel- 
che natürlich, da die Achse noch unbegrenzt ist, dem cen- 
tralen Triebe angehören. Die Laubblätter hatten an solchen 
Zwiebeln eine geschlossene Scheide, Fig. 10, und wurden 
gewöhnlich von einem scheidenförmigen Niederblatte um- 
geben Fig. 9; doch ist es nicht zu bezweifeln, dass auch 
an nicht blühreifen Zwiebeln, wenn sie bereits etwas stär- 
ker sind, die Laubblätter einen ungeschlossenen Blattgrund 
haben werden. An blühreifen Zwiebeln fand ich regelmäs- 
sig bloss Laubblätter, nur in vereinzelten Fällen bemerkte 
ich zwischen den Laubblättern ein schuppenförmiges schmal 
lanzettliches Niederblatt Fig. 5; es war, was indess nur 
zufällig sein konnte, das vorletzte Blatt unterhalb eines 
Blühtenstengels, und vielleicht war es nur durch Verküm- 
merung eines Blattes, das eigentlich ein Laubblatt hätte 
werden sollen, hervorgegangen. 

Ausser in der Achsel des obersten Laubblattes, aus wel- 
cher der Hauptspross hervorbricht, kamen auch in der Ach- 
sel anderer Blätter Laubsprosse vor; im Ganzen genommen, 
scheint dies aber nur sehr spärlich zu geschehen. Diese 
Sprosse bleiben gemäss der längern Dauer, welche die Grund- 
achse der Mutterzwiebel besitzt, meistens einige Jahre mit 
letzterer in Verbindung und können an ihr wohl auch zur 
Blühte gelangen. 

Ich schicke der Beschreibung der Keimpflanzen ein 
paar Bemerkungen über die reife Frucht und die Samen 
voraus. Die Klappen der Frucht, unter der sich nur noch 
wenige trockne Reste des Perigons vorfanden, breiten sich 
bei deren Oeffnung fast wagerecht aus einander Fig. 11: 
sie sind rundlich, flach vertieft, ziemlich dünnhäutig, und 
ganz trocken, daher leicht zerhreeblich. Die Scheidewand 
auf jeder Klappe ist ganz niedrig. Je zwei Samen (ur- 
sprünglich zwei Fächern angehörend) liegen auf einer Klappe: 


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in der noch geschlossenen Frucht stehen zwei aufrecht 
nebeneinander in jedem Fache. Sie sind fast verkehrt- 
eiförmig, undeutlich kantig; an der dem Fruchtcentrum zu- 
gewendeten Kante verläuft die Rhaphe als schmale der üb- 
rigen Samenhaut in der schwarzen Färbung gleiche Leiste!) 
und endigt an dem stumpfen Chalazaende, Fig. 12 und 13. 
Der weisse Embryo liegt etwas gekrümmt in der Achse 
des bläulich- weissen, etwas hornigen, doch leicht sich 
schneiden lassenden Albumens: er ist über ?/, des Albu- 
mens lang und lässt deutlich die Plumula und die Haupt- 
wurzel erkennen, Fig. 12 und 14. Das Albumen ist dicht 
von der schwarzen, etwas glänzenden. sich bald ein wenig 
runzelnden dünnen Testa überzogen. 

Die unmittelbar nach der Fruchtreife im Herbste aus- 
gesäeten Samen keimten zum Theil noch im Herbste, an-. 
dere und zwar die Mehrzahl erst im Mai des nächsten 
Frühjahrs.. Das Samenkorn wird meistens von der hakig 
gekrümmten Spitze des Keimblattes im Boden abgestreift. 
Letzteres ist im Boden weiss, in seinem längern obern 
Theile, mit welchem es über den Boden hervortritt, schön 
grün und muss offenbar zur Laubblattformation gerechnet 
werden. Die einen kurzen Längsspalt bildende Oeffnung 
seiner geschlossenen Scheide tritt anfangs deutlicher hervor, 
Fig. 15 u. 16; später gleicht sich der niedrige Vorsprung 
auf dem sie sich befindet mehr aus, Fig. 17 u. 18. Inner- 
halb der Scheide des Keimblattes findet sich ein weisses, 
saftiges Niederblatt Fig. 19, welches in seiner engen Schei- 
denhöhle ein junges Laubblatt, das in der nächsten Vege- 
tationsperiode zur Entwicklung kommt, einschliesst. Die 
Hauptwurzel geht unmittelbar unter der Insertion des Keim- 
blattes ab und löst sich mit dem Ausgange der ersten Ve- 
getationsperiode ebenso, wie die obern Theile des Keim- 
blattes, dessen untrer Theil als Ueberzug der Zwiebel stehen 
bleibt, auf. Aus den bereits oben beschriebenen schwächern 
jungen Zwiebeln kann man die Weiterbildung der Keimpflan- 
zen erkennen: sie besteht einfach in der Grössenzunahme 


1) Kunth enumerat. pl. IV, p. 315, nennt die Rhaphe weiss- 
lich, was ich für die vollkommen reifen Samen nicht zutreffend finde. 


.439 


der Blätter, in der Erhöhung ihrer Anzahl, später in dem 
Eintritt der ?/, div. für Y/, div., in der Verbreiterung der 
Grundachse und in der Vermehrung der aus ihr hervorbre- 
chenden Nebenwurzeln. Nach Clusius (var. pl. hist. I, 185) 
werdeu die Keimpflanzen seines Hyacinthus autumnalis ma- 
jor, der auch zu Se. autumnalis gezogen wird, bisweilen 
schon im dritten Jahre blühreif. Die Zusammensetzung der 
Zwiebel von Se. bifolia hat Wydler in der Flora (Regensb. 
bot. Zeitg. 1856, Nr. 3) trefflichst erläutert: ihre Grundachse 
ist gleichfalls ein schrauhelartiges Sympodium, ein jedes 
Glied (oder Jahrgang) hat 3 ungeschlossene, zu Zwiebel- 
schalen 1) sich umwandelnde Blätter; je ein Nieder- und 2 
Laubblätter. In der Achsel, die das zweite Laubblatt. mit 
dem den Jahresspross nach oben abschliessenden Blühten- 
stengel bilden, steht die mit ihrer Abstammungsachse ho- 
modrome Hauptknospe: ihr erstes Blatt (das Niederblatt) 
steht mit dem zweikieligen Rücken vor dem Blühtensten- 
gel, die beiden im folgenden Jahre auswachsenden Laub- 
blätter stehen in alternirender Stellung quer vor .demsel- 
ben Fig. 41—-45, und in Folge dieser Blattstellung und der 
Homodromie der Sprosse kommt der je fünfte Blühten- 
stengel vor den je ersten zu stehen. In einer Zwiebel, die 
eine längere Reihe von Jahren geblüht hat, sind 4--6 Ge- 
nerationen vereinigt. Ich kann dies Alles durch meine 
Untersuchungen nur bestätigen. Im Ganzen selten ist es, 
dass die angegebene Zusammensetzung der Zwiebel etwas 
modifieirt wird durch das Auftreten von je 4 Blättern in ei- 
nem Jahrgange: es kommen nämlich drei Laubblätter vor, 
ein Fall, der schon den Vätern der Botanik bekannt war; 
seltner fand ich 2 Niederblätter und 2 Laubblätter an einem 
Jahrgange. — Die Entwicklung von Nebenzwiebeln ist ziem- 
lich selten; die Vermehrung erfolgt in der freien Natur si- 
cherlieh vorzugsweise durch die Samen. Diese keimen, 
wenn man sie nach der Fruchtreife oder im Herbste aus- 
säet, im nächsten Frühjahr. Das hakig an seiner Spitze 
gekrümmte Keimblatt Fig,26 und 30, tritt mit seinem län- 


') Ich fand in denselben reichliches Stärkemehl und Rhaphiden, 
aussen zwischen den einzelnen Schalen bemerkte ich öfters einen 
klebrigen, wie es scheint, harzigen Stoff, 


440 


gern freudig grünen Theile über den Boden; der untere 
Theil bleibt unter dem Boden und ist weiss. Anfangs er- 
scheint er von der Hauptwurzel äusserlich kaum abgesetzt, 
allein durch die Entwicklung der Plumula verdickt er sich 
allmälıg. Dabei rückt der Scheidenspalt des Keimblattes 
welcher anfangs nahe über der Hauptwurzel liegt, durch 
das basiläre Wachsthum jenes Blattes allmählig etwas höher, 
man vergl. Fig. 28, 29, 31. Die dünnbleibende mit zarten 
Papillen besetzte Hauptwurzel verästelt sich nicht; eine Ne- 
benwurzel sah ich in der ersten Vegetationsperiode nicht 
hervortreten. Die Plumula wird von einem fleischigen, 
scheidenförmigen Niederblatt gebildet, in dessen Höhle man 
ein kleines Blatt erkennt, Fig. 32 u. 33. Mit dem Schlusse 
der ersten Vegetationsperiode wird das Keimblatt weit hinab 
zerstört, und nur sein Scheidentheil bleibt als Schutz für 
die innern Theile der Zwiebel zurück ; die Hauptwurzel löst 
sich gleichfalls allmählig auf. — Im nächstfolgenden Herbste, 
wo ich die Keimlinge wieder untersuchte, waren bereits 
aus der Grundachse der kleinen Zwiebeln zwei bis vier Ne- 
benwurzeln hervorgetreten Fig. 34. Die Reste des Keim- 
blattes waren als eine ganz dünne, schmutzig weissliche 
oder bräunliche Haut noch vorhanden a in der cit. Figur; 
das darauf folgende Niederblatt b war noch fleischig, nur 
am obern Rande war es abgestorben; es umschloss ein 
zweites Niederblatt Fig. 36 c, das nur ein wenig über die 
Scheidenseite des ersten hervorsah Fig. 35 c, oder ganz 
von ihm verdeckt war. Von diesem zweiten Niederblatt 
war endlich das noch niedrige Laubblatt umgeben din Fig. 34 
—36; es hatteeinenoch ganz niedrige, geschlossene Scheide, 
aus der die Spitze eines Niederblattes hervorsah Figur 37. 
Im nächsten Frühjahr beschränkten sich die Veränderungen 
im wesentlichen darauf, dass das zweite Nährblatt ce noch 
etwas höher wurde und dass das Laubblatt d nun wieder 
über den Boden trat Fig. 58 u. 39; es war noch fast rund 
oder doch undeutlich kantig; seine Scheide hatte sich ver- 
längert Fig. 40, so dass am Ausgange der zweiten Vege- 
tationsperiode das Blatt e äusserlich nicht mehr zu sehen 
war, sondern gänzlich von der Scheide umschlossen wurde. 
Nach Absterben der Lamina des Laubblattes bleibt seine 


441 


scheidige Basis als Nährbehälter stehen. Die Blattstellung 
war noch alternirend. Die Weiterbildung der Keimpflanzen 
in den folgenden Jahrgängen besteht auch hier der Haupt- 
sache nach in der Grössenzunahme der Blätter, die dann 
eine ungeschlossene Scheide haben, und der Achse und in 
der Erhöhung der Anzahl der Nebenwurzeln. 

In jedem Fache des Fruchtknotens fand ich stets eine 
grössere Anzahl von Ei’cchen, nämlich 5—12: sie stehen 
deutlich in zwei Reihen und in wagerechter Richtung, wie 
dies auch bei Sc. amoena und Sc. sibirica der Fall ist. An- 
fangs April, wo sich die Blühten geöffnet hatten, zeigen 
die anatropen ovula durchaus nichts Auffallendes Fig. 20, 
aber einige Tage darauf fand ich, dass sich an der Micro- 
pyle ein ringförmiger Wulst zu bilden anfing Fig. 21 u. 22, 
offenbar durch die Wucherung des Zellgewebes des Exo- 
stomiums, wie ich es bereits in Bd. XI, p. 343 dieser Zeit- 
schrift bemerkte. Mit der Ausbildung des Samenkornes 
vergrössert sich auch der Wulst, so zwar, dass er an der 
Stelle, wo der funiculus, an welchem das saftige Gewebe mit 
emporsteigt, sich findet, schliesslich höher ist, als an der 
von ihm abgewendeten Seite des Samenkornes Fig. 23—25: 
er sieht dann weiss und glasig aus und ist ganz saftig; 
in seinen Zellen erkennt man deutlich den Zellkern. Er 
verschrumpft zwar an den Samenkörnern, quillt aber, ins 
Wasser gelegt, wieder auf. Das Endostomium hat dann 
eine bräunliche Farbe. Die Oberhaut, welche das fast ku- 
gelrunde Samenkorn überzieht und sich leicht abschieben 
lässt, ist beim Oeffnen der Frucht gelblich weiss, aber wenn 
das Samenkorn einige Tage an der Luft gelegen hat, wo 
dann auch der Anhängsel einschrumpft, nimmt die Oberhaut 
eine gelblich - braune, immerhin ziemlich leichte Färbung 
an!),. Die Rhaphe ist als schmale, ganz niedrige etwas 


1) Schon Clusius legte auf die Färbung des Samens als Un- 
terscheidungsmerkmale von anderen Secilla-Arten Gewicht, indem er 
rar. pl. hist. 1. 185, sagt: semen fert non atrum ut cetera genera, sed 
fuscum et tamquam fuligine infectum. Tragus nannte die Samen 
goldgelb; sein Uebersetzer Kyber hat die allzu lebhafte Farbe ge- 
dämpft, indem es in der von ihm besorgten latein. Ausgabe heisst! 
fulvum semen, — Samen, die ich bereits 8 Jalıre lang aufbewahrte. 
haben immer noch eine ziemlich helle Farbe. 


442 


dunkel gefärkte Leiste nur wenig bemerkbar, die schwärz- 
lichen Gefässe des funiculus bilden einen fadenförmigen 
Streifen. Der Embryo hat auf dem Durchschnitt einen el- 
liptischen Umriss und ist zum Durchmesser des Albumens 
kurz zu nennen Fig. 24; doch ändert wahrscheinlich dieses 
Verhältniss ab, denn Wydler bemerkt a. a. O., dass der 
Embryo den dritten Theil bis zur Hälfte der Längenachse 
des Eiweisses einnehme. 


Des fleischigen Samenanhängsels bei Sc. bifolia ge- 
denkt übrigens schon Vaucher (histoir. physiol. des pl. 
.d’Europe IV, 356): graines enveloppees & la base d’un arille 
epais, lobe et demi-gelatineux. Grennier und Godron 
haben in ihrer trefflichen Flora Frankreichs auf jene Eigen- 
thümlichkeit des Samens die Gattung Adenoscilla gegründet; 
dass der Anhängsel, wie jene Botaniker sagen, aus einer 
Anscehwellung des funiculus hervorgehe, kann ich nicht be- 
stätigen. — Ich habe bereits oben bemerkt, dass sich die 
Fruchtstengel auf den Boden strecken; die Kapseln sprin- 
gen vorzugsweise bei nassem oder feuchtem Wetter auf, in- 
dem die Wände derselben fast breiartig weich (capsules 
spongieuses Vaucher |. ].) werden: es ist also auch hierin 
anders als bei Sc. autumnalis; wahrscheinlich aber stimmt 
darin Sc. amoena mit Sc. bifolia überein. Eingeschrumpfte 
Fruchtkapseln der Sec. bifolia, die ich 6 — 8 Jahre aufgeho- 
ben hatte, quollen, ins Wasser gelegf, rasch wieder auf, die 
ursprüngliche Form annehmend und eine fast gallertartige 
Masse bildend. 


Erklärung der Abbildungen. 


Fig. 1—19. Scilla autumnalis. Fig. 1. Mittelgrosse Zwie- 
bel im Herbstzustande, natürl. Grösse. A Basis des Stengels. — 
Fig. 2. Eine Zwiebelschuppe, nat. Gr. — Fig.3. Grundachse von 
den äussern Schalen entblösst: m oberste Schuppe, die mit der 
einen Seite der Basis von A umfasst: in der Achsel, die m mit 
A bildet, stehen 3 Laubblätter von denen nur die Basaltheile ge- 
zeichnet sind — Fig.4. Schematischer Grundriss von dem Blühten- 
stengel A dem Blatte, m und den 6 ersten Blättern des neuen 
Sprosses. — Fig. 5. Ein Schuppenblatt, nat. Gr. — Fig. 6. Basis 
des Vorblattes, vergrössert. Fig. 8. Schema einer Zwiebel; die 
äussern Schalen sind nicht berücksichtigt. Es sind daran 16 
Blätter und 3 Blühtenstengel: I— I, repräsentirt, ein vorjähri- 


443 


ger und zwei diesjährige. Das Vorblatt von III war abgestor- 
ben: von den fünf Blättern des in seiner Achsel stehenden Trie- 
bes waren 3 ausgewachsen, 2 noch klein. — Fig. 9. Ein Schuppen- 
blatt und 2 Laubblätter aus dem Centrum einer jüngern Zwiebel. 
— Fig. 10. Basis der beiden Laubblätter, vergr. — Fig. 11. Die 
aufgesprungene Kapsel, von oben gesehen: von der einen Klappe 
sind die beiden Samenkörner entfernt. Vergr. — Fig. 12. Vergr. 
Längsdurchschnitt durch ein Samenkorn. — Fig. 13. Querschnitt, 
Fig. 14. Längsdurchschnitt durch die Basis des Embryo. — Fig. 15. 
Eine Keimpflanze, die eben erst über den Boden trat. — Fig. 16. 
Das Keimblatt von der Scheidenseite, vergr. — Fig. 17. Späterer 
Zustand der Keimpflanze. — Fig. 18. Ihre angeschwollene Basis 
vergrössert: man sieht den Scheidenspalt. — Fig. 19. Das Nähr- 
blatt aus der Scheide des Keimblattes herausgelöst, von der Schei- 
denseite, vergrössert. 

Fig. 20 — 45. Seilla bifolia. Fig. 20. Ein ovulum beim 
Oeffnen der Blühte (Anfangs April) vergr. — Fig. 21. Einige Tage 
später. Es ist von der vordern, von der Rhaphe abgewendeten 
Fläche gezeichnet. Fig. 22. Von der Seitenfläche. — Fig.23. Ein 
reifes Samenkorn aus der sich öffnenden Frucht (Ende Mai) 7 
bis 8 mal vergr., von der vordern Seite. — Fig. 24. Längsdurch- 
schnitt, f der funieulus. — Fig.25. Der Anhängsel von dem Sa- 
menkorn abgelöst; zwischen den beiden höchsten Wülsten sieht 
man als dunkle Stelle das Ende des funiculus. — Fig.26. Junge 
Keimpflanze (Ende des Märzes), zweimal vergr. — Fig. 27. Vergr. 
Querschnitt durch das im Samenkorn befindliche Ende des Keim- 
blattes: er zeigte 4 Gefässbündel. — Fig. 28. Vergr. Basis der 
Keimpflanze mit der Scheidenöffnung des Keimblattes. — Fig. 29. 
Dieselbe Partie etwas späterer Zustand, vergr. — Fig. 30. Keim- 
pflanze, zu Anfang des Mai, nat. Gr. — Fig.31. Basis derselben 
vergr., von der Scheidenseite des Keimblattes. — Fig. 32. Das 
von der Scheidenhöhle des Keimblattes umschlossene Nährblatt 
isolirt und von seiner Scheidenseite gesehen, vergr, Fig. 33. Das- 
selbe Blatt im Längsdurchschnitt, um das in seiner Scheidenhöhle 
eingeschlossene, vom Schnitte nicht getroffene Blatt zu zeigen. — 
Fig. 34. Eine Zwiebel, nach Beginn der zweiten Vegetationspe- 
riode (Anfang Nov. 1856), aus dem Boden genommen, zweimal 
vergr.: die Hauptwurzel war gänzlich zerstört, a Rest des Keim- 
blattes, b oberer Rand des zweiten Blattes — Fig. 32 und 33; 
d Spitze des frischen Laubblattes. — Fig. 35. Stärker vergr. oberes 
Ende einer andern, ebenso alten Zwiebel: b — b in Fig. 34, c 
Spitze des zweiten Niederblattes, d des frischen Laubblattes. — Fig. 
36. Das Blatt ce nach Wegnahme von a und b; d von der Rück- 
seite. — Fig. 37. Stärker vergr. Basis des Laubblattes d: aus sei- 
ner Scheide sieht die Spitze eines Niederblattes. — Fig.38. Eine 
zweijährige Zwiebel den 18. Mai 1857 aus dem Boden genom- 
men, in nat, Gr.— Fig. 39. Vergr. Zwiebel derselben, nach Weg- 


444 


nahme der Reste des Keimblattes: b c und d wie in Fig. 34—36. 
— Fig. 40. Vergr. Basis des Laubblattes d von der Scheidenseite 
um dessen Weiterbildung zu zeigen, man sehe den Text. — Fig. 
41. Schematischer Grundriss des Blühtenstengels A vom vorigen 
Frühling und der neben ihm stehenden neuen Knospe, die mit 
einem Niederblatte beginnt, auf das zwei Laubblätter folgen, von 
denen das zweite den Blühtenstengel des nächsten Frühjahres 
umfasst. — Fig. 42. Basis des Blühtenstengels vom vorigen Früh- 
ling und die vor ihm stehende Knospe, ®%on der Vorderseite des 
Vorblattes a: unter der Figur ein Querschnitt durch das Vorblatt; 
Fig. 43. 4 =4A u. Fig. 42: neben ihm sieht man nach Weg- 
nahme des Vorblattes das erste Laubblatt b der Knospe von sei- 
ner Vorderseite; die Seitenränder sind nah aneinander gelegt. 
Fig. 44. Auch b ist entfernt; man sieht das zweite Laubblatt e 
von seiner Vorderseite; zwischen seinen Rändern sieht der junge 
Blühtenstengel des nächsten Jahres hervor: dieser ist — Fig. 45 
isolirt: man sieht einen kleinen Vorsprung, wo sich die unterste 
Blühte bilden will. — Fig. 42—45 stellen Zustände aus einer 
Zwiebel dar, die Anfangs Juni aus dem Boden genommen wurde, 
Fig. 41 dient zur Veranschaulichung der in diesen Figuren dar- 
gestellten Theile. 


Beschreibung einer neuen Acridioide 
aus der Argentinischen Republik 


R. A. Philippi. 


Der Kopf ist ziemlich senkrecht, die Stirn zwischen 
den Augen etwas ausgehöhlt; nur zwischen den nah bei 
einanderstehenden Fühlern sieht man die beiden mittlern 
Leisten; die ganze Oberfläche ist mit Höckern, Spitzen und 
Leisten bedeckt; indem nicht nur zwei Längsleisten unter- 
schieden werden können, welche nach dem Munde hinab- 
steigen, sondern zwei Querleisten, die jederseits aussen von 
demselben abgehen, die eine in halber Höhe, die andere 
dicht vor dem Unterrand des clypeus. Die Augen sind 
mehr als halbkugelig, stark vorgequollen. Die Fühler 
sind fast so lang wie Kopf und Vorderbrust zusammen, 
und bestehen aus 19 oder 20 Gliedern, das erste ist das 


445 


dickste, das zweite das kürzeste, die folgenden sind etwas 
zusammengedrückt. 

Die Mundtheile habe ich nicht untersuchen mögen, 
da ich nur ein einziges Exemplar zu meiner Verfügung 
habe; die Palpen sind sehr kurz. 

Der Prothorax ist breiter als lang und von oben 
betrachtet mit Einschluss des Kopfes beinah dreieckig. Der 
hintere Rand bildet einen nach hinten gerichteten Kreis- 
bogen, ist wulstig erhoben, und mit einer doppelten Reihe 
Dornen bewaffnet, die untere Reihe besteht aus sechs grös- 
seren, horizontalen, die obere aus zahlreichen, schräg in 
die Höhe stehenden Dornen. Der Vorderrand ist grad ab- 
geschnitten und zu jeder Seite des Kopfes in einen spitzen 
Lappen verbreitert. Von dessen Spitze läuft eine nach innen 
eingebogene Kante bis zu einem vorspringenden Winkel 
des Hinterrandes. Etwas vor der Mitte verläuft eine ver- 
tiefte Querlinie, und kurz vor der Mitte desselben erhebt 
sich ein spitzpyramidenförmiger Höcker. Es ist nicht die 
geringste Andeutung von einem Längskiel da. Der hintere 
Theil des Prothorax zeigt jederseits unten einen horizontal 
ausgebreiteten halbeiförmigen in vier oder fünf tiefe Zähne 
eingeschnittenen Lappen, der durch eine tiefe Grube oder 
Furche oberhalb von der oben erwähnten, gebogenen Kante 
geschieden ist. Die ganze Oberfläche ist mit spitzen Dor- 
nen und Höckerchen dicht besetzt. Der Mesothorax ist 
hinten grad abgeschnitten, und reicht in der Mitte kaum 
so weit nach hinten wie die wulstige Erhöhung des Hin- 
terrandes des Prothorax; über den Ursprung der Mittelbeine 
verläuft jederseits eine horizontale, mit spitzen Dörnchen 
besetzte Kante; die Oberfläche ist rauh und körmnig. Der 
Metathorax ist eben so lang wie die zweite Abtheilung 
des Prothorax, mit einer hinter der Mitte liegenden Quer- 
furche versehen, hinten gerade abgestutzt, und hat eben- 
falls jederseits über dem Ursprung der Hinterfüsse eine am 
Rand mit Dornen besetzte Leiste; er zeigt eine erhabene 
Mittellinie, die nach dem Hinterande zu sich in einen star- 
ken Dorn verlängert; der hintere Theil und die Seiten sind 
mit kleinen Dornen dicht besetzt, unter denen sich einige 
grössere auszeichnen; die übrige Oberfläche ist mehr rauh 


446 


und gekörnt als dornig zu nennen. Der Hinterleib.des 
Männchens ist nicht so lang wie die Brust, vorn breit, also 
beinah dreieckig. Die ersten drei oder vier Segmente ha- 
ben eine erhabene Mitteliinie, die sich nach dem Hinterrand 
hin einen Dorn erhebt, und sind oben gekörnt und rauh. 
Die Aftergriffel sind äusserst kurz. Es ist keine Spur von 
Flügeln oder Flügeldecken vorhanden. 

Das Vorderbrustbein ist sehr kurz und kaum et- 
was breiter als der Kopf; der Vorderrand ist gekrümmt, 
mit der Wölbung nach hinten, nicht im Geringsten aufge- 
worfen, und so den Mund umgebend. Dicht hinter dem- 
selben erblickt man eine etwas stärker gebogene, erhabene 
Linie oder Kante, ohne alle Spur eines Dorns oder 
Griffels, und hinter dieser eine tiefe, halbmondförmige 
Furche. Mittel- und Hinterbrustbein sind horizontal, 
‘sehr breit, breiter als lang und scheinen grösstentheils ver- 
wachsen; sie sind ganz glatt mit vier fast im Quadrat ge- 
stellten vertieften Punkten, den Stigmen. Vorder- und Mit- 
telbeine sind eher kurz zu nennen; die Oberschenkel sind 
drehrund und namentlich die der Mittelbeine, von kleinen 
schwer erhabenen Pünktchen etwas rauh. Die Schienen 
zeigen nach unten jederseits drei schwach abwärts gerich- 
tete Dörnchen. Die Schenkel der Hinterbeine erreichen nicht 
das Ende des Hinterleibes, sind oben gekielt, unten seicht 
gefurcht, auf dem Kiel und den Rändern der Furche mit 
kleinen spitzen Dörnchen, auf der Mittellinie der Aussen- 
seite mit ca. 6 pyramidenförmigen ziemlich grossen Dornen 
bewehrt, und ausserdem die ganze Oberfläche mit kleinen, 
dicken Höckerchen besetzt. Die Schienen haben 2 Reihen 
kurzer starker Dornen. Das erste und zweite Tarsenglied 
sind gleich lang, das zweite sehr kurz. Der Haftlappen 
zwischen den Klauen ist sehr klein. Das ganze Thier ist 
hellgelblich grau, mit schwarzer Längslinie auf dem Schei- 
tel, und einer schmalen Längsbinde jederseits auf dem Kopf 
hinter den Augen. Diese haben braune Längsbinden. Die 
Unterseite des Körpers ist hellgelb. Die Hinterschenkel ha- 
ben am Kniegelenke jederseits einen schwarzen Halbmond. 
Die Fühler sind heller, gelblich. Länge des Körpers 13 Li- 
nien, Breite der Vorderbrust 8 Linien. 


447 


Herr Louis Huidobro hat ein Exemplar aus der Argen- 
tinischen Republik mitgebracht. 

Die überaus breite Brust, der senkrechte Kopf, die 
kleinen vorgequollenen Augen, der erweiterte schildartige 
Vorderrücken, stellen dieses Thier in die Nähe von Omme- 
xechus, Batrachotetrix, Batrachopus etc., von denen es sich 
aber durch den nicht aufgeworfenen Vorderrand des Vor- 
derbrustbeins, den Mangel des Dorns auf demselben, den 
gänzlichen Mangel der Flügel, die dornigen Hinterbeine etc. 
unterscheidet, so dass man wohl ein eigenes Genus dafür 
errichten muss, für welches ich den Namen Graea vorschlage. 
Die Art nenne ich Graea horrida. 


Analyse einer dem Erdpech ähnlichen Substanz, 
gefunden in einer Höhle bei Catemu in Chile 


von 
Vasquez und Bassols. 


(Aus den Anales de la Universidad de Chile 1862, p. 264 sq. im Aus- 
zuge übersetzt von Dr. R. A. Philippi.) 


Die oberflächliche Beobachtung genügt, um zu zeigen, 
dass in diesem sonderbaren Produkt zwei sehr verschiedene 
Substanzen enthalten sind; die eine sind die Fäces eines 
Säugethiers und ganz denen der Ratten ähnlich; die andre 
ist eine Substanz, deren Farbe, Glanz etc. sie dem Erdpech 
ähnlich machen. Es ist nicht möglich eine dieser Substan- 
zen mit der andern zu verwechseln, denn sie sind voll- 
kommen charakterisirtt. Sie lassen sich vermittelst des 
Wassers trennen, denn während die bitumenähnliche Masse 
sich vollkommen in Wasser auflöst, bleibt die Fäkalmasse 
unangegriffen. 

Die Analyse der ersteren gibt gar kein stickstoffhal- 
tiges Princip, und dies ist ein Grund der uns nöthigt, in 
derselben keinen thierischen Ursprung zu sehen. Wir glau- 
ben im Gegentheil, dass sie von irgend einer Pflanze her- 
stammt, dass die gummiartige Materie, die sich in derselben 


448 


findet, vielleicht dem Thier zur Nahrung dient, und dass 
dieses in derselben seine Excremente ablegt, und dass die 
dunkle Farbe wahrscheinlich einer Einwirkung des Sauer- 
stoffs der Luft auf die Extractivstoffe zuzuschreiben ist. 

Aber, welches ist die Pflanze, die diese Substanz her- 
vorbringt? [So frage auch ich, und ich frage noch mehr. 
Welches Nagethier wählt den in seiner Höhle eingetragenen 
Nahrungsstoff, um darauf seine Excremente abzulegen? Und 
wie fängt es der unbekannte Urheber der Excremente an, 
solche enorme Quantitäten Gummi —- unvermischt mit 
Rindenstückchen, Blättern u. s:w. — zusammenzutragen? Ph.] 

Als wir die Auflösung der bitumenähnlichen Substanz 
abdampften, erhielten wir eine extractförmige Materie von 
dunkler Farbe, unangenehmen, eigenthümlichen Geruch, und 
ziemlich bitteren, adstringirenden Geschmack, dem eine ge- 
wisse Süssigkeit und etwas Pikantes beigemischt war. Er- 
hitzt hinterliess dieselbe eine schwer verbrennliche Kohle 
und entwickelte keinen Ammoniakgeruch. Im ‚Wasser löst 
sie sich vollkommen auf, und die Auflösung verändert die 
Lakmuspapiere nicht; geschüttelt bildet sie einen reichli- 
chen Schaum. Alkohol schlägt aus der Auflösung weisse 
Flocken einer gummiartigen Materie nieder. In Alkohol 
und Aether ist die Substanz unauflöslich, doch geben diese 
Flüssigkeiten derselben eine Chocoladenfarbe (le comunican 
color de chocolate). 

Reine oder verdünnte REN lösen die Sub- 
stanz auf und geben der Auflösung eine Weinfarbe. Wenn 
die Säure sehr verdünnt ist, bildet sich viel Schaum. Die 
concentrirte Auflösung in Salpetersäure wird (mit der Zeit?) 
hellgelb, während die verdünnte einen Niederschlag bildet. 

In Schwefelsäure ist unsere Substanz sehr wenig 
löslich, man bemerkt aber eine lebhafte Effervescenz, und 
es entwickelt sich ein Geruch nach Ricinusöl und nach Wan- 
zen. In verdünnter Schwefelsäure ist sie kaum löslich und 
gibt alsdann einen Geruch von sich, der dem der getrock- 
neten Kirschen ähnlich itt. 

Concentrirte Salzsäure erzeugt wie die Schwefel- 
säure ziemliche Effervescenz mit Entwicklung weisser Dämpfe. 
— Die Auflösungen in concentrirter Schwefelsäure und Salz- 


449 


säure nahmen nach einigen Tagen eine sehr dunkle Farbe 
an. Der Niederschlag, welchen in diesem Fall Se Schwe- 
felsäure bildet, ist dunkelbraun. 

In Essigsäure.ist unsere Substanz nicht löslich. 

Schwefelsaures Eisen (Sulfato de hierro) bringt 
in der wässrigen Auflösung einen reichlichen, olivengrünen 
Niederschlag hervor. 

Essigsaures Blei (autato de plomo) gibtin der Auf- 
lösung einen voluminösen,. schmutzig weissen Niederschlag. 

Opium (die wässerige Lösung desselben?) erzeugt in 
der wässerigen Auflösung einen reichlichen Niederschlag. 

Aus allen diesen Thatsachen schliessen wir, dass die 
analysirte Substanz aus einer Art Gerbstoff, Gummi, und 
einem aromatischen Princip besteht, welches wir durch die 
Destillation nicht haben abtrennen können. 

- So weit die Herren Vasquez und Bassols. Chemiker 
mögen ihre Untersuchung würdigen. 

Ich bekenne offen, dass mir die fragliche, bitumen- 
ähnliche Substanz nach dieser flüchtigen Analyse noch räth- 
selhafter ist als vorher. 

Vor einigen Wochen sprach ich Herrn Carlos Hui- 
dobro aus Catema über dieselbe. Er sagte mir, er habe 
in der Höhle nachgraben lassen, und wohl an fünf Centner 
dieser Materie erhalten, habe aber nicht in Erfahrung brin- 
gen können, welches Thier in der Höhle lebe. Bei der 
Nachgrabung fand sich ein einziges Knöchelchen, welches 
ich noch nicht Zeit gehabt habe zu untersuchen. Er hat 
mir versprochen, eine grössere Quantität dieser räthselhaf- 
ten Substanz zukommen zu lassen, die ich alsdann nach 
Deutschland schicken werde, in der Hoffnung, dass es dort 
ein Chemiker der Mühe werth findet, sie etwas genauer 
zu untersuchen. 

Santiago, den 27, December 1862. 


XXI. 1863, 30 


450 


Mittheilungen, 


Der Erdfall bei Dachrieden unweit Mühlhausen. 


Der Erdfall liest von Dachrieden in nordnordöstlicher Richtung 
ungefähr eine Viertelstunde entfernt in einer Höhe, welche zum 
Muschelkalk-Gebiete gehört. In der Schichtenfolge dieser For- 
mation werden folgende drei Abtheilungen, von welchen jede für 
sich selbstständig abgeschlossen entwickelt ist, unterschieden. : Die 
untere Abtheilung, bestehend aus Wellenkalk und dem Mehlstein 
(Mehlbatzen), ruht unmittelbar auf der vorangegangenen Buntsand- 
stein-Formation und ist nicht auf der Seite des Mühlhäuser Ge- 
bietes, wohl aber nach dem Werra-, Leine- und Wipperthale hin 
aufgeschlossen. Die mittlere Abtheilung, in Gyps und Steinsalz- 
lagern auftretend, wie sie bei Buffleben, Erfurt, Artern ete. vor- 
kommen, ist in hiesiger Gegend bisher noch nicht aufgefunden. 
Dass aber in älteren Zeiten bier eine salzhaltige Quelle gespru- 
delt, jedoch damals wieder versiegt sein soll, kann man aus einer 
Sage, sowie aus dem Namen des Dorfes Saalfeld und dem Namen 
eines zum Forstberge führenden Weges, des Salzweges schliessen. 
Die obere Abtheilung bedeckt vorzüglich unsere Muschelkalkhöhen 
und besteht aus Dolomitkallsiein, Enkrinitenkalk und dem Kalk- 
steine von Friedrichshall, dem Hauptmuschelkalke, dessen auf- 
einander folgende Lagen m bläulich grauen Thonschichten und 
dichten Kalksteinen mit hellgrauem Kalkmergel wechsellagern. 
In der Tiefe dieses Hauptmuschelkalks kommen jedoch auch nicht 
selten grosse Gypsmassen stock- oder gangartig vor. 

Der neue Erdfall im Hegehölzchen bei Dachrieden liegt in 
der letztgenannten Abtheilung, die in ihren Schichtenlagen ausser 
Gyps keine durch Wasser löslichen Stoffe enthält. Dass bei der 
Tiefe von 73° diese Abtheilung schon mit der mittlern, dem Stein- 
salzlager, in Verbindung stände, ist schwerlich anzunehmen, je- 
doch bei 143° Tiefe nicht unmöglich. Der Gyps ist schwefel- 
saurer Kalk und wird, wenn die Meteorwasser sich bis zu seinen 
Massen hin Kanäle ausgehöhlt haben, nach und nach vom Was- 
ser aufgelöst und aus seiner Lagerstätte fortgeführt. Hierdurch 
entstehen im Verlaufe von Jahrtausenden Auswaschungen ganzer 
Gypslager, in Folge davon Höhlen und, wenn irgend an einer 
Stelle die Decke bricht, Erdfälle.. Befinden sich Steinsalzlager 
zwischen dem Gyps, so werden sie mit demselben Erfolge aus- 
gewaschen. Diese geben dann die Veranlassung zu Salz-, jene 
zu Schwetelquellen. Da in unserer Gegend keine Salzquelle, wohl 
aber im Reiser’schen Thale eine Schwefelquelle vorkommt, so ist 
anzunehmen, dass der neue Erdfail, sowie sämmtliche Erdfälle 
auf den Muschelkalkhöhen in der angegebenen Weise, nämlich 
durch Auswaschung eines Gypslagers, entstanden sind. Obgleich 


451 


nach Hrn. Prof. Senft’s Angabe etwa 400 Theile Wasser nur 
einen Theil Gyps lösen, so ist doch die Möglichkeit leicht zu 
denken, dass das meteorische Wasser während der Jahrtausende 
vor denen die Muschelkalkformation bereits sich gebildet hat, 
solche Auflösungen bewirkte. Die Erfahrung lehrt ja, wie Wasser- 
tropfen den festesten Stein aushöhlen. 


Eine nicht ganz aus der Luft: gegritfiene Annahme würde 
auch die sein, dass die unterirdischen Höhlen, die nach dem Ein- 
bruche ihrer Decke zu Erdfällen werden, durch plutonische Erup- 
tionen entstanden sind. Die auf den Muschelkalk folgende jün- 
gere Meeresablagerung ist hier nämlich die Keuperformation. 
Diese wurde durch neue Ausbrüche der noch im Innern der 
Erde fortdauernd thätigen plutonischen Gewalt, welche im Harze 
und Thüringerwalde die Porphyre und Melaphyre zu Tage brachte, 
emporgehoben. Da nun die sämmtlichen Erdfälle in unserer 
Umgegend auf der der Keuperformation zugekehrten Seite des 
Muschelkalks liegen, so wäre der Schluss nicht ungerechtfertigt, 
dass dieselbe gleichzeitig Hebungen erlitten und sich dadurch hohle 
Räume in dem Muschelkalke gebildet hätten. 


Gleichviel nun ob die Erdfälle in unserer Gegend auf diese 
Weise entstanden sind, so verdient doch der neue Erdfall bei 
Dachrieden in geognostischer Beziehung die grösste Beachtung, 
weil das Innere desselben leicht und gefahrlos zugänglich ist und 
dadurch einen Blick in den innern Bau der Muschelkalkforma- 
tion gewährt. 

Die Oeffinung des Erdfalls hat 12° im Durchmesser. Nach 
einer 1' starken Humusdecke folgt eine 12° mächtige blaue Thon- 
schicht, die auf der südöstlichen Seite schräge, auf der nordwest- 
lichen dagegen senkrechte Wände hat. Der darnach verengerte 
Schlund besteht aus 16° mächtigen Muschelkalkbänken, die das 
durchbrochene Gewölbe der früher kellerartigen Höhle festhalten. 
An dem nordöstlichen Ende fällt diese Höhle noch bis zu einer 
Tiefe von weiteren 70‘ ab, sodass die ganze Tiefe von der Mün- 
dung des Erdfalls 143' beträgt. Diese genaueren Angaben ver- 
danken wir dem Bergmanne Sieland aus Eldmannshausen, der den 
Erdfall in Begleitung von zwei hiesigen Turnern und einigen 
Dachrieder Einwohnern am 3. d. M. zum ersten Male befuhr, 
die drei Bäume, die mit hinabgestürzt waren, unten auffand und 
einige Kalksteine mit Kalkspath und Kalkspath-Krystallen, blau- 
graue Thone und Gypse zu Tage förderte. Weder im oberen 
noch unteren Theile des Erdfalls ist ein fliessendes Wasser sicht- 
bar oder ein Rauschen in der Tiefe hörbar. Eine Analyse wird 
nächstens ergeben, ob dass von den Wänden sehr stark herab- 
tröpfelnde Wasser schwefel- oder salzhaltig. ist. 

Interessant ist auch das Vorkommen zahlreicher ähnlicher 


Erdfälle auf der Hainleite bei Kindelbrück, wo in derselben Kalk- 
30* 


452 


formation viel Gyps liegt. Auch dort ist im letzten Winter ein 
neuer, dem unsern ungemein ähnlicher, sehr tiefer Erdfall ent- 
standen, dessen nähere Beschreibung noch nicht vorliegt. 

L. Möller. 


Analcim mit Desmin und Stilbit bei Andreasberg. 


An einem Exemplare von Andreasberg am Harz, welches 
vereinzelte Desminkrystallbüschel und viele gelblich weisse, durch- 
sichtige Stilbitkrystalle aufgewachsen auf zerklüftetem Thonschiefer 
enthält, fand ich auf der Oberfläche der Stilbitkrystalle viele kleine 
stark glänzende Krystallkörnchen, welche sich bei genauerer Be- 
trachtung unter der Loupe als farblose, durchsichtige glasglänzende 
Analeimkrystalle in der Gestalt 202 und 202.00 ® erwiesen. 
Durch das Nichtbrausen bei Befeuchtung mit Salzsäure wird jede 
Verwechselung mit Caleitkryställchen ausgeschlossen. Obgleich 
das Vorkommen von Analeim bei Andreasberg nicht neu ist, in- 
dem derselbe bereits auf Caleit gefunden wurde, so ist dieses Vor- 
kommen in der Begleitung des Desmin und Stilbit neu, weshalb 
ich dasselbe hier mittheile. A. Kenngott. 


Ueber Borsteneichkätzchen. 


Ehrenberg fasste die Borsteneichkätzchen unter Xerus, 
Lesson unter Spermosciurus zusammen, und während man die 
Eigenthümlichkeit der Gruppe allgemein anerkannte, ordnete man 
dieselbe Sciurus als Subgenus unter ohne weiter deren systema- 
tischen Werth abzuwägen. Der Schädel weicht von allen weich- 
haarigen Arten ab durch seine gestreckte Form im Allgemeinen, 
welche besonders in der Verschmälerung der Stirn auffällt, durch 
die sehr geringe Entwicklung der Orbitalfortsätze an den Stirn- 
beinen, welche als ganz kleine Spitzchen stark abwärts gebogen 
sind, durch die breiten Frontalforsätze der Scheitelbeine, die wei- 
tern Infraorbitalkanäle und die tief concave Infraorbitalfläche für 
die vordere Portion des Masseters, welche bei den übrigen Arten 
breiter flach oder nur seicht concav ist, und durch die weit hin- 
ter den letzten Backzahn gerückte Lage des Gaumenausschnittes. 
Am Unterkiefer bildet der Kronfortsatz eine nur schwach vor- 
tretende Ecke statt des deutlichen Hakens bei den ächten Sciu- 
rinen. Ferner ist das Gebiss ungleich kräftiger wie sonst bei den 
Eichkätzchen Die Nagzähne und zumal die obern erscheinen 
von vorn nach hinten fast viermal so breit wie im Durchmesser 
von rechts nach links. Auch die Backzähne fallen durch ihre 
beträchtliche Breite auf. So nach den Schädeln von Sc. setosus 
und Se. leucoumbrinus, welche die hiesige Sammlung besitzt. 
Eigenthümlichkeiten des Skeletes finde ich nirgends erwähnt, 


453 


A. Wagner hatte zwar von seinem Sc. praetextus dasselbe bei 
Aufstellung der Art, unterliess aber wie häufig in seinen Beschrei- 
bungen die eingehende Vergleichung, so dass er nicht einmal diese 
eigene Art genügend begründete. 


Rüppell trennte zuerst den abyssinischen Sc. leucoumbri- _- 


nus von dem capischen Sc. setosus und mit Recht. Sein Schä- 
del ist merklich gestreckter und schmäler, die Infraorbitalfläche 
für die vordere Portion des Masseters viel schmäler und beson- 
ders nach vorn tief ausgehöhlt, die Foramina incisiva länger, die 
Jechbögen schwächer, die Gaumenbeine bis zwischen das dritt- 
letzte statt vorletzte Paar der Backzähne vorgreifend. Sc. leuco- 
umbrinus hat gelbe kurze, Sc. setosus weisse, merklich längere 
Nagzähne. Ersteres besitzt im Oberkiefer den ersten kleinen 
Stiftbackzahn, welcher Sc. setosus fehlt. Bei diesem ist dagegen 
der erstere obere Backzahn um mehr als die Hälfte kleiner wie 
der entsprechende bei Sc. leucoumbrinus, hat auch nur zwei, bei 
diesem aber drei Falten, während der letzte Backzahn bei Sc. 
setosus relativ grösser als bei Sc. leucoumbrinus ist. Auch im 
Unterkiefer zeigt der letzte Backzahn beider Arten dasselbe Grös- 
senverhältniss. Die Falten dringen hier tief in die Kaufläche ein 
und theilen die des ersten sogar in zwei Querjoche, deren Gipfel 
vor der Abnutzung zweihöckerig sind, ganz wie bei ächten Eich- 
kätzchen. 

Unsere Bälge beider Arten zeigen den schon von Rüppell 
hervorgehobenen Unterschied der Ohrmuschel recht auffällig, im 
Uebrigen stimmen sie in den-Körperformen, der Behaarung und 
Färbung überein und zwar völlig bis auf den Schwanz, welcher 
bei Sc. leueoumbrinus breit buschig, platt zweizeilig behaart ist, 
die Haare rostfarben, an der Spitze rein weiss, bei Sc. setosus 
dichter, kürzer und gleichmässig buschig behaart erscheint und 
die Haare nur gelblich weiss und schwarz gefärbt sind. Die 
Haare sind am ganzen Körper nur plattgedrückte Borstenhaare 
mit oberer Rinne und lang ausgezogener feiner Spitze. Uebrigens 
ist auch bei den weichhaarigen Eichkätzchen das Grannenhaar 
glatt gedrückt, meist jedoch minder breit und ohne oder mit nur 
sehr schwacher undeutlicher Rinne. A. Wagner’s Sc. praetex- 
tus nur etwas kleiner, mit schmälerm Schwanze und fast ganz 
schwarzen Krallen lässt sich nach diesen Unterschieden nicht spe- 
cifisch von Se. leucoumbrinus trennen. 


Xerus oder Spermosciurus begreift vier Arten mit weissem 
Seitenstreif, und zwar eine grossöhrige/-Se. leucoumbrinus Rüpp 
(Se. ginginianus Griff — Sc. praetextus Wagn) in Ostafrika und 
drei kurzöhrige: Sc. setosus Forst (— Se. albovittatus Desm, Se. 
/Levaillanti Kuhl) am Cap, Se. erythropus Cuv in Senegambien, 

V(Se. pyrrhopus Cuv (— Se. congieus Kuhl) auf Fernando Po — 
und eine Art ohne Seitenstreif mit grossen Ohren :,,8e. rutilus 


454 


Cretzsch (= Se. brachyotus Ehbg) in Abyssinien. Lesson’s 
Se. marabutus, simplex und prestigiator vom Senegal sind nach 
den kurzen Diagnosen nicht zu deuten. 


©. Giebel, 


Literatun 


Astronomie und Meteorologie. Schönfeld, Beob- 
achtungen von Nebelflecken und Sternhaufen. — Vrf. stellte 
seine Beobachtungen an den verschiedenen Ringsmikrometern des acht- 
füssigen Refractors von 73‘ Oeffnung aus dem Steinheil’schen Atelier 
in München auf der Manheimer Sternwarte an und verfolgte jeden 
dieser Gegenstände zwischen dem 25. Parallel südlicher Declination 
und dem Nordpol, soweit nicht zu grosse Lichtschwäche oder un- 
regelmässige und verwaschene Gestalt die Beobachtung hindert. Die 
Zahl derselben wird sich auf etwa 1000 belaufen. Die Durchmesser 
der Ringe hat er mit der grössten Sorgfalt durch zahlreiche Beob- 
achtungen ermittelt und zu jeder Beobachtung denjenigen Ring an- 
gewendet, für den sich die passendsten Vergleichsterne finden. Dies 
sind meist Parallelsterne und wo solche nicht zu finden, ist der Ne- 
belfleck stets an einem südlichen und einem nördlichen Vergleichs- 
stern angeschlossen worden. Vier Durchzüge bilden gewöhnlich eine 
Position und solcher Positionsbestimmungen werden wenigstens fünf 
gemacht in verschiedenen Nächten and unter möglichst verschiedenen 
Umständen, um dadurch die von dem Aussehen der Nebelflecken her- 
rührenden Verschiedenheiten in der Auffassung des hellsten Punktes 
möglichst zu compensiren. Bei Auswahl der Vergleichssterne band 
sich Verf. nur an die passlichsten. Dieselben wurden alle aus den 
Beobachtungen neu bestimmt, um die Positionen von den eigenen 
Bewegungen der Sterne unabhängig zu machen. Diese Bestimmungen 
führte Argelander auf der Bonner Sternwarte aus. In der ersten 
Lieferung des Werkes sind gegeben 999 Positionen von 235 verschie- 
denen Nebelflecken, die von Ende November 1860 bis Ende Mai 1862 
angestellt sind. Es steht zu hoffen, dass in 5—6 Jahren die ganze 


. grosse Arbeit vollendet sein wird. — (Sitzungsber. niederrhein. Ges. 
XIX. 193—195.) . 
Nowak, über die Gewitter. — Dass vor dem Einbrechen 


eines Gewitters schnell der Himmel mitdichtem Gewölk sich bedeckt ist 
noch nicht genügend erklärt. Dasselbe ist nur ein potenzirtes Auf- 
treten von Haufenwolken, die man überhaupt dureh aufsteigende 
Luftströme erklären will. N. sieht sie vielmehr da am regelmässig- 
sten auftreten, wo sich zwischen Bergen quellenreiche Thäler hin- 
ziehen und nimmt an, dass sie nur über solchen Gegenden sich bil- 


455 


den, wo sichtbare Quellen zu Tage treten oder unterirdische Wasser- 
adern durch Spalten und Klüfte ihre Dünste der Atmosphäre über- 
liefern. Er sucht diese Behauptung näher zu begründen und wendet 
sie auf die Gewitterwolken an, die eben nur durch grössere Raschheit, 
grössere Massigkeit, schärfere Umrisse und grössere Menge ihrer 
Elecetrieität von den gewöhnlichen sich unterscheiden. Die Poten- 
 zirung wird bedingt durch zeitweilig eintretende ungestüme Steige- 
rung des tellurischen Processes, der die Wasserdämpfe liefert. Die 
Gewitter stehen im geraden Verhältniss zur Häufigkeit und Mächtig- 
keit der Quellen jeder Gegend. In den regenlosen Distrikten an der 
Küste von Peru, der Westküste von Mexico etc. fehlt es an Gebirgen 
und an Quellen. Die Gewitter sind im Sommer häufiger als im Win- 
ter, weil dann die Quellen ergiebiger fliessen und im Winter über- 
haupt die Emanationswege geschlossen sind. Auch eine monatliche 
Periodieität wird sich noch nachweisen lassen und bei vielen Quellen 
besteht eine gewisse Uebereinstimmung mit den Mondphasen. Die 
tägliche Periodicität zumal der Tropengewitter erklärt sich aus der 
zweimaligen Ebbe und Fluth der Quellen, die gerade dort sehr ener- 
gisch ist. Gewitter zu ungewöhnlicher Zeit haben in mancherlei 
zeitweiligen Störungen des Wasserdampfprocesses ihren Grund. — 
(Böhm. Sitzgsberichte. Prag 1862. I. 78—87.) 

C. Kratzsch, meteorologische Mittel von Gera im 
Jahre 1862. — 


Barometer. Thermometer. : 
December 332,11 — 0,11 
Januar 329,17 — 2,16 
Februar 331,30 0,11 
März 327,70 5,81 
April 330,70 8,53 
Mai 329,51 12,85 
Juni 329,00 13,05 
Juli 330,15 14,26 
August 329,81 13,41 
September 330,90 1139 
October 330,10 9,02 
November 329,62 23 

- 330,006 71,372 


Das Maximum des reducirten Barometerstandes im ganzen Jahr fiel 
auf 27. Decbr. 1861 —= 336,8, das Minimum auf 3. März = 321,1, das 
Maximum des Thermometerstandes auf 8. Juni — 26,4, das Minimum 
auf 21. Januar = — 13,0, — (Geraer Verhdiyn. V. 14.) b 
G. von Möllendorf, die Regenverhältnisse Deutsch- 
lands ist die Ueberschrift einer im XI, Bande der von der natur- 
forschenden Gesellschaft in Görlitz herausgegebenen Abhandlungen 
enthaltenen umfangreichen Arbeit, Die erste Abtheilung derselben 
enthält Tabellen über die Höhe der atmosphärischen Niederschläge, 
wobei die 213 Beobachtungsorte von Westen nach Osten nach der 


456 


Reihenfolge der Lage ihrer geographischen Länge geordnet sind. 
Die Regenmengen mit Einschluss des aus dem Schnee erhaltenen 
Wassers sind in pariser Zollen bis zur zweiten Decimalstelle ange- 
geben. Die Jahrgänge, während welcher an den verschiedenen Orten 
Beobachtungen angestellt sind, liegen noch zwischen weiten Grenzen; 
ebenso ist die Vertheilung der Orte über das Beobachtungsgebiet 
noch keine planmässige, so dass die aus den angeführten Zahlen ge- 
zogenen Mittelwerthe nicht unbedingte Giltigkeit haben. Die zweite 
Abtheilung enthält die Folgerungen aus den angeführten Beobachtun- 
gen. Die erhaltenen Werthe sind nun: März 1,42“, April 1,76‘, Mai 
2,42, Juni 2,90“, Juli 3,16‘, August 2,94, September 2,02‘, Octo- 
ber 1,97°, November 1,87, December 1,67’, Januar 1,52‘, Februar 
1,33; Jahr 24,98; die Monate in gegebener Reihenfolge zu je drei 
genommen ergeben: Frühling 5,60‘ — 22,4 pC.; Sommer 9,00% — 
36 pC.; Herbst 5,86 — 23,5 pC; Winter 4,52“ = 18,1 pC. — Der 
Einfluss der Höhe eines Ortes über dem Meeresspiegel scheint sich 
erst bei über 600° bemerkbar zu machen. — Es sind sodann die Re- 
genverhältnisse nach Landschaften geordnet, wobei sich eine entschie- 
dene Abnahme der Regenmenge von Westen nach Osten herausstellt; 
doch bedingen nebenbei örtliche Verhältnisse, so Nähe der Nordsee, 
an einzelnen Orten eine Ueberschreitung, so dass Emden 25,13“, 
Cleve 27,9, Cöln 38,32‘ Regen zeigt. Einfluss des Gebirges ist nicht 
zu verkennen,; dahingegen scheint der der Entwaldung der gewöhn- 
lichen Ansicht zu widersprechen, indem das Vorhandensein von Wäl- 
dern nicht sowohl die Regenmenge vermehrt, als vielmehr Regenver- 
theilung, Abfluss, Verdunstung gleichförmiger macht und so seltne- 
ren aber stärkeren Regen und Ueberschwemmung verhindert. Nicht 
ohne Einfluss scheint ausser Oberflächengestaltung auch die Gebirgs- 
art zu sein, jedoch dürften hierbei noch nicht alle mitwirkenden Um- 
stände in Rechnung gezogen sein. Von grosser Bedeutung ist aber 
die Höhe des Regenwassers über dem Beobachtungsorte, da die Ver- 
mehrung des Regens beim Herabfallen aus der Höhe zur Erdoberfläche 
eine ganz bedeutende ist. Als Durchschnittswerth ergeben sich fol- 
gende: ist die Regenmenge 200° über dem Erdboden 16,10‘, so ist 
sie in der Höhe von 150° schon 16,4‘; bei 100‘ ist sie 17,2; 19,0° 
bei 50° und 28,8° unmittelbar über dem Erdboden. Dabei ist die 
Zunahme in der Höhe im Sommer grösser als im Winter; nahe dem 
Erdboden dagegen im Winter grösser als im Sommer. Will man da- 
her die Menge der feuchten Niederschläge für einen bestimmten Ort 
genau ermitteln, so hat man, wenn der Regenmesser wie gewöhnlich 
6‘ über dem Boden sich befindet, die beobachtete Regenmenge unter 
2 pC. zu vermehren; ausserdem gehen für die Beobachtung verloren 
beim Regenmesser über 1 pC,, beim Schneefang sogar 19,6 pC., so 
dass also für die Wintermonate der sechste Theil der beobachteten 
Niederschläge noch hinzuzurechnen ist. Der durch Thau- und Nebel- 
niederschläge bewirkte zu hohe Stand im Regenmesser ist seiner 
Kleinheit wegen zu vernachlässigen. — Die dritte Abtheilung enthält 


457 


in 4 Abschnitten: Anwendbarkeit der Regenbeobachtungen auf Ent- 
und Bewässerungen und auf gewerbliche Anlagen. Der umfangrei- 
ehen, sehr verdienstlichen Arbeit ist eine Karte beigegeben, welche 
ausser der geographischen Darstellung der Regenverhältnisse Deutsch- 
land noch eine graphische Darstellung der Regenverhältnisse in den 
Jahren 1849 bis 1858 enthält mit Angabe der“jährlichen Regenhöhe 
von 50 von Westen nach Osten aufgezählten Beobachtungsorten im 
zehnjährigen Durchschnitt, der des Jahres 1857, Lage der Beobach- 
tungsorte über dem Meeresspiegel und der mittleren Höhe des zehn- 
jährigen Regenfalles sämmtlicher Beobachtungsorte. W. W. 
Physik, Paalzow, A, über die Glüherscheinung am 
positiven und negativen Pole bei der Entladung einer 
Leydener Batterie. — Enthält der Schliessungsbogen eines In- 
duetoriums eine Luftstrecke, so zeigt der negative Draht eine höhere 
Erwärmung als der positive und kann sogar zum Glühen gebracht 
werden, während der positive keine sichtbare Erwärmung zeigte. 
Nach P.’s Untersuchungen steht das Glühen des negativen Drahts an 
seinem freien Ende in der Luft in keinem Zusammenhange mit der 
Erwärmung der übrigen Theile des Schliessungsbogens und tritt nur 
dann auf, wenn die Entladungen der Batterie von sehr langer Dauer 
sind. Das leichte Auftreten dieser Glüherscheinung bei dem Indu- 
etorium ist bedingt durch die durch Feinheit, Länge und Form des 
Drahtes bewirkte lange Dauer der Entladung. P. theilt zunächst als 
Hauptergebnisse mit, dass die Glüherscheinung vollständig mit der 
Annahme von alternirenden Entladungen übereinstimme und nur bei 
Entladungen von langer Dauer auftreie. — (Poggendrff OXVII, 657. 


W. W. 
Müller, J., Bestimmung der Wellenlänge einiger hel- 
len Spectrallinien. — Mit Hülfe eines gut getheilten Glasgitters 


welches 2001 Striche auf einer Breite von 4 pariser Linien hatte 
wurde die Wellenlänge der rothen Lithiumlinien bestimmt: Liel, A — 
0,00029936° und Li«2, A = 0,00030000; als Mittel ergab sich aus 
diesen beiden Messungen: Li «, A —= 0,0002997' = 0,0006763 mm, 
Für die gelben Natronlinien ergab sich: 
Na «1,4 — 0,0002626‘ 
Na o 2, } = 0,0002623’ 
Na « 3, } = 0,0002619’°’ und im Mittel 
Na co, 4 —= 0,00026227° — 0,0005918mm, 
Für die blaue Strontiumlinie 
Sr d 1,4 = 0,0002056’‘ 
Sr d2, 2 = 0,0002048° und im Mittel 
"Sr d, 7 — 0,0002052” — 0,0004631 mm, 
Für die grüne Thalliumlinie: 
Th « 1, A = 0,000237088° 
Th « 2, A = 0,000236838° 
Th o, ı — 0,00023696” — 0,0005348mm, 
(Verhdign. der Freiburger Ges. 1863. — Pyy. CXVIN, 641) W. W. 


458 


Mascart, Wellenlänge der Linie A. '— Nach Kirchhoff 
fällt die Linie A des Sonnenspecetrums zusammen mit der wenigst 
abgelenkten hellen Linie der Kalisalze. M, verflüchtigte Chlorkalium 
im Geblässe von Leuchtgas und Sauerstoff und bestimmte mittelst ei- 
nes Gitters die Wellenlänge der Linie A des Sonnenspectrums zu 
4 — 0,000708mm gegenüber der aus Cauchy’s Dispersionsgesetze her- 
geleiteten Zahl 0,000750mm. — (Compt. rend. LVI 138. — Poggendorff 


CXVI, 367.) W. W. 
Ringer, S.,, über die Aenderung der Tonhöhe bei &ei- 
tung von Tönen durch verchiedene Medien. — Eine Stimm- 


gabel, erst dich an das Ohr gehalten und ausser Berührung mit ei- 
nem resonirenden Körper, dann auf einen solchen gestellt und in ei- 
niger Entfernung durch die Substanz desselben hindurch behorcht, 
lässt verschieden hohe Töne wahrnehmen. Tannenholz vertieft dem- 
nach den Ton am meisten, und zwar soll die Vertiefung mit der Po- 
rösität des Holzes und der Entfernung wachsen. Glas und Elfenbein 
erhöhen ihn mit gleichzeitiger Schwächung. Wasser erhöht den Ton 
proportional der Entfernung; ebenso Alkohol und Aether, mehr noch 
Wasser, in welchem schwefelsaurer Baryt suspendirt war. Die Er- 
höhung soll mit der Abnahme des spec. Gewichts wachsen. Atmo- 
sphärische Luft soll den Ton erhöhen proportional der Entfernung. 
Die Erhöhung des Tones, welche R. durch Interferenz zu erklären 
sucht, soll proportional der Schwierigkeit sein, mit welcher die Kör- 
per die Schwingungen aufnahmen und fortleiten. Nach Dr. Scott Ali. 
son ist Eisen der schlechteste Leiter und hebt die Tonhöhe am mei- 
sten. — (Proceed. ofthe R. S. vol. X, 276; — Poggdff. OXVIII, 686.) 
Ww. w. 


Chemie. Theoretische. Fr. Briegleb und A. Geuther, 
über Stickstoffverbindungen. — Während man gewöhnlich den 
Stickstoff als das indifferenteste Element bezeichnet, ist es im Stande 
bei erhöhter Temperatur direct mit einigen Metallen sich zu verbinden, 
wie z. B. mit Bor, Chrom, Magnesium, Eisen etc. Die Verbindung 
NMe; wurde durch Ueberleiten reinen getrockneten Stickgases über 
starkglühende Magnesiumfeile dargestellt. Die Verbindung ist fast 
rein gelb gefärbt und wird durch Salzsäure in Chlormagnesium und 
Chlorammonium zersetzt. Phosphorsuperchlorid bildet damit Chlor- 
magnesium und Phosphorstickstoff 3PCOI--5NMg? — 15MgCl+-P3N35, 
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXIII, pag. 221.) Swt. 

C. Bödeker, über Darstellung der Wismuthsäure. — 
Wenn man eine Lösung von Cyankalium mit einer concentrirten Lösung 
von Cyankalium im Deberschuss versetzt, so scheidet sich ein dunkel- 
braunes Puiver ab, das etwas heller als Bleisuperoxyd ist, und die 
darüberstehende Flüssigkeit ist dunkelbraunroth gefärbt. Der Nieder- 
schlag besteht nach vollkommenem Auswaschen aus BiO® + 2HO, 
verliert aber beim Trocknen bei 150°C. schon einen Theil seines Hy- 
dratwassers. — (Ann. d. Chem. und Pharm. CXXII, p. 61.) Swt, 


459 


Fleury, Umwandlung des Harnstoffs in Rhodanammo- 
nium wurde dadurch herbeigeführt, dass man Harnstoff mit Schwefel- 
kohlenstoff und absolutem Alkohol in einem zugeschmolzenen Rohre 
36 Stunden auf 100°C. erwärmte. 

C2H+N202 + 0S2 = CO? -+- C2H*N?S2. 
(Compt. rend. LIV, 519.) Swt. 

A. Graham, über Transpiration von Flüssigkeiten. 
— Es scheint, als ob der Durchgang tropfbarer Flüssigkeiten durch 
ein Capillarrohr, analog der Diffussion der Gase, in: engstem Zusam- 
menhang mit der chemischen Constitution stehe. Gr. construirte sich 
zu diesen Untersuchungen einen einfachen Apparat. Es zeigte sich, 
dass die Transpiration ein genaues Hülfsmittel bietet, Verbindungen 
nach bestimmten Verhältnissen zu erkennen. So sind z. B. die Hy- 
drate mit Constitutionswasser SHO* + HO, C?H?0* + 2HO, NHO% 
+ 3HO und C2H#02 + 6HO durch Maxima in den Transpirations- 
zeiten ausgezeichnet. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXII, 90.) Swt. 

A. Geuther, über Einwirkung von Phosphorchlorid 
auf einbasische organische Säuren. — Die Untersuchung hat 
den Zweck, die Annahme Gerhardt’s zu widerlegen, dass das Phos- 
phoroxychlorid das Chlorid der dreibasischen Phosphorsäure sei. G. 
beweist, dass die chem. Zersetzung nicht nach der Formel 

3(NaO.C*H30:) + PO2,Cl3 — 3(€:H302.Cl) + Na0O;.PO® 

vor sich gehe, sondern nach der Formel 

3(Na0.C+H302) + PO2.C1® — C*H?02.C1-+ 2C?H303 + 2NaCl1-+ NaO.PO5 
dass mithin nicht gewöbnliches phosphorsaures, sondern metaphos- 
phorsaures Natron entstehe. Hieraus erklärt sich, dass man bei der 
Zersetzung sehr wenig Chloracetyl und viel Essigsäureanhydrid er- 
hält. Bei Einwirkung des Oxychlorids auf essigsauren Baryt wurde 
ebenfalls metaphosphorsaurer Baryt erhalten. Anders dagegen ver- 
hielt sich Aetzbaryt; denn es wurde bei Anwendung von 3 Mest. 
Phosphoroxychlorid und 1 Mgt. Aetzbaryt nur circa die Hälfte des 
Chlorides zersetzt, obgleich noch unzersetzter Aetzbaryt vorhanden 
war, G. hält daher an der ursprünglich für das Oxychlorid von H. 
Rose aufgestellten Formel 3PC15.2PO5 fest. — (Ebda. p. 113.) Swt. 

A. Geuther, Zersetzung des Chloroforms durch alko- 
holische Kalilösung scheint den Beweis zu liefern, dass das Chloro- 
form nicht als das Chlorid des dreiatomigen Radikals (C?H) aufzu- 
fassen sei, sondern als C2C12.HCl. Zunächst trennt sich nach G. durch 
Einfluss des Kalis die Salzsäure von dem dem Kohlenoxyd entspre- 
chenden Chlorkobhlenstoff, sodann wird dieser zersetzt und Kohlenoxyd 
gebildet, welches, wenn es genügend Kali findet, durch Vereinigung 
mit Wasser in Ameisensäure übergeht, wo nicht, so entweicht es als 


Gas. — (Ebenda pag. 122.) Sit. 
A. Husemann, über Rhodanammonium und einige 
Harnstoffe. — Ausgehend von der Idee, dass das Rhodanammonium 


isomer mit dem problematischen Sulfocarbamid sein müsse, suchte H. 
letzteres auf verschiedenen Wegen darzustellen, ohne jedoch zum 


460 


Ziele zu gelangen, Br. fand aber bei seinen Versuchen eine leichtere 
Methode den Sulfokohlensäureäthyläther leicht darzustellen. Es wird 
zuerst Natriumsulfocarbonat in der Weise dargestellt, dass man in 
käufliche concentrirte Natronlauge Schwefelwasserstoff bis zur Sätti- 
gung einleitet, die gleiche. Menge Natronlauge hinzugiesst und zu der 
eoncentrirten Lösung von Natriumsulfuret die entsprechende Menge 
Schwefelkohlenstoff zufügt. Auf Zusatz von Alkohol oder Aetheral- 
kohol wird sofort Natriumsulfocarbonat als dicke rothe Flüssigkeit ab- 
geschieden. Nachdem dieselbe von der darüberstehenden Flüssigkeit 
befreit ist, wird sie in einem Kolben mit lang aufsteigenden Glas- 
rohr mit der dreifachen Menge Alkohol und Jodaethyl so lange ge- 
schüttelt bis die Reaction beendet ist; der gebildete Sulfokohlensäure- 
äther wird darauf mit Wasser abgeschieden über Chlorcalecium ge- 
trocknet und destillirt. Der Aether siedet bei 240°C. Mit Ammoniak 
zersetzt er sich in Aethylmercaptan und Rhodanammonium, ohne dass 
sich ' gleichzeitig Sulfocarbamid bildet. Anilin liefert in ähnlicher 


Weise neben Aethylmercaptan Diphenylsulfocarbamid. — (Amnal. d. 
Chem. w. Pharm. OXXII, 64.) Swt. 
A. Husemann, über Aethylsulfocarbonat. — Nach 


kurzem Schütteln einer Mischung von Natriumsulfocarbonat und Ae- 
thylenbromür oder Chlorür, wobei die Mischung in wallendes Sieden 
geräth, zeigt sich am Boden des Kolbens eine schwere, ölige, gold- 
gelbe Flüssigkeit, die nach der Befreiung von der darüber stehenden 
Flüssigkeit und Waschen mit Wasser, in Aetheralkahol gelöst und der 
freiwilligen Verdunstung überlassen wird. Es bilden sich schön gelbe 
Krystalle, die bei 36,50 C schmelzen, und wie es scheint nicht ohne 
Zersetzung destillirt werden können. Sie bestehen aus Aethylensul- 
focarbonat und bilden sich nach der Formel: 


CS, ci Ha z C2 S, y 
N? St 1 Bra NL 


das spec. Gew. wurde gleich 1,4768 bestimmt. Ammoniak liefert da- 
mit Rhodanammonium und Elaylsulfür. Chlor und Salpetersäure be- 
wirken starke Erhitzung und tiefer greifende noch nicht genau stu- 
dirte Zersetzungen. — (Ebenda pag. 83.) Sut. 


Ed. Linnemann, Bildung des Mannits aus Zucker. — 
Gewöhnlichen Rohrzucker durch Wasserstoff in statu nasc. in Mannit 
überzuführen war bisher nicht gelungen, da man saure Lösungen an- 
gewendet hatte und auch ausserdem den Rohrzucker nicht durch vor- 
herige Einwirkung verdünnter Schwefelsäure modifieirt hatte. L. be- 
nutzt die von der Säure befreite modifiecirte Zuckerlösung zur Um- 
wandlung in Mannit mittelst Natriumamalgam. Nach vollendeter Ein- 
wirkung wird die alkalische Flüssigkeit mit Schwefelsäure abgestumpft 
und der Ueberschuss der Säure durch Kalkmilch fortgenommen, worauf 
die grösste Menge des schwefelsauren Salzes nach dem Eindampfen 
durch Krystallisation und Zusatz von Alkohol abgeschieden wird. Aus 


461 


der zum Syrup verdickten Flüssigkeit krystallisirt dann der Mannit 
nach längerem Stehenlassen heraus. — (Ebenda pay. 126.) Swt. 


R. Rieth und Beilstein, über Darstellung von Zink- 
äthyl. Man bereitet zunächst eine Legirung aus 4 Th. Zink und 1 
Th. Natrium dadurch, dass man letzteres in das bis zur lebhaften De- 
stillation in einem hessischen Tiegel erhitzte Zink einträgt. Nach 
dem Erkalten wird die Legirung gepulvert in verschlossenen Flaschen 
aufgehoben. 1 Th. derselben wird mit 11/; Th. Jodäthyl in einem 
Kolben übergossen, der durch einen doppelt durchbohrten Korke ver- 
schlossen werden kann; durch die eine Oeffnung wird das Kohlen- 
säurezuleitungsrohr eingeführt, durch die andre die Röhre eines auf- 
steigenden Kühlapparates. Nach Beendigung der Reaction wird der 
Kühlapparat umgekehrt angebracht, und das gebildete Zinkäthyl im 
Kohlensäurestrome abdestillirt. — (Ebenda pag. 245.) Smwt. 


Stenhouse, über Larixinsäure — Dieser Stoff präexistirt 
in der Rinde der jüngern Lerchenbäume, die ein Alter von 20—30 
Jahren noch nicht überschritten haben und kann daraus durch Extrac- 
tion mit Wasser erhalten werden. Die Säure ist mit den Wasserdäm- 
pfen flüchtig, da sie schon in. wasserfreiem Zustande bei 93° C subli- 
mirt. Der Geruch der wässerigen Lösung ist etwas süsslich, der Ge- 
schmack bitter und adstringirend. Sie ist in kaltem Wasser schwer, 
in heissem Wasser leicht löslich und scheidet sich aus der heiss con- 
centrirten Lösung oft in 1—2 Zoll langen Krystallen aus... St. giebt 
ihr die Formel C3,HıoO10. Sie wird durch Bleizucker und Bleiessig 
nicht gefällt und reducirt alkalische Kupferlösung nicht. Eisenoxyd- 
salze werden durch sie schön purpurroth gefärbt, — (pag. 191.) Smt, 


Th. Werthheim, über Coniin. -— Nach W. liegt der Sie- 
depunkt des reinen Coniins bei 163,5°C. Wird in dasselbe ein Strom 
von salpetriger Säure bis zur Sättigung eingeleitet, so findet eine be- 
trächtliche Volumvermehrung statt, indem sich ein Molekul Coniin mit 
1 Mol. salpetriger Säure verbindet. Wird das Product in Wasser ge- 
bracht, so scheidet sich ein ölartiger gelber Körper ab, der indiffe- 
rent ist, aber ebenso heftige giftige Wirkung ausübt, wie das Coniin 
selbst, nur tritt der Tod etwas später ein. Der neue Körper siedet 
bei 140° C. unzersetzt und bildet sich nach der Gleichung € H,;N. 
N,0+H,90—=6;Hs N; -HNH0,. W. bezeichnet ihn als Azocony- 
drin, indem er annimmt, dass ein Atom H des Conydrins &gH„,N& 
durch N ersetzt sei. Durch Einwirkung wasserfreier Phosphorsäure 
stellt er ferner einen von ihm Conylen genannten Kohlenwasserstoff 
dar Hs 9 -+P,90; = 6;Hıa +2 N-+-P29;. H,9; so dass demnach 
Ca Hu 
H 


dem Coniin die Formel N zukommen würde. Dieser Kohlen- 


wasserstoff verbindet sich direkt mit 2 Atomen Brom, aus welcher 
Verbindung durch Destillation über Kalihydrat ein bei 140 —1500C, 
siedender Körper erhalten wird, den W. Conylenoxyd nennt =&€3H,4®. 
Dasselbe riecht wie das Conylen widerlich senfartig. (p. 157.) Swt. 


462 


Wurtz, über Bildung des Alkohols aus Aldehyd. — 
Diese Bildung gelingt leicht bei Anwendung von Natriumamalgam, 
während sie in saurer Flüssigkeit nicht stattfindet. Somit entsteht 
aus den beiden isomeren Körpern Aethylenoxyd und Aldehyd durch 
Wasserstoff im Entstehungsmomente unter denselben Bedingungen, 
d. h. bei Behandlung mit Natriumamalgam derselbe Körper, nämlich 
gewöhnlicher Aethylalkohol. — (Compt. rend. LIV, 915.) Swt. 

Zwenger u. Dronke, über das Rutin. — Von diesemsowohl 
in der Gartenraute als auch in den Kappern enthaltenen Stoff weisen 
die Verff. nach, dass es ein Glucosid, aber weder mit dem Quer- 
citin noch Robinin identisch sei, wie von andrer Seite behauptet wor- 
den war, wiewohl auch aus dem Rutir bei der Spaltung Quercetin 
neben Zucker erhalten werde. Im chemischen Verhalten stehen sich 
Rutin und Quereitrin ziemlich nahe, unterscheiden sich aber in ih- 
rem physikalischen Verhalten; das umgekehrte Verhältniss findet 
zwischen Rutin und Robinin statt. Die Formeln der drei Körper 
stehen unter einander in einem sehr einfachen Verhältniss, und zei- 
gen, dass der wesentliche Unterschied nur in den verschiedenen Koh- 
lenhydraten liegt, die mit dem Quercetin verbunden sind: 

Quereitrin Ca Hin O12 — CoHs Os + 6 ag. 
Rutin Ca; Hı10 012 En 2C3H909g + 5 aq. 
Robinin Ca Hıo O12 + 2C72B1n0010 + 11 ag. 
(Annalen der Chemie und Pharm. CXXIII, 145.) St. 

N. Zinin, über Hydrobenzoin. — Man löse, um dasselbe 
darzustellen 4 Th. reines blausäurefreies Bittermandelöl in 6 Th. Al- 
kohol von 85 pC. auf, und setze dazu 4 Th. Alkohol die vorher mit 
Salzsäuregas gesättigt sind, worauf man in das Gemisch 1 Th. fein- 
gekörntes Zink allmälig einträgt. Das Gemisch erhitzt sich stark und 
nimmt ein gelbes bis grüngelbes Aussehen an, ohne dass sich Was- 
serstoffgas entwickelt. Nach Beendigung der Reaction wird die drei- 
bis vierfache Quantität Wasser von der des angewandten Bitterman- 
delöles zugesetzt, wodurch sich ein Öölartiger Körper abscheidet der 
beim Erkalten krystallinisch erstarrt. Man löst ihn zuerst in Aether 
und krystallisirt ihn nach der Verdunstung desselben aus Alkohol um. 
Krystallform: rhombische Tafeln. Das Hydrobenzoin ist farblos, 
schmilzt bei 130° zu einer schwach gelblichen Flüssigkeit und siedet 
über 300° C, unter theilweiser Zersetzung. Es bildet sich ‚dieser 
Körper nach der Gleichung 26,H;9 + 2H —= £1H120. Von al- 
koholischer Kalilösung wird das Hydrobenzoin nicht verändert. — 
(Ebenda p. 123.) Sut. 

Praktische. ©. Bischoff, über relative Schmelzbarkeit 
verschiedener Silikate. — Bei Rothgluth schmelzen weder Ei- 
sen-, noch Caleium-, Magnesium- und Aluminiumsilikate; bei der Tem- 
peratur des schmelzenden Roheisens schmilzt SiO3,3FeO vollkommen, 
während 2Si03.3FeO nur erweicht; bei Stahlschmelzhitze erweichen 
die Silikate 3Ca0,2SiQ03 in Fluss kommt, jedoch weniger vollkommen 
als. FeO.8i0?. Die Schmelzpunkte der andern Silikate liegen etwas 


465 


höher und zwar in folgender Reihe: Al20?.38i0?, Al203.2Si03, 
Mg0.Si0?, A®O3.8Si03, 3MgO0.28i0®% 3MgO,SiO?% Es sind daher 
die Magnesiumsilikate die am schwersten schmelzbaren; und es er- 
gibt sich aus B.’s Versuchen, dass die Schmelzbarkeit der Eisensili- 
kate wächst mit dem Eisengehalt, und die der Magnesium-, Caleium- 
und Aluminiumsilikate abnimmt in dem Verhältniss als sich der Si- 
lieiumgehalt verringert. — (Polyt. Centrbl. 1863, 279.) St. 
Davanne und Girand, über Sulfocyanammonium. — 
Dieses Salz empfehlen die Verff. an Stelle des bisher gebräuchlichen 
unterschwefligsauren Natrons zur Fixirung der photographischen Bil- 
der, weil es das unzersetzte Chlorsilber besser aus den Eiweiss- resp. 
Collodiumschichten entfernen soll. — (Rep. de chim. applig. 1863. 115.) 


Swt. 
Delaune, über Anwendung des Baryts bei der Me- 
lassenreinigung. — Die von Dubrunfaut vorgeschlagene Methode 


zur Reinigung der frischen Zuckersäfte und besonders der Melassen 
mittelst Aetzbaryt an Stelle des Aetzkalk wurde wenig benutzt, weil 
man die Giftigkeit des Baryts fürchtete und andererseits der Aetz- 
baryt zu theuer war. D. gibt ein Verfahren zur Darstellung von 
Aetzbaryt aus dem natürlich vorkommenden kohlensauren Baryt. Man 
pulverisirt den Witherit, mischt das Pulver mit feinem Kohlenpulver 
und caleinirt. Das erhaltene Produkt wird noch heiss mit Wasser 
ausgelaugt und liefert eine 30-32°B. starke Lösung von Barythydrat, 
welche man der auf 70—80°0C. erwärmten Melasse zugibt, wodurch 
sich unlösliches Barytsaecharat abscheidet. Die von diesem Nieder- 
schlage abfiltrirte Flüssigkeit wird auf Pottasche verarbeitet. Der 
Zuckerbaryt wird mehrfach mit Wasser gewaschen, und mit Kohlen- 
säure zersetzt; die Zuckerlösung vom gebildeten Barytcarbonat durch 
Filtration und Auspressen geschieden, und, wenn nöthig, die Opera- 
tion noch einmal wiederholt. Sollten die Zuckerlösungen ein wenig 
Baryt enthalten, so werden sie mit Schwefelsäure schwach angesäuert, 
der Ueberschuss der Säure durch Kalkmilch abgestumpft und nun 
durch Filter von 12 Fuss Höhe und 3 Fuss Durchmesser filtrirt. Die 
erhaltene Melasse wird dann auf 35--36°0B. verdampft und durch die 
gewöhnlichen Kohlenfilter geschickt. Der bei der Operation erhaltene 
kohlensaure Baryt kann nach der oben angegebenen Methode wieder 
in Aetzbaryt übergeführt werden. — (Polyt. Oentrbl. 1863. 286.) Swt. 
Ueber Bereitung des Knochenmehles. — Vor der Ue- 
berführung der Knochen in Mehl unter vertical gehenden Mühlsteinen 
ist es vortheilhaft dieselben zu entfetten. Man gibt zu dem Ende 
ca. 10 Centner in ceylindrische aus Eisenblech gefertige Kessel von 
6 Fuss Länge und 3 Fuss Durchmesser, welche mit einem falschen 
durchlöcherten Boden versehen sind und von unten erhitzt werden 
können. Es wird soviel Wasser in den Cylinder gegossen, dass das- 
selbe einige Zoll über dem falschen Boden steht, worauf 24 Stunden 
gefeuert wird, so dass die Spannung innerhalb des Cylinders !/, At- 
mosphäre beträgt. Nach Oeffnung des Bicherheitsventils und Ablas- 


464 


sung des Wassers wird durch das Mannloch die gedämpfte Knochen- 
masse noch warm herausgenommen und mit einem hölzernen Hammer 
gröblich zerschlagen, was nach dem Erkalten nicht mehr gelingt. 
Durch das Dämpfen haben die Knochen circa 10 pCt. an Fettmasse 
und einer geringen Menge Stickstoffhaltiger Proteinsubstanz verloren. 
Das Fett kann zur Seifenfabrikation verwandt werden, das abgelas- 
sene Wasser zur Wiesenberieselung. Die gedämpften Knochen sind 
trotz des Verlustes an Stickstoffhaltiger Substanz (ca. 5—8 pC. des 
gesammten Stickstoffgehaltes) zur Düngung brauchbarer als vorher, 
denn die fettfreien Knochen leisten der Einwirkung der Bodenfeuch- 
tigkeit und Kohlensäure nicht so starken Widerstand als die fetthal- 
tigen. Es wurde nachgewiesen, dass innerhalb 4 Jahren von den 
fetthaltigen Knochen nur 8 pC., von den feitfreien 25—30 pC. auf- 
gelöst worden waren. — (Polyt. Oentrbl. 1863. 178.) Swt. 
F. Luchs, über Collodiumbereitung. — Es wird in eine 
Mischung von 20 Thl. Schwefelsäurehydrat und 9 Thl. Kalisalpeter, 
nachdem dieselbe 10 Minuten gestanden und öfters mit einem Holz- 
spatel umgerührt ist, ein Theil Baumwolle in Ei- bis Faustgrossen 
lockeren Mengen eingetragen und jedesmal gut durchgerührt. Im 
Sommer genügt eine 10 Minuten dauernde Einwirkung, während im 
Winter längere Zeit erforderlich ist, um eine vollkommen in Aether- 
Alkohol lösliche Schiessbaumwolle zu erhalten, wenn man es nicht 
vorzieht, die Säuremischung im Wasserbade zu erwärmen. Sollten 
sich hiebei grössere Mengen salpetrigsaurer Dämpfe entwickeln, so 
kann man deren Bildung durch Zusatz concentrirter Schwefelsäure 
vorbeugen. Um zu prüfen, ob die Umwandlung schon vollkommen 
eingetreten sei, schlägt L. vor, eine Probe herauszunehmen, mit 
Wasser zu waschen und auszupressen und sogleich in eine Mischung 
von 2 Th. Aether und 1 Th. Alkohol zu bringen. Erfolgt vollkom- 
mene Lösung, so wird wie gewöhnlich die gebildete Collodiumwolle 
mit Wasser gewaschen, dann aber 24 Stunden in Alkohol gelegt. 
Nach der Entfernung des Alkohols durch Auspressen ist die Wolle 
vollkommen weiss, und löst sich ohne Rückstand in einer Mischung 


von 2 Th. Alkohol und 15— 20 Th. wasserfreiem Aether. — (Polyt. 
Centralblatt 1863. 270.) Swt. 
Scehur, über Fabrikation von Milchglas. — An Stelle 


des bisherigen Zusatzes von Knochenasche zum Glassatze schlägt 
Schur Guanoasche vor, weil sie bedeutend reicher an Kalkphosphat 
ist als käufliches Knochenmehl. Trotz des Verlustes, den der Guano 
beim Caleiniren erfährt (ca. 20—25 pC.) ist diese Asche billiger als 
die der Knochen. Das erhaltene Milchglas aus folgender Mischung: 


Quarzpulver 180 Mennige 20 
Pottasche 70 Guanoasche 60 
Kochsalz 18 Pyrolusit 0,5 
Salpeter 6 Borax 3 


soll ein fehlerfreies Glas ohne Blasen und von vollkommener Weisse 
liefern. — (Polyt. Centrbl. 1863. 250.) Swt. 


465 


Geologie. Fr. Römer, überdie geognostischen Ver- 
hältnisse der Umgegend von Konstantinopel betreffende 
Beobachtungen. — Konstantinopel mit seinen Vorstädten Pera und 
Scutari steht auf dunkelm Thonschiefer und Grauwackesandsteinen, 
denen mehr oder minder mächtige Lager von dunkelgrauem, durch 
dünne Thonschiefer - Lamellen nierenförmig abgesonderten, dichten 
Kalkstein untergeordnet sind.. Am nördlichen Ausgange von Pera 
sieht man die Schiefer - und Sandsteine in einer nach dem Bosporus 
sich hinabziehenden Schlucht deutlich anstehen. Eben so an vielen 
Stellen am Meeresufer bei Scutari. Auch auf der ganzen Strecke von 
Pera bis zu den im Walde von Belgrad, 2!/, Meilen nordwärts von 
Konstantinopel gelegenen Bassins für die Wasserleitung, wurden an 
zahlreichen Aufschlusspunkten ausschliesslich solche Schichten ange- 
troffen. Noch deutlicher und zahlreicher sind die Aufschlusspunkte 
längs des Bosporus. Hier sieht- man namentlich auch die nierenför- 
mig abgesonderten Kalkstseine in mehreren Steinbrüchen aufgeschlos- 
sen. So namentlich bei Therapia und in dem kleinen bei Istenia aus- 
mündenden Thale. Kalksteine dieser Art liefern auch das Material 
für das wegen seiner Schlechtigkeit berüchtigte Pflaster von Konstan- 
tinopel. Die Schichtenstellung ist durchgängig eine steile, aber sonst 
sehr wechselnde. Die ganze, augenscheinlich ein einziges zusammen 
gehöriges Schichtensystem bildende Reihenfolge von Thonschiefer, 
Sandsteinen und Kalksteinen ist wellenförmig gebogen und aufge- 
wühlt. Das Streichen der Schichten ist überall von SW. gegen NO, 
Das 3 Meilen lange Thal des Bosporus ist also ein Querthal wie das 
Rheinthal zwischen Bingen und Koblenz, an welches es auch durch 
ähnliche Form und Höhe der Thalgehänge, durch die übereinstimmende 
Beschaffenheit der geognostischen Zusammensetzung und durch den 
dicht gedrängten Anbau der Ufer mit Ortschaften und Landhäusern 
erinnert, wenngleich freilich die an den schmalsten Stellen 1000 Schritt 
betragende Breite des Bosporus diejenige des Rheins mehrfach über- 
trifft. Die Altersstellung dieser Schichten bei Konstantinopel betref- 
fend, so ist schon seit längerer Zeit durch Dumont, Tschihatschef und 
Andere deren devonische Natur richtig erkannt worden. Dagegen ist 
ihre nähere Stellung innerhalb der devonischen Gruppe bisher nicht 
genügend ermittelt. Tschihatschef (Bullet. soc. geol. de France, 2eme 
Ser. XI, 41) erklärt sie für unterdevonisch und stellt sie der Grau- 
wacke von Koblenz gleich. Allein die petrographische Beschaffenheit 
der nierenförmig abgesonderten Kalksteinschichten stimmt so voll- 
ständig und schlagend mit derjenigen der ober-devonischen, Goniati- 
ten und Clymenien führenden Nierenkalke in Deutschland überein, 
dass ein gleiches Alter mit diesen letzteren durchaus wahrscheinlich 
ist. Die bisher beobachteten organischen Einschlüsse, welche als 
Steinkerne und Abdrücke in zersetzten und durch Eisenoxydhydrat 
braun gefärbten Thonschiefer an mehreren Stellen am Bosporus vor- 
kommen, stehen dieser Deutung nicht entgegen und weisen in jedem 
Falle mehr auf die obere, als auf die untere Abtheilung der devoni- 


XXL 1863, Sl 


466 


schen Gruppe hin. Das von Tschihatschef namentlich als beweisend 
für die Altersgleichheit mit der älteren rheinischen Grauwacke auf- 
geführte vermeintliche Pleurodietyum ist eine specifisch verschiedene 
Art der Gattung, und kann daher nicht zur Begründung jenes höhe- 


ren Alters dienen. — (Schlesische Verhandlunyen.) 
Heymann, über geschlosseneHohlräumein den Fel- 
sen. — Es ist eine bekannte Thatsache, dass gerade die Hohlräume 


in den verschiedensten Felsarten eine reiche Fundstätte der schönsten 
Krystalle bieten, und eine vielfach anerkannte Behauptung, dass die 
meisten der darin sich findenden Mineralien Auskrystallisationen durch- 
sickernder Wasser sind. Nicht unwichtig dürfte es daher sein, die 
Entstehung dieser Räume etwas näher zu beleuchten, zumal dieselbe 
auf verschiedenen Wegen von Statten zu gehen scheint, deren Grän- 
zen möglichst scharf getrennt werden sollten. Wir finden in Sedi- 
mentärschichten, z. B. im Kohlenkalk von Ratingen und Lintorf, meist 
in der Nähe der liegenden Schieferschichten, kleinere und grössere 
vollständig geschlossene Hohlräume, deren Wandungen mit schönen 
Quarz-Krystallen bekleidet sind, häufig auch wechsellagernd mit Braun- 
spath und Spatheisenstein, auf welchem Krystalle von Binarkies, Blei- 
glanz und Blende sich ausgeschieden haben. Diese Hohlräume, welche 
als solche bei der horizontalen Ablagerung der Kalkschicht aus 
dem Kohlenmeere nicht ursprünglich sich bilden konnten, sondern nach 
der Hebung und steilen Aufrichtung der Schichten entstanden sein 
werden, mögen ihren Ursprung nur Auswaschungen verdanken, welche 
durch die steile Schichtenstellung ermöglicht, jedenfalls erleichtert 
wurden. Die frühere Ausfüllungsmasse dieser Räume war höchst 
wahrscheinlich Gyps, und spricht dafür nicht nur die äussere Form 
der kleineren dieser Räume, welche man auf die Umrisse eines Gyps- 
krystalls zurückführen kann, sondern auch die Bildung der Schwefel- 
metalle in diesen Drusenräumen und zahlreicher grösserer Vorkom- 
men von Schwefelmetallen, besonders Binarkies und Bleiglanz an der 
Gränze von Kohlenkalk und Alaunschiefer, von denen einige Gegen- 
stand bergmännischer Gewinnung bilden, welche wohl hier durch die 
Zersetzung des Gypses bedingt gewesen ist. Dass grössere Gyps- 
partieen im älteren Gebirge der Rheinlande fehlen, darf nicht als Ge- 
gengrund betrachtet werden, weil wir wissen, dass im Kohlenkalke 
und sogar in den obersilurischen Bildungen Nordamerica’s Gyps reich- 
lich auftritt und selbst Steinsalz - Lagerstätten in demselben vorkom- 
men. Gyps wird in dem älteren rheinischen Sedimentgebirge wohl 
auch früher vorhanden gewesen sein, er ist jedoch ausgewaschen, und 
nur einzelne grössere Höhlen, wie in Westphalen und im Bergischen, 
zeigen uns noch die Räume an, in welchen einst Gypskörper sich be- 
fanden. — Wir sind aber auch nicht genöthigt, anzunehmen, dass die 
Gypsmassen, welche zur Bildung dieser Drusenräume Veranlassung 
gaben, ursprünglich sich gleichzeitig mit Kalkschlamm in dieser 
Gruppirung niedergeschlagen haben, vielmehr möchte man behaupten, 
dass in selbiger Weise, wie noch heute unter unseren Augen sich 


467 


Gypskrystalle und deren Gruppen in Ablagerungen von tertiärem 
Thon und Mergel bilden und, noch fortwährend sich vergrössernd, 
unter Zurückdrücken der umgebenden Masse fortwachsen, auch die 
angenommenen Gypsgruppen im Kohlenkalk von Lintorf und Ratin- 
gen sich erst später in dem Kalkschlamme ausgebildet haben. Für ei- 
nen solchen analogen, geschlossenen Hohlraum in den Felsen, welcher 
durch Auslaugung von Mineralien entstanden ist, schlägt Verfasser vor, 
den Namen Drusenraum festzuhalten und rechnet hierhin die mei- 
sten dieser Räume in den Erzgängen und den körnigen krystallini- 
schen Gesteinen. Eine zweite Art von geschlossenen Hohlräumen 
findet sich mehr in Mineralmassen, welche sich in einer Schichtenlage 
abgesondert haben, als in einer Schichtenlage selbst, und können als 
Beispiel die Thoneisenstein-Nieren im tertiären Thon etc., so wie die 
sogenannten Septarien, Kalkeoncretionen in Mergel- und Thonlagen, 
Cölestinkugeln und manche andere Vorkommen gelten. Ueber die 
Entstehnng der Thoneisenstein-Nieren und der Hohlräume in densel- 
ben hat Verfasser schon früher, bei einer General- Versammlung des 
naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande und Westpha- 
len in Bonn, eingehend referirt und die Behauptung aufgestellt, dass 
die Hauptursache dieser Schalen- und Hohlraumbildung die Austrock- 
nung und Zusammenziehung der weniger dichten, weichen Masse zu 
festern, dichten Schalen sei, wodurch unter Beibehaltnng des frü- 
heren Umfanges, wenn auch kaum jemals genau derselben Form, Hohl- 
räume im Inneren dieser Massen gewiss entstehen müssen. Noch vor 
wenigen Wochen hatte derselbe gerade Gelegenheit, bei Befahrung der 
Thoneisenstein-Grube Engelbertsglück unweit Niederpleis, dem Herrn 
Gustav Bleibtreu in Beuel gehörend, ein mächtiges Thoneisen- 
stein - Vorkommen zu beobachten, welches von den tiefer gelege- 
nen Stellen an nach dem Ausgehenden zu von einem lagerartigen 
Sphärosiderit- Vorkommen allmählich in ein sphäroidisches und dann 
in ein nierenartiges Thoneisenstein - Vorkommen übergäng. Die 
Sphäroide waren von einer festen Schale zusammengehalten, von der 
radial zahlreiche Spalten dem Mittelpunkte zustrahlten, wieder durch- 
quert von vielen concentrischen Klüften. Das Innere dieser Sphäroide 
ist meistens ganz hohl und häufig mit Wasser ausgefüllt. Tritt zur 
Austrocknung und Verdichtung der Sphärosiderit-Masse noch die 
Umwandlung des kohlensauren Eisenoxyduls in Eisenoxyd oder Eisen- 
oxydhydrat, so bildet sich durch weitere Ablösung von Umwandlungs- 
schalen die Thoneisenstein-Niere aus. — Wenig verschieden von die- 
ser Entstehungsweise bilden sich die analogen Mergelkalk-Concretio- 
nen, deren Hohlräume häufig mit Krystallen von Braunspath, Dolomit, 
Arragonit, Cölestin, Schwefelkies etc. bekleidet sind. Für einen solch« 
artig entstandenen geschlossenen Hohlraum möchte sich der Name 
Contractions-Hohlraum empfehlen. Eine dritte Art von ge- 
schlossenen Hohlräumen bieten nun die durch aufsteigende Gase 
(Wasserdampf) in ehemals flüssigen oder doch weichen Felsmassen 
veranlassten, so genannten Blasenräume in Laven, Schlacken und 


31* 


468 


Absätzen heisser Quellen dar, welche Gesteinsmassen noch längere 
Zeit beweglich genug blieben, um die mechanisch beigemengten Gase 
sich zu einzelnen Blasen sammeln zu lassen, jedoch nicht mehr den- 
selben gestatteten, die Oberfläche zu erreichen. In den Sprudelstei- 
nen, welche im verflossenen Jahre unweit Karlsbad bei Fundamenti- 
rungen zu Tage kamen, finden sich theils geschlossene Blasen, theils 
röhrenförmige, oben offene Schläuche, letztere die Wege ;anzeigend, 
auf welchen die eingeschlossenen Gase aus einzelnen Blasenräumen 
entwichen sind. Beobachtet man die Blasenräume in einer wirklichen 
Lava oder Schlacke im Laacher See-Gebiete, z. B. am Kunkskof, so 
sieht man leicht, dass, wo die Blasenräume in ihren bizarren Formen 
deutlich entwickelt, die Wandungen derselben sehr dünn sind, wo 
hingegen das Gestein körniger, krystallinischer wird, die Blasenräume 
fast ganz zurücktreten und sich auf sehr flache, spaltenartige Höh- 
lungen beschränken. Auch findet man nirgendwo in diesem Gebiete, 
trotzdem manche poröse Laven an der Oberfläche der Zersetzung 
sehr unterlagen, deren Blasenräume mit so genannten Mandeln von 
Kalkspath und Kieselerde-Mineralien ausgefüllt, sondern wenn solche 
Mineralien sich vorfinden, incrustiren sie offene Klüfte, während die 
poröse Lava bei dieser Zersetzung ganz zu Grunde geht und eine 
tuffartige Masse zurückbleibt. Wenn jedoch, wie dieses an dem ba- 
saltartigen Gesteine am Rauchloch bei Obercassel und am zersetzten 
Basalt vom Unkeler Steinbruche zu beobachten ist, die Augit- und 
anderen Einschlüsse sich zuerst zersetzen, so entsteht durch Auslau- 
gung des Zersetzungs - Productes ein löcheriger Zustand der Masse 
unter Beibehaltung der äusseren Form. Vergleicht man, auf diese 
Beobachtungen gestützt, die wirklichen Blasenräume in Laven etc. 
mit solchen, welche man bisher zu den Blasenräumen rechnete, z. B. 
den mit Amethyst, Calcedon und Jaspis ausgefüllten Räumen in den 
Melaphyren, welehe man wegen deren häufiger Birn- oder Mandel- 
form mit®lem Namen Achatmandeln bezeichnet, und berücksichtigt 
dabei, dass man solche Mandelformen bei wirklichen Gasblasen-Räu- 
men nicht im Mindesten vorwaltend findet, so drängt sich uns die 
Ueberzeugung auf, dass man hier nicht Blasenräume, sondern Dru- 
senräume vor sich hat, deren Räume vormals mit einem anderen 
Mineral, Augit, ausgefüllt waren. An den Melaphyren des Fassatha- 
les in Tyrol ist es leicht, die Ueberzeugung zu gewinnen, dass man- 
delartige Massen von Grengesit und Delessit umgewandelte Augit- 
Partien sind, und kommen dort auch deutliche Pseudomorphosen der 
Art vor. Schonin einer früheren Sitzung der Gesellschaft hat Verfas- 
ser nachgewiesen, dass Delessit meist aus Grengesit entsteht, so wie, 
dass beide Mineralien auch in dieser Verknüpfung im Melaphyr des 
Fischbachthales, im Nahe-Gebiete, auftreten. Bei Umwandlung des 
Augits in genannte Mineralien wird besonders Kalkerde und Kiesel- 
erde nebst einem Theile des Mangangehaltes fortgeführt, wodurch am 
Orte der Wegführung Hohlräume in dem sich bildenden Grengesit 
entstehen, an andern tiefer gelegenen Orten werden diese Stoffe 


469 


wieder zugeführt und bilden die Lagen von Kieselerde-Mineralien 
und Kalkspath in den Drusenräumen. Die in dem Grengesit auf diese 
Weise entstehenden Hohlräume bieten demselben die Möglichkeit dar, 
sich zu krystallinischen Gruppen mit excentrisch strahligem Gefüge zu 
constituiren, und dessen Umwandlung in Delessit veranlasst eine 
Schalen -Absonderung dieser krystallinischen Concretion. Ferner be- 
wirken die durchsickernden Wasser an dem oberen Ende der umge- 
wandelten weichen Masse ein Abspülen, wodurch eine Schärfe wie an 
einem Eiszapfen entsteht, während dieselbe Ursache am unteren Ende 
eine Zurundung veranlasst. Auf diese Weise entsteht die so genannte 
Mandelform der Achatknollen, welche Infiltrationen in solchen Gren- 
gesit- oder Delessit-Mandeln sind. Wir finden daher auch fast immer 
die Achatknollen mit Rinden von Delessit und Kalkspath, Producten 
des zerstörten Augits, umgeben. Noch ist zu erwähnen, dass 
schon Herr Nöggerath in seinem wichtigen Sendschreiben über 
die Achatmandeln an den hochverdienten Haidinger in Wien (Mai 
1849) die Thatsache anführt, dass die Achatmandeln im Mela- 
phyr des Nahe-Gebietes nicht vorherrschend eine aufrechte Stellung, 
mit der Spitze nach unten gekehrt, haben, wie dieses Leopold von 
Buch annahm und als Beweis für deren Entstehung in Blasenräumen 
hielt. Man kann noch hinzufügen, dass an vielen Stellen, z.B. an der 
erwähnten, im Fischbachthale, nicht nur die von Leopold von Buch an- 
genommene Stellung der Achatmandeln nicht vorherrscht, sondern eine 
entgegengesetzte, mit der Spitze nach oben, dem abspülenden Was- 
ser zugekehrt, zu beobachten ist, und reihen sich nicht selten die 
Mandeln in parallelen Schnüren gerade in dieser Stellung an einan- 
der. — Dürfte es demnach für die Achatmandeln und Hohlräume im 
Melaphyr überhaupt feststehen, dass selbige Drusenräume seien, 
so möchte dieses gewiss von vielen solchen Räumen in anderen kry- 
stallinischen Felsarten zu behaupten sein, wie u. A. von den mit Cha- 
basit und Natrolith bekleideten Hohlräumen im Phonolith Böhmens, 
bei welchem auch Professor R. Blum in seiner Lithologie (1860) eine 
solche Entstehungsweise andeutet. Selbst manche grössere Erz-Ver- 
kommen, als so genannte Nester, Butzenwerke, stehende und liegende 
Stöcke, dürften der Auswaschung eines leicht löslichen Minerals und 
demnächstiger Infiltration von Erzen in diesem Drusenraume ihre 
Entstehung verdanken. — (Rhein. Verhandigen März 3; Köln. Zeitg. 
Nr. 150.) 

G. Tschermak, die Diabase und Porphyre am Harz. 
— Der eine grosse Spalte ausfüllende Diabas zwischen Osterode 
und Klausthal zeigt keine scharfe Grenze gegen die umgebenden 
grauwackenähnlichen Sandsteine und Schiefer, sondern geht allmählig 
in dieselben über, so dass man ihm die eruptive Natur vollkommen 
absprechen muss. Der feinkörnige Sandstein nimmt allmälig Kalkkü- 
gelchen auf, die Schieferung verwischt sich, er wird zum Kalkdiabas, 
der indess von Augit wenig sehen lässt. Zwischen dem Kalkdiabas 
findet sich oft eine Zone von Brauneisenstein, welch letzterer deutliche 


470 


Spuren seiner Entstehung aus dem Kalkdiabas an sich trägt, indem 
er löcherig ist. Dierundlichen Höhlungen aber entsprechen vollkom- 
men der Form der Kalkspatkügelchen im Kalkdiabas. Der Uebergang 
lässt sich oft verfolgen. Der Sandstein ist durch kalkführende Ge- 
wässer in Kalkdiabas, später dieser durch eisenoxydhaltige Wasser 
theilweise in Brauneisenstein umgewandelt worden, wobei der Kalk- 
spath wieder weggeführt wurde. Bei andern augitreichen Diabas- 
massen fand T. keine so vollständige Beobachtungsreihe, doch kann er 
die eruptive Entstehung durchaus nicht zulassen. Da nun ähnliche 
Grünsteine in manchen Uebergangsgebirgen eine wichtige Rolle spie- 
len, so werden sorgfältige Beobachtungen in diesem Sinne sehr wich- 
tig, da mit der eruptiven Natur dieser Gesteine gar manche Behaup- 
tungen fallen müssen. — Am Brocken fand T. auf Kluftflächen im 
Granit sehr deutliche Eindrücke von Kalkspathrhomboedern in Quarz, 
wie das Volger sehr schön in den Alpen beobachtete. — Im S. von 
Elbingerode tritt der Porphyr im Kalk- und Sandsteipe auf. An der 
Grenze zwischen Kalkstein und Porphyr kommen zellige Massen aus 
Quarz und Feldspath bestehend vor. Ihre Strukturrührt von verschwun- 
denem Kalkspath her. Aber auch sehr deutliche Eindrücke liessen 
sich in den dichtern Porphyrpartien beobachten. Der zellige Quarz 
geht allmählig in Porphyr über, andererseits finden sich über die 
Grenze hinaus Quarzgänge in Kalksteinen. Das ganze Vorkommen 
spricht offenbar dafür, dass die Porphyrpartie in Folge einer Ver- 
drängung des Kalkspathes durch Feldspath und Quarz, also durch 
eine Umwandlung des Nebengesteines entstanden ist. An einem bläu- 
lichgrauen porphyrähnlichen Gesteine fand sich die ganze Masse von 
Opal durchdrungen und Alles pseudomorphosirt. Pseudomorphosen 
von Opal nach Nephelin und Augit lassen sich noch erkennen. —- 
(Amtl. Bericht der Karlsbader Versammlung 131— 132.) al. 
Oryctognesie. P. Pusyrewsky, russische Apatite., 
— v. Kokscharow machte darauf aufmerksam, dass bei den Apatiten, 
welche kein Chlor enthalten, die Neigung der Flächen der Grundpp 
ramide zur basischen Endfläche —=139° 42‘ beträgt, während solche 
bei chlorhaltigen etwas grösser. Deshalb erschien eine genauere Un- 
tersuchung der russischen Apatite nothwendig, wenigstens auf ihren 
Chlorgehalt. 1. Apatit von der Grube Kirjabinsk im Ural: schöne 
grösse durchsichtige Krystalle P: OP==1390 46'30°, spec. Gew. 3,126; 
gänzlich frei von Chlor. — 2. Apatit vom Berge Blagodat im Ural, 
gut ausgebildete kleine Krystalle; die grüne Farbe rührt offenbar von 
organischen Stoffen her, die sich beim Erhitzen des Minerals ver- 
flüchtigen, welches dann farblos wird. Spec. Gew. =3,2; enthält 
0,21 Chlor. — 3. Von der Grube Achmatowsk im Ural: ausgezeich- 
net farblos. Krystalle eingewachsen in Chlorit, spec. Gew. = 3,091, 
Chlorgehalt 0,51; P: OP=1390 53° 30.“ — 4. Aus den Smaragdgru- 
ben am Flusse Tokowaja im Ural: grosse oft sehr rissige Krystalle, 
spec. Gew. = 3,201, phosphorescirt sehr schön im Pulver auf glü- 
hendem Platinblech., Analyse: 41,99 Phosphorsäure, 49,65 Kalkerde 


471 


4,50 Calcium, 0,01 Chlor, 4,20 Fluor. P: OP =139o 41’ 37%, — 
5. Apatit von dem in den Baikalsee mündenden Sludjankafluss als 
Moroxit in körnigem Kalk eingewachsen grosse Krystalle mit abge- 
rundeten Ecken und Kanten, welche keine Messung gestatten; spec. 
Gew. — 3,178. Analyse: 49,66 Kalkerde, 41,98 Phosphorsäure, 4,32 
Caleium, 0,109 Chlor, 4,02 Fluor. Mit Salz- oder Salpetersäure be- 
handelt bleibt ein unlöslicher Rückstand, der vorzüglich aus Quarz, 
Glimmer und mieroscopischen Krystallen eines Minerals besteht, welche 
wohl dem hexagonalen Systeme angehören mit spec. Gew. 3,9—4,0; 
wahrscheinlich Kryptolith. Beim Erhitzen des Moroxit scheiden sich 
die beigemengten organischen Stoffe, welchen das Mineral seine Fär- 
bung verdankt, unter brenzlichem Geruch aus. — 6, Apatit aus den 
Bergen von Schischinsk: zwei Abänderungen, deren eine wesentlich 
von allen bisher bekannten Apatiten abweicht. Er stellt sich nämlich 
im körnigen Kalk in grossen aber an den Enden stets abgebrochenen 
hexagonalen Prismen ein; Spaltbarkeit sehr deutlich prismatisch. 
Farbe bräunlich ins violette, vor dem Löthrohre ganz allmählig eine 
milchweisse Farbe annehmend und undurchsichtig, wobei Splitter ab- 
springen. Enthält Schwefelsäure und etwa 4 Procent Kieselsäure. 
Die andere Apatitvarietät ist neu und zeigt die Combination „ P.OP; 
spec. Gew. 3,139; weiss, durchsiehtig, in körnigem Kalk; 0,19 Chlor- 
gehalt. — 7. Apatit aus dem Ilmengebirge im Miascit und körnigen 
Kalk, spec. Gew. 3,234, chlorfrei und von organischen Stoffen gefärbt 
oder mit Spuren von Chlor. Es sind hiernach in Russland nur fluor- 
haltige Apatite bekannt, in welchem der Chlorgehalt nie über 0,8 
steigt, demnach übt derselbe auf spec. Gew. und Grösse der Winkel 
einen Einfluss aus. Mit Zunahme des Chlorgehalts vereinigt sich das 
spec. Gew., während der Neigungswinkel der Pyramide zur Basis 
wächst. — (Verhandlgn. russ. Gesellsch. f. Mineral. 1862. 59-72.) 

A. Damour, mineralogische Untersuchung desLher- 
zolith.— Dieses im Dept. de l’Ariege und besonders bei Lherz vor- 
kommende Gestein betrachtete Charpentier als körnigen Augitfels, 
allein die mikroskopische Untersuchung wies ein Gemenge nach aus 
Olivin, Enstatit und Diopsid, wozu noch unwesentlich Picotit kömmt. 
Der Olivin ist von den andern leicht durch seine Härte und oliven- 
grüne Farbe zu unterscbeiden, ist vor dem Löthrohre unschmelzbar 
mit Säure gelatinirend, spec. Gew. 3,38, Analyse: 0,4059 Kieselsäure, 
0,4813 Magnesia, 0,1373 Eisenoxydul, 0,0160 Manganoxydul. Der En- 
statit ist spaltbar nach den Flächen eines geraden rhomboidischen 
Prismas mit dem Winkel von 93° und 87°, von graulichbrauner Farbe, 
sehr schwer schmelzbar, in Säuren unlöslich, spec. 3,27; Analyse: 
0,5476 Kieselsäure, 0,3022 Magnesia, 0,0935 Eisenoxydul, 0,0490 Thon- 
erde. Der Diopsid findet sich in rundlichen smaragdgrünen Körnern, 
schmilzt vor dem Löthrohre zu durchscheinendem grünen Glase, löst 
sich in Phosphorsalz, dem er eine chromgrüne Farbe ertheilt, in Säu- 
ren unlöslich, spec. Gew. 3,28; Analyse: 0,5363 Kieselsäure, 0,2037 
Kalkerde, 0,1248 Magnesia, 0,0852 Eisenoxydul, 0,0407 'Thonerde, 0,0130 


472 


Chromoxyd. Der Picotit in sehr kleinen schwarzen Körnern dürfte 
als eine Varietät des chromhaltigen Spinell zu betrachten sein, spec. 
Gew. 4,08, Analyse: 0,5600 T'honerde, 0,1030 Magnesia, 0,2490 Eisen- 
oxydul, 0,0800 Chromoxyd, 0,0200 kieseliger Rückstand. In (den un- 
tersuchten Handstücken bildet der Olivin nahezu ®/; der Masse; der 
Enstatit ist häufiger als der Diopsid, doch ändert das Mengenverhält- 
niss ab. Der Lherzolith bildet ein Lager im Kalkgebirge. Ganz ähn- 
liche Gesteine finden sich im Granit von Beyssas Dept. Haute Loire 
und im Ultenthal in Tyrol. — (Bullet. hoc. geol. XXIX. 415 — 416.) 

R. Blum, neues Zwillingsgesetz am ÖOrthoklas. — 
Der dieses Gesetz zeigende Krystall stammt aus einem Felsitporphyr 
von Manebach in Thüringen. Er ist in der Richtung der Klinodia- 
gonale in die Länge gezogen und zeigt die Combination OP. Po 
2Po:P.u P.o P3.2P.. Die Zwillingsebene ist die basische End- 
fläche und das eine Individuum gegen das andere um 180° gedreht, 
so dass sich der Zwilling als Hemitropie darstellt. Die Flächen des 
positiven Orthodomas bilden an dem einen Ende einspringende, an 
dem andern Ende ausspringende Winkel. Die basische Spaltung der 
beiden Individuen läuft paralell, während die Klinodiagonale in ein- 
ander fällt. — (Neues Jahrb. f. Mineral. 343). 

Holmberg, Analyse des Bonsdorffit: 41,76 Kieselsäure, 
31,25 Thonerde, 8,35 Eisenoxydul, 0,30 Manganoxydul, 4,73 Magnesia, 
1,78 Kalkerde, 1,50 Kali, 10,44 Wasser, wonach sich die Formel er- 
gibt (3RO.2SiO; -+3Alz2 O3. Si O3) +6 HO, also vollkommen identisch mit 
Fahlunit. Der Bonsdorffit findet sich im Granit eingewachsen in un- 
deutlich ausgebildeten Prismen bei Abo im Finnland. — (Verhandlig. 
mineral. Gesellsch. Petersburg 1862. S. 152—153.) 

Pisani, der Spinell von Migiandone bei Ornavasso im 
Tocethal in Piemont zeigt das Octaeder mit untergeordnetem Doke- 
kaeder, spec. Gew. 4,241, Analyse: 58,60 Thonerde, 1,31 Eisenoxyd, 
22,80 Zinkoxyd, 14,30 Eisenoxydul, 3,96 Magnesia, 0,60 Kieselsäure, 
Er gehört hiernach zur Gruppe der zinkhaltigen Spinelle: Gahnit, Dys- 
lusit, Kreithonit. Mit letzterem zeigt er eine denkwürdige Analogie 
des Vorkommens bei Bodenmais. Er ist in grauem blätierigen Or- 
thoklas eingewachsen und wird von Quarz, Magnetkies und Kupfer- 
kies begleitet. Theilchen von Magnetkjies sind zuweilen in den Kry- 
stallen des Spinell eingeschlossen. — (Cumptes rend. 1862. LV. 924.) 

G. 

Palaeontologie K. E. Schafhäutl, Süd-Bayerns 
Lethaea Geognostica. DerKressenberg und die südlich 
vonihm gelegenen Hochalpen geognostisch betrachtet in ihren 
Petrefakten. Mit 46 Holzschnitten, 2 Karten und 98 Tffln. Leipzig 
bei L. Voss. 1863. Fol, — Ein splendid ausgestattetes und mit lang- 
jährigem grossen Fleisse bearbeitetes Werk, wie es der Kressenberg 
verdient. Es werden ausführlich beschrieben 510 Arten und in 1243 
Figuren sauber abgebildet. Indem wir uns den Bericht über den 
geognostischen Theil vorbehalten, zählen wir zunächst die als neu 


473 


beschriebenen Arten namentlich auf, um die Wichtigkeit des Werkes 
nach dieser Seite hin anzudeuten. Es sind von Pflanzen nur Schaf- 
häutlia Kressenbergi und Persica Kressenbergensis, von Spongien 
Melomyca impressa, Spongilla gregaria und Manon pustulosum, 

Polypen : Ceratotrochus conulus, Clonotrochus, Isis teisenbergen- 
sis. — Reptescharella punctata, Membranipora bipunctata, Idmonea 
irregularis, Nodicava rugosa, Multicreseis quadrifida, Numulites um- 
bilicatus, rota, teruncius, subellipticus, catillus, conulus, guttula, dis- 
cus, bija, ellipticus, reticulatus, modiolatus, libum, amygdala, orbicula- 
tus, excavatus, Operculina biconcava, Hymenocyclus umbo, cymbalium, 
rugosus, concameratus. 

Echinodermen: Burgueticrinus cornutus, Comatula teisenbergen- 
sis, Miliobates teisenbergensis, Echinocyamus sulzbergensis, Echinan- 
thus bavaricus, Pygorhynchus carinatus, Conoclypus galerus, acumi- 
natus, pyramidalis, expansus, Micraster ovalis, Schizaster similis. 

Brachiopoden: Terebratula aequivalvis, pieta, coccionella. 

Cormopoden: Anomia obliqua, Ostraea Selli, cincta, decurtata» 
praerupta, semipectinata, caudata, suborbiculata, lyra, abscissa, orbis, 
mamilla, unguiculus, folium, falcata, bulla, Exogyra plicata, Spondy- 
lus teisenbergensis, astragalus, personatus, Pecten squamiger, scutu- 
Jatus, undosus, Lima aspera, Vulsella trigona, Inoceramus acuteplica- 
tus, cardioides, Avicula laticeps, flexuosa, pleuroptychale, Mytilus ele- 
gans, Modiola flabellum, Pectunculus obliquus, Nucula maxima, tri- 
quetra, Hellia gryphus, Chama monoceras, adversa, furcillata, lata, 
cor, Unio acutus, Cardinia spatulata, Venericardia striata, fissicostata, 
elliptiea, lata, rotunda. Isocardia ovum, Cardium orbiculare, artum, 
ellipticum, inflatum, variabile, Cyprina acuminata, Lucina crassa, Cras- 
satella obligua, longirostris, Venus glabra, Lutaria cuneata, navalis, 
longissima, Panopaea aequalis, Lutaria nuculaeformis, Corbula velata, 
Teredo ornata, rugosa, Clavagella cornigera. | 

Gastropoden: Siliquaria enitens, Natica oostoma, cochleata, Glo- 
bulus pectinatus, productus, Nerita colpostoma, Actaeon pyriforme, 
scalaris, turritus, Avellana sulcata, Chemnitzia turriculata, Scalaria 
fissicostata, densicostata, eirrata. Turritella pyramidalis, glabra, bi- 
partita, biangularis, Phasianella conica, Turbo mitra, pyramidalis, dec- 
livis, Solarium numisma, Potamides terebra, Cerithium pungens, an- 
nulare, quadrifasciatum, Rostellaria fusiformis, quadrilineata, lineata, 
fusus, Pterodonta crassa, Tritonium turris, Murex giganteus, Fusus 
exaltatatus, cylindricus, procerus, scandens, obesus, angulosus, octo- 
gonus, detornatus, aratus, operculatus, caudatus, polygonalis, turri- 
tus, striatus, Pyrula texta, Morio tricarinatus, coronatus, Buccinum 
conicum, turbineum, Eburna turriculata, Terebra pyramidalis, Voluta 
melo, densicostata, turriculata, biinterupta, polygonalis, arata, globu- 
lus, elongata, laevigata, fusiformis, procera, torta, subula, eminens, 
terebrans, conica, Cymba tollusiensis, Mitra angulata, laevigata, turri- 
culata, Terebellum clava, Marginella lata, ovum, Cypraea obovata, ob- 
longa, acuminata, exsculpta, Bulla constricta, Limneus clavus, 


474 


Cephalopoden: Nautilus ellipticus, macrocephalus, crassus, regu- 
laris, parallelus, parabolicus. 

Crustaceen: Ranina Fabri, Helli, hirsuta, Xanthopsis sontho- 
fensis, Grüntensis, Andreae, Cancer odontodactylus, Glyphithyreus 
verrucosus, Cancer interpunctus, glaber, Leiochilus cordifer, Xanthia 
exceisa, Cancer orthodactylus, acanthachir, granosus, ereagachir, me- 
gachir. 

Fische: Aetobatis giganteus, Myliobates arcuatus, eureodon, 
Acrodus flexuosus, Pyenodus irregularis, Diaphyodus trigonella, ova- 
lis, Saurodon eonoideus, Raja pulchra, Coelorhynchus sulcatus. 

Amphibien: Crocodilus teisenbergensis, Kyrtodon ovalis, Chelo- 
nia acuticeps. 

Von den 492 Arten des Kressenberges stammen 69 aus dem 
Granitmarmor und seinen Aequivalenten, 14 aus dem Liegenden des 
Ferdinandstlötzes, 19 aus diesem selbst, 213 aus dem Emanuelflötz 
und Maurerschurf, 20 aus dem Grünsandstein, 18 aus dem Grünsand- 
mergel, 55 aus dem Josephsflötz, 17 aus dem schwarzgrauem Thon- 
mergel, 67 aus dem Maximiliansflötz. 151 dieser Arten gehören un- 
zweifelbaft der Kreide an und von ihnen kommen 54 auf die Numu- 
litenbildung allein; die übrigen 362 lassen sich mit ganz vereinzelten 
Ausnahmen auf eocäne Faunen beziehen. Die vereinzelten Liaspe- 
trefakten im Kressenberger Thoneisenstein mögen aus aufgewühlten 
Liasschichten übergeführt sein, wobei freilich deren sehr geringe An- 
zahl auffällig ist. 

Aus den bayrischen Alpen südlich vom Kressenberge beschreibt 
der Verf. im v. Kapitel zablreiche Arten, worunter als neu eingeführt 
werden: Calamites gracilis im Sandstein bei Partenkirchen, Ptero- 
pbyllum gracilis, Taeniopteris pandurata ebda., Spongia pilulaim Kalk 
am Hochfelln, Sp. dichotoma im Kalk des Wettersteingebirges, Sphae- 
rosoros contextus im dunkeln Kalke bei Partenkirchen, Scyphia poly- 
gonalis am Hochfelln, Ammon rotundatus auf dem Rücken des Wet- 
tersteingebirges, A. macrocephalus ebda, Nullipora angulata von der 
Zugspitze, Diplopora porosa, D. articulata, D. nodosa ebda., Vagini- 
pora pustulosa an der Wettersteinwand, Thecophyllia helianthoides 
Gipfel des Hochfelln, Cyelolithes eylindrica im Hieswang, Radioli- 
tes maeandrinoides im Zugspitzkalk, Nephelaster cylindricus am Wet- 
terstein, Cyathophyllum cylindricum, Poteriocrinus striatus bei Par- 
tenkirchen, Terebratula contorta bei Häring, Pecten aratus, P. plicatus, 
Lima rotundata, Malleus giganteus, Posidonomya parthanensis, P, 
desecta, P. semiradiata, Avicula grandis, A. flabellum, A. fissicostata, 
Lyeodus nov. Gen. mit L. cor., Caprotina rotunda, Astarte crenulata, 
Venerupis modiola, Opis procera, Isocardia grandicornis, Gonodon 
ovatum, Tauroceras tara, Natica elliptica, Actaeonina urna, Melania 
gigantea, Turritella scabra, T. subulata, Turbo rotundus, Straparolus 
vertebratus, Solarium conulus, Trochus impressus, Tr. gradatus, Cy- 
clostoma turritum, Planorbis glaberrimus, Nautilus fastigatus, Cera- 
tites nodulosus, Ammonites Helli, A. densicostatus, A. sella, A. Char- 


475 


pentieri, A. Quenstedti, A. inversefimbriatus, A. incisus, Crioceras 
eoronatum, Cr. Kampi, Cypridina parthanensis, Carcinaspis pustulosa. 
Gl. 

Botanik. W.Lasch fand Pflanzenbastarde vonDian- 
thus Carthusianorum und arenarius auch in der Umgegend 
von Driesen. 1) Stengel dünn, einfach, Blätterscheiden zweimal so 
lang, als dick; Blumen bis 4, fast büschelförmig; Kelch 6mal so lang als 
dick; obere beide Bracteen kurz gespitzt, bis zum 4. Theil des Kelches 
hinaufreichend; Platten der Blumenblätter klein, nicht ganz bis zur 
Hälfte eingeschnitten, fast rosenroth. 2) Stengel fast dünn, einfach 
oder oben mit einigen Aesten, Blätterscheiden 2mal so lang als dick; 
Blumen einzeln, selten zu 2 genähert; Kelch !/; dick; obere Brac- 
teen mit etwas verlängerter pfriemförmiger Spitze bis !/; des Kel- 
ches hinaufreichend; Platten klein, bis etwa !/; eingeschnitten, ganz 
hell rosa, fast weiss. 3) Stengel klein, dünn, einfach; Blätterscheide 
1/2 mal so lang, als dick ; Blumen einzeln, Kelch !/s dick, obere Brac- 
teen länger zugespitzt, bis !/s des Kelches hinaufreichend; Platten 
der Blumenblätter klein, fast nur '/a eingeschnitten, mit sehr unglei- 
chen breitern Zipfeln, rosa. 4) Stengel dünn oder etwas dicker, 
einfach oder 1-2fach gabelig-ästig; Blätterscheiden doppelt so lang 
als dick; oberste Bracteen mit veriängerter Spitze bis !/; des Kelchs, 
Platten der Blumenblätter klein, bis etwa zur Hälfte eingeschnitten, 
fast rosa. 5) Dicht rasenförmig, Stengel mitteldick, einfach oder oben 
einfach bis wiederholt gabelästig; Blätterscheiden zweimal so lang 
als dick; Blumen einzeln oder zu 2 bis 3 genähert; Kelch !/g dick; 
oberste Bracteen mit etwas verlängerter Spitze '/; des Kelches; Plat- 
ten etwas klein, bis !/, eingeschnitten, blass rosa. £) Blätterscheiden 
11), mal so lang als dick, Blumen bis zu 4 genähert; Bracteen mit 
kurzer Spitze bis !/; des Kelchs. Platten gross fast weiss. 6) Sten- 
gel mitteldick, einfach oder nach oben wiederholt gabelästig; Blätter- 
scheiden wenig länger als dick; Blumen 7—9 in Büscheln zu 2—3; 
Kelch !/; dick; oberste Bracteen mit etwas verlängerter Spitze bis 4/3 
des Kelch hinaufreichend ; Platten gross, bis etwas über die Hälfte 
eingeschnitten, hellrosa. ß) Blätterscheiden 2 mal so lang als dick, 
Platten mittelgross, bis zur Hälfte eingeschnitten, rosa. 7) Stengel 
mitteldick, nach oben wiederholt gabelästig, Blätterscheiden bis über 
2mal so lang als dick ; Blumen 4, fast 2 genähert; Kelch 1/s—!/e dick; 
oberste Bracteen mit sehr verlängerter Spitze bis /; des Kelchs; 
Platten gross bis etwas über die Mitte eingeschnitten, hellrosa. 8) 
Stengel dick, oben ästig; Blätterscheiden 1!/; mal so lang als dick; 
Blumen 8, auf kurzen Stielen eine Afterdolde bildend; Kelch !/s dick, 
oberste Bracteen mit etwas verlängerter Spitze bis !/s des Kelchs; 
Platten gross, bis fast zum Stengel fein eingeschnitten, sehr hell 
rosa. — (Brandenb. botan. Verhandlgn. IV. 24.) 

H. Jese giebt Beiträge zur Flora des Oderbruchs 
zwischen Hohensaten und Zehden, der „Zehdener Bruch genannt, 
Derselbe wird in Osten von dem Höhenzuge begrenzt, an dessen 


476 


Westhange das Städtchen Zehden liegt; im Westen wird er von der 
Oder abgeschlossen, während er gegen Norden und Süden mehr spitz 
auslaufend wiederum von dem bereits erwähnten Höhenrücken be- 
grenzt wird. Der letztere umgiebt somit bogenförmig die Fläche des 
Zehdener Bruches. Es bietet sich auf demselben für den Botaniker 
Neues und zum Theil Ueberraschendes. Die Entstehung des Oder- 
bruchs aus den fetten Schlickablagerungen der Oder bedingt seine 
vegetative Eigenthümlichkeit, seine gänzliche Verschiedenheit von sau- 
ren Wald- und Fela-Brüchen, an denen die norddeutsche Ebene strich- 
weise so reich ist. Der Oderbruch ist überaus fruchtbar und vor 
Allem von Boden-Säuren im Ganzen frei. Diese Fruchtbarkeit spricht 
sich sofort in der Vegetation aufs unzweideutigste aus, indem diese 
vorzugsweise aus solchen Pflanzen besteht, welche einen schlickrei- 
chen Boden lieben, Die Abwesenheit von Säuren ist ebenso sicher 
durch den Mangel vieler Gewächse ausgeprägt. Im Frühjahr ist das 
ganze Bruchterrain fast ohne Ausnahme inundirt, zur Sommerzeit las- 
sen sich indess sehr leicht verschiedene Wasserstände unterscheiden. 
Ein Wasserstand von 1), —1' Tiefe bedeckt vorzugsweise die Bruch- 
wiesen. Zwei Gräser dominiren auf ihnen: Phalaris arundinacea L. 
und Glyceria spectabilis Lh. und K., welche den Hauptbestandtheil 
des renomirten Oderbruchheues ausmachen und von denen ersteres 
angeblich zur Pferdefütterung dem letztern vorgezogen wird. Ph. arund. 
wird im Volksmunde dortiger Gegend „Militz oder Milenz“, Gl. sp. 
„Lösch“ genannt. Beide erreichen an vielen Stellen eine solche Höhe 
dass sie dem mittelgrossen Jäger über den Kopf hinausragen, fast 
überall in seiner Gesichtshöhe bleiben und es oft unmöglich machen 
ein weiter als 30 Schritt aufsteigendes Flug-Wild zu beschiessen. 
Halme von 5—7 Linien unterm Durchmesser. Wie im Mittelwalde 
das Buschholz den Unterstand unter dem höheren Baumholz bildet, 
so treten weiter vergleichsweise zwei andere Riedgräser auf, welche 
den Unterstand zu den ersten beiden bilden. Es sind: Glyceria flui- 
tans (L.) R. Br. und Alopecurus geniculatus L. Dieser Unterstand 
erscheint eben so massig wie der Oberstand. Man nennt dort die 
beiden kleinen Gräser ,„Schwaden.“ Weiter tritt in einem Wasser- 
stand von 1—1!/a‘ Höhe als dominirender Oberstand Phellandrium 
aquaticum L. auf. Durchsnittlich ist der Stengel 1—2“ stark. Man 
nennt das Gewächs ,„Muszän“ und den Bestand, welchen es bildet 
„Gebräsch.“ Letzterer Ausdruck characterisirt die Wuchsverhält- 
nisse der Pflanze ganz treffend: ihren dichten Stand, d.h. die Masse 
des Vorkommens, dann die Aestigkeit des Individuums und endlich 
das chaotische Gewirr, welches beide Umstände vereint hervorbringen. 
Als Unterstand findet sich ebenso massig: auf den weniger tiefen 
Wasserstellen Nasturtium amphibium (L.) R. Br., Alisma Plantago L. 
und Sparganium ramosum Huds. (letzteres vulgo Schelp-Schilf); 
2) bei tieferem Wasser Nuphar luteum (L.) Sm. ; und 3) in grandio- 
ser Masse Batrachium und Myriophyllum. Bei einem Wasserstande 
von 11»—2‘ Tiefe dominiren Rumex maritimus und Batrachia. Der 


477 


letzte Wasserstand endlich von siets über 2‘ Tiefe, der manchmal bis 
zu 6‘ anwächst trägt im Allgemeinen den Character grösserer, stag- 
nirender Teiche, in denen Batrachium, Myriophyllum und Potamoge- 
ton dominiren. Die Localitäten, in welchen die genannten 3 Pflan- 
zengattungen meist in einer solchen Masse auftreten, dass ein leich- 
ter Kahn oft nur mit grosser Mühe durchzustossen ist, treten bald 
als mehr abgerundete, teichartige Wasseransammlungen, bald und 
häufiger noch als sogenannte „Schlenken‘ von 2—10 und mehr Ru- 
then Breite auf, welche in oft sehr bedeutender Länge den ganzen 
Bruch durchziehen und die Wasserstrassen derselben bilden. Diese 
Schlenken werden an den Rändern meist von Sagittaria eingesäumt; 
dieser zunächst im minder tiefen Wasser erscheint Nuphar, während 
Nymphaea sich in die grössere Tiefe hineinzieht. Verf. des Aufs. 
fehlte es an Zeit nähere Bestimmungen für die wunderbare Flora zu 
treffen; jedenfalls möchten diese klassischen Sümpfe aber einer ge- 
nauern Untersuchung zu würdigen sein. — (Ebda. 27.) 

Aster salicifolius Scholl findet sich nach C. Grantzow 
so häufig in der Umgegend von Trebbin in der Provinz Branden- 
bnrg, dass die Pfl. als wild wachsend angesehen werden muss. Hier- 
für spricht auch, dass sie dem Volke als „wildes Orant‘“ bekannt ist. 
Der Name ist offenbar mit Dorant,' einem alten Namen von Achillea 
Pharmica L. identisch. — (Ebda.) 

Schultz-Schultzenstein theilt eine Analyse des Bo- 
dens der Salzlacke bei Nauen mit, welche in botan. Beziehung 
wichtig ist. Die Erde ist schwarzbraun, hat das Ansehen von Torf, 
trocknet zu einer zwar zusammenhängenden, aber leicht zu Pulver 
zerreiblichen, schwammig-lockeren Masse ein. Ein Kubikfuss der luft- 
trocknen, lockeren Erde wiegt 20 Pfund altes preuss. Civilgewicht. Durch 
Abschlämmen in einer graduirten Glasröhre liess sie sich trennen, dem 
Volumen nach, in Sand- (Kieselerde) 34,5, Kalk (mit Schnecken- und 
Muschelschalen untermengt) 14,0, torfigen Humus 51,5. Dem Gewicht 
nach betrugen diese Massen an Kieselerde 50,0, Kalk 13,6, Humus 
und Wurzelstücke 37,0. In Procenten, dem Gewicht nach ausgedrückt, 
würden die Bestandtheile der Erde sein: Kieselerde 50,0, Humus 
(Humusextract, Humussäure, Quellsäure, Humuskohle) 94,5, Kohlen- 
saurer Kalk 8,5, Chlorcalcium 1,6, Kochsalz 1,4, Raseneisenstein 1,0, 
Gips 2,0, Knochenerde 1,0. — (Ebda. 150.) 

P. Ascherson macht darauf aufmerksam, dass es in der Ge- 
schichte der Pflanzenwelt nicht an Beispielen fehlt, dass auffallende 
Gewächse, von denen man nicht annehmen kann, dass sie früher den 
Blicken der Forscher entgangen waren, plötzlich in der Flora mehr 
oder weniger ausgedehnter Landstriche erschienen, sich in verhält- 
nissmässig kurzer Zeit ausbreiteten und zuletzt derart einbürgerten, 
dass sie für die Physiognomie nicht minder, als viele Urbewohner, 
charakteristisch geworden sind. Als ein freiwilliger Einwanderer 
möchte auch Senecio vernalis W.R. in die deutsche Flora auzusehen 
sein, — (Ebda. 150.) 


478 


Aug. Garcke schildert die Verwandtschaft von Carex 
spicata Schk. — Dieselbe gehört zu den seltensten und wegen ihres 
vereinzelten Vorkommens räthselhaftesten Pflanzen. G. hatte Gele- 
genheit dieselbe auf den Dölziger Wiesen und dem benachbarten 
Bieritz bei Leipzig nicht nur in Blühte, sondern auch in ihren ka- 
stanienbraunen, glänzenden kahlen Schläuchen von aufgeblasen-kuge- 
liger Form zu beobachten. Es erscheint ihm gerechtfertigt diese 
bisher räthselhafte Segge des Bieritz mit C. obtusata künftig nur als 
eine Form passender vielleicht noch als einen unvollkommenen Zu- 
stand von C. supina anzusehen, wobei dann freilich nach Reichen- 
bach’s Vorschlag der Name C. obtusata als der ältere voranzustellen 
wäre. — (Ebenda 157.) 

C. Bolle stellt eine neue Umbeliferengattung auf, wel- 
cher er nach Joh. Friedr. Ruthe den Namen Ruthea gibt. Dieselbe 
gehört zu der Tribus Seselineae Koch und hat folgende Gattungseha- 
ractere: „Calycis margo 5dentatus, dentibus paryis triangularibus 
acutis. Petala oblonga, integra, involuta, lacinula subquadrafa et 
subdentata. Fructus oblongus, sectione transversali teretiusculus, a la- 
tere subcompressus. Mericarpia jugis 5 prominulis, crassiusculis, 
subulatocarinatis, lateralibus, marginantibus non latioribus, Vallecu- 
lae univittatae. Commissura bivittata. Semen semiteres, subquinqua- 
gulare. Carpophorum bipartitum. Stylopodium ‚conicum elongatum. 
Styli breves, adpresse reflexi. Stigmata clavata. Herba canariensis, 
foliis pinnatis. Umbellae compositae, multi- (plerumque 25) radiatae. 
Involucra utraque polyphylla. Flores flavi.“ 

Von der Species sagt B.: R. herbanica Ble (Beiname von ihrem 
Vaterlande Herbania, dem mittelalterlichen Namen der Insel Fuerta- 
ventura). Perennis (ut ex radice crassa videtur quae collum gerit bre- 
viter squamulosum), glabra, foliis radicalibus caulinisque inferioribus 
impari- pinnatis 4-5-jugis, petiolo basi vaginante, segmentis ovatis 
vel ovato-lanceolatis basi inaequalibus acutis argute serratis, serratu- 
ris mucronulatis, (segmentis) oppositis, infimis petiolulatis terminali 
simplici vel rarius tripartito, caule 1-2-pedali robusto, tereti, striato, 
medulla farcto, apice ramoso, foliis superioribus parvis pinnis linea- 
ribus subulatis vel simplieiter linearibus vaginis margine albido-mem- 
branaceis, umbellis terminalibus latioribus quam altis, involucro et 
involucello eirciter 8-phyllis, involucri foliolis late linearibus subula- 
tis, involucelli lanceolatis utriusque membranaceo-marginatis, involu- 
cello floribus cum pedicello breviore fructus aequante, staminibus 
pallide luteis, stylis in mericarpiis junioribus oblique erectis, mox re- 
flexis. Habitat in archipelagi canariensis insula Fuertaventura, ad 
rupes basalticas peninsulae eius meridionalis Handiae, ubi folia in- 
terdum subcoriacea fiunt, nec non ad agrorum versuras loco dicto 
„la Rosa 'de la Oliva“, copiose. Floret Aprili et Majo. — (Ebda. 174.) 

R.v. VUechtritz gibt neue Beiträge zur Flora von Halle. 
Adonis fammeus Jacg. Aecker zwischen Zscherben und Bennstedt, 

noch am 2. September 1861 blühend. 


479 


Ranuneulus päucistamineus Tausch, Sparsam am salzigen See vor 
Rollsdorf. 

Ran. divaricatus Schrk. In Lachen bei, Passendorf. 

Brassica nigra Koch. Weidengebüsch an der Saale bei der Gersdor- 
fer wüsten Feldmark sparsam. 

Diplotaxis muralis DC. Sehr vereinzelt auf Schutt unter Lehmann’s 
Garten mit Crepis foetida L. 

Rapistrum perenne All. Hohe Raine dicht hinter dem Seebener Busch, 
bei der Rattmansdorfer Theerfabrik, Ackerränder bei Dörstewitz. 
Viola collina Besser. Sparsam auf dem Bischofsberg in der Haide 

unter Gesträuchen. Neu für die Flora von Halle! 

Reseda lutea L. Dörstewitz bei Lauchstedt, Nietleben. 

Hypericum hirsutum L. In der Aue bei Schkeuditz und Modelwitz. 

Lotus tenuifolius Rchb. Feuchte Wiesen zwischen Dölau und der 
Haide, Salzwiesen bei Dieskau, Langenbogen und Rollsdorf. 

Lathyrus silvester L. %. platyphyllus Retz. Am Rande der Aue nörd- 
lich von Bienitz in Gebüschen nicht selten. 

Epilobium tetragonum L. Feldgräben vor der Rattmannsdorfer Theer- 
fabrik. 

Myriophyllum verticillatum L. In Lachen bei Passendort. 

Pimpinella magna L. Passendorf, Röpzig. 

Bupleurum tenuissimum L. Zwischen der Passendorfer Windmühle 
und Zscherben am Wege; an der Salzke zwischen Langenbogen 
und Rollsdorf. 

Seseli coloratum Ehrh. An einem hohen grasigen Raine zwischen 
Zscherben und Bennstedt mit Prunella grandiflora. 

Cnidium venosum Koch. Wiese zwischen Dölau und der Haide, sparsam, 

Torilis helvetieca Gmel. Raine zwischen Zscherben und Bennstedt, 
sparsam. | 

Galium trieorne With. Aecker zwischen Bennstedt und Kölme. 

G. parisiense L. ß. anglieum Huds. Mauer des Amtsgartens zu Gie- 
bichenstein. 

Inula germanica L. Hohe Raine hinter dem Seebenschen Busche, 
am salzigen See bei Rollsdorf in der Nähe der Teufelsbrücke. 

Senecio aquaticus Huds. Wiesen bei Osendorf und häufig in der Aue 
bei Modelwitz. 

Cirsium acaule > oleraceum. Auf der Wiese vor dem Seebener Busch 
mit C. bulbosum > oleraceum. 

C. oleraceum >< palustre Schiede. Selten auf den Wiesen von Bienitz 
und vor Bennstedt. 

Tragopogon major Jacq. Rattmannsdorfer Theerfabrik. 

Hieracium Schmidtii Tausch. Sparsam an der Mauer des Amtsgartens 
zu Giebichenstein. 

Lithospermum offiecinale L. Lindberg. 

Verbascum thapsiforme >< Lychnitis Schiede. Felsen zwischen Gie- 
bichenstein und Trotha vereinzelt. 

Gratiola officinalis L.  Sumpfwiesen zwischen Osendorf u. Döllnitz, 


480 


Veronica Buxbaumi Ten. Aecker am Wege von Halle nach der 
Röpziger Fähre, Wörmlitz gegenüber, ziemlich zahlreich. 

Salvia vertieillata L. zwischen Seeburg und Aseleben. 

Chaeturus Marrnbiastrum Rchb. Hecken und Gesträuche Röpzig un- 
weit der Saalfähre. 

Peucrium Scordium L. Wiesen nördlich vom Bienitz. 

Polycnemum majus A. Br. Auf dem Sandberge unmittelbar nördlich 
von Zscherben, ziemlich zahlreich, 

Chenopodium opulifolium Schrad. In Röpzig. 

Rumex paluster Sm. Einzeln mit R. maritimus am Saalufer vor Gie- 
bichenstein. 

Aristolochia Clematitis L. Aecker am Südabhange des Galeeul re 

Typha angustifolia L. An den Teichen südwestlich von Corbetha. 

Iuncus supinus Mönch var. fluitans. Am Rande der Haide vor Dölau 
in Gräben. 

Carex Oederi Ehrh. Bei den Teiehen von Dieskau. 

An diese Angaben schliesst Aug. Garcke: 

Xanthium spinosum L. Unmittelbar vor Giebichenstäin an einem 
kleinen Abhange des Weges, welcher nach der magdeburgischen 
Chaussee führt. 

Amarantus retroflexus L. In Halle am Pfännerholzplatze. 

Campanula bononiensis L. Saalufer zwischen Kröllwitz und Lettin. 

Myrrhis odorata. Auf dem Schloss Mansfeld. (Verhdl. des bot. V. 

f. d. Pr. Brandenb. 3. u. 4. Heft 1861 u. 2 pag. 239.) 

C. Sanio hat sehr ausführliche Untersuchungen über die Ele- 
mentarorgane des Holzkörpers angestellt. Indem S. von den früher 
verbreiteten Ansichten ausgeht und dieselben einer Kritik unterwirft, 
kommt er zu eigenen Arbeiten, die eine Menge interessanter Resultate 
bieten. — (Bot. Zeitung 1863 p. 85 — 128.) R.D. 

Zoologie. Max Schultze, das Protoplasma der 
Rhizopoden und der Pflanzenzellen. Leipzig 1863. 8%. — 
Diese Schrift hat den Zweck die Angriffe Reicherts auf die Sarkode- 
theorie, die wir Bd. XX S. 373 berichteten, zu widerlegen und fasst 
Verf. die Resultate seiner Erörterungen am Schlusse wie folgt zu- 
sammen. 1. Die Körnchenbewegung an den Pseudopodien der Poly- 
thalamien beruht auf einem Gleiten zahlreicher in der Pseudopo- 
diensubstanz enthaltener Körnchen nicht aber auf wellenförmigen Er- 
hebungen der Oberfläche. 2. Da den Körnchen die Fähigkeit der 
selbstständigen Bewegung nicht zugeschriebeu werden kann, muss 
das Gleiten derselben von einer Bewegung der Grundsubstanz ab- 
hängen. Diese Bewegung kann mit Rücksicht auf der eigenthümli- 
chen, dem einer Flüssigkeit verwandten Aggregatzustand der Pseu- 
dopodiensubstanz, eine fliessende genannt werden. Doch kommt bei 
der Unmöglichkeit eine klare Vorstellung [!| von dem Aggregatzu- 
stande der lebendigen Pseudopodiensubstanz zu erhalten, auf den 
Ausdruck nichts an (weil der Begriff fehlt), wir können mit demsel- 
ben Recht die Bewegung eine gleitende, ziehende, kreisende etc. nen- 


481 


nen. Die Bewegung der Grundsubstanz ist an grössern Abtheilungen 
derselben direct zu beobachten. Nichts widerspricht der Annahme, 
dass diese sich bewegenden Abtheilungen der Grundsubstanz bis zu 
minimaler Grösse herabsinken, in welchem Falle sie nur ein einziges 
oft auch gar kein Körnchen enthalten. So erklärt es sich, dass dicht 
neben einander liegende Körnchen eine verschieden schnelle und ver- 
schieden gerichtete Bewegung zeigen. 3. Die Frage nach der Con- 
sistenz oder dem Aggregatzustande der Pseudopodiensubstanz wird 
ihrer Lösung wesentlich näher geführt durch die Beobachtungen 
über die Erscheinungen, welche bei dem Zusammenstossen zweier sich 
begegnender Pseudopodien auftreten. Dieselben sprechen für ein 
Zusammenfliessen. Von ähnlicher Bedeutung für die Consistenzfrage 
sind die Beobachtungen über die Aufnahme von Karmin- und Stärke- 
mehlkörnchen. 4. Die Consistenz variirt bei verschiedenen Specien 
ziemlich bedeutend. Als Extreme können Gromia uviformis und Du- 
jardini gelten. Sie variirt aber auch in verschiedenen Tiefen ein 
und derselben Pseudopodie. Ob bei den Polythalamien eine Differen- 
zirung der Fäden in hyaline Rinde und körniges Innere vorkommt 
wie bei den Amoeben ist durchaus zweifelhaft, sehen lässt sich nichts 
davon. Dagegen zeigt sich bei Actinophrys Eichhorni deutlich eine 
Differenzirung der Pseudopodien in hyaline Achse und körnerhaltige 
Rinde. Mittelst letzterer als der weichen zerfliesslicheren Substanz 
findet auch ein Zusammenfliessen der Pseudopodien statt, welches 
sich nicht auf die hyaline Achse erstreckt. Bei manchen Radiolarien 
des Meeres scheint etwas ähnliches vorzukommen. 5.1In der Leibes- 
substanz von Actinophrys Eichhorni und zwar an der Peripherie der 
dunklen Markmasse finden sich ganz constant in regelmässigen Ent- 
fernungen viele zellenartige Körperchen mit meist mehrfachen klei+ 
nen Kernen. 6, Die Wärmestarre als todtliegende Gerinnung tritt 
bei Actinophrys, Amoeba, Difflugia und bei den Polythalamien bei 
42—43°C ein, Anguillulinen, Räderthiere, Naiden, Turbellarien, Ostra- 
coden ertragen meist noch 44° C. 7. Die Schläge des Inductions- 
apparates üben eine andere Wirkung auf die Körnchenbewegung. der 
Pseudopodien nicht aus als solche Agentien, welche eine Reduktion 
und endlich eine Auflösung derselben herbeiführen. 8. Die Bewe:- 
gungen des Protoplasma der Pflanzenzellen gleichen denen der Pseu- 
dopodien der Polythalamien so sehr, dass wenn die Anordnung des 
Protoplasma der Art ist wie z. B. die Zeile der Staubfädenhaare 
von Tradescantia kein Unterschied zwischen beiden Arten der Bewe- 
gung aufzufinden ist. 9. Auch der Einfluss chemischer Reagentien, 
der Wärme und der Electricität auf die Protoplasmafäden der Pflan- 
zenzelle ist derselbe wie auf die Pseudopodien der Polythalamien. 
Nur in Betreff des höchsten Temparaturgrades, bei welchem sich die 
Bewegungen noch erhalten, ist der Unterschied anzuführen, dass die 
Grenze bei den Pflanzenzellen etwas höher, 46 — 47° liegt. 10. Als 
die Ursache der Bewegung des Protaplasma der Pflanzenzellen muss 
wie schon Cohn und Unger aussprachen, eine Eigenschaft in Anspruch 
XX1. 1863, 39 


482 


genommen werden, welche den Namen Contraktilität verdient. 11. Wie 
bei den Pseudopodien so ist auch in den Protoplasmenfäden der 
Pflanzenzellen eine Differenzirung in kinde und Mark nicht zu beob- 
achten. Aus diesem Grunde kann Sch. der Brücke’schen Annahme 
einer solchen Differenzirung nicht beipflichten. Die Körnchenbe- 
wegung lässt sich auch ohne solche Annahmen ganz auf dieselbe 
Weise wie bei den Pseudopodien der Polythalamien erklären. Theo- 
retisch ist allerdings die Möglichkeit der Anwesenheit einer etwas 
 festeren Rinde für beide Objecte zuzugeben. 

v. Frauenfeld, über das Lebendigggebären des Olm 
— Bekanntlich ist bis jetzt die Fortpflanzung des Olm noch nicht be- 
obachtet worden und überhaupt nicht aufgeklärt. Nach einer Mittkeilung 
der Laibacher Zeitung Novice vom 26. Febr. 1862 gebiert er lebendige 
Junge. Es wurde nämlich ein Proteus aus der Magdalenengrotte in 
eine Flasche gesteckt und alsbald fand sich neben ihm ein kleines 
unregelmässiges Thierchen. Apotheker Gottsberg in Adelsberg kaufte 
die Mutter mit dem Jungen. Letzteres war 1!/,‘ lang, so dick wie 
ein Baumwollenfaden, von blasser rosenrother Färbung mit bläulichem 
Längsstreifen im Innern, mit dem Maule und Schwanze des Proteus, 
mit rothen Punkten an Stelle der Kiemen. Aber bald war das Thier- 
chen verschwunden, die gefrässige Mutter hatte es verschlungen, noch 
ehe ein Zoologe es gesehen. Krainz bemerkt, dass schon am Ende 
der vierziger Jahre ein Olm in einer Flasche ein Junges geboren und 
dasselbe ebenfalls darauf verzehrt habe. Fr. meint, dass in beiden 
Fällen kein junger Proteus vorhanden gewesen sein möchte. Hyrtl 
erhielt ersteres Exemplar in Spiritus zugesandt und die anatomische 
Untersuchung ergab, dass es ein Männchen war. In seinem Magen 
fand sich der verschlungene Annelide halb verdaut vor; welcher Gat- 
tung und Art liess sich nicht mehr ermitteln, auch ist aus der Adels- 
berger Grotte noch keine solcher Würm bekannt. Derselbe muss un- 
mittelbar vor dem Fange verschluckt sein, da erausgespien sich noch 
zwei Tage lebhaft bewegt hat. — (Wiener zool. botan. Verhandlyn. 
X1. 29 und 37.) Gl. 


Correspondenzblatt 
des 
Naturwissenschaftlichen Vereines 
für die 
Provinz Sachsen und Thüringen 


Halle. 
- 1863. Mai. Ne NV. 


Sitzung am 6. Mai. 
Eingegangene Schriften: 

1. Jahresbericht des naturhistorischen Landesmuseums für Kärnten. 
V. Klagenfurt 1862. 8°. 

2. Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift III. Band. Heft 3 
und 4. Würzburg 1862. 3°. 

3. Verhandlungen des botanischen Vereins für die Provinz Branden- 
burg. Heft 3 und 4. Berlin 1861 und 1862. 8°. 


Zur Autnahme angemeldet wird 
Herr H. A. G. Schubring, stud. philos. hier 
durch die Herren Männel, Feige und Giebel. 

Herr Köhring in Dietendorf hatte einen Buchenklotz einge- 
schickt, an welchem mehrere Zoll entfernt von der Oberfläche eine 
dort früher eingeschnittene XVII ausserordentlich schön und erhaben 
durch Fortwucherung zu erkennen war. 

Herr Giebel legt einige Spinnen aus Siam und Aegypten vor 
und characterisirt dieselben und ihre Verwandten näher (s. S. 329). 

Herr Feige spricht über die zum Theil schädlichen Substan- 
zen die man neuerdings dem Biere beisetzt, um den theuren Hopfen 
zu sparen, und es narkotisch zu machen, bezeichnet als solche Bella- 
donna, Hyoscyamus, Cocalskörner u. a., characterisirt die Wirkungen 
eines solchen verfälschten Bieres und giebt ein einfaches Mittel an, 
ihre Schädlickeit zu prüfen, indem man durch Abdampfung einen 
Extract daraus bereitet, diesen mit Mehl vermengt und daraus gefer- 
tigte Pillen einem kleinen Thiere, z. B. einem Huhne eingibt. Die 
Art des Giftes selbst zu ermitteln ist wegen der geringen Quantitä- 
ten nicht gut möglich. Andere, weniger nachtheilige Beimischungen 
die dem Biere Reiz verleihen sollen, bestehen in Mezereum, Capsi- 
cum u. a. 

Sitzung am 13. Mai. 

Eingegangene Schriften: 

1. Zwölfter Bericht des geognostisch-montanistischen Vereines für 
Steiermark. Gratz 1863. 80, 


484 


2. Verhandlungen der Gesellschaft von Freunden der Naturwissen- 
schaften in Gera I. 1858—62. Gera 8°. 
Als neues Mitglied wird ‚proklamirt 
Herr H. A. G. Schubring, stud. phil. hier. 


Herr Giebel legt das Obisium troglodytes, einen augenlosen 
Bewohner der Adelsberger Grotte vor und gedenkt einiger anderer 
sonderbarer Insekten, in der Höhlenfauna Kärntens. 

Herr Taschenberg zeigt die Pimplarier seiner Sammlung 
vor, erörtert ihre Stellung zu den übrigen Hymenopteren und macht 
auf die Punkte aufmerksam, in denen die Unterschiede der Gattungen 
und Arten zu suchen sind, wonach für letztere die Farben mehr be- 
rücksichtigt werden müssen, als bei ihrer Unzuverlässigkeit wün- 
schenswerth wäre. 

Herr Brasack macht Mittheilungen über Versuche, welche 
Herr Heckert hier mit buntstreifigen Glasscheiben zur Verbesserung 
der Gewächshäuser angestellt hat; dieselben sind noch nicht zum 
Abschluss gekommen. | 


Sitzung am 20. Mai. 


‚Zur Aufnahme angemeldet wird 
Herr Dr. Guckelberger, Fabrikdirector in Ringkuhl 

am Hirschberge unweit Kassel durch die Herren Zincken, Giebel 
und Taschenberg. 3 

Das November- und Decemberheft der Zeitschrift liegt zur Ver- 
theilung vor. 

Herr Zincken legt Braunkohle vom nordwestlichen Theile des 
Westerwaldes vor. Sie sind meist bedeckt von Thonen, Letten und 
Sand, bestehen zum Theil aus reinen Ligniten, die mit der Axt ge- 
spalten werden müssen und durch Politur ein ebenholzartiges Anse- 
hen erhalten, bestehen aus Coniferen, besonders dem Taxites ponde- 
rosus Göpp und führen interessante Ueberreste von Wirbelthieren, 
besonders Salamandern, Fröschen, Kröten etc. auch von Insekten. 
An diese Mitteilungen knüpfte sich eine längere Discussion über die 
Entstehungsweise dieser Kohlenformation. 

Herr Weitzel I. gedenkt eines Zeitungsberichtes, wonach bei 
Hull in 20 Fuss Tiefe ein verkohlter Wald gefunden sein soll mit 
Eichenstäimmen von 20 Fuss Durchmesser. Bei dieser Gelegenheit 
schildert Herr Steinbeck grosse Sandhügel bei Magdeburg, die er 
für Dünenbildungen erklärt und die ebenfalls bei 3 Fuss Tiefe Vege- 
tation von kohlenartiger Beschaffenheit erschlossen. 

Herr Richter macht schliesslich auf die neuesten Versuche 
Foucault’s über die Geschwindigkeit des Lichtes aufmerksam und be- 
schreibt den Apparat, mit welchem sie angestellt wurden. Nach die- 
sen Untersuchungen würde uns die Sonne !/s, näher sein und die bis- 
her geltenden astronomischen Theorien einen Stoss erhalten. Es wurde 
indess die Genauigkeit der Geschwindigkeitsmessungen des Lichtes 
angezweifelt. 


485 


Zwanzigste Generalversammilung. 


Halle, am 26. und 27, Mai. 


In dem freundlichst bewilligten und schön decorirten Saale der 
vereinigten Berggesellschaft versammelten sich folgende Herren zur 


Theilnahme an den Verhandlungen: 


F.W.v. Bassewitz, Landrath a.D. 

Dr. C. Giebel, Professor. 

R.Chop, Rechtsanwalt, Sondershsn. 

Dr.H. Schaeffer, Professor, Jena. 

G. Schubring, stud. math. 

Dr. M. Siewert, Decent. 

Dr. W. Weitzel, Oberlehrer. 

G. Gross, stud. phil., Leipzig. 

L. Möller, Hauptlehrer, Mühlhau- 
sen. 

W. Dietrich, Kaufmann, Schafstädt. 

E. Taschenberg, Dr. phil. 

A. Trotba, Oberlehrer. 

A. Hellwig, Oberlehrer, Erfurt. 

O. M. Schimpf, Lehrer. 

Finsch, Lehrer. 

Dr. W. Heintz, Professor. 

RB. Teuchert, stud. math. | 

A. W. Richter, stud. rer. nat. 

Dr. A.Schreiber, Oberlehrer, Mag- 
deburg. 

C. Zincken, Civilingenieur. 

M. Anton, Buchhändler. 

W. Kahlenberg, Berg-Inspector. 

Dr. C. S. Cornelius, Docent. 

F. Tieftrunk, Assistent im chemi- 
schen Laboratorium. 

A. Janke, stud. math. et chem. 

L. Marschner, Lehrer. 

Dieck, Inspector. 

R. Dieck, Chemiker. 

H. Brodkorb, Apotheker. 

W, Schlüter, Kaufmann. 

Otto Unbekannt, Mechanikus. 

J. Meyer, stud. math. et phys. 


XXL 1863, 


L.Lichtenstein, Chemiker, Gröbzig. 
Dr. W. Bauer. 
Graeger, Buchhändler. 


Dr. H. Girard, Professor. 

Dr. v. Schlechtendal, Professor. 

Siemens, Bergassessor. 

Gruner, Lehrer. 

Dr. R. Heidenkain, Prof., Breslau. 

Dr. H. Welcker, Professor. 

C. v. Landwüst, Gerichtsrath. 

Dr. J. Kühn, Professor. 

Grünhagen, Rentier. 

Engelhardt, Hansel, Rathsherr, 
Bunzlau in Schlesien. 


"Emil Kühn, Waisenlehrer, Pirna. 


Rud. Steinbeck, Bau-Inspector. 

Gustav Weisker, Student. 

August Abel, Student. 

Bruno Drenckmann, Dr. phil. 

Chr. Hankel, Lehrer. 

v. Schreeb, R.-Rath a. D., Schkeu- 
ditz. 

G. Kleemann, Meckaniker. 

Dr. Kayser, pract. Arzt. 


Dr. Francke, Apotheker. 
Stippius, Rentier. 

Winkler, Gerichtsrath. 
Heithaus, Magdeburg. 

C. v. Pfuel. 

Dr. Pfundiy, Jena. 

O. Bucerius, Kaufmann. 

H. Koestler, Lehrer, Naumburg. 
C. H. Müller, Lehrer. 

A. Garcke, Dr. phil., Berlin. 


33 


486 


E. Abbe, Dr. phil., Jena. O. v. Beuermann, Ober-Präsident. 
Wolff, Kreis- Baumeister. Dr. J. Schaller, Professor. 

G. A. Haweck, Lehrer. Dr, A. Mann, pract. Arzt. 

B. Böhme, Lehrer. Dr. Pott, Professor. 


Dr. Snell, Hofrath und Professor, | Dr, R. Volkmann, Professor. 
Dr. Jul. Rosenbaum, pract. Arzt. 


Der Vorsitzende Hr. Giebel eröffnete die Versammlung mit 
folgender Ansprache: 

Hochgeehrte Herren! Zehn Jahre sind verflossen, seit Sie ei- 
ner Einladung des hallischen Vereines folgend, sich hier versammelten, 
um die Satzungen festzustellen, welche unsere gemeinschaftliche Thä- 
tigkeit regeln sollten. Die Vereinbarung geschah schnell, denn ein 
und dasselbe Bedürfniss, das Streben nach ein und demselben Ziele 
führte uns zusammen. Wie in der Natur als dem Kosmos jedes Glied 
eine innere und nothwendige Beziehung zu allen übrigen und zum 
Ganzen hat, für sich allein aber nicht bestehen kann, wie der che- 
mische Process nicht ohne physische Grundlage möglich, das Pflan- 
zenreich nicht ohne die Thierwelt, das Säugethier als Mierokosmos 
nicht ohne Gehirn oder Herz existiren kann, in einer ebenso innigen 
und nothwendigen Beziehung zu einander stehen die verschiedenen 
naturwissenschaftlichen Disciplinen und ketten auch ihre Vertreter 
eng und fest an einander. In ‘unserer Beschränktheit freilich 'sind 
wir genöthigt jedes Glied, jeden kleinsten Theil eines Gliedes aus 
seinem natürlichen Zusammenhange herauszureissen und zu zerstöreh, 
um seine Wesenbeit zu erforschen. Aber gerade diese gründliche 
Erkenntniss der Einzelnheiten befriedigt uns nicht, sie lässt vielmehr 
unsere Beschränktheit uns erst recht empfinden, wir verlangen nun 
auch die allseitigen Beziehungen dieses kleinsten Theiles zu allen üb- 
rigen und zum Ganzen klar zu durchschauen. Es befriedigt uns kei- 
neswegs als eifrige und geschickte Handwerker den Ausbau des rie- 
sigen Gebäudes der Naturwissenschaft zu fördern, wir sind stolz 
genug uns zugleich als Herrn desselben zu fühlen und beanspruchen 
eine Einsicht in den ganzen Plan des Gebäudes und ‘dessen Ausfüh- 
rung. Solchem Drange, mag er noch so eigemnützig sein, folgend, 
theilt Jeder bereitwillig seine Beobachtungen und Forschungen mit 
und macht sie zum Gemeingut, verlangt dafür aber auch vollen Be- 
sitz des fremden Eigenthumes. Persönlicher Verkehr erleichtert und 
sichert diesen Austausch des gegenseitigen Besitzthumes. In unserer 
aufgeklärten Zeit hat nicht minder jeder wahrhaft Gebildete den Drang 
durch eine Erkenntniss wenigstens der allgemeinen Naturgesetze und 
Erscheinungen sich von der Knechtschaft zu befreien, in welcher die 
Natur jeden Menschen durch ihre materielle und physische Gewalt 
gefangen hält. Die naturwissenschaftlichen Vereine erfreuen sich da- 
her des besonderen Vorzuges nicht blos Fachmänner, bewährte Ver- 


487 


treter und rüstige Jünger der Wissenschaft zusammenzuhalten, auch 
der Gebildete jeglichen Alters und jedweden Berufes findet in ihren 
Bestrebungen Befriedigung und zugleich den sichersten Schutz gegen 
Beschränktheit und Einseitigkeit. — Zehn Jahre ist unser Verein thä- 
tig, ein fast verschwindend kleiner Zeitraum in der Geschichte der 
Menschheit und deren geistiger Entwicklung, aber ein gewichtiger 
Abschnitt im Leben des Individuums und gerade dieses Decennium 
auch ein sehr bedeutungsvolles in dem Fortschritte unserer Wissen- 
schaft. Ich brauche nur auf die gegenwärtige Planetenwelt, auf die 
Spectralanalyse, auf die Typentheorie der organischen Verbindungen, 
auf die Befruchtung der Pflanzen und die Entwickelungsgeschichte 
der niedern Thiere hinzuweisen, um sie auf die gewaltige Erweite- 
rung unserer Erkenntniss der Natur während der letzten Jahre auf- 
merksam zu machen. Unser Verein hat diesen Fortschritt im engen 
Kreise seiner wöchentlichen Versammlungen, in dem weitern seiner 
wandernden Generalversammlungen mit dem lebhaftesten Interesse 
verfolgt und denselben durch seine Zeitschrift schnell zum Gemein- 
gut aller Mitglieder gemacht. Aber auf diese eigennützige Theil- 
nahme an den Fortschritten der Wissenschaft allein beschränkte 
sich keineswegs unsere Thätigkeit, wir haben vielmehr durch eigene 
Beobachtungen und Forschungen ganz nach Massgabe unserer beschei- 
denen Kräfte und Mittel alle Theile unserer umfangreichen Wissen- 
schaft unmittelbar gefördert und dürfen auch nach dieser Seite hin 
mit Befriedigung die zwanzig Bände unserer Zeitschrift und die zwei 
Bände unserer grossen Abhandlungen durchblättern. — Hochgeehrte 
Herren, Sie wählten bei der Begründung unseres sächsich -thüringi- 
schen Vereines Halle zum Sitz desselben, weil es den günstigsten 
Mittelpunkt im grossen Vereinsgebiete bildet und im Besitze der 
reichsten wissenschaftlichen Hülfsmittel ist, auch in der ernsten Pflege, 
welche es von jeher den Naturwissenschaften gewidmet hat, eine 
Gewähr für diese neuen gemeinschaftlichen Bestrebungen bot. Indem 
Sie nach den ersten zehn Jahren unserer Vereinsthätigkeit sich aber- 
mals hier versammeln, nehmen wir für uns das Zeugniss in Anspruch, 
das Halle Sie in Ihren Erwartungen nicht getäuscht hat. Empfangen 
Sie dafür den innigsten Dank, den ich Ihnen im Namen des Vorstan- 
des und aller hallischen Mitglieder ausspreche. Wir wünschen und 
hoffen, dass auch diese zwanzigste Generalversammlung durch gegen- 
seitige Belehrung die persönlichen Bande unseres Vereinslebens fe- 
ster knüpfen wird zu einer gesteigerten Thätigkeit für das zweite 
Jahrzehnt. Mit diesem Wunsche heisse ich Sie herzlich willkommen 
und erkläre die Versammlung für eröffnet. 


Sodann übergab derselbe folgende für die Vereins-Bibliothek 
eingegangene Schriften: 
1. Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in 


den königlich preuss, Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde, 
Berlin 1863. No, 13—16. 4°, 


33 * 


ID 


14. 


15. 


16. 


17. 


18, 


19. 


488 


Zeitschrift für Acclimatisation. Organ des Acclimatisations-Ver- 
eines für die kgl. preuss. Staaten. 1862. Juli bis Dezbr. Berlin 
1863. 8°. und 1863. No. 1—3. 


. Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. XV. 1. Ber- 


lin 1863. 89. 

Sitzungberichte der kgl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaf- 
ten in Prag 1862. Prag 1862. 8°. 

Jahresbericht des physikalischen Vereines in Frankfurt am Main 
1861—62. 8°, 

Correspondenzblatt des Vereines für Naturkunde zu Presburg. I. 
1862. Presburg. 8°. 


. A. Kiralyi Magyar Termeszettueomanyi Tarsulat Közlönye. 1862. 


Pesten 1863. 80, 


Bi 
. Verhandlungen u. Mittheilungen des siebenbürgischen Vereines für 


Naturwissenschaften zu Hermannsstadt. XIII. Hermannstdt. 1862. 


» Jahrbuch der kk. geologischen Reichsanstalt in Wien 1863. XIII. 


1. und Generalregister der ersten 10 Bände. Wien 1863. 4°. 


. Vierteljahrsschrift der naturforschenden Gesellschaft in Zürich. 


IV. und V, Zürich 1859. 60. 8°. 
The Quarterly Journal of the geological Society. XIX. 1. Lon- 
don 1863. 80°. 
Bulletin dela Societe geologique de France. 2 serie. XIX. 46— 
58, XX. 1-5. Paris 1861—63. 80, 
H. M. Brunner, sanitätliche Bedenken gegen die Lagerung von 
von Leichenäckern in zu grosser Nähe der Städte mit besonderer 
Berücksichtigung der Lage des katholischen Friedhofes zu Augs- 
burg. Erlangen 1863. 8°. 
R. Geist, Methode der qualitativen chemischen Analyse von Sub- 
stanzen, welche die häufiger vorkommenden Elemente enthalten. 
Halle 1863. 8°. 
C. G. Giebel, die Naturgeschichte des Thierreiches. IV. Band: 
Gliederthiere. Leipzig 1863. 8°. 
C. Hull, das Grundgesetz der Materie. Ein Beitrag zur Erwei- 
terung, der rationellen Physik. Oldenburg 1863. 8°, 
A. Gether, Anmerkungen zu Gedanken über die Naturkraft. Ol- 
denburg 1863. 8°. 
H. Weber, über die Bestimmung des galvanischen Widerstandes 
der Metalldrähte aus ihrer Erwärmung durch den galvanischen 
Strom nach absolutem Masse. Leipzig 1863. 4°. 
E.A.Knorr, Studien über dieBuchenwirthschaft. Nordhsn. 1863. 80, 
No. 13—19 Geschenke der Herrn Verfasser. 
Als neues Mitglied wird proclamirt: 
Hr. Dr. Guckelberger, Fabrikdirector in Ringkuhl am 
Hirschberge unweit Kassel. 
Zur Aufnahme angemeldet: 
Hr. G. Gross, stud. der Bergwissenschaften in Leipzig, 


durch die Herren Möller, Giebel und Taschenberg. 


489 


Hierauf erstattete Herr Giebel den Verwaltungsbericht des 
Vorstands über das Jahr 1862 mit einem Rückblicke auf das damit vol- 
lendete erste Jahrzehnt des Vereins: 

Unsere Einnahme im Jahre 1862 betrug 573 Thaler und zwar 
464 Thaler Jahresbeiträge, wovon jedoch 72 Thaler Restanden sind, 
9 Thaler Eintrittsgelder neu aufgenommener Mitglieder und 100 Tha- 
ler Unterstützung des hohen Cultus-Ministeriums für die Herausgabe 
der beiden ersten Bände der Quartabhandlungen. 

Die gleichzeitige Ausgabe stellte sich auf 615 Thaler 21 Gr. 
1 Pf., nämlich früheres Deficit und Ausfälle restirender Beiträge 
154 Thaler 10 Gr. 10 Pf,, Zuschuss zum Druck der Zeitschrift und für 
Lithographien 342 Thaler 6 Gr. 3 Pf., Buchbinderarbeiten 12 Thaler 
8 Gr. 3 Pf., Miete, Botenlöhne, Porto, Insertionen, Büraukosten 
58 Thaler 29 Gr. 9 Pf. und Redaktionsgebühren 48 Thaler. 

Hiernach ergab sich am Schlusse des Jahres ein Deficit von 
42 Thalern 21 Gr. 1 Pf., welches voraussichtlich im laufenden Jahre 
vollständig gedeckt werden wird. Der Vorstand hat die 20 Bände 
der Zeitschrift für neu eintretende Mitglieder auf zehn Thaler herab- 
gesetzt und hofft mit dieser Preisermässigung vielen jüngern Mit- 
gliedern Veranlassung zu geben sich in Besitz der ganzen Zeitschrift 
zu setzen, zugleich auch dem Vereine die Mittel zu verschaffen um 
den seit zwei Jahren unterbrochenen Druck der Quartabhandlungen 
wieder aufnehmen zu können. 

Von den 266 wirklichen Mitgliedern und 15 correspondirenden, 
welche der letzte Bericht zählte, gingen ab 28 und neu aufgenommen 
wurden 16, so dass eine Verminderung von 12 stattgefunden hat. 

Die Bibliothek erhielt durch den regelmässigen Tauschverkehr 
mit 76 Instituten und Gesellschaften wieder sehr werthvolle Fortset- 
zungen ihrer periodischen Schriften. Neue Tauschverbindungen 
würden angeknüpft mit der geologischen Gesellschaft in Paris, der 
kk. Gesellschaft in Cherburg, der Akademie in Padua und mit dem 
Gewerbe-Verein in Hannover. Auch an Recensions-Exemplaren und 
einzelnen Geschenken gingen schätzenswerthe Bereicherungen ein, 
unter letztern verdient die Fortsetzung von H. Karsten’s Flora Co- 
Jumbiae und der botanische Theil von W. Peter’s Reise nach Mossam- 
bique, beide kostbare Geschenke des hohen Cultus- Ministeriums hier 
einer besondern Erwähnung. Die Zugänge wurden im monatlichen 
Correspondenzblatt regelmässig zur Kenntniss der Mitglieder gebracht. 
Die Benutzung der Bibliothek war wie in den Vorjahren eine sehr 
ausgedehnte. 

Die übrigen Sammlungen des Vereins erhielten keine erwäh- 
nenswerthen Zugänge. 

Die öffentlichen Versammlungen hier in Halle erfreuten sich 
einer lebhaftern Betheiligung als im letztvergangenen Jahre, woge- 
gen die beiden General-Versammlungen in Erfurt und Suderode haupt- 
sächlich durch die Ungunst der Zeitverhältnisse minder zahlreich be- 


490 


sucht waren als irgend eine frühere, Ueber die Verhandlungen ın 
diesen Versammlungen erstattete das Correspondenzblatt der Zeit- 
schrift regelmässigen Bericht. 

Von der Zeitschrift wurden‘ der 19. und 20. Band vollendet. 
Dem letztern ist ein Inhaltsregister über alle 20 Bände und die frü- 
hern fünf Jahresberichte beigegeben worden, dessen sehr zeitraubende 
Bearbeitung den Abschluss des Bandes bis in diesen Monat verzö- 
gerte. Mit demselben ist die Benutzung des sehr reichen Materials 
wesentlich erleichtert. — Dıe Fortsetzung der Quartabhandlungen 
konnte bei dem seitherigen ungünstigen Stande der Kasse noch nicht 
wieder aufgenommen werden. Da wir jedoch hoffen dürfen im lau- 
fenden Jahre die Ausfälle gänzlich zu decken: so werden wir auch 
diesen sehr wichtigen Publikationen demnächst einen dritten Band 
folgen lassen können. An Material ist dazu bei der regen Thätigkeit 
der Mitglieder kein Mangel. 

Am Schlusse des Jahres trat Herr Heintz von der Redaktion 
der Zeitschrift urd als Vorsitzender vom Vorstande zurück, nachdem 
er seit dem Bestehen des Vereines seine rege Thätigkeit in der un- 
eigennützigsten Weise den Vereinsbestrebungen dargebracht hat. 
Seine gesteigerte amtliche Thätigkeit gestattet ihm nicht mehr den 
seitherigen grossen Zeitaufwand dein Vereine zuzuwenden, aber er 
entzieht ihm seine thätige Mitgliedschaft nicht. Herr Siewert ist für 
ihn als Redakteur und Vorsitzender eingetreten. Zugleicher Zeit über- 
gab unser Verleger Herr Bosselmann in Berlin sein Verlagsge- 
schäft an die Herren Wiegandt und Hempel daselbst. Er hat un- 
sere Publikationen mit lebhafter Theilnahme und in der liberalsten 
Weise gefördert. Der Verein wird den Dank, den er Herrn Heintz 
und Herrn Bosselmann für die langjährigen grossen Opfer schul- 
dig ist, nimmer vergessen können. 

Mit diesem ersten Berichte schliesst das erste Decennium un- 
seres sächsischthüringischen Vereines ab und ist dieser Zeitpunkt 
wohl geeignet einen Blick auf die Resultate der zehnjährigen Thätig- 
keit zurückzuwerfen, um so mehr da sehr viele Mitglieder die wenn 
auch erst kurze Vergangenheit des Vereins nicht kennen. 

Der Verein erzielte in den zehn Jahren eine Gesammt-Einnahme 
von rund 5500 Thalern und verwendete davon für Druckarbeiten 
3120 Thaler, für Lithographien 890 Thaler, für Buchbinderarbeiten 
172 Thaler, für Miete, Porto, Botendienste und andere geschäftliche 
Ausgaben 916 Thaler, endlich für Redaktionsarbeiten 440 Thaler. 

Die Herstellungskosten der 20 Bände der Zeitschrift (Satz, 
Druck, Papier, Lithographien, Buchbinderarbeiten) dagegen belaufen 
sich auf 10000 Thaler, die der beiden Bände Abhandlungen auf 2000 
Thaler, rechnen wir dazu noch die nicht honorirten Correcturen und 
Registerarbeiten einschliesslich der beiden Kataloge der Vereins- 
bibliothek im niedrigsten Ansatz mit 1300 Thalern, so betragen die 
Kosten unserer Publikationen ohne Honorar der wissenschaftlichen 
Arbeiten 13300 Thaler, von welcher Summe der Verein selbst nur 


491 


4450 Thaler, also den dritten Theil aufgebracht und gedeckt hat, 
Der buebhändlerische Ladenpreis der 20 Bände der Zeitschrift stellt 
sich auf 562/; Thaler, der Abhandlungen auf 45 Thaler, während die 
Mitglieder jene für 20 Thaler, diese für 18 Thaler erbielten und den 
neu eintretenden Mitgliedern erstere jetzt für 10 Thaler vom Vor- 
stande geliefert werden. 

Unser Verein bietet hiernach den Mitgliedern in den monatli- 
chen Heften seiner Zeitschrift das wohlfeilste und vollständigste Re- 
pertorium für gesammte Naturwissenschaften, zugleich das einzige 
in diesem Umfange jetzt erscheinende. Aber er hat sich weiter auch 
durch dieselbe und die Abhandlungen mittelst eines ausgebreiteten 
Tauschverkehrs eine sehr werthvolle wissenschaftliche Bibliothek er- 
worben. welche durch Kataloge allen Mitgliedern zugänglich ist. De- 
ren grösster Werth besteht in den vielen Bändereichen akademischen 
und Gesellschaftsschriften, ausserdem aber enthält sie auch einzelne 
schätzbare monographische Werke in allen Abtheilungen und eine ge- 
diegene Unterhaltungs-Literatur. Die Ausgabe für Buchbinderlohn, 
Porto und Repositorien wurden mit 280 Thalern bestritten. Sie lei- 
stet den mit eigenen Forschungen beschäftigten Mitgliedern wesent- 
liche Dienste und wird ebenso von den blos Belehrung, Anregung und 
Unterhaltung suchenden Mitgliedern fortwährend in erfreulich ausge- 
dehntem Masse benutzt. 

Die übrigen Sammlungen des Vereins, ohne alle Geldmittel 
nur auf Geschenke angewiesen, sollen sich zunächst nur auf das Ver- 
einsgebiet beschränken. Sie befinden sich noch in den ersten An- 
fängen, enthalten aber doch schon einzelnes werthvolles Material, wel- 
ches zu Arbeiten in den Vereinsschriften benutzt worden ist. Das 
kleine Herbarium, die oryktognostische und geognostische Sammlung 
sind geordnet, die paläontologische erst theilweise, für die übrigen 
Abtheilungen sind nur vereinzelte Präparate vorhanden. 

Zu wissenschaftlichen Verhandlungen versammelte sich der Ver- 
ein in den zehn Jahren 410 Male, also durchschnittlich in 41 Sitzun- 
gen jährlich. In denselben wurden 920 Vorträge und Mittheilungen 
gegeben, deren Gegenstände sich auf sämmtliche Gebiete der Natur- 
wissenschaft vertheilen und zwar waren 47 allgemeinen Inhaltes, 120 
aus der Astronomie, Meteorologie und Physik, 116 aus der Chemie, 
16 aus der Technologie, 60 aus der Geologie und Geognosie, 35 aus 
der Mineralogie, 164 aus der Paläontologie, 35 aus der Botanik, 197 
aus der Zoologie und 72 aus der Physiologie. An diesen mündlichen 
Verhandlungen konnten sich selbstverständlich stets nur wenige Mit- 
glieder betbeiligen, an den wöchentlichen in Halle durchschnittlich 
der dritte und vierte Theil von den hier ansässigen 70 bis 80, an 
den wandernden General- Versammlungen kaum der sechste Theil 
aller. Letztere Versammlungen so wie die zeitweiligen ‚öffentlichen 
Sitzungen in Halle wurden stets von einer grossen Anzahl von Gä- 
sten besucht. 

Um den wissenschaftlichen Verkehr unter sämmtlichen Mitglie- 


492 


dern rege zu halten, druckt der Verein nicht blos den in allen na- 
turwissenschaftlichen Vereinen üblichen Bericht über seine Verhand- 
lungen, sondern erstattet zugleich in den monatlichen Heften seiner 
Zeitschrift Bericht über alle neuen wichtigen Forschungen und Ent- 
deckungen, wodurch den Mitgliedern Gelegenheit gegeben wird den 
Fortschritten unserer grossen und vielgliederigen Wissenschaft im 
Einzelnen zu folgen. Solche Berichte erscheinen zwar ausführlicher 
in mehreren Fachjournalen und eigenen Jahrgängen, werden aber in 
dieser Form nur den Fachmännern zugänglich, während unsere Zeit- 
schrift unter Beschränkung auf das wichtigste und nächstliegende De- 
tail dieselben zusammenfasst und sie innerhalb und ausserhalb des 
Vereines allen denen auf die bequemste und wohlfeilste Weise dar- 
bringt, welche weder Zeit noch Gelegenheit haben ihre Belehrung 
aus der Fachliteratur zu schöpfen. Dazu bringt unsere Zeitschrift in 
den Monatsheften stets auch Originalaufsätze von Mitgliedern und 
Nichtmitgliedern und in den Quartabhandlungen veröffentlichten wir 
daneben eine Reihe grösserer monographischer Arbeiten. Das Ur- 
theil über diesen Theil unserer Thätigkeit ist längst in dem Beifalle 
ausgesprochen, mit welchem dieseiben in der wissenschaftlichen Welt 
aufgenommen worden sind. 

So können wir mit Befriedigung auf die Resultate unserer Thä- 
tigkeit zurückblicken und dürfen ohne uns dem Vorwurfe der An- 
massung auszusetzen, behaupten, dass keiner der zahlreichen Local- 
und Landesvereine so viel — keineswegs so grosses massen wir 
uns an — geleistet hat, als der unsere mit seinen sehr beschränkten 
Mitteln und seinen doch nur bescheidenen Kräften. Aber wir alle 
sind gewiss weit entfernt in diesen erfreulichen Resultaten schon die 
Lösung unserer gemeinschaftlichen Aufgabe erkennen zu wollen, es 
ist vielmehr nur ein befriedigender Anfang zu derselben. Wir wol- 
len zunächst in unserm Vereinsgebiete die Naturwissenschaft verbrei- 
ten, Tausende aber sind in demselben, welche Interesse an ihr neh- 
men, und doch konnte sich unsere Mitgliederzahl in zehn Jahren noch 
nicht dauernd auf 300 erheben, während andere Vereine mit engerm 
Gebiete und viel beschränkterm Interesse für die einzelnen Mitglie- 
der längst schon deren mehr denn Tausend zählen. Wir wollen fer- 
ner die natürlichen Verhältnisse unseres Vereinsgebietes erforschen, 
aber bis jetzt veröffentlichten wir alljährlich nur ganz vereinzelte 
Forschungen und vieles sehr vieles ist nach dieser Seite hin der Ver- 
einsthätigkeit noch vorbehalten. Unsere Zeitschrift soll zugleich an- 
regend wirken auf solche, welche der strengen Forschung fern stehen 
aber sie pflegt vorherrschend die Detailstudien nnd bringt nur hin 
und wieder allgemein unterhaltende, populäre Mittheilungen. Warum 
erzielten wir nach diesen Richtungen hin keine günstigern Resultate? 
— Viele, welche in andern Gebieten dem Landesvereine sich an- 
schliessen, finden oder suchen auf unserm Gebiete für ihre speciellen 
Bedürfnisse anderwärts die Befriedigung, welche sie leichter, beque- 
mer, erfolgreicher in unserm Vereine haben könnten. Andere verfol- 


493 


gen Interessen, welche der Verein bei seinen bisher beschränkten 
Mitteln, unzureichenden Kräften, ungenügender Veranlassung noch gar 
nicht oder nur zu dürftig pflegen konnte. Auch ist an viele Orte 
die Kunde unserer Thätigkeit, unserer gemeinsamen Bestrebungen 
noch gar nicht gedrungen, wir mussten in Zeitungen das Bedauern 
lesen, dass für den Harz, für den Thüringerwald kein Organ, kein 
Verkehrspunkt existire, durch welchen vereinzelte Forschungen ver- 
werthet, isolirt lebende Beobachter verbunden würden. Alle derar- 
tigen Hindernisse, welche der weitern Ausdehnung unseres Wirkungs- 
kreises bis jetzt entgegenstanden, sind beseitigt, sobald alle Mitglie- 
der durch den Verein nicht blos in eigennütziger Weise ihre indivi- 
duellen Bedürfnisse zu befriedigen suchen sondern mit denselben zu- 
gleich die allgemeinen Interessen des Vereins fördern und pflegen, 
soweit sie dazu eben Kraft und Mittel, Veranlassung und Gelegenheit 
haben. Unser Verein ist ein auf Gegenseitigkeit begründeter und 
nur von dieser getragenes Institut, der Vorstand allein und mit Hülfe 
noch einiger uneigennütziger und eifriger Mitglieder kann nicht den 
vielen und vielseitigen Bedürfnissen Befriedigung gewähren. Dazu 
gehören grössere Mittel und mehr Kräfte. Die bis jetzt erzielten 
Resultate aber bieten gewiss eine ausreichende Garantie, dass der 
Verein, wie er an Umfang und Ausdehnung, an materiellen und gei- 
stigen Kräften gewinnt auch entsprechend seine Leistungen steigern 
wird und dass mit ihm durch das Zusammenwirken Aller oder auch 
nur eines grossen Theiles derer, welche auf unserm weitem Gebiete 
ein mehr oder minder ernstes Interesse an den Naturwissenschaften 
nehmen, bedeutendes für die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kennt- 
nisse und für den unmittelbaren Fortschritt der Wissenschaft zu er- 
zielen ist. Mögen daher alle Mitglieder neben der Verfolgung ihrer 
individuellen Bedürfnisse stets auch der schönen und grossen allge- 
meinen Aufgabe des Vereins sich bewusst sein, das Resultat der ge- 
meinschaftlichen Thätigkeit im zweiten Decennium wird gewiss auch 
eine höhere Befriedigung gewähren. — 

Die Herren Hellwig und Schreiber nehmen die Wahl als 
Revisoren des Kassenberichts an. 

Im Auftrage des Vorstandes schlägt Hr. Giebel folgende Herrn 
zur Ernennung zu correspondirenden Mitgliedern vor, indem er be- 
merkt, dass der sächsisch-thüringische Verein bei seiner Begründung 
die Correspondenten des damaligen hallischen Vereines übernommen, 
selbst aber noch keine ernannt habe, jetzt nach zehnjährigem Beste- 
hen sei es wohl an der Zeit den Männern, welche unsere Bestrebun- 
gen gefördert und deren Verdienste um die Wissenschaft wir beson- 
ders hochachten, auch das äussere Zeichen unserer Anerkennung dar- 
zubringen. Die Herren sind: 

Professor Dr. H. Rose in Berlin, 
Geheimrath Prof. Dr, G. Rose in Berlin; 

4 „ Dove in Berlin, 
Profeisor Dr. Alexander Braun in Berlin, 


494 


Professor Dr. W. Peters in Berlin, 


& „ RB. Blum in Heidelberg, 

» „ . Oswäld Heer in Zürich, 

ce „ Caspary in Königsberg, 

Sn „Ferdinand Römer in Breslau, 
> „ F. Unger in Wien, 

Pr „ Hugo v. Mohl in Tübingen, 

h „ E. H. Weber in Leipzig, 


Dr. Fr. Brendel in Peoria (Illinois), 
Professor Dr. R. A. Philippi in Santjago, 


u „ Löw in Meseritz, 
> „ 4A. W. Hofmann in London, 
n »  R. Bunsen in Heidelberg, 


H ». Wurtz in Paris, 

Durch ein eben eingehendes Telegramm entbieten die Freunde 
der Naturwissenschaften in Gera der Versammlung ihren Gruss und 
laden die nächste Pfingstgeneralversammlung nach Gera freundlichst ein. 

Der Vorsitzende übernimmt es nach der morgen statt finden- 
den Wahl des Versammlungsortes den Dank für. den Gruss und die 
Einladung brieflich auszusprechen. 

Herr Heintz sprach über absolute Isomerie und chemische 
Structur. Mit dem Namen der absoluten Isomerie bezeichnet der- 
selbe den Fall der Isomerie, wobei Körper von verschiedenen Eigen- 
schaften nicht nur dieselbe Anzahl Atome derselben Elemente vorhan- 
den ist, sondern auch die Anzahl derselben Radicale.. Die gewöhnli- 
chen isomeren Körper enthalten nämlich entschiedene Radicale. Die 
Summen aber der Atome der Elemente sind bei denselben einander 
gleich. Bei den absolut isomeren Körpern muss dagegen der Grund für 
ihre verschiedenen Eigenschaften in etwas Anderem gesucht werden 
als in der Verschiedenheit ihrer Radicale. Man kann ihn nur in der 
verschiedenen chemischen Structur finden. 

Man stellt sich vor, dass bei dem absolut isomeren Körper die 
Lage der Radicale innerhalb der Moleküle verschieden ist, Wäre sie 
gleich, so wäre gar kein Grund für die verschiedenen Eigenschaften 
derselben vorbanden. Um dieser verschiedenen Lagerung willen sind 
denn auch die Zersetzungsproducte derselben verschiedene. Isomere 
Körper, bei denen die Lagerung der Atome oder Radicale verschie- 
den ist, haben also verschiedene chemische Struktur. 

Schon früher hat Herr Heintz auf soiche absolut isomere Kör- 
per hingewiesen. Jetzt ist es ihm gelungen eine mit der früher 
von ihm entdeckten Diglycolamidsäure absolut isomere Säure darzu- 
stellen, die Diglycolaminsäure. Sie ist die Aminsäure der ebenfalls 
von ihm entdeckten Diglycolsäure. 

Unterwirft man dies saure diglycolsaure Ammoniak der trock- 
nen Destillation so schmilzt es, es entweicht ein schwaches ammonia- 
kalisches Wasser und es geht eine farblose beim Erkalten bald fest 
werdende Flüssigkeit über, welche das Diglycolamid ist. 


495 


Diese Substanz krystallisirt aus der wässerigen oder alkaholi- 
schen Lösung beim Erkalten aus langen seidenglänzenden Nadeln, die 
sich schon in der Wärme des Wasserbades langsam verflüchtigen 

und in Form feiner Nadeln sublimiren. 


Das Diglycolimid ist der Formel u 


H gemäss zusam- 
mengesetzt. 

Versetzt man ein Gemisch von Diglycolimid und Wasser mit 
der aequivalenten Menge Barythydrat, dampft die Lösung in sehr 
gelinder Wärme ein, zieht eiuen Rest von Diglycolimid mit Alkohol 
aus und krystallisirt das dann nicht lösliche, welches ein Gemenge 
von diglyeolaminsaurem Baryt und diglycolaminsauren Ammoniak ist, 
aus der Lösung in verdünntem Alkohol um, so erhält man jenes Ba- 
rytsalz rein. Zersetzt man dasselbe genau durch Schwefelsäure, so 
enthält die Flüssigkeit die Diglycolaminsäure, welche aus der wässe- 
rigen Lösung in grossen prismatischen Krystallen anschiesst, in Was- 
ser und Alkohol nicht ganz leicht löslich ist, bei 130—135° schmilzt 
und durch Kochen mit Kalk in diglycolsauren Kalk und Ammoniak 
zerlegt wird. 

Die Zusammensetzung dieser Säure kann durch die Formel 

£:H19? 
u 
| © oder besser durch die Formel N H 


H 
ausgedrückt werden, da aber das Radical Diglycolyl 6?H4®3 in der 
Diglyeolsäure aus zwei Atomen des Radicals Oxäthylenyl (G?H29) 
entstanden ist, so muss die Formei vielmehr sein 

£2H?2Q ) 
62H? ( 
N n}®' 

H 

H 
Aus dieser Formel folgt, dass diese Säure einbasisch ist, während die 

£?H29 | o 
H 


N(£H:92,H,N) 
H 


8 


mit ihr absolut isomere Diglycolamidsäure N< €?H29 | g ?weiba- 
H 
H 


sisch ist, was der Versuch in der That bestätigt. 

Wird Diglycolimid mit salpetersaurem Silberoxyd und dann 
mit Ammoniak versetzt, so entsteht ein weisser Niederschlag, der 
nicht das Silbersalz der Diglycolaminsäure, sondern Diglycolimidsilber 
: 6: H40° 
ist = N Ag ; 

Bei der Destillation der Diglycolsäure geht eine beim Erkalten 
erstarrende Flüssigkeit über, welche Wurtz, der sie zuerst beobach- 
tete, für eine eigene Pyrosäure hielt, Der Vortragende hat darge- 
than, dass dieselbe aus Diglycolsäure und einer kleinen Menge Gly- 
eolsäure besteht. Auserdem bilden sich dabei Kohlensäure, Kohlen- 
oıyd, Wasser und Wasserstoff, wahrscheinlich auch Methylen und 


496 


Kohle bleibt in der Retorte zurück. Ausserdem entsteht eine kleine 
Menge Dioxymethylen, welches aber möglicher Weise erst aus der 
zuerst erzeugten Glycolsäure gebildet sein kann. 

Der Vortragende zeigte die betreffenden Präparate vor, sowie 
andere, welche er bei einer Untersuchung über die Darstellung des 
Aethylamin’s aus dem Salpetersäureäthyläther und über die Scheidung 
der drei Amine des Aethyls mittelst Oxaläther erhalten hatte, worun- 
ter namentlich die noch nicht bekannte Diäthyloxaminsäure und die 
fast noch ganz unbekannte Aethyloxaminsäure, sowie Verbindungen 
derselben zu erwähnen sind. 

Hr. Bauer verbreitet sich über die Stellung der Naturwissen- 
schaften zur Philosophie, giebt einen geschichtlichen Ueberblick über. 
das Verhältniss, welches zu verschiedenen Zeiten zwischen beiden 
Wissenschaften bestanden hat und geht genauer ein auf ihre Stellung 
in der Gegenwart. Zum Schlusse hebt derselbe einige Punkte her- 
vor, in denen eine Annäherung und das Zusammenwirken beider mög- 
lich und zum Theil schon angebahnt ist, namentlich Bezug nehmend 
auf die psychophysischen Untersuchungen Fechners. 

Nach einer Pause theilt Hr. Giebel aus einem Schreiben von 
Herrn Burmeister in Buenos Aires 12. April 1863 die paläontolo- 
gischen Resultate von dessen Reise an den Rio Salado mit. Die an- 
gestellten Ausgrabungen daselbst lieferten Ueberreste von Toxodon, 
Equus curvidens, einen vollständigen Panzer von Glyptodon, mehre 
Skelettheile von Megatherium und von Mylodon robustus und M. Dar- 
wini, von letzterm auch die ganze mit eckigen Knochenstücken ge- 
panzerte Bauchhaut, deren Beschaffenheit Herr Burmeister näher 
schildert. 

Hierauf legt Derselbe die Schädel von Sus scropha und S. lar- 
vatus vor und macht auf deren Unterschiede aufmerksam, letztrer ist 
kürzer, mit ganz flachem scharfkantigen Nasenrücken, sehr kurzen 
Thränenbeinen, starkem Höcker auf den-obern Eckzahnalveolen; der 
erstere untere Backzahn fehlt, die Gaumenfläche erweitert sich nach 
vorn stark, die Felsenbeine erscheinen sehr stark comprimirt mit ho- 
her lamellenartiger Leiste vor dem Zitzenbeinfortsatze, die Pflugschar 
mit schneidender Leiste, der Unterkiefer kurz und kräftig. Diese 
Eigenthümlichkeiten bestätigen die auf äussere Merkmale begründete 
specifische Trennung des Maskenschweines von dem Hausschweine. 

Hr. Siewert spricht über einen Theil unsrer Nahrungsmittel 
und zwar denjenigen, der Stickstofffrei ist und auch nicht zu den 
Kohlenhydraten gehört. Zuerst gab er eine Uebersicht über das Vor- 
kommen des Fettes in der Natur, sowohl im pflanzlichen als thieri- 
schen Organismus, und hob hervor, dass bisher nur in den niedrigst 
organisirten Thierklassen kein Fett gefunden sei. Sodann ist es be- 
merkenswerth, dass der Fettreichthum des Organismus in innigstem 
Zusammenhange mit dem Alter, Wachsthum, der körperlichen Be- 
schäftigung, besonders aber der geschlechtlichen Thätigkeit des In- 
dividuums steht. Dass auch Gemüthszustände, acute und chronische 


497 


Krankheiten sowohl des ganzen Körpers als einzelner Körpertheile 
abnorme Fettverminderung oder Vermehrung bedingen können, wurde 
ebenfalls erwähnt. Die Frage über den Ursprung, oder die Entste- 
hung der Fette im Körper wurde mit Liebig einmal dahin beantwor- 
tet, dass Fett sowohl mit unseren Nahrungsmitteln aufgenommen 
werde, als dahin dass es auch innerhalb unseres Organismus normal 
gebildet werden könne, wahrscheinlich durch Umbildung von Stick- 
stoffbaltigen Stoffen, wie z.B. der Muskeln; wofür verschiedene wis- 
senschaftlich festgestellte Thatsachen als Beweise angeführt werden. 
Die Verwerthung, die das Fett im Organismus findet, werde als eine 
dreifache bezeichnet, weil es 1. mechanisch als Polster, Stosskissen 
und zur Ausfüllung leerer Räume diene, 2. physikalisch ais schlech- 
ter Wärmeleiter, wegen seines geringeren specifischen Gewichts als 
Erleichterungsmittel für den Körper im Wasser, als Gelenkschmiere. 
3. chemisch-physiologisch als Quell der Erregung und Erhaltung der 
thierischen Wärme und Unterstützung der Verdauung. Es hat sich 
zwar ergeben, dass grössere Mengen Fett weder für sich, noch mit 
anderen Nahrungsmitteln leicht assimilirt werden, dass aber auch die 
Verdauung der letztern durch Mithülfe geringer Mengen Fett bedeu- 
tend erleichtert wird, und schneller erfolgt, als wenn das Fett völlig 
fehlt. In den Betreff des Fettüberganges aus dem Darmkanal in das 
Blutgefässsystem und von da in die Körpertheile musste der Vortra- 
gende sein Bedauern ausdrücken, nichts Näheres darüber mittheilen 
zu können, da über diese Vorgänge noch so gut wie gar nichts fest- 
gestellt ist. 

Hierauf wird die erste Sitzung geschlossen. Die Anwesenden 
vereinigten sich zu einem Mittagsmahle, unternahmen nach demselben 
eine Gondelfahrt nach Cröllwitz, wo die grossartige Papierfabrik und 
schönen Gartenanlagen des Herrn Commerzienrath Keferstein besucht 
wurden, während andere Theilnehmer Hrn. Volkmanns physiologisches 
Institut und das physikalische Kabinet besuchten. Abends fand ge- 
sellige Unterhaltung im Bad Wittekind bei Giebichenstein statt. 


Zweite Sitzung am 27. Mai, Vormittags 10 Uhr. 


Der Vorsitzende Hr. Giebel proclamirte 
Hrn. Georg Gross, stud. der Bergwissenschaften in 
Leipzig als wirkliches Mitglied. 


Die Ernennung correspondirender Mitglieder erfolgt nach 8.17. 
der Statuten durch Abstimmung mit zwei Drittel Stimmen der An- 
wesenden und wird auf Antrag des Herrn Volkmann über die von 
dem Vorstande in der gestrigen Sitzung vorgeschlagenen Herren im 
Einzelnen abgestimmt. Die Abstimmung ergibt nahezu, meist völlige 
Einstimmigkeit und proclamirt darauf der Vorsitzende als correspon- 
dirende Mitglieder die Herren: 

Professor Dr. H. Rose in Berlin, 
Geheimrath Professor Dr. G. Rose in Berlin, 
» » » Dr. Dove in Berlin, 


498 


Professor Dr. Alexander Braun in Berlin, 


= »  W. Peters in Berlin, 

= »„ R. Blum in Heidelberg, 

u „ Oswald Heer in Zürich, 

. „ Caspary in Königsberg. 

» „ Ferdinand Römer in Breslau. 
5 »„ F. Unger in Wien, 

5 »„ Hugo v. Mohl in Tübingen. 


„ E.H. Weber in Leipzig. 
Dr. Fr. Brendel in Peoria (Illinois), 
Professor Dr. R. A. Philippi in Santjago. 


> „ Löw in Meseritz, 

» „ A. W. Hofmann in London, 
5 „ R. Bunsen in Heidelberg, 

A » Wurtz in Paris. 


Hr. Schreiber erstattet Bericht über die Prüfung der Kassen» 
belege und ersucht die Versammlung unter Vorbehalt nachträglicher 
Beibringung zweier fehlenden kleiner Quittungen Decharge zu er- 
theilen, was geschieht. 

Zur Wahl der Orte der nächstjährigen Versammlungen schrei- 
tend wird für die zweitägige Pflugstversammlung die gestrige tele- 
graphische Einladung dankbar angenommen und Gera gewählt, für 
die eintägige Herbsiversommlung Merseburg angenommen. Zugleich 
wird beschlossen, die diesjährige Herbstversammlung in Mühlhausen 
ganz ausfallen zu lassen, da sich der Ort seiner ungünstigen Lage 
wegen für eine eintägige Versammlung in jener Jahreszeit doch 
nicht wohl eignen möchte und geeigneter für eine zweitägige Pfingst- 
versammlung zu reserviren sei. 

Zu Jen wissenschaftlichen Vorträgen übergehend, spricht Herr 
Giebel über das Wassergefässsystem der niedern Thiere. Er schil- 
dert zunächst dessen verschiedene Einrichtungen bei den Infusorien, 
Radiaten, Mollusken und Würmern, legt die abweichenden Deutungen 
und Ansichten über dasselbe von Ehrenberg, v. Siebold, Burmeister, 
Leuckart, Gegenbaur u. A. dar und begründet dann die seinige, nach 
welchem dasselbe ein Turgescenzorgan für die strengen Wasserbe- 
wohner, analog der Pneumaticität bei den Vögeln und Insekten als 
den typischen Luftbewohnern ist, zugleich aber mit Uebernahme ge- 
wisser Funktionen des Ernährungssystemes in einzeln Familien in der 
Weise wie auch andere Organe gar nicht selten eine ihrer ursprüng- 
lichen Anlage und Bestimmung fremde Funktion übernehmen. 

Hr. Heidenhain spricht über die Kraftökonomie der Muskeln 
und theilt seine hierauf bezüglichen Untersuchungen mit. Nach ei- 
nem längst bekannten Gesetze der Mechanik ist der Wärmeeffekt um 
so geringer, je grösser die mechanischen Leistungen sind, weil Wärme 
verwendet wird zur Erzeugung der sogenannten lebenden Kraft. Es 
fragt sich nun, ob dasselbe Gesetz auch auf die Muskeln seine An- 
wendung findet. Die Arbeitskraft desselben lässt sich als Zahl dar- 


499 


stellen, die ein Produkt ist aus (dem Gewichte, womit man ihn be- 
schwerte und der Hubhöhe, bis zu welcher dasselbe vom Muskel ge- 
hoben wird. Nicht mit gleicher Einfachheit lässt sich die Tempe- 
Tatur messen und werden ausserordentlich feine Instrumente dazu 
vorausgesetzt. Es ergab sich nun, dass je mehr ein Muskel arbeitete, 
desto mehr Wärme wurde erzeugt, was seinen Grund in der grössern 
Menge oxydablen Materials haben mag, welches beim Arbeiten ge- 
geben wird. Dies findet aber nur bis zu einem gewissen Grade statt, 
wird derselbe überschritten, d. h. die Arbeit noch mehr erhöht, so 
nimmt die Wärmeentwickelung ab. 

Hr. Siewert spricht über die Geschichte, die Entwickelung 
und die neuesten Fortschritte der Photographie. Seitdem Wedgwood 
den Gedanken angeregt, die durch die Sonnenstrahlen in der camera 
obscura erzeugten Lichtbilder, mit von Chlorsilber durchtränktem 
Papier zu fixiren, wurde nach vielfachen vergeblichen Versuchen von 
H. Davy und Niepce, zuerst von Daguerre das Problem gelöst durch 
Benutzung jodirter und bromirter Silberplatten. Die theuren ;Silber- 
platten wurden zunächst durch mit Silber plattirte Kupferplatten, 
sodann von Talbot wieder durch Papier ersetzt, welchem letztern bei 
der Aufnahme des Negativ unter Zuhülfenahme der auch schon früher 
gebräuchlichen Glasplatten als Unterlage lichtempfindliche Collodium- 
schichten von Acher substituirt wurden. Immer aber wurde die Ver- 
änderung der Chlor-, Brom- und Jodsilber durch die chemisch zer- 
setzend wirkenden Sonnenstrahlen und Entfernung des nicht vom 
Lichte zersetzten Silbersalzes für die Darstellung der sogenannten 
Lichtbilder zu Grunde gelegt. Erst in der neuesten Zeit hat man'es 
versucht die Wirkung des Lichtes auf andere organische und unor- 
ganische Stoffe oder deren Combination zur Darstellung von Bildern 
zu benutzen um den Vorwurf der Silberverschwendung nicht mehr 
länger tragen zu müssen. Der Vortragende bespricht schliesslich ei- 
nen solchen Versuch, durcn Anwendung von saurem ‚chromsauren Kali 
in Verbindung mit Gerbsäure und Eisenchlorid ‚die Silberpräparate 
zu ersetzen, 

Schliesslich legt Hr. Giebel eine Anzahl neuer Spinnen der 
hiesigen Universitätssammlung vor und characterisirt dieselben im 
Allgemeinen (siehe S. 329 ff.). 

Nach einer kurzen Pause hielt Hr. Snell für die dritte öffent+ 
liche Sitzung, zu welcher auch Damen eingeladen waren, einen po- 
pulären Vortrag über einzelne Momente der Entwickelungsgeschichte 
mit besonderer Beziehung auf die Darwinsche Theorie. 

Hierauf wurden die Verhandlungen geschlossen und ein klei- 
nerer Theil als am gestrigen Tage vereinigte sich wieder zu einem 
gemeinschaftlichen Mittagsessen. Nach demselben wurden von eini- 
gen Theilnehmern wie schon am Vormittage vor der Sitzung die Uni- 
versitäts-Sammlungen besucht und am Abend war noch gesellige Un- 
terhaltung im Garten der Weintraube bei Giebichenstein. 


500 
Anzeige. 


Den Mitgliedern des sächsisch-thüringischen Vereines, welche 
noch nicht im Besitz der sämmtlichen Vereinsschriften sind, liefern wir 
dieselben, soweit unser Vorrath reicht, zu nachstehenden sehr ermäs- 
sigten Preisen und sehen frankirten Aufträgen recht bald entgegen. 

Halle im Mai 1863. Der Vorstand. 


Abhandlungen des naturwiss. Vereines für Sachsen und 

- Thüringen in Halle. Herausgegeben von C. Giebel u. W. Heintz. 
Ba. Iu. 1I. Berlin 1856—61. Fol. Mit 50 Tafeln. (Ladenpreis 
45 Thlr.) 12 Thir. 

Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften. 
Herausgegeb. v. d. naturwiss. Vereine f. Sachsen u. Thüringen in 
Halle, redigirt von C. Giebel u. W. Heintz. Jahrg. 1853 —62. 
Ba.I-XX. Berlin 1853—62. 8° (Ladenpreis 562/; Thlr.) 10 Thir. 

Einzelne Bände zu 20 Groschen. 

Jahresbericht des naturwiss. Vereines in Halle. Jahrg. 
Jahrg. II-V. Berlin 1849—54. (Ladenpreis 9 Thlr.) 2 Thlr. 
Giebel, C.G., die silurische Fauna des Unterharzes nach Hrn. 
C. Bischofs Sammlung. Mit 7 Tff. Fol. Berlin 1858. (Ladenpreis 
3 Thlr.) 1!/), Thlr. 
——, Beiträge zur Osteologie der Nagethiere. Mit 5 Tff. Fol. Berlin 
1857. (Ladenpreis 3 Thlr.) 1!/, Thlr. 
——, die Versteinerungen im Muschelkalk von Lieskau bei Halle. 
Mit 7 Tf£. Fol. Berlin 1856. (Ladenpreis 4 Thlr.) 1!/, Thlr. 
Heer, Osw., Beiträge zur nähern Kenntniss der sächsisch-thürin- 
gischen Braunkohlenflora. Nebst einem Anhange über einige sie- 
benbürgische Tertiärpflanzen von C. J. Andrae. Mit 10 Tff. Fol, 
Berlin 1861. (Ladenpreis 3 Thlr.) 3 Thlr. 
Irmisch, Th., über einige Arten aus der natürlichen Pflanzenfamilie 
der Potameen. Mit 5 Tff. Fol. Berlin 1859. (Ladenpreis 4 Thlr.) 

2 Thlr. 
——, morphologische Beobachtungen an einigen Gewächsen aus den 
natürlichen Familien der Melanthaceen, Irideen und Aroideen. Mit 


3% T£n. Fol. Berlin 1856. (Ladenpreis 22/; Thlr.) 1 Thlr. 
Loew, Herm., die Dipterenfauna Süd-Afrika’s. I. Abtheil. Mit 2 
Fol. Berlin 1861. (Ladenpreis 10 Thlr.) 5 Thir. 


Schmidt, Ad., der Geschlechtsapparat der Stylommatophoren in 
taxonomischer Hinsicht gewürdigt. Mit 14 Tffln. Fol. Berlin 1856. 


(Ladenpreis 5 Thir.) 2 Thlr. 
Schwarz, Fr. S. H., de affectione curvarum additamenta quaedam. 
Berolini 1856. Fol. (Ladenpreis 1°/; Thlr.) 2/, Thlr. 


Druck von W. Plötz in Hallo, 


FJFeitschrift 
für die 


Gesammten Naturwissenschaften. 


1863. uni. 1% VI. 


—— 


Ueber die Farbenveränderungen der 
Chromoxydsalzlösungen 


von 


M. Siewert. 


Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Band CXXVI, p. 86. 
mitgetheilt vom Verfasser. 


Die verschiedenen Ansichten, welche bisher über diese 
Erscheinungen veröffentlicht wurden, wollten mich nie ganz 
befriedigen, und da ich mich seit langer Zeit mit Unter- 
suchung der Chromverbindungen beschäftigt hatte, so habe 
ich mich auch urprünglich zu eigener Belehrung über diesen 
fraglichen Punkt mit einigen Versuchen beschäft‘gt, deren 
Resultate ich hier mittheilen will, um darauf meine Ansicht 
über den Gegenstand zu gründen. Ich sende erst in Kürze 
die Ansichten vorauf, die von den einzelnen Forschern über 
die Farbenveränderung des Chromalauns entwickelt wurden. 
Berzelius leitete dieselbe von dem Vorhandensein verschie- 
dener Modificationen des Chromoxydes, Schrötter vom 
verschiedenen Wassergehalt des krystallisirten violetten und 
des amorphen grünen Salzes, Krüger und Löwel von ver- 
schiedenem Säuregehalt ab; nach des letztern Ansicht ist 
diess jedoch nicht der einzige Grund, indem er glaukt, dass 
die Farbenänderung von dem Zusammenwirken der ver- 
schiedenen Sättigungsverhältnisse, des Wassergehaltes und 
‚des Vorhandenseins der verschiedenen Modificationen des 
Chromoxydes abhängig sei. 

XXI. 1863. 34 


502 


Wie ich über die Ansicht von Berzelius, das Vorhan- 
densein verschiedener Modificationen betreffend denke, habe 
ich schon in einer früheren Arbeit!) ausgesprochen. Gegen 
Schrötter’s Ansicht vom verschiedenen Wassergehalt op- 
ponirten sich Berzelius, Löwel, Otto und Andere, indem 
sie als Beweis beibrachten, dass unveränderter Chromalaun 
aus seiner frisch bereiteten Lösung gefällt werde, wenn man 
dieser wasserentziehende Flüssigkeiten als Fällungsmittel, 
z.B. Alkohol, concentrirte Schwefelsäure, zusetze. Die An- 
gabe Krüger’s?), dass durch Behandlung der durch Kochen 
grün gefärbten Chromalaunlösung mit Alkohol nur Schwefel- 
säure vom Alkohol aufgenommen werde, so. dass eine farb- 
lose Flüssigkeit über einem grünen ölartigen Niederschlage 
entstehe, habe ich nie bestätigt gefunden, da. wieich gleich 
zeigen werde, der Alkohol. nicht Schwefelsäure entziehend 
wirkt, sondern nur dazu dient, zwei verschiedene, schon 
durch das Kochen gebildete neue Verbindungen zu scheiden, 
von denen die eine mehr oder weniger in Alkohol löslich 
ist, als die andere. 

Chromalaunkrystalle mit absolutem Alkohol übergossen 
zeigten sich selbst nach mehrtägiger Digestion unverändert. 
Der Versuch wurde nun dahin geändert, dass 20 CC. abso- 
luter Alkohoi zu 10 CC. Chromalaunlösung von verschiede- 
ner Concentration hinzugesetzt wurden, oder, wenn dieselbe 
Concentration eingehalten wurde, die Dauer, während wel- 
cher das Salz vor dem Alkoholzusatz in Auflösung erhalten 
worden war, abgeändert wurde. 

I. Drei Proben einer frisch bereiteten Lösung, in 10 CC. 
1.6741 Grm. krystallisirten Salzes enthaltend, lieferten auf 
Zusatz von 20 CC. Alkohol und 10 Minuten dauerndem Ste- 
henlassen je 1,6200 Grm., 1,6190 Grm. und 1,6020 Grm. 
— 96,77; 96,76; 95,69 pC. eines violetrothen Niederschlages, 
der sich bei der Analyse als reiner Chromalaun erwies. 

1,5 Grm. gaben 0,4834 Grm. SO®, 0,23215 Grm. Cr? 0? 
und 0,1378 Grm. KO. 


ı) Diese Zeitschrift XVIII, 244, 
?) Poggend. Ann. LXI, 218. 


503 


Gefunden Berechnet 
so?® 32,23 32,07 
Cr?0? 15,47 15,23 
KO 9.19 9,42 
Verlust = HO 43,11 43,28 
100,00 100,00, 


Da die von den drei Niederschlägen gewonnenen alko- 
holischen Filtrate nur sehr geringe Mengen Substanz in Lö- 
sung hielten, wurden sie vereinigt und die Quantitäten der 
einzelnen Bestandtheile im Ganzen bestimmt, und so die 
Summe des Verlustes jener drei einzelnen Versuche erhal- 
ten, während sich das Verhältniss von SO°:Cr20°: KO, wie 
vorauszusehen war, — 4:1:1 ergab. 


II. Aus einer anderen Lösung, von der 10 CC. 1,9120 
Grm. Chromalaun enthielten, wurden auf Zusatz von 20. CC. 
absoluten Alkohols zur eben bereiteten Lösung 1,8361 Grm. 
— 96,03 pC., nach achttägigem Stehenlassen 1,5280 Grm. 
— 79,92 pC., nach vierwöchentlichem Stehenlassen 1,3363 
Grm. — 69,89 pC. krystallinischer Niederschläge erhalten, 
die eine etwas verschiedene Farbe hatten, indem der erstere 
violettroth, der letztere mehr blaugrün war. Ob letzterer 
noch unzersetzter Chromalaun gewesen, wurde nicht unter- 
sucht. Jedenfalls deutet dieses verschiedene Verhalten der 
frisch bereiteten und der älteren Lösung gegen Alkohol 
darauf hin, dass selbst ohne Anwendung höherer Tempe- 
ratur in dem in Lösung befindlichen Salze eine Veränderung 
stattgefunden haben müsse. 

II. 10 CC. Lösung, enthaltend 1,6741 Grm. Chromalaun, 
wurden zwei Stunden unter Zusatz des verdampfenden Was- 
sers im Wasserbade gekocht, darauf nach dem Erkalten mit 
20 CC. absoluten Alkohols versetzt und nach 10 Minuten 
dauerndem Stehenlassen die grüne Flüssigkeit von dem öl- 
artigen grünen Niederschlage durch Filtration geschieden, 
letzterer mehrmals mit Alkohol noch gewaschen und luft- 
trocken gewogen; dasselbe betrug 0,8010 Grm. Nach der 
Wägung wurde die Masse in Wasser unter Zusatz von Salz- 
säure gelöst und die einzelnen Bestandtheile nach den üb- 
lichen quantitativen Methoden bestimmt, indem zuerst das 


34* 


‚504 


Chromoxyd, sodann Schwefelsäure und Kali abgeschieden 
wurden. Die Analyse ergab: 


So? 0,31050 Grm. = 38,76 pC. 18 At. 

Cr? 0° 0,15718  , 19620 is 

KO *) 0,11584  „ = 44,88, BE, 

Verlust = HO 0,21748_, —= 26,74 „ 55 
0,80100 Grm. 100,U0 pC. 


Nachdem im Filtrat der Alkohol zum grössten Theil 
durch Verdunsten entfernt war, wurden die Bestandtheile 
in gleicher Weise bestimmt und gefunden: 


SoO® 0,23547 Grm. = 26,97 pC. 14 At. 
Cr20® 07a Pe 
KO oa ee a 


Verlust = HO 0,49659 „ loan 
0,87310 Grm. 100,00 pC. 

IV. 10 CC. Lösung, enthaltend 1,9120 Grm. Chrom- 
alaun, wurden eine Stunde gekocht, nach Ersatz des ver- 
dampfenden Wassers mit 20 CC. absoluten Alkohols gefällt 
und nach 10 Minuten durch Filtration die grüne Flüssigkeit 
vom Ausgeschiedenen getrennt. Das Filtrat trübte sich 
durch den zum Waschen benutzten Alkohol. Der Nieder- 
schlag war nicht zerfliesslich und betrug lufttrocken 0,9510 
Grm. Seine Analyse ergab: 


so?  0,36120 Grm. —= 37,98 18 At. 
Cr203 0186664 „ = 992 5, 
KO 0133. Serie vera Fang il 


HO 0,26682 „ 28:06 16049 
0,95100 Grm, 100,00. 
Das Filtrat erwies sich bei der Analyse zusammen- 


gesetzt aus: 


S03  0,23232 Grm. 62,54 14 At. 


Cr?0%. 0,09954 „ —= 26,80 3205 
KO 0,03964 „ — 10,66 - 
0,37150 Grm. 100,00. 


*) Die in dieser Arbeit gegebenen Zahlen für Cr20? und KO 
sind nicht die ursprünglich gefundenen, sondern die durch Berechnung 
sich ergebenden, weil ich früher gezeigt habe, dass man aus alkali- 
haltiger Flüssigkeit kein reines Chromoxyd durch Ammoniak fällen 
könne; es wurde daher stets nach dem Glühen des Chromoxydes des- 
sen Gehalt an chromsaurem Kali durch Titrirung bestimmt, 


505 


»W. 10 CC. Lösung, enthaltend .1,9120 Grm. Chrom- 
alaun, wurden drei Stunden gekocht, im übrigen wie IV. 
behandelt. Das Filtrat blieb klar. Der Niederschlag wog 
0,8726 Grm. und bestand aus: 


Sso3 0,33740 Grm. 38,66 pC. 18 At. 


cro? t1ı15 „, = 1964, 5, 
Koss 0asıaz Su alliugg jan) ME, 
Ho ale bi zdrggge 55, 


0,87260 Grm. 


Das Filtrat ergab sich bei der Analyse zusammen- 
gesetzt aus: 
so® 0,2552 Grm. = 61,66 pC. 
6r303,...0.1125,. , 27.1305 
KO 0,0462 „ —., blos 
“VI. ‚10 CC. Lösung, enthaltend 1,9120 Grm. Chrom- 
alaun, fünf Stunden gekocht, im übrigen gleich IV. behandelt, 
lieferten mit Alkohol einen Niederschlag von 0,4690 Grm. 
Gewicht; derselbe bestand aus: 
so? 0,15986 Grm. 


34,09 pC. 18 At. 


Cr203 0,082 „= 15, 5, 
Kon 0,06209 10), Hd —1113,28, 
TE, 


HO  0,16383 , 


0,46900 Grm. 100,00 pC. 

Die Uebereinstimmung der Resultate für die durch Al- 
kohol erhaltenen Niederschläge tritt wegen des verschiedenen 
Wassergehaltes der einzelnen nach dieser Art der Bereitung 
zu wenig hervor; berechnet man aber die procentische Zu- 
sammensetzung von Ill, IV, V, VI auf wasserfreie Substanz, 
so erhält man: 


II. IV. Vz VI. Berechnet 
8027553,21.. 52,79 ..52,65 ,,,02,38,.,...18 At. 52,09 
C220226,93,. 27.29 ...96,59 ; 27,26 De 27,50 
KOZE1936,,1992:..20,76.., 20,85 (SR 20,41 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00, 


Bei der Zusammenstellung der Resultate, die für die 
festen Bestandtheile der Filtrate III, IV, V gewonnen wur 
den, ergeben sich folgende Zahlen: 


506 


II. IV. V. Berechnet 
SO? 62,56 62,54 61,66 14 At. 63,49 
Cr203 26,74 26,80 27,18 3:15 25,85 
KO 10,70 10,66 11,16 2:0 10,66 
100,00 100,00 100,00 100,00. 


Es wurde also durch Alkohol aus der durch Kochen 
grün gefärbten Chromalaunlösung ein Körper abgeschieden, 
der sich durch die Formel ausdrücken liesse: 

a) 6KO.SO® + 5Cr?0?.12503, 
während in Lösung blieb: 
b) 2KO.SO® + 3Cr?0?.12S0°. 

Diese Formeln scheinen ziemlich unwahrscheinlich, 
aber wenn sie auch den chemischen Process, der beim 
Kocken der Chromalaunlösung stattgefunden hat, nicht zu 
erklären im Stande sein, so zeigen sie wenigstens, dass 
eine viel tiefer eingreifende Reaction beim Kochen einge- 
treten ist, als man bisher angenommen hat. Es ist aller- 
dings damit immer noch nicht bewiesen, dass durch das 
Kochen wirklich der gewöhnliche Chromalaun auf diese 
Weise gespalten wurde, sondern nur, dass durch Alkohol 
diese Körper geschieden werden, vielleicht als Producte ei- 
ner secundären Zersetzung, die durch Mitwirkung des Al- 
kohols hervorgerufen war. Eine Verbindung 5 Cr?03.12SO3 
spricht so gegen alle Analogie, dass sie vorläufig nicht an- 
genommen werden kann, und es ist für a) die Formel 

6KO.SO? + 2(Cr?20°.350°) + 3(Cr?0?.2SO°) 
wahrscheinlicher. 

Für b) lässt sich noch schwieriger eine Formel finden, 
wenn man nicht die Existenz eines vierdrittelsauren, oder 
eines doppelt-schwefelsauren Chromoxydes annehmen will, 
also entweder 

2 KO.SO3 + 2(Cr?03.3S03) + (Cr?0?.6S0°) oder 

2 KO.SO3? + 3(Cr?03.4SO0°) oder 

2(K0O.2S0°)-+ 2(Cr?03.3S03) -— (Cr?0?.4SO°), 
Verbindungsverhältnisse, die bisher noch nicht beim Chrom- 
oxyd beobachtet sind. 

Es fragte sich nun, ob es wesentlich bei der Spaltung 
des neutralen Chromoxydsalzes wäre, das noch ein anderes 
neutrales Salz vorhanden sei, welches dadurch, dass es ein 


507. 


saures'Salz zu bilden im Stande ist, die Aufhebung des Neu- 
tralitätsverhältnisses zwischen Chromoxyd und Säure bedinge. 
Dies scheint nicht der Fall zu sein, obgleich ich anfangs 
darin den Grund der Erscheinung suchte. Wäre es nämlich 
der Fall, dann müssten sich in der alkoholischen Lösung so 
viel Atome sauren schwefelsauren Kali’s haben finden müssen, 
als im Niederschlage Atome basisch-schwefelsauren Chrom- 
oxydes. Diess scheint nach obigen Analysen nicht der Fall 
gewesen zu sein; denn sonst hätte bei b) das Atomverhältniss 
von SO3:Cr203:KO = 18:4:3 sein müssen. Es ist jedoch 
bekannt, dass es sehr schwer ist, aus wässeriger Lösung 
saures schwefelsaures Kali zur Krystallisation zu bringen, 
indem man neutrales Salz in verdünnter Schwefelsäure auf- 
löst; denn lange ehe die Concentration erreicht ist, bei 
welcher das saure Salz anschiesst, hat sich wieder das 
schwerer lösliche neutrale Kalisalz abgeschieden. Es liegt 
daher das Fabrikgeheimniss, schnell und gut krystallisirtes 
saures schwefelsaures Kali zu erzengen, darin, dass man 
neutrales Salz mit der nöthigen Menge Schwefelsäure zu- 
sammenschmilzt und die Schmelze sodann im Wasser löst, 
Ja, es kann durch zu langes Kochen die gebildete Verbin- 
dung des sauren Salzes wieder aufgehoben werden. Es ist 
somit nicht gut anzunehmen, dass der zweite Bestandtheil des 
Chromalauns, das schwefelsaure Kali, irgend eine Rolle ver- 
möge seiner Verwandtschaft zu freier oder gebundener 
Schwefelsäure spielen sollte. Es muss also im schwefelsauren 
Chromoxyd selbst der Grund zur Spaltung liegen, und ich 
glaube ihn darin zu finden, dass das Chromoxyd die Eigen- 
schaft aller Sesquioxyde theilt, lieber basische und saure 
Salze zu bilden, als neutrale, weshalb es auch so schwer 
ist, wirklich neutrale Sesquioxydsalze darzustellen. Es wäre 
in diesem Falle nur wunderbar, dass sich saure und basische 
Verbindungen in derselben Lösung befinden sollten, ohne sich 
wieder zu einer neutralen zu vereinigen. Und doch scheint 
diess der Fall zu sein. Saure schwefelsaure Chromoxydlö- 
sungen sind grün und haben ein anderes Lösungsverhältniss, 
als das schwer krystallisirende blaue Salz; basische Lösungen 
andererseits sind ebenfalls grün, und können, ohne fest zu 
werden, viel weiter abgedampft werden, als dem Lösungs- 


508 


verhältniss des neutralen Salzes entspricht. Giesst man 
beide zusammen, so bleibt die Mischung ebenfalls grün, 
und krystallisirt selbst nach langer Zeit nicht, weil sogar, 
wenn die Neutralität gerade getroffen wäre, nun gleichsam 
eine übersättigte Lösung entstanden ist, aus der das an 
und für sich schwer krystallisirende neutrale Salz nicht 
krystallisiren kann. Hat sich aber das Neutralitätsverhältniss 
dureh längeres Stehenlassen der Lösung wieder hergestellt, 
so genügt der Zusatz von einigen Tropfen Alkohol, um 
dasselbe zur Abscheidung zu bringen. Hat man einmal 
das neutrale Salz in fester Form abgeschieden, so wird es 
selbst durch Kochen mit Alkohol nur in dem Masse zer- 
setzt, als es in diesem löslich ist; die vom Alkohol nicht 
gelöste Menge zeigt nach dem Auflösen in Wasser noch 
blaue Farbe und wird durch Alkohol unverändert aus die- 
ser Lösung wieder gefällt. Es wird also nur die Lösung 
des Salzes bei einer Temperatur von circa 80°C. zersetzt, 
nicht aber das feste Salz. Letzteres schmilzt erst bei hö- 
herer Temperatur in seinem Krystallwasser und wird nach 
Abgabe eines Theiles desselben grün und schliesslich bei 
schwachem Glühen violettroth, indem es in das neutrale 
wasserfreie Salz übergeht. 

Da das krystallisirte blaue schwefelsaure Chromoxyd 
beim Kochen mit absolutem Alkohol nicht zersetzt wird, 
so scheint mir damit der Beweis geliefert, dass Wasserver- 
lust nicht der Grund sein könne, der die Umwandlung der 
blauen in die grüne Farbe bedinge. Es wurden daher die 
Krystalle in möglichst wenig Wasser unter Mitwirkung der 
Wärme gelöst, der absolute Alkohol, mit dem die Krystalle 
schon vorher gekocht gewesen waren, wieder zugegeben 
waren und so lange im Wasserbade gekocht, bis die weni- 
gen Krystalle, welche sich anfangs auf den Alkoholzusatz 
abgeschieden hatten, wieder verschwunden waren. Da nach 
dem Erkalten aus der alkoholischen Flüssigkeit kein ölarti- 
ger Körper abgeschieden wurde, ein Zeichen, dass selbst 
das basisch-schwefelsaure Chromoxyd für sich in Alkohol 
ziemlich leicht löslich ist, so wurde die Wirkung des Ae- 
thers zu Hülfe gezogen. Der auf Zusatz desselben ausge- 
schiedene grüne Syrup bestand aus: 


509 


'vı 80% 0,4808 Grm. = 56,47 pt. 12 At. 
Cr203 0,3703 „ — 4353 „ sich 
0,8506 Grm. 100,00. 

Eine zweite Menge durch Aether gefällter basischer 
Verbindung wurde nochmals in wenig Wasser gelöst, mit 
Alkohol gekocht und wieder mit Aether gefällt und darauf 
analysirt; sie bestand aus: 


Berechnet 
SO® 0,1558 Grm. = 55,35 pC. 12 At. 55,81 
Cr?02, 0,1257 ; —= 4465 „ D, 44,19 
0,2815 Grm. 100,00 100,00, 


Es wurde also beim Kochen des schwefelsauren Chrom- 
oxydes allein eine eben solche Spaltung des neutralen Salzes 
hervorgerufen und eine Verbindung von der Form 5Cr?0%., 
12SO3 durch Aether abgeschieden, wie sie durch Alkohol 
aus. dem gekochten Chromalaun in Verbindung mit schwefel- 
saurem Kali abgeschieden wurde. Da nun aber, wie, die 
letzten Versuche mit reinem schwefelsaurem Chromoxyd 
lehren, jenes basisch-schwefelsaure Salz in Alkohol löslich 
ist, so kann seine Fällung mittelst Alkohols aus dem ge- 
kochten Chromalaun nur dadurch bedingt worden sein, dass 
das durch Zusatz des Alkohols abgeschiedene schwefelsaure 
Kali jene Verbindung mit niederreisst. Jedoch auch hier 
bleibt es noch unentschieden, ob das durch Aether gefällte 
Product wirklich als eine einheitliche chemische Verbindung 
5Cr?0?°.12SO®, oder vielmehr als ein Gemenge von neutra- 
lem und basischem Salz aufzufassen ist, d. h. als 

2(Cr?0°.3S0®° + 3(Cr?0?.28S0?). 

Die von dieser Verbindung abgeschiedene Flüssigkeit 
enthielt die Schwefelsäure in einer durch Chlorbaryum nicht 
fällbaren Form, also wahrscheinlich als Aethylschwefelsäure; 
denn erst nach Verdünnung mit Wasser und darauf folgendes 
Kochen wurde schwefelsaurer Baryt gefällt. 

Wollte man jenen grünen ölartigen Niederschlag, den 
Aether in gekochter alkoholischer schwefelsaurer Chromoxyd- 
lösung erzeugt, als einfache chemische Verbindung anspre- 
chen, so müsste sich dieselbe auch auf andere Weise dar- 
stellen lassen, nämlich durch Bättigen von Schwefelsäure 


510 


oder neutralen Salz mit überschüssigem Chromoxydhydrat. 
Es ist mir jedoch nie gelungen, eine Verbindung, welche 
dieser Formel entspräche, zu erhalten. 

Il. Es wurde die Lösung des krystallisirten blauen 
Salzes 3 volle Tage unter öfterem Umschütteln mit Chrom- 
oxydhydrat in der Kälte digerirt. Trotzdem, dass die Flüs- 
sigkeit grün geworden war, war nur sehr wenig Hydrat 
aufgelöst worden; denn die Analyse ergab Resultate, die 
am besten zur Formel 4Cr203.11803 passen: 


Gefunden Berechnet 
SO® 0,4372 Grm. = 58,83 pC. 59,14 
©r?203 0,3059 , — en 40,86 
0,7431 Grm. 100,00 100,00. 


Merkwürdig ist, dass bei Digestion von verdünnter 
Schwefelsäure mit Chromoxydhydrat in der Kälte ein hiervon 
abweichendes Resultat erhalten wurde, das aber mit dem 
übereinstimmte, welches sich beim Kochen des neutralen 
Salzes mit überschüssigem Hydrat ergab. 

II. Verdünnte Schwefelsäure und überschüssiges Hydrat 
kalt digerirt und die entstandene filtrirte grüne Flüssigkeit 
analysirt, ergab für die festen Bestandtheile: 


Berechnet 
SO? 0,1632 Grm. = 45,85 pC. 8 At. 45,81 
Cr20?3 0,1927 „ — g.lla, ©. Hiuz 54,19 
0,3559 Grm. 100,00 100,00. 


III. Neutrales Salz in Lösung mit überschüssigem Hydrat 
gekocht, filtrirt und die ganze Flüssigkeit analysirt, ergab: 
SO? 0,2472 Grm. —= 45,66 pC. 8 At. 
6r2037°0,2342 5 —= 54,34 „ DI 


0,3559 Grm. 100,00. 

Die bei III. erhaltene Flüssigkeit blieb beim Verdünnen 
mit Wasser in der Kälte klar, trübte sich aber beim Erhitzen. 
War dagegen die Flüssigkeit vor der Verdünnung fast bis 
zum Festwerden abgedampft, dann trat bei Wasserzusatz 
sogleich ein Trübung ein. Als aber die trübe Flüssigkeit 
bis auf ein kleineres Volum eingedampft war, wurde sie 
wieder klar, und absoluter Alkohol fällte einen grünen Syrup 
von der Zusammensetzung: 


511 


a) SO? 0,2399 Grm. 50,51 pC. 
Cr?03. 0,2351  „ 49,49 „ 
0,4750 Grm. 100,00. 

Ein Theil des durch Alkohol erhaltenen Niederschlages 
gab mit Wasser eine klare Lösung, die selbst beim Kochen 
klar blieb; sie wurde mit absolutem Alkohol gefällt und 
der Niederschlag untersucht: 


II 


b) SO?® 0,4598 Grm. = 49,55 pC. 
Cr?O3 0,4681 „ ==2.80,45., 
0,9279 Grm. 100,00. 
Bei einer neuen Darstellung wurden erhalten für 
Berechnet 

2950? 0,7220 Grm. '=1151-48 pC..3 2At.) 51,28 

Cr? 03 0,6805 „ — 4852 „ Li, 48,72 

1,4025 Grm. 100,00 100,00. 

b) SO? 0,5264 Grm. — 50,19 pC. 

Cr20? 0,5225 „ 149,815 


1,0159 Grm. 100,00. 

Das Verhältniss zwischen Chromoxyd und Schwefel- 
säure blieb also für die mit Alkohol erhaltenen Nieder- 
schläge immer nahezu 

1 Cr?03.2SO3. 
während ein der Neutralität näher stehendes Salz, als lös- 
licher in Alkohol, noch in Lösung blieb. 

Da nun blaues neutrales schwefelsaures Chromoxyd 
in wässeriger Lösung mit überschüssigem Hydrat kalt. di- 
gerirt eine grüne Farbe annimmt, indem es etwas Hydrat 
auflöst und dadurch basisch wird: so scheint mir die Far- 
benveränderung, welche durch Kochen der neutralen Lö- 
sung eintritt, auf demselben Grunde zu beruhen. Löwel 
beobachtete es zuerst, dass wenn man grün gewordene 
Chromoxydsalzlösungen mit Salpetersäure koche, die grüne 
Farbe wieder in die blaue übergehe. Diese Erscheinung 
wird wohl dadurch hervorgerufen, dass die freie Salpeter- 
säure das überschüssige Oxyd des basischen Salzes auf- 
nimmt, da saures und neutrales salpetersaures Chromoxyd 
blau sind und diese Salze der ganzen Flüssigkeit eine blaue 
Farbe mittheilen. Führt man dem sauren oder neutralen 
salpetersauren Salze in der Kälte wieder überschüssiges 


512 


Hydrat zu, so verändert es ebenfalls seine Farbe aus Blau 
in Grün und behält sie selbst nach längerem Kochen. — 
Eine in der Kälte mit überschüssigem Hydrat gesättigte 
Salpetersäure wurde vom ungelösten Hydrat abfäiltrirt und 
je 3 CC. der Flüssigkeit zur Analyse verwandt, 

a) mit alkoholischer Wasserstoffentwickelungsmischung de- 
stilirt, lieferte ein 6,2 CC. Normalschwefelsäure sätti- 
gendes Destillat, entsprechend 0,3348 Grm. NO®. 

b) gab 0,2183 Grm Cr?0#, mithin 


Berechnet 
NO® 0,3348 Grm. = 60,48 pC. 2 At. 58,70 
Cr?0? 0.2188 „ — 1 At. 41,30 
0,5536 Grm. 100,00 100,00. 


Als diese schon. basische Lösung noch mit überschüs- 
sigem Hydrat gekocht wurde, führte die ähnlich ausgeführte 
Analyse zu der Zusammensetzung: 


Berechnet 
NO’ 0,5076 Grm. ==.51,82 pC: 3 At. 51,59 
Cr?20? 0,4720 , = BSH IER Ber2AR 48,41 
0,9796 Grm. 100,u0 100,00. 


Unter Grünfärbung nimmt also Salpetersäure resp. neu- 
trales salpetersaures Chromoxyd noch bedeutend mehr über- 
schüssiges Oxyd auf, als das schwefelsaure Salz. Sobald 
man der freien grünen Lösung freie Salpetersäure zufügt, 
verwandelt sich augenblicklich schon in der Kälte die grüne 
Farbe in die blaue, Setzt man zu dem Salze (2Cr?0°.3NO°) 
einen grossen Ueberschuss von Aether- Alkohol, so fällt 
Chromoxydhydrat nieder und man erhält neutrale blaue 
Lösung von salpetersaurem Chromoxyd. 

Basisch-schwefelsaure Thonerde. — Wie die Farbenver 
änderung der Chromoxydsalze meiner Ansicht nach auf einer 
Aenderung der Basicitätsverhältnisse beruht, so auch die 
der schwefelsauren Thonerde. Diess neutrale, mit 18 At. 
Wasser krystallisirende oder durch Alkohol fällbare Salz ist 
vollkommen weiss und löst sich vollkommen klar in Wasser; 
kocht man aber eine wässerige Lösung desselben mit völlig 
reinem Hydrate, so wird je nach der Concentration der 
Flüssigkeit eine grössere oder geringere Menge Thonerde- 
hydrat aufgelöst. Wird die basische Lösung vom Ueberschuss 


513 


des Hydrats durch Filtration geschieden und bis zur Con- 
centration abgedampft, bei welcher das neutrale Salz beim 
Erkalten mit weisser Farbe erstarrt, so bildet das überschüs- 
sige Basis enthaltende Salz-mehr.oder weniger gelbe Mas- 
sen, deren Färbung nicht etwa von einem Eisenoxydgehalte 
herrührt, sondern darin seinen Grund hat, dass basisch- 
schwefelsaure Thonerde an sich gelb gefärbt ist. Wird diese 
gelbe Masse in Wasser gelöst, so erhält man immer eine 
mehr oder weniger trübe Lösung. Die schwefelsaure Thon- 
erde, welche jetzt einen bedeutenden Handelsartikel aus- 
macht, weil sie den Alaun völlig verdrängt hat, wird hier 
bei Halle in Morl von Otto Senff jährlich zu 12,000 Cent- 
nern fabricirt; da dieser Fabr‘kant stets bemüht war, neu- 
trales Fabricat zu liefern, so wurde er oft zur Verzweiflung 
gebracht, wenn die von den Consumenten g@wünschte weisse 
Farbe des Products nicht zu erreichen war, sondern durch 
eine oft 'bis zum citronen- und braungelben übergehende 
Färbung verdrängt war. Papierfabrikanten sowohl als Färber 
leiteten die gelbe Farbe des Products vom grossen Eisen- 
gehalt und andern Verunreinigungen her und refusirten zu 
ihrem Nachtheile das Fabrikat, bis den Einsichtsvolleren 
jetzt klar geworden ist, dass sie sich bei Benutzung des 
gelben Productes besser stehen, als bei weissem, da sie bei 
ersterem vor freier Säure, die ihnen oft so empfindlichen 
Schaden verursacht, völlig sicher sind. 

Da schwefelsaures Chromoxyd und schwefelsaure Thon- 
erde in Bezug auf diese durch Veränderung, der Basicitäts- 
verhältnisse hervorgerufenen Farbenveränderungen einander 
80 nahe stehen, schien es; mir nicht unwahrscheinlich, dass 
sie auch in ihrer Zusammensetzung in Betreff des Wasser- 
gehaltes übereinstimmen möchten, der von Schrötter!) 
auf 15 Atome bestimmt worden ist, während: er bei der 
schwefelsauren Thonerde 18 beträgt. Ich analysirte dess- 
halb das nach der Methode nach Löwel?) frisch darge- 
stellte Salz im lufttrockenen Zustande und erhielt bei 1 Grm. 
angewandter Substanz: 


ı) Poggend,. Ann. LIII, 524. 
2) Chem, Centralbl. 1854, 565, 


514 
Berechnet 
so? 0,3278 Grm. = 32,78 pC. 3At. 33,52 
Cr? 03 0,2118: ul 28 4% 1At. 21,23 


Verlust =HO 0,4604 „ 46,04 „  18At. 45,25 
1,0000 Grm. 100,00 
bei 35° getrocknet: 


SO? 34,19 
Cr?O3 22,04 
HO 43,77 

100,00 


Nachdem das Salz einige Stunden in der Sonne ge- 
legen hatte: 
Berechnet 
SO? 39,75 3 At. 39,47 
Cr?0® 25,10 1 At. 25,00 
HO 35,15 12 At. 35,53 


100,00 100,00 
Das Salz scheint also wirklich ursprünglich durch Al- 
-kohol mit 18 Atomen Wasser aus seiner Lösung abgeschie- 
den zu werden, verliert aber einen Theil dieses Krystall- 
wassers bei der geringsten Temperaturerhöhung. 


Schrötter!) war der erste, welcher dieses Salz in 
wasserfreiem Zustande darstellte und analysirte und aus 
seinen Analysen für dasselbe die Formel Cr?0?.3S0° ab- 
leitete. Ihm trat Traube?) mit der Behauptung entgegen, 
dass das rosafarbene wasserfreie Salz Schrötter's keines- 
wegs neutral und wasserfrei sei, und brachte eine grosse 
Menge analytische Belege für seine Behauptung bei, dass 
der Verbindung die Formel 2(Cr?03.3S0° + HO.SO? 
zukomme. 

So unwahrscheinlich es mir im ersten Moment schien, 
dass freie Schwefelsäure in einem Salze enthalten sein sollte, 
das vollkommen unlöslich in Wasser und Säuren sei und 
dem man diese Säure selbst nicht durch Kochen mit Al- 
hohol und verdünntem Ammoniak entziehen könne, eben 
so sehr überzeugte ich mich durch ein Dutzend Analysen 


1) Poggend. Ann. LIII, 529. 
2) Ann. der Chem. u. Pharm. LXVI], 87. 


515 


des durch verschiedene Darstellungen nach der Traube’- 
schen Angabe gewonnenen Salzes von der Richtigkeit sei- 
ner Angaben; indem 

der Chromoxydgehalt von 34,18 bis 35,19 pC. 

der Schwefelsäuregehalt von 62,74 „ 63,42 „ 

der Wassergehalt von 242... 880, 
bei meinen Analysen schwankte. 

Als ich jedoch nach Schrötter's Vorgang das 18 At. 
Wasser haltende krystallisirte Salz erst in einer Glasröhre 
im Kohlensäurestrome bei 280°C. von der grössten Menge 
des Wassers befreite und dann das zerriebene Pulver im 
Platintiegel über einer ganz kleinen Flamme, d. h. so dass 
der Boden des Tiegels nie zum Glühen kam, so lange er- 
hitzte, bis das Gewicht des Tiegels nicht mehr abnahm, 
ergab die Analyse vollkommen die Richtigkeit von Schröt- 
ter’s Behauptung. 

1) 0,5175 Grm. gaben 0,2000 Grm. Cr?O3 und 0,3070 Grm. SO3, 
2) 0,7356 „ „ 20:2610. 5 . „0,2910. 2, 
1) 2) Berechnet 
SO® 61,37 61,35 3 At. 61,21 
Cr?2O? 38,18 38,20 1 At. 38,79 


99,55 99,55 100,00 

Durch Alkohol wurde die durch Kochen grün gewor- 
dene Chromalaunlösung so gespalten, dass ein basisches 
Salz neben neutralem KO.SO® gefällt wurde, während ein 
saures Salz neben KO.SO?® in Lösung blieb; will man dafür 
die oben aufgestellte Formel 2KO.SO®? + 3(Cr?0?.4SO?) 
acceptiren, d. h. für die reine Chromverbindung eine Com- 
bination von Cr?0O3.4SO3 annehmen, so lässt sich die For- 
mel von Traube auch so schreiben Cr?03.3S0°-- Cr?O3, 
450° + HO, so dass das von ihm erhaltene rosafarbene 
Salz ein Gemenge von neutralem Salze und jenem sauren 
Salze wäre, das wir als in der alkoholischen Lösung vor- 
handen annehmen können, nachdem die Combination 

2(Cr?0°?.380°) -—+ 3(Cr?0°.2S0?) 

durch Alkohol gefällt worden war. 

Privatlaboratorium zu Halle, im October 1862. 


516 


Ueber Salpetersäurebestimmung 


M. Siewert. 


Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Band CXXV, pag. 283 
mitgetheilt vom Verfasser. 


Schon L. Gmelin!) hatte darauf aufmerksam gemacht, 
dass die Salpetersäure durch Wasserstoff in statu nascenti 
in Ammoniak übergeführt werde, und dass es vielleicht 
möglich sei, hierauf eine Methode zu ihrer Bestimmung zu 
gründen. Martin?) hatte es versucht, Gmelin’s Vorschlag 
in die Praxis einzuführen, jedoch ohne Nachahmung zu 
finden, und Schulze’s?) verbesserte Methode scheint auch 
mehr zur qualitativen Bestimmung benutzt, überhaupt we- 
nig in Anwendung gekommen zn sein, weil meistens das 
Verfahren von Pelouze ?) vorgezogen wurde. 

Bei meinen Versuchen über die Bestimmung des Stick- 
stoffs in seinen Sauerstoffverbindungen ging ich von dem 
Gedanken aus, dass eine Methode, die es möglich mache, 
den Stickstoff der Salpetersäure vollkommen in Ammo- 
niak überzuführen, auch für die Analyse organischer Nitro- 
producte brauchbar sein müsse. Denn es ist nicht zu 
leugnen, dass diese Körper hauptsächlich deshalb so wenig 
untersucht sind, weil jeder Bearbeiter vor der umständli- 
chen und zeitraubenden Bestimmung des Stickstoffs in Gas- 
form zurückschreckt. Zur Zeit, als ich mich mit diesem 
Gegenstande zu beschäftigen anfing, war mir die Arbeit 
von Schulze noch unbekannt, und ich kam, nachdem ich 
die Angaben von Martin als wenig brauchbar erkannt, 
ganz selbstständig auf die schon von Schulze vorgeschla- 
gene Reduction in alkalischer Flüssigkeit. Die Gefähr des 
Uebersteigens der wässerigen alkalischen Flüssigkeit bei 
der Destillation habe ich dadurch zu beseitigen versucht, 
dass die wässerige Flüssigkeit durch eine alkoholische er- 


2) Lehrbuch der Chemie I, 828. 

2) Journal f. pract. Chemie LXI, 247, 

8) Chem. Centralblatt 1861, S. 657 und 833, 

4) Annalen der Chemie und Pharmacie LXIV, 400. 


317 


setzt wurde; auch habe ich immer ein Gemenge von Eisen- 
und Zinkfeile zur Wasserstoffentwickelung benutzt, und zwar 
auf 1,01 Grm. Salpeter,, entsprechend !/ıoo Atom oder 0,54 
Grm. NO5, welche durch Reduction 0,17 Grm. NH? liefern, die 
ihrerseits 10 CC. Normalschwefelsäure sättigen, 4 Grm. 
Eisen- und 8 bis 10 Grm. Zinkfeile, 16 Grm. festes Kalihy- 
drat und 100 CC. Alkohol von 0,825 spec. Gew. 

Der benutzte Apparat ist sehr einfach. Der Entwi- 
ckelungskolben fasste 300 bis 350 CC.; zwei andere Kölb- 
chen von 150 bis 200 CC. Inhalt, sind durch zweimal recht- 
winkelig gebogene Röhren mittelst doppelt durchbohrter 
Korke luftdicht mit einander verbunden. Nachdem in dem 
dem Entwickelungskolben zunächst befindlichen Kölbchen 
eine mehr als zur Sättigung des entstehenden Ammoniaks 
genügende Menge titrirter Schwefelsäure vorgeschlagen ist, 
wird der Apparat völlig zusammengefügt. Das zweifach 
gebogene Entwickelungsrohr ist an beiden Enden schräg 
abgeschliffen; ein kleines Rohr, das aus dem zweiten vor- 
gelegten Kölbchen den überschüssig entwickelten Wasser- 
stoff entweichen lässt, dient gleichzeitig zum Einführen 
eines Lackmusstreifens während der Destillation, um zu er- 
fahren, ob genügende Absorption stattfinde, und nach der 
Destillation, um die Flüssigkeiten beliebig aus einem Kölb- 
chen in das andere überführen zu Können. 


Nach vollständiger Zusammenfügung des ganzen Appa- 
rates kann man die Gasentwickelung in der Kälte sich erst 


vollenden lassen, oder dieselbe gleich von Anfang durch 
eine kleine Flamme verstärken. Nach Verlauf einer halben 
Stunde beginnt dann das gebildete Ammoniak in dem Masse 
überzugehen, als der Alkohol abdestillirt. Sobald der letztere 
völlig aus dem Entwickelungskolben entfernt ist, pflegen 
nur noch Spuren von Ammoniak im Kolben zurückgeblieben 
zu sein; um auch diese überzutreiben, muss man entweder 
bei verringerter Flamme, um ein Uebersteigen zu vermeiden, 
so lange erhitzen, bis sich Wasserdämpfe im Entwickelungs- 
rohr zeigen, oder man giesst schnell noch ein- oder zwei- 
mal 10 bis 15 CC. Alkohol in den Entwickelungskolben nach, 
und destillirt dieselben wieder ab. Nach zwei- bis drei- 
stündiger Destillation kann die Menge des gebildeten Am- 
XXL 1863. 35 


518 


moniaks durch Titrirung der überschüssig vorgeschlagenen 
Schwefelsäure mit Normalnatron bestimmt werden. 

1) 1,01 Grm. KO,NO?° mit der oben erwähnten Menge von 
Zink- und Eisenfeile und Kalihydrat, 20 CC. Wasser und 
100 CC. Alkohol destillirt, gaben ein Destillat, das genau 
10 pC. Normalschwefelsäure sättigte, also genau 100 pC. 
KO, NO? entsprach. 

2) 1,01 Grm. KO, NO? mit 20 CC. Wasser und 50 CC. Al- 
kohol destillirt, gaben ein Destillat, das nur 9,7 CC.N.-SO; 
sättigte, also nur 97 pC. KO, NO? entsprach. 

3) 1,01 Grm. KO, NO°® mit 100 CC. Alkohol ohne Wasser 
destillirt, gaben ein völlig richtiges Resultat. 

4) 0,101 Grm. KO,NO?° mit 2 Grm. Zink-Eisenfeile, 2 Grm. 
KO, HO und 50 CC. Alkohol destillirt, gaben ein völlig 
1 CC. N.-SO?® sättigendes Destillat. 

5) 1,305 Grm. bei 110°C. getrockneter BaO,NO® mit 4 Grm. 
Eisen- und 10 Grm. Zinkfeille, 16 Grm. KO, HO mit 
20 CC. Wasser und 100 CC. Alkohol, und 

6) dieselben Mengen mit 100 CC. Alkohol allein destillirt 
gaben völlig richtige Resultate. 

7) 1,655 Grm. bei 110°C. getrocknetes PbO, NO° mit obi- 
ger Wasserstoffentwickelungsmischung, Wasser und Al- 
kohol, 

8) dieselben Mengen nur mit Alkohol destillirt gaben eben- 
falls richtige Resultate, d. h. ein genau 10 CC. N.-SO® 
sättigendes Destillat. 

9) 0,55 Grm. eines bei 110°C. getrockneten käuflichen Chili- 
salpeters, wie er in der Schwefelsäurefabrik von Press- 
ler bei Halle verarbeitet wird, gaben ein Destillat, das 
9,88 CC. N.-SO? sättigte, entsprechend 98,80 pC. NaO,NO®. 

Der Controle wegen wurden die anderen Bestandtheile 
auf dem gewöhnlichen analytischen Wege bestimmt und 
gefunden: 

0,3 pC. unlöslicher Rückstand 
0,375 „ MgO,SO? 
0,249 „ MgCl 
0,392 „ NaCl 
1.316, 
dazu 98,800 „ NaO,NO?° 
"100,116. 


519 


Für die Bestimmung der Salpetersäure resp. des Radi- 
cales derselben in flüchtigen organischen Verbindungen, 
z. B. salpetersaurem Aethyloxyd, Nitrobenzin u. s. w., lässt 
sich die Methode noch nicht anwenden, und es ist mir bis- 
her auch noch nicht gelungen, eine solche Veränderung in 
der Methode zu finden, die es möglich machte, eine ab- 
solute Genauigkeit in der Stickstoffbestimmung zu erreichen. 
Selbst wenn man in der Kälte die Umwandlung der Sal- 
petersäure in den flüchtigen organischen Verbindungen 
durch Wasserstoff in sitatw nascenti versucht, wird immer 
ein geringer Theil der Verbindungen mit dem überschüssig 
sich entwickelnden Wasserstoff unzersetzt entweichen. An- 
dererseits liegt z. B. bei der Umwandlung des Nitrobenzins 
noch ein zweiter Uebelstand darin, dass das gebildete Anilin 
nicht mit den Alkoholdämpfen überdestillirt; vielleicht auch 
in diesem speciellen Falle darin, dass das eben gebildete 
Anilin mit dem noch vorhandenen nicht umgewandelten 
Nitrobenzin in Wirkung tritt und Veranlassung zur Bildung 
eines neuen Körpers giebt. Als die alkoholische Flüssig- 
keit eines solchen verunglückten Versuches, in der das 
Nitrobenzin zwar völlig umgewandelt, aber ein Theil unzer- 
setzt in die vorgeschlagene Schwefelsäure übergegangen 
war, dazu benutzt wurde, sie mit Schwefelsäure zu neutra- 
lisiren, in der Absicht, die zur Trockne gebrachten Salze 
(schwefelsaures Zinkoxyd, Kali und Anilin) mit Natronkalk 
zu glühen, um zu erfahren, wie viel Nitrobenzin auf diese 
Weise umgewandelt sei, zeigte sich das gebildete, auf der 
Flüssigkeit schwimmende rothe Oel, das nach der Voraus- 
setzung Anilin sein musste, nach Uebersättigung mit Schwe- 
felsäure nicht in Wasser löslich. Da ich jedoch die Sache 
nicht weiter verfolgt habe, weiss ich nicht, ob der gebildete 
Körper Anilin oder ein anderer Stoff gewesen ist. 


Salpetersaures Aeihyloxyd. 


1) 0,94 Grm. in der gewöhnlichen Weise reducirt, gaben 
ein Destillat, das 8,25 CC. Normalschwefelsäure sättigte; 
es waren also nur 82,5 pC. des Aethers umgewandelt 
worden. 

2) 1,38 Grm. gaben in derselben Weise ein Destillat, das 

35* 


520 


statt 15 CC. nur 13,9 CC. Normalschwefelsäure sättigte; 
es waren also 92,69 pC. des Aethers umgewandelt. 

Ich versuchte die Umwandlung dadurch vollständiger 
zu machen, dass ich eine gewogene Menge des Aethers 
erst 12 Stunden unter häufigem Umschütteln mit alkoholi- 
scher Kalilösung im verschlossenen Kolben stehen liess. 

3) 1,53 Grm. des bei 87°C. siedenden Aethers, der mehr- 
mals rectifieirt war, gaben ein 15 CC. Normalschwefel- 
säure sättigendes Destillat, entsprechend 0,255 Grm. 
NH® = 98,08 pC. salpetersauren Aethyloxyds. 

Ich legte mir die Frage vor, ob bei der Einwirkung 
des Wasserstoffs in statu nascenti aus dem Aether Aethyl- 
amin gebildet würde. Der Versuch ergab im Ganzen ein 
negatives Resultat, da nur Spuren gebildeten Aethylamins 
im Destillat entdeckt werden konnten. Zu dem Zwecke 
wurden die überdestillirenden ammoniakalischen Producte 
in Salzsäure aufgefangen und nach der Destillation im Was- 
serbade zur Trockne verdampft. Die völlig trockene Salz- 
masse hatte allerdings nach 48-stündigem Stehen an der 
Luft etwas Feuchtigkeit angezogen, was auf einen geringen 
Gehalt an salzsaurem Aethylamin hindeutete. Dieselbe 
wurde in absolutem Alkohol aufgenommen, der ungelöste 
Salmiak abfiltrirt und die alkoholische Lösung mit Platin- 
chlorid unter Zusatz von Aether gefällt. Das Gewicht des 
erhaltenen Platindoppelsalzes betrug 1,7066 Grm., welches 
nach vorsichtigem Glühen 0,7506 Grm. Platin hinterliess; 
dieses entspräche 1,6945 Grm. Ammoniumplatinchlorid, so 
dass die Menge des gebildeten Aethylamins nur eine spu- 
renhafte zu nennen ist. 


Salpetersaurer Harnstoff. 


Da das Atomgewicht dieses Körpers 123 ist, wurden: 

1) 1,23 Grm. abgewogen und zur Destillation mit Fe, Zn, 
KO und Alkohol verwandt, aber 40 CC. Normalschwe- 
felsäure statt 20 CC. vorgeschlagen, da ein Atom des 
Salzes 3 At. Ammoniak liefern musste. Nach einmaliger 
Destillation zur Trockne ergab sich, dass das Destillat 
nur 26,4 CC. Normalschwefelsäure gesättigt hatte. Es 
wurden daher in den Destillationskolben .noch 50 CC 


521 


Alkohol nachgegossen und nochmals bei 10 CC. vorge- 
schlagener Normalschwefelsäure destillirt; das Destillat 
hatte nun noch genau 3,6 CC. Säure gesättigt. Es war 
also die gesammte Menge des salpetersauren Harnstoffs 
in NH? umgewandelt worden. 

2) 0,615 Grm. Salz wurden mit 10 CC. HO, 10 Grm. KO, 
600 CC. Alkohol destillirt und lieferten ein 10 CC. Nor- 
malschwefelsäure sättigendes Destillat; also war hier 
nur die Menge des im salpetersauren Salze enthaltenen 
Harnstoffs durch Destillation mit alkoholischer Kalilösung 
Ammoniak übergeführt worden. 

Harnsäure 
lieferte weder bei Destillstion mit einer alkoholischen Kali- 
lösung, noch mit der Reductionsmischung ein ammoniakhal- 
tiges Destillat. | 
$ Guano. 

1) 1 Grm. Guano mit 10 Grm. KO, HO und 100 CC. Al- 
kohol destillirt gab ein 6,03 CC. N.-SO® sättigendes De- 
stillat, Der Rückstand im Kolben wurde genau mit 
Schwefelsäure neutralisirt, im Wasserbade zur Trockne 
gebracht und mit Natronkalk verbrannt, wobei ein 3,24 
CC. N.-SO3 sättigendes Destillat erhalten wurde. 

2) 1 Grm. Guano mit der Wasserstoffentwickelungsmischung 
destillirt gab ein 6,08 CC. N.-SO? sättigendes Destillat. 

3) 1 Grm. Guano mit Natronkalk verbrannt, gab ein 9,17 
CC. N.-So3 sättigendes Destillat. 

Aus den drei Analysen ergab sich somit, dass der 
Guano überhaupt 12,84 pC. Stickstoff, aber keine salpeter- 
sauren Salze enthielt, und dass wahrscheinlich 8,47 pC. 
Stickstoff im Mittel auf Gehalt an Harnstoff und Ammo- 
niaksalzen zu rechnen waren, der Rest aber auf einen Ge- 
halt an Harnsäure oder anderen organischen stickstoffhal- 
tigen Excreten, die, wie die Harnsäure , durch Destillation 
mit alkoholischer Kalilösung oder einer Wasserstoffent 
wickelungsmischung nicht zersetzt werden. 


Haferextract, 


bereitet durch Zerquetschen der noch grünen Pflanze wäh- 
rend der Fruchtbildung, lieferte sowohl mit alkoholischer 


522 


Kalilösung allein, als auch mit der Wasserstoffentwickelungs- 

mischung destillirt das gleiche Resultat, nämlich ein 0,15 pC. 

Ammoniak haltendes Destillat, so dass der Saft der grünen 

Haferpflanze keine salpetersauren Salze zu enthalten scheint. 
Pikrinsäure. 

Da das Atomgewicht der Pikrinsäure 229 ist, ferner 
ein Aequivalent der Säure 3 Atome Stickstoff enthält, 
welche möglicherweise 3 Aequivalente Ammoniak durch 
Einwirkung von Wasserstoff in statu nascenti liefern konnten, 
so wurde ein Drittel des Atomgewichtes = 0,7633 Grm. 
der Untersuchung unterworfen. Wurde in dieser Quantität 
angewandter Substanz die ganze Menge des im Radical 
Trinitrophenyl an Sauerstoff gebundenen Stickstoffs in Am- 
moniak übergeführt, dann musste ein Destillat erhalten 
werden, das 10 CC. N.-SO3 sättigte. Es wurde jedoch ein 
Destillat erhalten, das nur 3,3 CC. N.-SO3 sättigte, mithin 
‚statt 18,34 nur 6,05 pC.N, d.h. nahezu ein Drittel des in der 
angewendeten Menge Pikrinsäure enthaltenen Stickstoffs. 

Hierauf wurde dieselbe Menge Pikrinsäure mit Kali- 
hydrat und Alkohol allein destillirt, und ebenfalls ein am- 
moniakhaltendes Destillat erhalten. Da jedoch, aus Furcht 
vor einer Explosion, die Flüssigkeit nicht zur Trockne de- 
stillirt wurde, enthielt das Destillat nur 2,38 pC. N, hatte 
also nur 1,3 CC. N.-SO? gesättigt. 

Da nun schon durch Kochen mit alkoholischer Kali- 
lösung allein die Pikrinsäure in Ammoniak und einen an- 
deren, noch nicht näher untersuchten Körper zerfällt, und 
wahrscheinlich bei völliger Zersetzung durch Kali eben so 
viel Stickstoff in Ammoniakform ausgetrieben werden wird, 
als bei der Einwirkung des Wasserstoffs in siatu nascenti 
entsteht, so scheint es fest, als ob die bisherige Annahme 
nicht ganz richtig sei, dass die Stellung, welche die drei 
Atome Stickstoff in der Pikrinsäure einnehmen, eine gleiche 
sei, d. h. dass die Pikrinsäure nicht als ein Trinitroproduct 
angesehen werden könne. 

Die aus der Pikrinsäure entstehende neue Verbindung 
scheint nach meinen bisherigen Beobachtungen nicht Pikrin- 
säure zu Sein; ich behalte mir, da ich die Untersuchung 
noch nicht beendigt habe, desshalb weitere Mittheilungen vor. 


323 


Schiessbaumwolle 

wurde zuerst in Aether- Alkohol gelöst, die klare Lösung 
zur Trockne verdunstet, um wieder, wie bei der Pikrinsäure, 
aus den gleichen Gründen genau ein Drittel des Atomge- 
wichts abwiegen zu können. Da die so erhaltene trockene 
Masse sehr dicht ist, und zu vermuthen war, es möchte sich 
ein Theil der Wirkung des Wasserstoffs entziehen, wenn 
er nicht vorher in Lösung übergeführt wäre, so wurden die 
abgewogenen Mengen (0,99 Grm.) jedesmal erst in dem 
zur Reduction und Destillation dienenden Kolben durch 
24stündiges Stehenlassen und Schütteln oder durch geringe 
Erwärmung im Wasserbade in Lösung übergeführt, ehe die 
Wasserstoffentwickelungsmischung zugegeben wurde. Die 
drei fast übereinstimmenden Versuche lieferten Destillate, 
. welche resp. 6,7 CC., 6,45 CC. und 6,5 CC. N.-SO? sättigten, 
während der Berechnung nach 10 CC. Normalsäure gesät- 
tigt werden sollten. Die beiden Stickstoffatome, welche 
als Ammoniak während der Destillation aus der Schiess- 
baumwolle ausgetreten sind, scheinen somit auch in dieser 
Verbindung eine andere Stellung in der Moleculargruppi- 
rung einzunehmen, als das dritte, 

Ueber den bei dieser Reduction aus der Schiessbaum- 
wolle entstehenden Körper bin ich vorläufig noch völlig im 
Unklaren ; derselbe scheint jedoch die Eigenschaft zu be- 
sitzen, Kupferoxydul aus der Fehling’schen Lösung zu 
reduciren. 

Wenn somit die so eben angegebene Methode zur 
Bestimmung des Stickstoffs in salpetersauren Salzen zwar 
für die unorganischen Verbindungen Anwendung finden 
kann, nicht aber auf die flüchtigen organischen Verbindung 
oder die Nitroproducte, so liefert sie vielleicht doch ein 
Moment für die Beurtheilung der Gruppirung der Elemente 
in diesen Körpern. 

Privatlaboratorium zu Halle, im October 1862. 


524 


Ueber das gelbe Quecksilberoxyd; 
M. Siewert, 


Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Band CXXV, pag. 20 
mitgetheilt vom Verfasser. 


Die von Schaffner !) ausgesprochene Behauptung, 
welche auch in Gmelin’s Handbuch ?) übergegangen ist, 
dass das gelbe Quecksilberoxyd von dem rothen dadurch 
unterschieden sei, dass ersteres das Hydrat, letzteres das 
wasserfreie Oxyd sei, hat bisher noch keine Widerlegung 
gefunden, was um so mehr zu verwundern ist, da man in 
der Lehre von den Modificationen chemischer Verbindungen 
nie ermangelt hat, sich des Quecksilberoxydes als eines 
schlagenden Beispiels für das Vorhandensein von Modifica- 
tionen zu bedienen. Es musste desshalb den Anhängern 
jener Theorie jene Behauptung Schaffner’s sehr unge- 
legen kommen, dass das gelbe und rothe Quecksilberoxyd 
eine verschiedene Zusammensetzung hätten. 

Zufolge der von mir angestellten Analysen dieses 
Körpers muss ich Schaffner’s Behauptung ganz enschie- 
den entgegentreten, indem ich der von Pelouze?) ausge- 
sprochenen Ansicht beitrete, dass die verschiedene Farbe 
des dnrch Fällung und durch Glühen des salpetersauren 
Salzes dargestellten Oxydes lediglich von dem molecularen 
Zustand, d. h. dem verschiedenen fein vertheilten Zustand 
der einzelnen Molecüle desselben Körpers abhängt, welcher 
weiter das verschiedene chemische und physikalische Ver- 
halten des verschieden gefärbten Oxyds veranlasst. Ob aber, 
wie Pelouze behauptet, dem rothen Oxyde Krystallinität 
zukomme, und nicht vielmehr beide Arten amorph sind, und 
das eine nur vermöge der Art seiner Darstellung etwas 
dichter als das andere, lasse ich unentschieden. Gay-Lus- 
sac hatte beide für krystallinisch erklärt. 


1) Annal. d. Chem. u, Pharm. LI, 182. 
2) Fünfte Auflage III, 474, 
®) Annal. d. Chem. u. Pharm. XL. VI, 195. 


525 


Schaffner?!) hatte in dem von ihm dargestellten 
gelben Oxyde 19,96 und 20,50 pC. HO gefunden, was drei 
Atomen Wasser entspräche. Ich habe zu wiederholten Malen 
das Oxyd dargestellt, indem ich bald Quecksilberchlorid in 
überschüssiges Kalihydrat goss, bald umgekehrt; bald heiss, 
bald kalt fällte. Die Niederschläge wurden kalt ausgewa- 
schen, bis das Waschwasser keine Spur von Chlorreaction 
mehr zeigte, und sodann über Schwefelsäure getrocknet. 

1) 2,1400 Grm. verloren 0,0126 Grm. im gewogenen Chlor- 
caleiumrohr aufgefangenes Wasser, entsprechend 0,59pC. 

2) 1,8977 Grm. verloren 0,0090 Grm. HO = 0,48 pC. 

3) 3,2187 Grm., im Kohlensäurestrome erhitzt, verloren 
0,0156 Grm. HO = 0,48 pC. 

4) 3,7757 Grm., im Luftstrome erhitzt, verloren 0,0212 
Grm. = 0,56 pC. HO. 

“ Da ich beim Erhitzen im Glasrohre stets eine geringe 
Menge eines weissen Sublimats bemerkte, der nicht metal- 
lisches Quecksilber sein konnte, kam ich auf den Gedan- 
ken, dass es Quecksilberchlorür oder -Chlorid sein möchte, 
Letzteres war es nicht, weil es sich weder in Wasser noch 
in Säuren löste Da sich durch Silberlösung in der salpe- 
tersauren Lösung des ausgewaschenen Oxydes kein Chlor 
nachweisen lässt ?), so wurden zur Nachweisung desselben: 

5) 1,9280 Grm. mit 'chemisch reinem trockenem kohlen- 
saurem Natron im Platintiegel geglüht, und nach dem 
Glühen im Rückstand durch Silberlösung ein Nieder- 
schlag von 0,0144 Grm. AgC] erhalten, entsprechend 
0,00356 Grm. oder 0,18 pC. Cl. 

6) 1,3924 Grm. wurden zur Nachweisung eines vermuthe- 
ten Kaligehaltes in Salpetersäure gelöst, das Quecksilber 
mit Schwefelwasserstoff gefällt; das Gewicht des HgS 
betrug 1,4842 Grm., entsprechend 1,3818 Grm. oder 
99,24 pC. HgO. Das Filtrat wurde unter Zusatz weni- 
ger Tropfen Schwefelsäure zur Trockne abgedampft und 
geglüht; das Gewicht des Rückstandes (KO.SO?) betrug 
0,0037 Grm., entsprechend 0,0020 Grm. = 0,14 pC. KO. 


1, a, 2 O, 
2) Annal. d. Chem. u, Pharm. XLI, 317. 


526 


Nehmen wir für den Wassergehalt das Mittel aus den 
vier ersten Analysen = 0,52 an, so würde die Zusammen- 
setzung des von mir untersuchten gelben Quecksilberoxydes 
gewesen sein: 


HeO 98,93 
HeCl 0,39 
KO 022 
KO 0,52 
100,06. - 


Hiermit scheint mir aber auch bewiesen dass Schaff- 
ner einen anderen Körper als Quecksilberoxyd unter den 
Händen gehabt haben müsse, und dass der durch die festen 
Alkalien aus Oxydlösungen gefällte gelbe Körper kein Hy- 
drat, sondern im Wesentlichen wasserfreies Oxyd ist, dem 
jedoch selbst durch das andauerndste Auswaschen kleine 
Mengen anderer Körper nicht entzogen werden können. 

Privatlaboratorium zu Halle, im October 1862. 


Mittheilungen. 


Der lithographirte lilhographische Vogelsaurier. 


Unter dem 15. August 1861 meldet von Meyer im Bronn- 
schen Jahrbuche die Entdeckung einer wirklichen Feder im lithogra- 
phischen Kalk von Solenhofen als von einem vortertiären Vogel 
herrührend. und einen Monat später auf eine Mittheilung des 
Obergerichtsrathes Witte die Entdeckung eines fast vollständigen 
Skelets mit Federn, für welches er den Namen Archaeopteryx li- 
thographica einführt. 

Herr Witte, :dem zu Ehren unsere Zeitschrift Bd. XVI, 
127. Tfl. 1. die schön erhaltene Aeschna Wittei aus dem li- 
thographischen Kalk brachte , theilte Näheres über dieses befie- 
derte Skelet mündlich A. Wagner mit, welcher zugleich noch 
von einem andern vollständig sachkundigen Freunde einen‘ münd- 
lichen Bericht darüber erhielt. Beide Berichte lieferten das 
Material zu einem Vortrage in der Münchener Akademie Sitzg. 
9. Novbr. 1861, dessen Betrachtungen damit schliessen, dass das 
befiederte Skelet von einem Saurier herrühre, welcher den Na- 
men Griphosaurus, Räthselsaurier führen müsste. So hatte denn 


527 


‚das seinem Wesen nach noch völlig unbekannte, räthselhafte 
Thier bereits zwei Namen erhalten und zwar von den deutschen 
Paläontologen nach demselben Prineip, nach welchem d’Orbigny 
auf seiner südamerikanischen Reise einen Vogel, den er nur 
im Fluge gesehen hatte, mit einem neuen systematischen Namen 
belegte! 

Da das Fossil ebenso wichtig wie nach diesen Mittheilungen 
zweier sehr geachteten Autoritäten räthselhaft war, so eilte Wa- 
terhouse schleunigst von London nach Pappenheim zum Land- 
arzt Häberlein und kaufte dessen Sammlung Solenhofer Petre- 
fakten mit diesem befiederten Räthselsaurier um 700 Pfund Ster- 
ling für das britische Museum. Dort ist nun R. Owen mit der 
gründlichen Untersuchung desselben beschäftigt und wir begnügen 
uns mit der Abbildung. Eine solche ist im Intellectual observer 
Decbr. 1862 bereits erschienen, und von Weinland im Zoologi- 
schen Garten Nr. 6. d. J. eopirt worden.- Ohne nun den vor- 
aussichtlich sehr gründlichen Untersuchungen Owens irgenwie 
vorgreifen zu wollen wird es doch gestattet sein, den beiden 
Urtheilen auf blos mündliche Berichte noch ein drittes auf die 
Abbildung begründetes hinzuzufügen. 

Die Abbildung zeigt uns ein Skelet ohne Kopf und Hals 
mit völlig zerstörtem Rumpfe, zerrissenen Gliedmassen und yor- 
trefflich erhaltener Schwanzwirbelsäule, an dieser jederseits sorg- 
fältig angelegt eine dichte Reihe langer Federn, ebenso vorn je- 
derseits einen Fächer grosser langer Federn. Die Federn sind 
nur im Abdruck erhalten, die Knochen selbst vorhanden. Da 
Kopf, Hals und Rumpf fehlen: so ist die systematische Bestim- 
mung nicht auf den ersten Blick möglich. Der lange, fadendünn 
auslaufende Schwanz schliesst sogleich die Vögel von der Ver- 
gleichung aus und weist, da seine Wirbel schon vom sechsten 
an aller Fortsätze entbehren, entschieden auf Echsen und nicht 
auf Säugethiere. Die Abbildung giebt 23 Wirbel an, und auch 
an den ersten sind nur Querfortsätze gezeichnet, keine Andeutung 
von Bögen und Dornfortsätzen, Wohl unnatürlich verschwinden 
plötzlich am sechsten alle Fortsätze. Das Becken ist nur in 
der rechten Hälfte und zwar unvollständig erhalten und harmo- 
nirt in der Pterodaktylenähnlichkeit mit dem Schwanze, nicht 
minder das schmale, am Ende breit abgestutzte Schulterblatt. 
Zwischen diesen und dem Oberarm ist ein kleiner starker Knochen 
eingeschoben, ob ein selbständiger oder etwa das hervorgepresste 
Ende eines Schlüsselbeines, das ist aus der Abbildung nicht zu 
ermitteln, wahrscheinlich jedoch das letztere anneiımbar. Weiter 
nach vorn liegt ein starker gekrümmter Knochen, den man als 
Schlüsselbein der andern Seite nehmen möchte. Oberarm und 
Oberschenkel sowie die doppelten Unterarmknochen und die Tibia 
weisen mit den Formen der Gelenkköpfe auch bei dem Mangel 
besonderer Muskelleisten, Sehnen und Gefässrinnen wiederum 


528 


entschieden auf Saurier, vorausgesetzt dass eben die Zeichnung 
genau ist. Dagegen erscheint nun aber der Tarsus als ein ein- 
facher starker Knochen mit vier Gelenkköpfen für die vier'Zehen, 
also nach Vogeltypus gebildet. Die Zehen haben 2. 3. 4. 5. 
Phalangen mit den Krallengliedern der Pterodaktylen. Ausserdem 
sind nur noch feine, fadendünne Rippen vorhanden und ganz 
vorn ein Winkelknochen mit breiten Gelenkenden, den man als 
Gabelbein deuten möchte, das wiederum Vogelähnlich wäre. Von 
dem Flugfinger ist nichts zu sehen, auch auf das Brustbein kein 
Abdruck mit Sicherheit zu deuten. 

Sonach haben wir hier ein Pterodaktylusskelet mit langem 
Schwanze, von den bis jetzt bekannten Arten durch den einfa- 
chen Tarsusknochen unterschieden. Allein gerade dieses Glied 
des Skelets ist noch am ungenügendsten bekannt, von den mei- 
sten Arten gar nicht. Hier liegt übrigens in dieser Bildung des 
Tarsus keineswegs ein entschiedener und ausschliesslicher Vogel- 
charakter, denn wir treffen dieselbe unter den Säugethieren bei 
Dipus und haben in der Fusswurzel der Chamäleonten und Frösche 
den unmittelbaren Uebergang dazu auch bei den Amphibien. 
In ihm hätten wir daher keine grössere Annäherung des Ptero- 
daktylenskelets an den Vogeltypus als in dem seither genügend 
bekannten Bau des Skelets. 

Die Befiederung besteht aus zwei Reihen scheinbar gleich 
langer dicht einander folgender Federn am Schwanze, jederseits 
eine, so dass der Schwanz eine platte Federfahne bildete. In 
der Abbildung gehen alle Federfahnen unmittelbr von den 
Schwanzwirbeln aus und ist weder Spuhle noch Schaft angedeu- 
tet, auch liegen alle Fahnen und ihre Strahlen so regelmässig 
als wäre die ganze Schwanzfahne sorgfältig niedergelegt und 
schön ausgebreitet. Am vordern völlig zerstörten Theile des Ske- 
lets breiten sich die beiden Flügelfittige aus und zwar dieselben 
Federn wie im Schwanze fächerförmig vom Grunde, in welchem 
nichts von Strukturverhältnissen zu erkennen ist. 

Ganz unnatürlich ist es zunächst, dass die Schwanzfedern 
beiderseits unmittelbar von den Wirbelkörpern ausgehen und an 
diesen selbst keine Spur von häutiger Umhüllung erhalten oder 
nur angedeutet ist, in welcher die Federn sich entwickelten und 
befestigt waren, ferner dass an den Wirbeln weder Rinnen für 
Sehnen, noch Leisten und Fortsätze für die Muskeln zur Bewe- 
gung der grossen Schwanzfahne vorhanden sind und drittens, dass 
bei der gänzlichen Zerstörung des Rumpfskeletes doch die Federn 
und ihre Strahlen in schönster Ordnung zum Abdruck gelangt 
sind. Zur Bildung eines so üppigen Federschmuckes ist eine 
dicke gefässreiche Haut unbedingt erforderlich und ihr Raum 
würde in der unmittelbaren Umgebung der Wirbelkörper minde- 
stens doch stellenweise und schwach angedeutet sich erhalten 
haben. Die dünne Haut unserer langen Eidechsenschwänze kann 


529 


nur Schuppen, nimmer aber grosse Federn entwickeln. Die im 
Verhältniss zum Thiere grosse Schwanzfahne bedurfte weiter auch 
einer ganz andern Muskulatur als der dünne beschuppte Eidech- 
senschwanz und wenn v. Meyer an seinen langschwänzigen Rham- 
phorhynchen noch dieSehnenfäden an den Schwanzwirbeln erkannte, 
sollte an dem befiederten Schwanze keine Spur des Muskelappa- 
rates sich erhalten haben. Und die Federn sind an den letzten 
zartesten und kleinsten Wirbeln so lang und stark wie an den 
ersten, so dass man gar nicht zu ermessen vermag, wie sie an 
diesen feinen Knochenkernen Halt gewinnen konnten. Sie liegen 
endlich in schönster Ordnung, müssen also jedenfalls fester an 
den Wirbeln angeheftet gewesen sein als die Wirbel des Rumpfes 
unter einander, da diese völlig zerstört sind. Die gewaltsame 
Zerreissung und Zerquetschung des Rumpfes hat nicht einmal 
die Lage der biegsamen Federn und ihre zartesten Strahlen 
etwas stören können. Wahrlich dazu gehört der Glaube unserer 
glaubensstärksten Theologen. Auch für die grossen Flügelfächer 
suchen wir vergebens nach einem Anheftungspunkte. Schulter- 
blatt, Oberarm und Unterarm zeigen keine einzige Ansatzstelle 
für dieselben, also befestigten sie sich am nicht mehr vorhandenen 
Handtheil. Hier erheischte aber ihre Bewegung um so stärkerer 
Muskeln und Sehnen, für deren Anwesenheit am Oberarm und 
Unterarm auch nicht die geringste Andeutung zu entdecken ist. 
Und welches Wunder erhielt beide Fittige und die Schwanzfahne 
vollständig, während von der übrigen Befiederung und den Weich- 
theilen keine Spur nicht einmal die räumliche Andeutung über- 
liefert, vielmehr auch das Rumpfskelet total zerstört worden ist. 
Deuten wir die angeblichen Federn lieber als feine straffe 
befiederte Borstenhaare, denn ich vermag in der Abbildung keine 
Spuhle und keinen Schaft wie grosse Schwing- und Steuerfedern 
selbige haben zu erkennen: so heben wir damit ihre Beziehung 
zum Skelet gänzlich auf. Feine Borstenhaare entwickeln sich 
und haften auch in dünner Haut, gehören eben nur dieser an 
und sind unabhängig von der Muskulatur, da sie nicht Theil an 
der Bewegung haben, an den Knochen ist also ihre Anwesenheit 
auch nicht einmal angedeutet. Für sie wäre allerdings das 
Wunder der schönen Anordnung bei Zerstörung des Rumpfes noch 
schwieriger wie für Schwung)- und Steuerfedern zu beseitigen. 
Bei solchen Schwierigkeiten und Widernatürlichkeiten kann 
ich nur annehmen, dass die Federn dem Skelete anlithographirt 
sind, das Gestein eignet sich vortrefflich dazu, ermöglicht auch 
künstlichen Radirungen das Ansehen natürlicher Ein- und Ab- 
drücke zu geben und die Anordnung der Federn musste ja eben 
eine absonderliche und unnatürliche sein, da es darauf ankam 
etwas Widernatürliches, einen befiederten Saurier herzustellen. 
Nach dem was bis jetzt zur Beurtheilung des gefiederten 
Sauriers vorliegt, erkläre ich denselben für ein Artefakt, für einen 


530 


Betrug. Der Saurier rechtfertigt in keiner Weise die doppelte 
Taufe, welche ihm vor seiner Geburt schon ertheilt worden. 
Möge es Owens Geschick, Scharfblick und Scharfsinn gelingen 
am Original die Vorwürfe zu beseitigen, welche dessen Abbil- 
dung auf sich ladet, und die Räthsel zu lösen, welche das Fossil 
der wissenschaftlichen Forschung stellt. C. Giebel. 


Das Braunkohlenlager von Latdorf unweit Bernburg. 
Tab. II. 


In einer von buntem Sandstein gebildeten Schlucht ist fast 
rechtwinklich gegen die nördlich davon, in einer Entfernung von 
nur 60 Lachtern (& 6?/; Fuss Rheinl.) vorbeifliessenden Saale 
ein Kohlenflötz abgelagert worden, dessen Länge ca 400 Lehtr. 
dessen Breite ca 200 Lchtr. und dessen Mächtigkeit ca 18 Lchtr. 
am westlichen und ca 8 Lchtr. am nördlichen Flügel beträgt. 
Das Flötz führt eine erdige, lagenweise mehr oder weniger hell- 
braune, flüchtig brennende Braunkohle, schliesst selten Stücken 
von Lignit meistens in sehr zersetztem Zustande ein‘, enthält 
dagegen viel Retinit in bis nussgrossen Partien, gewöhnlich 
in Bernerde eingehüllt oder ganz erdig und Kranzit, beide Harze 
ziemlich gleichmässig in Flötze vertheilt, und wird mehrfach von 
bis 3° starken sandigen Thonstreifen durchzogen. 

Mitunter werden in demselben silifieirte Holzstücke, so 
wie auch mit Kieselsubstanz imprägnirte Partien amorpher Braun- 
kohle, selten, und zwar nur in der obersten Schicht, Anflüge 
oder bis ?/,“ starke Plättchen von Eisenkies angetroffen. 

Das Hangende des Flötzes bildet am westlichen und süd- 
lichen Ende des Lagers eine 3—4 Lachter mächtige Schicht 
von weissem scharfem Sand, (B) mit wellenförmig einfallenden, 
stärkeren und schwächern braunen Koblenstreifen, Sandconcretionen 
einschliessend, welche mit einem festen Kern von Quarzsandstein 
nach aussen zu immer weniger fest werden und endlich wieder 
in Sand übergehen. Den übrigen Theil des Flötzes bedeckten 
vom Tage an: I—3 Fuss Dammerde (G), 1—2 Lchtr. Lehm (F), 
2—4Fuss heller Thon (E), 1—3 Lehtr. dunkeler, thoniger glauco- 
nitischer Sand (D), an Conchylien nur selten Fusus multisul- 
catus enthaltend, welcher letzterer in der darunter liegenden Schicht 
fast gar nicht vorkommt und endlich 1—2 Lchtr. hellgrüner 
glauconitischer Sand (C), die Fundstätte zahlloser Meeresconchylien 
in prächtigster Erhaltung, [deren Herr Giebel bereits 70 Arten 
Bd. XII. 422 —446 und Bd. XVII. 30—47 beschrieben hat 
und welche derselbe demnächst in einer ausführlichen Monogra- 
phie mit vier Tafeln Abbildungen eingehender behandeln wird] in 
2—3 Niveaus bis 6 Zoll starke Schmitze von erbsen - bis nussgros- 
sen, weissen Quarzkörnern und bis erbsengrossen hellgrünen glauco- 


531 


nitischen eckigen Körnern so wie, hauptsächlich in seiner un- 
tern Partie, kugelige und linsenförmige Blöcke von glauconiti- 
schem Sandstein, bis 10 Fss. in Durchmesser gross oder 
5—8 Fss. lang, bis 50 L. schwer einschliessend. Diese Blöcke 
sind ebenfalls Concretionen von dem sie umgebenden Sande, 
enthalten daher dieselben Versteinerungen, werden nach Innen 
zu dichter und homogener, sind zerklüftet, wie die Septarien 
des Thons und auf den Kluftflächen häufig mit kleinen Kalk- 
spathkrystallen besetzt, werden nach aussen zu immer weniger 
fest und gehen endlich ebenfalls, wie die Coneretionen des weis- 
sen Sandes, in Sand über. 

Nur in dem hellgrünen Sande findet sich Eisenkies häufig 
in bis 2 Zoll grossen Kugeln und in nierenförmigen Gestalten, 
z. Thl. aber auch fein vertheilt. C. Zincken. 


Naturgeschichtliche Beobachtungen bei Saalfeld. 


Die Beschreibung des Libellenzuges bei Elberfeld im Fe- 
bruarheft der Zeitschrift hat mich an einen ähnlichen Zug er- 
innert, den ich am 3. Mai 1857 hier in Saalfeld beobachtete. 
Bei ziemlich stillem Wetter und etwas bewölktem Himmel er- 
schienen Vormittags gegen 10 Uhr die ersten noch kleinen Züge, 
auf welche um Mittag die Hauptzüge folgten. Diese waren so 
gross, dass sie gleich den Wolken Schatten warfen. In einer 
Breite von fast einer Viertelmeile zogen sie rauschend über die 
Stadt in östlicher Richtung. Erst am Nachmittag nach 4 Uhr 
hörten die letzten kleinern Züge auf. Auch hier wurden sie von 
Libellula quadrimaculata L. gebildet und zwar waren alle von 
mir gesammelten Exemplare so frisch, als ob sie eben erst die 
Puppenhaut abgestreift hätten. Ueber die Herkunft des Zugs 
war nur zu ermitteln, dass derselbe auch in Blankenburg (1 Meile 
westlich von hier) gesehen worden war und dass Personen, die 
am frühen Morgen vom nahen Gebirge herabgekommen waren, 
erzählten, sie hätten viele Libellen an Halmen und Büschen ru- 
hend erblickt. Es passt das ganz gut zu der von Cornelius 
ausgesprochenen Vermuthung, dass solche Libellenzüge durch Zu- 
zügler aus der Nachbarschaft ihres Wegs Benneng verstärkt 
werden. Den weitern Weg des besprochenen Zugs konnte ich 
nur noch ?/, Meile in östlicher Richtung verfolgen. 

Auf dem Wege nach Schwarzburg fand ich vor einiger 
Zeit Ascalaphus italicus L. Das ist wohl das nördlichste Vor- 
kommen dieses schönen Insekts. Bei dieser Gelegenheit konnte 
ich wieder beobachten, das auf dem grünen (kambrischen) Schie- 
fer die Glockenblumen, namentlich Campanula persicifolia L. auch 
in den kräftigsten 2—3‘° hohen Exemplaren fast weiss blühen, 
während daneben Phyteuma orbiculare L, schwarzblau blüht. 


532 


Es ist dies ein ähnliches Verhalten, wie das von Echium vulgare 
L. und Anchusa offieinalis L. auf Sandboden, auf welchem ersteres 
auch weiss blüht, während letztere das schönste Indigblau zeigt. 
Welche Nahrung verwenden diese Pflanzen zur Färbung ihrer 
Corollen? 

Lassen sie mich daran noch etwas Botanisches knüpfen. 
Im vorigen (feuchten) Jahre pflanzte ich ein Exemplar Cheiran- 
thus chiuri L., nachdem es im Topfe geblüht hatte, ins freie 
Land, vergass aber, die Schoten abzuschneiden. Nach einiger 
Zeit überraschte mich die Pflanze durch neue Blühten aus — 
den Schoten. Ich lege Ihnen eine solche bei (es steht auch der 
ganze Zweig, den ich einlegte, zu Diensten!). Aus der geöffneten 
einen Naht der Schote, die oben noch die Narben zeigt, quollen, 
an die entgegen gesetzte Naht angewachsen, die Kronenblätter 
hervor, in deren Mitte Staubgefässe und Pistill deutlich wahrnehm- 
bar sind. Ist diese Bildung nicht analog jener des Rosenkönigs ? 

Noch eins: Ein dreijähriger Sämling von Azalea indica L., 
der voriges Jahr eine reiche Fülle normaler Blumen gebracht 
hatte, blühte auch dieses Jahr zuerst im März (im Zimmer) und 
wiederum jetzt im Juni (auf dem Blumenbrett im Freien). Beide 
Male erschienen nur wenige, aber grosse Blumen, welche die 
Anfänge zur Füllung beobachten liessen. Von den 5 Kronen- 
zipfeln sind nämlich einer oder einige wieder gespalten und nur 
einzelne Staubgefässe noch im normalen Zustande. Die übrigen 
zeigen zuerst einen blumenblattartigen Saum, der sich bald ver- 
breitert und nochmals spaltet. Erreicht die Verbreiterung die 
Höhe der Antheren, so rücken diese auseinander, bis endlich 
der zum Blumenblatt rückgebildete Träger sich ganz spaltet und 
das auf jeder Hälfte zurückgebliebene Rudiment des Beutels zu- 
letzt völlig verschwindet. In den Katalogen der Kunstgärtner 
finden sich gefüllte Azalien noch nicht — vielleicht könnten solche 
durch fortgesetzte Pflege erzielt werden. 

Saalfeld, Juni 1863. H. Richter. 


Literatur 


Allgemeines. G. Suckow, zur Naturwissenschaft. 
Berlin bei Wiegandt und Hempel. 1863. 8°. — Verf. behandelt in 
diesem Hefte mehrere wichtige Fragen, nämlich: ob die Intensität 
der Erdwärme vom Mittelpunkte der Erde aus mit dem Quadrate 
der Entfernung abnimmt; Gruppirung der sogenannten natürlichen 
Farben der Mineralien, die anomalen Braunit- und Hausmannitformen; 


533 


interessantes Vorkommen gediegenen Goldes;; zur Krystallreihe des 
Bleioxyds; die allmählige Zersetzung des Berylis; die Zwillingsfor- 
men im Mineralreiche; chemische und mechanische Erosionsprocesse 
im Mineralreiche; über den Antheil des Chlorits an der Zusammen- 
setzung bunter Sandsteine bei Jena; die Bedeutung der Wechselwir- 
kung phosphorsaurer Kalkerde und kohlensaurer Magnesia für den 
Ackerbau; über die Nichtigkeit chemischer Untersuchungen verschie- 
denartig gemengter Gesteine. Mögen Mineralogen und Geologen dem 
Schriftchen ihre Aufmerksamkeit nicht versagen. 

C. Hullmann, das Grundgesetz der Materie. Ein 
Beitrag zur Erweiterung der rationellen Physik. Oldenburg 1863 bei 
G. Stalling. 8°. — Nach einer einleitenden Geschichte der Entwicke- 
lung des Begriffes der Materie beleuchtet Verf. die Materie und ihre 
Kräfte, den freien Aether, das Dynamidensystem und die Wärme. 
Die Erörterungen des Verf.’s beanspruchen eine ernste Prüfung sei- 
tens der Physiker, welche leider zum grössten Theile den allgemei- 
nen Fragen sich entziehen. 

HB. Pompper, die wichtigsten Formen des Thierrei- 
chesnach ihren hauptsächlichsten Merkmalen zergliedert. 
Ein Handatlas in 24 Tafeln nebst erklärendem Texte für höhere Schu- 
len und zur Selbstbelehrung sowie zu jedem Lehrbuche der Zoolo- 
gie. 2. verbesserte Auflage. Leipzig 1863 bei Ed. Kummer. Fol. — 
die dargestellten Gegenstände sind zweckmässig ausgewählt und im 
Verhältniss zu dem billigen Preise von 1 Thlr. 18 Groschen auch gut 
ausgeführt, so dass der Atlas als nützliches Hülfsbuch für den zoo- 
logischen Unterricht empfohlen werden kann. Die Erklärung der Fi- 
guren steht bei den Wirbelthieren unter den Tafeln, bei den übrigen 
auf besondern Blättern. Tf. 1—5 bringen Schädel, Skelete und Zähne 
von Säugethieren, 6—8 ebensolche, Köpfe und Füsse von Vögeln, 9. 
und 10. von Amphibien, 11. und 12. nur 14 Figuren für die Fische, 
13 bis 19 von Inseckten und einzelnen Organen, 19 und 20 von Kreb- 
sen, 21 von Würmern, 22 und 23 von Mollusken und Strahlthieren, 
24 von Polypen und Infusorien. An einzeln Abbildungen wäre grös- 
sere Genauigkeit zu wünschen: so zeigt z. B. das Gebiss am Löwen- 
schädel Tf. 2. Fig. 6 falsche Formen, die Einlenkung der Flossen- 
strablen bei den Fischen auf Taf. 11 ist ganz unausgeführt u. dgl. 
Dagegen verdient hervorgehoben zu werden, dass bei den Insekten 
die Mundtheile dargestellt worden sind, worauf leider die meisten 
Lehrer gar keine Rücksicht zu nehmen pflegen. 

E. Hallier, Nordseestudien. Mit 27 Holzschniten und 8 
lithogr, Tafeln. Hamburg bei Otto Meissner 1863. 8°. — Den vielen 
Besuchern der Nordseebäder als sehr belehrende und anregende 
Lectüre während ihres Aufenthalte besonders zu empfehlen, aber auch 
für jeden Freund der vaterländischen Naturgeschichte von Interesse. 
Die einzelnen Abschnitte behandeln: Helgoland als Seebad, das Meer 
als Ganzes und seine Bewegung, Gewitter und Sturm, Sturmfluth 
und ihre Verheerungen, den festen Boden, Dünen und Strandbildun- 


XXI. 1863, 36 


534 


gen, Luft- und Lichterscheinungen, Dünenflora, Küstenvegetation, 
Strand- und Wasserpflanzen, Phanerogamenflora Helgolands, Algen- 
flora, Fragmente aus dem Thierleben, Land und Leute, der Töck 
(eine Flora und Fauna der Vorwelt.) 4 
Physik. Berger, Dr. in Frankf. a. M. Ueber Nebel, 
— Die in der Natur gebildeten Dunstkörperchen sind nicht wesentlich 
verschieden von den in einem Kochfläschchen gebildeten, welches mit 
einer geschwärzten Flüssigkeit zum Theil angefüllt ist. Es zeigt sich» 
dass über der erhitzten Flüssigkeit nach Verstöpselung sich nur dann 
Dunstkörperchen bilden, wenn man Luft zuströmen lässt; also dass 
zur Bildung derselben Luft nothwendig ist. Die Bildung des Dun- 
stes folgt der vordringenden Luft. Befinden sich noch Dunstkörper- 
chen über der Flüssigkeit, wenn man verschliesst, und kehrt man die 
Flasche um, so wächst ihre Zahl bei Abkühlung des Bodens schnell 
und nimmt ab bei wiederholter Erwärmung. Dunstkörperchen kön- 
nen sich wohl in der Luft bilden, ohne eine Temperaturdifferenz 
zwischen oben und unten, ebenso, wenn der Boden kälter ist als die 
Luft über ihm, aber diese Bildung ist in der Regel nicht andauernd. 
Zur Bildung eines längere Zeit fortbestehenden Nebels ist nothwen- 
dig, dass eine hinreichend gesättigte Luftmasse eine niedrigere Tem- 
paratur habe als der Boden unter ihr; dazu genügt schon eine Tem- 
paratur von weniger als 4 GradC. Durch Abkühlung und Erwärmung 
der Seiten des umgekehrten Kochfläschchens lässt sich beobachten, 
dass die Dunstkörperchen im kalten Strome gebildet und durch den- 
selben abwärts geführt, durch den warmen aber emporgerissen und 
aufgelöst werden; also dass von einem Schweben, als einem ruhigen 
Verharren in der Luft nicht die Rede sein kann. Der Grund des be- 
stehend gewöhnlichen Nebels liegt darin, dass durch den wärmeren 
Boden dic herabsteigenden kälteren Luftmassen erwärmt und somit 
zum Wiederaufsteigen geeignet werden; während der fallende Nebel 
kälteren Erdboden fordert und Abwesenheit kälterer Luftströmungen 
Dunstbildung wird vorzüglich durch Einführung eines kalten Gegen- 
standes, Eises, oder kalten Luftstroms hervorgebracht: immer aber 
ist Strömung erforderlich. Die mannigfachen Figuren, die man auf 
der Oberfläche einer gefärbten heissen Flüssigkeit sieht, entstehen 
durch die sich bunt durchkreuzenden auf- und absteigenden Ströme. 
Durch einen hohlen über die erwärmte Flüssigkeit gehaltenen Glas- 
cylinder sieht man einen ununterbrochenen Strom von Dunstkörper- 
chen aufsteigen in Folge des unten eintretenden kalten Luftstroms. 
Wird der Cylinder eingetaucht, so entsteht in ihm ein absteigender 
dunstfreier und aufsteigender dunstreicher Strom, die immer abwech- 
seln; bei fehlendem Cylinder schliessen sich diese Ströme einander 
ein und wird der eine zum Schornstein des andern. Beide Ströme 
sind mit Dunst gesättigt. Herabfallende kältere Regentropfen ver- 
dichten den Dampf der durchlaufenen Strömungen und verringern, 
da Neubildung des Dampfes nicht möglich ist, die Sättigung der 
Luft: Vom Wesen der Dunstkörperchen urtheilte Kratzenstein, dass 


535 


sie hohle Bläschen seien, deren Dicke er aus der Farbe des auffallen- 
den Lichtes berechnete. Saussure und Muncke erklären diese Farben für 
Beugungserscheinungen ähnlich den an Spinngeweben und Samen- 
stäubchen zu beobachtenden. Clausius hat nachgewiesen, dass diese 
Körperchen nicht massiv sein können; Brücke, dass sich nur auf die 
Kleinheit und gleichmässige Vertheilung, nicht aber auf ihre Beschaf- 
fenkeit ein Schluss aus den Erscheinungen ziehen lasse. Berger führt 
nun an, dass Bläschen, ähnlich den Seifenblasen, nur durch gewalt- 
sames Einpressen eines Gases gebildet werden können, und dass diese 
Blasenform von der zähen Flüssigkeit sehr bald wieder aufgegeben 
werde. Die Dunstkörperchen hingegen entstehen meistens in ruhiger 
Atmosphäre, also dass die Unmöglichkeit des Entstehens von Dunst- 
bläschen in’s Auge zu fassen sei. Zur Entscheidung der Frage stellt 
Berger einen Versuch an. Wie an jedem eingeführten kälteren Kör- 
per, so schlagen sich auch an eingeführten kälteren Lufttheilchen ver- 
dichteter Wasserdampf nieder, ohne dass derselbe ausgeschieden wird. 
Indem nun die Cohäsion der Wassertheilchen grösser als die der Luft- 
theilchen ist, werden erstere sich zu einem ausserordentlich kleinen 
Kügelchen vereinigen, um welches sich eine Anzahl von Lufttheil- 
chen herumlagert, so dass wir statt einer wässerigen Hülle mit einem 
elastischen Kern umgekehrt einen wässerigen Kern mit elastischer 
Hülle hätten, welche letztere um so dichter wäre je niedriger ihre 
Temperatur ist. An dieser Lufthülle werden sich neue Dämpfe, de- 
nen das Kügelchen auf diesem Wege nach unten begegnet, anlegen, 
und durch die öftere Wiederholung dieses Vorganges wird schliess- 
lich ein Complex von solchen an einander gereihten äusserst feinen 
Körperchen entstehen, der im allgemeinen um so grösser ist, je grös- 
ser die Temperaturdifferenz ist. Der Grund, warum jene schr klei- 
nen Körperchen sich nicht augenblicklich zu einem einzigen vereini- 
gen ist wiederum in dem ununterbrochenen Luftstrome zu suchen, 
welcher, mit Feuchtigkeit gesättigt, dieser gestattet sich an jene Kör- 
perchen anzulegen, bis diese eine so grosse Annäherung und An- 
ziehung der Theilchen unter einander erlangen, dass sie sich nicht 
vereinigen. Das Herabfallen der Körperchen tritt ein, wenn der auf- 
steigende Strom sie nicht mehr emporzuführen vermag. Zwei Fälle 
sind zu unterscheiden. 1) Ist durch Vermischung der kalten und 
warmen Luft Gleichgewicht hergestellt, so entsteht, wenn die Masse 
unmittelbar über dem Boden schwebt fallender Nebel; schwebt sie 
aber in der Höhe, so entsteht durch Herabdrängen eine Vergrösse- 
rung der Wolke nach unten, und sind die untern Schichten hinrei- 
chend gesättigt, ein sanfter Regen. 2) Bei sehr grosser Temperatur- 
differenz ist der ganze Vorgang ein lebhafterer, gewaltsamerer; Con- 
densation und Verdampfung folgen rasch auf einander; die entste- 
henden nach allen Richtungen auf und durch einander geschleuder- 
ten Wassertropfen werden zu gross und stürzen herab. So entstehen 
Platzregen, beim Maximum der Temperaturdifferenz Hagel. Dringt 
ein feuchter warmer Strom von oben in kalte Luft ein, so entsteht, 


36 * 


536 


wenn diese letzte gesättigt ist, ein warmer Regen von kurzer Dauer 
ohne Wolken im Zenith; dagegen werden ringsum gegen den Hori- 
zont, da wo der eindringende Strom die kalte Luft seitlich streift und 
in Folge dessen Wirbel verursacht, Wolken sichtbar. — (Pyg. 118. 
456.) | Ww. Ww. 
J. A. Angström, über das Wärmeleitungsvermögen 
des Kupfers und Eisens bei verschiedener Temperatur. 
— Dresprez nahm an, dass der Werth von K, dem Leitungsvermö- 
gen, unabhängig von der Temperatur sei, und dass die Abweichung 
von dem geometrischen Gesetz, welches die Wärmeabnahme in Stäben 
von Blei, Eisen oder andern schlechten Wärmeleitern‘ zeigt, haupt- 
sächlich herrühre von der Dicke des Stabes und in Folge dessen: von 
der Temparaturungleichheit der verschiedenen Punkte in einem und 
demselben Querschnitte des Stabes; andere, wie Langberg, Wiede- 
mann, Franz, nehmen an, K sei constant für gute Wärmeleiter, wie 
Kupfer, aber veränderlich mit der Temperatur für die übrigen. A. 
wendet Stäbe von 1178mm Länge und 35mm. Dicke an, welche in Ab- 
ständen von 200mm Löcher von 2mm Durchmesser zur Einsenkung der 
Thermometer haben. Die Dauer der Periode betrug bei den Versu- 
ehen mit dem Kupferstabe 24 Minuten, bei denen mit dem Eisenstabe 
32 Minuten. Der Apparat zur Erwärmung und Abkühlung war so 
eingerichtet, dass das kalte Wasser und der Wasserdampf durch be- 
sondere Hülsen um den Stab geleitet wurden, so dass durch Ortsver- 
änderung der Abstände derselben verschiedene Mitteltemparaturen 
erreicht werden konnten. Durch die mitgetheilten Versuche und Be- 
rechnungen glaubt A. dargethan zu haben, 1) die Anwendbarkeit und 
Genauigkeit der von ihm eingeschlagenen Methode auch zur Bestim- 
mung der Veränderungen, welche das Leitungsvermögen dnrch ver- 
schiedene Temperaturen erleidet; 2) dass das Leitungsvermögen für 
gute Wärmeleiter, wie Kupfer, Veränderungen unterworfen ist, ver- 
gleiehbar mit denen, welche bei weniger guten Wärmeleitern, wie Ei- 
sen vorkommen; wodurch dann 3) die Proportionalität, welche als 
stattfindend zwischen dem Leitungsvermögen der Körper für Wärme 
und Electricität: angenommen wird, an Wahrscheinlichkeit gewinnt. — 


(Ocfeis. af. K. Vetensk. Förhdl. und Pyg. 118, 423.) W. W. 
Gassiot, über die Wärmeentwickelung anden Po- 
len einer Volta’schen Batterie. — Schon 1838 gab Gassiot im 


Phil. Mag. an, dass nach Oeffnung der Volta’schen Batterie ein Lieht- 
bogen entsteht, und dass bei andauernder Entladung der positive. Pol 
rothglühend und schliesslich geschmolzen wird. Grove, ebend. 1840, 
suchte den Grund davon in einer stärkeren Action am positiven Pole. 
Gassiot stellt die Erwärmung als Folge einer Oxydation in Abrede, 
da z. B. bei: Entladung einer Induetionsrolle im Vacuum oder: in 
Luft durch dünne Platindrähte dieselbe Erscheinung am negativen 
Poldrahte stattfindet, jedoch nicht wenn der Poldraht diek ist. G. 
schaltet in die Salpetersäure-Batterie eine 3 Zoll lange Kohlensäure- 
Vacuumröhreein, welche 2, ungefähr 1 Zollauseinander, an: hermetisch 


537 


eingesiegelten Platindrähten befestigte Metall- oder Kohlenkügelchen 
enthielten. Es zeigt sich diese Entladung wie die der Inductionsrolle 
und der Wasserbatterie intermittirend, und es ergab sich, dass, so wie 
die Wirkung der Batterie steigt, das die negative Kugel umgebende 
Glimmlicht allmählig an Grösse wächst, bis nach wenigen Secunden 
die ganze Kugel rothglühend wird. Bei einer Reihe von Versuchen 
zeigt sich, dass die Media, durch welche die Entladungen gingen, 
keinen Aufschluss zur Erklärung der Erscheinung liefern. Bei an- 
dauernder Entladung, wobei im Vacuum zwei Hohlkugeln von Mes- 
sing, zwei von Eisen, zwei von Coke angebracht waren, erhitzte sich 
anfangs die negative Kugel bis zur Rothgluth, dann erfolgte eine 
plötzliche helle geschichtete Entladung; (die Entwickelung der salpetrig- 
sauren Dämpfe bezeugte die kräftige Wirkung der Batterie und als 
die Batterientladung einige Secunden gedauert hatte, verlor die ne- 
gative Kugel plötzlich ihre Helligkeit und die positive ‘wurde roth- 
glühend. Die plötzlich helle Entladung bezeichnet das Ende der 
unterbrochenen und den Anfang der ununterbrochenen oder Bogen-Ent- 
ladung. Eine Vergleichung der Entladung einer Salpetersäurebatterie 
mit der einer Regenwasserbatterie oder einer Inductionsrolle ergibt, 
dass mit Zunahme der Wirkung sich das Glimmlicht am negativen 
Pole vergrössert und die Hitze ebendaselbst ‚sich steigert. Während 
die negative Kugel rothglühend ist, findet kein sichtbares Zeichen von 
chemiseher Action in den Zellen der Batterie statt: die Wärmewir- 
kung scheint vielmehr von der Steigerung der Spannung herzurüh- 
rer; denn wenn die kupfernen Poldrahte mit Goldblatt- Electroscopen 
in Berührung gebracht werden, bleiben die Blätter divergirend bis 
die Bogenentladung eintritt, bei der sie sogleich zusammenfallen und 
Hitze am positiven Pole entwickelt wird. Dass während der unter- 
brochenen Entladung im Vacuum am negativen Pole ein Widerstand 
stattfindet, geht ausserdem daraus hervor, dass Metall von diesem 
Pole in kleinen Theilchen abgerissen und in seitlicher Richtung auf 
die Wand der Röhre abgelagert wird. Damit Bogenentladung statt- 
finden kann, ist eine starke Wirkung der Batterie erforderlich: die 
Entladung ‚wird äusserst lebhaft, die Schichtungen nehmen die Ge- 
stalt eines Kegels an, dessen Scheitel gegen den negativen Pol ge- 
richtet ist, und sogleich wird Hitze am positiven Pole wahrnehmbar, 
während der negative sich abküblt. G, zieht den Schluss, dass die 
Wärmeentwickelung sowohl am positiven als am negativen Pole der 
Volta’schen Batterie gänzlich herrühre von dem Betrage des Wider- 
standes, welcher in jenem Theile des Schliessungsbogens der Batterie 
stattfindet. — (Proc. of. Roy. Soc, XI, 329; Pyg. 119, 31.) W. W. 
Chemie. Theoretische. Arppe, über die Azelain- 
säure,. Verf. behält für die zuerst von Laurert unter den Oxyda- 
tionsproducten der Fette mittelst Salpetersäure gefundene Säure, den 
won Laurert gebrauchten Namen bei. und zeigt dass die Lepar- 
gylsäure von Wirz, und ‚die Anchoinslure von Buckton damit 
dentisch seien. Sie bildet sich aus allen fetten Säuren mit Ausnahme 


538 % 


der nach der Formel En Hzn $; zusammengesetzen, am besten eignet 
sich jedoch das Ricinusöl. Die Azelainsäure oder Azelsäure ist schwer 
in kaltem (700 Th.), leicht in heissem Wasser löslich. Die wässe- 
rige Lösung kann nicht ohne Verflüchtigung eines Theils der Säure 
mit den Wasserdämpfen concentrirt werden. In Aether ist sie noch 
leichter, in Alkohol am leichtesten löslich. Aus wässeriger Lösung 
kann sie in zolllangen Krystallen erhalten werden. Sie schmilzt bei 
106° und erstarrt nach dem Schmelzen krystallinisch, in höherer Tem- 
peratur ist sie theilweise flüchtig, die Dämpfe reizen stark zum Hu- 
sten, wenn auch schwächer als die der Benzoesäure; dieselben sind 
brennbar mit leuchtender Flamme und reagiren sauer. Die Zusam- 
mensetzung der Säure ist £&3Hjs 4, in den Salzen sind 2 Atome Was- 
serstoff durch 2 Atome Metall vertreten. Einige Salze nehmen Kry- 
stallwasser auf. Die Alkalisalze effloresciren. — (Annal. d. Chem. u. 
Pharm. CXXIV, 86). Swt. 
L. Carius, über Entstehung der Schwefelessigsäure. 
— Verf. geht von der Idee aus, dass die Sulfhydrate mehratomiger 
organischer Verbindungen bei ihrer Oxydation auf jedes Atom in 
ihnen enthaltenen Schwefels 3 Atome Sauerstoff aufnehmen, so dass 
also aus Monosulfoglycolsäure Schwefelessigsäure entstehen müsste nach 
) 80 
der Gleichung (8 +03 - 0212000, Diese Vermuthung hat 
2 
C bestätigt gefunden, und gibt in seiner Arbeit die nähern Eigen- 
schaften der Säure und deren Salzen an. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. 


CXXIV, 43.) Sut. 
L. Carius, Einwirkung von Selenphosphor auf Al- 
kohol. — Selenphosphor, dargestellt durch Zusammenschmelzen ro- 


then amorphen Phosphors und fein vertheilten Selens in einem mit 
Kohlensäure gefüllten Glasrohre, wird gepulvert in kalten absoluten 
Alkchol gebracht. Es entwickelt sich reichlich Selenwasserstoff, et- 
was Wasserstoff, und es scheidet sich etwas feines Selen ab. Nach 
Beendigung der Reaction wird aus der filtrirten Flüssigkeit mit Wasser 
ein öliger Körper abgeschieden, der zuerst mit Fliesspapier dann unter 
der Luftpumpe vom Wasser befreit wurde. Er ist schwerer als Wasser, 
sich mit diesem besonders in der Wärme zersetzend. Blassröthlich und 
von schwachem Geruch nach Selenwasserstoff. C. hält ihn für Dise- 


PSe Os N) 2 
lenophosphorsaures Aethyloxyd (& H,)|Se (Ebenda pag. 57.) — Swt. 


L. Dufour, dasspec. Gew. des Eises. — Dasselbe wurde 
bestimmt in einer Mischung von Chloroform und Steinöl, welche das 
Eis nicht auflöst; im Mittel aus 16 Versuchen ergab sich das spec. 
Gew. 0,9178, wonach sich das Wasser im Moment des Gefrierens 


fast genau um !/ıı seines Volums ausdehnt. — (Annal. d. Chem. und 

Pharm. CXXIV, 42.) Swi. 
L. Gilmer, über Identität von Melampyrin und 

Duleit. — Das Melampyrin (dargestellt aus Melampyrum memoro- 


sum, Scrophaloria nodosa, und Rhinantus crista galli) schmilzt bei 


539 


1820, C, verliert bei 275° C im trocknen Luftstrome Wasser, indem 
es sich etwas bräunt, liefert mit Salpetersäure, Schleimsäure, Oxal- 
säure und einen Kupferoxyd reducirenden Stoff. Er bildet farblose 
Krystalle von schwach süssem Geschmack, ist nicht gährungsfähig 
und ohne Rotationsvermögen und geht mit Baryt eine Verbindung 
ein, die leicht krystallisirt und von der Dulcitbarytverbindung nicht 
zu unterscheiden ist. Auch in der Zusammensetzung € Hı9s stim- 
men beide Körper überein. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. OXXII, 
372.) Swt. 

E.Frankland, über neue Borenthaltende organische 
Verbindungen. — Man liess auf das nach der Roseschen Methode 
dargestellte borsaure Aethyloxyd Zinkäthyl einwirken; wobei unter 
Temperaturerhöhung ein durchdringender Geruch entstand, herrüh- 
rend von einer flüchtigen Verbindung, die an die Luft tretend selbst- 
entzündlich ist und mit grüner Flamme brennt. Im reinen Zustande 
siedet die Verbindung bei 95° und erwies sich als Boraethyl, ent- 
standen nach der Gleichung 


&H;,® \|&H; 
2B’&H;9 13 Zu, —2B | H, +6,80 
/Hs0 (2Hs ).H; 


Sein spec. Gew. ist 0,6961 die seines Dampfes 3,4006. Die Verbin- 
dung ist unlöslich in Wasser, und wird von demselben kaum zersetzt. 
Jod wirkt ebenfalls kaum darauf. Mit Sauerstoff explodirt sie. Mit 
wasserfreiem Ammoniakgas tritt sie direct zu einer öligen Flüssigkeit 
zusammen, die jedoch sehr leicht wieder bei Luftzutritt in ihre Com- 
ponenten zerfällt. Sobald sich das Boräthyl allmählig oxydirt, entsteht 
eine bei 125° siedende wasserhelle Flüssigkeit von der Zusammen- 
setzung B(C,2H;)302.. Bei Anwendung von Zinkmethyl werden die 
Methylverbindungen erhalten. Das Bormethyl B(€H3); ist bei — 16° 
noch gasförmig, wird aber bei 10° unter Druck von 3 Atmosphären 
flüssig, reizt in seinen Dämpfen heftig zu Thränen und hat einen un- 
erträglichen Geruch. Sein spec. Gew. ist 1,93137. Es ist in Wasser 
wenig löslich, leicht in Alkohol und Aether und entzündet sich in Be- 
rührung mit der Luft, mit glänzend grüner Farbe verbrennend. Mit 
Ammoniakgas verbindet es sich ebenfalls direct. Die Verbindung kry- 
stallisirt aus Aether in schönen baumartig verwachsenen Krystallen, 


die bei 56° schmelzen und bei 110° C sieden. — (Annal. d. Chem. u. 

Pharm. CXXIV, 129.) Swt. 
E. Frankland, über die Entzündungstemperatur des 

Steinkohlenleuchtgases. — 1) Das Gas kann selbst bei den 


günstigsten Verhältnissen nicht bei einer Temparatur entzündet wer- 
den, welche niedriger ist, als die, bei welcher Eisen in mässig hel- 
lem Zimmer rothglühend erscheint. 2) Die hohe Entzündungstem- 
paratur beruht hauptsächlich auf dem Gehalt von Oelbildenden Gase, 
welches die Entzündungstemperatur selbst leicht entzündlicher Gase 
wie Schwefelkohlensioff erniedrigt, resp. die Entzündung verhindert. 
3) Die Entzündungstemperatur von Grubengas liegt höher als die des 


540 

Leuchtgases, somit können die Davy’schen Sicherheitslampen in Gru- 
bengas gefahrlos benutzt werden, während sie bei Leuchtgas weni- 
ger Sicherheit gewähren. 4) Gemische von Leuchtgas und Luft können 
durch Funken, die von Metall oder Steinen absprühen (z. B. Schlag 
von Werkzeugen oder Hufeisen auf Pflaster) entzündet werden. 5) 
Entzündung kann auch eintreten, wenn ein andrer Körper zugegen 
ist, wie ‘Schwefel oder Schwefelhaltige Substanzen, Baumwollenab- 
fälle, die durch Berührung von noch nicht rothglühenden Eisen ent- 
zündet werdet- — (Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXIV, 101) S 

Henneberg, Stohmann und Rautenberg, Untersu- 
chung des Harns der Pflanzenfresser. — Es handelte sich 
darum, die Veränderungen des Harnstoff-, Hippursäure-, Bicarbonat-, 
Kochsalzgehaltes, etc. bei verschiedenem Futter zu erfahren, und die 
Untersuchungen ergaben folgende Resultate, 1) Der an Hippursäure 
reichste Harn (2,1—2,7 pre.) ist bei Fütterung von Cerealienstroh 
(Hafer und Weizen) mit geringem Zusatz von stickstoffreichen Boh- 
nenstroh erhalten. Fütterung mit Kleeheu und Bohnenstroh hat eine 
Depression der Hipptrsäure auf 0,4 pre. und darunter zur Folge. 
Bei eigentlichem Wiesenheu steht der Hippursäuregehalt in der Mitte 
1,2 —1,4 pre. 2) Ausser der Art des eigentlichen Tagesfutters übt 
auch der demselben beigegebene Zuschlag von leicht verdaulichen 
Substanzen (Bohnenschrot, Stärke, Zucker, Oel) Einfluss auf die Hip- 
pürsäurebildung aus, indem bei vermehrtem Zusatz dieser Stoffe zum 
Futter die Hippursäure abnimmt aber der Harnstoffgehalt sich erhöht, 
3) Der Gehalt an Bicarbonat ist vom Gehalt des Futters an kohlen- 
sauren resp. pflanzensauren Salzen abhängig; so wurde bei Klee- 
heufütterung der grösste Kohlensäuregehalt 1,6—1,8 prc., bei Weizen- 
stroh und Bohnenschrot fast gänzliches Verschwinden derselben beo- 
bachtet. Der kohlensäurefreie Harn bei Weizenstrohfutter reagirte 
sauer, während alle übrigen Harnsorten alkalische Reaction hatten. 
Nach einer Mittheilung von Krant beobachtete Uelsmann bei auf der 
Weide. ernährten Kühen ebenfalls einen kohlensäurefreien aber sauer 
reagirenden Harn. Wurde der Weizenstrohration bei der Fütterung 
essigsaures Kali zu 75grm. täglich zugegeben, so trat die alkalische 
Reaction des Harns wieder ein. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXIV, 
181.) Swt. 

C. Harbordt, über Amidobenzoesäure. Es wird zuerst 
über die Darstellungsweise der Säure gesprochen und bemerkt, dass 
die älteste Methode von Zinin die brauchbarste sei, während die von 
Gerland und Schiff sehr schlechte Ausbeuten geben. H. hat die Ein- 
wirkung der wasserfreien Salzsäure auf Amidobenzoesäure studirt 
und zwei Producte enthalten; das in Wasser lösliche ist salzsaure 
Amidobenzoesäure, die unlösliche ist das Anhydrid der Säure. Phos- 
phorsuperchlorid erzeugt unter Entwickelung von Salzsäure phosphor- 
saure Amidobenzoesäure und einen andern Stoff C7HSNO2. — (Annal. 
d. Chem. u. Pharm. OXXIH, 287.) Suwt. 

C. Harbordt, über das Rautenöl.— Nach seinen Unter- 


541 


stüchüngen kommt Verf. zu dem Schluss, dass der Hauptbestandtheil 
des Oeles kein Aldehyd, sondern ein Keton von der Zusammensetzung 
(Metylcaprinol) sei. — (Ebenda pag. 293.) Sat, 
Jos.Lerch, über die aus Kohlenoxydkalium darstell- 
baren Säuren. Die fortschreitende Farbenveränderung des Koh- 
lenoxydkaliums ist hauptsächlich einer fortschreitenden Oxydation zu- 
zuschreiben, so dass die Masse erst von schwarz in grau, wieder 
schwarz, grün, roth und endlich in gelb übergeht. Aus der noch nicht 
veränderten Substanz, die L. als €&j0@10Kıo zusammengesetzt ansieht 
hat er durch Salzsäure eine in weissen Nadeln krystallisirende Säure 


dargesteit CrHlı0ıo = ae, — Trihydrocarboxylsäure. Wird 


das ursprüngliche Kohlenoxydkalium vor Behandlung mit Salzsäure 
mit Alkohol in. Berührung gebraeht, so wird ‚eine in schwarzen Na- 
£10H3s01 = u 9, = Bihydrocarboxyl- 
säure erhalten. Ist die Masse vor und nach Behandlung mit Wein- 
‚geist mit Luft in Berührung gewesen, dann wird mit Salzsäure eine 
in dunkelgraurothen bis schwarzen Nadeln krystallisirende Säure aus- 


£j0Hs910 = er Hydrocarboxylsäure. Istendlich die 


deln krystallisirende Säure 


geschieden 


Masse vollends an der Luft roth geworden, dann stellt sie das Kali- 
SwHseıo = eo nennt, 
aber nicht mehr unverändert abgeschieden werden kann, sondern durch 
Aufnahme von Wasser in Rhodizonsäure, in ungefärbten langen Pris- 
men krystallisirend, übergeht, £10H4010 . 2 H>0 = '2 (€5H,8,). 
Oder das carboxylsaure Kali geht einfach durch Spaltung” ohne Was- 
'seraufnahme in. krokonsaures Kali über £10K4010 = 2. 65K39:. 

Von der freien Rhodizonsäure führt L. an, dass sie bei 10000, 
getrocknet Wasser verliert und schwarz wird 


&H9 H_ _ CGH9) 
120 — u = = H02 


salz einer Säure;dar, die L. Carboxylsäure 


Mit essigsaurem Bleioxyd scheint die Säure ein dunkelrothes basisches 
Salz zu bilden. Ausser diesen genannten Säuren führt L. noch einige 
andere an, die aus den erwähnten durch Oxydations- oder Reduc- 
tionsmittel erzeugt werden können, z. B. Oxycarboxylsäure, Oxykro- 
konsäure und Hydrokrokonsäure. Ferner ist es ihm gelungen in der 
letzteren einen Theil des typischen Sauerstoffs durch Schwefel zu er- 
setzen, und eine Verbindung zu erhalten, der er den Namen Hydro- 
thiokrokonsäure gibt. 
£10H26023 —= Oxycarboxylsäure. 


! 
Me E90 — Hydrokrokonsäure. 


ne — Hydrothiokrokonsäure. 
(Annal, d. Chem. u, Pharm. OXXIV, 20.) Swt, 


. 


542 


Rieth und Beilstein, Synthese des Amylen und Pro- 
pylen. — Bei Einwirkung des zweifach Chlorkohlenstoffs auf Zink- 
aethyl entstehen neben Chlorzink und Chloraethyl Aethylen und Pro- 
pylen ECi® + 3 (Zn. &H;) = &3H; + €5Hs + 3 Zn. Cl + &H;Cl, 
Die bei der Einwirkung entwickelten Gase werden zuerst durch ein 
aufrechtstehendes Kühlrohr, eine leere Flasche, durch eine mit alko- 
holischer Schwefelkaliumlösung und eine mit wässrigen Kali gefüllte 
Flasche geleitet, um das gebildete Chloraethyl zurückzuhalten, sodann 
traten die gereinigten Gase von Aethylen und Propylen in eine mit 
Brom gefüllte Vorlage. Die gebromten Gase wurden dann weiter 
untersucht. Bei Einwirkung von Chloroform auf Zinkaethyl ensteht 
neben Chlorzink Aethylwasserstoff und Amylen £HCl? -++-'3 (Zn. &,H,) 
—= 3 Zn. Cl+ &;Hg + 65H10.- Anderthalbchlorkohlenstoff und Zink- 
aethyl liefern Einfachchlorkohlenstoff, Chlorzink und Chloraethyl 
&Cl; + Zu. &H; = C,Ch + Zn. Cl+ &H;Cl. Einfachchlorkohlen- 
stoff scheint gar nicht auf Zinkaethyl zu wirken. — (Ebenda OXXIV, 
242). Swt. 

H. E.Roscoe, über den UVeberchlorsäureaether. Der- ' 
selbe wird von R. naeh der Angabe von Hare und Boyle dargestellt 
aus überchlorsaurem und aethylschwefelsaurem Baryt und gefunden. 
dass die Angaben des Entdeckers über seine stark explosiven Eigen- 
schaften durchaus nicht übertrieben seien. Es ist deshalb rathsam 
nur je 10 Grm. beider Salze auf einmal zu destilliren. Um den 
Aether explodiren zu machen, genügt ihn im wasserbefreiten Zustande 
zu schütteln oder aus einem Gefäss ins andere zu giessen. Unter 
Wasser ist er weniger explosiv, und kann sogar unter ihm destillirt 
werden. R. fand so seinen Siedepunkt bei 740 C. — (Annal. d. Chem. 
u. Pharm. CXXIV. 124). Swit. 

H.Schiff, über Löslichkeit der Salze. S. macht bei 
Gelegenheit einiger theoretischer Betrachtungen darauf aufmerksam, 
dass bei analog zusammengesetzten Doppelverbindungen diejenige 
die löslichere ist, welche neben dem gemeinschaftlichen Bestandtheil 
die für sich weniger lösliche Verbindung enthält, z. B. Kalialaun 
leichter lösslich als Ammoniakalaun. — (Annal. d, Chem. u. Pharm. 
CXXIV. 179. Swt. 

C. Schönbein, über die Erzeugung salpetersauren 
Ammoniaks. — Man erhitze einen offenen Platintiegel gerade so 
stark, dass ein auf den Boden fallender Wassertropfen sofort verdampft, 
ohne das Leidenfrostsche Phänomen zu zeigen, und lasse fortwährend 
tropfenweise Wasser in den Tiegel fallen, so dass jedesmal die voll- 
ständige Verdampfung abgewartet wird, bevor ein neuer Tropfen ein- 
gebracht wird. Hält man über den Platintiegel eine kalte Flasche, 
in der sich die gebildeten Wasserdämpfe verdichten können, so er- 
hält man im verdichteten Wasser mit Schwefelsäure und Jodkalium- 
kleister eine starke Reaction. Das Material des Tiegels in dem das 
Wasser verdampft ist gleichgültig. Da sich ferner bei jeder Ver- 
brennung von Wasserstoff in Luft, von Fetten, Leuchtgas et Nitrite 


543 


von Ammoniak bilden, so muss eine beträchliche Menge davon durch 
die Schornsteine in die Luft gelangen. Verbrennt man kleine Stück- 
chen Phosphor so lange auf einem mit etwas Wasser bedeckten Teller 
unter einer Glocke bis das, Wasser stark sauere Reaction annimmt, 
so findet sich immer auch etwas Ammoniak in der Säure. Auch bei 
der Verbrennung des Arsens ‚und Schwefels findet die Ammoniak 
und Nitritbildung statt. — (Anual. d. Chem. u. Pharm. OXXIV, 1). 
Swt. 

A. Strecker, über Bestandtheile der Schweinesalle. 
Da die Hauptbestandtheile der Schweinegalle jetzt ziemlich genau 
bekannt sind, erstreckte sich die Untersuehung auf die in geringerer 
Menge vorkommenden Substanzen. Es wurden nachgewiesen Fleisch- 
milchsäure, ein von Str. Cholin genannter Stoff, und Glycerinphos- 
phorsäure. Das Cholin sowohl als seine Salze sind nicht krystallisir- 
bar, nur das Platinchloriddoppelsalz kann in Krystallen von der Zu- 
sammensetzung '&;HısN®. HCl. + PtCl2 erhalten werden. Die freie 
Basis reagirt alkalisch und kann entweder als Amylenoxyd -Ammo- 
niak £;H}09. NH3 oder als Aethylenoxyd-Trimethylamin €&2H4@N.&;zH; 
aufgefast werden. In Betreff der Glycerinphosphorsäure nimmt Str. 
an, dass sie sich erst durch das Kochen mit Baryt aus einem von 
ihm Leeithin genannten Körper gebildet haben möchte, — (Annal. d, 
Chem. u. Pharm. OXXIll, 353). Swt. 

A. Strecker, über Zersetzung des Caffeins. — Nach 
Mulder zerfällt das Caffein beim Kochen mit Barytwasser in Cyan- 
eäure, ameisensaures Ammoniak und Alkohol. Von Wurtz wurde 
dann später die Bildung des Methylamins nachgewiesen. Diese letz- 
tere Zersetzung bestätigt Str., findet aber noch eine neue von ihm 
Coffeidin genannte Basis, deren Bildung er durch die Formel erklärt 
£sH10N.:d + H9 = €92 + CrHR2Na0. Er bemerkt jedoch, dass 
sich neben dieser neuen Verbindung noch eine andre in den Mutter- 
lauge befinde, die er noch nicht näher kennen gelernt habe. 'Das 
Caffeidin ist in Wasser und Alkohol sehr leicht, in Aether ziemlich 
schwer löslich. Es ist nicht destillirbar und gibt mit Platinchlorid 
keinen Niederschlag. Der Zusammenhang zwischen Caffein und Caf- 
feidin drüekt Str. durch die Formel aus: 


C3Ns CN | 
£ Ha 
Hg und 5, B,ohN 
2£Hs 2 GHa3 
Caffein Caffeidin. 
(Ebenda pag. 360). Sut. 
A.Strecker, überZersetzung des Alloxans. — Versetzt 


man Alloxan mit Alanin, so entwickelt sich Kohlensäure und Alde- 
hyd und Murexid scheidet sich aus. Nimmt man statt Alanin Leucin- 
lösung, so entweicht CO2, es scheidet sich Murexid ab, und bei der 
Destillation der Flüssigkeit erhält man Valeraldehyd. Bei Anwen- 
dung von Glycocoll sollte eigentlich der Aldehyd der Ameisensäure 


544 


entstehen. Man erhält aber nur Kohlensäure und Wasser. — (Eben. 


da pay. 363). Swt. 
A. Strecker, über ein dem Chinin isomere Basis aus 
Cinchonin. — Es wurde zuerst aus Cinchonin nach der von Lau- 


rent angegebenen Vorschrift Bibromeinchonin gemacht, welches dann 
entweder mit Silberoxyd oder alkoholischer Kalilösung die neue 
Verbindung gab. Sie ist mit dem Chinin gleich zusammengesetzt 
Ca0 Haı Na 93 in Säuren leicht lösslich, fluoreseirt aber nicht, wie Chi- 
ninlösung. Die Salze krystallisiren schwer. Dieser Verschiedenheit 
der Eigenschaften wegen nennt Verf. die neue Base zum Unterschied 
von Chinin Oxyceinchonin. — (Ebenda pag. 379). Sut. 
L. Troost, das Aequivalentgewicht des Lithiums. 
— Chemisch reines kohlensaures Lithion wurde in Salzsäure gelöst 
und aus dem erhaltenen Chlorlithium durch Bestimmung des Chlors 
als Chlorsilber das Atomgewicht des Lithiums berechnet und in Ueber- 


einstimmung mit dem von Diehl bestimmten = 7 gefunden. — (Eben- 
da pag. 284.) / Swt. . 
H. Schwanert, über Camphren. — Die von Delalande 


und Chautard gemachten Beobachtungen über die Bildung eines öli- 
gen Productes bei der Einwirkung von concentrirter Schwefelsäure auf 
Campher werden bestätigt und als günstigste Bedingung angegeben 
1 Th. Campber mit 4 Th. Schwefelsäure 5—6 Stunden auf 100 Grad 
zu erhitzen. Bei längerer Einwirkung entstehen andere nicht flüch- 
tige Zersetzungsproducte. Schw. reinigte das Product nach mehr- 
fachen Rectificationen, durch die es jedoch nicht ganz vom beigemeng- 
ten Campher befreit werden kann, dadurch, dass er es 4—5 Tage in 
einer tubulirten Retorte nahezu bei der Siedetemperatur mit Wasser- 
stoffgas behandelte, bis sich keine Campherkrystalle mehr im Retor- 
tenhalse ansammelten. Das reine Camphren siedet bei 230 — 2350 C. 
hat ein spec. Gew. von 0,9614, ist unzersetzt flüchtig, ist optisch 
unwirksam, unlöslich in Wasser, leicht löslich in Alkohol und Aether. 
Sch. legt ihm nach seinen Analysen, abweichend von Chautard, die 
Formel €9H14Q0 bei, wonach es also dem Phoron isomer wäre. Dies 
beweist er durch Einwirkung von Schwefelsäure, Phosphorsäureanhy- 
drit, wobei ein dem Cumo! isomerer Kohlenwasserstoff £9 H!2 gebildet 
wird, Salpetersäure, wobei zweibasische Camphrensäure 69 Hs 94 
entsteht, Phosphorsuperchlorid, wodurch ein dem Chlorphoryl ent- 
sprechendes Chlorcamphryl erzeugt wird 6°%HW%Cl. Schliesslich -wer- 
den noch Methyl und Acetylcamphren £9H!3(GH2)@ und €'8H2?(E2H39)92, 
entstanden durch Einwirkung von Jodmethyl und Chloracetyl auf in 
Benzol gelöstes Camphren. Sie sieden das erste bei 225—2300, ‚das 
zweite bei 230 — 240°, ersteres ein angenehm, letzteres ein unange- 
nehm riechendes Oel. — (Ebenda pag. 298.) Sut. 
Geologie. R. v. Benningsen-Förder, das nordeure- 
päische und besonders das vaterländische Schwemm- 
land in tabellarischer Ordnung seiner Schichten und Bodenarten. Ein 
geognostischgeographischer Versuch. Berlin 1863. Fol. — Die ‚allu- 


545 


vialen und Diluvialgebilde haben unter den forschenden Geognosten 
viel weniger Freunde als ihre wissenschaftliche Bedeutung wünschen 
lässt und dass diese keine geringe ist, dafür sprechen die vorliegen- 
den Untersuchungen und Betrachtungen des Verfi.’s. Dieselben behan- 
deln das jetzige Alluvium in 41 Paragraphen, das alte Alluvium oder 
die Eis- und Gletschergebilde und nordischen Geschiebe in 3, ferner 
die Lehm- und Lehmmergelformation und als altquartär den Thon- 
mergel und regenerirten Formsand, endlich in 10 Paragraphen das 
tertiäre Schwemmland, so dass überhaupt 60 Gebilde über der Kreide- 
periode unterschieden werden. 

Ed. Suess, über die einstige Verbindung NAfrikas 
mit SEuropa. — Hörnes’ Untersuchungen der Wiener Tertiärmol- 
lusken haben eine überraschende Uebereinstimmung der marinen 
Stufe mit der heutigen an der senegambischen Küste ergeben und 
Verf. folgerte schon früher, dass einst ein Meer vom Golfe von Gam- 
bia bis in die Gegend südlıch vom Höhenzuge Idjil in der Landschaft 
Aderer sich erstreckt habe, die senegambischen Gestade mit jenen 
des Mittelmeeres verbindend. Auch Laurent mit der Ausführung ar- 
tesischer Brunnen am NRande der Wüste beauftragt, bestätigte in 
seinem Berichte, dass die Wüste einst von einem Meeresgolfe über- 
schwemmt war, der durch den Golf von Gabes hereingetreten und 
dessen unverkennbare Spuren sich in wiederholten Terrassen längs dem 
SRande des Aouresgebirges zeigen, wo die einstigen Uferstände des 
Meeres auch durch einen der heute noch häufigsten Uferbewohner des 
Mittelmeeres, Cardium edule, angedeutet sind, dessen Schalen in Menge 
hier ausgestreut liegen, ja sogar in einzelnen Tümpeln der Wüste 

‚noch fortleben soll. Noch jetzt liegen beträchtliche Strecken der 
Wüste tief unter dem Meeresspiegel. Auch unter den Wiener tertiä- 
ren Muscheln sind mehrere Arten bekannt geworden, welche heute 
ihre Verbreitung bis an den Senegal ausdehnen so Lutaria oblonga, 
Tellina crassa und lacunosa, Venus ovata, Dosinien, Tugon anatina, 
Tellina 'strigosa, Mactra Bucklandi. Alle Schilderungen der Wüste 
erklären dieselbe auch für einen alten Meeresboden. Die heutige 
Landfauna Marokkos und Algiers bis zur Cyrenaica stimmt. wesent- 
lich ganz mit der südeuropäischen überein, einerseits mit der der py- 
renäischen Halbinsel, andererseits mit der süditalischen, während am 
Senegal und Gambia und in den übrigen jenseits der Wüste folgen- 
den Gegenden bis an den Nil erst der eigentliche afrikanische Cha- 
rakter hervortritt. Elephant, Nashorn, Flusspferd, Giraffe, Krokodil 
0.3. w. überschreiten die Sahara nicht und der Contrast dieser marok- 
kanischalgierischen Landfauna mit der eigentlich afrikanischen ist ein 
sehr lebhafter, während die Verbindungsglieder mit Europa unver- 
kennbar sind, Das Herübergreifen des Inuus ecaudatus nach Gibral- 
tar ist bekannt, der italische Sorex etruscus ist in Algier gefunden; 
der Fuchs in Italien lichter als in Deutschland findet sich in, Algier 
in einer noch lichtern Art. : Strauch erwähnt; in Algier die meisten 
südeuropäischen Reptilien und von den Käfern sagt Erichson: eine 


& . 
546 


Anzahl der algierischen Arten gehört auch der mitteleuropäischen 
Fauna an, eire grössere verbreitet sich über alle Küstenländer des 
Mittelmeeres, wenige mit Einschluss, die meisten mit Ausschluss Ae- 
gyptens, welches in seiner Fauna mehr den Charakter Mittelafrikas 
zeigt. Die meisten Arten hat Algier mit den gegenüberliegenden Si- 
cilien und Sardinien, weniger mit dem italischen Festlande gemein, 
wie dasselbe mit der spanischen Haibinsel und Marokko der Fall ist. 
Bei den Landschnecken wiederholen sich diese Erscheinungen. Nach 
Forbes sind in Marokko und Spanien sogar die Gebirgsschnecken diesel- 
ben. Glandina algira findet sich in schmälerer Form von Isonzothale bis 
Constantinopel, während die breitere Abart Unteritalien, Sicilien und 
Algier verbindet. Alle südeuropäischen Teichmuscheln finden sich nach 
Martens in Algier. Die heutige Landfauna lehrt uns also die cana- 
rischen Inseln, Marokko, Algier und das SWEuropa als einen zu- 
sammenhängenden Complex erkennen, von welchem Forbes es wahr- 
scheinlich gemacht hat, dass er sich bis Cornwall erstreckte. Seine 
Fauna nennen wir die lusitanische. Ferner fand Anca in den Kno- 
chenhöhlen Siciliens Ueberreste, die von heute lebenden Land- und 
Meeresconchylien (Helix aspersa, Cardium edule) begleitet waren, näm- 
lich von der gefleckten Hyäne, Bär, Wolf, Fuchs, Stachelschwein, Ka- 
ninchen, Elephant, Flusspferd, Schwein, Esel, Rind, Hirsch, Schaf. 
Hier also neben typischen Europäern ächte Afrikaner von jenseits 
der Wüste. Aehnliche Beziehungen beider Faunen sind auch in Spa- 
nien nachweisbar. Es lässt sich heute nicht einmal vermuthen, auf 
welchem Wege, durch welche Ereignisse das Verschwinden der lange 
in Europa heimischen, jetzt afrikanischen Formengruppe aus Europa 
veranlasst worden. Anca behauptet, dass selbst während der Existenz 
der heutigen Faunen noch eine Verbindung bestanden hat. Eine erste 
Andeutung einer Communication der unterseeischen Rücken, welche 
von Sicilien zur afrikanischen Küste zieht, von dem Smyth sagt, dass 
er die ausgedehnten Plateaus der Adventure Bank und die Skerki- 
klippen umfasst, welche die versunkenen Arae Virgils sein sollen. Bei 
allem Dunkel sind wir doch schon im Stande in der heutigen Bevöl- 
kerung Europas nicht etwa nur eine Anzahl von selbstständigen For- 
mengruppen von Faunen zu unterscheiden, aus denen die heutige Be- 
völkerung Europas hervorgegangen ist, sondern wir können die Rei- 
henfolge angeben, in der sie erschienen sind. Die erste noch erkenn- 
bare ist die afrikanische längst gänzlich verdrängt; die zweite ist 
die nordische, deren Reste auf unsern Hochgebirgen fortleben, gleich- 
sam eine höhere Schicht bildend über den beiden tiefern. Diese sind 
einerseits die westliche Fauna oder lusitanische und als deren Typen 
die dem nördlichen Afrika mit Europa gemeinsamen Formen gelten 
können, andrerseits die östliche oder asiatische, welche in mehrere 
Glieder zerfällt. — (Jahrb. geol. Reichsanst. XIII. 26—30.) 

F. Karrer, die Lagerung der Tertiairschichten am 
Rande des Wiener Beckens bei Mödling. — Im Markte Möd- 
ling von der Eisenbahn aufwärts sieht man rechts von der nahe am 


” 


547 


Randgebirge liegenden Pfarrkirche höher hinauf eine neue Villa, deren 
Brunnen neuen Aufschluss über die Lagerung gibt. Derselbe ist 19 
Klafter 5 Fuss tief, wovon die letzten 5‘ im Tegel. Nach einer mässi- 
gen Humusdecke folgen abwechselnde Lager von Sand, Lehm, Kalk- 
stein, und wieder gelber Sand und Lehm, der verhärtete Partien 
führt. Diese 8 Klafter mächtige Bildung gehört der Cerithienschicht 
an. Dann folgt eine 4° mächtige horizontale Bank bläulichen Kalk- 
steins, ächter Nulliporenkalk, darunter 3° bläulicher Tegel, mehre Fuss 
Nulliporenkalk mit starker Neigung gegen die Ebene. Die übrigen 
Schichten fallen mit derselben Steilheit ab und weisen auf eine starke 
Schichtenstörung. Sie bestehen aus einem wieder sich auskeilenden 
Tegel, Nulliporenkalk mit Zwischenlagen von Tegel und endlich einer 
schwachen Schicht mit Heterostegina costata und schliesslich einer 
starken Tegelmasse, welche das schöne Wasser liefert. Der Tegel 
hat sich als ächter badener Tegel ergeben und führt Pecten cristatus, 
Corbula gibba, Cardita scalaris und viele Foraminiferen so Glandulina 
laevigata, Dentalina Boueana, floscula, elegantissima, Robulina cultrata, 
Globulina triloba und bulloides, Textularia carinata und subangulata, 
Sphaeroidina austriaca u.v.a. An einem weit tieferen Punkte an der 
Engersdorferstrasse in einer nur wenig gegen NO abweichenden Linie 
durchsank man die Cerithienschicht in folgender Ordnung unter Humus 
und gelben Lehm 11/5‘ Cerithiensand, 3!/,‘ gelben Lehm, 2° Cerithien- 
kalk, 1!/3‘ gelben Lehm, 2‘ Cerithienkalk, 4!/,‘ gelben Lehm, 3° Ceri- 
thienkalk, 4!/a‘ gelben Lehm, schliesslich 4!/,‘ blauen Tegel. Merk- 
würdig stimmt mit dieser Folge die Lagerung der Bänke in dem 3), 
Stunden entfernten Felsenkeller von Brunn am Gebirge, wo nur der 
Cerithienkalk mächtiger ist. Bei Mödling liefern die tiefer gelegenen 
Brunnen schon in viel geringerer Tiefe Wasser aber schwefeliges, 
nicht trinkbares. Der Wasserreichthum ist hier so bedeutend, dass 
die Keller davon erfüllt werden. — (Ebenda 30-32). 

H. Möhl, das Auftreten des Basaltes in der Umge- 
gend von Marburg. (Halie 1863. 4°). — Nach Darlegung der 
allgemeinen Verhältnisse schildert Verf. zunächst den Stempel. Der- 
selbe soll früher ein 50—60‘ hoher Basaltkegel gewesen sein und ist 
zum Strassenbau abgetragen, so dass nunmehr ein Hohlweg durch 
bunten Sandstein zu ihm führt. Letzterer gleicht nicht mehr dem 
an den Gehängen des nahen Lahnberges, ist gelblichweiss, wenig 
gestreift, mürbe, mit Schieferthon wechselnd. Er lagert bis zu 30° 
vom Basalt horizontal, dann aber fallen seine Schichten mit 25— 500 
gegen OÖ. gegen den Basalt ein. Er legt sich nicht unmittelbar an 
den Bassalt an, sondern ist durch ein 1‘ mächtige Schicht getrennt. 
welche aus mattem zerreiblichen hellgrauen Thon besteht, am Sand- 
stein von einer dünnen blätternden Brauneisensteinhaut umsäumt. 
Diese Masse führt Knollen von Fettquarz mit anhängendem Glimmer 
und Feldspath, solche von Olivin, Aragonit und Mesotyp. Sie ist 
also zersetzter Basalt. Der gegen O. anstehende Basalt ist dicht, 
sehr fest, dunkelschwarzblau und führt Olivin in faustgrossen Knollen 


" 548 


frische und verwitterte. Der Olivin kommt auch fein eingesprengt 
vor mit Flimmern von Sanadin, sehr spärlich Chrysolith und Skapolith, 
auch strabliger Aragonit und sehr häufig Quarz in aus scharfkantigen 
Stücken gebildeten Knollen. Nach oben bildet der Basalt lose Blöcke, 
eingewickelt und überlagert von basaltischer Erde, nach unten dieht 
gedrängte Säulen in sehr verschiedener Richtung gestellt, In NW 
und SO steht ein eigenthümliches Gestein an, das auf dichtem Basalt 
ruht und von verwitterter oder basaltischer Erde überlagert wird, 
welche Palagonit zu sein scheint und auch Prehnit in kleinen Kugeln 
führt. An der SO Seite, wo diese Schicht zu Tage ausgeht, zeigt 
sie anderes Ansehen, weniger hart, auf dem erdisen Bruche matt, 
gelblichgrau, an der Zunge klebend und fest verbunden mit den auf- 
und umlagernden Basaltstücken. Sie scheint eine vom Basalt einge- 
wickelte gebackene Thonlage zu sein. An der SOWand sieht man 
den säulenförmigen Basalt am Boden bis zum ORande des Kegels 
auftreten, darüber aber den in grossen Blöcken folgenden von Basalt- 
erde überlagerten Basalt in der Mitte der Wand aufhören, um einer 
verwitterten Olivinmasse Platz zu machen, welche noch Basaltknollen 
einschliesst. Die am Stempel vorkommenden Zeolithe wie Phillipsit, 
Chabasit, Mesotyp befinden sich auf secundärer Lagerstätte. — SW 
om Stempel erhebt sich auf dem Lahnbergsrücken als weithin sicht- 
barer Basaltkegel der 100‘ hohe Frauenberg, über Sandstein, bedeckt 
von Basalterde und Basaltblöcken. In, seinem Steinbruche stehen 
senkrechte 1!/, dicken Säulen bisweilen 20° lang und gegliedert. Die 
Grenze gegen den,Sandstein ist nirgends entblösst. — Im SWtheile 
des Olmthales im Dreieck mit, Frauenberg und Stempel erhebt sich 
der kleine Kegel des Wittelsberges. Sein Inneres ist nicht aufge- 
schlossen, nach den Verhältnissen an der Oberfläche gleicht er dem 
Stempel. Mitten im Olmthale steht die Basaltmasse der Amöneburg 
als abgestumpfter Kegel, mit kleinern Kegeln zusammenhängend. Lehm 
umgibt denselben, an einer Stelle auch aufgerichtete Schichten von 
buntem Sandstein ohne Aufschluss der Grenzen. Der Basalt bildet 
fünf- und sechsseitige Säulen in Gruppen mit verschiedener Richtung, 
ist schwarz und dicht, mit vielen Olivinknollen, Aragonit und Mag- 
neteisen. Er scheint zu verschiedenen Zeiten emporgestiegen zu sein. 
— Die abgetragenen Basaltkegel bei Schönstedt stehen in buntem 
Sandsteine, ebenso die beiden Badensteine im Burgwalde, die der 
Verf. noch beschreibt. — Diese sämmtlichen Kuppen sind in einer 
nach N fortsetzenden Linie von der grossen Basaltmasse des Vogelg- 
gebirges abgesonderte Durchbrüche einer Eruptionsperiode im: bunten 
Sandsteine. Der Basalt hob die Sandsteinschichten und zog sich wäh- 
rend der Erstarrung stark zusammen, wodurch das Einschliessen, der 
bunten Sandsteinschichten bewirkt wurde. Die Erhebung geschah 
unter grossen Hindernissen und zwar nach Absatz der Tertiär- 
schichten. Gl. 
Oryctognosie. G. Tschermak, Grundriss der Mi- 
neralogie. Wien, 1863, 8°, — Verf, nennt die Stoffe, welche un- 


549 


sern Erdkörper zusammensetzen Mineralien und behandelt dem gemäss 
hier auch das Wasser und die Gase, die Atmosphäre, Gesteine, Pe- 
trefakten. Wir können diese Begriffsbestimmung durchaus nicht bil- 
ligen und müssen Mineral auf anorgische Körper, nicht Stoffe be- 
schränkt lassen, mit den Stoffen hat es die Chemie und demnächst 
die Physik zu thun, in der That ist auch das, was die Mineralogie 
über Wasser, Gase, Atmosphäre lehrt gewöhnlich so dürftig und un- 
genügend, dass wir selbst den praktischen Werth dieser gewaltsamen 
Vereinigung nicht anerkennen können. Im Uebrigen bevorzugt Verf. 
in seiner Darstellung die Krystallographie, was sich für den Uhter- 
richt viel eher rechtfertigen lässt als eine ausführlichere Behandlung 
des chemischen Theiles. Der allgemeine Theil, welcher nahezu die 
Hälfte des Buches einnimmt, schliesst mit einer analystischen Tabelle 
zur Bestimmung der wichtigsten Mineralien, welche freilich im Ein- 
zeln noch manches zu wünschen übrig lässt. Der beschreibende Theil 
charakterisirt die wichtigsten Mineralien nach naturgemässen Gruppen. 

R. Blum, dritter Nachtrag zu den Pseudomorpho- 
sen des Mineralreiches. Erlangen 1863. 8°. — Des Verf.’s hohe 
Verdienste um die Kenntniss der Pseudomorphosen sind allgemein 
bekannt und dass er denselben fortwährend seine Aufmerksamkeit ge- 
schenkt, werden alle Mineralogen dankbar anerkennen. Dieser dritte 
Nachtrag behandelt alle in den letzten zehn Jahren bekannt geworde- 
nen Pseudomorphosen mit einem Hinweise auf die in den ersten bei- 
den Nachträgen und dem Werke über dieselben beschriebenen und 
zwar die Umwandlungspseudomorphosen durch Verlust von Bestand- 
theilen hervorgerufen unter Nr. 1—20, durch Aufnahme von Bestand- 
theilen hervorgerufen Nr. 21—36, durch Austausch von Bestandthei- 
len veranlasst Nr. 37—207, die Verdrängungspseudomorphosen unter 
Nr. 1—158, die Paramorphosen unter 1—5, die Versteinerungs- und 
Vererzungsmittel unter 1—24, schliesslich die ungenügend erforsch- 
ten Pseudomorphosen. Ein Paar Beispiele nur mögen hier herausge- 
hoben werden: 

Malachit nach gediegen Kupfer. — Die Beibehaltung der 
Form des letztern beobachteteBl. an einem Handstück von einem Kupfer- 
erzführenden Quarzgange in der Grauwacke bei Siegen. In dem sehr 
gebrächen Quarz findet sich gediegen Kupfer in Platten und verzerr- 
ten tesseralen Formen meist zu draht- und baumförmigen Gestalten 
gruppirt, durch welche sich ein Theil der gediegen vorkommenden 
Metalle auszeichnet. An den Enden dieser Gruppen erkennt man noch 
deutliche Octaederflächen, trotzdem dieselben meist aus feinfaserigem 
Malachit bestehen und eine ganz kleine nierenförmige Oberfläche be- 
sitzen. An zerbrochenen Gruppen sieht man den Kern von gediegen 
Kupfer, an den Spitzen der baumförmigen Gestalten ist die Verände- 
rung vollständig, diese scheint durch Vermittelung von Kupferoxydul 
vor sich gegangen zu sein, denn an den meisten Bruchstellen kann 
man eine höchst dünne Rinde von Rothkupfererz zwischen dem ge- 
diegen Kupfer und dem Malachit beobachten, so dass offenbar zuerst 


XXL. 1868, 37 


350 


jenes und dann aus diesem der letztere entstand. Diese Umwandlung 
kommt häufig vor, da dieselbe aber nur in der Aufnahme von Sauer- 
stoff, Kohlensäure und Wasser begründet ist: so müssen die ohnehin 
undeutlichen Formen des gediegen Kupfers durch die Volumvermeh- 
rung noch undeutlicher werden. Malachit nach gediegen Kupfer fin- 
“det sich auch auf den Quarzgängen bei Rheinbreitbach unfern Linz 
am Rhein. Es sind diese langezogenen drahtförmigen Gestalten, an 
denen man aber noch die vorherrschenden Würfel- und untergeord- 
neten Octaeder- und Rautendodekaederflächen beobachten kann. Auch 
hier ist die Umwandlung durch Rothkupfererz vermittelt. 
Pseudoapatit nach Apatit. Schon lange ist der Pseudo- 
apatit von Grube Churprinz Friedrich August bei Freiberg in Sachsen 
bekannt in scharf ausgebildeten hexagonalen Säulen, die theilseinzeln 
theils gruppirt auf Quarz oder Barytspath sitzen, zuweilen auch lang- 
säulenförmige oder nadelförmige Individuen und büschelförmige bil- 
den. Ihre Oberfläche ist eben, nur die Endfläche oft ganz drusig oder 
auch eingebrochen, matt, höchstens hier und da schwach glänzend, 
weiss, gelblich, röthlich, bis gelblichroth, nicht selten mit kleinen 
Körnchen von Strahlkies bedeckt, der schwarz ist, bisweilen auch mit 
Nadeln von Rothgültig. Rammelsberg erklärte das; Mineral für einen 
durch Zersetzung angegriffenen Apatit und fand bei der Analyse 
40,30 Phosphorsäure. 53,78 Kalkerde, 0,14 Talkerde, 1,78 Eisenoxyd, 
4,00 Kohlensäure. Das Chlor des Apatits ist also verschwunden und 
etwas Kohlensäure aufgenommen, der Verlust aber war grösser als 
die Aufnahme. Das Innere ist nämlich stets zellig, es: sind verän- 
derte Krystalle und ihre Veränderung begann auf der Oberfläche, wo- 
durch die Form beibehalten wurde. Es sind jedoch weitere Analysen 
nöthig um die verschiedenen Verändernngen nachzuweisen. 

Jaspis nach Augit. Schon Maier bemerkt in seiner Beschrei- 
bung des Wolfsberg: bei Cernossin in Böhmen, dass man Körner von 
gelbem Jaspis im Basalte eingeschlossen finde, die als; Metamorphose 
des Augits betrachtet werden müssen. Und in der That beobachtete 
Bl. an Augitkrystallen von dort die Umwandlung in eine jaspisartige 
Substanz, wie sie schon von der Hornblende bekannt ist. Zwei grös- 
sere Krystalle, der eine die einfache, der andere die Zwillingsgestalt 
der gewöhnlichen Augitform zeigen dieselbe. Ihre Form ist scharf 
und deutlich, dabei wenig glänzend und braun, an der Kante und 
den Ecken heller. Orthoklas wird leicht von ihnen geritzt;. vor dem 
Löthrohre sind Splitter unschmelzbar. Ein zerschlagener Krystall 
zeigt im Innern nichts mehr: von Spaltung, nur muschelige Bruch- 
flächen z. Th. fettglänzend z. Th. matt, aber: die Farbe dunkler, 
schwärzlichbraun, die Härte meist wie aussen. Eine Menge Poren 
durchziehen die Masse, als ob diese Pseudomorphose nur durch: Ent» 
fernung der einatomigen Basen, also durch. Verlust von Bestandthei- 
len entstanden sei. Eine erdige Substanz, welche: alsı feinen Ueber- 
zug die Wandung. der Poren bedeckt, könnte. die zurückgebliebene 
Thonerde sein, die sich ja in. allen basaltischen Augiten;  worfindet, 


551 


Uebrigens nehmen die Poren kaum ein Drittheil des inneren Raumes 
ein, so dass doch immer noch etwas Kieselerde hinzutreten müsste, 
um diesen innern Zustand zu erklären, zumal da bei ganz umgewan- 
delten Krystallen der Art gar keine oder nur verhältnissmässig sehr 
wenige solche Räume bemerkt werden. Diese kleinen Krystalle fir- 
den sich sehr zahlreich auf einem etwa 2’ grossen Hornblendekry- 
stall, sind sämmtlich auf- oder eingewachsen und haben allejene Um- 
wandlung erlitten, sind meist hellbraun und etwas durchscheinend. 
Auch die Hornblende etwas verändert und lässt auf ihrer Oberfläche 
einen grössern Härtegrad wie gewöhnlich wahrnehmen. Auch sein 
Inneres fand sich etwas verändert, weichere und härtere Stellen wech 
seln hier ab und hohle Räume finden sich und sind Augitkrystalle 
eingeschlossen. Merkwürdiger Weise sind dieselben ganz verändert. 
Während nun die Hornblendesubstanz sich ritzen lässt, vor dem Löth- 
rohre ziemlich leicht und zu einer schwarzen Kugel schmilzt und im 
Kolben Wasser giebt, zeigt der Augit eine viel grössere Härte, schmilzt 
nicht: und gibt kein Wasser. Auf einem andern Hornblendekrystall 
ebendaher röthlichbraun und ziemlich weich sitzen kleine Hornblende- 
und Ausgitkrystalle; erstere zeigen dieselbe Beschaffenheit wie der 
grosse Krystall,; letztere die Umwandlung zu jaspisartiger Substanz, 
Auffallend bleibt hierbei, dass die auf Hornblende aufsitzenden und 
in sie eingeschlossenen Augitkryställchen eine vollständige Verände- 
rung erlitten, während die Hornblende weniger berührt wurde, indem 
sie nicht den Grad der Veränderung oder selbst nicht die nämliche 
Art derselben zeigt. Man sieht wie dicht neben einander liegende 
Substanzen selbst wenn sie ihrer chemischen Zusammensetzung so 
nahe stehen wie Augit und Hornblende nicht nur verschiedene Grade 
der Veränderung nach einer Richtung hin sondern auch Veränderun- 
gen nach verschiedener- Richtung zeigen 'können. 

Nephelin nach Mejonit. Allgemein ist das Vorkommen 
des Mejonit in den Kalkblöcken am Monte Somma bekannt. Seine ge- 
wöhnliche Form die beiden Säulen mit dem Octaeder, „Po. P.„P. 
wozu bisweilen auch das: zweite Octaeder tritt, ist oft sehr undeut- 
lich durch ungleiche Ausdehnung der Flächen und auch durch Unvoll- 
ständigkeit der Krystalle selbst, da sie oft durchlöchert oder wie zer- 
fressen erscheinen. Nicht selten sind sie auch mit einer weissen oder 
graulichweissen undurchsichtigen Rinde überzogen, deren Entstehen 
man der Verwitterung sogar der vorübergehenden Einwirkung vulka- 
nischen Feuers zugeschrieben hat. Sie ist jedoch eine begonnene Um- 
wandlung. Schon bei ihrer ersten Entstehung besonders auf den Pris- 
menflächen bemerkt man eine Neigung zur Krystallbildung, sie zeigt 
sich wie damasecirt, im weitern Verlauf wird jene noch deutlicher bis 
endlich die Mejonitindividuen aus einem Aggregat von lauter kleinen 
Kryställehen bestehen, so‘ dass deren Form gleichsam nur im Groben 
erhalten ist. Die neugebildeten Kryställchen sind Nephelin und von 
der Form „P.» Pa. OB.A1/,P,; weiss, halbdurchsichtig bis durchschei- 
nend, stark glänzend: mit: perlmutterartigem Glasglanz auf den Säulen- 

87 * 


552 


flächen, während die andern Flächen ‚bei Weitem ‚weniger und fett- 
artig glänzen, auch sind die Combinationskanten von !/aP. zu OP so- 
wie; die Scheitelkanten des. Hexagonaldodekaeders zugerundet. Es 
ist: dies die Cavolinit genannte Abänderung des Nephelin. , Die Kry- 
ställlächen zeigen vollständig die Mejonitformen, indem ‚diese ganz 
und gar aus jenen bestehen. Dabei haben sich jedoch die Kryställ- 
chen stets alle nach einer Richtung geordnet und zwar so, dass ihre 
Hauptachse parallel einer der Combinationskanten des Prismas „Po 
mit dem Octaeder P laufen. Hierdurch, sieht; man auf zwei parallele 
Seitenflächen dieses Prismas der. ursprünglichen , Krystalle nur. die 
Seitenlächen der kleinen Nephelinkryställchen,, während die beiden 
anderr. Seitenflächen jenes Prismas von den End- und Hexagonaldo- 
dekaederflächen gebildet werden. Aus den Flächen des Prismas „P 
in dem Octaeder P ragen die Kryställchen mit einem Theile al- 
ler Flächen hervor, die Flächen sind drusig, die Ecken und Kanten 
gerundet. Die Seitenflächen, mit welchen die Seitenflächen der Nephe- 
linkryställchen in eine Ebene fallen, sind stark glänzend, die andern 
weniger. Diese Pseudomorphosen sitzen in den Drusenräumen der 
Blöcke gewöhnlich unmittelbar auf einem Gemenge von weissem 'Glim- 
und Augit, das auch nicht selten mit jenen verwachsen ist. Den Vor- 
gang der Umwandlung erklärt die Analyse beider Mineralien, näm- 
lich a Mejonit nach vom Rath und b Nephelin nach Scheerer: 
a b 

Kieselsäure 42,55 44,03 

Thonerde 30,89 33,28 

Eisenoxyd 0,41 0,65 

Kalkerde 21,41 1,77 


Talkerde 0,83 —_ 
Natron 1,25 15,44 
Kali 0,93 4,94 
Glühverlust 0,19 0,22 
"98,46 100,32 


Hieraus ergibt sich, dass die Hauptveränderung durch die Entfernung 
der Kalkerde und die Aufnahme von Natron und etwas Kali bedingt 
ist, dass also ein Natronerdesilikat aus einem Kalkerdethonerdesilikat 
entstand, wie es auf gleiche Weise in andern Fällen hervorgegan- 
gen ist. G. 
Palaeontologie., A. Wagner, Monographie der fos- 
silen Fische aus den lithographischen Schiefern Baierns, 
II. Abtheilg. München 1863. 4°. — Ueber die erste Abtheilung dieser 
Monographie berichten wir Bd. XVI. 183 und XIX. 490, das Erschei- 
nen dieser zweiten erlebte der Verf. nicht mehr, sie schliesst’ also 
seine vielen Arbeiten über das reiche Material der Münchener Samm- 
lung und wir konnten bereits eine schöne Arbeit seines Nachfolgers 
(S. 197) anzeigen. Hier werden die Ganoiden abgehandelt zunächst 
die Familie der Griffelzähner, welche aus Agassizs Lepidoiden ber- 
ausgenommen sind. Der lithographische Schiefer führt nur eine Gat- 


553 


tung derselben: Heterostrophus nov. gen. als Repräsentant des'liasini- 
schen Dapedius, breit rhombisch, hoch gewölbt, mit dünnem Schwanz- 
stiel; die Schuppenreihen bilden einen Bogen von oben nach unten - 
Form der Schuppen und Zähne von Dapedius und Aechmodus, aber 
andere Schädelplatten, nämlich völlig glatte; Rücken- und Afterflosse 
nicht mehr vorhanden. Art H. latus. — Die Familie der Sphaerodon- 
tes oder Scheibenzähner begreift die um Lepidotus sich schaarenden 
Gattungen, wobei leider Joh. Müllers Kritik dieser Familie keine Be- 
rücksichtigung gefunden hat. Er verbindet mit Lepidotus die Gat- 
tung Sphaerodus und beschreibt L. armatus von 21/3“ Länge, L. un- 
guiculatus Ag., L. oblongus Ag., L. decoratus n. sp., L. intermedius 
n. sp., L. notopterus Ag., L. maximus (= L. giganteus Q), Sphaero; 
dus gigas Ag. Ferner die Gattung Plesiodus nach Bruchstücken eines 
grossen Schädels aufgestellt: Schädel mit sehr dicken gekörnten Plat- 
ten belegt, hinter dem Kiemendeckel zwei grosse Platten, dahinter 
kleinere, Schuppen sehr dick, fein gekörnt, Gebiss wesentlich wie bei 
Lepidotus. Die Art heisst Pl. pustulosus n.sp. Ferner wird beschrie- 
ben Serobodus subovatus, der als zwerghafter Lepidotus gedeutet wird. 
— Die Familie der Sauroiden begrenzt Verf. ebenfalls anders als 
Agassiz und betrachtet Lepidosteus und Polypterus als deren lebende 
Vertreter. Ihre Gattungen im lithographischen Schiefer bilden 3 
Gruppen. 1. Macrosemii, Rückenflosse ungewöhnlich lang, bisweilen 
doppelt, Kopf keilförmig zugespitzt. Hierher Propterus Ag. mit den 
Arten a. vordere Strahlen der ersten Rückenflosse sehr lang: Pr. spe- 
eiosus nach einem Exemplar, Pr. elongatus wohl nicht von voriger 
verschieden, Pr. microstomus Ag. (= Pr. gracilis Wgn., Notagogus 
Zieteni Ag.) b. Die vorderen Strahlen der ersten Rückenflosse an- 
scheinend kaum verlängert (Notagogus): Pr. denticulatus (Ag). Die 
Gattung Macrosemius nimmt auch Thiollieres Disticholepis auf und 
hat im lithographischen Schiefer nur M. insignis n.sp. Die englische 
Gattung Histionotus mit H. Oberndorferi n. sp. 2. Gattungen deren 
Rückenflosse höchstens die Hälfte des Rückens einnimmt, der Kopf 
vorn abgestumpft. Ophiopsis Ag. mit O. Münsteri O. procera Ag., 
O. serrata (= Pholidophorus tenuiserratus Mstr.), O. attenuata n. sp., 
O. aequalis, O.intermedia, O. altivelis alle neu jedoch nicht hinläng- 
lich begründet. Pholidophorus Ag. liefert a) grosse robuste Arten 
mit ungleichförmiger Beschuppung: 'Ph. macrocephalus Ag. (= Ph. 
uraeoides und latus Ag und jugendlich Ph. striolaris Mstr., Ph. taxis 
Ag), Ph. radians Ag. (= Caturus intermedius Mstr.), b) mittle Arten 
mit sehr hoher sichelförmiger Rückenflosse: Ph. falcifer n. sp. sehr 
fraglicher Verwandschaft, c)' kleine schmächtige Arten mit gleichför- 
miger Beschuppung :/ Ph. brevivelis n. sp., Ph. longiserratus Mstr., 
Ph. elongatus n. sp., Ph. latimanus Ag., d) kleine Arten längs, der 
Mitte mit höhern Schuppen:' Ph. mierops Ag., Ph. micronyx Ag. (= 
Ph. intermedius Mstr.), Ph. ovatus n. sp. Die in den englischen: Pur- 
beckschichten entdeckte, Gattung Pleuropholis Egert tritt im lithogra- 
phischen ; Schiefer auf mit Pl. laevissimus (= Pholidophorus laevis- 


594 


simus Ag.) in einem verstümmelten Exemplare, Eugnathus mit Eu. 
titanius n. sp. 8° lang, mit weicher Wirbelsäule, Eu. macrodon n. sp. 
4°’ lang, beide nicht vergleichbar und fraglicher Verwandtschaft mit 
Eu. microlepidotus Ag. in drei Exemplaren identisch mit Eu. praelon- 
gus Thioll von Cirin. $Strobilodus Wagn. wird näher charakterisirt, 
Sauropsis Ag.  Hypsocormus n. gen. lachsähnlich mit hochgewölbtem 
Rücken, Flossen ohne Fulera, Rückenflosse über dem Anfange der 
sehr langen Afterflosse endend. Art: H. insignis n. sp. bedarf sehr 
der ‚nähern Begründung. B. Sehr lang gestreckte Gattungen mit 
schnabelartigen Kiefern und gegenständiger Rücken - und Afterflosse. 
Aspidorhynchus Ag. die fünf Agassizschen Arten auf zwei redueirt 
nämlich A. acutirostris, dem zugehören A. ornatissimus und A. spe- 
ciosus, dann A.mandibularis Ag. welchem zufallen A, lepturus Ag. und 
A. longissimus Mstr., als neu A. obtusirostris. Die Gattung Belono- 
stomus Ag, mit B. Münsteri Ag., B. Kochi Mstr., B. sphyraenoides 
As. (=B. brachysomus Ag.), B. tenuirostris Ag. (=B. subulatus Ag.). 
B. ventralis Ag. beruht auf einem unbrauchbaren Exemplare. Die 
übrigen Familien vereinigt W. in eine Gruppe der Scheibenschupper, 
die blos auf die Schuppen begründet sehr Widersprechendes zusam- 
menfasst. Die Coelacanthen nur mit Undina Mstr., Art U. penieillata 
Mstr., welcher H. Kobleri und H. striolaris Mstr. zufallen, U, major 
n, sp: nach einem ungenügenden Exemplare. Die Familie der Salm- 
schupper oder Caturinen tritt mit drei Gattungen auf. Caturus Ag. 
mit C. maximus Ag., C. furcatus Ag. (= C. macrodus Ag.) vielleicht 
mit vorigem identisch, C. latus Mstr., C. cyprinoides n, sp., C. miero- 
chirus Ag., C. elongatus Ag., C. pachyurus Ag., C, contractus n. sp, 
nicht von voriger zu trennen, C. granulatus Mst. nur im Habitus von 
voriger unterschieden, C. macrurus Ag., C. oboyatus Mstr.. Die neue 
Gattung Eurycormus steht zwischen Thrissops, Caturus, Pholidopho- 
rus und liefert nur Eu. speciosus n. sp. Liodesmus wird auf Pholi- 
dophorus gracilis Ag. (= Megalurus paryus Mstr.) und L. sprattifor- 
mis .n. sp. gegründet. — Zur Ordnung der Teleosti rechnet Verf, zy- 
nächst die Familie der Breitschwänze, Platyuri mit folgenden Gat- 
tungen: Megalurus Ag mit M. lepidotus Ag, M. grandis n. sp., M; 
altivelis n. sp., M. polyspondylus Mstr. M. elongatus Mstr., M, bre- 
vicostatus Ag, M. elegantissimus n. sp.; ferner Oligopleurus Thiell 
mit O. cyprinoides n. sp., Macrorhipis nov. gen. durch sehr breiten 
Sehwanzstiel, solide knöcherne Wirbel und Fulera an der Schwanz- 
flosse von Pachycormus unterschieden, mit M. Münsteri n. sp., M: 
striatissima (Mstr); Aethalion Mstr mit Ae. Blainvillei (= Clupea 
Knorri Blainv, Ae. angustissimus und inflatus Mstr.), Ae. tenuis Mstr 
(= Ae. angustus und parvus Mstr), Ae. erassus (Ag), Ae. affinis n. sp. 
bei Cirin. Die Familie der Kahlflosser erhält die Gattungen Thris- 
sops mit Thr. formosus Ag, Thr. subovatus Mstr, Thr. propterus n. 
sp., Thr. salmoneoides, Thr. cephalus Ag und Leptolepis mit den Agas- 
sizschen L. Knorri  dubius Ag), sprattiformis Ag, Voithi = con- 
tractus und paucispondylus Ag.), macrolepidotus M. polyspondylus 


599 


DesReferenten Gattung Tharsis beseitigt W. aus keinem andern Gründe 
als weil weder Agassiz noch er selbst Exemplare gesehen und des- 
halb nur Leptolepis darunter begriffen seien könnten! Hätte er die 
zur Begründung derselben angeführten Eigenthümlichkeiten an dem 
reichen Münchener Materiale geprüft: so würde er seine Leptolepis- 
arten gründlicher charakterisirt und auch Tharsis darunter gefunden 
haben. Aber so wenig er berücksichtigt, dass Joh. Müller schon 
längst vor ihm Sphaerodus als zu Lepidotus gehörig nachgewiesen, 
dass Amia und seine Kahlflosser ächte Ganoiden sind, dass endlich 
zur Begründung neuer Familien und Gattungen oberflächliche relative 
Unterschiede nicht ausreichen, sondern tiefgreifende Formeigenthüm- 
lichkeiten nothwendig sind: so unbequem sind ihm auch Beschreibun- 
gen, die sich auf andere als Münchener Exemplare beziehen. Obwohl 
nun die Monographie der lithographischen Fische vollständig vorliegt, 
ist durch dieselbe deren Systematik noch keineswegs zu einem eini- 
germassen befriedigenden Abschlusse gebracht; sie vervollständigt 
und berichtigt Agassizs Angaben nicht genügend und ganz besonders 
bedauern wir, dass das östeologische Detail darin keine Berücksich- 
tigung gefunden hat. 

v. d. Marck, fossile Fische, Krebse und Pflanzen aus 
dem Plattenkalk der jüngsten Kreide in Westphalen — 
Dieselben wurden bei Sendenhorst und in der Hügelgruppe der Baum- 
berge zwischen Münster, Coesfeld, Billerbeck und Horstmar gesam- 
melt und sind folgende, wobei wir hinter den neuen Arten die Au- 
tornamen weglassen: Hoplopteryx antiquus Ag, H. gibbus, Macrole- 
pis elongatus, Sphenocephalus fissicaudus Ag und Sph. cataphratus, 
Platycormus germänus und Pl. oblongus, Acrogaster parvus Ag, A. mi- 
nutus, A. brevicostatus, Rhubdolepis eretaceus, Ischyrocephalus gracilis, ' 
Z. macropterus, Palaeolycus dreginensis, Esox monasteriensis, Istieus 
macrocephalus, mesospondylus, megacephalus, gracilis Ag, Sardinius 
Cordieri, S. macrodactylus, Sardinioides crassicaudus, S. monasterij, 
S. mierocephalus, S. tenuicauda, Microcoelia granulata, Leptosomus 
guestphalicus, Tachynectes macrodactylus, longipes, brachypterygius 
und fraglicher Stellung Echidnocephalus Troscheli und tenuicaudus, 
Enchelurus villosus; von Ganoiden: Zeptotrachelus armatus, Pelargo- 
rhynchus dercetiformis und blochiformis, von Selachiern Palaeoscyllium 
Dechenii; von macruren Krebsen: Pseudocrangon tenuicaudus, Peneus 
Roemeri, Oplophorus Marcki, Nymphaeops Sentenhorstensis; endlich die 
Pflanzen: Eucalyptus inaequilatera, Apocynophyllum subrepandum 
Nehrium Rohli, Quercus dryandraefolia, Belonodendron densifolium, 
Araucärites adpressus, Oalamitopsis Konigi, Haliserites contortuplica- 
tus, Chondrites furcillatus Stbg, Targionii Stbg, intricatus Stbg. — 
Von den zahlreichen neuen Gattungen ist zu bemerken: Macrolepis 
beruht auf einem schlechten Exemplar, Pygäus im Habitus ähnlich, 
mit grossen Augenhöhlen, vielen weichen Strahlen in der Rücken- 
und Afterflosse. Platycormus höch und flach, mit sehr grossen Au- 
genhöhlen, kammförmigen Hinterhauptsbeinen, mit Schuppen auf der 


556 


Basis der Flossen und grossen Schuppen. Rhabdolepis ‚gedrungen, 
hoch, kräftige Wirbelsäule, mit grossen dicken radial gestreiften Schup- 
pen. Ischyrocephalus flach, mit weitem stark bewehrtem Maule, zwölf 
Kiemenhautstrahlen, mit Fettflosse. Palaeolycus lang, schmal, mit 
kurzem Kopfe, im Unterkiefer mit starken, im Zwischenkiefer mit 
kleinen Zähnen, nach hinten gerückte Rückenflosse. Sardinius nicht 
die gleichnamig lebende Gattung, sondern neue auf Osmerus Cordieri 
Ag begründet, davon Sardinoides unterschieden durch die äusserst 
kleinen Brustflossen, sechs Kiemenhautstrahlen, sehr kleine Zähne 
und grosse gewimperte Schuppen. Zu letzterer gehören Osmeroides 
monasteri und microcephalus Ag. Microcoelia mit 3 Kiemenhaut- 
strahlen, langem-Schwanze und kurzen Wirbeln. Leptosomus gleicht 
Sardinoides. Tachynectes lang, spindelförmig, mit Bürstenzähnen, 
wahrscheinlich 16 Kiemenhautstrahlen, sehr grossen Brustflossen. 
Echidnocephalus schlank, dünn, mit dünnem Kopfe, fadendünnem 
Schwanze ohne eigene Flosse. Leptotrachelus schmal, sehr dünnhal- 
sig, mit langem Kopfe, schnabelartigen Kiefern, drei Schilderreihen, 
ohne Afterflosse. Pelargorhynchus aalförmig mit mehreren Reihen 
herzförmiger Schilder und schnabelförmigen Kiefern. Palaeoscyllium 
mit stumpfer gerundeter Schnauze, scharfschneidenden Zähnchen ohne 
Nebenzacken, grossen rautenförmigen Brustflossen. Die Mehrzahl 
dieser Gattungen beruht also auf sehr ungenügenden Charakteren und 
bedarf der erneuten Untersuchung, welche die einzelnen Formtheile 
mit den nächst verwandten Typen vergleicht. Ganz verwerflich ist 
aber die Aufstellung eines neuen Krebses Euryurus mit der Bemer- 
kung: beruht auf einem undeutlichen Abdruck, der fast keinen einzi- 
gen Körpertheil scharf erkennen lässt. Gattungen und Arten sind 
doch ganz bestimmte Begriffe, Typen, wie kann man nur völlig un- 
bestimmte und unbestimmbare als neue einführen und was können 
solche Namen für einen Zweck haben. Muss denn jeder Stein und 
jeder Dreck durch einen lateinischen Namen verewigt werden! — 
(Palaeontographica XI. 1—83. 13 Tff.) 


Cheloniens tertiaires des environs de Winterthur 
par W. G. A. Biedermann, trad. Fr. par O. Bourrit. Winter- 
thur. 1863. 4°. —- Nach Beschreibung der in der Mollasse sich befin- 
denden Lagerstätte schildert Verf. ausführlich Testudo vitodurana, 
T. Picteti, T. Escheri unter Beifügung der Abbildungen. 


Th. Davidson verbreitet sich über folgendeBrachiopoden 
aus der untern Kohlenformation von Neuschottland: Te- 
rebratula sacculus Mart (= T. elongata. und sufflata Vern), Athyris 
subtilita Hall, Spirifer glabra Mart, Spiriferina cristata Schl, ‚Spiri- 
fera acuticostata Kon, Camerophoria giobulina Phill (= Hemithyris 
longa MCoy), Rhynchonella Dawsonana n. sp., Rh. acadiensis n. sp., 
Rh. pungus Mart, Strophomena analoga Phill, Streptorhynchus cre- 
nistria Phill, Productus semireticulatus Pbill, Pr. cora d’Orb (= Pr. 
comoides und scoticus Kon, corrugataMC, Lyelli Vern, tenuistria und 


557 


Neffedievi Vern, pileiformis MChes.) — @uarterl. journ. geol. XIX. 
157-175 tb. 9). Gl. 

Botanik. V. Chatel, nouvelles observations et recherches 
historiques sur la maladie de la pomme de terre et sur celle 
de la-vigne. Caen 1860. — Verhütungsmittal der Kartoffelkrankheit: 
Alsbald’ nach der Aerndte sollen die Saatkartoffeln in einem Bade 
von 4 Theilen Kalk und 1 Salz gekalkt, oder mit gelöschtem Kalk und 
Asche- gepulvert werden. — (Bot. Zeit. 1863. p. 99.) 

H. G. Reichenbach fil. Neue Orchideen. 1) Phalaenop- 
sis intermedia var. Portei: sepalis lateralibus tepalisque ima basi im- 
maculatis, labelli apice foreipato cirris antrorsis. Blühte, wie die 
einer kleinen Ph. Aphrodite, schneeweisse Lippe, purpurn mit gelbem 
Grunde der mittlern Abtheilung und gelber Schwiele, auf der dunkel 
purpurschwarze Puncte. Philippinen. 

2) Cypripedium virens, aff. C. javanico cui persimile stamino- 
dio oblongo (nec transverso) apice bilobo, tepulis eiliatulis (nec seti- 
feris), labelli longioris basi verrucis nullis. 

Die Blühte weissgrün mit wenig grünen Flecken. Der Blühten- 
stiel lang. Die Farben alle blass und wie bei den Verwandten. Die 
vordere Hälfte der Tepulen braunroth, auf der untern Hälfte einige 
schwarzpurpurne Flecke. Borneo. 

3) Dendrobium sculptum: foliis oblongis apice attenuatis, tepu: 
lis oblongis valde transversis, labello trilobo, lobis lateralibus brevi- 
bus, lobo medio lato emarginato bilobo cum apiculo, parte posteriori 
rugis plurimis exarata, calcari ovarium pedicellatum non aequante. 
Blühte so gross wie ein mässiges D. longicornu, von sehr starkem 
Gewebe, schneeweiss, nur ein rundlicher orangegelber Fleck mitten 
auf der Lippe. Borneo. 

4) Dendrobium lucens, aff. D. pieto Lindl: majus, calcaris apice 
antrorsum curvula, labello ligulata flabellata acuto, callo erasso angu- 
liformi antrorsum acuto in disco, androclinii lobis lateralibus retuso- 
trilobis. Farbe wie bei D. pietum, aber Lippe vorn ganz weiss, ge- 
gen den Grund tief orange. Blühten so gross wie bei D. Kohlmeje- 
rianum 'TTsm. Bendk. Borneo. 

4) Wullschlaegelia aff. Cranichidi: columna antice in processum 
semiovatum, margine libero ancipiti denticulatum , superne foveatum 
(sigma) protensa. Rhizoma repens radicibus fusiformibus caudatis 
pluribus. Caulis perulus, vaginis ovatis acuminatis sessilibus; usque 
spithamaeus. Racemus plurifloris. Bracteae triangulae pedicellis sub- 
aequales. Sepala et ovarium extus puberula. Sepalum dorsale ligu- 
latum. Sepala lateralia triangula, obliqua, transversa, multo latiora 
latere libero basilari rotundata. Tepala ligulata acuta, nunc basi cum 
sepalis lateralibus connata. Labellum unguiculatum, oblongonavicu- 
lare, obtuse acutum, basi utrinque rotundata semicordatum (seu obtu- 
sangulo-semisagittatum.) Columna abbreviata, membrana tenui (ros- 
tello) sub anthera reflexa, inter limbum oveae. Jamaica. 

5) Stenoptera ananassocomos Rchb. fil. f#. Wullschgl.: perpu- 


558 


silla, foliis rosulatis petiolatis ovatis acutis, pedunculo puberulo. 1-3 
phyllo, bracteis, lanceis acuminatis flores excedentibus floribus pu-_ 
berulis,, sepalis ligulatis apice discoloribus, tepalis linearibus, labello 
lineari spatulato acuto uninervi. 2—3 pollices alta. Jamaica. — (Ebenda 


p. 128—131) R.D. 
Th. Irmisch, Beiträge zur vergleichenden Morpho- 
logie der Pflanzen. Gagea. — Die Gagea-Arten bringen nur 


spärlich völlig reife Früchte, noch am häufigsten G. lutea. - Die rei- 
fen Samenkörner sind dem Hauptumrisse nach länglich, indessen än- 
dert die Form wie auch die Grösse bei einer und derselben Art oft 
ab. Bei G. lutea sind die reifen Samen undeutlich gestreift. ‚So 
lange sie noch in der: Kapsel sind, sind sie weisslich, nehmen aber, 
sobald sie sich öffnet oder die Körner herausfallen lässt, eine hell- 
braune Färbung an. Der Embryo stellt einen walzigen oder schlank 
eiförmigen, an dem Radicularende verdünnten Körper dar. Unmittel- 
bar nach der Reife ausgesäete Samen keimen im nächsten Frübjahr. 
Manche Keimpflanze war schon zu Anfang des Februar ziemlich weit 
ausgebildet. Die weitere Entwickelung der Keimpflanze innerhalb 
der ersten Vegetationsperiode beschränkt sich wesentlich auf die Aus- 
bildung der vorhandenen Theile. I. geht darauf specieller auf! die 
Zwiebeln ein und illustrirt durch Abbildungen. — (Bot. Zeitg. 1863. 
pag. 137.) R.D. 
H. Karsten, Entwickelungserscheinungen der:.or- 
ganischen Zelle, — Gegenwärtig ist das Hauptaugenmerk.der Zel- 
lenlehre zu richten auf die physikalischen und chemischen Verände- 
rungen der Formelemente während der Entwicklung und Vermehrung 
der Zelle, um durch das Verständniss dieser Erscheinungen auf. die 
Gesetze zu kommen, welche der Entstehung und dem Wachsthume 
der Organe und Organismen zu Grunde liegen. ‚Die Entwickelungs- 
geschichte hat nun nach Verf. gelehrt: in den Fällen, welche als si- 
chere Beweise für eine Zellenvermehrung durch Abschnürung. angege- 
ben wurden, bewirken Tochterzellen, welche frei im flüssigen Inhalte 
der Zellen entstehen, ihre Vermehrung und durch Vergrösserung die- 
ser Tochterzelle wird die Theilung des Lumens der Tochterzelle 
vermittelst Scheidewände ausgeführt. Ferner ist die Haut der Ge- 
webzellen nicht einfach, sondern besteht aus mehren in einander ge- 
schachtelten sich selbstständig entwickelnden Zellen. Der Zellkern 
istreine entwickelungsfähige aber oft unterdrückte Kernzelle, neben 
oder innerhalb welcher zum Zwecke der Vermehrung des betreffen- 
den Zellenindividuums zwei neue Zellen auftreten können. ‚Nach 
weitern ‚Betrachtungen schildert nun Verf. die Struktur des Urtica- 
haares und dessen Physiologie, legt dann seine Beobachtungen: an Con- 
ferven dar zumal an Spirogyren und fasst am Schlusse die Resultate 
aus denselben zusammen. Die Urform, welche die als eigenthümlich 
specifisch ausgeschiedene, organisationsfähige Materie annimmt, ist 
das Bläschen, die Zelle, unzertrennlich bestehend. aus. Haut, und 
Inhalt. Jeder dieser beiden, in innigster. Wechselwirkung, fortbeste- 


559 


henden Bestandtheile des Elementarorganes ist fähig mit Hülfe der, 
physikalischchemischen Kräfte, denen es seine Entstehung verdankt, 
sich ferner zu. entwickeln. Die Membran der Zelle vergrössert sich 
und zwar nicht in passiver Ausdehnung; als Folge von Endosmose des 
flüssigen Inhaltes, sie selbst ist vielmehr in fortdauerndem, wenn auch, 
zum Theil fast unmerklichen Wechsel der Menge und Beschaffenheit 
des sie: zusammensetzenden Stoffes begriffen, indem sie eigenthüm- 
liche, höchst wahrscheinlich von der Natur .des Stoffes abhängige 
Form annimmt. Gleich der Haut hat auch der flüssige Inhalt einer 
jeden Zelle dieser in einander geschachtelten Systeme eine eigene Ent- 
wickelungsfähigkeit. Während die Zellhaut durch ihre Vergrösserung 
und meist schichtige Verdickung dieselbe zu erkennen giebt, thut 
dies der flüssige Inhalt durch die in ihm entstehenden vergänglichen 
Sekretionszellen. Sowohl durch die Assimilationsfähigkeit der Mem- 
bran werden fortwährend andere höher combinirte Verbindungen er- 
zeugt, ‚deren lösliche Endprodukte in der allgemeinen Nahrungsflüs- 
sigkeit aufgenommen werden: als auch durch die in dem flüssigen 
Inhalte der Gewebzellen in einer gewissen Entwickelungsperiode re- 
gelmässig auftretenden Secretionszellen. Die neben diesen vorzüglichen 
Secretionszellen zum Ersatze der primären Zelle und zur Erhaltung 
des Zellindividuums in dem Zellsafte entstehende secundäre, tertiäre 
folgende Generation entsteht und entfaltet sich auf Kosten der resor- 
birt werdenden Absonderungsstoffe. Dieser Gestaltungsprocess im 
Innern der Zelle beschränkt sich unter bestimmten Ernährungsbedin- 
gungen nicht auf die Regeneration des Zellindividuums, sondern es 
entstehen aus dem, an bildsamer Materie reicheren Zellinhalte gleich- 
zeitig auf einmal mehre neue Zellen von der Natur der sich repro- 
ducirenden Mutterzelle zum Zweck der Vermehrung der Gewebszel- 
len.. Bei diesem complieirten Bau der Gewebszellen, welche die ent- 
wickelten Organismen zusammensetzen, ist es völlig ungerechtfertigt 
von einzelligen Thieren und Pflanzen zu reden, ebensowenig sind 
hautlose Zellen denkbar; dergleichen Körper würde man Tropfen oder 
Körner zu nennen haben. — (Poggendorffs Annalen OXVIII. 319—338$.) 

Zoologie. Aug. Weismann, die Entstehung des vol_ 
lendeten Insekts in Larve und Puppe. Ein Beitrag zur Me- 
tamorphose der Insekten. Mit 3 Tffln. Frankfurt a. M. 1863. 4%. — 
Die Resultate seiner Beobachtungen fasst Verf. am Schlusse der Ab- 
handlung in folgender Weise zusammen: der Körper des ausgebilde- 
ten Insektes entsteht unabhängig von der äussern Haut der Larve; 
Kopf, Thorax und Hinterleib mit ihren Anhängen sind Neubildungen. 
Kopf und Thorax setzen sich aus einzelnen selbstständig entstehenden 
Theilen zusammen, welche bereits in der frühesten Zeit des Larven- 
lebens als ganglienähnliche von selbstständiger Membran eingehüllte 
Zellenanhäufungen angelegt werden. Die Anlage des Auges nimmt 
allmählig Kugelgestalt an, die Anlagen, der übrigen Theile gestalten 
sich zu glatten Scheiben, in deren anfangs gleichförmiger Zellenmasse 
je nach der Form der ‘zu bildenden Theile eine Differenzirung in 


560 


dreifacher Weise eintreten kann. Entweder wächst die Zellenmasse 
zu einer gefalteten Membran aus (Flügel, Thoracalstücke) oder sie 
schnürt sich durch Entstehen spärlicher Furchen zu einem einzigen 
unverästelten Zellenstrang ab (Fühler, Beine) oder es werden mehrere 
unter einander zusammenhängende sich mehr oder minder verästelnde 
Stränge abgeschnürt (Tracheenkiemen von Simulia und Chironomus). 
Die Bildungsscheiben entwickeln sich im Innern des Larvenkörpers 
entweder im Verlauf eines Nerven, dessen Leitungsfähigkeit sie dann 
für die Dauer des Lärvenlebens nicht zerstören oder durch Wuche- 
rung der Peritonalbülle gewisser Tracheenstäimme. Ein jedes der 
drei Thoracalsegmente wird aus zwei Scheibenpaaren zusammenge- 
setzt. Die untern entwickeln sich als Anhänge die Beinpaare, als Ba- 
salstücke die centrale Hälfte des betreffenden Segmentes, die obern 
bilden die obere Hälfte der Segmente und für den Prothorax als An- 
hang einfache Stigmenhörner oder auch Kiemen, für den Mesothorax 
die Flügel und für den Metathorax (bei den Dipteren) die Schwinger. 
Weitergehende Schlüsse und morphologische Betrachtungen anzustel- 
len reichen die ermittelten Thatsachen noch nicht aus. 


Al; Strauch, chelonologische Studien mit besonderer ' 
Beziehung auf die Schildkrötensammlung der kk. Akademie der Wis- 
senschaften in St. Petersburg. Mit 1 TA. Petersburg 1862. 40, — 
Das reichhaltige Material der Petersburger Sammlung führte Verf. 
zu einer neuen Ülassification der Schildkröten, welche er im ersten 
Abschnitte darlegt, während er im zweiten die untersuchten Arten 
selbst aufzählt. Von ersterem können wir hier nur die am Schlusse 
mitgetheilte analytische Tabelle der Familien und Gattungen wieder- 
geben: 


I. Testudinida. Rückenschild oval und mit Hornplatten ge- 
deckt. Intergularplatte fehlt. 1. Chersemyda. 
a. Schwanzplatte einfach, höchstens auf ihrer obern Fläche getheilt. 
&. Rückenschild aus einem Stück 
der vordere Brustschildiappen unbeweglich 
Brustschild mit 12 Platten. Testudo 
Brustschild mit 11 Platten. Chersina 
der vordere Brustschildlappen beweglich. Pysais. 
8. Rückenschild aus zwei Stücken, das hintere beweglich. Cinixzys. 
b. Schwanzplatte doppelt. 
a. Pectoralplatten berühren einander nicht, von der Mittellinie des 
Brustschildes fortgerückt, wie luxirt. Manouria 
ß. Pectoralplatten berühren einander 
* Brustschild mit 12 Platten 
+ Sternocostalsutur ‘ohne besondere Platten , 
Brustschild aus 2 beweglichen Stücken 
schliessen die Oeffnung vollkommen. Terrapene. 
N 5 unvollkommen. Emys. 
Brustschild aus 1 Stück und fest. Clemmys. 


561 


++ Sternocostalsutur mit besonderen Platten und zwar 
vier. Dermatemys 
drei. Platysternon 
** Brustschild höchstens mit 11 Platten 
+ Sternocostalsutur mit 3 Platten 
Marginolateralplatten in doppelter Reihe. Macroclemmys 
5 ni in einfacher Reihe. Chelydra 
+7 Sternocostalsutur mit 2 Platten 
Brustschild mit 8 Platten, sehr kurz. Staurotypus 


En mit 11 Platten 
Brachiaplatten kleiner als die pectoralen. Aromochelys 
3 eben so gross od. grösser als die pect. Cinosternon 


2. Chelydra. Intergularplatten vorhanden. 
a. Schwanzplatite einfach, aber oberseits der Länge nach getheilt. 
Peltocephalus. 
b. Schwanzplatte doppelt. 
«. Rückenschild ohne Kiel oder mit schwachem Mittelkiel 
* Intergularplatten zwischen den gularen 
+ 5 Vertebralplatten 
-& Nackenplatte fehlt 
Brachialplatten kaum halb so gross wie die pectoralen. Podocnemis. 


e ebenso gross oder grösser 
vorderer Sternallappen beweglich. Sternothaerus 
© fest. Pelomedusa. 


88 Seekenplatte vorhanden. Platemys 
tt 6 Vertebralplatten. Hydromedusa 
* Intergularplatte hinier den gularen, ohne Theil am vordern Brust- 
schildrande. Chelodina. 
£. Rückenschild mit3 Reihen starker Kielhöcker, ungemein vlatt, Chelys 
U. Trionychida. Rückenschild oval und mit einer: continu- 
irlichen Haut überzogen 
Brustschild kurz, am Hinterlappen ohne Klappen. Trionys. 
Brustschild lang, Hinterlappen mit Klappen. 
Rückenschild am Rande überall knorpelig. Cycloderma. 
Rückenschild z. Th. mit Randknochen. Emyda. 
III. Cheloniida. Rückenschild herzförmig, hinten zugespitzt 
und mit einer continurischen dicken Lederhautüberzogen. Dermatochelys. 
Hornplatten gedeckt 
vier Costalplatten jederseits. Chelone. 
mindestens deren fünf, oft mehr. Thalassochelys. 
Im speciellen Theile werden 66 Arten kritisch beleuchtet und zum 
Theil auch eingehend beschrieben. Nur eine ist neu darunter, näm- 
lich Clemmys Wosnessenskyi aus Californien. Verf. hat sich durch 
diese Abhandlung ein bleibendes Verdienst um die Systematik der 
Schildkröten erworben und wird Jeder, der sich mit Schildkröten be- 
schäftigt, dieselben mit Befriedigung benutzen. al. 


esashkkemanle: 
des \ 
Naturwissenschaftlichen Vereines 
für die 
Provinz Sachsen und Thüringen 
Halle. 
1863. sani.‘ NV. 


Sitzung am 3. Juni. 
Eingegangene Schriften: 
1. Verhandlungen dsr zoologisch - botanischen Gesellschaft in Wien. 
XII. Wien 1862. 8°, 
2. Sitzungsberichte der königl. bayrischen Akademie der Wissenschaf 
ten zu München 1862. II. Bd. 4. Hft. 1863. I. Bd. 1. 2. Hft.' 8°. 
3. Bulletin de la societe geologique de France II Ser. Tom.:XX, 
Feuilles 6-12. Paris 1862—63. 8°. 
4. Zwölfter Jahresbericht der naturhistorischen Gesellschaft zu Han- 
nover, von Michaelis 1861—1862. Hannover 1863. 4°. 
Zur Aufnahme angemeldet werden: 
Herr Professor Dr. Welcker hier, 
durch die Herren Giebel, Siiewert und Taschenberg, 
Herr Johannes Meyer, stud. phil. hier 
durch die Herren Giebel, Schubring und Brasack. 
Wegen der den 21. bh. fallenden Stiftungsfeier wird‘ beschlos- 
sen, dieselbe durch eine öffentliche Sitzung zu begehen. 
Herr Giebel legt nachträglich zwei, in’ der Generalversamm- 
lung beider Rechnungslegung fehlenden Quittungen vor. 
Zu den Vorträgen übergehend, bespricht derselbe die Unter- 
schiede zwischen dem abyssinischen und capischen Borsteneichhörn- 
chen. (S. 452). 


Herr Zinken theilt aus der cölnischen Zeitung einen Bericht 


von Müurchison in der londoner geographischen Gesellschaft mit, über 
die Entdeckung der Quellen des weissen Nils. 


Sitzung am 10. Juni. 
Eingegangene Schriften: 

1., Giornale.dell I. R. Istituto Lombardo di Scienze, Lettere ed Arti 
VI—IX. Milano 1855—56. 40, 

2. Memoire del R. Instituto: Lombardo: di Scienze, Lettere ed Arti; 
VIL..Milano:1858. 59:49, 

3. Atti dell’ J. R. Instituto Lombardo di Scienze, Lettere ed’ Arti 
I—III, Milano 1858—63. 40, 


563 


Als:neue Mitglieder ‘werden proclamirt:: 
Herr Professor Dr, Welcker hier 
Herr Johannes Meyer stud.- phil. hier. ’ 

Herr Professor Römer in'Breslau dankt mittelst Schreibens d. 
d. 5. h. für die Wahl zum correspondirenden Mitgliede. 

Herr Siewert verbreitet sich über 2 neue Fortschritte in der 
Photographie, von denen der eine in der Anwendung einer bessern 
Zubereitungsmethode des Colodiums zur Herstellung negativer Bil- 
der besteht, der andere in einem Verfahren, positive Bilder von po- 
sitiven abzunehmen ohne Anwendung von Silbersalzen. 

Herr Drenckmann spricht über die Geschichte der Wald- 
wolle und des Waldwollöls. Vor 20 Jahren suchte ein schlesischer 
Papierfabrikant ein Surrogat für die damals kostbarer werdenden Lum- 
pen und glaubte es in den Nadeln der Pinus nigra austriaca gefun- 
den zu haben. Dieselben wurden mit Natron zu einem filzigen. Brei 
gekoeht, der sich indess zur Papiergewinnung nicht eignete; um ihn 
zu verwerthen, ward er zur Anfertigung von Gesundheitsmatratzen, 
und das dabei gewonnene Oel zur Verwendung bei Bädern empfoh- 
len. Ohne dass jenes Präparat allgemeine Anerkennung gefunden, 
wurde es neuerdings durch einen Herrn Leiritz in Thüringen an- 
gefertigt und dem Publikum als sehr heilsam angepriesen. 

Herr Brasack gedenkt einer interessanten Entdeckung bei den 
Ausgrabungen von Pompeji, wo man nämlich ein Fenster aufgefun- 
den hat mit Glasscheiben von 1!/, Fuss Breite und 2 Fuss Länge. 
Dieselben, grün von Farbe, sind auf der einen Seite glatt, auf der 
andern uneben und weisen darauf, hin dass sie gegossen worden. 
Die Analyse hat nahezu dieselbe unseres heutigen Glases ergeben: 
69,43 Kieselsäure, 7,24 Kalk, 17,31 Natron, 3,55: Thonerde, 1,15 Eisen- 
oxyd, 0,39 Magnesia, Spuren von Kupfer. 

Sodann an G. Roses Untersuchungen über den Asterismus: 
gewisser canadischer Glimmer anschliessend, legt derselbe von ihm. 
gefertigte Präparate vor, die jene Erscheinung in sehr vollkommenen 
Maasse wiedergeben. Kleine Glastafeln waren mit einem feinen 
Wachsüberzug versehen und dieser stellenweise sehr fein wieder aus- 
radirt, wodurch die muthmassliche Lage der mikroskopischen Cyanit- 
krystalle in jenem Mineral nachgeahmt werden. 


Sitzung am 17. Juni. 
Zur Aufnahme angemeldet wird: 
Herr A. Helbig, stud. phil. hier 

durch die Herren Zinken, Giebel, Taschenbers; F 

Der Vorsitzende meldet den Tod des Herrn Dr. Creplin in 
Greifswald, der die Interessen des Vereins Jahrelang durch werth- 
volle Mittheilungen gefördert hat, und theılt sodann Söbreiben der 2 
Herren Professoren E. H. Weber in Leipzig und Bunsen in Heim,» 
delberg mit, worin dieselben dem Vereine ihren Dank für die Ernen- a 
nung zu correspondirenden Mitgliedern aussprechen, i 


ENCES. 
Druck von W. Plötz in Hallo, 


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Herr Siewert, über die frühern Methoden, grössere Hitze- 
grade von über 300° zu messen sich verbreitend, theilt die Vorschläge 
mit, welche Bischoff auf ‘von ihm angestellte Versuche macht. Er un- 
tersuchte die Schmelzpunkte verschiedener Silikate und fand, dass je 
nach den verschiedenen Höhen und deren niederen oder höheren Ver- 
bindungen mit Kieselsäure sehr verschiedene Schmelzpunkte eintreten, 
am niedrigsten stellt sich der der Eisensilikate heraus, dann folgen Kalk, 
Aluminium und zuletzt mit höchstem Schmelzpunkte Magnesiasilikate. 
Bischoff schlägt nun vor eine Skala dieser Silikate aufzustellen und 
nach ibnen die Hitzegrade vergleichungsweise zu bemessen. 

Eine zweite technische Notiz des Vortragenden bezieht sich 
auf die Anwendung des Aetzbaryts bei der Zuckerfabrikation statt 
des Aetzkalkes, um die Krystallisation zu fördern und die leicht in 
Gährung überführenden Stoffe zu beseitigen. Schon vor 12 Jahren 
schlug man den Aetzbaryt vor, verwarf ihn aber wieder als zu 
theuer und als giftig. Jetzt hat man beide Einwürfe durch andere 
Methoden, die man in Anwendung bringt zu beseitigen gesucht. Es 
ist gelungen, denselben billig aus gepulvertem, kohlensauren Baryt 
herzustellen, den man mit Kohlenpulver geglüht. Um aus der Me- 
lasse den noch krystallisirbaren Zucker abzuscheiden, wird diese di- 
rect mit dem erhaltenen Aetzbaryt versetzt. Die verschiedenen, den 
Zucker verunreinigenden Salze bleiben dabei in der Lösung zurück, 
während der Zucker sich vollständig als unlöslicher Barytzucker ab- 
scheidet. Um nun den Baryt vom Zucker zu trennen wird Schwefel- 
säure bis zur sauren Reaction zugesetzt und zuletzt durch Kalkmilch 
die Schwefelsäure fortgeschafft. Die Zukunft, welche dieses Verfah- 
ren nach der Ansicht des Vortragenden haben sollte, sprach ihm Herr 
Drenckmann ab durch die wahrscheinliche Einsprache dagegen sei- 
tens der Sicherheitspolizei. — Herr Weitzel spricht über die Erniedri- 
gung des Tones durch Fortpflanzung desselben, die Beobachtungen 
Sydney Ringers vortragend, und lässt der Versammlung mittelst 
einer Stimmgabel die bestätigenden Versuche wiederholen. 


Oeffentliche Sitzung am 24. Juni. 

Zur Feier des am 21. h. fallenden Stiftungsfestes hielt Herr 
Giebel einen Vortrag über das Alter des Menschengeschlechts. 
Nachdem der einzelnen Fälle gedacht, wo man glaubte menschliche 
Knochenreste fossil gefunden zu haben, schilderte er die drei Epochen 
des steinernen, ehernen und eisernen Zeitalters, welche durch die Pfahl- 
auten in der Schweiz und durch die analogen Ablagerungen im Nor- 


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